Meisterleistungen der Schuldverlagerung

Auf Identitätskritik findet sich eine hübsche Schuldverlagerung auf das Patriarchat und eine Rebellion gegen die Geschlechterrollen in Bezug auf Triggerwarnungen:

mir wird als nicht-setzerin von triggerwarnungen immer dann, wenn eben das kritisiert wird, vorgeworfen, dass ich nicht vorrausahne, was das, was ich schreibe mit anderen macht. dass ich nicht vorausahne, dass ein text jemand anders weh tut. dass ich mich nicht genug hineinversetze in andere. weibliche sozialisation anyone? diese forderung werde ich niemals als legitim betrachten, nicht nach einem jahrzehntelangen kampf, nicht vor jeder handlung, vor jedem satz immer erst zu überlegen, was das mit der anderen person machen könnte.
das müsste ich als frau ™ nämlich unbedingt vorher wissen. und in meine handlungen einplanen. wo kämen wir denn dahin, wenn ich dann gar noch von gewalt erzählen würde, ohne alle vorher tausendmal zu fragen ob das wirklich okay ist und ob ich wirklich so explizit sein darf, wie die scheiß-wirklichkeit ist.

Die Triggerwarnung, ein Instrument, welches eigentlich dazu dient, den Opferstatus von allem noch zu betonen und sich als besonders opferschützend darzustellen, wird hier quasi als verinnerlichter Sexismus gesehen, denn damit wird an eine Frau die Anforderung gestellt, besonders einfühlsam zu sein. Womit die Aufforderung an jemanden eine Triggerwarnung zu setzen, gleichzeitig Sexismus ist (wenn derjenige eine Frau ist).

Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie leicht man feministische Theorie benutzen kann um in jedem einzelnen Aspekt eine Opferrolle für sich zu entdecken, selbst in Vorgaben aus dem Feminismus selbst. War ja auch schon bei der nichtexistenten Feministischen Feuerwehr Thema.

Vielleicht sollte man da mal einen Wettbewerb draus machen?

Ich bitte also um Einsendung von Beiträgen, wie man feministische Forderungen mittels feministischer Phrasen in eine unberechtige Forderung umwandeln kann. Die Zusendung kann per Email oder auch hier in den Kommentaren erfolgen, oder als Blogbeitrag auf einem eigenen Blog (bitte dann diesen Beitrag verlinken). Wir küren dann einen Sieger (Einsendeschluß: 7.11.2014).

Mögliche Themen:

  • warum die Aufforderung feministisch tätig zu sein, sexistisch im Sinne des Feminismus ist.
  • Warum die Bezeichnung einer Person als Feministin sexistisch im Sinne des Feminismus ist
  • warum es sexistisch im Sinne des Feminismus ist, einer Frau nachts auszuweichen, damit sie keine Angst vor einer Vergewaltigung haben muss

Wer Beispiele findet, die noch absurder sind, der kann diese gerne vorschlagen oder direkt verwenden.

40 Gedanken zu “Meisterleistungen der Schuldverlagerung

  1. Frauenparkplätze sind sexistisch, weil sie einer Frau jedes mal klar machen, dass sie ein potentielles Opfer ist. Das sie nicht gleich wie ein Mann in in der Lage ist ohne irrationale Ängste – das zeigt dann übrigens auch noch, dass Frauen von ihren Gefühlen geleitete Wesen sind, die nicht in der Lage sind, rational zu denken – durch ein Parkhaus zu gehen. Wären sie das bräuchte man keine Frauenparkplätze, denn die Gefahr in einem hell beleuchteten Parkhaus überfallen zu werden ist gegen 0.

  2. Gleichstellungsbeauftragte sind sexistisch, zeigen sie Frauen doch, daß sie es alleine von sich aus nicht bringen. Durch deren ständige Frauenförderung sind sie eigentlich eine Art Behindertenbeauftragte.

    Gleichstellungsbeauftragte sind staatlich bezahlte Sexistinnen.

  3. Die Frauenquote ist sexistisch, da sie Frauen klar macht, dass sie alleine nicht in der Lage sind, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Sie besagt, dass nicht Fähigkeiten zählen, sondern Geschlecht, wenn es um eine gehobenere Stelle geht…

  4. Meisterleistungen feministischer Schuldverschiebung

    Wenn ein Mann sein Monokel im dirndltauglichen Dékolleté einer Dame verliert und sie sich dann gegen die Nachsuche des Sehbehinderten zur Wehr setzt!

