„Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken“

Robin rantet über Pickup.

Jemand schon mal was von “PickUp” gehört? (…) Dabei geht es um das für gewisse Kerle einzig interessante Thema: Ficken!

Nein, es geht um so viel mehr: Es geht um sexuelle Anziehung und Vertrauen, es geht um das, was Frauen attraktiv finden und was sie auch für eine Beziehung anzieht. Es geht darum, die Fehler zu verstehen, die man bisher gemach hat und sich weiterzuentwickeln und es geht auch darum ein erfülltes Sexleben zu haben. Das ist auch nichts schlimmes: Sex ist eine tolle Sache

Grundlage dieses Konzepts, das sich durch lächerlichen Fachsprech selbst den Anstrich angeblicher Wissenschaftlichkeit gibt, ist die Annahme, dass wir alle Opfer von Evolution und Biologie sind und rein gar nichts dagegen tun können.

Auch wenn sich Pickup und evolutionäre Psychologie und Evolutionsbiologie perfekt ergänzen sind nicht alle Pickupvertreter Anhänger biologischer oder evolutionärer Erklärungen. Es gibt hier auch soziale Erklärungsansätze oder der Erklärungsansatz wird schlicht als egal angesehen. Vielen Leuten im Pickupbereich ist Wissenschaftlichkeit auch schlicht egal. Sie sind Praktiker und machen, was klappt und was sich bewährt hat. Pickup ist wahnsinnig erfolgsbezogen. Wenn jemand mit einer Methode mehr Erfolg hat, dann ist er der neue Guru. Das sich dadurch die Wissenschaft ändert wäre den meisten wohl egal.

Weder Sozialisation, noch Kultur können uns das austreiben.

Können sie anscheinend auch nicht, sie können nur innerhalb der Grenzen modifizieren und ausgestalten. „Attraction is not a choice“ würde David DeAngelo sagen. Und das zeigt sich insoweit auch durchaus in der Geschichte. Wann war der Mann mit sozialem Status und Game nicht atraktiv? Wann waren junge, fruchbare Frauen nicht besonders attraktiv? Klar, dass gefällt einem nicht unbedingt. Aber das ändert nichts daran, dass bestimmte Attraktivitätsmuster vorgegeben sind. Selbst wenn man das sozial begründet ändert es wenig an unser gegenwärtigen Situation.

Damit ist unser ganzes Leben völlig auf Fortpflanzung ausgelegt, somit auch jede hervorragende Leistung eines Mannes in egal welchem Gebiet nur dazu da, sich als Alphamann zu profilieren und überhaupt hat Michelangelo die Sixtinische Kapelle ja nur angemalt, um die Chicks zu beeindrucken! (Wobei, war der nicht schwul?)

Bei einem Rant, wie Robin ihn hier vom Stapel läßt, kann man natürlich gerne etwas undifferenziert sein. Allerdings scheint hier selbst für einen Rant doch recht deutlich durch, dass Robin obwohl sie hier ja seit ein paar Jahren mitliest, nicht verstanden hat, warum Fortpflanzung eine so wichtige Rolle innerhalb der evolutionären Theorien spielt und warum es für die Theorien, nach denen eine sexuelle Selektion bewirkt hat, dass Frauen sich das Ergebnis einer intrasexuellen Konkurrenz zu nutze machen um genetisch vorteilhafte Partner zu erkennen, egal ist, ob Michelangelo schwul ist. Es geht nur darum, dass sich die Folgen dieser Evolution auch in seinem Kopf befinden. Es ist auch nicht wichtig, ob Michelangelo irgendjemanden beeindrucken wollte, der Wunsch, Großes zu leisten und dafür Anerkenntnis zu erhalten, kann auch abstrakt sein, solange dann großes geleistet wird und man Status aufbaut.

Die Prämisse von PU in aller Kürze:
Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken.

Dass man immer auf den Neanderthalern rumhacken muss! Die können doch nun wirklich nichts dafür und waren vermutlich gar nicht so dumm. Wenn sind Frauen natürlich Homo Sapiens und wie männliche Homo Sapiens auch damit in der Grundkonfiguration zumindest 160.000 Jahre alt. Viele machen sich dabei nicht bewußt, dass die Steinzeit nicht so lang her ist. Sie begann vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endete erst vor ca. 12.000 Jahren. Wenn man also davon ausgeht, dass der Homo Sapiens ganz überwiegend in der Steinzeit geprägt wurde, dann ist das keine sehr gewagte Hypothese. Zumal ansonsten wegen der Out of Afrika Theorie und des fehlenden Rückflusses ansonsten die dann entstandenen neuen Entwicklungen zu Abweichungen zwischen den in verschiedenen Gegenden lebenden Menschen führen müsste.

