Traditionelle Männlichkeit und Attraction is not a Choice

Leser Roslin weist auf einen Artikel auf dem feministischen Blog Jezebel hin, der auf einen Konflikt hinweist, der so vermutlich häufiger im Feminismus auftreten wird: Feministinnen, die „männliche Männer“ sexuell interessanter finden als die, die einer „weichen Männlichkeit“, wie sie ja eigentlich im Feminismus gefordert wird entspricht:

I have a bit of a weird relationship with „traditional masculinity“. I’ve looked critically at it enough to know how much damage it does as a paradigm. I’ve seen the harm it can do to both men and women on an individual level. I’ve been subject to the violence it encourages. But despite all that, holy shit does it ever turn me on.

Traditional Masculinity and Sexual Preferences

Yup. That is Harvey Specter with a baseball bat.

There’s just something about assertiveness (let’s be real, sometimes flat out arrogance) that does it for me. No matter how much I can be attracted to someone emotionally and intellectually, my swoons only happen when confronted by a powerful, competent man.

Aus Pickup-Sicht sehr verständlich: Sie steht da insofern auf recht klassische Attraktivitätsmerkmale.

Wie ist es für sie weiter gelaufen?:

This has lead to some issues in my personal life. Who knew being attracted almost exclusively to men that inherently make bad partners wouldn’t work out well for me? Eventually I got my shit together and started dating my husband, who is the kindest most gentle man in the entire world. And when we started dating he had enough of that traditional masculinity going for him that he could be kind and respectful to every single person he encountered without losing any of the swoon factor.

But, over the years things have changed. And I’m stuck. He talks in a „baby voice“ half the time, rarely puts himself together or commands the attention of the room like he used to. This is the guy that stepped into my dorm room and immediately fixed my broken towel hook, now I can’t get him to throw away a broken computer I’ve been asking him to for 3 moves. Yes, you read that right, a broken computer made it through the cut for 3 moves.

Keine guten Aussichten für ihren Mann.

15 Gedanken zu “Traditionelle Männlichkeit und Attraction is not a Choice

  1. Ich fand ja auch zahlreiche Kommentare von Jezebellen sehr erhellend (nehme an, dass die Leserinnen* dieser internetten EMMA-Postille sich ideologisch zum größten Teil mit dem Feminismus identifizieren).

    Beispiel (von Kirov, 3:52 pm)

    *First off, Harvey Specter is pretty much my ideal man. I like extremely smart, arrogant, tall, competent, in charge, argumentative, strong, dominant guys with big dicks: my tastes couldn’t be more conventional if they were the creation of the author of a Harlequin romance. My turn-offs are anything remotely effeminate, crying, insecurities, self-consciousness, shyness, weakness, scaredycatness, incompetence, lack of ambition.

    So. I’ve had the problem you’re having. I have a real need to see a guy a certain way, and when that facade crumbles, so does my ability to see the guy as my lover and not some kind of pathetic friend. [yeah, allies gehören in die friend zone – kein Wunder, dass sich Feminist.I.nnen so über Pick Up aufregen, es trifft in ihr schwarzes Herz]

    Hier nachzulesen:

    http://groupthink.jezebel.com/traditional-masculinity-and-sexual-preferences-1614373452

    Und für die, die US-Serien so häufig sehen wie ich das tue:

    Harvey Specter ist eine der Hauptpersonen dieser Fernsehserie, ein (natürlich) erfolgreicher Anwalt, Frau will ja in der Regel nicht von einem ablosenden Weichei geschwängert werden, nicht wahr.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Suits_(Fernsehserie)

    Zitat:

    * Mike und Harvey geraten oft wegen Mikes Naivität und ethischer Skrupel sowie Harveys aggressivem und scheinbar rücksichtslosem Verhalten in Konflikt.*

    Harvey Specter scheint also genau der Typ Mann zu sein, vor dem Feminist.I.nnen die Menschheit retten wollen.

    Wie?

    Na, indem sie an die Männer appellieren, sich zu ändern!

    Was kann frau denn auch mehr tun?!

    Und mit denen doch so viele von ihnen – „Der fette Schwanz in der Hand ist mir lieber als mein Strap-On in meinem Ally!“ – dann doch, wenn irgend möglich, vögeln wollen.