  5. Davon mal abgesehen, diese triggerwarnungen sind ja ein weiterer Beleg für die intellektuelle infantilität dieser Leute. Letztens bei Spiegel online glaub ich, war ein Artikel wie Bücher in Universitätsbibliothrken mit triggerwarnungen beklebt werden, weil die kontroversen Gedanken des Autors dem leser schaden könnten. IN einer uni bib!!

    So linksintellektuelle oder feministische Wissenschaft bzw. Theorie sind oxymorone.

    • Triggerwarnungen sind doch praktisch. „Hier in diesem Text habe ich bewiesen, das Frauen unterdrückt werden. Ließ den Text aber lieber nicht, er könnte die triggern.“

  6. Die Bezeichnung einer Frau als Feministin liest die angesprochene Person nicht als Mensch mit eigenen Bedürfnissen sondern allein als Frau, als Objekt zur Abgrenzung männlicher Dominanz.

  7. Vergewaltigung zu beklagen oder auch nur zu erwähnen ist an sich vergewaltigend, weil es erstens fast alle Frauen* aufgrund ihrer Erlebnisse triggert und zweitens dazu beiträgt, dass sie auch weiterhin in ständiger Angst leben müssen und dadurch karrieretechnisch behindert werden. Da ein Mann außerdem ein potentieller Vergewaltiger ist, klingt das Wort aus seinem Munde wie eine Drohung und ist damit eine frauenunterdrückende Machtdemonstration.

    Bevor Männer öffentlich und mit potentiell weiblichen* Zuhörern über Vergewaltigung sprechen, sollten sie sich erstmal untereinander zusammensetzen und das Problem selbst aus der Welt schaffen. Dafür sind nämlich nicht Frauen* zuständig.

  8. Deine eigenen „möglichen Themen“ braucht man ja gar nicht mehr neu zu erwähnen, jeder kennt ja die Beispiele dafür.
    Aber noch mal im Zitat, mit Ergänzungen:

    „warum die Aufforderung feministisch tätig zu sein, sexistisch im Sinne des Feminismus ist.“
    -Warum diese Aufforderung an Feministinnen feministisch ist
    -Warum diese Aufforderung an Männer sexistisch ist (weil damit Aufmerksamkeit weg von feministinnen, die das selbe sagen könnten, weggelenkt wird auf Männer)

    Aber auch:
    warum die Aufforderung, NICHT feministisch tätig zu sein (lass das doch endlich), sexistisch im Sinne des Feminismus ist.
    -same separat für Frauen und Männer

    „Warum die Bezeichnung einer Person als Feministin sexistisch im Sinne des Feminismus ist“

    Und warum es natürlich auch sexistisch ist, einer Feministin genau das abzusprechen. (weil du bist keine mein-feminismus-feministin)

    „warum es sexistisch im Sinne des Feminismus ist, einer Frau nachts auszuweichen, damit sie keine Angst vor einer Vergewaltigung haben muss“

    Und natürlich ist es sexistisch, nicht auf die Ängste einer Frau Rücksicht zu nehmen, die nachts allein rumläuft, indem man nicht vor ihr ausweicht, so dass sie von Angst vor einer Vergewaltigung durchströmt und durchtriggert wird, sobald sie sieht dass ein Mann auf sie zukommt, anstatt ihr auszuweichen.

  9. Wenn ich einer Frau nachts ausweiche, könnte das aber auch bedeuten,dass ich sie hässlich, alt oder unattraktiv finde? Dh. eigentlich dürfte ich ihr NICHT ausweichen, damit sie nicht denkt, dass ich sie hässlich, alt oder unattraktiv finde. Vielleicht sollte ich nachts nicht mehr auf die Straße gehen 🙂

  10. Zum letzten Punkt.

    Einer Frau nachts ausweichen, damit sie keine Angst vor Rape hat.

    Vielleicht bekommt sie ja erst ne Gänsehaut, wenn da irgendeiner Typ in der Dunkelheit auf sie reagiert und schon mal den Bürgersteig wechselt. Creepy.

    War jetzt aber keine feministische Phrase. Tue mich noch schwer damit.

  11. „Vielleicht sollte ich nachts nicht mehr auf die Straße gehen“

    Außer natürlich, du begleitest eine Frau nach Hause, damit sie nicht alleine gehen muss und damit dem Risiko einer Vergewaltigung ausgesetzt ist.

    Oh, aber es könnte ja genau die anbiederung sein, um die Gelegenheit zu eine Vergewaltigung sein…

    Nein, bin keiner von denen. Ich bin ja der weiße Ritter.