Aber das war eher ein Exkurs: Zurück zur Zusammenfassung von Robin:

Mit der Keule  rasseln reicht natürlich nicht aus. Die Theorien im Pickup sind deutlich differenzierter. Sie berücksichtigen sowohl Attraktion, von dem Keulenrasseln ein Teil sein kann, aber wo auch berücksichtigt wird, dass man nicht zu sehr protzen darf, weil es sonst needy wirkt, als auch die Frage, wie man am besten mit dem Keulenrasseln beginnt, wieviel man rasselt, was man macht, wenn andere schöne Keulen haben und wann man mit dem Rasseln aufhören muss, und schauen muss, und schauen muss, dass sie sich einem gegenüber qualifiziert und deutlich macht, dass sie auch gut rasseln kann und man zusammen rasseln sollte. Und dann muss eben der Übergang zu Komfort auch noch dazukommen, also Vertrauen etc.

Bedauerlicherweise (für PUAs) sind diese Urtriebe bei Frauen von einer Patina aus Erziehung, Kultivierung und fehlgeleiteter Emanzipation überzogen, die Frauen tatsächlich weisgemacht hat, es gäbe mehr im Leben als nach dem perfekten Mann zu suchen, dem sie dann Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten können. Aber PUAs haben das durchschaut und die Fähigkeit, die versteckten Evo-Knöpfchen zu finden und zu drücken, zur Kunst erhoben! Halleluja!

So überzogen sind die Urtriebe gar nicht, sie sind nicht überwachsen und verschüttet, sondern sie liegen durchaus offen und warten auf Signale. Zwar anders als Robin sich das vorstellt, aber dennoch.

Warum sie das allerdings mit der Vorstellung verbinden muss, dass Pickuper eine Frau wollen, die dann Kuchen backt und die Höhle heimelig macht, dass führt sie leider wie alles nicht weiter aus. Eine solche Passage findet sich auch im Pickup nicht. Nur weil sexuelle Anziehung keine Wahl ist, die man treffen kann, legt einen das nicht auf die Rolle als Hausfrau fest. Man kann natürlich auch nicht Hausfrau sein und auf Alphamänner stehen, zB als Alphafrau daneben. Eine Rollenzuteilung, nach der sie den Haushalt führt, ist weder mit Pickup noch mit evolutionärer Psychologie verbunden. Gerade wenn es nur um Sex geht, dann kann auch in beider Hinsicht das Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten relativ egal sein. Das mag sie dann für einen anderen machen oder auch gar nicht, es betrifft eine Kurzzeitstrategie nicht. Ein gutes Beispiel wären unsere nächsten Verwandten, sowohl bei den Chimpansen als auch den Gorillas stehen die Weibchen auf ranghohe Männchen (bei den Gorillas teilweise notgedrungen) und sind gleichzeitig die „Erwerbstätigen“, ohne das sie für den Mann Dienste erledigen. Sie sind sozusagen emanzipierte Alleinerziehende, die eine Unterstützung durch den Mann nicht wollen oder brauchen (gut, sie würden sie auch faktisch nicht bekommen, weil ihre Biologie das gar nicht vorsieht, aber das ist eine andere Sache).

Es ist ganz einfach: Da Frauen nur auf Alphamänner stehen, muss man sich selbst als einer präsentieren, um zum Schuss zu kommen. Dominanz und Status sind alles!

Ein hübscher Strohmann. Natürlich stehen nicht alle Frauen nur auf Alphamänner, aber Alphamänner kommen weit überproportional gut an, wenn sie das noch mit dem passenden Komfort kombinieren können.

Das Schöne an diesem Konzept aber ist, dass man schnell jeden Typen zum “Alpha” labern kann, der Erfolg bei Frauen hat. Klar, Anzüge tragen, Ferrari fahren, überhaupt mit Geld um sich werfen und sich einen Scheißdreck darum scheren, was andere von einem halten, ist natürlich das ultimative Ziel, aber wenn irgendein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann ist langhaarig, erfolglos und Pleite sein halt in dessen Peer-Group auch irgendwie Status. Niemals nicht kann das vielleicht einfach nur daran liegen, dass der Typ gut aussieht. Denn das kann man ja nur sehr eingeschränkt beeinflussen, womit sich kein Geld verdienen lässt!

