„Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken“

Robin rantet über Pickup.

Jemand schon mal was von “PickUp” gehört? (…) Dabei geht es um das für gewisse Kerle einzig interessante Thema: Ficken!

Nein, es geht um so viel mehr: Es geht um sexuelle Anziehung und Vertrauen, es geht um das, was Frauen attraktiv finden und was sie auch für eine Beziehung anzieht. Es geht darum, die Fehler zu verstehen, die man bisher gemach hat und sich weiterzuentwickeln und es geht auch darum ein erfülltes Sexleben zu haben. Das ist auch nichts schlimmes: Sex ist eine tolle Sache

Grundlage dieses Konzepts, das sich durch lächerlichen Fachsprech selbst den Anstrich angeblicher Wissenschaftlichkeit gibt, ist die Annahme, dass wir alle Opfer von Evolution und Biologie sind und rein gar nichts dagegen tun können.

Auch wenn sich Pickup und evolutionäre Psychologie und Evolutionsbiologie perfekt ergänzen sind nicht alle Pickupvertreter Anhänger biologischer oder evolutionärer Erklärungen. Es gibt hier auch soziale Erklärungsansätze oder der Erklärungsansatz wird schlicht als egal angesehen. Vielen Leuten im Pickupbereich ist Wissenschaftlichkeit auch schlicht egal. Sie sind Praktiker und machen, was klappt und was sich bewährt hat. Pickup ist wahnsinnig erfolgsbezogen. Wenn jemand mit einer Methode mehr Erfolg hat, dann ist er der neue Guru. Das sich dadurch die Wissenschaft ändert wäre den meisten wohl egal.

Weder Sozialisation, noch Kultur können uns das austreiben.

Können sie anscheinend auch nicht, sie können nur innerhalb der Grenzen modifizieren und ausgestalten. „Attraction is not a choice“ würde David DeAngelo sagen. Und das zeigt sich insoweit auch durchaus in der Geschichte. Wann war der Mann mit sozialem Status und Game nicht atraktiv? Wann waren junge, fruchbare Frauen nicht besonders attraktiv? Klar, dass gefällt einem nicht unbedingt. Aber das ändert nichts daran, dass bestimmte Attraktivitätsmuster vorgegeben sind. Selbst wenn man das sozial begründet ändert es wenig an unser gegenwärtigen Situation.

Damit ist unser ganzes Leben völlig auf Fortpflanzung ausgelegt, somit auch jede hervorragende Leistung eines Mannes in egal welchem Gebiet nur dazu da, sich als Alphamann zu profilieren und überhaupt hat Michelangelo die Sixtinische Kapelle ja nur angemalt, um die Chicks zu beeindrucken! (Wobei, war der nicht schwul?)

Bei einem Rant, wie Robin ihn hier vom Stapel läßt, kann man natürlich gerne etwas undifferenziert sein. Allerdings scheint hier selbst für einen Rant doch recht deutlich durch, dass Robin obwohl sie hier ja seit ein paar Jahren mitliest, nicht verstanden hat, warum Fortpflanzung eine so wichtige Rolle innerhalb der evolutionären Theorien spielt und warum es für die Theorien, nach denen eine sexuelle Selektion bewirkt hat, dass Frauen sich das Ergebnis einer intrasexuellen Konkurrenz zu nutze machen um genetisch vorteilhafte Partner zu erkennen, egal ist, ob Michelangelo schwul ist. Es geht nur darum, dass sich die Folgen dieser Evolution auch in seinem Kopf befinden. Es ist auch nicht wichtig, ob Michelangelo irgendjemanden beeindrucken wollte, der Wunsch, Großes zu leisten und dafür Anerkenntnis zu erhalten, kann auch abstrakt sein, solange dann großes geleistet wird und man Status aufbaut.

Die Prämisse von PU in aller Kürze:
Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken.

Dass man immer auf den Neanderthalern rumhacken muss! Die können doch nun wirklich nichts dafür und waren vermutlich gar nicht so dumm. Wenn sind Frauen natürlich Homo Sapiens und wie männliche Homo Sapiens auch damit in der Grundkonfiguration zumindest 160.000 Jahre alt. Viele machen sich dabei nicht bewußt, dass die Steinzeit nicht so lang her ist. Sie begann vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endete erst vor ca. 12.000 Jahren. Wenn man also davon ausgeht, dass der Homo Sapiens ganz überwiegend in der Steinzeit geprägt wurde, dann ist das keine sehr gewagte Hypothese. Zumal ansonsten wegen der Out of Afrika Theorie und des fehlenden Rückflusses ansonsten die dann entstandenen neuen Entwicklungen zu Abweichungen zwischen den in verschiedenen Gegenden lebenden Menschen führen müsste.

Aber das war eher ein Exkurs: Zurück zur Zusammenfassung von Robin:

Mit der Keule  rasseln reicht natürlich nicht aus. Die Theorien im Pickup sind deutlich differenzierter. Sie berücksichtigen sowohl Attraktion, von dem Keulenrasseln ein Teil sein kann, aber wo auch berücksichtigt wird, dass man nicht zu sehr protzen darf, weil es sonst needy wirkt, als auch die Frage, wie man am besten mit dem Keulenrasseln beginnt, wieviel man rasselt, was man macht, wenn andere schöne Keulen haben und wann man mit dem Rasseln aufhören muss, und schauen muss, und schauen muss, dass sie sich einem gegenüber qualifiziert und deutlich macht, dass sie auch gut rasseln kann und man zusammen rasseln sollte. Und dann muss eben der Übergang zu Komfort auch noch dazukommen, also Vertrauen etc.

Bedauerlicherweise (für PUAs) sind diese Urtriebe bei Frauen von einer Patina aus Erziehung, Kultivierung und fehlgeleiteter Emanzipation überzogen, die Frauen tatsächlich weisgemacht hat, es gäbe mehr im Leben als nach dem perfekten Mann zu suchen, dem sie dann Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten können. Aber PUAs haben das durchschaut und die Fähigkeit, die versteckten Evo-Knöpfchen zu finden und zu drücken, zur Kunst erhoben! Halleluja!

So überzogen sind die Urtriebe gar nicht, sie sind nicht überwachsen und verschüttet, sondern sie liegen durchaus offen und warten auf Signale. Zwar anders als Robin sich das vorstellt, aber dennoch.

Warum sie das allerdings mit der Vorstellung verbinden muss, dass Pickuper eine Frau wollen, die dann Kuchen backt und die Höhle heimelig macht, dass führt sie leider wie alles nicht weiter aus. Eine solche Passage findet sich auch im Pickup nicht. Nur weil sexuelle Anziehung keine Wahl ist, die man treffen kann, legt einen das nicht auf die Rolle als Hausfrau fest. Man kann natürlich auch nicht Hausfrau sein und auf Alphamänner stehen, zB als Alphafrau daneben. Eine Rollenzuteilung, nach der sie den Haushalt führt, ist weder mit Pickup noch mit evolutionärer Psychologie verbunden. Gerade wenn es nur um Sex geht, dann kann auch in beider Hinsicht das Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten relativ egal sein. Das mag sie dann für einen anderen machen oder auch gar nicht, es betrifft eine Kurzzeitstrategie nicht. Ein gutes Beispiel wären unsere nächsten Verwandten, sowohl bei den Chimpansen als auch den Gorillas stehen die Weibchen auf ranghohe Männchen (bei den Gorillas teilweise notgedrungen) und sind gleichzeitig die „Erwerbstätigen“, ohne das sie für den Mann Dienste erledigen. Sie sind sozusagen emanzipierte Alleinerziehende, die eine Unterstützung durch den Mann nicht wollen oder brauchen (gut, sie würden sie auch faktisch nicht bekommen, weil ihre Biologie das gar nicht vorsieht, aber das ist eine andere Sache).

Es ist ganz einfach: Da Frauen nur auf Alphamänner stehen, muss man sich selbst als einer präsentieren, um zum Schuss zu kommen. Dominanz und Status sind alles!

Ein hübscher Strohmann. Natürlich stehen nicht alle Frauen nur auf Alphamänner, aber Alphamänner kommen weit überproportional gut an, wenn sie das noch mit dem passenden Komfort kombinieren können.

Das Schöne an diesem Konzept aber ist, dass man schnell jeden Typen zum “Alpha” labern kann, der Erfolg bei Frauen hat. Klar, Anzüge tragen, Ferrari fahren, überhaupt mit Geld um sich werfen und sich einen Scheißdreck darum scheren, was andere von einem halten, ist natürlich das ultimative Ziel, aber wenn irgendein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann ist langhaarig, erfolglos und Pleite sein halt in dessen Peer-Group auch irgendwie Status. Niemals nicht kann das vielleicht einfach nur daran liegen, dass der Typ gut aussieht. Denn das kann man ja nur sehr eingeschränkt beeinflussen, womit sich kein Geld verdienen lässt!