    Nein halt, das war früher.
    Das ist ja sexistisch, weil es die mögliche Schuld an einer Vergewaltigung auf die Frau lenken würde,wenn sie ohne Begleitung heimgeht, weil jede Vorkehrung gegen Vergewaltigung victim blaming ist und die rape culture erst fördert.

    Es ist daher falsch, einer Frau nachts auf der Straße auszuweichen, ihr nicht auszuweichen, sie nicht zu ohne Schutz nach Hause zu begleiten oder sie zu ihrem Schutz nachts nach Hause zu begleiten.

    Man sollte sic daher abends nicht in die Situation bringen, einer Frau überhaupt zu begegnen.

    Weil jede denkbare Handlung (+viele, viele, viele, die ich hier nicht aufzäheln konnte…) dann sexistisch ist.

    Gilt allerdings auch für jede Begegnung bei Tag.

    Ich solte also jede begegnung mit Frauen vermeiden.

    Aber

    das wäre auch sexistisch.

    Ich sollte

    am besten aufhören zu existieren.
    Zumindest als Mann

  12. @ David:

    „Bevor Männer öffentlich und mit potentiell weiblichen* Zuhörern über Vergewaltigung sprechen, sollten sie sich erstmal untereinander zusammensetzen und das Problem selbst aus der Welt schaffen. Dafür sind nämlich nicht Frauen* zuständig.“

    Ah, klar.
    Wir Männer sollen uns zusammensetzen und das Problem aus der Welt schaffen.

    Gut.
    Also, ich für mein Teil tue mein Teil, ich vergewaltige keine Frauen. Ich kann mich noch zügeln. Und, überraschung, das ist nicht mal eine besonders schwere entscheidung gewesen, und auch keine, die ich erst nach langwieriger Lernphase getroffen habe.
    Alles in unserer Kultur hat mir schon lange vor erreichen der pubertät vermittelt, dass das ein absolutes no go ist, dass es nicht nur nicht erlaubt ist, sondern böse Böse BÖSE.

    Und auch wenn mich meine jüngeren Überzeugungen zunehmend zu der Erkenntnis führen, Gewalt gegen Männer genauso verwerflich zu finden wie Gewaltgegen Männer, so ist mir klar, dass tief in meinem innern die Bereitschaft, einer Frau in einer solchen kritischen Situation zu Hilfe zu eilen und sofort aktiv zu werden, wenn ich irgend etwas in so einer Richtung bemerke, als einem Mann gegenüber.

    Womit ich annehme, mit der weit überwiegenden Zahl der Männer übereinzustimmen.

    Das „einzige“, was also noch zu tun bleibt, ist, Vergewaltiger dazu zu bewegen, sich rechtzeitig zu outen, damit wir sie von ihrer Tat abhalten können. Was tun sie denn so dafür, das zu erreichen? Sie haben doch sicher eine schlaue Lösung dafür, wenn sie finden, „wir“ könnten das aus der Welt schaffen.

    Wenn „wir“ nämlich einfach wüssten, wer so auf den Straßen die Vergewaltiger sind, dann würden weniger friedliche Männer als ich vermutlich sofort zu lynchjustiz schreiten, und wir wären alle Vergewaltiger auf einen Schlag los.
    Denn Vergewaltigung ist so ziemlich das am meisten geächtete Verbrechen in unserer Gesellschaft. (Mit Einschränkung: Vergewaltigung an Frauen natürlich. An Männern ist das nicht so schlmm, wie sie ja selbst erst vor ein paar Tagen wieder ausgeführt haben.)

    Aber möglicherweise hat genau das viel damit zu tun, dass Vergewaltigungen vorwiegend heimlich geschehen.
    Das ist ein echtes Poblem. haben sie sich schon einmal damit auseinanderesetzt? Ihre Meinung dazu würde mich ernsthaft interessieren.