Auch hier ein ziemlicher Strohmann. Robin stellt hier Thesen als Pickup dar, die dort so gar nicht vertreten werden. In ihrer Darstellung ist es natürlich beliebig, es fehlt halt nur eine Anbindung an derartige Behauptungen aus dem Pickup-Bereich.

Natürlich kann man auch Alpha-Eigenschaften definieren, ebenso wie sozialen Status. Das Alphamann-Konzept ist ja auch nicht vom Pickup erfunden worden, es hat einen weiten zoologischen Unterbau. Ich nehme mal die klassische Definition aus der Wikipedia, die ich bereits in meinem Artikel zu Alphamännern zitiert habe:

In social animals, the alpha is the individual in the community with the highest rank. Where one male and one female fulfill this role, they are referred to as the alpha pair (the term varies when several females fulfill this role – it is extremely rare among mammals for several males to fulfill this role with one female). Other animals in the same social group may exhibit deference or other symbolic signs of respect particular to their species towards the alpha.

Der „höchste Rang“ ist sicherlich auch noch ein relativ unbestimmter Begriff. Aber wir Menschen können uns eigentlich sehr gut etwas darunter vorstellen, wir nehmen Zeichen für Achtung und Respekt und Demutsgesten symbolischer Art durchaus gut auf, weil wir eben Tiere mit einem Statuskonzept sind.

Was Robin als Beliebigkeit deutet ist schlicht die Folge davon, dass in verschiedenen Gruppen der Rank innerhalb der Gruppe  nach verschiedenen Kriterien ausgebildet werden kann. Rank ist insofern ein Begriff, der kulturell ausgestaltet werden kann, aber dabei dennoch einen Wesenskern hat: Respekt, Anerkennung und eine gewisse Form der Unterordnung innerhalb der Gruppe bzw. bei der Person, die die Sache betrachtet.

Einen Anzug zu tragen und Ferrari zu fahren und mit Geld um sich zu schmeißen kann danach Alpha sein oder auch nicht. Denn Geld verleiht einem nur eingeschränkte Anerkennung und führt auch nicht dazu, dass einem Leute gerne folgen wollen. Es kann recht offensichtlich sein, dass die Leute allenfalls das Geld respektieren und dem Geld hinterherlaufen, den Mann dazu aber verachten. Es kann auch der Eindruck entstehen, dass der Mann nicht davon ausgeht, dass ihn die Leute respektieren und er sie und ihre Gesellschaft kaufen muss. Beides sind keine Eigenschaften eines Alphamannes. Gibt man dem rangniedrigsten Mitglied einer Affengruppe einen Stapel Bananen wird er damit auch nicht zum Alpha. Er kann damit seine Position vielleicht kurzzeitig verbessern, aber es wird in der Regel klar bleiben, wer tatsächlich der Alpha der Gruppe ist.

Und wenn ein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann spricht das bei einer hinreichenden Defintion von „Looser“ auch nicht dagegen, dass er dennoch ein Alphamann ist. Denn auch wenn er kein Geld hat, dann kann eben sein Charisma, seine allgemeine Ausstrahlung oder seine sonstigen Eigenschaften dazu führen, dass er in der Gruppe derjenige ist, den die anderen aus seinem sozialen Umfeld am meisten respektieren.

Und natürlich kann auch sein gutes Aussehen eine Rolle spielen. Das ist im Pickup eigentlich relativ unstreitig. Gleichzeitig kann eben auch ein hässlicher Mann, der genug Status hat, bei Frauen sehr gut ankommen. Diverse Hollywoodstars oder Rockstars bestätigen dies recht nachhaltig.

Zudem: Natürlich muss man auch nicht der coolste Typ von allen sein um überhaupt irgendeine Frau zu bekommen. Es geht darum, genug sexuelles Interesse bei der jeweiligen Frau aufzubauen und welche Hürde man dabei überspringen muss, hängt natürlich auch von der jeweiligen Frau ab. Eine 5 verlangt insofern eine andere Vorgehensweise als eine 10 und das natürlich auch in Abhängigkeit von Faktoren wie der eigenen Schönheit. Hier ist auch zu bedenken, dass es natürlich ein „Übergamen“ geben kann. Einer 10 wird ein bestimmtes Verhalten vielleicht interessant finden, bei dem sich eine 5 wundert, warum er, wenn er so cool ist, gerade sie anmacht. Eine schüchterne Frau wird bei einem sehr energiegeladenen Auftreten vielleicht einfach daran zweifeln, dass die beiden eine tatsächliche Basis haben.