    Warum bloß?

    Nicht, dass ich darauf eine Antwort erwartete.

    Wer von Feminist.I.nnen ehrliche Selbstreflexion erhofft, der kann auch gleich hoffen, Ochsenfrösche für die Trockenlegung von Sümpfen begeistern zu können.

    • Erstaunlich ist, dass sich diese Frauen selbst mit Sicherheit als emanzipiert verstehen, sich aber grösste Sorgen machen, der feministischen Erwartungshaltung – sprich dem feministischen Weiblichkeritsideal – nicht zu entsprechen. Ambivalenz wo man hinsieht.

      Eine der vielen Widersprüchlichkeiten des real existierenden Feminismus.

  2. @ Roslin

    „…hoffen, Ochsenfrösche für die Trockenlegung von Sümpfen begeistern zu können.“

    Hoffen würde ich das auch nicht gerade aber wenn die Ochsenfrösche ähnlich doof wären wie Feminist.I.nnen, erstaunte mich eine solche Begeisterung nicht wirklich.

  3. Die Zerrissenheit und die Ratlosigkeit
    der Frauen, wenn sie ihr Verhalten
    in Bezug auf Männer vergeblich zu
    analysieren versuchen, ist schon
    irgendwie seltsam.
    Aus Sicht der Evolution aber nicht
    weiter erstaunlich.
    Einmal mehr eine messerscharfe
    sarkastische Analyse von Heartiste.
    Unsere Psychologen werden sicher
    nicht ganz einverstanden sein mit
    der Verwendung des Begriffs
    „split personality“ 🙂

    *Your romantic fortunes (or misfortunes) will make much more sense, and become less a product of chance, once you understand that women are burdened with a split personality, each one desiring a different sort of man. A woman’s compulsive attraction for both male sexiness and male security explains a lot about her seemingly lunatic behavior.*

  4. Die Frage ist natürlich nun, ob einiger der feministischen Mitläufer die paradoxen Ansprüche (die biologisch natürlich überhaupt keine sind…) auch auflösen und die entsprechenden, schwer nötigen Schlüsse daraus ziehen. Die Diskrepanz zwischen dem Verhalten, dass sie laut eigener Überzeugung für eine bessere Welt wollen und dem Verhalten, dass sie dann auch wirklich biologisch belohnen ist natürlich riesig. Biologische Erklärungen dürfen da aber natürlich nicht zur Anwendung kommen, denn damit fallen andere Lügengebäude in sich zusammen und der Weg zur slippery slope ist nur noch ein kurzer.

    Grundsätzlich liegt dieser Konflikt indirekt an den widersprüchlichen Anforderungen an den Mann als „Versorger“ und den Mann als „Eroberer“. Grundsätzlich musste die Frau, wenn sie nicht doppelgleisig fahren kann irgendeinen Kompromiss eingehen. Grundsätzlich wäre es aber am sinnvollsten für ihre Kindern, wenn sie genetisch vom „Eroberer“ und werden vom „Versorger“ über die Runden gebracht. Dieses Arrangement wird in der freien Wildbahn auch irgendwo ein Equilibrium finden und darum wird es nie in seiner reinen Form auftreten. Verändert man nun aber durch technologische Einrichtungen und soziale Organisation diese Balance soweit, wird genau das passieren, was wir heute im westlichen Sozialstaat beobachten können : Hohe Steuern; Ressourcenumverteilungen Richtung Frauen ohne Gegenleistung, hohe Ressourcenstrafen für Männer, die ihren Versorgervertrag auflösen und eine steigende Anzahl an alleinerziehenden Frauen, die es sich leisten können auf den Staat als Versorger zu vertrauen. Die Endform dieser Entwicklung (Angenommen, es kommt zu keiner Zäsur, was sehr unwahrscheinlich ist, selbst in Deutschland) ist eine erdrückende Steuerlast und die vollständige Kriminalisierung der Aufhebung des Versorgervertrages seitens der Männer oder ein vollständige Ersetzung von Versorgerzahlungen durch den Staat.

