Story Telling und „Canned material“

Ein Freund von mir kann wunderbar erzählen, aber er hat auch seine besonderen Lieblingsgeschichten. Wenn wir in einer neuen Gruppe sind und es auf bestimmte Themen kommt, dann erkenne ich mitunter schon seine leichten Überleitungen zu einer der Geschichten und weiß, dass er sie gleich erzählen wird. Sie sind gut und kommen in der Regel gut an, aber ich habe sie auch schon zwanzig mal gehört. Ich habe inzwischen sogar schon eine Anschlußgeschichte parat, die ebenfalls lustig ist. Je nach Stimmung schiebe ich sie nach. Sie gehört zu meinem Fundus von Geschichten, die ich auch ansonsten gern erzähle.

Jeder hat solche Geschichten, die er in bestimmten Situationen gerne erzählt und bei denen die Freund bereits beim Ansetzen schmunzeln, weil sie wissen, was kommt.

Das ist normal.

Neulich war ich auf einer Party und in der Runde, in der ich mich aufhalte stehen Männer und Frauen recht gemixt. Es ist eine WG-Party, Informatiker sind bunt gemischt mit Medienwissenschaftlern, Lehrämtlern und was noch nicht alles. Einer der Gäste flirtet mit einer recht hübschen Frau, sie scheinen sich gut zu verstehen, es ist eine gute Dynamik, in die auch der Rest der Gruppe eingebunden ist. Er erzählt ein paar lustige Geschichten, was zwei andere Gäste daran an eine andere lustige Geschichte erinnert, die ihnen beiden geschehen ist. Der eine von beiden, sagen wir mal erkennbar nicht derjenige, der erfolgreich bei Frauen ist, hatte wohl auf einer Party eine Frau kennengelernt, der andere, der sonst keinen auf der Party kannte, hatte keine Lust alleine zu sein und hat solange schlechte Geschichten über seinen Freund erzählt, bis es der Frau zu blöd wurde und sie gegangen ist. Dabei ist es durchaus lustig, was er über seinen Freund erzählt hatte, er merkt aber gar nicht, dass es ihn selbst und seinen Freund erneut verdammt schlecht aussehen lässt. Denn der eine hat es ihm erkennbar nicht gegönnt, dass er eine Frau kennen lernt und das gibt für beide kein gutes Bild. Weder er noch sein Freund merken es. Sie finden die Geschichte lustig und merken ihre Wirkung gar nicht. Man merkt ihm auch an, dass er sie gerne erzählt.

Das alles erinnert mich an einige Lektionen aus Pickup in denen es darum geht, dass man sich etwas „Füllmaterial“ beschafft, um die erste Zeit mit einer Frau zu gestalten, wenn man diese als neuen Kontakt anspricht. Der Gedanke dabei ist, dass derjenige, der jemanden anspricht, interessant sein muss, damit der andere das Gespräch fortsetzen will. Kommt es zu „Hi, ich bin X, wie heißt du“ Ich heiße Y“ „Achso …. äh…. *grillenzirpen* *einrunderbuschballrolltdurchdasgespräch* … Was machst du so?“ dann wird sie den ersten Kontakt nicht als anregend wahrnehmen und – sofern sie nicht zufällig bereits aufgrund körperlicher Anziehungskraft oder anderen Umständen eh auf einen steht, eher nach Möglichkeiten suchen, einen wieder loszuwerden.

Pickup geht daher davon aus, dass es in dieser Phase, in der man quasi Anziehung generieren muss, am besten etwas material parat hat, was man statt der nutzen kann, dass man also Routinen und Stories entwickelt, mit denen man über die erste Zeit hinwegkommt. Dazu gibt es verschiedene Routinen, Spiele oder sonstiges Material, bei dem man schauen muss, ob es zu einem passt. Am interessantesten fand ich aber die dortigen Ausführungen dazu, wie man sein eigenes Material verbessert und sortiert.

In einer Flirtsituation sollte man danach nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern eine, die einen in einem guten Licht darstellt und die richtigen Gefühle erzeugt. In einem der Bücher war irgendwo das Beispiel, dass einer die Geschichte erzählte, wie er in einem Fastfoodrestaurant in einem Bürger mal auf eine dort enthaltene Schabe gebissen habe. Selbst wenn man diese Geschichte gut erzählt erzeugt sie im wesentlichen Ekel, der dann mit dem Erzähler verbunden wird und den Gedanken, diesen zu küssen, sicherlich eher nach hinten verlagert.

Statt solcher Geschichten wird demnach – da man sich in einer Phase befindet, in der es um sexuelle Anziehung geht – eher dazu geraten, dass man eine Geschichte erzählt, die klassische „Attraction Switches bedient, also:

  • Pre-selected by women (“Von anderen Frauen für gut befunden)
  • Leader of men. (Anführer anderer Menschen)
  • Protector of loved ones (Beschützer von ihm Nahestehenden)
  • Willing to emote (In der Lage gesunde Gefühlsbindungen einzugehen)

Geschichten können ein Bild von einem selbst transportieren und das kann positiv oder negativ sein. Es liegt an einem selbst, da ein gutes Bild darzustellen. Natürlich kann das ein schmaler Grad sein: Wer es übertreibt, der wirkt nicht mehr authentisch, seine Geschichten wirken überkonstruiert. Wer eine Geschichte erzählt, bei der er alle Frauen bekommen hat, alle Männer ihn folgten und er am Ende noch seine Nichte aus dem brennenden Haus rettet, dem wird man in den meisten Fällen nicht glaube.

Man muss also eine Geschichte auswählen, die zu einem passt und nicht einfach irgendetwas aus dem Netz nehmen. Aber es kann sich lohnen, seine bereits bestehenden Lieblingsgeschichten mal daraufhin zu untersuchen, ob sie diese Elemente enthalten. Und die dann vielleicht etwas mehr zu betonen. Und die, die das nicht tun, daraufhin zu untersuchen, was sie eigentlich für ein Bild von einem transportieren.

Pickup rät auch, dann an seinem Stil zu arbeiten. Eine gute Geschichte nimmt einen mit auf eine Reise, sie erzeugt Gefühle. Eine gute Geschichte hat eine Struktur und passend gesetzte Pointen/Höhepunkte. Die gleiche Geschichte wird von einem Erzähler langweilig, vom zweiten super lustig sein. Weil er ihren Rhythmus falsch setzt oder die Pointe vorwegnimmt. Weil er sie zu trocken erzählt oder zu lang und mit zu vielen unwichtigen Details. Weil er nicht darauf achtet, ob seine Zuhörer die tolle Geschichte auch wirklich interessiert – die beste Geschichte ist verloren, wenn das Publikum nicht für sie bereit ist und eigentlich zB gerade den Ort wechseln möchte.

Gegen Canned Material wird häufig eingewandt, dass nichts langweiliger ist, als eine Geschichte immer wieder zu erzählen und man nicht der Typ sein möchte, der das macht. Aber wir alle haben für klassische Gesprächssituationen unserer Standarderwiderungen, wir haben unsere Standardgeschichten und unsere Standardwitze. Es fällt einem nur vielleicht nicht so auf, wenn man es sich nicht bewußt macht. Natürlich: Wenn das Gespräch eh fließt, dann kann man auch gut darauf verzichten. Aber es schadet nichts, ein paar Pfeile im Köcher zu haben, die einen etwas interessanter machen. Und wer daran arbeitet, diese immer weiter zu verbessern oder sich auch nur allgemein damit auseinandersetzt, wie man eine Geschichte besser erzählt, der kann dieses Wissen und diese Geschichten einsetzen, wenn er sie braucht.

Vorbereitet zu sein ist selten ein Fehler.

 

Frauen herausfordern als einfache Art zu flirten

Heartiste bringt „Game“ auf eine Kurzformel:

A short definition of Game is:

The practice of challenging women.

Being a challenge to women means sexual entitlement. It means teasing, testing, and refusing her tests. It means behavior that shapes women’s impressions of you as a higher value man, which in turn means a more sexually attractive man. Most if not all game concepts and tactics — negs, compliance hoops, freeze-outs, the poon commandments, storytelling, preselection, abundance mentality, flipping the script, disqualification — can be collectively grouped under the category of How to be a Challenge to Women.

Das halte ich für einen gar nicht so schlechte Zusammenfassung. Frauen herauszufordern, aber auf eine Art, die Frauen nicht unangenehm finden, sondern anregend, erzeugt sehr viele positive Dynamiken, die gut in eine Flirtszenario passen.

Es macht deutlich, dass man sich nicht leicht unterbekommen lässt und sich selbst einen Wert zumindest, indem man ihr nicht einfach klein beigibt, es ist in gewisser Weise ein Disqualifier,eben genau aus dem Grund, dass man ihr nicht einfach schmeichelt, sondern eher in ein Konkurrenzverhältnis geht. Es bewirkt, dass auch sie sich anstrengen muss, was gleichzeitig wieder ein Qualifier ihrerseits sein kann und auch häufig als solcher rationalisiert wird, wenn es in einer passenden flirtenden Situation auftritt („warum versuche ich ihm zu beweisen, dass ich das kann oder da mitzuhalten? ich muss an ihm interessiert sein“).

Die Frage wäre dann, wie man Frauen herausfordert. Ich meine, dass man am besten mit einer lockeren, nicht zu ernsten Art der Herausforderung arbeitet, wer das ganze zu verbissen sieht, der wirkt zu verkrampft und so als müsse er ihr etwas beweisen. Eine gut Position ist eher „Amused mastery“, bei der man davon ausgeht, dass sie eigentlich keine Herausforderung ist, weil man aus dieser Position heraus gut eine höhere soziale Position simulieren kann.

Women against Feminism und die Opferhaltung im Feminismus

Jessica Valenti hat einen Artikel zu Women against Feminsm geschrieben, in dem sie noch einmal betont, dass Feminismus doch zurecht darauf abstellt, dass Frauen Opfer sind:

But denying that women are a victimized class is simply wrong. What else would you call a segment of the population who are systematically discriminated against in school, work and politics? How would you describe a population whose bodies are objectified to the point of dehumanization? Women are harassed, attacked and sexually assaultedwith alarming regularity in America and around the world, and now even more of them live in states where, if pregnant, they can be refused medical attention or arrested for refusing C-sections.

People who are on the shit end of oppression are oppressed

Ich fand viele der Kommentare dazu unter dem Artikel nicht schlecht:

How can you say that other women are oppressed if they themselves say they’re not? What right do you have to speak on their behalf if they don’t elect you to be their spokesperson?

Isn’t it more likely that there is a tiny cabal of self-interested professional grievance mongers in the women’s movement that are reliant on this narrative being pushed and that it is those in the forefront who have the most to lose if women start rejecting feminism?

Auch ein netter Hinweis darauf, dass Frauen für sich selbst nach den feministischen Theorien ja eigentlich die Definitonshoheit haben sollten und entscheiden können sollten, ob sie Opfer sind. Aber das wäre dann doch eine zu weite Auslegung dieser Theorie: Opfer ist frau. Da führt kein Weg vorbei

Oder dieser gleich darunter:

Equal pay*, the right to abortion and general equality before the law were all won quite some time ago. Since then, it is hard to see what concrete gains feminism has actually made. Add to that the scarcity of evidence that a majority of women are particularly feminist or even interested in feminism, and you’re probably right in your assessment.

* Taking lengthy career breaks to raise children does not affect this. If men did the same, they too would see their pay and career progression suffer.