Das macht diese Theorie im Grunde absolut nicht falsifizierbar, da alles Status sein kann und jeder erfolgreiche Flirt durch PU erklärt wird.

Die Beliebigkeit von Status ist ein Strohmann, weswegen das Argument eh schon ins Leere geht. Das ein Begriff sozial verschieden ausgefüllt werden kann, macht ihn nicht beliebig, solange er bestimmten Regeln folgt, denen die Ausformung unterliegt. Innerhalb dieser könnte man natürlich auch Studien über Theorien aus dem Pickup-Bereich erstellen und dabei genaue Parameter aufstellen, die jeweils sicherstellen, dass auch die passenden Aussagen überprüft werden können. Das scheint mir für Studien im sozialen Bereich auch nicht ungewöhnlich zu sein. Beispielsweise kann man durch unabhängige Personen bewerten lassen, ob diese Person in den jeweiligen Situationen nach bestimmten Kriterien Status hatte oder nicht und dann den Flirterfolg damit vergleichen. Oder man stellt bestimmte Personen in Situationen dar, in denen sie einen unterschiedlichen Status haben, beispielsweise bei Interaktionen innerhalb einer Gruppe, und lässt im Anschluss die Attraktivität der Personen bzw. die Bereitschaft mit diesen zu schlafen oder mit ihnen auf ein Date zu gehen bewerten. Dabei kann man auch Schauspieler bestimmte Rollen spielen lassen um so zu schauen, wie sich deren Bewertung bei gleicher körperlicher Attraktivität durch verschiedene Rollen verändert.

Selbst Basics, die schon unsere Großeltern wussten (beispielsweise, dass man gepflegt besser ankommt, als wenn man zehn Meter gegen den Wind stinkt) werden von PU vereinnahmt und so präsentiert, als hätte man die Relativitätstheorie entdeckt.

Warum sollte eine umfassend Flirttheorie auch solche Basics ausnehmen? Das wäre ja eine sehr merkwürdige Theorie, die solche Basics nicht mit einbezieht. Insofern ein merkwürdiger Vorwurf. Auch der Vorwurf der Übertreibung bei der Aneignung ist allenfalls durch ein schlechtes Beispiel erläutert: Seitenlange Ausführungen, nach denen Pickup die persönliche Hygiene erfunden hat, habe ich jedenfalls aus dem Bereich noch nicht gelesen. Allenfalls ein „braucht man ja nicht zu sagen: Aber man sollte gepflegt aufteten“).

PUAs glauben, Frauen seien die Herrscherinnen des Schlafzimmers, denn Eier sind teuer, Sperma ist billig blabla und außerdem haben Frauen ja eigentlich eh kaum ne eigene Libido. Dies führe bei Frauen zu der Vorstellung, dass Männer Bittsteller sind, die um Sex betteln, da sie den ja so viel nötiger haben als Frauen.

Viele PUAs haben ebenfalls die Überzeugung, dass Frauen genauso viel Sex wollen wie Männer und würden anderes vielleicht als Limiting Belief abtun oder auf eine soziale Begründung abstellen. Es ist auch insoweit eine zwar unzutreffende aber hilfreiche Einstellung, da sie einen unproblematischer Sex von Frauen fordern lässt. Aus meiner Sicht ist PUA eher eine Angebotsverbesserung, bei der Frauen dann doch zuschlagen wollen, dass ändert aber nichts daran, dass man bei Männern die gleichen Probleme nicht hätte. Bester Beweis: Die Schwulenszene mit einer wesentlich lockeren Einstellung zu Sex bei der Game in dieser Hinsicht weit aus weniger erforderlich ist. Frauen haben natürlich eine Libido, aber sie ist insofern schwächer ausgestaltet, gerade was unverbindlichen Sex ohne große persönliche Beziehung betrifft.