    Erste Schritte in diese Richtung wurden ja bereits getätigt. Wenn eine Frau ein Kind mit einem anderem Mann zeugt und diesen Umstand lange genug vor dem Versorger verstecken kann, wird dieser ja durch die neue Gesetzgebung trotzdem dazu gezwungen, Versorgungsleistungen zu übernehmen. Das wird natürlich anders begründet (Wohle des Kindes etc.) ist aber nichts anderes als die gesetzliche Zementierung einer weiblichen evolutionären Standardtaktik. Wenn diese Fristen nun gesetzlich z.B. weiter verringert werden (von 5 Jahren auf 1 Jahr, später auf einige Monate), wird aus diesem Element irgendwann ein perfektes Abbild für die weiter oben genannte Idealsituation.

  5. Vielleicht sollte man es schon mal positiv sehen, wenn diese Selbstbeobachtung zumindest gemacht und ausgesprochen wird. Vielleicht – nur vielleicht – führt das dann irgendwann tatsächlich zu einem Umdenken und der Erkenntnis, das Gefühle und Triebe auch unabhängig von Ideologie ablaufen können. Dass eine Frau vielleicht doch einfach einen Männergeschmack hat, der ihrem Gefühl und nicht ihrer Prägung entspringt. Dass die Vorlieben von Sadomasochisten nichts darüber aussagen, was für Machtverhältnisse sie in der Gesellschaft wollen. – Und, dass eben ein Mann, der einer Frau auf die Brüste guckt, damit nicht leugnet, dass sie auch einen Geist haben kann.

    Ich weiß, ich bin mal wieder sehr optimistisch. 😉

  6. Vor einigen Monaten bin ich über irgendein Blog dieser Blase auf folgendes Interview gestoßen: Fucking While Feminist, With Jaclyn Friedman. Ein sehr erhellendes Interview, nachdem man (wenn nicht schon vorher) immun gegen alle möglichen Rufe nach dem Mann nach feministischem Vorbild (dem Ally) ist. Allies, wir erinnern uns, sind die Männer, die grundsätzlich Feministinnen in allem unterstützen sollen und im Gegenzug keinerlei Forderungen aufstellen dürfen.

    Aus dem Interview:
    – Die Allies sind ja leider sooo unattraktiv!
    – Würde ich an meine Partner die Anforderungen stellen, die ich als Feministin habe, würde ich alleine bleiben.

    Das zeigt die Verlogenheit bzw. den Selbstbetrug bei solchen Forderungen und dass es einfach so nicht funktionieren kann.

    Die schönsten Stellen aus dem Interview:

    Nr. 1:
    JF: „Here is what’s depressing about dating while feminist. (…) [W]hen you weeded out men who are gay, the men I don’t find attractive, the men already in monogamous, committed relationships—really, I would never get laid again.“

    Nr. 2 (etwas länger, aber aufschlussreich):
    „JF: (…) There is a type of feminist guy who is so eager to fall over himself to be deferential to women and to prove his feminist bona fides and flagellate himself in front of you, to the point that it really turns me off. And it makes me sad, because politically, these are the guys that I should be sleeping with! You know what I’m talking about?

    YES.

    JF: Everyone knows what I’m talking about. And some of them are even really cute! I want to say to them, „If you could be a person, like a whole, complicated person, who I feel like I could crack jokes around, then I would really like you.“ But they’re so serious about their feminism at every moment that I don’t feel like a person to them. I feel like I’m on a pedestal, almost. I know that they’re not going to disagree with anything I say under any circumstances. And I don’t feel like I can make a raunchy joke about sex, because they’ll be horrified. . . . I hate to be critical of our allies in any way, because we need them, but there’s something about that certain kind of hyperfeminist guy that makes them unappealing to date, to me. I suspect it has something to do with our internal conceptions of masculinity, which is terrible on my part.

    I think it’s also that they haven’t really gotten comfortable with their feminism yet.