Auch hier ein ziemlicher Strohmann. Robin stellt hier Thesen als Pickup dar, die dort so gar nicht vertreten werden. In ihrer Darstellung ist es natürlich beliebig, es fehlt halt nur eine Anbindung an derartige Behauptungen aus dem Pickup-Bereich.

Natürlich kann man auch Alpha-Eigenschaften definieren, ebenso wie sozialen Status. Das Alphamann-Konzept ist ja auch nicht vom Pickup erfunden worden, es hat einen weiten zoologischen Unterbau. Ich nehme mal die klassische Definition aus der Wikipedia, die ich bereits in meinem Artikel zu Alphamännern zitiert habe:

In social animals, the alpha is the individual in the community with the highest rank. Where one male and one female fulfill this role, they are referred to as the alpha pair (the term varies when several females fulfill this role – it is extremely rare among mammals for several males to fulfill this role with one female). Other animals in the same social group may exhibit deference or other symbolic signs of respect particular to their species towards the alpha.

Der „höchste Rang“ ist sicherlich auch noch ein relativ unbestimmter Begriff. Aber wir Menschen können uns eigentlich sehr gut etwas darunter vorstellen, wir nehmen Zeichen für Achtung und Respekt und Demutsgesten symbolischer Art durchaus gut auf, weil wir eben Tiere mit einem Statuskonzept sind.

Was Robin als Beliebigkeit deutet ist schlicht die Folge davon, dass in verschiedenen Gruppen der Rank innerhalb der Gruppe  nach verschiedenen Kriterien ausgebildet werden kann. Rank ist insofern ein Begriff, der kulturell ausgestaltet werden kann, aber dabei dennoch einen Wesenskern hat: Respekt, Anerkennung und eine gewisse Form der Unterordnung innerhalb der Gruppe bzw. bei der Person, die die Sache betrachtet.

Einen Anzug zu tragen und Ferrari zu fahren und mit Geld um sich zu schmeißen kann danach Alpha sein oder auch nicht. Denn Geld verleiht einem nur eingeschränkte Anerkennung und führt auch nicht dazu, dass einem Leute gerne folgen wollen. Es kann recht offensichtlich sein, dass die Leute allenfalls das Geld respektieren und dem Geld hinterherlaufen, den Mann dazu aber verachten. Es kann auch der Eindruck entstehen, dass der Mann nicht davon ausgeht, dass ihn die Leute respektieren und er sie und ihre Gesellschaft kaufen muss. Beides sind keine Eigenschaften eines Alphamannes. Gibt man dem rangniedrigsten Mitglied einer Affengruppe einen Stapel Bananen wird er damit auch nicht zum Alpha. Er kann damit seine Position vielleicht kurzzeitig verbessern, aber es wird in der Regel klar bleiben, wer tatsächlich der Alpha der Gruppe ist.

Und wenn ein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann spricht das bei einer hinreichenden Defintion von „Looser“ auch nicht dagegen, dass er dennoch ein Alphamann ist. Denn auch wenn er kein Geld hat, dann kann eben sein Charisma, seine allgemeine Ausstrahlung oder seine sonstigen Eigenschaften dazu führen, dass er in der Gruppe derjenige ist, den die anderen aus seinem sozialen Umfeld am meisten respektieren.

Und natürlich kann auch sein gutes Aussehen eine Rolle spielen. Das ist im Pickup eigentlich relativ unstreitig. Gleichzeitig kann eben auch ein hässlicher Mann, der genug Status hat, bei Frauen sehr gut ankommen. Diverse Hollywoodstars oder Rockstars bestätigen dies recht nachhaltig.

Zudem: Natürlich muss man auch nicht der coolste Typ von allen sein um überhaupt irgendeine Frau zu bekommen. Es geht darum, genug sexuelles Interesse bei der jeweiligen Frau aufzubauen und welche Hürde man dabei überspringen muss, hängt natürlich auch von der jeweiligen Frau ab. Eine 5 verlangt insofern eine andere Vorgehensweise als eine 10 und das natürlich auch in Abhängigkeit von Faktoren wie der eigenen Schönheit. Hier ist auch zu bedenken, dass es natürlich ein „Übergamen“ geben kann. Einer 10 wird ein bestimmtes Verhalten vielleicht interessant finden, bei dem sich eine 5 wundert, warum er, wenn er so cool ist, gerade sie anmacht. Eine schüchterne Frau wird bei einem sehr energiegeladenen Auftreten vielleicht einfach daran zweifeln, dass die beiden eine tatsächliche Basis haben.

Das macht diese Theorie im Grunde absolut nicht falsifizierbar, da alles Status sein kann und jeder erfolgreiche Flirt durch PU erklärt wird.

Die Beliebigkeit von Status ist ein Strohmann, weswegen das Argument eh schon ins Leere geht. Das ein Begriff sozial verschieden ausgefüllt werden kann, macht ihn nicht beliebig, solange er bestimmten Regeln folgt, denen die Ausformung unterliegt. Innerhalb dieser könnte man natürlich auch Studien über Theorien aus dem Pickup-Bereich erstellen und dabei genaue Parameter aufstellen, die jeweils sicherstellen, dass auch die passenden Aussagen überprüft werden können. Das scheint mir für Studien im sozialen Bereich auch nicht ungewöhnlich zu sein. Beispielsweise kann man durch unabhängige Personen bewerten lassen, ob diese Person in den jeweiligen Situationen nach bestimmten Kriterien Status hatte oder nicht und dann den Flirterfolg damit vergleichen. Oder man stellt bestimmte Personen in Situationen dar, in denen sie einen unterschiedlichen Status haben, beispielsweise bei Interaktionen innerhalb einer Gruppe, und lässt im Anschluss die Attraktivität der Personen bzw. die Bereitschaft mit diesen zu schlafen oder mit ihnen auf ein Date zu gehen bewerten. Dabei kann man auch Schauspieler bestimmte Rollen spielen lassen um so zu schauen, wie sich deren Bewertung bei gleicher körperlicher Attraktivität durch verschiedene Rollen verändert.

Selbst Basics, die schon unsere Großeltern wussten (beispielsweise, dass man gepflegt besser ankommt, als wenn man zehn Meter gegen den Wind stinkt) werden von PU vereinnahmt und so präsentiert, als hätte man die Relativitätstheorie entdeckt.

Warum sollte eine umfassend Flirttheorie auch solche Basics ausnehmen? Das wäre ja eine sehr merkwürdige Theorie, die solche Basics nicht mit einbezieht. Insofern ein merkwürdiger Vorwurf. Auch der Vorwurf der Übertreibung bei der Aneignung ist allenfalls durch ein schlechtes Beispiel erläutert: Seitenlange Ausführungen, nach denen Pickup die persönliche Hygiene erfunden hat, habe ich jedenfalls aus dem Bereich noch nicht gelesen. Allenfalls ein „braucht man ja nicht zu sagen: Aber man sollte gepflegt aufteten“).

PUAs glauben, Frauen seien die Herrscherinnen des Schlafzimmers, denn Eier sind teuer, Sperma ist billig blabla und außerdem haben Frauen ja eigentlich eh kaum ne eigene Libido. Dies führe bei Frauen zu der Vorstellung, dass Männer Bittsteller sind, die um Sex betteln, da sie den ja so viel nötiger haben als Frauen.

Viele PUAs haben ebenfalls die Überzeugung, dass Frauen genauso viel Sex wollen wie Männer und würden anderes vielleicht als Limiting Belief abtun oder auf eine soziale Begründung abstellen. Es ist auch insoweit eine zwar unzutreffende aber hilfreiche Einstellung, da sie einen unproblematischer Sex von Frauen fordern lässt. Aus meiner Sicht ist PUA eher eine Angebotsverbesserung, bei der Frauen dann doch zuschlagen wollen, dass ändert aber nichts daran, dass man bei Männern die gleichen Probleme nicht hätte. Bester Beweis: Die Schwulenszene mit einer wesentlich lockeren Einstellung zu Sex bei der Game in dieser Hinsicht weit aus weniger erforderlich ist. Frauen haben natürlich eine Libido, aber sie ist insofern schwächer ausgestaltet, gerade was unverbindlichen Sex ohne große persönliche Beziehung betrifft.

Ein echter Alpha interessiert das natürlich nicht! Alphas können ja jede haben. Wer also den Eindruck vermittelt, überhaupt kein Interesse an der Frau ihm gegenüber zu haben, macht sich selbst umso interessanter. Logisch, ne? Umgesetzt in ein konkretes Flirtverhalten äußert sich das in einem “Mädel, ich als ultimativer Macker bin ja so viel besser als du”-Gehabe. Das kann erreicht werden durch eine enervierend süffisante Haltung oder auch schlicht Beleidigungen.

