„Wir haben kein Sexismus-Problem, sondern ein Empörungs-Problem“

Der Autor des Blogs „Medienland“ nimmt zur Frauenquote Stellung. Einige Passagen dabei finde ich sehr interessant:

Ich habe in meinem Freundeskreis ausnahmslos emanzipierte Frauen. Zum Teil so emanzipiert, dass sie ihren Männern ständig sagen, wo der Hammer hängt. Samstags Fußballtag mit den Jungs? No way, du bleibst daheim oder kommst direkt nach dem Bayern-Spiel wieder nach Hause. Weiter noch: Auch meine Mutter, Mitte 50 mittlerweile, ist durch und durch emanzipiert. Sogar meine Großmutter ist eine emanzipierte Frau, die niemals – nie, nie, niemals – eine Quote fordern würde. Erstens hat sie zu viel Respekt davor, dass mein Großvater sich über Jahrzehnte den Arsch für Familie, Frau und Töchter aufgerissen hat. Zweitens würde sie sagen: Wenn du etwas erreichen willst, dann musst du hart dafür arbeiten. Ein Grundsatz, der plötzlich nicht mehr gelten soll? La Vida Loca.

Das ist auch etwas, was ich häufig beobachte: Frauen sind keineswegs so machtlos, wie es der Feminismus anscheinend glaubt. Sie haben oft erhebliche „Macht“ über Männer in ihrem Umfeld, sei es den Freund oder den Ehemann. Eine Macht, die im Feminismus entweder nicht erkannt wird oder nicht als tatsächliche Macht gewertet wird, weil sie nur abgeleitet ist vom Mann und insoweit eine Macht „zweiter Klasse“ ist. Aber nichts desto trotz ist es eine Macht, auf der man einiges aufbauen kann, weil man dadurch eben auch erheblich mitbestimmt, wie beispielsweise Geld ausgegeben wird und wie gelebt wird.

„Beziehungsmacht“ ist aus meiner Sicht keine unwesentliche Macht. Gerade wenn sie in der Ehe noch erheblich durch entsprechende Vorschriften abgesichert wird.

Eine andere interessante Passage:

Wir haben kein Sexismus-Problem, weder in der Wirtschaft noch in der Gesellschaft, sondern ein Empörungs-Problem. Und Empörung ist seit jeher die Debatte des kleinen Mannes / der kleinen Frau. Ein guter Rat: Sucht Euch ein wahres, tatsächliches Thema, wenn ihr schon über die Ungleichbehandlung der Geschlechter diskutieren wollt: Die  Sorgerechts-Frage zum Beispiel. Oder die traurige Tatsache, dass kein Mann mehr weiß, was er eigentlich sagen, machen, denken darf, ohne als Sexist, Weichei oder Macho abgestempelt zu werden. Eine Debatte über die totgeschwiegene Gewalt von Frauen gegen Männer wäre noch so ein Thema. Und warum werden Väter, die sich für Erziehungsmonate entscheiden als Helden der Moderne zelebriert, während die feministische Bewegung Frauen, die sich gegen Karriere und für Kinder und Haushalt entscheiden, ins Abseits katapultiert und als Verräterinnen an der Emanzipation geiselt? Wo bleibt hier die Empörung der Empörten?

Wir brauchen nicht noch mehr selbsternannte Frauenbeauftragte, sondern solche, die uns Männer davon abhalten von der Brücke zu springen vor lauter Unsicherheit, vor lauter Angst davor, irgendwas Falsches zu sagen, vor lauter Angst, dass die Diskriminierung künftig andersrum und mit dem Segen der Masse funktioniert. Das nur am Rande.

Das finde ich eine schöne Zusammenfassung. Und in der Tat entscheidet sich vieles an der Frage, womit man Empörung hervorrufen kann: Mit Frauendiskriminierung immer, mit Männerdiskriminierung weit aus seltener.

Und auch das Schlußwort finde ich nicht schlecht:

Ich für meinen Teil weiß: Ich habe meine Freundin in ihren beruflichen Zielen immer unterstützt – genauso wie alle anderen Männer meiner Generation, die ich kenne – und freue mich jedes Mal auf’s Neue, wenn sie einen guten Artikel publiziert oder Anerkennung für ihre Arbeit – nich für ihre Arbeit als Frau – bekommt. Überhaupt: Warum verdrängt eine ganze Bewegung eigentlich, dass dieses Land von einer Frau regiert wird, eine Frau Verteidigungsministerin ist und #bockaufquote tatsächlich von einer Manuela Schwesig initiiert wird, die sich ja ganz offensichtlich – zumindest beruflich – nicht beklagen kann. Das Absurde: Sie geringschätzt ihre eigene Leistung. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Denn: Wer Talent hat, braucht keine Quote. Wer Leistung zeigt, braucht keine Quote. Und wer gut ist in seinem Job, der wird Chef, wenn er will. Auch ohne Penis.

