Ihr Hoffnungen machen

„Klappt alles?“Frage ich bei einer Freundin über einen Chat nach.   Sie ist schon eine Weile Single und jetzt chattet sie seit ein paar Tagen mit einem Typen aus dem Internet. „Wir haben die ganze Nacht durchgeschrieben!“ kommt die frohe Nachricht zurück. Klingt doch ganz gut.

„Und, ist heute nicht euer Date?“ schreibe ich ihr später noch recht früh am Abend .“Ja, sind schon dabei!“ schreibt sie und fügt noch einige Smilies hinzu „Wir kochen bei mir!“. Ich wünsche ihr viel Spaß, man will ja nicht stören. Ein Kochdate bei ihr. Da ist ja eigentlich der weitere Verlauf des Abends klar.

„Konnte er denn …kochen?“ frage ich sie in einem weiteren Chat. „Jaaa und zwar gut :-)“ kommt es zurück. „Aber wahrscheinlich geht es nicht weiter. Vielleicht können wir uns Samstag mal treffen, dann erzähle ich dir alles“. Wir verabreden ein Treffen.

Am nächsten Tag kommt eine weitere Nachricht „Ich kann bis Samstag nicht warten. Brauche dringend deine Meinung“. Wir treffen uns also kurzfristig auf ein Bier. Das hat man davon, dass man den Ruf hat, Flirtsituationen gut analysieren zu können.

Sie erzählt. Zwei Wochen haben sie über Whatsapp gechattet. Sich dann einmal getroffen und rumgeknutscht und etwas gefummelt. Dann haben sie sich vier Tage später zum kochen getroffen und Sex gehabt. Sie zeigt mir den Chatverlauf.

Er fragt sie viel persönliches. Sie schicken Fotos hin und her. Er schickt eins von ihm und seine kleinen Nichte und schreibt so etwas wie das er sie großartig findet und alles für sie tun würde. Süsses kleines Kind. Sie reden über ihren letzten Freund, und das sie da an den falschen geraten ist. Er sagt bei ihm müsste sie keine Angst haben, er sei ganz lieb. Er fragt sie, ob sie Kinder will, er will zwei, sie könnte sich auch drei vorstellen. Er sagt ihr nach dem ersten Abend, dass es schön gewesen wäre endlich mal wieder ein so nettes Mädchen im Arm zu halten. Er gesteht ihr er sei schon etwas verliebt. Sie sagt ihm das gleiche.

Es ist eine hübsche Sammlung von Komfortmaterial. Nicht in dem Sinne, dass es abgeschrieben wirkt, das gar nicht. Aber dem Inhalt nach. Ich entdecke auch sonst nichts, was mir jetzt aus Pickup-kontexten bekannt vorkommt.

Es ist aber aus meiner Sicht eine gute Arbeit. Es liest sich gut. Ich kann vollkommen verstehen, dass sie ihr Herz etwas weiter geöffnet hat, Vertrauen gefunden hat, sich in die Gefühle für ihn reinsteigern konnte.

„Klingt alles gar nicht schlecht“ sage ich ihr. „Oder? Ich finde auch“ sagt sie „der Abend war auch super. Hat alles wunderbar geklappt. Er war nett, er hat sich nicht machohaft benommen, er hat mich gut behandelt, alles war super. Aber morgens beim Frühstück sagt er, dass bei ihm doch irgendwie kein Funke übergesprungen wäre. Es läge vielleicht daran, dass er eine alte Beziehung noch nicht wirklich verdaut habe. Deswegen könne er sich nicht wirklich auf etwas neues einlassen.“

„Klingt nach einer Ausrede. Ob ein Funke überspringt hätte er ja eigentlich bereits nach dem ersten Abend sagen können und danach hat er nichts davon geschrieben. Und wenn man so etwas schreibt, wie das man etwas verliebt ist, dann muss man schon etwas fairer sein, wenn man da Altlasten hat. Gerade wenn man merkt, dass der andere Gefühle investiert“.