Kein Wunder, dass Robin Pickup nicht mag: In ihrer Darstellung, die zwar nichts mit Pickup zu tun hat, klingt es auch fürchterlich. Beleidigungen im Pickup? Ich dachte wir hätten inzwischen hinreichend geklärt, dass Beleidigungen nichts mit Pickup zu tun haben und Negs keine Beleidigungen sind:

Hier aus früheren Ausführungen dazu von mir:

Es geht also nicht darum, sie zu beleidigen, sondern etwas mit ihr zu spielen und ihr das Gefühl zu geben, dass man nicht wie die anderen ist. Es ist im Endeffekt die Darstellung eines höheren Status, der dadurch verdeutlicht wird, dass man sie trotz eines hohen Wertes nicht automatisch will. Es kann richtig ausgeführt dazu führen, dass sie sich fragt, warum er sich nicht wie die anderen verhält und warum er sie nicht genau wie die anderen automatisch will. Es geht nicht darum, sie fertig zu machen, sondern darum, sie etwas neugierig zu machen. Mit der richtigen Frau wird es ein hin und her, ein Spiel zwischen beiden, durch das Spannung aufgebaut wird. Es geht insofern darum, das sie einen als normale Person von gleichen Wert sehen kann, indem man ihr deutlich macht, dass man ihr nicht bereits nur wegen ihrer Schönheit verfallen ist.

Weil es darum geht, dass man die Frau nicht wie die anderen auf ein Podest stellt, muss man es eben auch an die jeweilige Frau anpassen und ein „übernegen“ vermeiden. Jede Beleidigung ist letztendlich ein solches Übertreiben, es geht nicht darum, dass sie beleidigt ist, sondern, dass sie sich fragt, warum dieser Typ sie nicht will. Protzen ist auch nicht Pickup, da es schlicht needy wirkt. Wer einen tatsächlichen hohen Wert hat, der muss mit ihm nicht protzen, er hat ihn und er wird auch so deutlich, ohne das er über Gebühr betont wird.

Dieser Typ schaffte es also, mich massiv anzumachen und mir gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er mich für eine absolute Idiotin hält (die vermutlich froh sein soll, von diesem Gottesgeschenk an die Weiblichkeit überhaupt beachtet zu werden). Am meisten habe ich noch im Gedächtnis, dass er alles hinterfragte, was ich von mir gab. Wirklich ALLES. Darunter auch Aussagen zu meinem Alter (abgesehen von meiner Mutter dürfte ich selbst die Person sein, die am besten weiß, wie alt ich bin), zu meinem Studium (nicht zu den Inhalten, sondern tatsächlich, WAS ist studiere!) und so weiter. Gönnerhafte Kommentare zu meinen Dartkünsten (ich ließ mich zu einem Spiel breitschlagen… und war BESSER als er) hätten den Sack dann zugemacht, wäre er nicht schon vorher zu gewesen.

Ich frage mich wirklich, warum sie meint, dass dieser Typ Pickup verwendet hat. Wenn er das gemacht hätte und sich etwas mit der Theorie auseinandergesetzt hätte, dann hätte er gemerkt, dass eine spielerische Herausforderung und etwas frech sein gut ist, beleidigen und angeben aber schlecht sind. Er hätte passend kalibriert und statt auf protzen eher auf cocky comedy gesetzt bzw. den Übergang zur Komfortzone nicht verpasst. Denn:

Das Tragische daran ist, dass ich den Kerl wirklich süß fand, rein optisch gesehen. Genau mein Typ! Ein freundliches Gespräch hätte ihm alle Optionen eröffnet.

Also: Attraktion war vorhanden. Interessanterweise hat sich Robin sogar auf ein Spiel mit ihm eingelassen, obwohl sie ihn hier als Arschloch schildert (oder weil?), er hätte also die IOIs aufnehmen können und es wäre zeit gewesen aus der „A2 Phase“ in der es darum geht, dass sie ihn gut findet, in die „A3 Phase – Male-to-Female Interest“ zu kommen. Da hätte er nur etwas finden müssen, was ihm erlaubt sie gut zu finden. Also ein paar Ansichten von ihr nicht hinterfragen, festzustellen, dass sie und er was gemeinsam haben, an ihrem Studium etwas zu finden, weswegen sie ein toller Mensch ist, der zu ihm passt. Ein „Endlich mal eine Frau, die vernünftig Dart spielt und keine Angst hat ihre Meinung zu sagen“ hätte er passend umschalten können, vielleicht noch mit ein paar Spielereien im Sinne eines Bait Hook release. Irgendwas, womit er ihren Geltungsdrang, besser zu sein, in etwas positives Reframed und vielleicht darin umdeutet, dass sie sich ja anzustrengen scheint um ihm einen guten Kampf zu liefern. Und dann eben der Übergang zu Komfort. Wenn sie schon von der Bar weg waren und sie mit ihm Dart gespielt hat, dann wären sie ja schon im Bereich „isolation“ gewesen und er hätte damit beste Voraussetzungen gehabt:

The ultimate goal of comfort is both of you can relax together, sharing intimacies without worrying. Before you build comfort, isolate the target from her friends possible, whether physically or verbally.

Robins Klage, dass er mal lieber besseres Pickup verwendet hätte und die Stufen weiter durchgezogen hätte liest sich dann wie folgt:

 Aber nee, lieber führt Mann sich wie ein Arschloch auf, weil voll Alpha und so. Doch leider wird man durch Arschloch-Benehmen nicht zu einem guten Flirter, sondern zu einem Arschloch!

Robin berichtet dann von einem weiteren Mann, einem Freund von einer Freundin, der mit Pickup angefangen hatte. Er schien sehr davon besessen zu sein, dass Größe wichtig ist.

So saß ich mit beiden in einer Bar und bekam mit, wie sie sich anfingen zu streiten. Das Thema war schnell ermittelt, als sich meine Ex-Kollegin mit blitzenden Augen zu mir drehte und zische: “Kannst du dem bitte mal sagen, dass er groß genug ist?!”

Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. “Alter, du bist groß genug.”
Er lächelte über so viel Naivität. “Aber es wäre besser, wenn ich NOCH größer wäre.”
“Wie groß bist du denn?”
“Eins-dreiundachzig.”
“Ähm, das reicht doch?!”
“Fünf Zentimeter mehr wären aber besser,” erwiderte er im jammerigsten Tonfall.
Ich facepalmte innerlich und wusste genau, worauf das hinauslief, aber ich fragte dennoch nach, wieso er das für besser hielt.
Die Antwort natürlich: “Frauen stehen auf große Männer!”

Da hat er auch grundsätzlich recht. Größe ist ein sehr relevantes Kriterium für viele Frauen und die meisten wollen einen Freund, der größer ist als sie. Auch hier allerdings hätte der als Beispiel für dir Fürchterlichkeit von Pickup vorgezeigte allerdings das Leben für Robin und seine Freundin angenehmer machen können, wenn er die Pickup-Prinzipien tatsächlich beherzigt hätte. Denn dann hätte er gemerkt, dass es egal ist, ob große Männer etwas attraktiver sind und dass das Jammern über diesen Umstand letztendlich auch nur ein Limiting Belief ist, da er es nicht ändern kann. Er hätte sich zudem bewußt gemacht, dass es nichts falscheres gibt als ausgerechnet vor seiner Freundin darüber zu jammern. Statt dessen hätte er (lustigerweise genau die von Robin oben kritisierte) Einsicht gehabt, dass körperliches unwesentlich(er) ist, wenn man Status und Game hat, hätte an seinem Inner Game gearbeitet und sich vielleicht zudem bewußt gemacht, dass 1.83 eine durchschnittliche Größe ist.

Der nächste Typ ging dann wie folgt vor:

Nein, eigentlich SPRANG er mir eher in den Weg. Es war in meiner Stammdisco. Ich befand mich auf dem Weg in den Raucherbereich, als sich plötzlich ein Typ vor mich warf und sofort anfing, auf mich einzureden.

Ich kann leider auch hier nicht wiedergeben, was es genau war. Dieses Mal nicht, weil ich betrunken war (kaum), sondern weil es schwer ist, sich so viel Bullshit auf einmal zu merken. Wasserfallartig texte dieser Kerl mich zu und redete offensichtlich nur, weil er ein Wortminimum zu erfüllen hatte!

Auch hier fragt man sich, warum das Pickup sein soll – es gibt genug Männer, die noch nie von Pickup gehört haben, aber „Zulabern“ für eine gute Idee halten. Dabei geht Pickup zwar davon aus, dass man am Anfang meist mehr reden muss als die Frau, aber dennoch stellen die meisten Opener zumindest darauf ab, dass sie Interesse bekunden kann, dass man sie bei einem indirekten Opener irgendetwas fragt, auf das sie reagieren muss, dass man in eine Interaktion eintritt, bei der sie ebenfalls zumindest ein wenig in die Sache investiert. „Wortschwall“ ist kein Pickup.

„Aber ich habe dadurch gelernt, dass die Strategie vieler PUAs darin besteht, eine Frau einfach sinnlos vollzulabern, bis sie entkräftet aufgibt und in seine Arme sinkt. So ein Exemplar schien ich vor mir zu haben.“

Ein etwas geringer Anhaltspunkt. Tatsächlich scheint mir diese Vorgehensweise in dieser undifferenzierten Form eher typisch Nicht-Pickup zu sein. Was dann vielleicht auch seine nachfolgende Überraschung erklärt als sie ihn fragt, ob er Pickup ausprobiert.

