Grundbedürfnisse des Menschen

David schreibt etwas zu den Grundbedürfnissen:

Das wichtigste Modell zum Verständnis menschlichen Verhaltens ist ein Modell der Grundbedürfnisse, was durchaus biologischen Annahmen entspricht. Aus diesen Grundbedürfnissen sind alle weiteren Bedürfnisse und damit auch Handlungen mehr oder weniger ableitbar.

Dies ist ein teleologischer Ansatz, der sich von dem von Seitenblick gut dekonstruierten Ansatz des egoistischen Gens (welches ja kein Agent ist) unterscheidet und damit sehr viel mehr erklären kann.

Zwar gibt es durchaus eine Menge Forschung und Faktorenanalysen, aber letztlich wird es wohl immer konkurrierende Modelle geben. Maslows Pyramide ist nur eines davon, größere Relevanz würde ich eigentlich nur noch seiner Hegemonie (zuerst mal physiologischer) Defizitbedürfnisse gegenüber Wachstumsbedürfnissen zusprechen.

Ansonsten ist eines der besten und verbreitetsten Modelle sicherlich das Modell von Grawe, dem wohl bedeutendsten Psychotherapieforscher überhaupt. Nach Grawe gibt es diese 4 Grundbedürfnisse als biologische/anthropologische Universalien:

  • Bindung
  • Orientierung und Kontrolle
  • Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Lustgewinn und Unlustvermeidung

Das ist eigentlich neben der Fortpflanzung das wichtigste, was man über den Menschen wissen.

Das Streben nach Macht ist natürlich mit all diesen Bedürfnissen gut vereinbar und tritt daher sehr häufig als Strategie auf, insbesondere folgend dem Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Kontrolle (Vorhersehbarkeit und Beeinflussbarkeit der Umwelt)

Maslow ergänze ich nochmal dazu:

 

Prinzip

Die Bedürfnishierarchie ist ein Inhaltsmodell der Motivation (kein Prozessmodell); sie beschäftigt sich mit Inhalt, Art und Wirkung von Motiven. Ferner wird eine Taxonomie von Motiven geboten und bestimmt, die angibt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten welche Motive verhaltensbestimmend werden.

Maslow stellte fest, dass manche Bedürfnisse Priorität vor anderen haben. Luft und Wasser brauchen wir zum Beispiel dringender als ein neues Auto. Den Versuch, eine konkrete (Rang-)Liste von Bedürfnissen aufzustellen, hält Maslow allerdings für nicht zielführend.[Maslow 1943 3] Deshalb ordnete er Bedürfnisse zunächst nach 5 größeren Kategorien, beginnend mit den grundlegendsten physiologischen bis hin zu den kognitiv und emotional hoch entwickelten humanen Bedürfnissen (safety needs, love needs, esteem needs,needs for self-actualization).

Anschließend nimmt er eine weitere Unterteilung der ersten vier Kategorien in Defizitbedürfnisse (oder Mangelbedürfnisse) und der letzten in Wachstumsbedürfnisse (oder unstillbare Bedürfnisse) vor, mit der Begründung, die Nichtbefriedigung bestimmter Bedürfnisse – der Defizitbedürfnisse – könne physische oder psychische Störungen zur Folge haben (z. B. Sicherheit – Angst, sozialer Kontakt – emotionale Störungen). Wachstumsbedürfnisse hingegen könnten nie wirklich befriedigt werden.

Nur so lange ein Bedürfnis unbefriedigt ist, aktiviert und beeinflusst es das Handeln. Dabei wird das Handeln weniger von innen angetrieben (»pushed«) als von den Befriedigungsfolgen angezogen (»pulled«).[9] Mit zunehmender Befriedigung eines Bedürfnisses nimmt also dessen motivierende Kraft ab (wenn man nicht mehr durstig ist, versucht man beispielsweise nicht mehr zu trinken). Unter der Annahme eines grundsätzlich messbaren Nutzens hatte denn auch der deutsche Volkswirt Hermann Heinrich Gossen bereits im 19. Jahrhundert seine Gesetzmäßigkeiten der Bedürfnisbefriedigung entwickelt (siehe dazu Gossensches Gesetz).

Physiologische Bedürfnisse

Siehe auch: Grundbedürfnis, Existenzbedürfnisse

Maslow (1943) unterscheidet hier eine Gruppe von Elementarbedürfnissen (Mineralien, Hormone, Vitamine etc.), die der Körper selbst reguliert (vergleiche dazu das Homeostasis-Konzept von Walter Cannon (1932)).

Insbesondere auf dieser Ebene sei es unsinnig, einzelne Bedürfnisse aufzulisten, denn deren Anzahl hänge lediglich von der Spezifität der Beschreibung ab. So können wir etwa nicht sicher bestimmen, ob das unspezifische Bedürfnis nach „Mineralwasser“ auf ein bestimmtes Element seiner Einzelbestandteile, z. B. Natrium, Calcium oder Nitrat, zurückzuführen ist. Man kann zudem nicht alle physiologischen Bedürfnisse auf eine Selbstregulation zurückführen. Schlaf, Sexualverhalten oder Mutterliebe lassen sich genauso wenig ausschließlich homöostatisch erklären wie sensorischer Genuss (Geschmack, Geruch, Kitzeln, Streicheln), zumal es sich dabei oft um hochkomplexe, nicht monokausale Verhaltensstrukturen handelt.

Sicherheitsbedürfnisse

Sind physiologische Bedürfnisse relativ gut befriedigt, taucht eine neue Reihe von Bedürfnissen auf: Sicherheitsbedürfnisse.