Das beleuchtet auch noch einmal ein klassisches Argument: Es gibt im Geschlechterbereich weit weniger klare Lager als der radikale Feminismus oder der radikale Maskulismus einen dies glauben lassen wollen: Ein Mann wird seine Freundin/Frau/Schwester/Tochter unterstützen und ihre Arbeit anerkennen, eine Frau ihren Freund/Mann/Bruder/Sohn. Die meisten von uns (Männer und Frauen) kommen aus „Familien mit geteilten Lagern“, haben also einen Vater und eine Mutter und sind auf ihrer Heterosexualität an dem anderen Geschlecht interessiert und ihm meist freundlich gesonnen. Dennoch sind die Geschlechter eben verschieden und haben auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie erreichen wollen und was sie dafür machen wollen. Bereits daran machen sich viele Unterschiede fest.

Der Penis ist nicht das wesentliche.

Selbermach Samstag 112 (29.11.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Der Frauenmangel in China und seine Auswirkungen

In der Welt ist ein interessanter Bericht über China und die dortigen Verhältnisse. Da dort auf 118 Männer 100 Frauen kommen, können die Frauen aussuchen und es zieht sie anscheinend insbesondere zum Wohlstand:

Ein einfacher Mann in türkisfarbenem Regenmantel, der den Blick oft schüchtern auf den Boden richtet. Auch er hat keine Frau. „2003 hatte ich mal eine Freundin, die habe ich unten beim Fluss bei der Arbeit in der Fabrik kennengelernt. Aber als sie sah, wie arm das Dorf ist, hat sie mich verlassen“, sagt er. „Ich will jetzt nur einfach eine Frau.“ Wie sie aussieht, was sie macht, wer sie ist: egal.

Der Bürgermeister ist ein Mann in den Vierzigern in braun-weiß gestreiftem Poloshirt, der lässig mit seinem Mofaschlüssel spielt. „Die jungen Frauen auf den Dörfern, die wollen in die Städte. Die wollen Fernseher haben, die wollen nicht arm sein. Die Frauen wollen Männer mit Geld und Perspektiven.“ Für Frauen ist es leichter, ohne viel Bildung eine Arbeit in der Serviceindustrie der Städte zu finden, als für Männer. Auch das Heiraten in den Städten ist für sie einfacher. Denn selbst in der modernen Gesellschaft der chinesischen Wirtschaftszentren gilt die traditionelle Regel: Die Frau sollte kleiner sein als der Mann. In jeder Hinsicht. Körperlich, geistig, gesellschaftlich. Dass ein Chinese in der Großstadt eine Bäuerin heiratet, wird akzeptiert. Eine Chinesin aus der Stadt würde indes nie einen Bauern heiraten. Das ist einer der Gründe, warum viele gebildete Frauen alleine leben.

Trotz der extremen Situation scheinen also gewisse Regeln fortzubestehen. Etwa körperliche Größe und die Erwartung, dass der Mann einen gewissen Status hat.

Ein paar Hundert Kilometer flussabwärts, in Shanghai, sitzt Frau Yan hinter einem Regenschirm im Volkspark. Es ist Sonntagnachmittag, Marktzeit, ein Heer von Menschen zieht an ihr vorbei. Ein Heer von Eltern. An den Regenschirm hat Frau Yan einen Steckbrief ihrer Tochter geheftet. Ärztin, Ende zwanzig, Festanstellung in einem Krankenhaus, gutes Einkommen.

Samstags und sonntags findet hier ein riesiger Heiratsmarkt statt, die „Liebesecke“. Deswegen sitzt die alte Frau seit fast einem Jahr jedes Wochenende hier und tauscht Telefonnummern mit den Eltern junger Männer aus. In den Wirtschaftszentren Chinas sind die Frauen der Ober- und Mittelschicht, die keine Männer finden. „Junge Frauen stellen heute ihre Karriere vor die Suche des Ehepartners.