Den tollsten Vertreter dieser Spezies traf ich dann aber noch etwas später in der selben Disco. Bis dahin war das ein hammergeiler Abend gewesen. Ich war mit Mitbewohner David unterwegs, die Musik war ultragenial, wir tanzten viel, ich fühlte mich superwohl. Einfach ein richtig schöner Abend!
Irgendwann verzog ich mich für eine Zigarette, während Mitbewohner David weiter auf der Tanzfläche abging. Ich stand da, die Kippe in der Hand und war einfach richtig happy. Das war der Zeitpunkt, als einer dieser Möchtegern-Aufreißer auf mich zu kam und meinen Blick suchte. Ich lächelte ihn knapp an – nicht, weil er mir gefiel, sondern weil ich gelernt habe, dass man das so macht, wenn man ein menschliches Wesen vor sich hat.

Das war leider für ihn ein Signal, mich anzulabern. Und was er sagte war: “Wow, du siehst ja so richtig unzufrieden aus!”

Mir fiel ALLES aus dem Gesicht. Wie gesagt – mir ging es gerade richtig gut! Alles war toll! Und dann kommt dieser Kerl und erzählt mir, ich würde unzufrieden aussehen?!

Richtig, der alte Pickup-Trick jemanden NEGATIVE Stimmungen zu unterstellen. Das führt meist zu einer sehr positiven Anmache (nicht!). Wie ordnet Robin es ein:

Natürlich – der meinte das ja gar nicht so! Ich sah im Gegenteil ZU zufrieden aus! Was natürlich nicht geht… eine zufriedene Frau ist eine selbstsichere Frau und selbstsichere Frauen lassen sich nicht von PUAs abschleppen! Es galt also, mich zu verunsichern. Ihr wisst schon, Dominanz zeigen, damit er einen auf Alpha machen kann!

Aber statt völlig zusammen zu brechen, was wohl sein Ziel gewesen war, wurde ich ein bisschen sauer. “Ähm, Hallo? Was ist denn das bitte für ein Spruch?” ging ich direkt auf Konfrontationskurs. Das brachte ihn ins Schwimmen, auch wenn er versuchte, Contenance zu bewahren. Ich war aber so von den Socken, dass ich ein Mädel hinter mir anhaute. “Stell dir vor, was der gerade zu mir gesagt hat!”
Sie hörte es sich an und wirkte ebenso verblüfft. “Also wirklich, sowas sagt man doch nicht,” meinte sie tadelnd.
Er versuchte, das Ganze als Witz hinzustellen (“Du siehst unzufrieden aus” – höhö, superwitzig). Da war mir schon klar, dass ich hier jemanden vor mir hatte, der ein Programm abspulte. Und diese Erkenntnis war immerhin interessant genug, dass ich nicht direkt flüchtete. Mal sehen, was der sonst noch so probierte.

Nein Robin, das hat mit Pickup nichts zu tun. Weil es gar nicht darum geht dich zu verunsichern. Der Neg hat eine ganz andere Richtung. Aber das hatte ich ja oben schon geschrieben. Man nutzt ihn bei Frauen, die zu häufig aufs Podest gestellt werden um ihnen deutlich zu machen, dass man sich insoweit nicht davon beeinflussen lässt. Nicht um sie niederzumachen. Gerade selbstsichere Frauen kommen aus meiner Sicht besser mit Pickup zurecht: Sie lassen sich eher auf einen spielerischen Wettstreit ein, der etwa durch Cocky Comedy entsteht, weil sie meinen, dass sie mithalten können und es genießen, dass jemand mal ein paar Spannungen hält, statt sie gleich wieder abzubauen. Der Typ mag ein Programm abgespult haben, Pickup war es aber nicht. Wenn es ein Beispiel für schlechtes Flirten ist, dann eher für konventionelles Flirten, in dem Männer meinen, dass sie Frauen retten müssen, und sei es vor sich selbst und ihrer schlechten Laune. Die als weiße Ritter herbeieilen, um die holde Maid zu unterhalten.

Ich hätte es mir nicht schlimmer ausmalen können. Wir, naja, “unterhielten” uns über das Studium (ich antwortete einsilbig). Als ich auf Nachfrage meinte, dass ich gerne wieder zurück nach Hause will, wenn ich fertig bin, antwortete der doch tatsächlich: “Klar, du machst definitiv den Eindruck, total heimatverbunden zu sein!”
Von der völlig idiotischen Überschwänglichkeit abgesehen: Wir kannten uns ZWEI Minuten. Steh ich drauf, von einem komplett Fremden zu hören, was ich für eine Persönlichkeit habe?

Der arme Kerl. Da dachte er endlich, er könnte etwas Punkte wieder gut machen, indem er ihr Heimweh gut findet und Robin geht wegen einer Pickup-Paranoia an die Decke.

An dieser Stelle dann wieder mein Standardspruch: “Probierst du gerade PickUp bei mir aus?”
Wieder kein “Hä?”. Wie lame.

Das „Hä“ könnte auch einfach daraus folgen, dass er keine Ahnung hatte, was sie eigentlich meint. Der arme Kerl hatte vielleicht einfach nur versucht so gut wie möglich zu flirten, indem er Hilfe anbietet.

Später sah ich ihn an der Tanzfläche stehen und mich beobachten. Er winkte mich zu sich. Dumm, wie ich bin, ging ich hin und wandte den Kopf, weil ich dachte, dass er mir etwas sagen wolle. Stattdessen packte er meine Hand. Ich, konsterniert, wollte sie wegziehen, doch er umklammerte mein Handgelenk so fest, dass ich mich wirklich losreißen musste. “Darauf steht wirklich keine Frau!” teilte ich ihm mit, als ich das geschafft hatte.

Seine Antwort: “Scheiß auf dich!” – und ein beleidigter Abgang.

Tja, PUAs und ihre verletzten Gefühlchen.

Eher wohl Männer und ihre verletzten Gefühle. Mit Pickup hatte auch das nichts zu tun. Auch hier wäre Robins Leben angenehmer gewesen, wenn er tatsächlich Ahnung von Pickup gehabt hätte. Dann hätte er nämlich gerade nicht versucht, ihr Handgelenk zu greifen. Er hätte sich entweder ganz im Sinne von Style mit einem „Nett, dich getroffen zu haben“ verabschiedet“ und hätte bei einer anderen neu angefangen oder bei ihr einen neuen Ansatz versucht. Entweder indem er es zugegeben hätte und sie gefragt hätte, ob sie sich jetzt mal normal unterhalten können oder indem er irgendwie anders an das vorherige Gespräch anschließt.

All das war nicht gerade dazu angetan, meine Begeisterung für PU zu erhöhen. Abgesehen davon, dass ein Mann, der sein ganzes Leben danach ausrichtet, mit möglichst vielen Frauen möglichst viel Sex zu haben, in meinen Augen so tiefsinnig wie eine Regenpfütze ist, wirkt die Verzweiflung, die sich in der Nutzung kleiner PU-Psychospielchen äußert, für mich so ziemlich als das Gegenteil von “Alpha”.

Lustigerweise zeigen alle Beispiele, die sie gebracht hat, dass die Interaktionen mit Pickup wesentlich besser verlaufen wären. So hat sie ein paar Jungs niedergemacht, die wahrscheinlich keine Ahnung von Pickup hatten. Ihr geheiligter Zorn geht – wieder mal – fehl.

Pickup hätte die Abende für sie angenehmer machen können.

WM 2014: Finale: Deutschland vs. Argentinien

Finale WM 2014! Nach dem überragenden Halbfinale gegen Brasilien unterliegt man ja schnell dem Trugschluss, dass es hier eine zielgerichtete Kausalität gibt: Wenn alle Zeichen darauf hindeuten, dann wäre es doch geradezu ungerecht, wenn wir jetzt verlieren würden, dann wäre der 7:1 Sieg ja vollkommen umsonst gewesen und das macht keinen Sinn.

Also quasi der Gedanke, dass solche großen Ereignisse wie ein 7:1 auch große Folgen haben müssen, wie einen Weltmeistertitel. Man vermutet schnell einen „Plan“ des Schicksals, dass wir Weltmeister werden.

Natürlich ist aber jedes Spiel ein neues Spiel und Argentinien auch kein schwacher Gegner.

Aber auch ohne den obigen Fehlschluss gibt es ja gute Gründe an einen deutschen Sieg zu glauben: Argentinien hat ein schwaches Halbfinale gespielt, Neuer und viele andere spielen eine großartige WM und es muss ja auch verdammt noch mal irgendwann mal klappen.

