Steven Sailers erste Regel zum Verständnis feministischer Vernebelungstaktiken

Steven Sailer stellt eine kurze Regel dar, die dazu dienen soll, feministische Texte besser zu verstehen:

Sailer’s First Rule for Decoding Feminist Obfuscation is

– When feminists can blame men, they blame “men.”

– When feminists would have to blame women, they blame “society” or “our culture.”

Das ist kurz und knackig formuliert und passt häufig genug. Auch wenn statt Männern häufig „Männlichkeit“ oder die Folge männlichen Handelns oder „männlich errichte Strukturen“ benannt werden. Vielleicht wäre es passender zu sagen, dass im Endeffekt immer Männer schuld sind, bei Männern zwar auch durch die Gesellschaft und ihre Rollenbilder bedingt, da wird aber eine Art Erbschuld gesehen, die der Mann akzeptieren und von der er sich frei arbeiten muss, was aber niemals gelingen kann, während Frauen diese Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Strukturen nicht haben.

Weibliche Veranwortung kommt aber in feministischen Theorien nicht vor. Sie ist allenfalls die Anpassung an die Lage, wie sie nun einmal für eine Frau innerhalb einer patriarchischen Gesellschaft leider notwendig ist.

Aus meiner Sicht eine sehr nützliche Regel, die deutlich macht, was dem Feminismus am meisten fehlt:

Die Vorstellung, dass eine Frau ohne Gehirnwäsche bestimmte Tätigkeiten macht, weil sie diese will und dafür auch verantwortlich ist und das daraus auch ein Anteil der Verantwortung von Frauen für gesellschaftliche Regeln folgt.

102 Gedanken zu “Steven Sailers erste Regel zum Verständnis feministischer Vernebelungstaktiken

  1. Man könnte auch ganz einfach sagen, Feministinnen bringen mit ihren Ideologemen unbewußt die traumatische Vater-Tochter-Beziehung zum Ausdruck – und haben auch noch recht!

    Denn der konfuse feministische Müll ergibt sehr wohl einen Sinn: Die Tochter ist tatsächlich den Mißhandlungen des Vaters hilflos ausgeliefert. Die feministische Weltbeschreibung ist sehr zutreffend, wenn man sie dechiffriert und ihre Hintergründe verstehen möchte.

    http://www.alice-miller.com

    Sehr lesenswert z.B. dieser Text dort: Perversion und Gesellschaft

    • Und die Mutter, die die Erziehungshoheit hat?

      Ich denke Feministinnen führen auch oft den verlorenen Kampf der Mutter weiter, viele hatten ja kaum einen Vater.

      Auch die Töchter werden verlieren, glücklicherweise dezimieren sie sich stark bei jeder Generation.

      Das nahezu leere Bild über den Vater und Männer wird von der Mutter mit dem „Patriarchat“ bemalt, mit der ach so notwendigen Emanzipation damals wie heute, mit der Unterdrückung der Frau und ihrer Befreiung vom bösen Patriarchat die noch lange nicht vollendet ist.

      Genau das sind tief vergraben im Unbewussten die Grundannahmen von Feministinnen und vieler Frauen, so sehr vernebelt, getarnt, vermint, kaschiert und negiert diese auch meist werden, es ist der pathologische Teil der innerlichen Konflikte vieler Frauen und diese erklären das gesteigerte #neurotische Potential so schön in der Netzwelt und in der Realwelt.

    • Kirk

      “ In erster Linie sehe ich auf diesen Bildern Pornographie mit einem Inhalt, der nicht jedem, aber der Mehrheit pornographischer Erzeugnisse eigen ist: eine Inszenierung, und zwar eine spezielle, nämlich die Inszenierung des sexuellen Missbrauchs durch Mächtige an Ohnmächtigen.“

      Ich habe mal Deinen link angeklickt. Dort riss ich dieses Zitat aus dem Zusammenhang. Die Behauptung, Pornografie inszeniere mehrheitlich sexuellen Missbrauch, ist schon recht steil. Die könnte glatt von einer Feministin stammen.

    • Ich finde diesen Eindruck vom Autor sehr nachvollziehbar. Hast du den ganzen Text gelesen? Warum machen denn Menschen freiwillig gewaltvolle und obszöne Pornos?

      Wenn Gewalt in Pornos dargestellt wird, kann man davon ausgehen, daß die Protagonisten und auch der Regisseur hier etwas von sich inszenieren.

      Lies mal in Ruhe den gesamten Text. Das ist keine normale Kost und erfordert einen gewissen Tiefgang und Selbstreflexion.

      Es ist im übrigen statistisch erwiesen, daß bis zu 90% der Prostituierten als Kinder sexuell mißbraucht wurden. Für mich wenig verwunderlich. Pornographie ist letztlich eine weniger ausbeuterische Form der Prostitution.

        • „Warum weniger ausbeuterisch“?

          Weil Pornographie scheinbar den kommerziellen Regeln moderner Gesellschaften folgt. Sie ist weitgehend in den Rechtsstand integriert. In der Pornographie wird mit privatrechtlichen und Arbeitsverträgen verfahren, die formalrechtliche Validität und Grundlegung auf dem bürgerlichen Rechtskatalog mit all seinen „Garantien“ (z.B. Freiwilligkeit) insinuiert.

          Die Prostitution hingegen ist oft noch nicht einmal arbeitsrechtlich erfasst.

        • @ zip

          *Die Prostitution hingegen ist oft noch nicht einmal arbeitsrechtlich erfasst.*

          Und die feministische Methode, die in Schweden angewandt wird (Kunden bestrafen, Anbieter nicht – Umkehr der Situation im Rauschgifthandel) wird diese Lage, wird die Unsichtbarkeit der Prostitution und damit die Rechtlosigkeit/Schutzlosigkeit der kleinen, dummen Nutte noch verschlimmern.

          Die kluge Professionelle, das akademisch gebildete Call-Girl, wird darunter nicht leiden, sie ist Sex-Unternehmerin/-Entertainerin, es ist die kleine, dumme Nutte aus armseligen Verhältnissen, die an Zuhälter gerät und in der Unsichtbarkeit noch stärker auf diese angewisen, denen ausgeliefert ist.

          Nicht die Prostitution wird verschwinden, sondern die Möglichkeit, sie legal zu betreiben.

          Also wird sie unter der Decke weiter betrieben und das schadet gerade jenen, die sich nicht selbst schützen können.

          Dasselbe, was in Frankreich passierte, als man nach dem WK II die Bordelle abschaffte.

          Damit förderte man nur die Straßenprostitution.

          Nun geht Frankreich (und bald der Rest Europas) den skandinavischen Weg > Prostitution in’s Hinterzimmer abgedrängt, Vermarktung erfolgt über Internetportale.

          Das, was kluge Professionelle schon lange machen, werden Dumme machen lassen und um so abhängiger von jenen, die das für sie machen.

          Es werden keine netten, wohlmeinenden Männer (oder Frauen) sein, die für sie das Geschäft in der Illegalität organisieren.

          Aber wann hätten sich Feminist.I.nnen/Ideolog.I.nnen je um die realen Auswirkungen ihrer Politik gekümmert.

          Hauptsache: DEN EIGENEN HASS AUSLEBEN KÖNNEN!

          In diesem Falle: Hauptsache, den Sündenbock Mann bestrafen können.

        • „In der Pornographie wird mit privatrechtlichen und Arbeitsverträgen verfahren, die formalrechtliche Validität und Grundlegung auf dem bürgerlichen Rechtskatalog mit all seinen “Garantien” (z.B. Freiwilligkeit) insinuiert.“

          Ich sage mal vorsichtig: auch nicht immer.

          Jede/r dürfte doch z. B. das im Fazit eher glücklich verlaufene Ausnahme-Beispiel von Paris Hilton kennen
          http://www.brandeins.de/archiv/2010/vergessen-lernen/die-ich-ag.html

          Außerdem glaube ich nicht, dass Kirk auf diese Betrachtungs-Dimension anspielte. Ihm geht es ja immer mehr so um die Psyche.

        • @ Alexander.

          Zustimmung. Die von dir beschriebenen politischen Maßnahmen sind der völlig falsche Zugang zur Realität der Prostituion im Sinn der Betroffenen.

          Statt sie auszuschließen müsste man Prostitution integrieren.