Erst die Uni, dann die Arbeit, und irgendwann sind sie übrig geblieben“, sagt Frau Yan traurig. Die Übriggebliebenen, so heißen in China Frauen über 27 ohne Ehepartner. Sie sind zu gebildet für Chinas Männer, bei denen die Emanzipation noch nicht angekommen ist, und vor allem zu alt. Es gibt Schilder hier auf dem Markt, auf denen Eltern Töchter anpreisen mit Doktor- und Professorinnen-Titel. Für im Ausland ausgebildete Chinesen gibt es eine eigene Ecke. Kleine Landesfahnen stehen dort. Deutsche, amerikanische, englische.

Erstaunlich, dass sich trotz der engen Wirtschaftslage keine Männer finden. Wobei es vielleicht auch daran liegt, das man einen gleichen Status will, in diesem Bereich aber für die gut aufgestellten Männer bessere Optionen (jünger, hübscher, mehr in das gesellschaftliche Bild der „kleinen Frau“ (s.o.) passend) vorhanden sind.

Wenn auf der einen Seite Frauen auf Versorgung und Status achten, dann sind halt trotz Knappheit der Frauen die gut aufgestellten Männer dennoch eine Minderheit und können ihrerseits ihre Kriterien zur Geltung bringen. Wenn sich diese nicht ergänzen, dann können auch in einem für sie sonst guten Markt Frauen übrig bleiben, die nicht „gut genug“ für oben sind und andererseits ihrerseits nicht bereit sind „nach unten“ zu heiraten.

„Unsere Töchter haben zu hohe Ansprüche“, sagen beide. Und Hand in Hand mit den hohen Ansprüchen der Frauen, so erklären es die beiden älteren Damen, gehe die Verunsicherung der jungen Männer. Seit Frauen zur Konkurrenz an den Unis und bei der Arbeit wurden, „sind die Jungen hier Schisser geworden“, sagt Frau Yan. „Die sind gar keine Männer mehr“, sagt Frau Cho. Was sie beide nicht wahrhaben wollen, ist: dass für ihre Kinder die Liebe mehr bedeutet, als einfach jemanden zu heiraten. Man hat hohe Ansprüche, man will sich aber nicht vorschreiben lassen, wen man heiraten soll, denn Teil dieser Ansprüche ist: die Liebe selbst.

Die chinesischen Männer, die ich kenne (das sind nicht viele) sind in der Tat oft sehr weich von der Art her, mit Frauen unerfahren, voller romantischer Vorstellungen, dabei aber auch sehr traditionell. Das kann auch an der Auswahl liegen. Es wird andere geben.

Johanna sagt, dass die Liebesagenturen eine gute Sache seien. Man finde ja sonst kaum einen, „der unserem Standard entspricht“ oder sozialen Aufstieg verheiße. Sie hat da so ihre Vorstellungen. „Er muss einen guten Job haben, mindestens so angesehen wie meiner später, er muss viel Geld verdienen und viele Sprachen sprechen.“ Es klingt, als zählte sie die Ausstattung eines Autos auf, das sie kaufen möchte. „Und groß muss er sein!“ Weil sich viele Frauen einen großen Mann wünschen, aber die Natur keine sonderlich großen chinesischen Männer vorgesehen hat, hat sich in China eine kuriose Branche etabliert. Verzweifelte Chinesen können sich ihre Beine operativ verlängern lassen. Das kostet etwa 12.000 Euro und bedeutet, dass sie ein Jahr lang Schrauben in den Knochen tragen müssen, um dann sechs bis acht Zentimeter größer zu sein.

Johanna muss los, zurück in die Uni. Bevor sie sich verabschiedet und im Getümmel der Mall verschwindet, erzählt sie noch schnell eine Geschichte. In einer Dating-Show im Fernsehen, da habe einmal ein Mann eine Frau gefragt: „Willst du mit mir Fahrrad fahren?“ Ihre Antwort: „Lieber würde ich in einem BMW sitzen und weinen.“ Johanna kann das gut verstehen.

Dem Spruch mit dem BMW habe ich auch schon aus der Ecke gehört. Er scheint in China eine gewisse Bekanntheit zu haben (oder es war Zufall). Interessant ist aber, dass hier auch eine Industrie zur Vergrößerung von Männern entstanden ist. Jeder versucht eben auf dem sexuellen Markt so gut wie möglich darzustehen.