    • „Und auch wenn mich meine jüngeren Überzeugungen zunehmend zu der Erkenntnis führen, Gewalt gegen Männer genauso verwerflich zu finden wie Gewaltgegen Männer, “

      Sollnatürlich heißen: genauso verwerflich zu finden wie Gewalt gegen Frauen“

    • „dass tief in meinem innern die Bereitschaft, einer Frau in einer solchen kritischen Situation zu Hilfe zu eilen und sofort aktiv zu werden, wenn ich irgend etwas in so einer Richtung bemerke, als einem Mann gegenüber.“

      Soll natürlich heißen:
      „dass tief in meinem innern die Bereitschaft, einer Frau in einer solchen kritischen Situation zu Hilfe zu eilen und sofort aktiv zu werden, wenn ich irgend etwas in so einer Richtung bemerke, sehr sehr viel größer als einem Mann gegenüber.“

  13. Also, ich für mein Teil tue mein Teil, ich vergewaltige keine Frauen.

    Ach, das ist ja nett, dass du großzügigerweise aufs Vergewaltigen verzichtest, damit ist natürlich allen Frauen* geholfen (/Ironie!!!)
    Willst dafür jetzt nen Lolly?

    Dir ist aber schon klar, dass du als potentieller (!) Vergewaltiger einer Rape Culture von patriarchalen Strukturen profitierst, die Frauen* in Angst hält und von ihnen verlangt, sich selbst davor schützen zu müssen, dass du es dir nicht vielleicht an einem schlechten Tag mal anders überlegst?
    Wann hast du denn mal Angst haben müssen, rauszugehen? Wann musstest du aufgrund eines von euch Männern aufrecht erhaltenen Systems Panikattacken erleiden?
    Schon mal daran gedacht, deinen Geschlechtsgenossen zu vermitteln, nicht mehr zu vergewaltigen, anstatt das Problem unter dem du aufgrund deines Privilegs nicht leidest, auf „andere Männer“ zu verlagern?
    Wenn du dich als Profiteur dieses Systems mit dem Status Quo arrangierst und noch unverschämt nach Zuckerlis heischst, weil du angeblich noch nie vergewaltigt hast, bist du Teil des Problems, aber nicht der Lösung!

      • Without a blatant display of humor, it is impossible to create a parody of extremism or fundamentalism that someone won’t mistake for the real thing

        Thank you gentlemen for demonstrating poe’s law.

        • Kenn die Leute hier noch nicht genug, dich z.B erst mal gar nicht.
          Na denn, wenn das Ironie gewesen sein soll: Wo ging die dann los?
          Hier schon?
          https://allesevolution.wordpress.com/2014/10/25/meisterleistungen-der-schuldverlagerung/#comment-149217

          Oder erst hier?
          https://allesevolution.wordpress.com/2014/10/25/meisterleistungen-der-schuldverlagerung/#comment-149283

          Und warum machst du ein definitves /ironie – schließen -Tag VOR dem angeblich ironischen Text?

          Wenn das im 2. Beitrag Ironie gewesen sein sol, dann benutzt du die, um die aus dem ersten entstandene Frage von mir nicht zu beantworten:

          Wie bitteschön. sollen „wir Männer“ das machen, uns „zusammenzusetzen und das Problem selbst aus der Welt schaffen“?

          Heißt das, du stimmst zu, dass auch diese Aussage an sich Müll war, weil eigentlich Ironie?

        • Mensch, maddes 🙂

          Ich war gestern zu viel unterwegs (und erkläre auch ungern Witze), jetzt hast du wohl leider ein paar graue Haare mehr, sorry.

          Ich mag keine Parodien, die zu weit vom Original weg sind, denn absurde Strohmänner bauen kann wirklich jeder. Das waren natürlich schon Sätze, die mitunter in völligem Ernst so fallen.

          Erschreckend, dass man diesen Schwachsin auch in konzentrierter Form so ernst nehmen kann. Warst ja nicht der einzige, brauchst dich also nicht schämen.

          Wenn du aber mal einem echten Feminazi begegnest, würde ich dir ganz ehrlich auch nicht zu wortreichen Verteidigungsplädoyers raten. Dieser menschenfeindliche Müll von Kollektivschuld und inkohärenter Geschlechterklassenverschwörung hat nur genau so viel Macht, wie man ihm gibt

          Du hättest aber auch einfach das Tagesthema und die damit verbundene Aufgabe richtig lesen können 😉

    • „Dir ist aber schon klar, dass du als potentieller (!) Vergewaltiger einer Rape Culture von patriarchalen Strukturen profitierst, die Frauen* in Angst hält und von ihnen verlangt, sich selbst davor schützen zu müssen, dass du es dir nicht vielleicht an einem schlechten Tag mal anders überlegst?“

