Welcher Frauentyp findet sich häufig im Feminismus?

Leszek stellt ein paar Vermutungen zu Frauentypen im Feminismus an: (Hervorhebungen von mir zur Übersichtlichkeit)

 

Was speziell die psychologische Dimension angeht, lassen sich, denke ich, einige plausible Hypothesen hierzu entwerfen.

Bei vielen Anhängerinnen des radikalen Feminismus scheint es sich um Frauen mit stärker maskulinen Tendenzen zu handeln, des Weiteren um lesbische Frauen sowie um Frauen, die sexuelle und andere Gewalterfahrungen durch Männer erlebt haben. (Daraus folgt freilich keinesfalls dass Umgekehrte, dass also Frauen mit stärker maskulinen Tendenzen, lesbische Frauen sowie Frauen mit Gewalterfahrungen durch Männer meistens Anhängerinnen des radikalen Feminismus wären, für die große Mehrheit solcher Frauen gilt dies gewiss nicht.)

Man braucht keine Verschwörungstheorien und keine Unterstellung böser Absichten um zu erkennen, warum die falschen und unwissenschaftlichen Theorien des radikalen Feminismus für manche Individuen aus den genannten Gruppen überzeugend wirken können.

Frauen mit stärker maskulinen Tendenzen (was ja offenbar auch auf einen Teil lesbischer Frauen zutrifft) leiden im Schnitt stärker als andere Frauen unter dem Druck traditioneller Geschlechterrollen. Eine Theorie, die für dieses Leiden eine Erklärung und eine Bewältigungsstrategie anbietet, kann daher zur kognitiven Einordnung und emotionalen Bewältigung hinsichtlich persönlicher negativer Erfahrungen mit dem Druck traditioneller Geschlechterrollen als hilfreich empfunden werden – auch wenn sie, wie die gleichheitsfeministische Theorie wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Nicht jeder Mensch ist empathisch und nicht jede Frau mit stärker maskulinen Tendenzen ist dazu in der Lage nachzuempfinden, dass Frauen, die diesbezüglich eher im Schnitt liegen sowie Frauen mit stärker femininen Tendenzen in manchen Bereichen anders fühlen, andere Bedürfnisse haben, die aber genauso authentisch sind. Es ist leicht von sich selbst auszugehen und die Wahrnehmungen, Bedürfnisse und Einstellungen anderer Frauen dann als „falsches Bewusstsein“ abzutun, wenn es für einen selbst schwer nachvollziehbar ist.
Des Weiteren bietet der radikale Feminismus in dieser Hinsicht eine selbstwertdienliche Erklärung, in dem Frauen mit stärker maskulinen Tendenzen sich tendenziell als frauenpolitische Avantgarde sehen können. Für selbstwertdienliche Erklärungen sind viele Menschen allgemein anfällig, hat man zudem aufgrund seiner geschlechtsbezogenen Identität häufiger Druck oder Diskriminierung erlebt, weil man zu wenig der statistischen Norm entspricht, fühlt sich eine solche selbstwertdienliche Erklärung u.U. erst Recht gut an.

Bei lesbischen Frauen mit stärker maskulinen Tendenzen kommt außerdem noch hinzu, dass sie zusätzlich zum Rollendruck oft auch noch Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt haben. Zudem – nicht jeder Mensch ist empathisch – kann es ihnen u.U. ziemlich schwer fallen heterosexuelles Begehren nachzuvollziehen. Viele scheinbar völlig absurde, sexualfeindliche und heterophobe Aspekte radikalfeministischer Ideologie werden leichter verständlich, wenn man im Auge behält, dass für lesbische Frauen die Vorstellung Sex mit einem Mann zu haben u.U. tatsächlich sehr schwer nachvollziehbar und sogar unangenehm wirken kann.
Ähnlich wie es ja auch Männer zu geben scheint, denen die Vorstellung der empfangenden Rolle beim homosexuellen Geschlechtsverkehr nicht nur als schwer nachvollziehbar, sondern sogar als demütigend erscheint, mag es vielleicht auch bei manchen lesbischen Frauen eine Tendenz geben, die Vorstellung von einen Mann penetriert zu werden als demütigend zu empfinden.

