Körper-Geist-Problem (Philosophie des Geistes)

Das Körper-Geist-Problem ist in der Wikipedia wie folgt beschrieben:

Der Kern der Philosophie des Geistes ist das Leib-Seele-Problem, das manchmal auch „Körper-Geist-Problem“ genannt wird. Es besteht in der Frage, wie sich die mentalen Zustände (oder der Geist, das Bewusstsein, das Psychische, die Seele) zu den physischen Zuständen (oder dem Körper, dem Gehirn, dem Materiellen, dem Leib) verhalten. Handelt es sich hier um zwei verschiedene Substanzen? Oder sind das Mentale und das Physische letztlich eins? Dies sind die zentralen Fragen der Philosophie des Geistes. Jede Antwort wirft jedoch zahlreiche neue Fragen auf. Etwa: Sind wir in unserem Denken und Wollen frei? Könnten Computer auch einen Geist haben? Kann der Geist auch ohne den Körper existieren? Die Philosophie des Geistes ist daher mittlerweile ein enorm differenziertes Projekt. Bereits Platon hat dies in seinem DialogPhilebos (30a) thematisiert: „Sokrates: Unser Leib, wollen wir nicht sagen, der habe eine Seele? Protarchos: Offenbar wollen wir das. Sokrates: Woher aber, o lieber Protarchos, sollte er sie erhalten haben, wenn nicht auch des Ganzen Leib beseelt wäre, dasselbe habend wie er und noch in jeder Hinsicht trefflicher?“

Mit leuchtet das tatsächliche Problem dahinter aber nicht wirklich ein. Ich kann verstehen, dass Sokrates und Co das Problem beschäftigt, gerade weil es auch schnell einen religiösen Bezug hat. In heutiger Zeit leuchtet es mir aber nicht wirklich ein.

Wenn man immer kompliziertere Computer mit immer höherer Rechenkraft kennt, dann ist einem zumindest klar, dass auch vollkommen unbelebte Materie mit der Hilfe von bestimmten Regeln bestimmte Probleme lösen kann. Das muss man sich letztendlich nur komplizierter und ausgereifter vorstellen.

Wir sehen ja auch die langsamen Übergänge der „Biocomputer“ von Quallen, die auf Lichteinfall eine bestimmte Bewegung durchführen, über Insekten mit recht einfachen Entscheidungsmöglichkeiten bis hin zu den intelligenteren Tieren, und schließlich über die Primaten zu uns. Dabei ist unser Gehirn genauso aufgebaut wie ein sonstiges Primatengehirn, wir haben keinen Bereich, der sich wesentlich in der grundlegenden Funktion unterscheidet, sie sind insoweit lediglich ausgebauter.

Und unser Gehirn ist unglaublich leistungsfähig und die Evolutionhatte ein paar Milliarden Jahre Zeit an der passenden Software zu schreiben.

Die Vorstellung eines „Chinesischen Raums“ geht insofern an der Sache vorbei: Wir haben es eben nicht mit einer solch simplen Befolgung von Regeln zu tun, sondern einem hoch komplexen Rechenzentrum, dass assoziative Verbindungen herstellen kann und Regeln daraus herleiten kann.

Insofern ist es aus meiner Sicht klar, dass mentale Zustände auch immer materielle Zustände sind, aber eben eingeordnet in eine komplexe „biologische Software“, die auf abgespeicherte Erfahrungen und (vermeintlich) erkannte Regeln zurückgreift.

Insofern wäre Bewußtsein nur eine Illusion, aus meiner Sicht so etwas wie eine Benutzeroberfläche, auf der bestimmte Rechenoperationen dargestellt werden, wobei wir teilweise deren Limitierungen nicht mitbekommen.

Hier scheint mir teilweise auch einfach ein „Argument aus Nichtwissen“ mit hereinzuspielen: „Weil wir das Gehirn und seine genaue Arbeitsweise noch nicht verstehen, lassen sich mentale Zustände Gehirnzustände oder funktionale Zustände zurückführen“. Dabei kann es auch schlicht auf eine Weise funktionieren, die wir noch nicht verstehen bzw. wir stellen uns ein falsches Bild davon vor, was wir eigentlich für ein Bewußtsein, den Geist oder die Seele halten.

Im Wikipediaartikel heißt es dann zu einer der dort vertretenen Theorien:

Daraus ergibt sich die Frage, ob es einen nichtreduktiven Materialismus geben kann (…) Oft wird die Idee mit dem Begriff der Supervenienz formuliert: Mentale Zustände supervenieren über physischen Zuständen, sind aber nicht auf sie zurückführbar. „Supervenieren“ beschreibt dabei eine Abhängigkeitsbeziehung: Das Mentale kann sich nicht verändern, ohne dass sich das Physische verändert.

Das scheint mir die Vorstellung zu sein, dass sich der Computer ändern muss, wenn ein neuer Software-Programmteil aufgerufen wird. Warum man das dann nicht über die Aktivierung von bestimmten neuronalen Netzwerken und dem Abrufen bestimmter assoziativer Vorgänge einordnen kann und daraus etwas so besonderes macht verstehe ich wiederum nicht. Sicherlich verändert sich auch das Gehirn mit jedem Denken und jedem lernen. Eben indem Informationen abgespeichert und neue Verbindungen in bestimmten Bereichen hergestellt werden. Aber das scheint ja nicht wirklich gemeint zu sein.

Was sich mir ebenfalls nicht erschließt ist, was diese Theorien in der praktischen Anwendung bedeuten sollen. Wenn also das Mentale das Psychische verändert, zu was führt das? Eine absolute Plastizität des Gehirns? Dazu, dass es keine biologisch festen Regeln geben kann? Zu einer Anfälligkeit für Sozialkonstruktivismus?

Auch Supervenienz scheint mir da wenig praktische Anhaltspunkte zu geben, etwa in welchem Umfang was verändert werden kann oder wie diese Veränderung von statten geht. Es bleibt für mich ein sehr abstraktes Konzept, aus dem man erst einmal nichts herleiten kann.

Vielleicht kann es mir aber jemand erklären