„Es macht alles irgendwie keinen Sinn! Ich meine, erst ist alles schön und dann so etwas aus heiterem Himmel! Ich mein… vielleicht war er da einfach schlecht drauf?“ Sie schaut mich hoffnungsvoll skeptisch an.

„Wie ging es denn weiter an dem Morgen?“ frage ich. „Naja“ sagt sie „nach der Offenbarung war ich auch etwas enttäuscht. Ich habe ihm gesagt, dass wir uns dann nicht mehr treffen müssten und die Sache sich erledigt hätte. Er meinte, dass ich ihm gerne schreiben könnte, wenn ich wollte, dass wäre ja nett gewesen. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm garantiert nicht mehr schreiben werde und er solle es auch nicht machen. Ich meine, was soll das denn noch? Oder …. meinst du ich soll ihm noch mal schreiben? Vielleicht hatte er ja nur einen schlechten Tag?“

„Also ich würde ihm nicht mehr schreiben, wenn ich du wäre. Wenn da bei ihm kein Funken geflogen ist, dann machst du dich ja nur selbst kaputt. Jedenfalls schätze ich dich so ein, dass du da gefühlsmäßig schon zu viel investiert hast und es schwierig für dich werden würde. Ich mein, wenn du sagst „Der Sex war gut, Liebe brauch ich von ihm nicht“ dann würde ich ihn noch mal anschreiben und das sagen. Aber in Liebesdingen verliert immer der, dem die Sache mehr bedeutet.“

„Nein Nein“ sagt sie mit leicht gesenkten Kopf  „das lass ich lieber bleiben. Aber dennoch: Zwei Wochen Chat! Und teilweise über die ganze Nacht! Und das alles nur für Sex? Da stimmt doch was nicht?“

„Mhmmm“ grinse ich „die andere Möglichkeit ist, dass du wahnsinnig schlecht im Bett bist und er es sich deswegen anders überlegt hat“ Sie knufft mich gegen den Arm und lacht. „Dreimal ist er gekommen, so schlecht kann es also nicht gewesen sein“.

„Tja“ seufze ich „man sollte nicht unterschätzen, was einige Männer für Sex zu tun bereit sind“

56 Gedanken zu “Ihr Hoffnungen machen

  1. „Am nächsten Tag kommt eine weitere Nachricht “Ich kann bis Samstag nicht warten. Brauche dringend deine Meinung”. Wir treffen uns also kurzfristig auf ein Bier. Das hat man davon, dass man den Ruf hat, Flirtsituationen gut analysieren zu können.“

    Frauen haben Freunde und Freundinnen. Wenn
    Du mit einer Frau rel. eng befreundet bist,
    und nicht mit ihr schläfst, bist Du ihre
    Freundin. 🙂

    Klar als Experte kannst Du dir diesen
    Zustand als theoretische Feldforschung
    schönreden. 🙂

      • „Ich bin ja eh vergeben.“

        Aha! Dadurch kannst Du auch mit einer
        attraktiven Frau über „genetisch“
        relevante Themen diskutieren und
        dich Emotional hinein begeben, ohne
        dass sexuelle Spannung entsteht?

        Frauen die ich als Kollegin oder
        Bekannte bezeichnen würde, treffe
        ich höchstens in einer gemischten
        Gruppe. Auch wenn es hier quasi
        zu Einzelgesprächen kommt, geht
        es nicht ans Eingemachte.

        • @ Christian

          „Sie können auch einen Wert darüber hinaus haben. Man kann sich wunderbar einfach so mit ihnen unterhaltendarüber hinaus haben. Man kann sich wunderbar einfach so mit ihnen unterhalten.“

          Du meinst also sie können auch einen Wert
          ohne Sex haben. Super, gratuliere Du hast
          dich schon ordentlich Richtung neuer Mann
          entwickelt.
          Ich spreche hier nicht von Frauen die
          etwas nützliches machen wie z.B. eine
          Praxishilfe etc.