Ein echter Alpha interessiert das natürlich nicht! Alphas können ja jede haben. Wer also den Eindruck vermittelt, überhaupt kein Interesse an der Frau ihm gegenüber zu haben, macht sich selbst umso interessanter. Logisch, ne? Umgesetzt in ein konkretes Flirtverhalten äußert sich das in einem “Mädel, ich als ultimativer Macker bin ja so viel besser als du”-Gehabe. Das kann erreicht werden durch eine enervierend süffisante Haltung oder auch schlicht Beleidigungen.

Kein Wunder, dass Robin Pickup nicht mag: In ihrer Darstellung, die zwar nichts mit Pickup zu tun hat, klingt es auch fürchterlich. Beleidigungen im Pickup? Ich dachte wir hätten inzwischen hinreichend geklärt, dass Beleidigungen nichts mit Pickup zu tun haben und Negs keine Beleidigungen sind:

Hier aus früheren Ausführungen dazu von mir:

Es geht also nicht darum, sie zu beleidigen, sondern etwas mit ihr zu spielen und ihr das Gefühl zu geben, dass man nicht wie die anderen ist. Es ist im Endeffekt die Darstellung eines höheren Status, der dadurch verdeutlicht wird, dass man sie trotz eines hohen Wertes nicht automatisch will. Es kann richtig ausgeführt dazu führen, dass sie sich fragt, warum er sich nicht wie die anderen verhält und warum er sie nicht genau wie die anderen automatisch will. Es geht nicht darum, sie fertig zu machen, sondern darum, sie etwas neugierig zu machen. Mit der richtigen Frau wird es ein hin und her, ein Spiel zwischen beiden, durch das Spannung aufgebaut wird. Es geht insofern darum, das sie einen als normale Person von gleichen Wert sehen kann, indem man ihr deutlich macht, dass man ihr nicht bereits nur wegen ihrer Schönheit verfallen ist.

Weil es darum geht, dass man die Frau nicht wie die anderen auf ein Podest stellt, muss man es eben auch an die jeweilige Frau anpassen und ein „übernegen“ vermeiden. Jede Beleidigung ist letztendlich ein solches Übertreiben, es geht nicht darum, dass sie beleidigt ist, sondern, dass sie sich fragt, warum dieser Typ sie nicht will. Protzen ist auch nicht Pickup, da es schlicht needy wirkt. Wer einen tatsächlichen hohen Wert hat, der muss mit ihm nicht protzen, er hat ihn und er wird auch so deutlich, ohne das er über Gebühr betont wird.

Dieser Typ schaffte es also, mich massiv anzumachen und mir gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er mich für eine absolute Idiotin hält (die vermutlich froh sein soll, von diesem Gottesgeschenk an die Weiblichkeit überhaupt beachtet zu werden). Am meisten habe ich noch im Gedächtnis, dass er alles hinterfragte, was ich von mir gab. Wirklich ALLES. Darunter auch Aussagen zu meinem Alter (abgesehen von meiner Mutter dürfte ich selbst die Person sein, die am besten weiß, wie alt ich bin), zu meinem Studium (nicht zu den Inhalten, sondern tatsächlich, WAS ist studiere!) und so weiter. Gönnerhafte Kommentare zu meinen Dartkünsten (ich ließ mich zu einem Spiel breitschlagen… und war BESSER als er) hätten den Sack dann zugemacht, wäre er nicht schon vorher zu gewesen.

Ich frage mich wirklich, warum sie meint, dass dieser Typ Pickup verwendet hat. Wenn er das gemacht hätte und sich etwas mit der Theorie auseinandergesetzt hätte, dann hätte er gemerkt, dass eine spielerische Herausforderung und etwas frech sein gut ist, beleidigen und angeben aber schlecht sind. Er hätte passend kalibriert und statt auf protzen eher auf cocky comedy gesetzt bzw. den Übergang zur Komfortzone nicht verpasst. Denn:

Das Tragische daran ist, dass ich den Kerl wirklich süß fand, rein optisch gesehen. Genau mein Typ! Ein freundliches Gespräch hätte ihm alle Optionen eröffnet.