Hier wird noch einmal deutlich gemacht, dass der Feminismus eben gegenwärtig keine Erfolge mehr zu verzeichnen hat. Und das die meisten Frauen eben auch kein Interesse am Feminismus haben

in das gleiche Horn stößt auch dieser Kommentar:

The #WomenAgainstFeminism do not feel victimised. Who are you to discount their life experience and say they’re „simply wrong“? They are normal women in civilised countries who enjoy the same legal rights as men, and they feel fortunate and content. Isn’t that awful. I’m a woman and I feel the same way.

We are not professional feminists who have been immersed in the ideology, privilege-checking for heteronormativity and cisgender and producing columns about male oppression for a living. We have normal day jobs. Therefore we are too stupid to understand our own life experience, and must be re-educated by Jessica Valenti? I feel more patronised by this kind of feminism than I ever have by men. I did used to call myself a feminist when I thought it was about gender equality, and this kind of thing is the reason I no longer do.

Also der Vorhalt, dass man sich in den theoretischen Feminismus nur reinsteigern kann, wenn man nicht in der normalen Welt lebt und der Hinweis darauf, dass man deren Theorien und insbesondere die Aufklärung, wie man sich zu fühlen hat, als falsch und bevormundend ansieht.

Und auch konkrete Bestreitungen der Opferstellung:

I’ll give you politics. I’ll let work slide as it’s hard to prove the opposite, but, of course, anti-discrimination laws have been on the books for a long time and young women now earn more than young men.

But education? All across the western world girls have been outperforming boys comprehensively for at least a couple of decades, even in the USA. More women go to college than men. If we’re discriminating against girls and women in education, we’re doing a very bad job at doing so.

Der Hinweis darauf, dass es gerade im Bildungsbereich eher Vorteile für Frauen gibt und das auch der Gender Pay Gap so nicht besteht.

Oder auch tiefere Unzufriedenheit:

Christ, does this one-trick pony never give up? She’s a white, educated middle-class female and as a result, extremely privileged. Yet, she doggedly finds oppression and victimisation in every nook and cranny of society. Give it a rest, woman.

Oder auch hier eine Stellungnahme gegen die Opferstellung:

If you consider, as I do, feminism to be

a movement that won women the rights to vote, have credit cards, not be legally raped by their husbands, use birth control and generally be considered people instead of property, among other things[,]

then of course I am all for it. And the examples of signs you cite are indeed cringe-inducing.

However, when you go on to say

But denying that women are a victimized class is simply wrong. What else would you call a segment of the population who are systematically discriminated against in school, work and politics? How would you describe a population whose bodies are objectified to the point of dehumanization? Women are harassed, attacked and sexually assaulted with alarming regularity in America and around the world, and now even more of them live in states where, if pregnant, they can be refused medical attention or arrested for refusing C-sections.

then that frigging alienates people from the movement. Conflating what is happening around the world (FGM, forced marriages, women unable to vote or own property) with imagined systematic discrimination in ‚work, school and politics‘ in Europe or the US or many other countries, then you sound ridiculous. (It does sound like women’s rights are being rolled back in the US, but the US is not the world.)

Women and girls are outperforming men and boys in school and apparently also for approximately the first decade at work, ie until women have children. There is no bar to women entering politics; on the contrary, there is such a thing as woman-only shortlists. I’m unaware of anyone objectifying my body to the point of dehumanisation.

Yes, there are still sexist arseholes in the West, but not too many in the younger generations, in which almost all men would fully agree with the definition of feminism as set out above. Yes, there is still rape and domestic violence and this should be addressed no matter the sex of victim or perpetrator.

But by Boudicca’s breasts, let’s not paint all women in Western countries as victims. Most of us have our own agency and we are not fucking victims, but mistresses of our own fates. Let’s work towards helping women who don’t have the choices we enjoy instead of whingeing about imagined slights. For the Neanderthals that still roam amongst us, let us simply prove them wrong by being capable.

 

„Schutzmaßnahmen vor Vergewaltigungen bedeuten, dass eine andere vergewaltigt werden soll“

Als sehr wichtiger Gedanke von einer Feministin auf Twitter verlinkt wurde die folgende Grafik:

Eigenschutz ist Rape Culture

Eigenschutz ist Rape Culture

Übersetzung: „Wenn jemand dafür wirbt, dass Frauen ihr Verhalten ändern, damit Vergewaltigungen verhindert werden, dann sagt man in Wirklichkeit „Sorge dafür, dass er das andere Mädchen vergewaltigt“

Erst einmal der übliche Abgleich mit anderen Vorsorgemaßnahmen gegen schlechtes Verhalten von LEuten:

  • wer dafür wirbt, dass Leute Sicherheitsschlösser und andere Einbruchsschutzmaßnahmen vornehmen, der sagt in Wirklichkeit „Breche ins Haus meiner Nachbarn ein“
  • Wer dafür wirbt, dass man auf sein Gepäck aufpasst, der sagt in Wirklichkeit „Klaue das Gepäck von anderen“
  • wer dafür wirbt, dass man sich von Betrügern nichts andrehen lässt, der sagt in Wirklichkeit „Die Betrüger sollen das anderen andrehen“

Klingt alles nicht wirklich logisch. Aus meiner Sicht hat diese Argumentation zwei erhebliche Fehler:

  • Selbstschutz ist so gut wie immer ein verständliches Motiv und hat eine hohe Effektivität.
  • Wenn alle sich selbst schützen, dann wird den Tätern schlicht ihr Handeln erschwert

Natürlich würden wir besser in einer Welt leben, in der man nicht vorsichtig sein müsste. Aber in dieser Welt leben wir nicht und es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals in einer Welt leben werden, in der es keine Vergewaltigungen gibt. Dies schon, weil viele Vergewaltiger schlicht psychische Probleme haben.