Maslow beschreibt, dass es bezüglich der Untersuchung von Sicherheitsbedürfnissen besser ist, Kinder zu untersuchen. Ihre Reaktionen auf grobe Behandlung (plötzliches Fallenlassen) oder ungewöhnliche sensorische Stimulation (blinkende Lichter, plötzlicher Lärm) ist unverfälscht – im Gegensatz zu Erwachsenen, die durch Sozialisation oft gelernt haben, Angst oder Mangel an Sicherheit äußerlich nicht zu zeigen.[Maslow 1943 4]

In der Gesellschaft seiner Zeit sah Maslow die Sicherheitsbedürfnisse als weitgehend erfüllt an. Eine weitere Untersuchung und direkte Beobachtung dieser Bedürfniskategorie hielt er daher nur bei neurotischen Personen oder wirtschaftlich und sozialen Außenseitern für sinnvoll oder gar möglich.[Maslow 1943 5]

Im weiteren Sinn sei die Suche nach Sicherheit und Stabilität aber auch in der menschlichen Bevorzugung des Bekannten gegenüber dem Unbekannten präsent. Darüber hinaus bedinge das Sicherheitsstreben zumindest anteilig die Entstehung von Religionen und naturwissenschaftlichen Weltbildern: Der Mensch strebe auch in dem Sinne nach Sicherheit, dass er jedes Phänomen erklären und Zusammenhänge aufdecken wolle. Nur in einem Nebensatz erwähnt Maslow, dass Menschen, bei denen die Sicherheitsbedürfnisse aktuell motivierende Kraft haben, oft spezifisch dadurch charakterisiert sind, dass für sie Suche nach einem Beschützer, einer stärkeren Person, von der man abhängt, von großer Bedeutung ist.

Personen, die an Zwangsstörungen (Reinlichkeitszwang, Zählzwang, Ordnungszwang usw.) leiden, sieht er als prototypische Vertreter der Kategorie der Sicherheitsbedürfnisse. Sie versuchen verzweifelt, durch Rituale und Regeln die Welt derart zu ordnen und zu stabilisieren, dass alles Unbekannte, Unerwartete und nicht Handhabbare verschwindet.

Soziale Bedürfnisse (Anschlussmotiv)

Sind die ersten beiden Kategorien weitgehend befriedigt, erlebt der Mensch einen starken Drang nach sozialen Beziehungen. Die Abwesenheit von Freunden, eines geliebten Menschen, des Lebenspartners oder der Kinder wird ein starker Motivator sein, diese Lücke zu überwinden bzw. die vorige, nicht frustrierende Situation wiederherzustellen. Gleichzeitig wird er auch versuchen, eine bestimmte soziale Rolle zu erfüllen bzw. sich einen Platz in einer sozialen Gruppe zu sichern.

Maslow benutzt hier das Wort „Liebe“ und betont den Unterschied (nicht synonym) zum Wort „Sex“. Geschlechtsverkehr könne auch als rein physiologisches Bedürfnis untersucht werden. Gewöhnliches Sexualverhalten (nicht von der Norm abweichendes) ist nach seiner Ansicht aber mehrdimensional, d. h. dass es zusätzlich auch nicht erotisch definierte Komponenten wie Zuneigung und Geborgenheit enthält. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass das Zuwendungsbedürfnis sowohl das Empfangen wie das Geben von Liebe beinhaltet.[Maslow 1943 6]

Individualbedürfnisse

Maslow versucht hier noch einmal, zwei Unterkategorien zu unterscheiden:

  • den Wunsch nach (mentaler/körperlicher) Stärke, Erfolg, Unabhängigkeit und Freiheit
  • den Wunsch nach Ansehen, Prestige, Wertschätzung, Achtung und Wichtigkeit, also eine passive Komponente unserer Selbstachtung, die nur von anderen Menschen für uns erfüllt werden kann.[Maslow 1943 7]

Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung, das ist das Bedürfnis: „All das zu werden, was jemand werden kann… Ein Musiker muss musizieren, ein Künstler malen, ein Poet muss schreiben. Was ein Mensch sein kann, muss er sein.“
Hauptartikel: Selbstverwirklichung

Wenn bis auf diese Stufe alle Bedürfnisse befriedigt sind, wird nach Maslow eine neue Unruhe und Unzufriedenheit im Menschen erwachen: Er strebt nach Selbstverwirklichung.

Den Begriff Selbstverwirklichung, den Maslow Kurt Goldstein zuschreibt, versucht er als ein spezifisches und begrenztes Konzept zu definieren. Es geht dabei um den Wunsch bzw. die Tendenz, das eigene Potential auszuschöpfen, also das zu werden, was einem anlagebedingt überhaupt möglich ist. In welcher Form sich dieses Bedürfnis letztlich ausdrückt, ist somit im höchsten Maße vom Individuum selbst abhängig (eine gute Mutter sein, ein Athlet, ein Erfinder usw.).

Maslow sah die weitgehende Befriedigung der ersten vier Bedürfniskategorien in der Gesellschaft seiner Zeit eher als Ausnahme an und betrachtete den Untersuchungsgegenstand „Selbstverwirklichung“ als Herausforderung für die Forschung.[Maslow 1943 8] Er schätzte einmal den Anteil der Weltbevölkerung, die diese Stufe erreichen, auf etwa 2 %.[10]

Und hier sowohl die Bedürfnisspyramide als auch eine Darstellung, die deutlich macht, dass es weniger statisch, sondern eher überlappend ist (beide vom obigen Link aus der Wikipedia):

Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow

Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow

Dynamische Darstellung der Bedürfnishierarchie nach Maslow

Dynamische Darstellung der Bedürfnishierarchie nach Maslow