          Aber auch hier tun sich wieder unheilige Allianzen auf. Das Interesse der meisten Frauen, den eigenen SMV möglichst hoch zu halten, sich also deutlich von „Schlampen“ abzugrenzen und sie draußen zu halten, kooperiert hier mit den Interessen von Super-Alphas, den Durchschnittsbeta durch Entzug von sexuellen Ressourcen gefügig halten wollen.

        • @ muttersheera

          „Außerdem glaube ich nicht, dass Kirk auf diese Betrachtungs-Dimension anspielte. Ihm geht es ja immer mehr so um die Psyche“

          Der Gedanke, dass das Sein (die ökonomischen Rahmenbedingungen) hier sehr wesentlich auf das Bewusstsein (die Psyche) Einfluss nimmt, ist für mich plausibel.

          Aber mal sehen, was Kirk dazu meint.

        • Da hast du mal recht Mutti, aber diese rechtlichen Belange drücken ja auch indirekt den größeren Freiwilligkeitscharakter der Pornographie aus. Hinzu kommt wohl, daß beide Sexpartner schauspielern bzw. keine Asymmetrie vorhanden ist. Man begegnet sich auf Augenhöhe.

          Es gibt schon gewisse Unterschiede. Je nachdem, wie stark der Mensch traumatisiert ist, so stark wird er dieses Trauma ausdrücken.

          Ist hier allen auch klar, daß Valerie Solanas als Kind sexuell mißbraucht wurde? Ich wundere mich überhaupt nicht über ihren Männerhaß. Diese globalen Männervernichtungsphantasien zeigen deutlich, wie unermeßlich ein Kind leiden kann und wie groß ihr (verdrängter) Haß auf ihren Vater war.

          Verdrängen muß ein Kind diese Dinge deshalb, weil es schlicht den Eltern bedingungslos vertraut und sie noch nicht kritisch für etwas verurteilen und sich abgrenzen kann. Es ist absolut abhängig von der Liebe der Eltern.

        • „kooperiert hier mit den Interessen von Super-Alphas, den Durchschnittsbeta durch Entzug von sexuellen Ressourcen gefügig halten wollen.“

          Das halte ich für Verschwörungstheorie, zumal sexuell Frustrierte eher nicht gefügig sind. Aber im wesentlichen frage ich mich, woher man wissen will, dass die Super-Alphas bewusst einen solchen Plan verfolgen wollen.

        • @ LoMi

          Die Motive der reichen männlichen Eliten kann ma ja einmal durchaus zur Diskussion stellen, ohne ständig das V-Wort in den Schritt geworfen zu bekommen.

          Ein kurzer historischer Abriss zeigt mE, dass die Strategie des Entzugs sexueller Ressourcen durchaus eine Herrschaftsstrategie war, etwa in der Sklavenhaltung, in der die Arbeitskraft (v.a männlicher) Sklaven ohne Rücksicht auf ihre sexuellen Bedürfnisse ausgebeutet wurde. Im antiken Rom war es nur besonders angesehen Sklaven, die ihre Meriten erworben haben, gestattet, zu heiraten.

          Aber dies dürfte sicherlich nicht das einzige der Motive männlicher Super-Eliten sein, von denen ich nicht einmal unterstelle, dass sie allesamt bewusst sind.

        • Zip

          „Die Motive der reichen männlichen Eliten kann ma ja einmal durchaus zur Diskussion stellen, ohne ständig das V-Wort in den Schritt geworfen zu bekommen.“

          Nun, ich empfinde die Annahme eines solchen Planes als wenig plausibel und zweitens deswegen als VT, weil es die Existenz einer in sich einigen Gruppe von Super-Alphas unterstellt, die ganz bewusst und planvoll an der Gefügigmachung von Betas arbeitet. Das wäre in meinen Augen schon eine Art von „Verschwörung“.

          Was den Plan angeht, hast Du ja klargestellt:
          „von denen ich nicht einmal unterstelle, dass sie allesamt bewusst sind.“

          Dann wäre es nicht unbedingt eine Verschwörung, in der Tat. Doch wieso sollten sie diese Strategie dann unbewusst verfolgen?

          Sie tun das außerdem in einer Welt, in der es viele alternative Wege zum Sex gibt. Der Effekt einer solchen Herrschaftstechnik kann daher kaum richtig greifen, anders als bei den Sklaven, die man vollends unter Kontrolle hatte.

          Zweitens sehe ich nicht so recht den Gewinn. Sexueller Frust macht Leute ja eher unerträglich und aggressiv. Von solchen Personen erwarte ich eher, dass sie nicht funktionieren, zumal sie ja anders als Sklaven eine generelle Freiheit dazu haben, ihre Aggressionen auch auszuleben.

        • @ LoMi

          Was den unbewussten Anteil von Motiven angeht: die Bankenkrise hat einigermaßen deutlich gezeigt, dass Menschen im allgemeinen dazu neigen, an (evolutionär) erfolgreichen Verhaltenstendenzen festzuhalten et pereat mundi. Dass also Zusammenraffen, Gier, Monopolisierung auch dann noch als Motivation sehr wirkmächtig sind, wenn sie gesamtsystemisch sich längst schon als konterproduktiv erwiesen haben.

          Rational betrachtet mag sexuelle Exklusion nicht sehr sinnvoll sein, sie hat sich aber als erfolgreich erwiesen.

          Apercu: die Grundannahme, dass „sexueller Frust die Leute eher unerträglich und aggressiv“ macht, folgt einer ziemlich alten triebtheoretischen Betrachtung, die mWn nicht sehr viel empirische Unterstützung erfahren hat.

        • „Hinzu kommt wohl, daß beide Sexpartner schauspielern bzw. keine Asymmetrie vorhanden ist. Man begegnet sich auf Augenhöhe.“

          Ich stimme zu, dass Kommerzporno die Würde auch der männlichen Darsteller verletzten kann. Das kann man aber nicht so offensichtlich bereits dem Produkt selbst entnehmen, für die Erkenntnis muss man zuhören wie Ex-Profis sich äußern, e.g.
          https://www.thepinkcross.org/pinkcross-articles/october-2011/ex-male-porn-star-trent-roe-story

          Viel mehr Kurz-Statements unterschiedlicher (Ex-)DarstellerInnen finden sich z. B. hier: https://www.thepinkcross.org/porn-star-confessions

          „Ist hier allen auch klar, daß Valerie Solanas als Kind sexuell mißbraucht wurde?“

          Sowie später als Prostituierte gearbeitet hat. Ich denke schon.

          „Ich wundere mich überhaupt nicht über ihren Männerhaß.“

          Dito. Die Ingrid-Steegers dieser Welt sinds, über die ich mich wundere:
          http://www.welt.de/vermischtes/article120482093/Man-hat-es-verlangt-ich-habe-es-gegeben.html

          „Diese globalen Männervernichtungsphantasien zeigen deutlich, wie unermeßlich ein Kind leiden kann und wie groß ihr (verdrängter) Haß auf ihren Vater war.“

          Again: es war halt nicht nur der Vater. Aus ihrer Perspektive verhielt sich scheinbar die Mehrheit der Männer, denen sie im Leben so (auch intim) begegnet war, hassenswert.

        • Zip

          „Was den unbewussten Anteil von Motiven angeht: die Bankenkrise hat einigermaßen deutlich gezeigt…“

          Finde ich plausibel. Man kann das aber ergänzen durch Zwänge, die das System selbst erzeugt, aus denen man schlecht aussteigen kann. Eine gute Erklärung könnte beide Aspekte aufgreifen.

          „die Grundannahme, dass “sexueller Frust die Leute eher unerträglich und aggressiv” macht, folgt einer ziemlich alten triebtheoretischen Betrachtung, die mWn nicht sehr viel empirische Unterstützung erfahren hat.“

          Nun, das kann ich nicht beurteilen, ich nehme das auf Basis von subjektiven Beobachtungen an.

          Das Problem bleibt, dass der herrschaftliche Zugriff via Prostitutionsverbot zu schwach ist. Konsequenter wäre eine Form von „Verbot“ ehelichen oder partnerschaftlichen Sexes. Da ist FEminismus natürlich kein schlechter Versuch.

        • @ LoMi

          Interessanter Gedanke. Somit könnte das eine (Prostitutionsverbot) eher ein Unterkapitel der größeren Strategie (Feminismus) sein. VT, VT! 😉

        • Weder Pornografie noch Prostitution sind per se ausbeuterisch. Beides ist völlig normal. Sex gegen Geld. Ein simples Geschäft. Jeder der das verbieten will ist moralisch verkommen.

        • Zip

          „Interessanter Gedanke. Somit könnte das eine (Prostitutionsverbot) eher ein Unterkapitel der größeren Strategie (Feminismus) sein. VT, VT!“

          Ja, klar, das ist auch VT. Kann aber auch Spaß machen, sich eine VT auszudenken. Letztlich glaube ich aber nicht, dass der Feminismus einen solchen Plan verfolgt. Aber VT-technisch ließe sich was draus basteln:
          – Man folgt dem Vorwurf, dass der Feminismus mit der Beschwörung der Berufstätigkeit von Frauen udn der Ächtung des Hausfrauendaseins den Bedürfnissen der Wirtschaft dient.
          – Man betrachtet den „Marsch durch die Institutionen“, mit dem immer mehr Feministinnen einflussreiche politische und gesellschaftliche Positionen erobert haben.
          – Schließlich nimmt man Deine These des Sex-Entzuges als Form des Gefügigmachens und folgert: Es ist der Versuch, willige Knechte für die Wirtschaft zu formen.

          😉

        • @ Mutti

          Again: es war halt nicht nur der Vater. Aus ihrer Perspektive verhielt sich scheinbar die Mehrheit der Männer, denen sie im Leben so (auch intim) begegnet war, hassenswert.

          Genau weil Solanas aber solch eine traumatische Vaterbeziehung hatte, tendiert sie dazu, als Erwachsene eben vor allem gewalttätige und ausbeuterische Beziehungen einzugehen bzw. sich erst in solche Männer zu verlieben.

          Das gleiche gilt für Männer, die entsprechend von ihren Müttern mißhandelt wurden. Wenn Solanas also solch schlechte Erfahrungen gemacht hat, ist dies keineswegs als getreues Abbild der Männerwelt zu verstehen, sondern vielmehr als unbewußte Wahl Solanas.

          Eine Frau, die keine echte Eltern- und Vaterliebe kannte, verliebt sich automatisch in entsprechende negative Männer. Auch Prostituierte verteidigen beispielsweise zwanghaft ihre gewalttätigen Zuhälter auf emotionaler Ebene und bekommen auf einmal Skrupel, wenn sie sie vor Gericht belasten sollen.

          Das ist die Tragik der Kindesmißhandlung.

          PS: Man kann natürlich als Frau auch sadistisch diese Erfahrungen inszenieren und Domina werden oder den Mann schlecht behandeln.
          Ich spreche von aktiver und passiver Inszenierung der Kindheitstraumata. Also das eine Mal als Täter, das andere Mal als Opfer. Beide Formen sind vermutlich nicht völlig isoliert vorhanden.

        • @ Kirk

          „Eine Frau, die keine echte Eltern- und Vaterliebe kannte, verliebt sich automatisch in entsprechende negative Männer. Auch Prostituierte verteidigen beispielsweise zwanghaft ihre gewalttätigen Zuhälter auf emotionaler Ebene…“

          Ich dachte bis vor wenigen Jahren genauso.

          Bis ich erkannte, dass „chicks dig cherks“ (Frauen stehen auf Arschlöcher) evolutionär disponiert und genetisch bevorzugt ist.

          Die Erfahrung von mangelnder Liebe ist da nur noch ein – wenn auch überaus wirksamer und selbst verstärkender – Brandbeschleuniger.

      • „Warum machen denn Menschen freiwillig gewaltvolle und obszöne Pornos?“

        Die Frage ist: Ist denn die Mehrheit dieses Zeugs gewaltvoll? Und was ist „obszön“? Letzteres ist in meinen Augen recht subjektiv.

        • „Ist denn die Mehrheit dieses Zeugs gewaltvoll?“

          Eindeutig nicht. Sowas behaupten immer nur Leute, die keine Pornos schauen oder die bereits Sex an sich für gewalttätig halten.

          “Warum machen denn Menschen freiwillig gewaltvolle und obszöne Pornos?”

          Warum arbeiten Menschen als Bergarbeiter? Oder Soldaten? Warum gibt es Menschen, die in Action- oder Horrorfilmen mitspielen, wo es vor Gewalt nur so wimmelt?

      • Für mich bezeichnet Pornographie gerade gewaltvolle und obszöne Sexfilme. Alles andere ist eben Erotik- oder Sexfilm, keine Ahnung.

        Obszönität ist meiner Meinung nach kaum besonders subjektiv.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Obsz%C3%B6nit%C3%A4t „schmutzig, verderblich, schamlos“

        Man kann all diese Dinge durchaus kritisch betrachten – ohne feministisch zu werden oder in einen Verbotshabitus zu fallen.

        Es gibt verschiedene Formen der Abwehr: Eine ist es, das einstmals Verbotene und Geschmähte als nun völlig natürlich und selbstverständlich darzustellen. 🙂 Auch so ist ein gewisses Wegsehen in bezug auf die Hintergründe z.B. von Prostitution, Sadomasochismus etc. gewährleistet.

        Es ist sozusagen die progressivere Form der Verdrängung. 🙂

        PS: Deshalb bin ich auch ausdrücklich gegen ein Verbot der Homosexualität. 🙂 Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. Schaun mer mal, wer am Ende recht behält. Der irre Kirk oder die absolute Autorität in solchen Fragen, die WHO. 🙂

  2. Man müsste halt mal sich zu einer halbwegs stringenten Position durcharbeiten. Entweder Menschen sind für ihr Handeln verantwortlich, Männer wie Frauen, oder gesellschaftliche Strukturen, Diskurse usw. bestimmen es (wobei sich dann natürlich die Frage ergibt, wo denn die Strukturen herkommen, wenn sie nicht ihrerseits Ergebnis von menschlichem Handeln sind).

    Vermeiden lässt sich das Dilemma aus meiner Sicht nur durch eine Theorie der menschlichen Natur, wie etwa die Moral Foundations Theory:

    http://www.moralfoundations.org/

    Demnach sind die Menschen durchaus verantwortlich, aber nur im Rahmen ihrer allen gemeinsamen, in der Evolution entwickelten Natur.

    • „Man müsste halt mal sich zu einer halbwegs stringenten Position durcharbeiten. Entweder Menschen sind für ihr Handeln verantwortlich, Männer wie Frauen, oder gesellschaftliche Strukturen, Diskurse usw. bestimmen es“

      Die „Wahrheit“ ist, sie sind sowohl handlungsfähig, also verantwortlich, als auch durch Strukturen geprägt. Handeln und Struktur sind keine Gegensätze. Handeln wird durch Strukturen möglich. Strukturen grenzen Handeln ein. Es gibt da kein Dilemma.

      „Demnach sind die Menschen durchaus verantwortlich, aber nur im Rahmen ihrer allen gemeinsamen, in der Evolution entwickelten Natur.“

      und im Rahmen der gesellschaftlichen Strukturen, deren offenkundigste etwa der Staat ist. Dessen Gesetze ziehen Dir deutliche Grenzen. Aber man ist nicht nur den Gesetzen unterworfen: Man kann sie verändern, also Strukturen durch Handeln herstellen. Gesetze schaffen auch Möglichkeiten, etwa die Möglichkeit, frei Verträge abschließen zu können.

      • Das Problem ist aus meiner Sicht, das die Existenz von gesellschaftlichen Strukturen ihrerseits erklärungsbedürftig ist, was bei den allermeisten soziologischen Theorien außer acht gelassen wird.

        • Das ist ein falscher Eindruck, denn die Behauptung der Soziologie ist ja, dass Strukturen durch das Handeln von Menschen geschaffen werden. Sie existieren nicht ohne das Tun von Menschen. Insofern interessieren sich viele Soziologen dafür, wie Strukturen hergestellt werden. Damit verbunden ist auch die Behauptung, dass Strukturen wandelbar sind. Denn wenn Menschen sie schaffen, können sie sie auch verändern.

          • @LoMi

            Allerdings sind zumindest im Feminismus die Ausführungen zu den Entstehungen der Strukturen sehr kurz gehalten. Wie beispielsweise ist das Patriarchat oder die hegemoniale Männlichkeit entstanden oder eben die Rape Culture?

        • „Allerdings sind zumindest im Feminismus die Ausführungen zu den Entstehungen der Strukturen sehr kurz gehalten. Wie beispielsweise ist das Patriarchat oder die hegemoniale Männlichkeit entstanden oder eben die Rape Culture?“

          Das kann natürlich sein. Um das zu beurteilen, kenne ich mich zu wenig aus im Feminismus. Ein Typ wie Bourdieu bietet zumindest eine ausgearbeitete Sozialtheorie an, die diese Strukturen erklären sollte.

          Aber es ist wohl generell das Problem, dass der Feminismus zu wenig versucht, so etwas zu erklären. Im Grunde ist ja das „Patriarchat“ eine Superstruktur, die nahezu global in jedem Winkel der Erde die Herrschaft des Mannes über die Frau herstellt. Eine solche derart umfassende globale Struktur müsste man tatsächlich erst einmal erklären, zumal man ja an allen anderen Herrschaftssystemen gut erkennen lassen, wie kompliziert Herrschaft ist. Ich versteige mich mal zu der These, dass die Behauptung der Superstruktur „Patriarchat“ unsoziologisch ist, eben weil es an einer Theorie fehlt, die sie als plausibel erklären kann.

          Gewöhnliche Soziologie jedenfalls immer mit der Wechselbeziehung zwischen Struktur und Handeln und beschreibt so etwas wie den Staat als Produkt des Handelns. Das ist ja einer der zentralen Fragestellungen, wie es möglich ist, dass so etwas dauerhaft existiert.

        • Ich glaube außerdem, dass in den Feminismus Teile des linken Denkens eingeflossen sind: nämlich die Haltung, dass „STruktur“ immer Einschränkung und Unterdrückung bedeutet und man diese deshalb abschaffen müsse.

          Eigentlich muss man als Soziologe aber davon ausgehen, dass es keine unstrukturierten Beziehungen gibt. Es wird immer Normen und Regeln geben. Gerade auch deswegen, weil diese Hilfsmittel sind, um überhaupt miteinander umgehen zu können.

          Diese radikale Gegnerschaft den Strukturen gegenüber passt aber auch zu gewisser Körperfeindlichkeit im Feminismus: Der Körper ist immer nur das Äußerliche und ein „Schein“, während die Persönlichkeit angeblich das echte ist. Zumindest lese ich das aus der Klage heraus, dass Männer Frauen nachschauen. Bewundern Männer weibliche Körper, interpretieren Feministinnen das als Objektifizierung und damit tun sie so, als sei ihr Körper lediglich Objekt und nichts mehr. Mir kommt es so vor, als hätte der Feminismus ein großes Problem mit der Welt der Dinge (sowohl der biologischen als auch der physikalischen). Doch was ist die Persönlichkeit ohne jeden materiellen Kontext, ohne Körper und ohne die physikalische Natur?

        • @ Christian

          „Allerdings sind zumindest im Feminismus die Ausführungen zu den Entstehungen der Strukturen sehr kurz gehalten. Wie beispielsweise ist das Patriarchat (…) entstanden?“

          Falls du die feministische Sichtweise dazu kritisch analysieren willst: das feministische Standardwerk zu diesem Thema ist:

          Gerda Lerner – Die Entstehung des Patriarchats

          (Ich besitze das Buch auch. Habe es bisher aber nur überflogen und kann daher keine nähere Beurteilung geben.)

          • @leszek

            Habe mal nach gegoogelt und diesen Emma-Artikel gefunden:

            http://www.emma.de/artikel/frauengeschichte-die-entstehung-des-patriarchats-266130

            Eigentlich hatte „die Pionierin auf dem Gebiet der historischen Frauenforschung“ (New York Times) eine „allgemeine Theorie über die Frau in der Geschichte“ verfassen wollen. Dann aber vertiefte sie sich in Zeugnisse aus dem Zweistromland, dem alten Mesopotamien (und heutigen Irak) und entdeckte Unerhörtes: nämlich „Die Entstehung des Patriarchats“.
            Eine grundlegende Analyse vor allem juristischer Quellen, die im vierten Jahrtausend vor Christus beginnt und im vierten Jahrhundert vor Christus endet. Es ist die erste feministische Analyse dieser Quellen überhaupt. Wie Simone de Beauvoir im „Anderen Geschlecht“ geht Lerner davon aus, daß es in vorgeschichtlicher Zeit nie ein goldenes Zeitalter für Frauen gegeben hat, nie ein wirkliches Matriarchat, also keine Umkehrung der Verhältnisse, keine Herrschaft von Frauen über Männer.
            Allerdings glaubt sie an eine relative Gleichwertigkeit am Anfang der Menschheitsgeschichte, in dem Männer und Frauen ihr gemeinsames Leben zwar arbeitsteilig organisierten – die Männer als Jäger, die Frauen als Mütter und Sammlerinnen – aber herrschaftsfrei (für diese vorgeschichtliche Zeit kann man nur von „Glauben“ sprechen, da es keine Schriftzeugnisse gibt).
            Der Griff der Männer nach der Macht beruht nicht auf einem einzigen Ereignis. „Die Periode der Durchsetzung des Patriarchats war ein Prozeß“, schreibt Gerda Lerner, „der sich in einem Zeitraum von etwa 2500 Jahren, ungefähr von 3100 bis 600 vor Christus vollzogen hat.“ Die Schritte, die zur Unterwerfung der Frauen führten und damit auch zu ihrer Tilgung aus der Geschichte:
            DER HAUPTWIDERSPRUCH. Friedrich Engels und nach ihm alle Marxistinnen behaupten, daß die „weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts“ eine Folge der Entstehung des Privateigentums sei. Der berühmte Nebenwiderspruch, aus dem folgert: Wenn das Privateigentum abgeschafft ist, also die ökonomische Ungleichheit, resultiert daraus automatisch auch die Gleichheit der Geschlechter.
            Lerner setzt dem entgegen: „Die Aneignung der sexuellen und reproduktiven Kapazität der Frauen durch die Männer“ geschah vorher. Grund: der Frauenmangel, unter denen einige Stämme litten. Konsequenz: der „Frauentausch“, also der Tausch von Frauen gegen Früchte, Handwerkszeug oder Tierhäute. Auch die gewaltsame Verschleppung von Frauen faßt Lerner unter den Begriff „Frauentausch“. Die Sexualität der Frau und ihr Vermögen, Kinder zu gebären, wird früh zur Ware. Die Degradierung der Frau zum Objekt und zur Gebärmaschine ist das Fundament des Patriarchats – und der Klassengesellschaft.
            DIE SKLAVINNEN. Bei Kämpfen zwischen den Stämmen wurden die Männer auf der Stelle von den Siegern getötet, denn, so Lerner, ihre Arbeitsutensilien für die Feldarbeit waren fast identisch mit den Waffen – und das war den Siegern zu gefährlich. Die gebärfähigen Frauen aber wurden „nur“ verschleppt und vergewaltigt. Die ersten Menschen, die versklavt wurden, waren demnach Frauen.
            Lerner: „Wie es möglich ist, andere Menschen zu beherrschen und eine Hierarchie zu festigen, das lernten die Männer durch die bereits praktizierte Dominanz über die Frauen in ihrer eigenen Gemeinschaft.“ Die Sklavenhaltergesellschaft als „die erste institutionalisierte Form hierarchischer Dominanz in der Geschichte der Menschheit“ wurde auf dem Rücken von Frauen errichtet.
            DIE SEXUALITÄT. Waren die vergewaltigten Sklavinnen schwanger, „konnten sie psychologisch gebunden werden“: Hieraus leitet sich die Institution des Konkubinats ab. Und damit auch die Prostitution. In Babylonien finden sich bereits 3000 Jahre vor Christus erste Formen von Zuhälterei: Die Herren vermieteten ihre Konkubinen-Sklavinnen und die Mütter ihrer unehelichen Kinder für Geld an andere Herren. In China ließen vom 3. Jahrtausend vor Christus bis ins 20. Jahrhundert hinein arme Eltern ihre Töchter von reichen Herren „adoptieren“. Eine Praxis, die mit der im heutigen Thailand zu vergleichen ist, wo westliche Sextouristen sich die minderjährigen Töchter armer Bauern als Urlaubshostessen kaufen. Sie „pflegen“ damit eine 5000 Jahre alte Tradition.
            Die Anpassung von Frauen an dieses Unterdrückungssystem wurde in den archaischen Staaten zwischen Euphrat und Tigris durch körperliche Gewalt und ökonomische Abhängigkeit erzwungen. Und durch Spaltung. Für besonders anpassungswillige „Mittäterinnen“ gab es ein ausgefeiltes Belohnungssystem.
            Das Konkubinat bot Männern die Möglichkeit, Frauen gegeneinander auszuspielen. Die Ehefrau wurde mit Privilegien ausgestattet, hatte Teil an der Macht des Mannes, nahm dafür den Ehebruch ihres Mannes in Kauf sowie ihre eigene Unterdrückung und half ihm zudem dabei, die Sklavinnen zu unterwerfen. Beide, Herrin und Sklavin, hatten den Männern mit Leib und Seele zur Verfügung zu stehen: die Herrin ihrem Herren, die Sklavin allen Herren.
            DAS GESETZ. Als nächstes machten die Patriarchen die sexuelle Ausbeutung von Frauen zum Gesetz. Der Rechtscodex des Hammurabi, der etwa 1760 vor Christus in eine Dorit-Stele eingemeißelt wurde, legte die Verpflichtung des Ehemannes zum Unterhalt seiner Frau fest. Die ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern wird damit erstmals zum „Rechtsgut“.
            Ehefrauen waren zur absoluten Treue verpflichtet; Ehemännern hingegen war der Ehebruch mit Sklavinnen und Dirnen ausdrücklich erlaubt. Die Jungfräulichkeit der Braut war unumstößliche Voraussetzung für eine Eheschließung. Vergewaltigung war ein Unrecht. Als Opfer galt aber nicht die vergewaltigte Frau; der Mann und männliche Verwandte wurden als Geschädigte betrachtet.
            Ein Inzest zwischen Mutter und Sohn hatte für beide die Todesstrafe zur Folge. Ein Vater, der seiner Tochter Gewalt antat, wurde lediglich aus der Stadt verbannt. Nicht anders halten es heute die islamischen „Gottesstaaten“. Lerner: „Die Kontrolle der weiblichen Sexualität, die zuvor dem einzelnen Ehemann oder dem Familienoberhaupt oblag, wurde nun zu einer staatlich reglementierten Angelegenheit.“
            DER SCHLEIER. Der nächste Schritt zur Konsolidierung der männlichen Macht über Frauen ist der Verschleierungszwang, der im mittelassyrischen Recht (ca. 1250 vor Christus) verankert wird. Auch er spaltet die Frauen, in gute und schlechte. In Paragraph 40 heißt es: „Sowohl Gattinnen eines Bürgers als auch Witwen oder assyrische Frauen, die auf die Straße hinausgehen, dürfen ihre Köpfe nicht entblößen. Aber diejenige, die ein Gatte nicht genommen hat, wird auf der Straße einen Kopf entblößt halten. Sie wird nicht verhüllt sein. Eine Dirne wird nicht verhüllt sein.“
            Die Verschleierung der ehrbaren Frau verfolgt zwei Zwecke: Zum einen hat die Unterscheidung zwischen respektablen und nicht respektablen Frauen aufgrund ihrer „sexuellen Aktivitäten“ nun Gesetzeskraft und trägt verstärkt zur Entsolidarisierung bei; zum anderen entzieht sie die Ehefrau dem öffentlichen Raum. Sie ist nur noch dem Privatbereich zugeordnet; sie ist einzig Besitz ihres Mannes. Die unverhüllte Frau hingegen ist Besitz aller Männer. Bei Verstoß gegen die Kleiderordnung droht der Frau Bestrafung: Ihr kontrolle und Abtreibung – ist die Kontrolle der weiblichen Sexualität ein wesentlicher Faktor der Machtausübung. Die Reglementierung des sexuellen Verhaltens der Frauen ist eines der Fundamente des Staates.“
            DIE RELIGION. Der Unterbau steht. Nun kommt die Historikerin zum Überbau, zur Ideologie, zu den Bildern und Symbolen, zum abstrakten Denken. Die Ungleichheit der Frauen ist gesetzlich festgeschrieben, aber sie sind immer noch Priesterinnen in den archaischen Staaten des Zweistromlandes. Und auch die Göttinnen sind nicht entthront. Die „wesenseigene Gleichheit“ der Frauen, schreibt Gerda Lerner, konnte aus ihrem „Denken und Fühlen nicht verbannt werden, solange die Göttinnen existierten“.
            Die Göttinnen haben im Zweistromland vor allem Macht über die Fruchtbarkeit. Als das Königtum erstarkt, versuchen die Monarchen, diese Macht zu brechen, indem sie sich selbst zu Gottheiten befördern und sich mit den Priesterinnen der Göttinnen vermählen.
            Als nächstes werden in der Götterwelt Griechenlands zum Beispiel Erotik und Fruchtbarkeit voneinander getrennt. Für jedes von beiden ist nun eine eigene Göttin zuständig: Aphrodite für die Erotik, Demeter für die Fruchtbarkeit der Pflanzen und Hera für die der Frauen. Die Macht der Hera wird zusätzlich eingeschränkt, weil sie dem Chefgott Zeus als Gattin unterstellt ist.
            Der Monotheismus von Juden und Christen schließlich macht endgültig Schluß mit der weiblichen Göttlichkeit (und damit auch Gleichheit). Lerner: „Im ersten Buch Moses, der Genesis, werden Schöpferkraft und Fruchtbarkeit einem allmächtigen Gott zugeschrieben: Die weibliche Sexualität wird assoziiert mit Sünde und Übel. Der einzige Zugang zu Gott und der Gemeinschaft der Heiligen ist den Frauen in ihrer Eigenschaft als Mutter möglich.“
            DAS DENKEN. Schließlich und endlich wird „die Unterordnung der Frauen als natürlich festgeschrieben und damit der bewußten Wahrnehmung entrückt“. Monotheismus, abstraktes Denken und psychologische Manipulation sind die subtilen Instrumente, die die krude Gewaltherrschaft absichern. Daß Frauen sich selbst als von Natur aus minderwertige Wesen begreifen, die nur durch männliche Wertschätzung aufgewertet werden können, ist der raffinierteste Trick, der „das Patriarchat sowohl tatsächlich wie ideologisch fest absichert

        • „die Behauptung der Soziologie ist ja, dass Strukturen durch das Handeln von Menschen geschaffen werden.“

          Und wodurch wird das Handeln von Menschen bestimmt? Durch ihre Bedürfnisse und Interessen, die durch die Evolution entstanden sind. Die evolutionäre Betrachtungsweise ist daher tiefgreifender als die Soziologie, und eine überzeugende Soziologie muss eigentlich Soziobiologie sein (meine ich).

        • „Die evolutionäre Betrachtungsweise ist daher tiefgreifender als die Soziologie, und eine überzeugende Soziologie muss eigentlich Soziobiologie sein (meine ich).“

          Das kommt auf die Fragestellung an. Wenn ich wissen will, wie Menschen handeln Strukturen schaffen, muss ich nicht unbedingt mit Biologie arbeiten. Es geht dann eher um Mechanismen, die in sozialen Beziehungen entstehen. Wenn ich wissen will, warum sie Strukturen schaffen, will ich schon eher was über das Wesen von Menschen wissen.

          Und immer so weiter. Es gibt da nicht DIE richtige Disziplin, vielmehr gibt es einfach unterschiedliche Fragestellungen.

          „Und wodurch wird das Handeln von Menschen bestimmt? Durch ihre Bedürfnisse und Interessen, die durch die Evolution entstanden sind.“

          Hierauf bezogen: Mit dieser Frage würde ich ganz allgemeine Dispositionen ermitteln. Als Soziologe interessieren mich aber vor allem die Interessen, die in bestimmten BEziehungen entstehen. Das schließt nicht aus, dass es die biologischen Grunddispositionen gibt. Aber das ist dann nciht mehr mein Fachgebiet, denn ich will ja die Dinge erklären, die durch menschliches Handeln entstehen und nicht die Dinge, die von Natur aus gegeben sind. Was auch Bescheidenheit erfordert, nämlich die Anerkenntnis der Grenzen der eigenen Perspektive.

        • „Falls du die feministische Sichtweise dazu kritisch analysieren willst: das feministische Standardwerk zu diesem Thema ist:

          Ööö nö: denn dazu müßte ich mich mit einem unakzeptablen Standpunkt identifizieren: Dass die Geschichte der Herrschenden eine Geschichte des Mannes ist.
          Isses aber nicht – es gab immer viel mehr unterdrückte Männer als herrschende Männer. Während aber beherrschte Frauen qua Gebärmutter einen Wert hatten, hatten Männer diesen nur als Arbeitskraft – also Verbracuhsmaterial.

          Und hier herrscht Sexismus erster Güte: Männer die nicht Herrscher sind, sind für Feministen nichtexistent. Verbrauchbar, uninteressant egal.

          Deswegen ist Feminismus inhuman – es ist ein Klassen und Herrschaftideologie.

        • So stellt sich eine Forscherin die Entstehungsgeschichte des Patriarchats vor: ALs wahnhaften Akt gegen das Allweibliche Ineinssein der Welt
          http://www.uibk.ac.at/forschung/weltordnung/werlhof_patriarchat.pdf.

          Was bei Spinoza als fortschrittlicher Pantheismus daherkam – ist aus heutiger Sicht ein Abklatsch irrationaler New Age Anschauungen.

          Ich sage nie wieder etwas gegen Theologie- diese ist ja regelrecht rational gegenüber den sich wissenschaftlich gebenden Privattheologien von Matriarchatsforscherinnen.

          • @dummerjan

            das ist ja auch schön:

            Soweit wir heute wissen, beginnt das Patriarchat überall mit Krieg (R. Eisler 1993; C.
            v. Werlhof 2003 a).
            „Gewalt“ im Patriarchat ist also nicht irgendein diffuses, quasi beliebig vorfindbares
            Phänomen, das immer auftritt in dem Moment, wo die Gewalt „gesellschaftlich“ wird,
            also „von oben“ legalisiert und legitimiert wird, was im Patriarchat durchgehend der
            Fall ist. Die gesellschaftlich von oben gewollte Gewalt, sei sie eine individuelle oder
            eine kollektive, kommt im Patriarchat aus und mit dem Krieg. Der Krieg ist dabei
            aber nicht nur einmalige „Gründungsgewalt“, sondern fortgesetzte
            Gründungsgewalt (vgl. Girard 1992). Das Patriarchat beginnt nicht nur mit dem
            Krieg, so die These, sondern übernimmt den Krieg auch als Modell für die Nach-
            oder Nicht – Kriegszeit.

            1. Die gesellschaftlichen Verhältnisse im Patriarchat orientieren sich am Krieg
            und sind ihm nachgebildet. Erst aus dieser Perspektive sind sie wirklich versteh-
            und in ihrem Zusammenhang angemessen analysierbar. Die Gewalt im Patriarchat
            ist demnach zu charakterisieren als die angeblich „gerecht(fertigt)e“ Gewalt im
            sog. „gerechten“ Krieg. Erst im Krieg werden die spezifischen Formen von Gewalt
            „erfunden“, die wir heute überall beobachten. Das gilt insbesondere für die
            Erfindung einer „kalten“, also durch und durch geplanten Gewalt, die auch
            Methoden zur „Produktion“ von „heißer“ Gewalt mitbeinhaltet (vgl.
            Ausbildungsmethoden des Militärs). Der Krieg ist der „Vater“ (und in der Tat nicht
            die „Mutter“) solcher Gewaltsysteme. Die gesellschaftlich produzierte, organisierte
            und institutionalisierte Gewalt im Patriarchat hat sich nicht unabhängig vom Krieg
            entwickeln können, sondern erst mit ihm und durch ihn: Sie ist immer zuerst
            Kriegsgewalt. Der Krieg als Haupterfindung des Patriarchats liefert(e) über
            Jahrtausende die Erfahrungen dafür (vgl. Sunzi 500 v.Ch., 1999). Dadurch entsteht
            auch das Gewaltmonopol des Militärs bzw. des Staates, der andere, quasi
            „autonome“ Gewaltformen unterbindet.

            2. Wenn der Krieg nicht nur am Beginn des Patriarchats steht, sondern Patriarchat
            selbst Krieg ist, und zwar idealerweise immer, grundsätzlich, in allen Bereichen des
            Lebens und der gesellschaftlichen Organisation, möglichst zu allen Zeiten und an 12
            allen Orten, dann ist Patriarchat nicht bloß ein Gewaltsystem, sondern ein
            „Kriegssystem“ (vgl. M. Mies 2004). Der Krieg als die typische „Ordnung“ des
            Patriarchats, und zwar auch in sog. Friedenszeiten, hätte demnach zu einer
            Entwicklung des Patriarchats vom Krieg zu einem Kriegssystem geführt. Anders
            gesagt: Die „Phallokratie“ (R.Genth 1996) der Anfangsphase wäre erst mit der Zeit
            zum eigentlichen Patriarchat ausgebaut worden. Patriachalisierungsprozesse würden
            dann darin bestehen, alle gesellschaftlichen Bereiche und Verhältnisse in
            „kriegerische“ zu verwandeln und systematisch aufeinander zu beziehen. Der Krieg
            würde auf diese Weise nach und nach die ganze Gesellschaft bis in ihre Tiefen
            hinein durchdringen, und das Gesellschaftssystem des Patriarchats würde
            tendenziell zum Kriegssystem. Dieser Zustand wird von P. Virilio der „reine Krieg“
            genannt (Virilio / Lotringer 1984). In ihm kommt die gesellschaftliche Entwicklung
            zum Stillstand, weil sie sich einzig um die „Logistik“ der „Kriegsmaschine“ dreht
            (ebenda, S. 121).

        • @ Dummerjan

          „Ööö nö: denn dazu müßte ich mich mit einem unakzeptablen Standpunkt identifizieren:“

          Also um ein Buch einer feministischen Historikerin kritisch zu analysieren müsstest du dich mit einem unakzeptablen Standpunkt identifizieren?

          Warum ist denn der Standpunkt einer kritischen Analyse für dich unakzeptabel?

        • “Die evolutionäre Betrachtungsweise ist daher tiefgreifender als die Soziologie, und eine überzeugende Soziologie muss eigentlich Soziobiologie sein (meine ich).”

          „Das kommt auf die Fragestellung an. Wenn ich wissen will, wie Menschen handeln Strukturen schaffen, muss ich nicht unbedingt mit Biologie arbeiten. Es geht dann eher um Mechanismen, die in sozialen Beziehungen entstehen. Wenn ich wissen will, warum sie Strukturen schaffen, will ich schon eher was über das Wesen von Menschen wissen.“

          Das Verhältnis Biologie zu Sozialverhalten entspricht dem Verhältnis Gehirn zu Bewusstsein. Das Gehirn erschafft das Bewusstsein, aber Bewusstsein ist etwas qualitativ anderes als Neuronenaktivität und kann daher eigenständiges Forschungsobjekt sein. Trotzdem ist es sinnvoll, die biologische Basis sowohl des Sozialverhaltens als auch des Bewusstseins in die Betrachtung miteinzubeziehen, da sie mein Forschungsobjekt beeinflusst.

        • @ Dummerjan

          Wolltest du mir nicht noch erklären, warum du Imre Lakatos Kritik am „naiven Falsifikationismus“ und die daraus abgeleiteten Überlegungen, die zu der wissenschaftstheoretischen Auffassng führten, dass weder Verifikation noch Falsifikation endgültig möglich sind, ablehnst?

        • „Also um ein Buch einer feministischen Historikerin kritisch zu analysieren müsstest du dich mit einem unakzeptablen Standpunkt identifizieren?“
          Ja. Denn schon der Standpunkt, dass Herrschaft und Geschlecht voneinander unabhängige Dinge sind macht es unmöglich irgendein theoretisches Konstrukt des Buches zu akzeptieren. Ich brauche es gar nicht aufzuschlagen.

          Die historischen Begründungen und Belege kann ich leider nicht beurteilen.
          Es bleibt einfach nichts, weswegen ich meine Zeit darauf verwenden sollt: Die theoretischen Konstrukte basieren auf einer aus meiner Sicht nicht haltbaren Annahme, also ist die Theorie aus meiner Sicht falsch und der nichttheoretische Bestandteil kann nicht von mir beurteilt werden.

          „Warum ist denn der Standpunkt einer kritischen Analyse für dich unakzeptabel?“
          Kritische Analyse ist kein Standpunkt.
          Es gibt keinerlei Deckung zwischen dem was ich beurteilen kann und dem was das Buch darlegt – und was ich nicht beurteilen kann, darüber muss ich schweigen.

        • Denton

          „Trotzdem ist es sinnvoll, die biologische Basis sowohl des Sozialverhaltens als auch des Bewusstseins in die Betrachtung miteinzubeziehen, da sie mein Forschungsobjekt beeinflusst.“

          Jede Sozialtheorie muss Annahmen machen über das Wesen des Menschen, also muss sie auch ein Minimum dessen reflektieren, was wir über den biologischen Menschen wissen.