    JF: Yes. They haven’t internalized their feminism, so it’s always being externalized. And it places a lot of pressure on the women they’re with. There’s this very self-conscious performance of feminism. And it does sometimes feel like they want a cookie. . . . OK, I know this is such a delicate conversation to have, but I want those guys to wake up because those are the guys I want to want to sleep with!“

    Also: Es läßt sich nicht politisch festlegen, wen man attraktiv findet. Und es ist egal, was man als Mann macht, es ist immer falsch. Vorher gibt es zahlreiche Forderungen an den Ally. Erfüllt man die, ist man so langweilig…

    Aber JF hat auch gleich die Erklärung parat, warum das nicht ein Konstruktionsfehler des Feminismus ist, sondern Schuld dieser Männer: Sie haben ihren Feminismus eben noch nicht verinnerlicht und müssen ihn deswegen ständig nach außen abstrahlen! Deswegen, und nicht weil man ihnen den Mund verbietet, können sie nicht eigenständig sein oder mal fünfe gerade sein lassen etwa bei einem Witz, der nicht feministisch korrekt ist. (Was passiert, wenn man eine unanständige Bemerkung passend kontert, haben wir ja gerade beim fappygate gesehen…)

  7. Ein solcher Artikel auf Jezebel ist ja wirklich Comedy Gold.

    But, over the years things have changed. And I’m stuck. He talks in a “baby voice” half the time, rarely puts himself together or commands the attention of the room like he used to.

    Mir kommt da eine Studie in den Sinn, nach der sich die Stimmlage mancher (nicht aller) Männer im Laufe der Beziehung erhöht, ich finde sie nur leider gerade nicht. Dieses „appeasement“ fällt einem immer dann auf, wenn in einer Männerrunde „die Alte“ anruft.
    Pickuper nennen das glaube ich, mit gewissem Recht, „Betaisierung“.

    Die tieferfrequenten Männerstimmen (r*Testosteron) werden als attraktiver vom anderen Geschlecht wahrgenommen, ebenso wie andererseits wie die höheren Frauenstimmen (r*Östrogen).

    Allerdings findet interessanterweise in der ersten Verliebtheitsphase eher eine Angleichung der Stimmlage aus beiden Richtungen statt, welche auch dementsprechend wirksam ist.
    Wer ficken will, sollte schon freundlich sein.

    Allerdings ist damit nicht die Freundlichkeit eines „Allys“ gemeint.

      • Womöglich ist der Effekt bei Männern ähnlich und die Stimme wird höher je unattraktiver er seine Frau findet?^^

        Deshalb ist sie ja so frustriert darüber, dass sich die tiefe Stimme selbst mit penetrantem nagging (->broken computer) nicht herauskitzeln lässt 😉

    • „Allerdings findet interessanterweise in der ersten Verliebtheitsphase eher eine Angleichung der Stimmlage aus beiden Richtungen statt, welche auch dementsprechend wirksam ist.“

      In dieser sogenannten Honeymoon-Phase
      wird offenbar T und Ö vom Bindungs-
      Hormon übersteuert und Mann kann
      fast nichts falsch machen.
      Wenn diese am auslaufen ist und der
      Mann nicht wieder zumindest zu
      einer sanften Dominanz übergeht,
      ist die Stabilität der Beziehung
      akut gefährdet. Jetzt setzt bei
      den meisten Frauen wieder die
      Hypergamie ein.
      Gerade in dieser Phase können
      Konzepte aus PU äusserst hilfreich
      sein.

  8. Die auch unter Frauen durchaus (latent) vorhandene Wahrnehmung der Diskrepanz zwischen „modernem Mann“ und „Mister X“ ist meiner Ansicht nach der Hauptgrund dafür, dass die meisten Frauen eben keine Feministinnen sind.

    Wenn man Frauen auf Feminismus anspricht, winken überraschend viele mit der (eigentlich ja etwas oberflächlichen) Antwort ab, dass sie ein Bedürfnis nach Geschlechtsunterschieden verspüren („Männer müssen Männer sein“).

  9. Na ja, Jaclyn Friedman zu umwerben, das ist wohl selbst für Allies das Äquivalent zum Zwangsdienst im feministischen Strafbataillon.

    Jaclyn Friedman demonstriert auf dem Boston Slutwalk 2011 wie eine Feministin enthusiastic consent zum Ausdruck bringt:

    Schlange stehen da wohl nur die ganz Verzweifelten, denen Mami den Internetzugang gesperrt und eine Schüttellähmung die freie Verfügung über ihre Hände geraubt hat.

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