        • Das man hier ernsthaft Menschen davon überzeugen muss, dass Frauen einen Wert auch abseits von Putzen und Vögeln haben, ist schon sehr traurig.

          Das für so viele eine Freundschaft mit einer Frau mit der man nicht schlafen will, unvorstellbar ist, spricht auch Bände. Ihr seid schon ein ziemlich armer Haufen.

        • Das man hier ernsthaft Menschen davon überzeugen muss, dass Frauen einen Wert auch abseits von Putzen und Vögeln haben, ist schon sehr traurig.

          Das weiss ich doch! Manche Frauen sind z.B sehr dekorativ!

        • Das man hier ernsthaft Menschen davon überzeugen muss, dass Frauen einen Wert auch abseits von Putzen und Vögeln haben, ist schon sehr traurig.

          Welchen Wert sollen Frauen* denn schon haben?
          Frauisierungen bringen doch nur Leid und Unheil mit sich.

        • @ kinchkun

          „Das man hier ernsthaft Menschen davon überzeugen muss, dass Frauen einen Wert auch abseits von Putzen und Vögeln haben, ist schon sehr traurig.“

          Du hast noch ein paar wichtige Sachen
          vergessen. Brennholz sammeln, Kochen,
          Kinder aufziehen.

          http://krisdedecker.typepad.com/.a/6a00e0099229e8883301a73dd6b69f970d-pi

          Um die Frauen weltweit aus ihrem
          steinzeitlichen Dasein zu befreien
          und gleichzeitig dafür zu sorgen,
          dass weiterhin eine artgerechte
          Haltung aufrecht erhalten wird,
          haben böse Männer Einrichtungen
          mit sogenannt einfacher Technologie
          entwickelt.

          http://krisdedecker.typepad.com/.a/6a00e0099229e8883301a73dd6a34c970d-pi

        • @ kinchkun

          „Das für so viele eine Freundschaft mit einer Frau mit der man nicht schlafen will, unvorstellbar ist, spricht auch Bände. Ihr seid schon ein ziemlich armer Haufen.“

          Wir alle? Die Maskus? Die Pickupleute? Nenn doch die beim Namen, die gemeint sind, damit sich hier nicht jeder angesprochen fühlen muss. Wenn du „uns Maskus“ alle meinst, du bist doch selbst ein „Masku“! Sonst würdest du hier nicht kommentieren!

          Davon abgesehen, ist es unklug, keine Freundschaften zu Frauen zu pflegen. So viel unterscheidet sich eine Freundschaft zu Frauen, mit denen man keinen Sex hat, auch nicht von einer Männerfreundschaft.

          Es ist ein wichtiger sozialer Skill, mit einer anderen Person mehrere Stunden verbringen zu können, ohne das sich eine der beiden langweilt, peinliche Stille oder sonstwas herrscht. Hört sich selbstverständlich an, aber man kann ja auch mit einer sexuellen Beziehung nicht die ganze Zeit vögeln.

        • ..aber man kann ja auch mit einer sexuellen Beziehung nicht die ganze Zeit vögeln.

          Na und? In der Küche gibt es doch immer genug zu tun.

      • „Ist das denn üblich, dass heteosexuelle Frauen heterosexulle Männer als Freunde haben, mit denen sich über so intime Details wie Date-Situationen unterhalten wird?“

        Nein. Ist es nicht.