Also: Attraktion war vorhanden. Interessanterweise hat sich Robin sogar auf ein Spiel mit ihm eingelassen, obwohl sie ihn hier als Arschloch schildert (oder weil?), er hätte also die IOIs aufnehmen können und es wäre zeit gewesen aus der „A2 Phase“ in der es darum geht, dass sie ihn gut findet, in die „A3 Phase – Male-to-Female Interest“ zu kommen. Da hätte er nur etwas finden müssen, was ihm erlaubt sie gut zu finden. Also ein paar Ansichten von ihr nicht hinterfragen, festzustellen, dass sie und er was gemeinsam haben, an ihrem Studium etwas zu finden, weswegen sie ein toller Mensch ist, der zu ihm passt. Ein „Endlich mal eine Frau, die vernünftig Dart spielt und keine Angst hat ihre Meinung zu sagen“ hätte er passend umschalten können, vielleicht noch mit ein paar Spielereien im Sinne eines Bait Hook release. Irgendwas, womit er ihren Geltungsdrang, besser zu sein, in etwas positives Reframed und vielleicht darin umdeutet, dass sie sich ja anzustrengen scheint um ihm einen guten Kampf zu liefern. Und dann eben der Übergang zu Komfort. Wenn sie schon von der Bar weg waren und sie mit ihm Dart gespielt hat, dann wären sie ja schon im Bereich „isolation“ gewesen und er hätte damit beste Voraussetzungen gehabt:

The ultimate goal of comfort is both of you can relax together, sharing intimacies without worrying. Before you build comfort, isolate the target from her friends possible, whether physically or verbally.

Robins Klage, dass er mal lieber besseres Pickup verwendet hätte und die Stufen weiter durchgezogen hätte liest sich dann wie folgt:

 Aber nee, lieber führt Mann sich wie ein Arschloch auf, weil voll Alpha und so. Doch leider wird man durch Arschloch-Benehmen nicht zu einem guten Flirter, sondern zu einem Arschloch!

Robin berichtet dann von einem weiteren Mann, einem Freund von einer Freundin, der mit Pickup angefangen hatte. Er schien sehr davon besessen zu sein, dass Größe wichtig ist.

So saß ich mit beiden in einer Bar und bekam mit, wie sie sich anfingen zu streiten. Das Thema war schnell ermittelt, als sich meine Ex-Kollegin mit blitzenden Augen zu mir drehte und zische: “Kannst du dem bitte mal sagen, dass er groß genug ist?!”

Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. “Alter, du bist groß genug.”
Er lächelte über so viel Naivität. “Aber es wäre besser, wenn ich NOCH größer wäre.”
“Wie groß bist du denn?”
“Eins-dreiundachzig.”
“Ähm, das reicht doch?!”
“Fünf Zentimeter mehr wären aber besser,” erwiderte er im jammerigsten Tonfall.
Ich facepalmte innerlich und wusste genau, worauf das hinauslief, aber ich fragte dennoch nach, wieso er das für besser hielt.
Die Antwort natürlich: “Frauen stehen auf große Männer!”

Da hat er auch grundsätzlich recht. Größe ist ein sehr relevantes Kriterium für viele Frauen und die meisten wollen einen Freund, der größer ist als sie. Auch hier allerdings hätte der als Beispiel für dir Fürchterlichkeit von Pickup vorgezeigte allerdings das Leben für Robin und seine Freundin angenehmer machen können, wenn er die Pickup-Prinzipien tatsächlich beherzigt hätte. Denn dann hätte er gemerkt, dass es egal ist, ob große Männer etwas attraktiver sind und dass das Jammern über diesen Umstand letztendlich auch nur ein Limiting Belief ist, da er es nicht ändern kann. Er hätte sich zudem bewußt gemacht, dass es nichts falscheres gibt als ausgerechnet vor seiner Freundin darüber zu jammern. Statt dessen hätte er (lustigerweise genau die von Robin oben kritisierte) Einsicht gehabt, dass körperliches unwesentlich(er) ist, wenn man Status und Game hat, hätte an seinem Inner Game gearbeitet und sich vielleicht zudem bewußt gemacht, dass 1.83 eine durchschnittliche Größe ist.

Der nächste Typ ging dann wie folgt vor:

Nein, eigentlich SPRANG er mir eher in den Weg. Es war in meiner Stammdisco. Ich befand mich auf dem Weg in den Raucherbereich, als sich plötzlich ein Typ vor mich warf und sofort anfing, auf mich einzureden.

Ich kann leider auch hier nicht wiedergeben, was es genau war. Dieses Mal nicht, weil ich betrunken war (kaum), sondern weil es schwer ist, sich so viel Bullshit auf einmal zu merken. Wasserfallartig texte dieser Kerl mich zu und redete offensichtlich nur, weil er ein Wortminimum zu erfüllen hatte!