Im allumfassenden Patriarchat des Feminismus gibt es keine individuell handelnden Menschen

LoMi führt auf Geschlechterallerlei in den Kommentaren etwas interessantes dazu aus, dass es im Feminismus dank der umfassenden Patriarchatstheorie bzw. den Geschlechterrollen, aus denen man nicht ausbrechen kann, keine Individualität gibt:

Der Feminismus ist nur gerecht vor dem Hintergrund der Patriarchatsthese. Allein die Annahme übermächtiger und umfassender Herrschaft rechtfertigt alles das, was Feministen tun und Männern an-tun. Ohne diese These hat die feministische Moral keinen Boden mehr.

Ein weiteres Gerechtigkeitsproblem entspringt dem Menschenbild des Feminismus. Genau dieses Menschenbild führt zur hypoagency. Im allumfassenden Patriarchat gibt es keine individuell handelnden Menschen. Frauen sind allesamt bis tief in ihre Psyche hinein strukturiert durch das System und damit unterdrückt. Alles was sie tun und sogar denken, ist Ausdruck der Herrschaft. Diese Frauen können folglich keine Eigenverantwortung haben, denn sie sind ja gewissermaßen programmiert durchs Patriarchat.

Bei Männern ebenso: sie sind zwar handlungsmächtig, weil Herrscher, aber sie agieren als vollkommene Automaten im Dienste der Aufrechterhaltung der Männerherrschaft.

Beiden Geschlechtern wird keinerlei Fähigkeit einer kreativen Auslegung und Nutzung gesellschaftlicher Strukturen zugestanden. Deshalb zählen auch individuelle Handlungserklärungen auch nicht: Bei Frauen nicht, weil sie ja doch nur vollziehen, was ihnen die Männer eingeimpft haben. Sie können also nicht wirklich Spaß am Sex mit Männern haben. Bei Männern nicht, weil diese gar nicht bemerken, dass die von ihnen als harmlos eingestuften Handlungen (“hallo” auf der Straße) massive Unterdrückungshandlungen sind.

Insofern gibt es im Feminismus überhaupt keine Abwägung, die ein Tun individualisiert und das die dahinterliegenden Absichten miteinbezieht in das Urteil.

Man fragt sich nur, wie es den Feministinnen gelungen sein soll, sich quasi zu einem göttlichen Beobachterstandpunkt außerhalb des Systems aufzuschwingen.

Das hatte ich auch schon einmal in einem Artikel geschrieben:

An diesem Beispiel wird auch deutlich, dass Sozialisierungs-Theorien gegen biologischen Modellen mit fließenden Geschlechtergrenzen und lediglich Häufungen bei bestimmten Mittelwerten wesentlich essentialistischer und determinierter sein können.

Danach unterliegen dann eben ALLE Frauen einer bestimmten Sozialisierung, weil die gesellschaftlichen Normen, die weiblichen Identitäten, die Geschlechterrollen jeder einzelnen Frau kraft Phänoptyp zugewiesen werden und Druck auf sie in diese Richtung ausgeübt wird.

  • Wer von einer starken Sozialisation ausgeht, die Frauen und Männer betrifft, der muss auch gleichzeitig davon ausgehen, dass es eine geringere Individualität bezüglich dieses Sozialisationsaspektes gibt.
  • Wer von einer schwachen Sozialisation ausgeht, dem fehlt das Argument, warum Frauen sich nicht so leicht von dieser frei machen können.

Der Nachweis, dass es erhebliche Abweichungen gibt, würde damit bedeuten, dass Geschlechterrollen nicht stark sind, und damit dem Feminismus ein wesentliches Element seiner Theorien nehmen, der Nachweis, dass sie stark sind und Frauen hindern, würde hingegen Frauen gleichzeitig ungeeignet für andere Bereiche machen, die entgegen ihrer Rollen bestehen.

Da der Feminismus von starken Rollen ausgeht, müssen Menschen alle gleich sein, wie Marionetten an den Fäden ihrer Geschlechterrollen etc hängen und von diesen kaum abweichen können. Denn anscheinend erkennen beispielsweise Frauen noch nicht einmal, wie nachteilig die Gesellschaft für sie ist und das sie dies in einer Demokratie ändern können, da sie die Mehrheit haben. Ein weitergehendes Denken beider Geschlechter, jedenfalls aber der Frauen, ist mit dem feministischen System nicht vereinbar. Individualität dürfte es nur in den engen Grenzen der Geschlechterrolle geben.

Einigung zur Frauenquote

Die Koalition hat wohl eine Einigung zur Frauenquote erreicht:

Die Spitzen von Union und SPD einigten sich am späten Abend bei ihrem Treffen im Kanzleramt in Berlin auf eine 30-Prozent-Quote für gut 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen ohne Ausnahmen. Das Gesetz soll am 11. Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, hieß es in einer Erklärung. Es soll von 2016 an gelten.

Zudem bleibe es dabei, dass sich 3500 mittelgroße Firmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, sich eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen sollten.

Es bleibt demnach auch bei den von Frauenministerin Manuela Schwesig und ihrem Justizkollegen Heiko Maas (beide SPD) vorgesehenen Sanktionen gegen Unternehmen, die die Quote unterschreiten. Sollten die Firmen die Aufsichtsratsposten nicht ausreichend mit Frauen besetzen, bleiben diese Stühle künftig leer. Die Frauenquote gilt nach der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung künftig auch für Unternehmen des öffentlichen Bereichs. Die Union habe sich mit ihrer Forderung nach Ausnahmen für bestimmte Branchen nicht durchsetzen können, hieß es in Koalitionskreisen.

Da das Thema ja schon häufiger hier war noch ein kurzer Überblick, zunächst über Artikel zu angeblichen Hindernissen von Frauen in Führungspositionen aufzusteigen:

Und zum Gender Pay Gap:

Und zur Frauenquote:

 

„Typenfeminismus: Nichts können aber in die erste Reihe stellen für Kekse“

Wir müssen uns den männlichen Feministen als glücklichen Menschen vorstellen. Er hat ein hohes Ideal, welches er erreichen will und rollt beständig den Stein der Anständigkeit den Hügel hinauf. Beständig kommt auch eine Feministin und stößt ihn wieder hinunter, so dass er sich weiter verbessern kann. Beschwingt kann er den Hügel hinuntergehen und sich sagen, dass er wieder etwas klüger geworden ist, etwas weniger sexistisch. Und beim nächsten Versuch klappt es bestimmt.

Ein solcher Feminist ist Robin Detje, der über den anschwellenden Ekelfaktor berichtet, der sich angesichts antifeministischer Kritik regt. Dabei bringt er zwar keine Argumente, aber viel wichtiger Stimmungen:

Ulf und Harald, Jan und Matthias wollen wir die Dorfhelden nennen, weil sie das auch gerne so halten: Wenn irgendwo Frauen aufmucken, werden diese in ihren Glossen oder auf ihren Facebook-Seiten öffentlich zur Minna gemacht, mit Vornamen angekumpelt und hochschnöslig abgemeiert. Nach dem Motto: Wie können diese Mädchen es wagen? Haben sie denn in der Schule nichts gelernt? Ja, die Herren treten gerne nach unten. Und zwar von ganz oben.

(…)

Mit dem Schmähbegriff der Political Correctness wird Anstand dann belegt, wenn Menschen sich über ihn stellen wollen – einfach deshalb, weil sie Männer sind, weiß oder alt oder alles zusammen

Wenn sie das Recht für sich in Anspruch nehmen wollen, alles, was Minderheiten vorbringen, als nerviges Gezeter abzutun, das ihre Freiheit bedroht. Anstatt zuzuhören, wie es sich unter zivilisierten Menschen gehört. Nein, es ist nicht okay, ein Spaß-Terrorregime aus Kolumnen zu errichten, die Schwächeren den Mund verbieten wollen. Nein, Frauen, die in den Geschlechterbeziehungen ein Machtgefälle erkennen, wollen euch weißen Männern nicht die Schwänze abschneiden. Und nein, Randgruppen, die ihre Verletzlichkeit offenbaren und mehr Schutz möchten, wollen euch nicht die Weltherrschaft wegnehmen. Obwohl – schöner Gedanke eigentlich …

Nein, es gibt in Deutschland niemanden, der diktatorisch-gouvernantenhaft politische Korrektheit durchsetzen möchte. S

Der WHM hat die Weltherrschaft und bangt um sie, die Frauen sind Opfer und wollen nicht „die Schwänze abschneiden“. Sie wollen nur etwas Freiheit – weitergehen, hier gibt es nichts zu kritisieren. Wer Freiheit will, der darf eben ruhig ein Geschlecht pauschal zum Täter abstempeln, ihm die Errichtung einer Rape Culture vorhalten, alle Schlechtigkeiten der Welt auf ihn übertragen und in seinen Tränen baden. Gut, dass Feministinnen niemanden den Mund verbieten wollen, nicht im #Gamergate oder auf Twitter, nicht in sonstigen Debatten, nicht generell in der Geschlechterdebatte, auf so etwas können ja nur AntiFeministen kommen. Es gab keine Aufschreie wegen T-Shirts oder heterosexuellem Küssen oder Babies oder heterosexuellem Sex. Der Feminismus möchte da gar nichts durchsetzen.

Soweit alles richtig gemacht. Aber der Stoß den Hügel hinab kommt gewiss, hier in Gestalt von Sanczny:

Robin Detje möchte nun also Stellung beziehen gegen diesen antifeministischen Backlash. Soweit sehr nett. Von da an geht’s bergab. Er schreibt:

[…] Professx Lann Hornscheidt, die keine Frau mehr, sondern nur noch X sein möchte. Die einen Weg öffnen möchte, aus dem Geschlechterrollenspiel auszusteigen, auch in der Anrede, um zu sehen, ob die damit verbundenen Machtgefüge dadurch sichtbarer werden. [Hervorhebung von mir.]

Äh? Detje hat offenbar seinen eigenen Satz nicht gelesen und gendert mal eben – ganz in guter Absicht natürlich – Profx Hornscheidt AUCH falsch. In einem Satz, in dem es genau darum geht. (Das nach eigenem Belieben mit einem falschen Geschlecht adressieren ist cis-sexistisch. Das ist so ziemlich der Punkt bei der ganzen Sache.)

Nicht. Gut. Genug!  Und damit falsch. Aber es folgen schlimmere Verstöße

Detje zieht dann weiter gegen Ulf Poschardt, Harald Martenstein, Jan Fleischhauer und Matthias Matussek ab:

Wir können uns doch von den N****n das “N***r”-Sagen nicht verbieten lassen [im Original ist das N-Wort beide Male ausgeschrieben]! Das ist doch ein freies Land! Minderheitenphobiker sind diese vier, vom eigenen späten Übermut besoffen. Unangreifbar, weil sie ja die eigentlichen Verfolgten sind, weil immer noch irgendwo an einer Ecke ein Mädchen aufmuckt, eine T****e [diskriminierende Bezeichnung für transgeschlechtliche Menschen ist auch im Original ausgeschrieben], eine Lesbenzicke [?]. Da muss man dann einfach mit dem Porsche drüber.

Legt diesen anderen Typen diskriminierende Sprache in den Mund und lässt sich nicht nehmen, das alles auszuschreiben. Zwei mal das N-Wort unnötigerweise ausgeschrieben, zwei Mal eine diskriminierende Bezeichnung für transsexuelle Menschen unnötigerweise ausgeschrieben. Und dazu dann lauter tolle Distanzierungen von “alternden” WHM, Matussek “gaga” nennen, und die Abwertung dieser nach meinem Kenntnisstand alle in Großstädten lebenden älteren Herren als “Dorfhelden” (diese “es reicht nur fürs Dorf”-Attitüde ist klassistisch).

Lustigerweis hätte Robin hier von den WHMs lernen können. Martenstein hat die entsprechenden Vorwürfe ja bereits hinter sich. Es ist schon fast lustig, dass er hier in eine ähnliche Falle tappt, bei der er der Gegenseite bestimmte Worte in den Mund legt, die dann als unsagbare Äußerung ihm selbst angerechnet werden.

Sanczny weiter:

Was Robin Detje hier leistet ist symptomatisch für Typenfeminismus: Nichts können aber in die erste Reihe stellen für Kekse. Sich von anderen Typen distanzieren um das eigene Typ-Sein zu relativieren. Groß rauströten, was man für ein toll emanzipatorischer Dude ist, und dann mit einer Sparversion von Feminismus auflaufen, die den Namen nicht verdient hat. Und sich gerade deswegen für den sogenannten Mainstream so gut anfühlt: Man muss nur sagen, dass man dafür ist. Ansonsten muss man gar nichts ändern.

Robin Detje hat eben auch nur übersehen, dass er ein Typ ist. Er versteht nicht, dass er selbst Weltherrschaft hat, denn er ist ein Mann und nimmt Raum ein. Er hat als Mann Macht und ist kein Guter, weil er Feminist ist. Er soll lieber den Mund halten, denn er nimmt Frauen Raum weg. Und das auch noch schlecht. Er hat hat nicht bedacht, dass auch er nur die Luft verpestet.

Immerhin wird er nicht als Vergewaltiger bezeichnet. 

Das ist doch immerhin ein Fortschritt