        • Üblich sicherlich nicht. Aber zumindest in unserer Kultur kommt es mittlerweile ja nicht mehr so selten vor – und dass grundsätzlich verdeckte sexuelles Motive auf Seiten des Mannes eine Rolle spielen müssen, ist auch Blödsinn. Kann nämlich auch umgekehrt sein 😉

        • „…in unserer Kultur…“

          Das stimmt. Eine typisch westliche Erscheinung. Für mich als Frau asiatischer Herkunft total unüblich und schwer zu verdauen. 😉

        • „Das stimmt. Eine typisch westliche Erscheinung. Für mich als Frau asiatischer Herkunft total unüblich und schwer zu verdauen. ;-)“

          Bei uns im Westen gibt es immer mehr
          Manginas keine gute Entwicklung.
          Etwas härtere Zeiten und wir sind
          Toast. 😉

  2. ‚“Tja” seufze ich “man sollte nicht unterschätzen, was einige Männer für Sex zu tun bereit sind”‘

    Das ist zwar nicht auszuschließen. Mindestens ebenso plausibel finde ich aber, dass sie irgendeine Red Flag gezeigt hat, die ihr selbst nicht aufgefallen ist, und damit in ihrer Erzählung fehlt.
    So was wie: Sofort nach dem Sex duschen.
    Das wäre für mich ein Beziehungs-KO-Kriterium. Denn wer nach dem Sex sofort duscht, der macht auch Stress wegen einer nicht-orthodox hingelegten Zahnpastatube und einer Bratpfanne, die erst morgen abgewaschen wird.
    Oder sie schnarcht.
    Außer ihn zu fragen wird man’s nicht rausbekommen können.

    • „So was wie: Sofort nach dem Sex duschen.“

      Ich denke der Schlüssel liegt beim
      „sofort“. Wenn man nach einem auch
      nur kurz dauernden Afterglow gemeinsam
      unter die Dusche geht, liegt das
      völlig im grünen Bereich.

      • Was habe ich denn da eben gedacht? Nicht „natürlich“.

        Der Punkt bei diesem Beispiel ist ja gerade, dass das etwas ist, wo jeder seinen eigenen „grünen Bereich“ hat. Das geht von: „Am liebsten nach dem Sex ungeduscht Arm in Arm einschlafen“ bis „Sofort aufspringen.“
        Da gibts kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern nur ein „Passt nicht“ (oder ein „Egal“).

        Und davon gibt es ja noch Dutzende andere Beispiele. Vielleicht gehört sie zu den Leuten, die ihren Teller Zutat für Zutat nacheinander essen. Also erst die Kartoffeln, dann das Fleisch, dann das Gemüse. Ich kannte mal einen, der hat die Zutaten eineln nacheinander von der Pizza gefuttert.

        Oder sie hat ihre Plüschbären Putzli und Bärli mit an den Tisch gesetzt.

        Oder sie hat zwischendurch immer wieder ihren Lippenstift vom Weinglas gewischt und musste alle 20 Minuten auf Klo, um das Rouge nachzulegen.

        Mit anderen Worten: Es gibt Hunderte von Verhaltensweisen, die ihn zwar nicht vom Sex abbringen, sie aber von der Beziehungsleiter schubsen können.

        Das würde auch erklären, warum er es nicht auf ein zweites Mal anlegt. Wenn der Sex wirklich toll war, wäre das doch naheliegend für ihn, auf eine mittelfristige Geschichte zu setzen.

        Es sei denn, sie war an dem Abend irgendwie zu anstrengend oder abschreckend.

        Und ja, ich weiß, das muss nicht sein. Finde ich aber plausibler als dass einer nächtelang chattet für einen einzelnen Lay. (<- Der PU-Begriff ist hier abfällig gemeint)

  3. Ob ich mir wirklich vorstellen kann mit einer Frau Zukunftsplanung zu betreiben, weiss ich fruehestens nach dem ersten Sex. Daher mache ich auch keiner evtl falsche Hoffnungen vorher. Ich finde eine gewisse Unverbindlichkeit am Anfang aber auch deshalb so wichtig weil ich moechte, dass sie von mir koerperlich angezogen ist. Denn das halte ich fuer eine essentielle Grundlage einer Beziehung. Ich weiss dann auch, dass sie nicht Sex fuer Beziehung tauschen will und nicht uebermaessig pruede ist.

