Wie mit Männern umgehen, die sich über Benachteiligungen beschweren?

Auf der Seite der EMMA wird die Frage gestellt, wie man denn damit umgeht, wenn Männer anführen, dass sie auch benachteiligt werden:

Sie ist eine junge Feministin. Und jedes Mal, wenn sie das thematisiert, tönen ihr solche Sätze entgegen: Die „armen Männer“ werden doch inzwischen „total ausgenutzt“. Jetzt ist sie auf der Suche nach knackigen Argumenten, die sie ihren Gegnern entgegenschleudern kann. Wer hat Ideen?

Aus den Antworten:

Jolanda rät:

Wenn im Bekanntenkreis mal wieder einer von den armen Männern rum jammert, dann bestätige ich ihn betont übertrieben, „ja, ja die Männer sind schon arm dran, haben wirklich nichts mehr zu melden …“ etc. Die Reaktionen sind folgende, entweder: 1) „Verarschen kann ich mich alleine“ – ich lächle vielsagend und damit ist das Thema erledigt. 2) Keine Reaktion – plötzlich bestätigt auf der Seite „arm“ und „nichts zu melden“ zu sein, wollen die Jungs auch nicht und lassen das Thema dann von selbst. 3) Der Jammerer geht auf meine Überteibung ein und damit ist das Thema auch durch. Das wars dann.

Das ist kein schlechter Tipp. Im Prinzip eine klassische Agree und Amplify-Taktik, also zustimmen und dann übertreiben. Und gleichzeitig der wunde Punkt vieler Männer: Ihnen steht die Opferrolle nicht. Sie lassen einen schlecht dastehen, so dass bei einer Bestätigung das Ziel voll erreicht ist und der andere an Gesicht verliert.

Was wäre die Gegenmaßnahme? Wahrscheinlich einfach ebenfalls Agree and Amplify „Stimmt, was regen sich die Männer so auf, nur behinderte Mädchen Zusatzhilfen bekommen und behinderte Jungs nicht, die kleinen Bastarde, die sollen mal lieber echte Männer werden, das sehe ich genau so. Und das Frauen im Trennungsjahr keine Arbeit aufnehmen müssen und statt dessen vollen Unterhalt verlangen können, dass ist noch nun wirklich nichts, was ist schon ein Jahr? Das muss man als echter Mann abkönnen. Und das männliche Schüler halt seltener aufs Gymnasium kommen liegt halt auch nur daran, dass sie nicht hart genug sind. Das haben die Kinder verdient“. Sollte man aber nicht zu verbittert klingen.

SaKi rät:

ie pädagogische Fachwelt hat sich unter einschlägigen Begriffen wie Genderforschung/- bewusstsein oder Diversity schon längst professionell mit Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts auseinandergesetzt. D.h. pädagogische Theorie und Praxis sollte dies verhindern. Als schließlich in den letzten Jahren prozentual Mädchen mit guten Zeugnissen und an Gymnasien gleich auf waren mit Jungs, wurde sich nochmals speziell auf die Jungs konzentriert. Es gab auch einen Medienaufschrei, dass haben belesene TierfreundE sicherlich mitbekommen – wie gesagt, die vermutete Problematik ist nicht untergegangen.
Also muss sich dein Bekannter (stellvertretend) keine Sorgen machen. Er könnte sich im Gegenzug dafür einsetzen, dass Männer leichter Ihr Berufsleben mit der Familie vereinbaren können, oder für die Forschung zur „Pille für den Mann“ – damit sein Liebesleben selbstbestimmter wird…es gäbe schon was zu tun.

Also quasi den Schwung des Angriffs ummünzen in ein das eigene Lager ziehen: Schau, du musst einfach nur den Feminismus unterstützen, dann werden auch die Männerprobleme beseitigt, wir sind auf deiner Seite! Dass das so nicht stimmt, sondern dort eher das Feindbild Mann hochgehalten wird, wurde hier ja schon oft genug behandelt. Entsprechendes müsste man wohl erwidern.

Chibi-Chan rät:

Ich persönlich mache das so, dass ich einfach nur in einem Satz sage, dass ich das komplett anders sehe und die Position meines gegenübers für ignorant und populistisch halte. Das klingt zwar hart, ist aber die Wahrheit und ich sage es höflich und nett aber bestimmt. Entweder mein Gegenüber ist aufgeschlossen und fragt mich genauso höflich nach meiner Position und geht auf eine wirkliche Diskussion mit mir ein oder eben nicht.+

Das wäre ja dann ein Abblocken durch eine deutlich negative Reaktion, aber immerhin mit einer gewissen Gesprächsbereitschaft.

Lia rät:

Hier wurde vorgeschlagen, Antifeministen zu beschämen, indem man sie zu Jammerlappen erklärt (Ooooh, Du Armer). Das ist eine sehr gute Taktik, denn Männer können es nicht mit ihrem Selbstbild vereinbaren, schwach zu sein. Männer sind lieber „Hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder“, sie gehen durch’s Feuer und jammern nicht!
Diese Taktik wurde in Streitgesprächen auch schon von Bascha Mika angewandt („Muss ich Ihnen sagen, Sie sind ein Jammerlappen“) oder Thea Dorn („Ich weine gleich“). Damit kann man Dritte erreichen, aber der Angesprochene wird eher davon ausgehen, dass man reaktionär sei und vielleicht gewalttätig werden, um sein Männlichkeit zu beweisen.

Also auch die Abwertung der Männlichkeit nach klassischen Schema, allerdings noch gezielter auf die Person (Nicht „ihr Männer“, sondern „du armer“). In der Tat kann man damit Männer, die es nicht ertragen können als weich zu gelten, in Rage bringen. Man kann es einfach abwehren, indem man dabei ruhig bleibt und es an sich abprallen lässt. Wahlweise kann man sie als schlechten Menschen darstellen, weil sie sich über einen lustig macht, wenn man tatsächlich etwas erlitten hat („ich habe meine Tochter seit 3 Monaten nicht gesehen, aber mach dich ruhig darüber lustig, es ist schon schlimm, wenn man sein Kind liebt“) oder das persönliche zurückweisen.

Aber im Ganzen ist es ja schön, dass Feministinnen häufig darauf angesprochen werden. Das zeigt, das sich da ein gewisser Widerstand entwickelt.