Nehmen wir ein klassisches Beispiel, auch wenn es wohl weitaus seltener vorkommt, als vermutet: Jemand schüttet eine Droge in einen Drink der Frau. Wenn die Frau sich schützt und insbesondere darauf achtet, dass das nicht passiert, dann kann sie vielleicht sogar feststellen, dass er das versucht und Leute verständigen, die ihn festnehmen. Oder er kann merken, dass Frauen darauf achten und sein Vorhaben als zu riskant aufgeben bzw. weit aus seltener durchführen.

Mit dem obigen Spruch scheint man von einer festen Quote auszugehen, die erfüllt werden muss, so dass solche Vergewaltigungen auf alle Fälle passieren. Diese Annahme ist aus meiner Sicht nicht sehr fundiert.

Innerhalb der feministischen Theorie macht sie hingegen durchaus Sinn: Denn ein Abstellen darauf, dass man selbst die Tat verhindern kann ist in dieser Sicht Victim-Blaming. Denn es ermöglicht ein „warum hast du dich nicht geschützt?“ wenn alle Verantwortung bei dem Täter liegen soll. Das Gegenargument, dass man sich aber so wenigstens selbst schützt, kann nun mit diesem Argument ausgehebelt werden: Man schützt sich selbst auf Kosten anderer.

Da das dann unlauter ist bleibt nur, die Gesellschaft zu ändern, und zwar weg von einer Rape Culture. Dann, nur dann, wenn man dieses erreicht, gibt es keine Vergewaltigungen mehr. Weswegen auch alle Gesellschaften dieser Erde ausnahmslos Rape Cultures sind.

Scham und Sex

Ein Cracked-Artikel enthält einige interessante Passagen zu Scham und Sex. Der Artikel beruht, wenn ich es richtig verstanden habe, auf einer Umfrage des Autors, die er ebenfalls über Cracked durchgeführt hat und das mit einer eher geringen Teilnehmerzahl (die insofern auch noch einer gewissen internen Selektion unterliegt, da wohl eher die offeneren Personen bei einer Sexumfrage teilnehmen). Es ist also keineswegs in irgendeiner Form wissenschaftlich. Aber dennoch fand ich, dass es interessante Gedanken enthält:

Es geht zunächst um Sachen, die Frauen beim Sex als anregend empfinden:

In the survey I wrote, I asked participants to rank 13 fantasies on a scale of 1 to 5. I was very vague on purpose, and just gave a one- or two-word description of the fantasy and let people have at it. Of the fantasies listed, the clear-cut winner for the nearly 50 women who answered was being dominated. About a quarter of ladies chose that as their No. 1 fantasy. On the opposite end of the spectrum? Bestiality

Also ein recht klassisches Bild. Frauen mögen Dominianz, niemand mag Sex mit Tieren.

Bei den Männern schreibt er das folgende:

The results for men were surprisingly similar to those for women. The No. 1 man fantasy was a threesome. At this point, you’re probably saying, „Felix, let me bake you a nice quiche,“ to which I say thank you. But then you may also say, „Of course poor, predictable men want a threesome. Silly, obvious men.“ To that I say „Ha!“ As it happens, women had threesomes ranked as No. 2, just behind domination and ranking as the top fantasy for about one-fifth of surveys, whereas it was top for one-fourth of men. And also, dog humping ranked at the bottom.

Dass der Dreier eine klassische Männerfantasie ist überrascht in der Tat nicht (auch wenn einem in der realen Ausführung schnell die Gefühle dazwischen kommen). Das es auch eine weibliche Fantasie ist würde mich dann eher überraschen (in welcher Variante?).

Dann kommt er zu der Frage, wie Scham in diesem Zusammenhang ausgestaltet ist:

So now we know what turns women on. What would cause them shame? If you think this article is heading toward a curious expose of dog sex, I can let you know that’s not the case. As it happens, there’s a very weird link between shame and fantasy, but not the one you think. While the majority of women picked domination as an arousing fantasy, the majority of shameful experiences that were shared with me also involved a degree of domination and coercion from their partner. This ranged from guys they weren’t really into begging until they gave in to their partners paying or forcing them (in a more emotional rather than physical way) into doing things they didn’t really want to do. Over half of the shameful experiences women told me about could be categorized that way, even though within those confines they ranged from „having sex with a guy in exchange for drugs“ to „my boyfriend telling me I didn’t really love him if I didn’t participate in a threesome with another girl.“ So the common trend in most of these shameful experiences is that the dude was a dick.

Women, it seems, like the idea of being controlled, but the reality of it is never on par with the fantasy, likely because in reality you have to deal with the quirks and stupid decisions of a guy who is apparently a dick. Thus we meet the problem of reconciling fantasy with reality, because a fantasy always has you being in control, especially when the fantasy is giving up control. The reality is a whole new ballgame and probably only works with someone you really trust and have hashed this out with ahead of time.

Auch hier also wie oben beim Dreier bereits angeführt der Unterschied zwischen Fantasy und Praxis. Frauenfantasien sind insofern eher von einem dominanten Mann dazu gebracht zu werden etwas zu machen, was sie anregend finden. Die Dominanz ist dann in gewisser Weise ein Verstärker. Es ist insofern vielleicht weniger die Kontrolle als die Übereinstimmung mit dem, was man mag, also bei der Fantasie die Eingrenzung durch die eigenen Vorlieben.

Und auch der Scham bei Männern ist interessant:

So if dudes are super into threesomes, what do you think men are ashamed of? It’s time for another curious revelation! Just as women are aroused by domination but have had shameful real-life experiences with it, men enjoy the fantasy of another woman, but being with another woman is also a pretty shameful thing, at least if it’s done in an illicit manner. The majority of dudes who responded cited cheating as their most shameful experience, with one-night stands with someone they weren’t into as a close second. So basically men’s fantasies involve sex with lots of women, and in real life, they’re ashamed of having sex with those women after it happens.

For what it’s worth, the question of „greatest sexual fantasy“ was also on the survey and left wide open, and a good number of men, believe it or not, answered that their greatest sexual fantasy would be a sexual relationship with someone they love. I know, I had to go brew a coffee, take a sip, then do a spit-take, too. Pop culture has convinced me that all men including myself are dirty dogs and that, while I was writing this article, I slept with three women I’ll never call again. But none of that is true. Shock!

In so many words, men like the idea of a lot of sex, and this includes gay men, but they’re ashamed of having it with multiple partners for whom they have no real feelings. A lot of guys expressed that they feel this way some years later, so maybe it comes with age, and when you’re a college bro you have no sense of self-awareness or common decency, and this is all bullshit that doesn’t apply. I only got answers from 90 people and I was drunk during my stats class, so I’m not making any definitive claims, just some observations.

Es wirkt widersprüchlich, dass man einerseits Sex will, sich aber teilweise dann wieder dafür schämt, dass man Sex mitgenommen hat, obwohl er in dieser Form eine geringe Bedeutung hatte. Allerdings klärt es sich aus meiner Sicht dadurch, dass sich Kurzzeitstrategien für Männer stark lohnen, da sie grundsätzlich geringe biologische Kosten für Sex haben. Gleichzeitig setzt das Verfolgen einer Kurzzeitstrategie aber auch ein Zeichen, dass man für solche empfänglich ist, was einen unattraktiver für eine Langzeitstrategie aus Sicht der Frau oder anderer Mitglieder der Gruppe machen kann. Besser ist es also, man lässt sich dabei nicht erwischen, weswegen einen es dann peinlich sein kann (was wenn es ein Beobachter merkt auch wieder ein Zeichen in Richtung Langzeitstrategie sein kann). Die Lust entsteht also als Umsetzung des Wunsches „seine Gene zu streuen“, die Scham aus der Umsetzung des Wunsches keine Signale zu setzen, dass man nicht für eine Langzeitstrategie geeignet ist.

Der Autor vermutet folgende Zusammenhänge:

How did it happen that the fantasy cited as most arousing by men or women was so closely related to the most commonly shared moments of sexual shame? It’s worth noting that the numbers weren’t exact, and a lot of people have never had a shameful sexual experience, but for those who did, whose shame so closely reflects the fantasies of the majority, ain’t that a little weird? A little quirky? I thought so. And I figure that’s where disgust plays in.

Some people will readily admit that they enjoy a degree of humiliation in their sex, or degradation even. Lots of people enjoy dirty talk that includes name calling. In the confines of a trusting, private sexual moment, more women than you’d think will happily respond to the word „slut.“ And you can start building a list of names or situations from there that might seem outright offensive if it was being glimpsed by outsiders. But for a lot of people, that shit’s hot. They want to be called names, they want to be tied up or beaten. They want to put their tongue in someone else’s butt. People do that. I’ve seen it! And I won’t even pretend it had anything to do with research for this. I just like butts and tongues.

So why the hell do we get off on things that should offend us? Why, in the realm of a sexual encounter, are we turned on by things that later we feel shame about? Why does sexual arousal make us do things we readily define as gross?

Look at it this way — how apt are you to let someone spit in your mouth? Probably not very. Now look at what sex entails. Whatever genders are involved, typically I’m smudging my fluids all in and around a hole in your body that makes its own fluids. In any other context, that is revolting as hell. Sometimes I’m even shooting that stuff all up in you. All up. Way in. And it’s going to ooze around in there. And maybe your fluids are dripping all over me. And maybe someone else is there, since that’s a popular fantasy, and their fluids are literally dripping off of all three of us. This whole paragraph is either extremely sexy to you or borderline nauseating. And I haven’t even mentioned the butt sex yet. Or oral. Oral, for God’s sake! You put your face where people expel filtered soluble toxic wastes from their kidneys that would otherwise kill them if their body couldn’t remove them. And then you get all licky, sucky, slurpy on it. Fuckin‘ sexy!

Nature understands that sex is oddly unsexy. But since it’s necessary for the continuation of the species, it came up with a way to trick you into continuing to do it, and that’s by making you get turned on by unsexy things. That’s both brilliant and terrible. But that also means nature has your back from now on and you don’t need to ever actually be ashamed of your sexual past ever again. That shame isn’t your fault, it’s a biological process. Nature wants you to have all the filthy sex you can, and it makes you cool with it while it’s happening, so who are you to fight biology? You put your tongue in that bum, you earned it. Nature made you want to do it. It’s for the good of our entire species.

Das Ekeliges eine gewisse sexuelle Anziehung haben kann oder zumindest, dass sexuelles Interesse ein Gegenspieler von Ekel sein kann, wir also bei sexuellen Interesse bestimmte Sachen, die wir sonst ekelig finden würden, nicht mehr ekelig finden ist eine interessante Verbindung.

Vielleicht stellen wir ja, gerade weil wir eine gewisse Verbindung von ekeligen und sexueller Lust erleben, in diesen Bereichen eine gewisse Verbindung her. Weil wir einiges ekliges machen, wie Oralsex, sich das aber gut anfühlt, verbinden wir bestimmte ekelige Sachen wiederum mit Lust.

Vielleicht genießen wir es auch einfach mit der richtigen Person den Widerspruch zwischen einem gewissen Ekel und sexueller Lust in Einklang zu bringen in dem wir beides fühlen dürfen, das wir uns für ein Verhalten schämen sollten, aber es auch geil ist. Dann wäre vielleicht gerade die Übertreibung wichtig um es unrealer zu machen

Vielleicht wäre es auch genau das Gegenteil: Das direkte Ausführen der Handlung und die Akzeptanz des Partners befreit einen von der damit verbundenen Scham und gerade dadurch kann man die Lust mehr erleben. Dann wäre gerade das Vertrauen und die Billigung des anderen maßgeblich.