Deswegen tippe ich auf ein 2:1 für Deutschland

Frauen bei der Fußball-WM 2014

Zur Einstellung auf das heutige Spiel beginnt der Tag, an dessem Ende hoffentlich der 4. Weltmeistertitel für Deutschland steht, gleich mal mit feministischer Kritik an der WM-Berichterstattung bzw. der Frauenquote beim Fußball allgemein:

Wo während der Männerfußball-WM die Frauen sind, ist schnell erklärt: Nicht auf dem Spielfeld. Und auch nicht an dessen Rand, denn es gibt bei der Weltmeisterschaft ganz einfach keine Schieds- und Linienrichterinnen oder Trainerinnen. Noch nicht einmal in einem klassischen Frauenfach sind sie anzutreffen: Keine einzige Mannschaft beschäftigt eine Frau, die als medizinische Expertin auf der Ersatzbank sitzen darf. Besonders zu irritieren scheint dies allerdings niemanden. Wenn überhaupt mal ein Frauenmangel bei der WM beklagt wird, geht es um Fernsehjobs.

Das sie nicht auf dem Platz stehen ist wenig verwunderlich: Es gäbe, selbst wenn man Frauen mitspielen lassen würde (dürfte man eine Spielerin aufstellen? Ich bin gar nicht ganz sicher) keine einzige Spielerin, die auf dem Niveau mithalten könnte.

Bei den Schieds- und Linienrichterinnen fällt mir auch nur eine Frau ein, Bibiana Steinhaus, die in der zweiten Liga tätig ist:

Bibiana Steinhaus

Bibiana Steinhaus

Ich vermute  mal, dass es auch daran liegt, dass Schiedsrichter ein relativ undankbarer Job ist, körperlich anstrengend, draussen bei Wind und Wetter, und dazu noch relativ konfliktträchtig. Das sind Eigenschaften, die man in typischen Frauenberufen nicht findet. Zudem muss man Mitglied in einem Fußballverein sein und bereit sind, jährlich zumindest 20 Spiele zu übernehmen und die Bezahlung ist auch noch in den unteren Bereichen relativ schlecht: Bei einem Schülerspiel 5 €, 300 € in der Regionalliga. Das ist mit aller Vorbereitung etc eher eine Aufwandsentschädigung, die es zu einer Sache für jemanden macht, der es aus Liebe zum Sport macht. Insofern überrascht es mich nicht, dass dort wenig Frauen vertreten sind.

Zu den Ärzten: Es gibt zwar viele Medizinierinnen, aber bei den Ärzten in, die für eine Fußballmannschaft zuständig sind, handelt es sich eben um Sportmediziner im Spitzenbereich und nicht um jemanden, den man eben so mal mitnimmt. Das Interesse von Frauen für andere medizinische Bereiche (insbesondere Gynäkologie und Kinder) wird es zudem weiter ausdünnen, ebenso wie Babypausen etc.  Und auch das weniger Trainierinnen vorhanden sind erstaunt angesichts der allgemeinen Quote von Frauen im aktiven Fußball nicht.

Normalerweise werden bei Großereignissen des Sports Ex-Profis als Experten vor die Kameras geholt. Die ehemalige Weltklasseschwimmerin Kristin Otto darf beispielsweise bei Olympia das Männer- wie das Frauenschwimmen begleiten. Aber neben Mehmet Scholl und Oliver Kahn auch mal eine Spielerin der – überaus erfolgreichen – Frauen-Fußballnationalmannschaft zu buchen: Auf diese Idee kam bislang weder die ARD noch das ZDF.

Wäre aus meiner Sicht eine recht sinnlose Frauenquotenerfüllung. Denn natürlich können Mehmet Scholl und Oliver Kahn als ehemalige Fußballprofis weitaus mehr Einblick in die Spielerseite bringen und kennen zudem viele der Akteure persönlich. Mehmet Scholl ist Europameister im Jahr 1996 geworden, er trainierte die zweite Mannschaft des FC Bayern München, er hat lange Profifußball gespielt. Oliver Kahn hat an diversen Weltmeisterschaften teilgenommen und ist dort immerhin recht weit gekommen, er kennt die Wettbewerbe aus erster Hand, er hat zudem ebenfalls langjährig in der Bundesliga und auch der Championsleague gespielt.

Dagegen kann man natürlich anführen, dass man ja auch einen weiblichen Weltmeister nehmen könnte. Aber hier sind die Tourniere vom Aufwand schlicht nicht vergleichbar, sie werden auf einem wesentlich niedrigeren Niveau gespielt, es fehlt die persönliche Kenntnis der anderen Spieler und vieles mehr an Expertenwissen. Sie wären keine gleichwertigen Experten, was schön zeigt, zu welchem Ergebnis in solchen Bereichen eine Quote führt.

Fachlich qualifizierter als die Theaterwissenschaftlerin Katrin Müller-Hohenstein, die bis zu ihrer Verpflichtung fürs aktuelle sportstudio in Lokalrundfunksendern Vor- und Nachmittagsssendungen moderierte, dürften die Ex-Kickerinnen allemal sein. Und vielleicht hätten sie im Gegensatz zu Müller-Hohenstein darauf verzichtet, bei der WM 2010 im Gespräch mit Oliver Kahn anlässlich eines Tors von Miroslav Klose von einem „inneren Reichsparteitag“ zu sprechen.

Ist das Argument da nicht eigentlich „die vorhandene Quotenfrau ist schon so schlecht, da können wir auch weitere Quotenfrauen einsetzen“? Wobei ich als nicht so Fußballinteressierter über die tatsächliche Qualifikation von Katrin Müller-Hohenstein nichts sagen kann. Es erscheint mir aber ein sehr schwaches Argument und in dieser Richtung eher ein Kontraargument gegen die Verpflichtung weiterer Frauen.

Müller-Hohensteins Performance ergänzt wunderbar das, was in der Live-Berichterstattung der Begegnungen auch sonst geboten wird. Ein Fußballspiel live zu kommentieren, ist im Grunde nicht schwierig: Wer in der Lage ist, sich Trikotnummern und die dazugehörigen Namen und Gesichter sowie ein paar Geschichten über die jeweiligen Spieler zu merken, ist für den Job schon ganz gut qualifiziert. Denn mittlerweile ist es gang und gäbe, das Evidente noch einmal breit zu erklären, also etwa was die Nummer 11 unten auf dem Platz gerade macht und dass das leider, leider nicht zum Tor führte: Ooouuuu, da hätte sich der Stürmer aber mehr anstrengen müssen! Aber halt, da hat der Schiedsrichter gepfiffen, das müssen wir uns in der Zeitlupe noch einmal ansehen. Warum Fußballreporter glauben, dass Zuschauer das, was sie gerade mit eigenen Augen sehen, noch einmal erzählt bekommen wollen, ist unklar. Fußball ist ja nun wirklich keine besonders komplizierte Sportart.

Okay, ein Rant. Da kann man ruhig etwas polemisch sein. Tatsächlich aber sollte ein guter Kommentator schon etwas mehr wissen. Klar könnte man hier eine Frau nehmen, aber es wird eben auch weniger Frauen in diesem Bereich geben. Die Frau, die mir hier aus dem Radiobereich einfallen würde wäre Sabine Töpperwien. Ob man sie mal zb statt Béla Réthy ranlassen sollte wäre angesichts seiner häufig schlechten Bewertungen vielleicht durchaus mal eine interessante Frage. Wobei sie eben im Radiobereich tätig ist, also insoweit einen anderen Kommentatorstil hat.

Das alles könnten Frauen auch – wenn man sie denn ließe. Oder wenn sie wollen würden. Die Art und Weise, wie die bereits aktiven Reporterinnen in den Medien präsentiert werden, kann man nämlich durchaus abschreckend nennen. Da gibt es Online-Bildstrecken, in denen unter Überschriften wie „Schön und kompetent“ Bilder der fast durchgehend blonden oder wenigstens blondierten Fußballfachfrauen präsentiert werden. Oder Interviews, in denen ganz selbstverständlich Privates abgeklopft wird, Dinge, die ein männlicher Kommentator nie gefragt wird, etwa auf welchen Frauentyp genau er steht oder ob er „in festen Händen“ ist, und wenn, ob die Ehe oder Beziehung darunter leidet, dass die Wochenenden am Rasen verbracht werden. All diese Dinge scheinen zum Job des Fußballkommentierens dazuzugehören – wenn eine Frau diesen Job erledigt.

Die Sportfachfrauen sind natürlich auch danach ausgesucht, dass sie – teilweise zusätzlich zum Fußballwissen – sehr, sehr gut aussehen. Wenn sie kein Fußballwissen haben, dann können sie eben allgemeine Statements einholen, Fans befragen, wie sie es bisher finden oder sonstiges an normaler Reportertätigkeit machen.

Und da ist es aus Sicht der Sender eben eine einfaches Mittel, zusätzliche Zuschauer anzuziehen. Für mich die Entdeckung dieser WM aus dem Bereich:

Vanessa Huppenkothen

Vanessa Huppenkothen

Vanessa Huppenkothen ist eine mexikanische Sportreporterin, Tochter eines deutschen Fußballspielers, und bekennender Fan von Schalke 04. Nett anzuschauen und Ahnung vom Fußball.