      1. Wir hatten es schon mal, aber auch Frauen können vergewaltigen, und sie tun es auch. Sie sind also ebenfalls allesamt „potentielle Vergewaltiger“, nicht nur ich.
      2. Nein, ich profitiere kein bisschen von den angeblichen patriarchalen Strukturen. Die Unterstellungen der Rape-Culture-proklamateure belegen mich mit grundsätzlichem Generalverdacht, der es schwer macht, in der öffentlichkeit z.B. mit fremden Kindern überhaupt zu interagieren, z.B. auf einem Spielplatz, wenn man da grad mit den eigenen Kindern ist, oder beim warten an der Straßenbahnhaltestelle. Ich tue es trotzdem, bekomme von den Kindern dabei positive resonanz, manchmal auch von den Eltern. Aber ab und zu auch diese ganz komischen Blicke. Und dann wird mir unheimlich, und ich denke, ob es nicht sicherer wäre, sowas nicht zu tun, sonst könnte ich eines Tages wirklich einem Vorwurf ausgesetzt sein.
      Gleiches kann einem jederzeit bei beiläufigem anflirten von Frauen geschehen.
      Bilden sie sich etwa ein, es sei für mich in irgend einer Weise erstrebenswert oder schön, wenn eine Frau Angst vor mir hat? Ich empfinde es als ausgesprochen unangenehm, und finde es einen bemerkenswerten einblick in ihre psychostruktur, wenn das bei ihnen anders zu sein scheint und sie das als ihren patriarchalen vorteil sehen. Mir ist solche denke jedenfalls fremd.
      Ja, es gibt tatsächlich eine Borderline-Patientin, die sich ausgesprochen intensiv in Ängste vor mir hineingesteigert hat. Ich mag sie eigentlich durchaus, und hätte das gerne verändert. Aber es geht nicht, jeder Versuch kann das nur schlimmer machen, und gegen jede mögliche künftige Begegnung muss ich mich absichern. Ich empfinde das nicht als patriarchalischen Bonus, sondern als persönliche Belastung. Ich will nicht, dass jemand vor mir Angst haben muss (oder glaubt Angst haben zu müssen). Tut mir Leid, dass sie in einer Welt leben, die das anders sieht. Ich kann eine solche Haltung nicht nachvollziehen.

      „Dass ich es mir an einem schlechten Tag anders überlege“ ist eine bodenlose Unterstellung. Dass sie sich da offenbar nicht so imm Griff zu haben scheinen, verbitte ich mir ausdrücklich, auf mich zu übertragen.
      Es gibt sowas wie ein „Handlungs- und Haltungsrepertoire“. Auch Gewalttäter bedienen sich in der Regel nur aus dem, was zu ihrem Handlungsrepertoire gehört, mit dem sie sich so befassen.
      Amokläufer z.B. sind meist sehr unauffällig, befasen sich aber vor ihrer Tat ausführlich damit.

      Und auch wenn man von außen schlecht beurteilen kann, welchen Gedanken und Haltungen ein Mensch so anhängt, und wie authentisch er mit dem was er äußert tatsächlich ist –
      Und auch wenn man in Betracht ziehen muss, dass solche Haltungen sich ändern können und einem Wandel unterliegen –
      so weiß ich für mich ganz genau, dass ich meilenweit davon entfernt bin, auch an einem besonders schlechten Tag etwas wie eine Vergewaltigung zu begehen. Übertragen sie da nichts auf mich, was sie sich offenbar vorstellen können.

      „Wann hast du denn mal Angst haben müssen, rauszugehen? Wann musstest du aufgrund eines von euch Männern aufrecht erhaltenen Systems Panikattacken erleiden?“

      UNS Männern, bitteschön. Wieso willst du dich auf einmal rausnehmen?
      Ich hab oben sehr ausführlich beschrieben, wie unangenehm ich den gedanken finde, jemadn habe Angst vor mir. Die Feministische Propaganda fördert diese Angst, ins absurde übersteigert. Schließlich werden die meisten Gewaltverbrechen in der Öffentlichkeit an Männern verübt. Trotzdem habe ich tatsächlich keine Angst, nacht allein an mein Auto zu gehen. Statistisch hätte ich aber sehr viel mehr Grund dazu, als jede Frau. Denn frauen tut man nichts. das scheinen selbst Verbrecher verinnerlicht zu haben. Oder sie wissen einfach, dass im Zweifel das Strafmass bei einem Verbrechen gegenüber einer Frau höher ausfällt, als wenn sie bloß einen Mann massakriert haben. Risikominimierung sozusagen.

      „Schon mal daran gedacht, deinen Geschlechtsgenossen zu vermitteln, nicht mehr zu vergewaltigen, anstatt das Problem unter dem du aufgrund deines Privilegs nicht leidest, auf “andere Männer” zu verlagern?“

      Erst mal wieder: UNSEREN Geschlechtsgenossen. Du nimmst dich immer dann raus, wenns dir passt.
      Wenn ich jemals jemanden treffen sollte, der Vergewaltigungen irgendwie Okay findet, dann werde ich das mit absoluter Sicherheit tun. Wenn ich angesichts meine Fassungslosigkeit noch fähig bin, dafür Worte zu finden.
      So wie mit Spinnern vom „schwarzen Block“ rumdiskutiere, dass ihre linke Gewalt kein bisschen besser ist als die von ihnen bekämpfte rechte Gewalt, und dass die rechte Gewalt keinerlei Rechtfertigung für irgendwelche linke Gewalt darstellen kann.
      Aber selbst wenn ich für alle möglichen Gewaltformen (Fussballfans, Feministinnen, politische Bewegungen, etc.) tatsächlich (und für mich immer wieder erstaunlich) Leute finde, die sowas okay finden und sogar aktiv propagieren: ich hab noch niemals NIEMALS irgendwen getroffen, der ERNSTHAFT die Meinung vertreten hätte, Vergewaltigung sei irgendwie Okay.
      Das gilt sogar dann noch, wenn ich die diversen Kommentare aus solchen Blogs wie hier einbeziehe, wo sowas schon mal als kommentar auftaucht. Aber ERNSTHAFT sieht auch da niemand, dass eine ECHTE Vergewaltigung Okay sei.

      „Wenn du dich als Profiteur dieses Systems mit dem Status Quo arrangierst und noch unverschämt nach Zuckerlis heischst, weil du angeblich noch nie vergewaltigt hast, bist du Teil des Problems, aber nicht der Lösung!“

      Du zündest Nebelkerzen, die verschleiern, dass es nichts gibt, was du tätest, was ich nicht auch täte.

      Ich habe nicht vom arrangieren mit dem System gesagt. ich habe dich angefragt, wie das bitteschön laufen solle, dass „wir“ andere Männer davon abhalten sollen, zu vergewaltigen.
      Wobei
      1. auch die Frage dazugehören müsste, wie man auch Frauen davon abhält, also allgemein, dass eben nicht vergewaltigt wird, niemand von niemandem
      2. dann auch die Frage dazugehört, wie man vor allemFrauen davon abhält, Männer falsch zu beschuldigen. Denn eine Falschbeschuldigung wegen Vergewaltigung ist in unserer „Rape-Culture“ gleichbedeutend mit einer sozialen Exekution. Ein Mann, der falschbeschuldigt wird, erfährt definitiv vergleichbare Traumatisierungen wie durch eine Vergewaltigung, sein Leben wird irreparabel zerstört.
      3. sehe ich mich an keiner einzigen Stelle als „profiteur“ dieses Systems. Es gibt nichts, rein gar nichts, was daran für mich positiv wäre. Daher kämpfe ich dafür, daran etwas zu ändern. Was ich nur so in meinem persönlichen Umfeld kann, und ein bisschen durch sowas wie „Öffentlichkeitsarbeit“ in sowas wie diesen blogs.

      Dafür, nicht immer neue Mauern zwischen den Geschlechter aufzubauen, so wie sie das machen.
      Sondern offen und ehrlich miteinander umzugehen, und vertrauen aufzubauen, anstatt ständig absurde Ängste zu schüren.

      Die Zahlen der sexualdelikte gingen seit der sexuellen Revolution kontinuierlich zurück (wenn man mal den Sprung herausrechnet, der durch die einbeziehung von „Vergewaltigung in der Ehe“ ausgelöst wurde. Dies ist aber kein echter Sprung, die Taten gab es auch zuvor, sie wurden nur nicht mitgezählt). Es ist (oder war?) meines Wissens Konsens, dass dies daran liegt, dass die Menschen eben freier mit Sexualität umgehen, daher weniger pathologisches Vehältnis zu Sexualität in der Bevölkerung vorliegt.

      Was wir gegenwärtig erleben, und was offenbar auch sie propagieren, läuft in die exakt entgegengerichtete Richtung. Sexualität wird wieder zunehmend dämonisiert und mit Ängsten auf beiden Seiten belegt.
      Es ist unschwer, daraus vorauszusehen, dass dies zu einer Zunahme von sexualdelikten führen wird.

      Kriegstreiber wie sie sind schuld daran.