Ist man sich nun nicht bewusst, dass es gemäß des tatsächlichen (evolutionär-psychologischen) Forschungsstandes sowohl durchschnittliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern als auch Vielfalt und Varianz jeweils innerhalb der beiden Geschlechter gibt

https://allesevolution.wordpress.com/2014/02/10/geschlechterrollen-haufungen-wird-es-immer-geben-dies-darf-aber-keinen-konformitatszwang-erzeugen/

https://allesevolution.wordpress.com/2013/07/05/grit-vandermassen-und-die-unstimmigkeiten-feministischer-theorie-im-gegensatz-zu-evolutionarer-psychologie/

erscheint die Vorstellungen einer allgemeinen Unterdrückung von Frauen als plausibel – sie entspricht den eigenen, höchst persönlichen, subjektiven Wahrnehmungen, Gefühlen und Erfahrungen, die dann unzulässig verallgemeinert und politisiert werden.
In diesem Sinne fungiert der radikale Feminismus also als Ideologie, die einer – wenn auch inhaltlich falschen – kognitiven Einordnung und einer – wenn auch fehlgeleiteten – emotionalen Verarbeitung negativer persönlicher Erfahrungen im Zusammenhang mit von der statistischen Norm abweichenden geschlechtsbezogenen Identitäten und sexuellen Orientierungen dient, dabei selbstwertdienlich ist und den Versuch einer Bewältigung durch Politisierung erlaubt.

Bei Frauen mit Erfahrungen mit sexueller oder anderen Formen von Gewalt durch Männer bietet der radikale Feminismus ebenfalls ein scheinbar plausibles Modell zur kognitiven Einordnung solcher gravierender negativer Erfahrungen sowie zu ihrer emotionalen Bewältigung.
Weiß man nicht, dass der internationale Forschungsstand zu häuslicher Gewalt auch einen hohen Anteil weiblicher Täter belegt sowie Konstellationen in denen die Gewalt von beiden Partnern wechselseitig verübt wird, weiß man nicht, dass der Anteil männlicher Täter in vielen Untersuchungen nur deshalb so hoch ausfällt, weil nicht beide Geschlechter nach gleichen Maßstäben über Opfer- und Tätererfahrungen befragt werden und oft mit überdehnten Definitionen gearbeitet wird und weiß man nicht, dass der Anteil weiblicher Täter bei sexueller Gewalt – wenn auch tatsächlich geringer als der männliche Anteil – so aber doch deutlich höher ausfällt als in der radikalfeministischen Propaganda behauptet, dann können radikalfeministische Konzepte wie “Patriarchat” und “Rape Culture” als plausibel erscheinen – denn sie entsprechen den Wahrnehmungen und Gefühlen des eigenen traumatisierten Persönlichkeitsanteils.

„Rape, Culture”, “Definitionsmacht” und “Zustimmungsprinzip” sind radikalfeministische Konzepte, die unmittelbar auf die Wahrnehmungen und emotionalen Bedürfnisse von Frauen mit sexueller Gewalterfahrung durch Männer zugeschnitten sind.