Auch hier fragt man sich, warum das Pickup sein soll – es gibt genug Männer, die noch nie von Pickup gehört haben, aber „Zulabern“ für eine gute Idee halten. Dabei geht Pickup zwar davon aus, dass man am Anfang meist mehr reden muss als die Frau, aber dennoch stellen die meisten Opener zumindest darauf ab, dass sie Interesse bekunden kann, dass man sie bei einem indirekten Opener irgendetwas fragt, auf das sie reagieren muss, dass man in eine Interaktion eintritt, bei der sie ebenfalls zumindest ein wenig in die Sache investiert. „Wortschwall“ ist kein Pickup.

„Aber ich habe dadurch gelernt, dass die Strategie vieler PUAs darin besteht, eine Frau einfach sinnlos vollzulabern, bis sie entkräftet aufgibt und in seine Arme sinkt. So ein Exemplar schien ich vor mir zu haben.“

Ein etwas geringer Anhaltspunkt. Tatsächlich scheint mir diese Vorgehensweise in dieser undifferenzierten Form eher typisch Nicht-Pickup zu sein. Was dann vielleicht auch seine nachfolgende Überraschung erklärt als sie ihn fragt, ob er Pickup ausprobiert.

Den tollsten Vertreter dieser Spezies traf ich dann aber noch etwas später in der selben Disco. Bis dahin war das ein hammergeiler Abend gewesen. Ich war mit Mitbewohner David unterwegs, die Musik war ultragenial, wir tanzten viel, ich fühlte mich superwohl. Einfach ein richtig schöner Abend!
Irgendwann verzog ich mich für eine Zigarette, während Mitbewohner David weiter auf der Tanzfläche abging. Ich stand da, die Kippe in der Hand und war einfach richtig happy. Das war der Zeitpunkt, als einer dieser Möchtegern-Aufreißer auf mich zu kam und meinen Blick suchte. Ich lächelte ihn knapp an – nicht, weil er mir gefiel, sondern weil ich gelernt habe, dass man das so macht, wenn man ein menschliches Wesen vor sich hat.

Das war leider für ihn ein Signal, mich anzulabern. Und was er sagte war: “Wow, du siehst ja so richtig unzufrieden aus!”

Mir fiel ALLES aus dem Gesicht. Wie gesagt – mir ging es gerade richtig gut! Alles war toll! Und dann kommt dieser Kerl und erzählt mir, ich würde unzufrieden aussehen?!

Richtig, der alte Pickup-Trick jemanden NEGATIVE Stimmungen zu unterstellen. Das führt meist zu einer sehr positiven Anmache (nicht!). Wie ordnet Robin es ein:

Natürlich – der meinte das ja gar nicht so! Ich sah im Gegenteil ZU zufrieden aus! Was natürlich nicht geht… eine zufriedene Frau ist eine selbstsichere Frau und selbstsichere Frauen lassen sich nicht von PUAs abschleppen! Es galt also, mich zu verunsichern. Ihr wisst schon, Dominanz zeigen, damit er einen auf Alpha machen kann!

Aber statt völlig zusammen zu brechen, was wohl sein Ziel gewesen war, wurde ich ein bisschen sauer. “Ähm, Hallo? Was ist denn das bitte für ein Spruch?” ging ich direkt auf Konfrontationskurs. Das brachte ihn ins Schwimmen, auch wenn er versuchte, Contenance zu bewahren. Ich war aber so von den Socken, dass ich ein Mädel hinter mir anhaute. “Stell dir vor, was der gerade zu mir gesagt hat!”
Sie hörte es sich an und wirkte ebenso verblüfft. “Also wirklich, sowas sagt man doch nicht,” meinte sie tadelnd.
Er versuchte, das Ganze als Witz hinzustellen (“Du siehst unzufrieden aus” – höhö, superwitzig). Da war mir schon klar, dass ich hier jemanden vor mir hatte, der ein Programm abspulte. Und diese Erkenntnis war immerhin interessant genug, dass ich nicht direkt flüchtete. Mal sehen, was der sonst noch so probierte.