Letztendlich ist es hier ähnlich wie bei den Superhelden: Weibliche körperliche Schönheit ist in dieser Hinsicht ein wesentlich höherer Wert, weil in der Partnerwahl wesentlich bedeutsamer, weswegen dessen Darstellung auch viel eher zu Listen anregt. Weiblicher Wettbewerb hingegen spielt dort eine geringere Rolle, im Gegensatz zu Männern, weswegen die Fußballweltmeisterschaft der Männer eben auch in dieser Hinsicht mehr Aufmerksamkeit erzeugt.

Deswegen sind auch Bilder von Spielerfrauen interessanter: Die Spieler haben einen hohen Status, weswegen man dort auch schöne Frauen erwartet. Das sie schöne Frauen haben sagt gleichzeitig auch etwas über sie selbst aus und passt in eine Bewertung des Ereignisses als intrasexuelle Konkurrenz.

Aber nicht nur im Fernsehen, auch in den Printredaktionen sind nur sehr wenige Sportredakteurinnen oder -autorinnen zu finden. Wie in vielen anderen Branchen greifen auch hier einige klassische Mechanismen. Da ist das notorisch Männerbündlerische, das sich etwa in Insiderwitzen niederschlägt; da ist die demonstrative Verbundenheit zwischen Journalisten und Vereinsführung, die jeden Neuling zunächst ausschließt. Im traditionellen Fußballjournalimus geht es nicht nur um Tore und Verletzungen, sondern auch um Privilegien. Ein gutes Verhältnis zum Präsidium bedeutet, Informationen möglicherweise früher als die Konkurrenz zu erhalten, was kritische Berichte oder gar Enthüllungsgeschichten tendenziell erschwert, wenn nicht verhindert.

In einem Ereignis über intrasexuelle Konkurrenz unter Männern festzustellen, dass es hauptsächlich Männer interessiert ist da auch wenig überraschend. Es geht im Fußball auch nicht um kritische Berichte oder Enthüllungsgeschichten, es geht darum, dass man sich einer bestimmten Gruppe zuordnet, üblicherweise wohl das eigene Land und dieses stellvertretend für einen selbst gegen eine andere Gruppe spielt. Dabei darf man dann, weil es die eigene Gruppe ist, natürlich mit dieser hadern und meinen, dass sie alles besser machen könnte und man selbst der bessere Nationaltrainer wäre, aber dabei geht es ja auch darum, dass man will, dass sein Team gewinnt.

Ich wüßte aber nicht, dass das in Frauenbereichen anders ist. Auch in der Glamourwelt der weiblichen B- und C- Stars wird eine „Szene-Insiderin“ sich nicht mit den Stars anlegen, die sie interviewn will und von denen sie Neuigkeiten haben will. Es handelt sich aus meiner Sicht dabei nicht um Erscheinungen eines Männerbundes sondern um die typischen Folgen einer Situation, bei der beide aufeinander angewiesen sind und sich daher kooperativ verhalten.

Da ich als erste Frau hierzulande Ende der 90er Jahre die Leitung des Sportressorts bei einer überregionalen Zeitung übernommen habe, werde ich das oft gefragt. Und meine Antwort lautet, im Kern: „Es ist lustig, wenn man Spaß an abstrusen Situationen hat.“

Die Zahl der Männerarme, die sich unverlangt um meine Schultern legten, während ihre Inhaber etwas wie „Ich erklär dir mal, was Abseits ist“ sagten, ist jedenfalls Legion. Auf einem Westberliner Sechstligaplatz wurde ich einmal mit den Worten „Wie, die schicken uns heute eine Frau?“ empfangen. Die Enttäuschung war unüberhörbar: Da war er also, der große Tag, an dem der Verein ein Spiel absolvieren würde, das morgen in der Zeitung stehen würde – und dann das: eine Frau! Meine Antwort auf die offensichtliche Bestürzung tröstete den fassungslosen Präsidenten kaum. Ich sagte: „Ja, ich bin die Strafe.“

Das wiederum ist unnötig, dürfte aber auch daran liegen, dass die meisten weiblichen Reporter eben nicht unbedingt sehr viel Ahnung von Fußball haben. Man wird ein solches Denken wohl nur los, wenn es mehr weibliche Reporter aus dem Bereich gibt, die dann auch Ahnung haben. Das erreicht man aber nicht über Quoten.

 

Selbermach Samstag XCIII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Der Coolidge Effekt bei Männern und Frauen

Unter dem Coolidge Effekt versteht man den Effekt, dass neue Partner die Erholungsphase nach dem Sex verkürzen bzw. die gewünschte Frequenz von Sex erhöhen. Der Name geht auf die folgende Geschichte zurück:

Der Präsident und seine Gattin Grace Coolidge besuchten einen Musterhof und wurden getrennt herumgeführt. Als sie darüber staunte, dass es im Hühnerstall nur einen einzelnen Hahn gab, erklärte man ihr, der Hahn vollziehe den Paarungsakt bis zu zwölf Mal am Tag. Darauf soll Mrs. Coolidge gesagt haben: „Sagen Sie das meinem Mann.“ Als dieser später davon erfuhr, hakte er nach: „Jedes Mal dieselbe Henne?“ – „Nein, jedes Mal eine andere.“ Darauf Coolidge: „Sagen Sie das meiner Frau.“

Der biologische Hintergrund sind wie so häufig in der Biologie der Umstand, dass die Geschlechter unterschiedliche Kosten für Sex in biologischer Hinsicht haben:

  • Bei Frauen müssen für jede Fortpflanzung 9 Monate Schwangerschaft, eine riskante Geburt und danach die Stillzeit als Kosten eingeplant werden. Eine “billigere” Herstellung von Nachwuchs ist für Frauen nicht möglich, allenfalls können sie das Stillen abgeben. Demnach hat Sex, der zu einer Schwangerschaft führen kann potentiell hohe Kosten
  • Männer müssen für jede Fortpflanzung die Kosten einer geringen Menge Sperma als Minimalkosten einplanen, die weiteren Kosten können sie theoretisch komplett an die Frauen abgeben. Sex ohne Verpflichtung ist insoweit kein hohes Risiko, die potentielle Investition kann gering sein, die genetische Entlohnung hingegen genau so hoch wie bei der Frau, da das Kind 50% der Gene des Vaters trägt

Daraus folgt, dass es sich für Männer weitaus mehr lohnt, wenn sie mit einer neuen Frau schlafen als gleich noch einmal mit der gleichen Frau. Denn die gleiche Frau kann nur einmal schwanger werden, ein unmittelbar folgender Sex erhöht die Chancen einer erfolgreichen Befruchtung nicht wesentlich. Hingegen erhöht Sex mit einer weiteren Frau die Chance, dass diese ein weiteres zusätzliches Kind  bekommt erheblich, weswegen sich Gene, die eine erhöhte Lust auf eine neue Partnerin erzeugen bzw. eine höheres sexuelles Interesse an Varianz erzeugen, im männlichen Genpool anreichern können.

Es lohnt sich auch, diese Lust bei einer neuen Frau im Gegensatz zu einer, mit der man regelmäßig schläft, zu steigern. Denn bei der bestehenden Partnerschaft ist ja der nächste Sex wesentlich wahrscheinlicher und auch eine bereits erfolgte Befruchtung, die potentielle Gefahr einer Spermienkonkurrenz ist auch geringer, während all diese Optionen bei der noch neuen Partnerin nicht gegeben sind. Die Kosten allerdings bei beständiger Vorhaltung eines für alle Frauen gleichwertigen Lust und Bereitschaft wären eben höher, da Sex und Spermaproduktion auch Ressourcen verbrauchen. Gleichzeitig wären die Verluste bei nicht vorhandender Möglichkeit Sex mit einer neuen Frau zu haben, hoch. Denn es entgeht eben eine potentielle Befruchtung. Auch hier sind allerdings die sonstigen Kosten zu bedenken: Ein absolutes Vorhalten der Möglichkeit, also sofortige Sexbereitschaft bei einer neuen potentiellen Sexpartnerin, wäre zum einen wahrscheinlich im Verhältnis zu den Gelegenheiten zu kostenintensiv und vielleicht auch ein zu schlechtes Signal hinsichtlich der eigenen Bindungsfähigkeit (vielleicht auch ein Grund, warum der Penisknochen verschwunden ist, nicht ständig verfügbar gewesen zu sein, kann auch ein Signal für eine gewisse „Beziehungstauglichkeit“ gewesen sein).

Verschiedentlich kam hier in den Kommentaren die Meinung auf, dass beim Menschen der Coolidgeeffekt bei Frauen stärker ausgeprägt ist als bei Männern. Die Argumenation baut darauf auf, dass innerhalb einer Beziehung eher der weibliche Sexualtrieb nachlässt, also der Mann mehr Sex mit seiner Dauerpartnerin will als diese mit ihm.

Das verkennt aber das wesentliche zweite Element des Coolidge-Effektes. Der Coolidge-Effekt beschreibt nicht einfach nur nachlassendes sexuelles Interesse, sondern eben gerade das man mit einem bestehenden Partner weniger Sex will als mit neuen Partnern.

Das ist im ganzen bei Menschen natürlich schwer zu messen, weil in diese Bewertung der stärkere Sexualtrieb des Mannes einzurechnen ist. Aus meiner Sicht steigt am Anfang einer Beziehung der Testosteronspiegel der Frau und der des Mannes sinkt etwas. Dadurch will sie anfänglich mehr Sex als sonst. Nach einiger Zeit normalisieren sich die Hormonspiegel wieder und sie will weniger Sex als am Anfang der Beziehung. Gleichzeitig muss aber nicht der Effekt bestehen, dass sie deswegen bei einem neu hinzutretenden Mann Lust auf Sex bekommt. Es kann auch sein, dass sie allgemein mit dem in der Beziehung bestehenden Sex von einmal die Woche einverstanden ist und gleichzeitig aber nicht mit einem anderen Mann schlafen möchte während er lieber 3 Mal die Woche Sex hätte, und dabei nichts dagegen hätte, wenn es ab und zu eine andere Frau wäre.

Ein direkter Vergleich scheitert insofern häufig schon an dem verschiedenen Einstellungen zu Sex. Wenn man einem Mann mit einer willigen Frau, die optisch und auch ansonsten seinen Vorlieben entspricht, für eine Woche zusammenbringen würde und die Anzahl der Sexualkontakte messen würde, und dann das Experiment sagen wir zwei Monate später wiederholen würde, nur mit 6 weiteren willigen Frauen, die optisch und auch ansonsten seinen Vorlieben entsprechen, wobei die 6 weiteren jeweils nur einen Tag hinzukommen, für eine Woche zusammenbringen würde und die Anzahl der Sexualkontakte messen würde, dann würde man wahrscheinlich einen Coolidgeeffekt feststellen und der mit den insgesamt 7 Frauen hätte mehr Sex gehabt und wahrscheinlich im Schnitt auch mehr mit den 6, die dazu gekommen sind.
Würde man mit einer Frau das gleiche Experiment machen, dann würde sie vielleicht überhaupt keinen Sex haben, was eine Auswertung schwieriger macht. Vermutlich würde sie auch ansonsten mit wenigeren der Männer schlafen. Es wäre jedenfalls weit weniger davon auszugehen, dass sie bei den neu hinzukommenden Männern schneller wieder bereit für Sex wäre. Vielleicht hätte der bereits vorhandene Mann sogar die besten Karten, wenn er es schafft eine Bindung zu ihr aufzubauen. Sprich: Eine Durchführung des Experiments scheitert hier bereits an den unterschiedlichen Einstellungen von Männern und Frauen zu casual Sex mit relativ anonymen Partnern.

Allerdings hält aus meiner Sicht das Leben ja einige „Versuchsaufbauten“ parat. Für Männer gibt es einen kommerziellen Markt, der gerade darauf aufbaut, dass man neue Frauen für Sex hat, eben die Prostitution. Soweit Prostitution auf Frauen ausgerichtet ist findet dieser häufig eher so statt, dass in einem „Liebesurlaub“ ein Gigolo eine Pseudobeziehung (gegen Geld) aufbaut und nicht so, dass die Frau mit möglichst vielen verschiedenen Männern Sex hat.

Hingegen hat die männliche Vorliebe für Abwechselung zu Angeboten wie dem „Pauschalclub“ geführt, indem die Freier gegen einen Festbetrag mit sovielen der anwesenden Frauen Sex haben können, wie sie wollen. Auch hier darf vermutet werden, dass die meisten Männer dabei mit vielen verschiedenen Frauen schlafen.

Demnach ist aus meiner Sicht der Coolidge Effekt auch bei uns Menschen eher bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen.

Sex mit mehr als 10.000 Männern

Eine Frau, die als Escort-Dame im oberen Bereich gearbeitet hat, hat über ihre daraus folgende Erfahrung, mit über 10.000 Männern geschlafen zu haben, ein Buch geschrieben:

Aus einer Besprechung des Buches:

At the height of her career, Ms Montenegro was paid $500 to $1000 an hour as a elite escort.

(…)

The Melbourne woman was born into a family with deep Christian values and wanted to ’save herself‘ until the right man came along.

But after she was gang-raped during a night-out at a club, coupled with her low self-esteem and her lust for money, she started off table top dancing before heading into sex work.

‚I saw an ad for table top dancing back when I was about 19,‘ Ms Montenegro said.

‚I was very naïve – it’s like I fell off the bus.

‚I got pretty drunk and I made $1000 cash on the first night.

‚I thought that was amazing and I thought „I must be quite decent at it“.‘

 (….)

‚The money was why I stayed for so long. I was earning thousands upon thousands a week,‘ she said.

‚Money was like a drug – it let me fly around the world.‘

10.000 Männer in 15 Jahren im Geschäft, das sind 10.000: (15Jahre x 365 Tage)= 1,9 Männer pro Tag. So hochklassig wird sie da zumindest in den Anfängen vermutlich nicht gearbeitet haben um auf diese Zahl zu kommen.

Dazu fällt mir auch noch diese Studie ein, die sich mit der Diskrepanz der Sexpartner bei Männern und Frauen beschäftigt:

One of the most reliable and perplexing findings from surveys of sexual behavior is that men report substantially more sexual partners than women do. We use data from national sex surveys and studies of prostitutes and their clients in the United States to examine sampling bias as an explanation for this disparity. We find that prostitute women are underrepresented in the national surveys. Once their undersampling and very high numbers of sexual partners are factored in, the discrepancy disappears. Prostitution’s role in the discrepancy is not readily apparent because men are reluctant to acknowledge that their reported partners include prostitutes.

Across the world, probability sample household surveys of adult sexual behavior show that men report substantially more sexual partners than women do (1–13). This finding is puzzling, because in a closed population of heterosexuals, men and women actually have the same number of sexual partners in the aggregate. Explanations for this discrepancy pertain to either sex-linked reporting bias or sampling bias. Sex-linked reporting bias means that, for whatever reason, men overreport and/or women underreport the number of their partners. Sampling bias refers to the undersampling of women who have had many partners and/or women with whom sampled men have had sex but are outside the sampling frame. In our analysis, we evaluated sampling bias related to prostitution as an explanation for the disparity.

 

Hier noch ein paar Bilder von ihr:

Gwyneth Montenegro

Gwyneth Montenegro

Gwyneth Montenegro

Gwyneth Montenegro

Gwyneth Montenegro

Gwyneth Montenegro

Das mittlere Bild ist ein aktuelles, auf den anderen beiden ist sie noch deutlich jünger. Es ist schwer ein aktuelles Bild zu finden, auf dem sie sehr attraktiv aussieht. Gewerbe und Alter scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben
Interessanter als ihre reine Tätigkeit als Prostituierte finde ich aber ihre Angaben dazu, was Männer wollen:

1. They really love to please

‘One of my biggest requests from men is that they perform oral sex on me. Men really love to please, they love to know that you’re not faking it with them and that they’re doing it right.’

Das der weibliche Spass am Sex für Männer stark antörnend ist, hatte ich schon häufiger als Thema, beispielsweise hier. Ob eine Prostituierte da die richtige Adresse ist wäre eine andere Frage. Andererseits: Wenn sie einem einem Orgasmus beim vaginalen oder sonstigen Sex vorspielt, warum dann nicht beim oralen? Die grundsätzliche Begeisterung dafür, eine Frau zum Orgasmus zu bringen kann ich gut nachvollziehen, vermute aber, dass die wenigsten Prostituierten da mit Begeisterung dabei sind. Ich vermute mal für viele Männer ist es ein Versuch den Sex möglichst noch normaler zu machen und ihr Lust auf Sex zu machen, sei es um eigene Schuldgefühle zu mindern oder weil das eigene Ego groß genug ist.

2. They really value their relationship

‘They’d rather utlilise an expensive professional service than cheat on their wives and girlfriends with someone like a neighbour. They want something with no attachment and no emotional value. Proof they really value their relationship.’

Das Argument, dass eine Prostituierte die schonenste Art ist, in einer Beziehung fremd zu gehen, wenn man fremd geht, hatten wir schon mal als ein Motiv, welches Prostituierte bei Freien vermuteten. Es ist innerhalb dieser Möglichkeiten auch durchaus zutreffend, eine Affaire oder jede andere sexuelle Beziehung mit einer anderen Frau ist so gesehen ein tieferer Eingriff als die rein geschäftsmäßige zu einer Prostituierten

3. They’re insecure

‘In society men are supposed to have this sexual prowess and the reality is that many are worried that they don’t meet the mark. They engage in these professional services so that they can please their women – to learn what to do.’

Das wäre also die Geschichte des sexuell unerfahrenen Mannes, der Wissen bei einer Prostituierten aufbaut. Scheint mir eher unwahrscheinlich, aber wer weiß?

4. They have fantasies they won’t tell you

‘Men have fantasies that they wouldn’t dare tell their partner because they’ve got too much to lose. They have a huge fear of rejection and shame, which is why they turn to escorts to fulfill them.’

