Feminismuskritik als Weg zu einem neuen Feminismus?

Genderama zitiert einen interessanten Artikel von Gruenwald:

Feminism is often described as occurring in three separate waves. The first-wave refers to the period between the late 1800s and early 1900s when women focused on obtaining legal equality with men, which was highlighted in the women’s suffrage movement. Second-wave feminism was the period between the 1960s and 1980s, which focused on a wide-range of issues. Some of the second-wave’s accomplishments include female reproductive rights, drawing attention to domestic violence and marital rape, and the passing of the Equal Rights Amendment. The Equal Rights Amendment guaranteed equal rights for both sexes. Third-wave feminism began in the 1990s and sought to include more than just the white middle class women of the first two waves. This wave hoped to involve minority women in their movement to change the stereotypes and perceptions of women. If third-wave feminism was supposed to broaden their audience, why is it that only 9% of young women identify as feminist?

(…) Around 25% of women believe that feminism has become „too aggressive“ towards men. Ms. Young states that modern western feminism has become a „divisive and sometimes hateful force…[that] dwells obsessively on men’s misbehavior and women’s personal wrongs“. This attitude is highlighted in the #YesAllWomen movement which stereotyped all men as potentially harmful because of the actions of a few. Young continues by saying that feminism „dramatically exaggerates female woes while ignoring men’s problems,“ which can be seen in the rape culture movement, which completely ignores male victims of sexual assault and female perpetrators. So why is it that only 9% of young women identify as feminists? 1 in 6 women believe that feminism has gone too far, is this trend toward „anti-feminism“ ideals going to be the newest wave of feminism?

Es wäre ja sehr begrüßenswert, wenn gerade auch Frauen der Auffassung wären, dass der Feminismus moderner Ausprägung zu weit geht und auf diesen Weg eine Reform angestrebt werden würde. Allerdings scheinen mir die Abschottungstendenzen da doch sehr hoch und aus Kritik selbst erwächst keine neue Theorie, diese muss dann positiv formuliert sein. Eine Loslösung vom Opfergedanken als wesentliches Element des heutigen Feminismus scheint mir da jedoch unwahrscheinlich.

„Männerhass = irritierte Männer, Frauenhass = tote Frauen“

Das hier bereits einmal besprochene Argument ist mir nun noch einmal bei Twitter über den Weg gelaufen:

 

https://twitter.com/VanguardVivian/status/512094215460093952

 

Der Text sicherheitshalber noch einmal

Misandry → irritated men.

Misogyny → dead women.

That’s the difference.

Erstaunlich, dass man so etwas tatsächlich denken kann. Denn viele Beeinträchtigungen von Männern treffen diese ja sehr deutlich, von „4 Tote, darunter auch Frauen und Kinder“, dem Wehrdienst, dem Umstand, dass von Männern auch von Frauen Schutz eingefordert wird oder die Abwehr von Gefahren und auch die Entziehung von Kindern oder eine Falschbeschuldigung führt nicht zu einer leichten irritation, sondern zu handfesten Nachteilen.

Zudem sollte gerade im Netzfeminismus auch sehr deutlich werden, dass nicht alles, was dort als Misogyny angesehen wird – ein Blick, ein Kinofilm, das Vorhandensein von Kindern – gleich tödlich ist. Natürlich kann man anführen, dass wegen dieser Einstellung, die sich in Kleinigkeiten zeigt, Frauen getötet werden. Aber das ist ja auch bei Männern so: Wenn man meint, dass ein Mann nichts wert ist, wenn er seine Freundin nicht beschützt, dann führt das eben langfristig ebenso zu Toten.

Positionen in einer Hierarchie und sexuelle Selektion

Ich hatte hier in einem Kommentar ein paar Gedanken dargestellt, die leicht verändert wie folgt lauteten:

 

1.

Status ist ein so offensichtlich gut nutzbares zu evolutionären Zeiten ehrliches Zeichen für genetische Qualität, besser ausgeprägte Eigenschaften, die einem dabei helfen, sich gegen die intrasexuelle Konkurrenz durchzusetzen und insofern Überlegenheit gegenüber anderen Mitgliedern der Gruppe, dass gleichzeitig recht eindeutig auch als sexuelles Signal von Frauen gelesen wird, dass man, wenn man sich mit sexueller Selektion beschäftigt, nicht versteht, wie Leute diese Zusammenhänge leichtfertig abtun können.

2.

Es gibt keine Tierart, die eine Hierarchie und allgemeine Fruchtbarkeit hat und bei der die Männchen oben in der Hierarchie nicht mehr Sex mit interessanteren Weibchen haben

Das ist eigentlich der Kern sexueller Selektion: Aussagekräftige Signale werden über sexuelle Selektion biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale. Um so aussagekräftiger und ehrlicher ein Signal, um so mehr bietet es sich für eine sexuelle Selektion an. Intrasexuelle Konkurrenz erlaubt einen sehr direkten Vergleich, wer oben steht und damit „besser“ ist. Es ist damit ein sehr wahrscheinlicher Kandidat für sexuelle Selektion

Natürlich bedeutet diese gute Kandidateneigenschaft nicht, dass zwangsläufig eine Mutation dieser Art stattgefunden hat und sich durchgesetzt hat. Allerdings finden wir genau das bei unseren nächsten Verwandten, von Bonobos zu Schimpanzen und ich würde sogar sagen, dass es von dieser Regel keine Ausnahme im Tierreich gibt (uns eingeschlossen).

Kennt jemand eine, bei der ein Hierarchiesystem unterhalten wird, ohne das es sich bei allgemeiner Fortpflanzungsfähigkeit auf die „Attraktivität“ der Spitze dieser Hierarchie auswirkt?

Zufriedenheit der Frau maßgeblich für Zufriedenheit in der Ehe

Der Spiegel berichtet über eine Studie, wonach für die Frage, wie glücklich eine Ehe ist, die Zufriedenheit der Frau maßgeblich ist.

Aus dem Spiegel:

Um dies besser zu verstehen, haben Forscher der Rutgers University in New Jersey Daten von fast 400 ältere Paaren ausgewertet, die im Durchschnitt schon 39 Jahre miteinander verheiratet waren. Die überraschende Erkenntnis: Die Zufriedenheit der Frau ist viel wichtiger als die des Mannes, wenn es ums Eheglück geht. Der Mann mag vielleicht gar nicht so positive Gefühle über die Beziehung hegen, solange die Frau glücklich ist, ist alles gut – so in etwa könnte man die Studie zusammenfassen, die im Fachblatt „Journal of Marriage and Family“ erschienen ist.

Da fällt mir gleich der englische Spruch:

A happy wife, a happy life

also „eine glückliche Frau, ein glückliches Leben“ ein.

Eigentlich ja ein interessanter Befund in einem Patriarchat: Man sollte ja eigentlich meinen, dass die Männer das Leben ganz patriarchalisch so eingerichtet haben, dass ihr Glück maßgeblich für die Frau ist und nicht anders herum.

Der Spiegel schreibt zu den Gründen:

Ich denke, es liegt daran, dass eine mit der Ehe zufriedene Frau dazu tendiert, viel mehr für ihren Mann zu tun, was sich positiv auf sein Leben auswirkt“, sagt Rutgers-Forscherin Deborah Carr. Männer hingegen würden generell weniger über eine Beziehung sprechen, sodass ihre Frauen auch weniger über eine mögliche Unzufriedenheit erfahren. Das führe dazu, dass die Unzufriedenheit sich auch seltener vom Mann auf die Frau übertrage.

Bei der Befragung der älteren Männer und Frauen wollten die Forscher unter anderem wissen, ob sie sich vom Ehepartner wertgeschätzt fühlen, ob sie sich streiten und ob sie die Gefühle des anderen verstehen. Die Studienteilnehmer wurden auch gebeten, Tagebuch darüber zu führen, wie glücklich sie in den vergangenen 24 Stunden waren, während sie beispielsweise einkauften, fernsahen oder im Haushalt arbeiteten. „Beide Partner waren umso glücklicher und mit dem Leben zufriedener, je besser sie ihre Beziehung einschätzten“, sagt Carr.

Die Befragung zeigte auch, dass Frauen unglücklicher wurden, wenn ihr Mann krank wurde. Umgekehrt sei dies nicht der Fall gewesen. „Wir wissen, dass bei einer Erkrankung des Mannes oft die Frau die Pflege übernimmt, was eine stressige Erfahrung sein kann“, berichtet Carr. Werde hingegen eine Frau krank, würde meist nicht der Mann, sondern öfter die Tochter die Pflege übernehmen.

