Feministische Kritik an #HeforShe

Nadine Lantzsch schreibt einen Verriss auf die Rede von Emma Watson. Da sind einige sehr schöne Passagen dabei:

Die eigentliche Kritk wurde in der Fußnote versteckt:

HeforShe fordert Männer auf, sich für Frauenrechte einzusetzen. Motivation für Männer, diese Kampagne aktiv mitzugestalten, soll sein, dass es bei Frauenrechten ja auch um ihre “Töchter, Mütter, Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen” geht. Weil wir als Feminist_innen um die Gnade von Typen betteln, indem wir alle Frauen auf heterosexistische Weise als zu den Typen im unlösbaren Bezugs- und Beziehungsverhältnis stehend konstruieren müssen. Deshalb hat er ja auch was von Feminismus, weil “seine” Frauen dann nicht mehr so schlechtgelaunt in seinem Leben herumtrotten und er sich deswegen nicht mehr so unzureichend oder überlegen fühlen muss. Er kann sich stattdessen als Retter und Erlöser feiern lassen. Ich frage mich, wie Feminist_in solch eine typen-zentrierte und hetero_cis_sexistische Kampagne unterstützen kann, in der Frauen (und nur die!) wieder mal als bedauernswerte, handlungsunfähige Objekte herhalten müssen, die einen Befreier brauchen. Ich frage mich nicht, wie Feministinnen die Botschafterin dieser Kampagne unterstützen können, denn es ist offensichtlich. Sie müssten sich ansonsten selbst kritisieren. Schließlich ist es Mainstream (Ha!) Typen dafür zu schmähen, dass sie sich ständig auf ihresgleichen beziehen, nicht aber jene Feminist_innen, die ihnen nacheifern.

Was an Müttern, Freundinnen und Töchtern per se heterosexistisch sein muss erklärt sie leider nicht. Aber das ihr der Appell an die Männer, da mitzuarbeiten, damit sie selbst es besser haben ankotzt, dass passt durchaus in die radikalfeministische Theorie. Denn da soll der Mann eben eher mitarbeiten, weil es seine Erbschuld ist, weil er etwas abbauen muss, was er angerichtet hat und nicht einfach nur, damit es auch ihm besser geht. Da ist ihr das Feindbild nicht gut genug ausgebaut, schon gar nicht, wenn sich die Männer danach auch noch gut fühlen, denn für gute Taten gibt es bekanntlich keine Kekse, man erfüllt einfach nur eine dringend abzubauende Schuld der Gruppe Mann.

Lustig aber, dass sie nicht will, dass Frauen als bedauernswerte, handlungsunfähige Opfer dargestellt werden, die einen Befreier brauchen. Ehrlicher wäre es wohl, wenn sie direkt ausführt, dass Männer diese Befreier nicht sein dürfen, denn das sind ja bereits die Feministinnen. Die Rolle der Männer ist nicht die des Befreiers, sonders die des Feindes und des Täters.

in ihrer Kritik heißt es dann:

Wenn Kritik kommt, dass das Geseier von so einer Person mit diesem Inhalt nun wirklich problematisch ist, weil privilegiertes liberales Gewäsch (ja, Liberalismus ist so eine weiße Idee, auch die Rhetorik von wir sind doch alle Menschen) oder gar: Feminismus als edgy Zusatz für die eigene heterosexuelle Verwertbarkeit…nun ja, dann kommt meistens als Argument: ABER SIE MACHT ES DOCH FÜR DEN MAINSTREAM!!!

DAs ist doch mal eine Aussage: Liberalismus ist eine weiße Idee, ebenso wie die Rhetorik, dass wir alle Menschen sind. Aus ihrer Sicht ist eben Liberalismus der Versuch, sich seine Privilegien zu erhalten und „wir sind doch alle Menschen“ verschleiert Machtverhältnisse und entlässt die, die einer Gruppe angehören, die die Macht haben, aus der Verantwortung. Sie sind eben nicht einfach nur Menschen, sie sind Menschen mit Privilegien. Und damit keine Menschen, irgendwie. Sondern eben Täter, die sich nicht die Maske des Menschlichen überziehen dürfen, sondern eher demaskiert werden müssen.

Das ist eben die Folge eines so deutlichen Gruppendenkens: Die anderen verlieren ihre Menschlichkeit und werden nur noch als Täter- und Opfergruppe wahrgenommen.

Die Erfahrung einer privilegierten weißen Hetera, die wahlweise von einer anderen privilegierten Hetera oder eines privilegierten weißen Hetero-Typen ausgesprochen wird, der noch mehr Anerkennung bekommt, weil: Er ist ja ein Mann!!! Und die sind – wie wir alle(!) wissen – die Türsteher vor den Toren des guten Lebens. Privilegierte weiße Heteras haben es schwer, sich von der Ideologie loszusagen, bei der sie einzig und allein Opfer sind (und damit Zentrum des feministischen Universums). Sie sind auch Menschen mit gewaltausübender Geschichte, mit Profiten, die sie aus einem gewaltausübenden System ziehen, das z.B. auch Rassismus und Heteronormativität hervorbringt (und ihr eigenes Hetendasein).

Sagt Nadine eigentlich einmal in diesem Artikel, dass sie selbst weiß ist? Ich habe es jedenfalls nicht gefunden. Irgendwie scheint sie sich da frei von ihren Privilegien zu sehen, und dann nimmt sie auch noch Raum ein und spricht quasi für PoCs, erzählt was weißer und was nicht weißer Feminismus ist. Eigentlich ja ein Verstoß gegen die eigenen Regeln.

Und auch hier wieder „die haben es schwer sich, sich von der Ideologie loszusagen, bei der sie einzig und allein Opfer sind (und damit Zentrum des feministischen Universums)“ wenn das genau Inhalt des Feminismus ist. Aber hier geht es ja auch nicht darum, dass Frauen keine Opfer sind, sondern darum, dass die eigentlichen Opfer die lesbischen Frauen, noch mehr die nicht-weißen lesbischen Frauen, sind. Da ist sie immerhin etwas mehr Opfer als die anderen (und damit etwas mehr im Zentrum des feministischen Universums). Es ist also eher ein „die nehmen mir meinen Platz weg, dabei wollen die sich sogar mit dem Feind verbünden).

Fakt ist: privilegierte weiße Heteras sind nicht die Mehrheit. Sie sind global betrachtet sogar eine ziemlich kleine Gruppe von Menschen. Trotzdem macht die Diskriminierung, von der sie profitieren, dass sie sich als Mehrheit denken können, sich selbst als Menschen/Allgemeinheit/Mainstream verstehen.

So gesehen richtig. Es gibt mehr Asiaten, Schwarze, braune etc Menschen. Was Nadine nur nicht darlegt ist, dass sich der Intersektionalismus hier tatsächlich auswirkt: Das es also wirklich ein weißer Feminismus ist, der die Männer mit ins Boot holen will. An Schutz der Männer zu appellieren ist aber aus meiner Sicht keineswegs etwas weißes: Auch alle anderen PoCs werden in ihren Ländern genau darauf gegenüber Männern abstellen. Heterosexualität hingegen ist in der Tat eine Mehrheit. Auch wenn Nadine das nicht gefällt.