Das wiederum kann ich mit durchaus vorstellen. Einfach weil es sicherlich viele Leute gibt, die bestimmte „perverse“ Fantasien haben und wissen, dass die Partnerin diese nicht umsetzen will. Diese Scheu fällt dann bei einer Prostituierten eher weg, da sie ja von sich aus bestimmte Dienstleistungen anbietet. Es ist insofern eine anonyme Möglichkeit seine Phantasien auszuleben

5. They’re romantic

‘They enjoy pursuing a woman as much as they enjoy the deed itself. Over the year I’ve received everything from perfume and flowers to chocolate. Although I’d prefer less chocolate and more diamonds, you’ve got to watch your weight in this job’.

Ein häufig auftauchendes Motiv. Ich vermute mal, dass einige Männer auf diese Weise einfach eine gewisse Beziehung zu der Person, mit der sie schlafen, aufbauen wollen, um so ein besseres sexuelles Erlebnis zu haben. Vielleicht ist hier auch der Vorteil, dass man mit einer hübschen Frau flirten kann, die einen nicht abweisen wird, auch wenn sie dabei vielleicht eine Rolle spielt. Zudem nährt es die Illusion, dass man nicht einfach nur der Kunde ist, sondern dass sie einen tatsächlich mag

6. They want pseudo relationships

‘They want the confidence boost from having sex and they want to fulfill their sexual urges but without any of the commitments from a serious relationship.They can feel like they’re getting all the benefits from a relationship without being in one.’

Das dürfte vielleicht auch eine Besonderheit des High-Class-Escort-Bereiches sein: Wer eine Frau für einen Urlaub oder einen Tag bucht, der will in dieser Zeit eben etwas mehr, eine Pseudobeziehung, und ist vielleicht dann auch gerade weil er weiß, dass so etwas vorzuspielen eine gewisse Qualität verlangt, bereit dafür mehr zu zahlen.

7. They want to feel desired

‘Men want to feel desired with the guilt that comes with it. They want you to want them without wanting anything in return from them, or having anything attached to it, but by admitting that they feel emasculated.’

Auch hier also wieder das Motiv, dass man die Frau nicht einfach nur für Sex bezahlen will, sondern sie einen nach Möglichkeit tatsächlich wollen soll.

8. They’re safe

‘They value safety and health and always use condoms. In Australia if you work in this trade you have to have monthly STI checks and blood works.’

Angesichts von 10.000 Männern aus meiner Sicht sehr verständlich

Keine Ahnung, ob ihre Angaben der Wahrheit entsprechen oder zum Zwecke des Buchverkaufs etwas geschönt sind. Ich kann mir allerdings sehr gut vorstellen, dass es Männern bei eine Prostituierten am liebsten wäre, wenn sie es mit ihnen genießt und sie sexy findet. Beides passt insoweit gut in evolutionäre Muster. Daneben wird es auch Freier geben, die einfach nur den Sex wollen.

Es zeigt aber auch, dass Männer Prostituierte keineswegs einfach nur zum Objekt machen wollen. Einige/Viele wollen viel lieber eine Subjekt welches sie auch als begehrenswertes Subjekt wahrnimmt.

Poststrukturalismus und die Aussschlußfunktion von Normen

Leszek schreibt etwas zum Thema Poststrukturalismus und der dortigen Kritik an Normen:

Diese Aspekte des Gender-Feminismus sind vor allem vor dem Hintergrund seiner Verwurzelung in einer poststrukturalistisch fundierten Kritik an der vermeintlichen oder tatsächlichen Ausschlussfunktion bestimmter Normen zu sehen.

Im zeitgenössischen Poststrukturalismus ist eine Sichtweise verbreitet, die vermeintliche oder tatsächliche Diskriminierungen im Kontext eines Paradigmas von Norm und Ableitung oder Abweichung von dieser Norm analysiert, wobei dieses Verhältnis stets als soziale Konstruktion betrachtet wird.
Daher ist poststrukturalistische Kritik innerhalb dieses Feldes fast immer vor allem Norm-Kritik – in diesem Fall Kritik an der Norm-Schönheit bzw. an Schönheitsnormen. Eine Kritik an überzogenen Schönheitsnormen und dem Druck, der dadurch auf Frauen ausgeübt wird, ist m.E. auch grundsätzlich berechtigt, in diesem speziellen Fall werden aber – was ja leider im Poststrukturalismus häufig der Fall ist – alle relevanten evolutionär-psychologischen Aspekte ignoriert, so dass es mit der impliziten oder expliziten Zielsetzung “Schönheits-Normen” völlig abzuschaffen, so dass alle im Grunde als gleich schön angesehen werden, zu Forderungen kommt, die vor dem Hintergrund abgespeicherter Attraktivitätsmerkmale in dieser Weise nicht umsetzbar sind.

Zum Poststrukturalismus hatte ich hier bereits etwas geschrieben. Und zu Derrida und Raumeinnahme auch. In dieser sehr schlichten Sicht ist eine Norm etwas, was gesellschaftlichen Raum einnimmt und deswegen eben andere ausschließt und durch Macht entstanden sein muss. Sonst würde es eben keine Norm geben.

Normlosigkeit allerdings ist ein Zustand, der in dieser Welt kaum auftritt. Wir sind eigentlich immer bemüht, Normen für ein gemeinsames verträgliches Leben zu finden und unsere Normen regeln oft wichtige gesellschaftliche Verhältnisse. Mitunter sind die kritisierten Normen auch einfach keine solchen, sondern nur Häufungen von persönlichen Ansichten, die dann als Norm wahrgenommen werden.

Esther Vilar: Der dressierte Mann

On Esther Vilars Buch „der dressierte Mann“ hat diese einige sehr provokante Thesen aufgestellt, die auch heute noch von vielen in der Männerrechtsszene gerne zitiert werden.

Sie nimmt dabei dort im wesentlichen eine radikale Umkehr der bisher im Feminismus verbreiteten Unterdrückung der Frau durch den Mann vor und stellt statt dessen den Mann als durch die Frau unterdrückt dar.

Ihre dort auch geäußerte Position beschreibt sie kurz in einem Interview in der Zeit:

ZEITmagazin: Umreißen Sie für die Jüngeren noch einmal Ihre Position in dieser Debatte!

Vilar: Ich fand es nicht logisch, dass wir Frauen dauernd ein Geschlecht beschimpften, das sein ganzes Leben darauf ausrichtet, einen Beruf zu erlernen, um mit diesem Beruf dann für uns und unsere Kinder zu sorgen. Da lief etwas falsch. Dabei sind es die Frauen, die über die Rollenmuster der Geschlechter entscheiden, denn bei ihnen liegt die Erziehung, die frühe Prägung. Es ging gegen meine Würde, dass wir Frauen uns zu Opfern stilisierten.

ZEITmagazin: Was Sie damals schrieben, klingt heute ziemlich drastisch: »Der Mann fühlt sich nur als Sklave geborgen. Er braucht die Frau, um sich zu unterwerfen.« Sehen Sie das immer noch so?

Vilar: Ja, und das ist nur ein Beispiel für unsere Lust an der Unfreiheit – mein großes Thema. Wir tun alles, um unsere Freiheit loszuwerden. Wenn eine Liebe endet, suchen wir die nächste, um uns darin aufzugeben. Wir machen lieber andere für uns verantwortlich.

ZEITmagazin: Ganz aktuell sind diese Probleme aber inzwischen nicht mehr.

Vilar: Ein Teil hat sich erledigt, seit mehr Frauen berufstätig sind. Nur, unter diesen berufstätigen Frauen bin ich noch keiner begegnet, die bereit wäre, von ihrem Gehalt, wie das Männer immer tun, ihren Partner und ihre Kinder zu ernähren. Ein Leben lang. Da erwartet man noch immer vom Mann 100 Prozent und von Frauen fast nichts.

ZEITmagazin: Alice Schwarzer hielt Sie für eine Verräterin. Dabei sahen Sie sich selbst als Feministin.

Vilar: Ich habe nie dafür gekämpft, dass die Frauen an den Herd zurückkehren. Ich wollte Arbeitszeitmodelle einführen, die es beiden Geschlechtern erlauben, zu arbeiten und Zeit zum Leben zu haben. Kürzere Arbeitszeiten, aber Arbeit für alle: Das wäre für beide Seiten das Beste. Nur dass die Männer, die darauf dressiert worden sind, zu arbeiten, das nicht sehen. Für die ist es eine Katastrophe. Aber dann müssen sie sich eben umgewöhnen.

 

WM 2014: Halbfinale: Deutschland vs. Brasilien

Ein Halbfinale gegen Brasilien ist eine Sache, die man nie unterschätzen sollte. Gegen Brasilien rauszufliegen ist wohl nie eine Schande. Allerdings haben die Brasilianer auch Pech gehabt: Ein wichtiger Spieler ist gesperrt, ein weiterer verletzt.

Insofern ist die Sache schon erst einmal günstiger als sonst. Ob das reicht, wird sich zeigen.

Ich tippe einfach mal, dass es reicht:

2:0  für Deutschland.

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