Robert Claus: Maskulismus

Es gibt mal wieder eine feministische Studie zum Thema Maskulismus.

Maskulismus – Antifeminismus zwischen  vermeintlicher Salonfähigkeit  und unverhohlenem Frauenhass

Finanziert wurde sie wohl von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Allerdings leider keine wesentlichen neuen Erkenntnisse und auch keine wirkliche Aufarbeitung der maskulistischen Szene. Der inhaltliche Stand scheint 2012 zu sein, mit kommt es so vor als hätte der Autor einfach die bisherigen Studien genommen und daraus eine neue Studie gemacht. Rosenbrock und Kemper lassen grüßen. Einige Auszüge:

Männliches Miteinander – modernisierte Bünde Der Maskulismus sieht es als Problem an, dass Männer entmündigt und als Gruppe zersplittert seien. Folglich arbeitet er daran, eine Männergruppe zu (re)etablieren, die ihre ‚Männlichkeit’ kollektiv als positiv empfindet. Dieses positive Selbstverständnis bestünde darin, eigene ‚männliche’ Interessen, Vorstellungen und Werte gegen eine ‚feministisch ideologisierte Gesellschaft’ durchzusetzen. Zugleich werden alle (pro-)feministisch orientierten Männer (und Frauen) aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen und zum ‚lila Pudel’, dem politischen Feind, erklärt. Insofern basiert die Idee der maskulistischen Männergruppe auf dem Ideal einer ungestörten Männergemeinschaft. Ihr Ziel ist es, patriarchale Macht zu modernisieren – sie ist eine Organisationsform, die in bündischer Tradition steht. Zugleich jedoch zeichnet sich in den männlichkeitspolitischen Stoßrichtungen von Agens und MANNdat ein deutlicher Widerspruch ab. Während Erstere die Entdeckung der männlichen Fürsorge betreiben, vertritt MANNdat ein im Grunde rein traditionelles Männlichkeitsbild des ‚harten Abenteurers’.

Da sieht man auch, dass eine Aufarbeitung abseits des gelben Forums und Sons of Perseus nicht wirklich stattgefunden hat. Natürlich sind – jedenfalls in meiner Form des Maskulismus auch Frauen, Männer, die nicht der Männerrolle entsprechen, aber diese auch nicht per se dämonisieren oder homosexuelle Männer willkommen.

Ist Männlichkeit verhandelbar? Jenseits eines stark vereinfachten Verständnisses der Zielgruppe ‚Männer’ sowie der simplen Übereinkunft im Feindbild Feminismus birgt die Frage nach den Begriffen Männlichkeit und Mannsein enorme Sprengkraft. Dementsprechend wird sie zumeist umschifft. Während ein großer Teil der ‚Bewegung’ ‚Mannsein’ als unhinterfragbare Norm versteht, versuchen andere den Begriff der ‚Männlichkeit’ mit konservativen Werten zu füllen und machen ihn dadurch zugleich reflektierbar, wenn auch in einem engen Rahmen. Wie in Kapitel 7.1 angeführt, hängen an dieser Debatte auch Fragen der Ausrichtung maskulistischer Männerpolitiken. Denn hier klafft eine deutliche und im Maskulismus bisher nicht ausdiskutierte Lücke zwischen Konzepten, Männlichkeit wieder traditioneller zu gestalten (Mannsein =Außendrang, Durchsetzungskraft und Härte) einerseits sowie Männlichkeit flexibler und moderner auszulegen (Männlichkeit = auch emotional und fürsorglich). Nur muss man darüber auch diskutieren können, um darüber diskutieren zu können …

Ist in der Tat ein Punkt. Wobei die Wahlmöglichkeiten hier sehr einfach dargestellt werden. Das von mir favorisierte Modell, dass es Häufungen geben kann, aber auch Abweichungen und das beides okay ist, kommt anscheinend als Modell nicht vor.

Feminismus, Geschlechterforschung und gleichstellungspolitische Projekte werden in den kommenden Jahren um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Gesellschaftliche Modernisierung zeitigt Frustration in Anbetracht der Möglichkeiten des gesellschaftlichen Reichtums einer- sowie der Begrenztheit des individuellen Erfolgs andererseits. Ideologien natürlicher Herrschaft bilden eine Option der Bearbeitung dessen. Die gesellschaftlichen Anknüpfungspunkte des Maskulismus sind reichhaltig vorhanden und das feministische Geschlechterwissen keineswegs so hegemonial, wie behauptet wird. Zwar konnten in einigen gesellschaftlichen Teilbereichen feministische Erfolge erzielt werden, doch sind sexualisierte Gewalt und ökonomische Macht von Männern sowie der Ausschluss von Frauen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens immer noch Realität. Darüber hinaus könnte der Maskulismus perspektivisch den Druck auf (pro-) feministische, gleichstellungspolitische sowie dekonstruktivistische Projekte erhöhen und sie verstärkt in defensive Auseinandersetzungen zwängen. Die Kritiken an Frauenförderungsmaßnahmen wurden in dieser Arbeit analysiert. Zugleich betrifft dies emanzipatorische Männlichkeitspolitiken.

Das ist ja immerhin mal eine interessante Einschätzung, Man wird um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Weitere Texte bei: