Esther Vilar: Der dressierte Mann

On Esther Vilars Buch „der dressierte Mann“ hat diese einige sehr provokante Thesen aufgestellt, die auch heute noch von vielen in der Männerrechtsszene gerne zitiert werden.

Sie nimmt dabei dort im wesentlichen eine radikale Umkehr der bisher im Feminismus verbreiteten Unterdrückung der Frau durch den Mann vor und stellt statt dessen den Mann als durch die Frau unterdrückt dar.

Ihre dort auch geäußerte Position beschreibt sie kurz in einem Interview in der Zeit:

ZEITmagazin: Umreißen Sie für die Jüngeren noch einmal Ihre Position in dieser Debatte!

Vilar: Ich fand es nicht logisch, dass wir Frauen dauernd ein Geschlecht beschimpften, das sein ganzes Leben darauf ausrichtet, einen Beruf zu erlernen, um mit diesem Beruf dann für uns und unsere Kinder zu sorgen. Da lief etwas falsch. Dabei sind es die Frauen, die über die Rollenmuster der Geschlechter entscheiden, denn bei ihnen liegt die Erziehung, die frühe Prägung. Es ging gegen meine Würde, dass wir Frauen uns zu Opfern stilisierten.

ZEITmagazin: Was Sie damals schrieben, klingt heute ziemlich drastisch: »Der Mann fühlt sich nur als Sklave geborgen. Er braucht die Frau, um sich zu unterwerfen.« Sehen Sie das immer noch so?

Vilar: Ja, und das ist nur ein Beispiel für unsere Lust an der Unfreiheit – mein großes Thema. Wir tun alles, um unsere Freiheit loszuwerden. Wenn eine Liebe endet, suchen wir die nächste, um uns darin aufzugeben. Wir machen lieber andere für uns verantwortlich.

ZEITmagazin: Ganz aktuell sind diese Probleme aber inzwischen nicht mehr.

Vilar: Ein Teil hat sich erledigt, seit mehr Frauen berufstätig sind. Nur, unter diesen berufstätigen Frauen bin ich noch keiner begegnet, die bereit wäre, von ihrem Gehalt, wie das Männer immer tun, ihren Partner und ihre Kinder zu ernähren. Ein Leben lang. Da erwartet man noch immer vom Mann 100 Prozent und von Frauen fast nichts.

ZEITmagazin: Alice Schwarzer hielt Sie für eine Verräterin. Dabei sahen Sie sich selbst als Feministin.

Vilar: Ich habe nie dafür gekämpft, dass die Frauen an den Herd zurückkehren. Ich wollte Arbeitszeitmodelle einführen, die es beiden Geschlechtern erlauben, zu arbeiten und Zeit zum Leben zu haben. Kürzere Arbeitszeiten, aber Arbeit für alle: Das wäre für beide Seiten das Beste. Nur dass die Männer, die darauf dressiert worden sind, zu arbeiten, das nicht sehen. Für die ist es eine Katastrophe. Aber dann müssen sie sich eben umgewöhnen.

 

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