Bei vielen der Praktiken ist die Erklärung aber vielleicht auch schlicht einfacher: Es mag eine in gewisser Weise ekelige Handlung sein, spricht aber sehr viele sehr reizbare Stellen an. Das ist sicherlich beim Oralsex der Fall, ebenso beim Analsex und eben auch bei der Zunge an sich, also beim Küssen. Dominanz ist nicht per se etwas peinliches und lässt sich gut in eine Auswahl nach guten Genen als Ergebnis intrasexueller Konkurrenz einordnen etc.

Homosexualität und Biologie

Ein interessanter Artikel fasst die Forschung zur Homosexualität zusammen:

Homosexuality is a common occurrence in humans and other species. It is a complex, universal phenomenon whose genetic and evolutionary basis is poorly understood. Despite great progress in the sciences, our understanding of the determinants of sexual orientation and, more specifically, of male homosexuality, is incomplete. In this paper, we have reviewed the biological causes of male homosexuality, which may provide clues for further research in this field, as provable biological or genetic differences between heterosexuals and homosexuals that weren’t caused by their behaviour
haven’t been found.

Quelle: The biochemistry of male homosexuality

Das war schon häufig hier Thema:

Dennoch finde ich solche Übersichtsartikel immer sehr interessant, weil sie immer neue Punkte aufzeigen:

On certain experiments conducted on animals and specifically guinea pigs, Phoenix and colleagues (1959) showed that testosterone, when administered
during sensitive periods of development , has a masculinizing action on neuronal tissue involved in mating behaviour. This organizing effect of sex hormones in males and females seems to hold true for most mammalian species (Ward & Ward 1985).

Das Tierstudien zu den gleichen Ergebnissen kommen finde ich sehr aussagekräftig.

Auch interessantes findet sich zur Fraternal birth order:

According to this hypothesis, the causal mechanism is purely biological (Blanchard 2001, Blanchard & Bogaert 1996, Bogaert 2006). This hypothesis
runs as follows: The fraternal birth order effect may be triggered when foetal cells (or cell fragments) enter the maternal circulation, an event especially
common during childbirth. If these cells are from a male foetus, they may include substances that only occur in, or on the surfaces of, male cells. The
mother’s immune system recognises these malespecific molecules as foreign and starts producing antibodies to them. Following maternal immunisation, maternal anti-male antibodies are available to cross the placental barrier and enter the brain of a male foetus.
These antibodies somehow divert the sexual differentiation of the foetal brain from the male-typical pathway, so that the individual will later be attracted to men rather than women. The probability -or strengthof maternal immunisation increases with each male
foetus, therefore the probability of homosexuality increases with each older brother.
Also, the maternal immune hypothesis is consistent with biological data relevant with the effect of prenatal hormones on sexual orientation (Gladue et al.
1984, LeVay 1991, Swaab & Hofman 1990). Substances that are produced solely by males and are capable of provoking immune responses in females are referred to as ‘‘male-specific antigens’’. These could be large molecules like proteins or, in some cases, peptides. The maternal immune hypothesis cannot be true unless male-specific antigens exist, unless there is some reason to believe that they might play a role in sexual differentiation in the brain, and
unless it is possible that they could be inactivated by antibodies without producing gross abnormalities. All
three things do appear to be true or possible.

Research has shown that genes on the human Y-chromosome collectively encode at least 27 distinct male-specific proteins or protein families (Skaletsky et al. 2003). Three of these proteins are expressed in the foetal brain, and two of the three are relatively good examples of candidate antigens for the hypothesis because they encode cell-surface proteins, which might be accessible to antibodies. The first is protocadherin
11 Y-linked (PCDH11Y, also known as PCDH22 and PCDHY; Blanco et al. 2000), and the second is neuroligin 4 Y-linked (NLGN4Y; Jamain et al. 2003).
Both the protocadherin and neuroligin families of proteins are cell adhesion molecules, thought to play an essential role in specific cell-cell interactions during embryonic brain development. Blanco et al. (2000) suggested that PCDH11Y might have gained a malespecific function in brain morphogenesis, with behavioural consequences. Speaking in a similar but broader vein, Skaletsky et al. (2003) indicated that Ychromosome genes (besides SRY, the testisdetermining gene) could be related to sex-dimorphic differences in behaviour and cognition as well as to differences in anatomy and physiology. Finally, it does appear possible that some male-specific proteins could be inactivated without obvious phenotypic consequences, because there are lineages of men who lack the encoding genes altogether (Jobling et al. 2007). Such deleted genes include two expressed in foetal brain, PCDH11Y and TBL1YΗ. The maternal immune hypothesis does not challenge the long-standing theory that sexual orientation in men is primarily driven by prenatal testosterone (e.g., Ellis & Ames 1987). It proposes, rather, that sexual orientation development in the human male brain depends on two systems: a main system driven by testosterone, and a supplementary system driven by malespecific proteins under direct genetic control. The similar view that brain sexual differentiation is directly influenced by sex chromosome genes as well as by gonadal secretions has been advanced by other authors
(e.g., Arnold 2004). If it is true that male-specific proteins represent a kind of back-up or booster system, then antibodies that inactivate them would increase the odds of homosexuality

Auch interessant fand ich diese Stelle:

For example, Archer and Mehdikhani (2003) proposed that sexual selection has produced greater variability in male mating strategies, leading to
greater male variability in a number of psychological traits, including physical aggressiveness and preferences for various mate characteristics, such as looks, resources, and youth. Miller (2000) applied this reasoning to masculine and feminine personality traits, proposing that men may be more variable on such traits than women are, because such variation provides men with differing, complementary mating strategies
(e.g., one man could be attractive to mates because he is dominant, sexy, and virile, whereas another could be attractive because he is kind, committed, and interpersonally perceptive). Increased male variance on gender-related traits could occasionally produce extreme outcomes, including male homosexuality. Male homosexuality is, in fact, more common than female homosexuality (Diamond 1993, Laumann et al. 1994).