Das Rape Culture-Konzept liefert z.B. eine (m.E. falsche) Erklärung für die Existenz von Vergewaltigungsmythen, mit denen Opfer sexueller Gewalt ja leider tatsächlich z.T. konfrontiert werden. Eine m.E. wesentlich plausiblere Erklärung für Vergewaltigungsmythen (die es im übrigen auch bezüglich männlicher Opfer sexueller Gewalt gibt, was im radikalen Feminismus natürlich ausgeklammert wird) liefert das sozialpsychologische Konzept des Gerechte-Welt-Glaubens

http://de.wikipedia.org/wiki/Gerechte-Welt-Glaube

Das Zustimmungsprinzip entspricht den Bedürfnissen mancher Individuen mit sexueller Traumatisierung hinsichtlich körperlicher und sexueller Interaktionen, so dass es dann subjektiv als hilfreich erscheinen kann dies als soziale und kulturelle Norm einzufordern und es dabei leicht fallen kann auszublenden, dass die große Mehrheit der Männer und Frauen Sex nach dem Zustimmungsprinzip als soziale und kulturelle Norm als Störung oder Zerstörung des erotischen Erlebens wahrnehmen würde.

Für ein Frau mit sexueller Traumatisierung kann des Weiteren das Definitionsmacht-Konzept bezüglich sexueller Gewalt eine emotionale Erleichterung bewirken, weil in Bezug auf die Wahrnehmungen und Gefühle des traumatisierten Persönlichkeitsanteils nichts mehr ausführlich erklärt, begründet oder belegt werden muss.
Dass das Definitionsmacht-Konzept mit seiner Prämisse „stets gegen den Angeklagten“ die Zerstörung jeglicher auf Gerechtigkeit beruhenden Rechtsauffassung impliziert, ein großes Mißbrauchspotential besitzt und außerdem aus mehreren Gründen sich in letzter Instanz auch für Frauen nachteilig auswirkt,

http://jungle-world.com/artikel/2010/32/41534.html

wird dabei nicht mitreflektiert, denn ein traumatisierter Persönlichkeitsanteil will eben einfach nur Erleichterung.

Wie gesagt sind radikalfeministische Konzepte wie „Rape, Culture”, “Definitionsmacht” und “Zustimmungsprinzip” auf die Bedürfnisse sexuell traumatisierter Persönlichkeitsanteile zugeschnitten, sie ermöglichen eine kognitive Einordnung (wenn auch eine falsche) und eine emotionale Bewältigung (wenn auch eine dysfunktionale). Des Weiteren liefert der radikale Feminismus auch hier die Möglichkeit des Versuchs einer Bewältigung durch Politisierung.

Daneben gibt es im radikalen Feminismus natürlich auch noch ein Reservoir an Mitläuferinnen und sicherlich auch ein paar narzisstische Persönlichkeiten, denen es primär um Selbstdarstellung, Selbstaufwertung und Abwertung anderer geht. Solche Personen finden sich aber in vielen sozialen Bewegungen und selbst wenn ein solches narzisstisches Individuum in radikalfeministischen Kreisen einflussreich wird, erklärt dies doch nicht die Einstellungen der Mehrheit der Anhängerinnen radikalfeministischer Ideologien.

Ich vermute des Weiteren auch noch ein paar Personen mit histrionischen Persönlichkeitszügen, für die der radikale Feminismus ein Bedürfnis nach Selbstdarstellung, Aufregung und Sensationslust befriedigt.

Will man der psychologischen Dimension des radikalen Feminismus auf die Spur kommen, sollte man also m.E. fragen, welche Bedürfnisse er erfüllt – und dies nicht nur abstrakt, sondern anhand von zentralen Auffassungen und Konzepten.
Die propagandistische Dämonisierungs- und Abwertungsstrategie (“die sind halt böse, dumm etc.”) hat keinerlei analytischen oder gar wissenschaftlichen Wert.

Will man den radikalen Feminismus und seine negativen Auswirkungen in ideologischer und politischer Hinsicht bekämpfen, dann ist es darüber hinaus als EIN Baustein in einer umfassenderen Strategie nicht unwichtig auf BESSERE, WISSENSCHAFTLICH FUNDIERTERE UND REALISTISCHERE Erklärungen zur kognitiven Einordnung sowie auf potentiell FUNKTIONALERE Verarbeitungs- und Bewältigungsstrategien für Frauen verweisen zu können, die entsprechende negative Erfahrungen – wie oben beschrieben – gemacht haben.