          Sodann ist es aber doch wieder abhängig von der Fragestellung, wie tief ich gehe. Wenn ich setze, dass Menschen planvoll handeln können (wenn auch nicht müssen), dann kann ich mich auf die Beobachtung solcher planvollen Handlungen beschränken in dem Fall, wo ich nur wissen will, wie Leute in bestimmten Situationen kalkulieren, etwa ihren Vorteil suchen. Dafür brauche ich dann keine ausgefeilte biologische Theorie, die besagt, dass Menschen ihren Vorteil aus diesem oder jenem Grunde suchen. Ich brauche nur die Annahme, dass sie es bezogen auf bestimmte Ziele in bestimmten Situationen tun können.

          Aber man kann sich ja auch umfassendere Fragestellungen vorstellen, wenn man wissen will, warum einem Menschen bestimmte Dinge als erstrebenswert erscheinen. Dann macht ein interdisziplinärer Zugang Sinn.

          Als Korrektiv ist der interdisziplinäre Blick auch wichtig: Ich kann nicht über kulturelle Schönheitsnormen reden, ohne zu wissen, ob es nicht doch ein biologisch vorprogrammiertes Schönheitsempfinden gibt. Ich würde sogar meine eigene sozialtheoretische Prämisse über den Haufen werfen, wenn ich das ignoriere. Schließlich will ich als Sozialtheoretiker nur die Dinge bearbeiten, die man handelnd ändern kann. Biologische Dispositionen sind nicht zu ändern. Also findet meine Sozialtheorie hier die Grenze ihres Zuständigkeitsbereiches.

        • „Wolltest du mir nicht noch erklären, warum du Imre Lakatos Kritik am „naiven Falsifikationismus” und die daraus abgeleiteten Überlegungen, die zu der wissenschaftstheoretischen Auffassng führten, dass weder Verifikation noch Falsifikation endgültig möglich sind, ablehnst?“

          Weil es eben Aussagen gibt, die aus einer Theorie abgeleitet sind und falsifizierbar sind.

          Lakatos Auffassung, so wie ich es verstanden habe, zielte ja darauf, dass es in der Tat nicht möglich sei zu einer beliebigen gegebenen Theorie Falsifizierbarkeit herzustellen, selbst, wenn diese Theorie sinnvoll und hinreichend praktisch ist.
          Hinzu kommt – es gibt nunmal keine von einer Theorie unabhängigen Daten.

          Manchmal sind aber die Daten gut genug (oder die Theorie schlecht genug).

          Eine Theorie, die die Schwerkraft negiert ist eben auch für Imre Lakatos falsifiziert.

        • @ LoMi

          Grundsätzliche Zustimmung: Das Soziale hat eine eigene Logik, die über die biologische Basis hinaus geht. Problematisch wird es allerdings, wenn menschliche Präferenzen und das sich aus diesen ergebende Handeln nur noch als Ergebnis von Sozialisation aufgefasst und die biologischen Dispositionen, die sich ja auch von Mensch zu Mensch unterscheiden können, komplett ausgeblendet werden.

        • @leszek
          Zu meinen letzten Auslassungen: Es ist eben ein Unterschied ob man von einer konkreten Theorie spricht oder von einer Menge von Theorien. Mathematisch gesprochen verhält sich das eine zum anderen wie eineabzählbare Menge zu einem Kontinuum.

        • „Aber das ist dann nciht mehr mein Fachgebiet, denn ich will ja die Dinge erklären, die durch menschliches Handeln entstehen und nicht die Dinge, die von Natur aus gegeben sind.“

          Ich denke man kann das nicht trennen. Dawkins hat gesagt, dass der einzige, der bisher eine Erklärung dafür geliefert hat, warum es Menschen gibt, Darwin ist, und in den Sozial- und Geisteswissenschaften hat man davon bishern keine Kenntnis genommen.

          Marx war da schon sehr viel weiter, er hat ja immer wieder darauf hingewiesen, von welch entscheidender Bedeutung für die menschliche Existenz die materielle Reproduktion des Lebens ist:

          „Man kann die Menschen durch das Bewußtsein, durch die Religion, durch was man sonst will, von den Tieren unterscheiden. Sie selbst fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der durch ihre körperliche Organisation bedingt ist.“

          Un diese körperliche Organisation ist durch die Evolution bestimmt. Menschliches Handeln ist handeln von Naturwesen.

        • @ El Mocho

          „Menschliches Handeln ist handeln von Naturwesen.“

          Menschliches Handeln schafft soziale Strukturen, die nur in den Köpfen der Menschen existieren und deshalb nicht naturwissenschaftlich erfasst werden können.

  3. Die unterschiedlichen Schuldzuweisungen sind eher das Symptom und weniger das Problem selbst. Das Problem besteht darin, dass eine solche Ideologie nicht fragt, sondern antwortet. Genau das unterscheidet sie von Wissenschaft. In der Wissenschaft macht man sich gefasst auf überraschende Entdeckungen und man analysiert normalerweise gründlich die Grenzen der eigenen Theorien – weil man diese ja verbessern will, wenn nicht gar durch ganz andere ersetzen.

    Der Feminismus agiert hier voreingenommen und fragt nicht, er weiß immer schon, wie sich die Dinge verhalten. Oder mal in den Worten eines Kollegen:

    „Das Beispiel demonstriert einen weiteren Grundzug der Bescheuertheit, ihre kognitive Monostruktur und die simple Hermetik des Weltbildes. Der Bescheuerte hat nur ein Thema. Man fokussiert die Verhältnisse auf einen einzigen Punkt und spezifiziert die Problemwahrnehmung in konzentrischen Kreisen. Da alles mit allem zusammenhängt, wird man auch bei der entlegensten Sache stets eine Querverbindung oder einen Aspekt finden, der es einem erlaubt, seine Suppe erneut anzurühren. Der Einzelfall dient immer nur der Illustration des Allgemeinen und bestätigt das gesetzte Prinzip. Es gibt nur Antworten, keine Fragen. Am Ende landet die Argumentation stets wieder beim Anfang. So ist man gegen Neues und Überraschungen gewappnet und fühlt sich zugleich als jemand, der alles durchschaut.“

    http://www.eurozine.com/articles/2008-01-07-paris-de.html

  4. Da ist leider was dran… und da Gesellschaft und Kultur ja als Erzeugnisse des Patriarchats behauptet werden, ist auch die Schuld der Frauen eigentlich die der Männer. Im Grunde halt wie der alte „1) Der Wirt hat immer recht, 2) Wenn der Wirt unrecht hat, tritt 1) in Kraft“-Spruch.
    Ein Zirkelschluss, der sich drumherum mogelt, eine ganzheitliche Verantwortungsthese zu bilden.

  5. @ Christian

    *Sailer’s First Rule for Decoding Feminist Obfuscation is

    – When feminists can blame men, they blame “men.”

    – When feminists would have to blame women, they blame “society” or “our culture.”*

    Das ist ja so offensichtlich, dass die eigentlich interessante Frage doch die ist: „Warum ist diese Methode so erfolgreich?!“

    Warum scheinen so wenige vorgeblich kluge/gebildete Menschen in Medien/Politik das zu erkennen und spielen das doch reichlich durchsichtige, primitive Spiel („Beschuldige Männer/Männlichkeit/DAS PATRIARCHAT – entschuldige Frauen/Weiblichkeit/DAS MATRIARCHAT, zumindest immer dann, wenn Frauen für etwas Negatives (Mit-)Verantwortung übernehmen müssten, an ihren Erfolgen wollen sie ja bitteschön ganz allein „schuld“ sein) mit?

    DAS Ist für mich die eigentlich spannende Frage.

    Menschen das Offensichtliche erklären zu müssen, ist eine Sache.

    Aber warum wollen/können sie es nicht verstehen, wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, das Offensichtliche sehen/verstehen zu müssen, arbeiten engagiert, einige sogar fanatisch an der Vernebelung/Verleugnung des Offensichtlichen.

    Davon profitieren doch einige, damit werden doch Absichten verfolgt.

    Wer profitiert, wessen Absichten werden dadurch bedient?

    Gut, zunächst die der Feminist.I.nnen selbst.

    Das aber ist nur eine relativ kleine Gruppe, selbst unter den Frauen und nicht mal besonders mächtig.

    Sie WERDEN ja finanziert, finanzieren sich nicht aus eigener Kraft, nicht aus eigenem Erfolg, gründen eben keine Unternehmen, die Gewinn machen, der sie aus EIGENEM Recht mächtig machte.