Und zu den evolutionären Überlegungen:

It would be expected that natural selection would eliminate a genetic factor that favors the existence of homosexuality. This Darwinian paradox, became
the focus of many researches, but remains unsolved. Some mechanisms assume that genes inducing homosexuality provide superior fitness in heterozygous conditions. For example, men heterozygous for a homosexual gene may have higher success in attracting women and/or their sperm may have a competitive advantage over that of other men (Hutchinson 1959, Kirsch & Weinrich 1991, MacIntyre & Estep 1993,Miller 2000, Weinrich 1987, Wilson 1975). Furthermore, Muscarella (2000) as well as Bobrow & Bailey (2001), showed that homosexual men don’t act as helpers/facilitators and don’t offer more emotional or financial support to their siblings than heterosexual men.

An other mechanism, which was briefly mentioned by Hammer & Copeland (1994; see also McKnight 1997; Pillard & Bailey 1998) but that has never been rigorously explored previously is a sexually antagonistic selection (Arnqvist & Rowe 2005, Rice 1984, Rice & Holland 1997), under which alleles that decrease fitness of one sex are maintained in the population because they increase the fitness of the other sex. The potential importance of this mechanism is highlighted by recent data which indicate that female maternal relatives of homosexuals (Camperio-Ciani et al. 2004) or relatives of gay men for both maternal and paternal lines (King et al. 2005) have increased fecundity.

In dem Artikel sind aus meiner Sicht noch viele andere interessante Stellen. Es lohnt sich ihn ganz zu lesen.

Der „Schwanzvergleich“ unter Männern und intrasexuelle Konkurrenz

Zu einer sehr kontrovers geführten Diskussion über das Körper-Geist-Problem brachte Maren einen altbekannten Einwurf:

Herrlisch. Ich hab keine Ahnung von Philosophie, aber mich erheitern die Penisvergleiche hier grade sehr.

Unter einem Penisvergleich oder Schwanzvergleich versteht man letztendlich, dass eine Auseinandersetzung unter Männern nicht um die Sache selbst geführt wird, sondern Teil einer reinen intrasexuellen Konkurrenz ist. Die Penislänge wird dabei sinnbildlich als Wettkampf unter Männern verstanden, bei dem derjenige mit dem längeren Penis gewinnt, also der bessere Mann ist.

Aus Sicht eines Biologen ist diese Metapher interessant, denn aus dieser Sicht ist eine Auseinandersetzung in der Sache natürlich ein Produkt intrasexueller Konkurrenz. Beide sind sehr eng miteinander verbunden. Es geht um Wettbewerb unter Männern, der gleichzeitig auch ein Ergebnis sexueller Selektion von Frauen auf Männer, die möglichst hoch in der Hierarchie stehen.

Wer solche Auseinandersetzungen als „typisch männlich“ der muss sich auch Fragen, wie sie von sonstigen Konkurrenzverhalten abzugrenzen sind und ob man in dieser Hinsicht nicht auch generell von einer höheren Wettbewerbsbereitschaft von Männern ausgehen müsste.

Man könnte zwar einwenden, dass Männer eben einen solchen Wettbwerb persönlicher werden lassen und Frauen hingegen im „guten Wettbewerb“ genauso ehrgeizig sind. Allerdings ist eben auch ein persönlich motivierter Wettbewerb anspornend und dessen entstehen eher geeignet sich in dieser Hinsicht anzustrengen. Zudem scheint mir dieses Bild auch mit einer durch sonstige Daten nicht gedeckten übermäßig positiven Einschätzung von Frauen verbunden zu sein.

So gesehen ist diese Tendenz von Männern zum „Schwanzvergleich“ vielleicht einer der Gründe, warum eine große Zahl von Leistungen erbracht worden sind, wahrscheinlich auch einiges an Kriegen oder anderen Auseinandersetzungen. Es ist vielleicht auch der Grund, warum Männer eher in Spitzenpositionen und anderen Positionen im direkten Wettbewerb vorzufinden sind.

 

Selbermach Samstag XCVII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Mendelsche Regeln der Vererbung

Leserin Breakpoint machte ein paar Themenvorschläge, was immer gut ist und ich gerne aufnehme. Hier also etwas zur mendelschen Vererbung:

Die mendelschen Regeln besagen im wesentlichen, wie bei geschlechtlicher Fortpflanzung die Gene kombiniert werden. Das war ein Rätsel, das beispielsweise Darwin stark verwirrte, welches aber durch die Entdeckungen Mendels aufgeklärt wurde.

Das Problem war, dass bei einer einfachen Vermischung der Eigenschaften eine „Zucht“ auf eine bestimmte Eigenschaft nur schwer möglich ist. Wenn eine besonders ausgeprägte Eigenschaft vorliegt (der Einfachheit halber mal einfach beschrieben als „Eigenschaft auf 130%“), dann würde sie im folgenden immer weiter verwässert werden. Wenn der Sexpartner eine Eigenschaft von 80% hat, dann hätten die Nachkommen 105%, was noch etwas besser wäre. Bereits in der nächsten Generation würde es aber noch weiter sinken, etwa bei einer Weiterung Paarung mit einem Partner mit 80% auf 92,5% und so weiter. Wenn aber keine Verbindung stattfindet, dann wäre wiederum die geschlechtliche Fortpflanzung relativ sinnlos. Es fehlte also der Mechanismus, der beides möglich machte, eine Vermischung der Anteile beides Sexualpartner und eine Nichtverwässerung.

Mendel fand nun durch seine sehr methodischen Versuche heraus, wie dieses Problem zu lösen ist, indem er Vererbungsregeln entdeckte, die deutlich machen, dass bestimmte Informationseinheiten (wir nennen sie heute Gene) nach bestimmten Regeln gemischt werden, so dass zum einen eine Mischung aus beiden Sexualpartnern besteht, gleichzeitig aber auch bestimmte Informationsblöcke intakt weitergeben werden können und so eine tatsächliche Selektion auf Eigenschaften stattfinden kann.

