Poststrukturalismus und die Aussschlußfunktion von Normen

Leszek schreibt etwas zum Thema Poststrukturalismus und der dortigen Kritik an Normen:

Diese Aspekte des Gender-Feminismus sind vor allem vor dem Hintergrund seiner Verwurzelung in einer poststrukturalistisch fundierten Kritik an der vermeintlichen oder tatsächlichen Ausschlussfunktion bestimmter Normen zu sehen.

Im zeitgenössischen Poststrukturalismus ist eine Sichtweise verbreitet, die vermeintliche oder tatsächliche Diskriminierungen im Kontext eines Paradigmas von Norm und Ableitung oder Abweichung von dieser Norm analysiert, wobei dieses Verhältnis stets als soziale Konstruktion betrachtet wird.
Daher ist poststrukturalistische Kritik innerhalb dieses Feldes fast immer vor allem Norm-Kritik – in diesem Fall Kritik an der Norm-Schönheit bzw. an Schönheitsnormen. Eine Kritik an überzogenen Schönheitsnormen und dem Druck, der dadurch auf Frauen ausgeübt wird, ist m.E. auch grundsätzlich berechtigt, in diesem speziellen Fall werden aber – was ja leider im Poststrukturalismus häufig der Fall ist – alle relevanten evolutionär-psychologischen Aspekte ignoriert, so dass es mit der impliziten oder expliziten Zielsetzung “Schönheits-Normen” völlig abzuschaffen, so dass alle im Grunde als gleich schön angesehen werden, zu Forderungen kommt, die vor dem Hintergrund abgespeicherter Attraktivitätsmerkmale in dieser Weise nicht umsetzbar sind.

Zum Poststrukturalismus hatte ich hier bereits etwas geschrieben. Und zu Derrida und Raumeinnahme auch. In dieser sehr schlichten Sicht ist eine Norm etwas, was gesellschaftlichen Raum einnimmt und deswegen eben andere ausschließt und durch Macht entstanden sein muss. Sonst würde es eben keine Norm geben.

Normlosigkeit allerdings ist ein Zustand, der in dieser Welt kaum auftritt. Wir sind eigentlich immer bemüht, Normen für ein gemeinsames verträgliches Leben zu finden und unsere Normen regeln oft wichtige gesellschaftliche Verhältnisse. Mitunter sind die kritisierten Normen auch einfach keine solchen, sondern nur Häufungen von persönlichen Ansichten, die dann als Norm wahrgenommen werden.