Nein Robin, das hat mit Pickup nichts zu tun. Weil es gar nicht darum geht dich zu verunsichern. Der Neg hat eine ganz andere Richtung. Aber das hatte ich ja oben schon geschrieben. Man nutzt ihn bei Frauen, die zu häufig aufs Podest gestellt werden um ihnen deutlich zu machen, dass man sich insoweit nicht davon beeinflussen lässt. Nicht um sie niederzumachen. Gerade selbstsichere Frauen kommen aus meiner Sicht besser mit Pickup zurecht: Sie lassen sich eher auf einen spielerischen Wettstreit ein, der etwa durch Cocky Comedy entsteht, weil sie meinen, dass sie mithalten können und es genießen, dass jemand mal ein paar Spannungen hält, statt sie gleich wieder abzubauen. Der Typ mag ein Programm abgespult haben, Pickup war es aber nicht. Wenn es ein Beispiel für schlechtes Flirten ist, dann eher für konventionelles Flirten, in dem Männer meinen, dass sie Frauen retten müssen, und sei es vor sich selbst und ihrer schlechten Laune. Die als weiße Ritter herbeieilen, um die holde Maid zu unterhalten.

Ich hätte es mir nicht schlimmer ausmalen können. Wir, naja, “unterhielten” uns über das Studium (ich antwortete einsilbig). Als ich auf Nachfrage meinte, dass ich gerne wieder zurück nach Hause will, wenn ich fertig bin, antwortete der doch tatsächlich: “Klar, du machst definitiv den Eindruck, total heimatverbunden zu sein!”
Von der völlig idiotischen Überschwänglichkeit abgesehen: Wir kannten uns ZWEI Minuten. Steh ich drauf, von einem komplett Fremden zu hören, was ich für eine Persönlichkeit habe?

Der arme Kerl. Da dachte er endlich, er könnte etwas Punkte wieder gut machen, indem er ihr Heimweh gut findet und Robin geht wegen einer Pickup-Paranoia an die Decke.

An dieser Stelle dann wieder mein Standardspruch: “Probierst du gerade PickUp bei mir aus?”
Wieder kein “Hä?”. Wie lame.

Das „Hä“ könnte auch einfach daraus folgen, dass er keine Ahnung hatte, was sie eigentlich meint. Der arme Kerl hatte vielleicht einfach nur versucht so gut wie möglich zu flirten, indem er Hilfe anbietet.

Später sah ich ihn an der Tanzfläche stehen und mich beobachten. Er winkte mich zu sich. Dumm, wie ich bin, ging ich hin und wandte den Kopf, weil ich dachte, dass er mir etwas sagen wolle. Stattdessen packte er meine Hand. Ich, konsterniert, wollte sie wegziehen, doch er umklammerte mein Handgelenk so fest, dass ich mich wirklich losreißen musste. “Darauf steht wirklich keine Frau!” teilte ich ihm mit, als ich das geschafft hatte.

Seine Antwort: “Scheiß auf dich!” – und ein beleidigter Abgang.

Tja, PUAs und ihre verletzten Gefühlchen.

Eher wohl Männer und ihre verletzten Gefühle. Mit Pickup hatte auch das nichts zu tun. Auch hier wäre Robins Leben angenehmer gewesen, wenn er tatsächlich Ahnung von Pickup gehabt hätte. Dann hätte er nämlich gerade nicht versucht, ihr Handgelenk zu greifen. Er hätte sich entweder ganz im Sinne von Style mit einem „Nett, dich getroffen zu haben“ verabschiedet“ und hätte bei einer anderen neu angefangen oder bei ihr einen neuen Ansatz versucht. Entweder indem er es zugegeben hätte und sie gefragt hätte, ob sie sich jetzt mal normal unterhalten können oder indem er irgendwie anders an das vorherige Gespräch anschließt.

All das war nicht gerade dazu angetan, meine Begeisterung für PU zu erhöhen. Abgesehen davon, dass ein Mann, der sein ganzes Leben danach ausrichtet, mit möglichst vielen Frauen möglichst viel Sex zu haben, in meinen Augen so tiefsinnig wie eine Regenpfütze ist, wirkt die Verzweiflung, die sich in der Nutzung kleiner PU-Psychospielchen äußert, für mich so ziemlich als das Gegenteil von “Alpha”.

Lustigerweise zeigen alle Beispiele, die sie gebracht hat, dass die Interaktionen mit Pickup wesentlich besser verlaufen wären. So hat sie ein paar Jungs niedergemacht, die wahrscheinlich keine Ahnung von Pickup hatten. Ihr geheiligter Zorn geht – wieder mal – fehl.

Pickup hätte die Abende für sie angenehmer machen können.