Gene und Chromosomen waren damals noch nicht als solche bekannt, aber die Vererbungsregeln an sich konnte Mendel dennoch ableiten.

Das Konzept ist, wenn man das Grundprinzip erst einmal erdacht hat, relativ einfach und sieht in seinen Grundzügen so aus:

Lebewesen erhalten von ihren Eltern jeweils einen Chromosomensatz. Wir haben also sowohl die Gene der Mutter als auch des Vaters.  Weitergegeben wird aber nur von jedem Elternteil eine Mischung dieser Gene, die dann mit den Genen des anderen Elternteils einen neuen doppelten Chromosomensatz ergeben.

(Exkurs: meines Erachtens ist noch nicht bekannt, wie genau dieser Mechanismus funktioniert, er scheint mir aber aus der Sicht egoistischer Gene eine verständliche Lösung, deren Zustandekommen aber interessant ist. Theoretisch böte sich hier bei einfacher Betrachtung ein Mechanismus an, der die eigenen Gene eher weitergibt als die Gene des Sexpartners. Denn ein Gen, welches dafür sorgt, würde zu einer Anreicherung der eigenen Gene im Genpool führen und damit würde erst einmal eine starke Selektion auf Gene dieser Art stattfinden. Es wäre also zu erwarten, dass einige Gene genau darauf abzielen und andere Gene darauf ausgerichtet sind, eine solche bevorzugte Wahl zu unterbinden. Es müsste also auf genetischer Ebene ein erbitterter „Krieg“ darum stattfinden, welche Gene in der zweiten Generation landen. Dies wird ausgebremst dadurch, dass auch für das egoistische Gen die sexuelle Fortpflanzung erhebliche Vorteile hat. Ansonsten wäre der Weg hin zu ungeschlechtlicher Fortflanzung der einfache, da diese nicht mit den doppelten Kosten des Sex belastet ist. Denn seine Gene mit anderen Genen zu kombinieren führt zwar kurzfristig dazu, dass diese in geringerer Zahl in die 1. Generation kommen, gleichzeitig sind sie bezüglich der weiteren Generation weniger anfällig gegen Parasiten und Viren mit schnelleren Fortpflanzungsraten, die sich daher schneller auf uns einstellen können als wir auf sie. Damit würden bei einer Kombination langfristig auf diesem Weg mehr Gene dauerhaft in nächste Generationen kommen. Zudem können ungünstige Gene eher aussortiert werden. Ein Vorteil dürfte dabei sein, dass die Vorteile für die Evolution eines Blockiermechanismus sprechen: Er muss einfach nur in Kombination mit dem anderen Mechanismus eine Blockade des entstehenden Lebens verursachen, also keinen neuen Entwicklungsschritt schaffen, sondern irgendwo in der Kette der Entwicklungen zu einer Unterbrechung führen. Exkurs Ende)

Für die Frage, welche Gene dann jeweils ausgeführt werden gibt es bestimmte Regeln: Es gibt Gene, bei denen es sozusagen schlichtes Glück ist, welches ausgeführt wird, und solche bei denen eine der Varianten immer vor der anderen ausgeführt werden. Wird ein Gen immer vor einem anderen ausgeführt, dann spricht man bei dem ausgeführten Gen von einem dominanten Gen, bei dem nicht ausgeführten von einem rezessiven Gen.

Eine gute Übersicht, wie diese funktionieren, gibt das folgende Bild:

Vererbung Mendel

Vererbung Mendel

Hier sieht man die Vererbung von zwei Merkmalen bei Katzen mit Unterschieden in der Schwanzlänge und in der Fellfarbe. Große Buchstaben zeigen ein dominantes Merkmal, kleine Buchstaben ein rezessives Merkmal. Beide Merkmale sind jeweils doppelt vorhanden, eines der Gene wird weitergeben. F1 ist die erste Generation, in der sich bei „reinen Eltern“, also solche, die jeweils gleiche Gene für das Merkmal haben, das dominante durchsetzt. Gleichzeitig bleiben aber die anderen Gene vorhanden, sie wirken sich nur nicht aus. In der zweiten Generation F2 können dann alle Mischungen zum tragen kommen, wobei sich, da der kurze Schwanz und das braune Fell dominant sind, Tiere mit diesen Eigenschaften am häufigsten zeigen.

Was würde dies auf der Ebene sexueller Selektion bedeuten?: Es wäre daraus abzuleiten, dass man an einer Person nicht unbedingt erkennen kann, welche genetische Informationen er an gemeinsame Kinder weitergeben wird, weil man bei ihm nur erkennen kann, welche Gene bei ihm aktiv sind (wenn überhaupt). Zusätzliche Informationen können hingegen erlangt werden, wenn man auch die Eltern eines potentiellen Partners kennt. Damit würde dem Kennenlernen der Eltern eine doppelte Bedeutung zukommen: Die Eltern bewerten, ob der potentielle Partner des Kindes aus ihrer Sicht geeignet ist, eine gute Hälfte der Gene für die Enkelkinder beizusteuern. Der neue Partner bewertet die Gene der Eltern, aus denen sich die Gene des Partners zusammensetzen.

Vielleicht der Grund, warum uns unsere Eltern oft peinlich sind und wir wollen, dass sie bei solchen Vorstellungen einen guten Eindruck hinterlassen. Wir wissen, dass es auch gewisse Aussagen über uns zulässt. Insofern wäre davon auszugehen, dass eine „gute Familie“ ein Attraktivitätsmerkmal sein könnte,welches einer sexuellen Selektion zugänglich ist. Insofern müsste man testen, ob die sexuelle Attraktivität einer Person steigt, wenn ihre Eltern einen hohen Status der andere „hochwertige Merkmale“ haben.