  14. Nochmal zu

    „Bevor Männer öffentlich und mit potentiell weiblichen* Zuhörern über Vergewaltigung sprechen, sollten sie sich erstmal untereinander zusammensetzen und das Problem selbst aus der Welt schaffen.“

    zu „das Problem aus der Welt schaffen“:
    In Ergänzung zu dem, was ich am Ende meines vorigen Beitrags geschrieben habe, und auch als meine Antwort darauf, „wie“ man „Geschlechtsgenossen zu vermitteln, nicht mehr zu vergewaltigen“

    (anstatt das zu tun, was David mit mir macht, nämlich das „Problem unter dem du aufgrund deines Privilegs nicht leidest, auf andere Männer (nämlich in dem Fall mich) zu verlagern“ – nichts anderes macht David doch mit seinem Beitrag. Er erklärt mich zum Problem, um es nicht mehr selbst sein zu müssen, was eigentlich nach allem, was er geschrieben hat, unausweichlich wäre.)

    Um das Problem zu reduzieren (es wird leider niemals aus der Welt zu schaffen sein), ist meiner Meinung nach das mit abstand sinnvollste, vielleicht das einzig sinnvolle:
    Entpathologisieren von Sexualität.
    Alles dafür tun, dafür zu sorgen, dass Menschen kein pathologisches Verhältnis zu sexualität entwickeln.
    Durch liberalen Umgang damit. Dadurch, dass sexualität nicht mit Ängsten belastet wird. Keine dämonisierung von sexualität. Nicht von weiblicher sexualität, nicht von homosexueller sexualität, und nicht mal von hetreosexuell, aber nur männlicher Sexualität (sorry für die bittere Ironie).

    Denn Dämonisierung treibt menschen in demütigungen, und dann in Pathologien. Und pathologisches verhältnis zu sexualität führt zu pathologischem sexualverhalten.

    Das ist mein Verständnis dazu, das ist das, was ich mit der Entwicklung der Sexualstraftaten verbinde.
    Das ist das, was ich versuche meinen Kindern zu vermitteln, und auch anderen Menschen, mit denen ich zu tun habe.

    Ich sehe, dass das genaue Gegenteil geschieht.

    Und dann lese ich einen (tschuldigung, aber ich kanns wirklich nicht anders sagen) blöden kommentar wie das hier:

    „Wenn du dich als Profiteur dieses Systems mit dem Status Quo arrangierst und noch unverschämt nach Zuckerlis heischst, weil du angeblich noch nie vergewaltigt hast, bist du Teil des Problems, aber nicht der Lösung!“
    von einem, der genau in diese Kerbe der pathologisierung reinhaut, und dem gegenüber ich sehr viel konkreter ausführen kann WARUM seine schräge Gedankenwelt für eine Zunahme von Sexualstraftaten führen wird, wenn wir gesellschaftlich nicht gegensteuern, als sein völlig substanzloses Gerede davon „Männern zu vermitteln, nicht zu vergewaltigen.“

    Hm

    Sorry, David, mein Ton wird grad aggressiv.
    Ihre Antwort wird ebenfalls wieder Kontra geben.

    Es ist genau das, was ich eigentlich nicht will. Es verhärtet die Fronten, und sie werden immer beharrlicher bei ihrer Argumentatin bleiben.
    Weil sie glauben, mir etwas eintrichtern zu müssen.

    Können sie denn nicht zumindest anerkennen, dass mir mein Anliegen ernsthaft ist? Denn das sprechen sie mir ja ab – sie sagen, ich würde mich auf meinen „privilegien“ usruhen. Das tue ich aber nicht.
    Erstens, weil ich sie so gar nicht als Privilegien erlebe, sondern in den genannten Punkten ausschließlich und vollständig als Belastung.
    Und ich deshalb ein eigenes, ernsthaftes Interesse an einer Veränderung habe.
    Was ich haben möchte, ist eine Beziehing der Geschlechter auf Augenhöhe. Gleichberechtigt.
    Und das wird von der gegenwärtigen Geschlechterdebatte, namentlich durch solche Kopfgeburten wie die „Rape Culture“ und anderes vorwiegend aus dem Feminismus bedroht und zerstört.

  15. Die Frauen-Zwangs-Quote für MINT-Studienfächer (d.h., Frauen werden ausgelost, und müssen dann MINT-Fächer studieren) wäre wohl der einzige Weg, dass irgendwann 50% der Ingenieure Frauen wären. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass fänden Feministinnen dann doch auch wieder sexistisch.