    Danach weiss ich es meistens. Und wenn es halt nicht so ist, finde ich das sehr schade, kann es aber natuerlich nicht beeinflussen. Zumeist voegel ich trotzdem gerne mit ihr weiter. Natuerlich muss dies dann aber auch zwischen uns klar sein. Ich will keine Frau, die sich Hoffnungen macht.

    Aus dieser Warte heraus beurteile ich das Verhalten des Mannes ganz anders. Waere er tatsaechlich nur auf Sex aus, haette er weitergespielt und sie noch ein paar Monate gevoegelt. Manche machen das Jahre. Warum sollte er nach dem ersten Mal aufhoeren, das ergibt keinen Sinn. Wahrscheinlicher fuer mich ist, dass er selbst Hoffnungen hatte, sich nach dem ersten Sex im klaren darueber war und es konsequent beendet hat. Weil er naemlich nicht nur auf Sex aus war.

    Hat er genug andere zum voegeln, sie also nach dem ersten Mal nicht mehr interessant gefunden da er Alternativen hat, so haette er nicht eine Nacht mit ihr durchgetextet.

    Manchmal klappt es halt nicht und das ist traurig. Fuer beide.

  4. @ christian

    Wenn Deine MannFrau-Vignetten repräsentativ wären (was sie glücklicherweise nicht sind…höchstens für ein bestimmtes Milieu)…würde ich sofort auswandern oder ins Kloster gehen…alles hochneurotisch….kompliziert…verkopft…niemand ist, jeder denkt zu sein…was bleibt: egozentrisches Hirngewichse…

    Mon dieu….brrrr…..

    • Mich überkommt bei den privaten Anekdoten hier auch immer ein leichtes Fremdschämen….

      Hier zeigt sich ein weiterer Hauptgrund, warum ich die Beschäftigung mit Pickup in vielen Fällen für kontraproduktiv halte. Gerade Leute, die sowieso schon heillos kognitiv übersteuert sind, versuchen auch noch jede Interaktion rational auszuleuchten. Überlegen dann beim Flirten, ob etwas nun „Komfort“, „Attraction“, „push&pull“ oder „neediness“ oder sonst einer Bullshit-Kategorie zuzuordnen ist, können den Gegenüber und vor allem sich selbst aber nicht mehr spüren, was eigentlich das entscheidende ist.
      Dieses Rumhirnen ist nicht nur kognitivistisch, es ist schon neurotisch.
      Wie man an den Dialogen sieht, kommt da natürlich auch nichts mehr rüber.

      • Das rationale Ausleuchten von Situationen gibt es auch erst seit PU, wie diese Anekdote zeigt:

        „Einem Mann namens Peter gefällt eine Frau namens Susanne. Er fragt sie, ob sie ins Kino gehen will, sie sagt ja, und beide verbringen einen sehr lustigen Abend.

        Ein paar Tage später lädt er sie zum Abendessen ein, und sie haben wieder viel Spaß. Fortan treffen Sie sich regelmäßig, und nach einiger Zeit trifft sich keiner von beiden mit irgendjemand anders mehr.

        Eines Abends, als sie nach Hause fahren, schießt ein Gedanke durch Susannes Kopf, und, ohne richtig drüber nachzudenken, spricht sie ihn aus:
        „Ist Dir klar, dass wir uns mit dem heutigen Abend seit genau 6 Monaten treffen?“

        Stille.

        Susanne kommt die Stille sehr laut vor. Sie denkt:
        „Oje, ob es ihn nervt, dass ich das gesagt habe? Vielleicht fühlt er sich durch unsere Beziehung eingeschränkt, oder er fühlt sich von mir in eine Pflichtrolle gedrängt“

        Und Peter denkt sich „Wow, 6 Monate.“

        Und Susanne denkt sich:
        „Moment, ich bin gar nicht sicher, ob ich so eine Art Beziehung will. Manchmal hätte ich lieber mehr Freiraum, ich werde Zeit brauchen, mir zu überlegen, ob ich so weiter machen will. Ich meine, wo führt uns das hin? Wird es immer so weiter gehen, oder schreiten wir auf eine Ehe zu? Vielleicht sogar auf Kinder? Darauf, unser restliches Leben miteinander zu verbringen? Bin ich bereit, diese Verpflichtung einzugehen? Kenne ich diesen Menschen überhaupt?“

        Und Peter denkt sich:
        „Hm, das heißt, es war … mal sehen … Februar, als wir anfingen, uns zu treffen, das war gleich nachdem ich das Auto beim Service hatte, das heisst … wie ist der Kilometerstand? Au weia! Die Karre ist überfällig für einen Ölwechsel!“

        Und Susanne denkt sich:
        „Er ist besorgt. Ich sehe es in seinem Gesicht. Vielleicht war mir nicht ganz klar, wie er die Sache sieht. Vielleicht will er mehr von unserer Beziehung, mehr Intimität, eine tiefere Bindung, vielleicht hat er, sogar schon vor mir, gespürt, dass ich mich zu sehr zurückhalte. Ja, das ist es. Deswegen spricht er so selten über seine Gefühle. Er hat Angst, zurückgewiesen zu werden.“

        Und Peter denkt sich:
        „Die sollen sich auf jeden Fall noch einmal das Getriebe ansehen. Ist mir völlig egal, was diese Deppen sagen, die Schaltung funktioniert noch immer nicht richtig. Und diesmal können sie es auch nicht aufs kalte Wetter schieben. Wir haben 30 Grad, und das Ding hier schaltet sich wie ein Lastwagen von der Müllabfuhr. Und ich habe diesen inkompetenten Gaunern 1200 Mark bezahlt.“

        Und Susanne denkt sich:
        „Er ist sauer. Ich kanns ihm nicht übel nehmen, ich wärs auch. Ich fühle mich so schuldig, ihm das anzutun, aber ich kann nichts für meine Gefühle, ich bin einfach unsicher.“

        Und Peter denkt sich:
        „Wahrscheinlich werden sie sagen, es gibt nur 90 Tage Garantie, diese Säcke!“

        Und Susanne denkt sich:
        „Wahrscheinlich bin ich viel zu idealistisch, und warte auf einen Ritter auf einem weissen Pferd, während ich hier neben einem superlieben Menschen sitze, einem Menschen, mit dem ich gern zusammen bin, um den ich mich wirklich sorge und der sich wirklich um mich sorgt. Einem Menschen, der wegen meiner selbstherrlichen Schulmädchenfantasien leiden muss.“

        Und Peter denkt sich:
        „Garantie? Die reden von Garantie? Können sie haben, ich nehme ihre Garantie und stecke sie ihnen in …“

        „Peter“, sagt Susanne laut.

        „Was?“ sagt Peter erschrocken.

        „Bitte quäl dich nicht so“, sagt sie, während sich ihre Augen mit Tränen füllen.
        „Vielleicht hätte ich niemals .. Oh Gott, ich fühle mich so …“

        (Sie verstummt, schluchzt).

        „Was?“ sagt Peter.

        „Ich bin so dumm“, schluchzt Susanne, „Ich meine, ich weiß, dass es nie einen Ritter geben wird. Es ist so dumm. Weder einen Ritter noch ein Pferd.“

        „Es gibt kein Pferd?“, fragt Peter.

        „Du denkst auch, dass ich dumm bin, oder?“, sagt Susanne.

        „Nein!“, sagt Peter, froh, endlich eine richtige Antwort zu haben.

        „Die Sache ist die … es ist einfach so … ich brauche ein wenig Zeit“, sagt Susanne.

        (Es entsteht eine 15sekündige Pause, in der Peter versucht, so schnell er kann mit einer sicheren Antwort aufzuwarten. Endlich fällt ihm etwas ein, das funktionieren sollte.)

        „Ja“, sagt er.

        (Susanne, tief bewegt, berührt seine Hand) „Oh Peter, denkst du wirklich so darüber?“ fragt sie.

        „Worüber?“ fragt Peter.

        „Über ein wenig mehr Zeit“ sagt Susanne.

        „Oh“, sagt Peter, „Ja.“

        (Susanne dreht sich zu ihm und sieht ihm tief in die Augen, wodurch er schrecklich nervös darüber wird, was sie als nächstes sagen wird, besonders, wenn darin ein Pferd vorkommen sollte. Endlich spricht sie.)

        „Danke, Peter“, sagt sie.

        „Ich danke Dir:“, sagt Peter

        Dann bringt er sie nach Hause, wo sie sich auf ihr Bett legt, eine von Konflikten geschüttelte, gequälte Seele, und bis in den Morgen weint.

        Peter fährt nach Hause, holt sich eine Tüte Chips, dreht den Fernseher auf, und wird schnell von der Wiederholung eines Tennismatchs zwischen zwei Neuseeländern, von denen er noch nie was gehört hat, in den Bann gezogen. Eine leise Stimme irgendwo in seinem Kopf sagt ihm, dass heute in dem Auto höchstwahrscheinlich etwas wirklich wichtiges passiert ist, aber er ist sicher, dass er niemals verstehen würde, was das war, also beschliesst er, nicht weiter darüber nachzudenken.

        Am nächsten Tag wird Susanne ihre beste Freundin anrufen, vielleicht sogar noch eine, und mit ihr 6 Stunden lang über die ganze Sache reden. In sorgfältiger Detailarbeit werden sie alles was sie sagte, und auch alles was er sagte, analysieren, jedes Wort, jeden Ausdruck, jede Geste, um Nuancen in der Bedeutung des gesagten zu finden, und um jede mögliche Variante durchzugehen.

        Das ganze wird sich wochenlang, wenn nicht monatelang hinziehen, ohne jemals in einer plausiblen Schlussfolgerung zu enden, aber auch, ohne jemals langweilig zu werden.

        Irgendwann während dieser Zeit wird Peter, während eines Squashmatches mit einem Freund, der sie beide kennt, kurz innehalten und fragen „Max, hat Susanne mal ein Pferd gehabt?“

        Und das ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen.“

      • @ david

        Als ich das erste mal einen Pickel-Artikel las, DACHTE ich, dass die empfohlenen Handlungsstrategien eigentlich intuitiv seien…

        Vermutlich sind denjenigen, die nicht intuitiv flirten können, rationale Handlungsanweisungen auch nicht wirklich hilfreich, auch wenn gerne andersartiges zum Besten gegeben werden mag.

        Aber es ist schön, wenn man mal drüber redet.

        „Reden“ ist ja eine ähnliche Universalbühne wie „Sex“…recht oft geht es um ganz anderes, als vordergründig zu vermuten.

        Außerdem distanziert drüber reden so schön.

        Und als Mann die beste Freundin einer Frau zu sein, ist doch auch etwas wertvolles…gaaaanz böse Zungen würden sagen, etwas kastriertes…aber nur gaaaanz böse Zungen…letztere würden sich übrigens auch über die Formulierung eines Mannes, er sei „vergeben“ gaaaanz unpassende Gedanken machen..zum Beispiel: “ an wen denn“?

        • Es gibt sicherlich auch die, in deren Interaktionsmuster normales Flirtverhalten kontraintuitiv wirkt. Meistens verwei(b)chlichte Männer, die sicher von der Grundhaltung und der ein oder anderen Handlungsanweisung profitieren können.

          Die Ernsthaftigkeit, mit der manche das betreiben, lässt mich aber auch eher auf tiefer liegendere Probleme schließen.