Eine unzufriedene Frau wird vielleicht auch schlicht mehr meckern, Streitigkeiten länger nachtragen und weniger ihre Ruhe haben wollen als ein Mann. Dazu würde die hier bereits zitierte Studie passen:

The Creative Conflict Resolution study found that 68% of men preferred to say, “yes dear” or “uh huh” instead of sharing their true feelings to please their quarreling mate. The Arizona study found that girlfriends and wives are not fooled by this capitulation and that this “no mas” defense actually antagonizes and frustrates these women, who then have a lower opinion of the relationship because there is no real satisfactory resolution of the conflict.

In biologische Theorien läßt sich das durchaus einordnen: Für den Mann ist es nicht so schlimm, noch etwas länger mit ihr zusammenzubleiben, seine Fixkosten können gering sein, zumindest, wenn er noch keine neue hat und er kann (auf einen evolutionär bedeutsamen Zeitrahmen bezogen) jederzeit abbrechen, während die Frau, wenn sie erneut von ihm schwanger werden würde, und dann verlassen wird, erhebliche Folgekosten hätte.

Hier  noch der Abstract der eigentlichen Studie:

The authors examined associations between marital quality and both general life satisfaction and experienced (momentary) well-being among older husbands and wives, the relative importance of own versus spouse’s marital appraisals for well-being, and the extent to which the association between own marital appraisals and well-being is moderated by spouse’s appraisals. Data are from the 2009 Disability and Use of Time daily diary supplement to the Panel Study of Income Dynamics (N = 722). One’s own marital satisfaction is a sizable and significant correlate of life satisfaction and momentary happiness; associations do not differ significantly by gender. The authors did not find a significant association between spouse’s marital appraisals and own well-being. However, the association between husband’s marital quality and life satisfaction is buoyed when his wife also reports a happy marriage, yet flattened when his wife reports low marital quality. Implications for understanding marital dynamics and well-being in later life are discussed.

Der Volltext war leider nicht öffentlich verfügbar, wenn ihn jemand hat, dann kann er ja mal berichten, was genau dort steht.

 

Selbermach Samstag 103 (20.09.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Das neuste iPhone als Statussymbol gerade wegen des hohen Preises

Gerade ist das iPhone 6 herausgekommen, nun auch mit größeren Bildschirmgrößen und auch der Möglichkeit, ziemlich viel Speicher zu haben. Natürlich bricht wieder der zu erwartende Android vs. iPhone Krieg aus, insbesondere der Umstand, dass das iPhone 6 technisch keineswegs großartige Neuigkeiten bietet, die es bei Androidhandys schon länger gibt in Verbindung mit dem hohen Preis lädt zu Kritik ein, beispielsweise diese auf 9Gag:

iPhone als Statussymbol

iPhone als Statussymbol

In den Kommentaren wird darauf hingewiesen, dass man sein altes iPhone immer noch gut verkaufen könne und schon deswegen die Rechnung nicht stimmt, aber das ist eine andere Sache, um die es hier nicht gehen soll.

Aus meiner Sicht wird hier nämlich eine ganz andere Komponente übersehen, die Apple schon immer gut bedient hat: Sie sind ein Luxusartikel, eine Marke, die man gerade auch wegen der Marke kauft (was man dann aber natürlich über hohe Qualität, Bedienbarkeit, der Abstimmung der Software auf die Hardware etc rechtfertigen kann.

Insofern ist gerade auch der hohe Preis, der für die Marke gezahlt wird, ein Statussymbol, an das gegenwärtig auch die neueren und hochwertigen Androidhandys nicht herankommen, weil sie die passenden Luxusindikatoren weit weniger bedienen können. Dieser Faktor, dieses „ich kann es mir leisten, mir gleich das neuste Smartphone dieser hochwertigen Marke zu kaufen, als einer der ersten“ ist in den Preis als subjektives Element hereinzurechnen. Es transportiert einen gewissen Status, es kann einen in den Mittelpunkt stellen, weil alle wissen wollen, ob es nun so toll ist und was sich verändert hat. Man kann also kurz (und in den passenden Kreisen) Cool sein oder in technikverliebteren Kreisen seine Bezogenheit zum Gruppenthema zeigen. Der hohe Preis ist insofern nach dem Handicap-Prinzip wichtig für die Marke und das Erlebnis, etwas besonderes zu haben.

Interessanterweise kann man natürlich auch aus Apple-Hass Status aufbauen, etwa in der Art, dass man betont nicht so dumm zu sein, nur für die Marke zu zahlen. Allerdings ist das ein sehr logischer Ansatz, den unser Gehirn daher schwerfälliger aufnimmt als die Nachricht „der da hat ein teures Statusobjekt“.