    • für Ray:

      Ginge eh nur über Zwang, oder Verkleinerung der Studiengänge. Also gar nicht.
      Ich wäre übrigens für eine 50%-Quote bei Medizinern. Da haben die Mädels nämlich die 70%-Mehrheit.

  16. Der schlimmste Fehler des Feminismus, sein größter und verhängnisvollster Kotau vor den patriarchalen Gewaltstrukturen ist die Scheu davor, weibliche Privilegien selbstbewusst anzuerkennen und sie freudig zu begrüßen.

    Da jammern Maskus unentwegt über die Väterentsorgung, den Wehrdienst, die weitaus höheren männlichen Obdachlosenzahlen, die höhere Selbstmordrate, den früheren Tod, ein Ministerium für alle außer Männer, über die Milliarden, die durch die öffentlichen Kassen von Männern an Frauen verteilt werden, über die schlechtere Gesundheitsfürsorge, die gefährlicheren Berufe, das Abrutschen der Jungen in der Schule, den fehlenden Schutz vor Gewalt und pipapo – und was tun Feministinnen angesichts dieser unaufhörlichen male tears-Produktion?

    Sie leugnen. Sie ignorieren hilflos. Sie spielen herunter. Sie erklären verständnisvoll und geduldig, dass das Patriarchat nun einmal auch Männern schade. Sie versuchen verschämt, die peinliche Situation durch Ironisierung zu retten, für alle Seiten („I bathe in male tears“). Aber sie vermeiden die einzig richtige Reaktion, nämlich klar und offen zu sagen:

    Klar sind wir privilegiert – und das ist auch gut und richtig so!

    Denn wie sieht es andersherum aus – haben etwa Männer Angst, ihre Privilegien einzugestehen? Sie besetzen reihenweise Spitzenposten in den Konzernen. Sie verdienen mehr Geld im Fußball, ohne dass die Männer-Bundesliga an eine Frauenquote in den Mannschaften auch nur denken würde. Sie haben weniger Hemmungen vor der Obdachlosigkeit und sind so wesentlich weniger an unerträgliche Beziehungen gebunden. Sie lernen in Militäreinsätzen fremde Länder kennen, während Frauen ihre Väter, Männer und Söhne verlieren und so Hauptopfer des Krieges sind. Männer vermeiden Altersarmut durch frühen Tod. Sie bringen sich um, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ihre Arbeitskraft noch gebraucht wird. Sie sitzen breitbeinig in Straßenbahnen.

    Aber schämen sich Männer all dieser Privilegien? Nein – sie stehen dazu, als ob nichts dabei wäre. Feministinnen hingegen fordern niemals offen Privilegien, sondern versuchen wieder und wieder zu begründen, dass Frauen doch nur das wollten, was ihnen zustehe. Als ob das einen Mann jemals gekümmert hätte.

    Nein: Eine echte, wahre Gleichberechtigung wird erst erreicht sein, wenn Frauen Privilegien nicht nur besitzen – sondern wenn sie auch offen, klar und freudig dazu stehen können.

    Wie aber ist es eigentlich möglich, dass selbst Feministinnen, und ohne es zu wollen, Strukturen reproduzieren, die das Patriarchat stützen? Für Maskus ein gefundenes Fressen: Sie versuchen natürlich selbstherrlich, Feministinnen Widersprüche nachzuweisen, und missverstehen damit wie üblich mal wieder alles.

    Denn tatsächlich zeigen die feministischen Reproduktionen patriarchaler Strukturen ja nur, wie umfassend, durchdringend und unvermeidbar die Strukturen männlicher Hegemonie sind. Auch noch die, die sich dagegen wehren, sind befangen in dieser Herrschaft – wer im Patriarchat überhaupt tätig sein will, wird unvermeidlich auch patriarchal tätig sein. Gerade der Versuch, ein herrschaftsfreies Leben zu führen, entpuppt sich wiederum als ein neuer Schachzug der Herrschaft.

    Angesichts dieser umfassenden Herrschaft des Verückten kann das, was wahr und human ist, nur verrückt wirken. Ein Feminismus, der sich nicht in der Reproduktion patriachaler Allmacht verstricken soll, muss daher anerkennen:

    Privilegien sind sozial gerecht.
    Hass ist sozial kompetent.
    Gesprächsverweigerung ist Kommunikation.

    Wer das leugnet, bleibt Knecht der WHM-Hegemonie, hat Teil an der Rape Culture und schadet Frauen weltweit. Und das wird auch jeder einsehen, der nicht durch das Patriarchat komplett versaut wurde.

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