      • @ David

        „Hier zeigt sich ein weiterer Hauptgrund, warum ich die Beschäftigung mit Pickup in vielen Fällen für kontraproduktiv halte.“

        Diese Gefahr besteht bei jeder Art von
        theoretischen Gedankengebäuden. Die
        Anfälligkeit dazu ist ja auch individuell
        sehr unterschiedlich.
        Im PU kann Mann ja auch folgende Ratschläge
        lesen: „Analysis Paralysis“

        http://www.pualingo.com/analysis-paralysis/

  5. Nun ja, nur für Sex wäre das eine sehr zeitintenive Investition seinerseits gewesen.

    Andererseits kann ich sein Verhalten durchaus nachvollziehen. Hatte ich auch schon mal. Man will ein wenig Geborgenheit, ein wenig Zuneigung, aber für mehr ist dann doch noch kein Platz. Und am Frühstückstisch zeigt sich eh der wahre Charakter eines Menschen.

    „“Dreimal ist er gekommen, so schlecht kann es also nicht gewesen sein”.“

    Aber, aber. Männer können auch beim Sex mit einem Kissen drei, vier oder fünf Mal kommen. Das bedeutet gar nichts.

    • @ adrian

      „Aber, aber. Männer können auch beim Sex mit einem Kissen drei, vier oder fünf Mal kommen. Das bedeutet gar nichts.“

      Aber Kissen quasseln nicht….

      • „Aber Kissen quasseln nicht….“

        Das hätte mich auch gestört. Wenn ich das mitbekäme, daß sie mit einem anderem über unseren Sex redet wäre ich auch weg. Ich mache sowas nicht und erwarte das auch von meiner Partnerin …

      • @ ddbz

        „Das hätte mich auch gestört. Wenn ich das mitbekäme, daß sie mit einem anderem über unseren Sex redet wäre ich auch weg. Ich mache sowas nicht und erwarte das auch von meiner Partnerin …“

        Wer will als Mann schon von einer Frau
        im Detail hören, was sie für Probleme
        mit einem anderen Stecher hat.
        Ausnahmen kann es sicher geben.
        Sie ist super dekorativ und Mann
        profitiert davon mit ihr gesehen
        zu werden.
        Oder Mann will später sein Geld
        als Paartherapeut verdienen und
        so Erfahrungen sammeln, sich
        abhärten. 🙂

  6. Es könnte auch recht simpel sein. Dass man sich in der Anbahnungsphase noch die Beziehung wünscht und dann, wenn der Eierdruck weg ist, fragt, was zum Geier man da gerade gemacht hat, ist zwar nicht schön, dürfte aber dem ein oder anderen Mann bekannt vorkommen. Dass macht die anfänglichen Gefühle nicht unehrlich, sie sind ja da, nur nach dem Sex manchmal auch wieder weg. Biochemie. Ohne den Typen zu kennen ist alles andere sowieso reine Spekulation! 😉

  7. Finde ich super von dem Kerl. Frauen spielen einem ja auch immer Gefühle und Interesse vor, damit sie einen ausnehmen können. Das kennt sicher JEDER Mann genau. Es ist gut, dass auch mal eine Frau die Dumme ist.

    • Ich fänds toll wenn Männer die so drauf sind mal auf Frauen treffen, die so drauf sind. Gleich und gleich gesellt sich gern, das wird dann quasi zu einem halbwegs fairen Tausch.

      ach und zutreffend zu deinem Kommentar wäre auch folgendes:
      Männer spielen einem ja auch immer Gefühle und Interesse vor, damit sie einen ausnehmen können. Das kennt sicher JEDE Frau genau. Es ist gut, dass auch mal ein Mann der Dumme ist.

      Willkommen in der Welt von Gut und Böse, in der das eigene Geschlecht IMMER das Unschuldslamm ist (außer wenn es sich mal rächt), und das andere die Inkarnation des Teufels.
      Wie soll man denn Kriege führen wenn die Rollen nicht klar verteilt sind? Macht sonst ja keinen Spaß

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