    Sondern es ist typisch „weibliche“ Macht, Manipulationsmacht, abgeleitete Macht, weil sie es versteht, andere für sich agieren zu lassen, in ihrem Sinne agieren zu lassen.

    So scheint es.

    Wer sind die anderen, warum agieren die so, sind die wirklich manipuliert oder ganz einfach „interessiert“, also egoistisch, klar erkennend, dass sie „manipuliert“ werden, aber trotzdem im Sinne der Manipulierenden agierend, weil ihnen die Ergebnisse nützen, sie darum unterstützend, ihnen ihre Propagandakampagnen ermöglichend, finanzierend, ihre Dominanz etwa in dem Massenmedien sichernd?

    • Ein Beispiel:

      http://www.newsroom.de/news/detail/$IWCOGQGOEKGK/wirtschaftswoche_warum_tichy_gefeuert_wurde_obwohl_meckel_nichts_kann

      Einer der wenigen feminismuskritischen Chefredakteure hierzulande, Tichy vom Handelsblatt, wurde gerade abgelöst und ersetzt: durch Miriam Meckel, Lebensgefährtin von Anne Will.

      WEM NÜTZT DAS?

      Wer lässt sich das so viel kosten?

      Warum stützen so viele „moderne“ Kapitalisten eine sich für links haltende Ideologie und weite Teile der Linken, die überwältigende Mehrheit, tut so, als merke sie das nicht (während die Kapitalisten so tun, als merkten sie nicht, dass das eine linke Ideologie ist).

      Ist das wirklich so?

      Oder wissen einige Linke sehr genau, dass sie sich hier mit Kapitalisten verbünden, anschlussfähig geworden durch ihren Kulturmarxismus, der die kapitalen Grundlagen der Kapitalisten (vorerst) nicht bedroht.

      Und die sich verbündenden Kapitalisten wissen auch sehr genau, wen sie da in den Sattel heben, nutzen aber deren Aktivismus/Eloquenz um Hindernisse für den globalisierten Kapitalismus aus dem Weg zu räumen (Familie, Nationalstaat, religiöse Solidaritäten etc. – alles, was dem allein Sinn stiftenden Konsumhedonismus noch im Wege steht, meist „konservative“ Werte/Orientierungen übrigens).

      Dieser Zusammenfall von Interessen in der gegenwärtigen historischen Phase erklärt für mich noch am Überzeugendsten dieses doch an sich recht überraschende Schauspiel, wie sehr hier „rechte“ Kapitalisten eine „linke“ Ideologie fördern und die „Linke“ tut so, als merke sie das nicht, achtet aber sorgfältig darauf, dass die kapitalen Interessen ihrer Ermöglicher nicht bedroht werden, greift die Basis kaum noch an, dafür um so heftiger den „Überbau“.

      Natürlich werden die Interessen irgendwann wieder auseinander laufen, aber im Augenblick schreitet man Seit an Seit.

    • @ Roslin

      „Oder wissen einige Linke sehr genau, dass sie sich hier mit Kapitalisten verbünden, anschlussfähig geworden durch ihren Kulturmarxismus, der die kapitalen Grundlagen der Kapitalisten (vorerst) nicht bedroht.“

      Und Roslin? Gibt´s diesmal Belege oder wie immer nur dummes Propagandageschwätz?

      • @ Leszek

        Beleg ist das, was vor meinem Fenster geschieht, Beleg ist das, was ich beobachte.

        Mir genügt das.

        Dein Propagandageschwätz sei Dir allerdings unbenommen, denn Du scheinst anders und Anderes zu sehen als ich.

        Überlassen wir es dem Leser, was dem überzeugender erscheint.

        • „Beleg ist das, was vor meinem Fenster geschieht, Beleg ist das, was ich beobachte.“

          Es handelt sich also bei Deiner Behauptung um subjektive Meinung. Ist ja auch in Ordnung.

        • @ LoMi

          *Es handelt sich also bei Deiner Behauptung um subjektive Meinung. Ist ja auch in Ordnung.*

          Die ich belege mit Beobachtungen realer Ereignisse, denen ich eine sinngebende Deutung verpasse.

          Denn für so blöd, wie sie sein müssten, um das Offensichtliche tatsächlich NICHT zu sehen, halte ich die Agierenden nicht.

          Das setzte einen IQ < 110 voraus.

          Die sind aber erheblich schlauer.

          Sogar Miriam Meckel.

        • „Die ich belege mit Beobachtungen realer Ereignisse, denen ich eine sinngebende Deutung verpasse.“

          Wie auch immer. Das ist in meinen Augen schlicht subjektive Interpretation. Kann man alles machen, man muss dabei dann aber auch die Grenzen der eigenen Behauptungen bedenken.

        • @ LoMi

          *Wie auch immer. Das ist in meinen Augen schlicht subjektive Interpretation. Kann man alles machen, man muss dabei dann aber auch die Grenzen der eigenen Behauptungen bedenken.*

          Ich bedenke, ich bedenke.

          Und sehe nun mal mit meinen Augen, nicht mit Deinen.

        • @ Cyrano

          *Gerade der 2. Text könnte fast 1:1 von Adorno/Horkheimer stammen: … *

          Eben.

          Ich rede nicht von Adorno, ich rede nicht von Horkheimer, sondern von MARCUSE.

          Zitat Gottfried:

          *There was also a right wing of the Frankfurt School, with which I once identified myself. Those who stood within that tradition were anything but “cultural Marxists,” for example Max Horkheimer, one of the cofounders of the Frankfurt School, who later in life became a staunch anti-Communist and anti-egalitarian. Whereas the mainstream Frankfurt School critics fired away at repressive bourgeois institutions like the nuclear family, the mavericks on the right attacked Enlightenment rationalism and impersonal bureaucracies—what I have called “the managerial state.”*

          https://www.vdare.com/articles/yes-virginia-there-is-a-cultural-marxism

      • @ Roslin

        „Beleg ist das, was vor meinem Fenster geschieht, Beleg ist das, was ich beobachte.“

        Wie üblich verwechselst du eine wahnhafte subjektive Deutung und Interpretation mit einem Beleg.

        „Mir genügt das.“

        Ich vermute mal, wenn jemand in vergleichbarer Weise gegen die katholische Kirche hetzen würde, ohne Belege für seine Behauptungen zu präsentieren, würde dir das nicht genügen, oder?
        Dann schlage ich vor hier genau die gleichen Maßstäbe anzulegen, die du auch bei Kritik an der Katholischer Kirche angelegt haben möchtest?

        • @ Leszek

          *Wie üblich verwechselst du eine wahnhafte subjektive Deutung und Interpretation mit einem Beleg.*

          Das ist Deine Interpretation, für die Du vergeblich – zumindest bei mir – Allgemeingültigkeit beanspruchst.

          *Ich vermute mal, wenn jemand in vergleichbarer Weise gegen die katholische Kirche hetzen würde, ohne Belege für seine Behauptungen zu präsentieren, würde dir das nicht genügen, oder?
          Dann schlage ich vor hier genau die gleichen Maßstäbe anzulegen, die du auch bei Kritik an der Katholischer Kirche angelegt haben möchtest?*

          Diese Hetze findet ja längst statt. Die Katholische Kirche ist der Hauptgegner für Kulturmarxisten und vom Konsumhedonismus profitierende Kapitalisten. Gegen sie zu hetzen, darauf kann man sich schnell und immer einigen.

          Beispiel gefällig?

          http://hosted.ap.org/dynamic/stories/E/EU_IRELAND_CHILDRENS_MASS_GRAVES?CTIME=2014-06-20-14-48-31&SECTION=HOME&SITE=AP&TEMPLATE=DEFAULT

          Die Meldung der massenmörderischen Nonnen wurde weit verbreitet, von der Richtigstellung bekam nur der etwas mit, der sich weiter für das Thema interessierte.

          Aber, Leszek, Hetze gegen diese Kirche stört mich nicht. Gegen sie wird gehetzt, seit sie existiert.

          Manche „Hetze“ ist sogar sinnvoll, insoweit sie reale Sünden/Verbrechen/Probleme dieser Kirche benennt und bei der Selbstreinigung hilft.

          Ansonsten: Wo sind die Hetzer abgeblieben?

          Flugsand, nichts, was mich sonderlich aufregte.

        • einmal mehr: Papst Benedikt der Kulturmarxist…

          http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html

          http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html

          Gerade der 2. Text könnte fast 1:1 von Adorno/Horkheimer stammen:

          „Damit komme ich zum Schluß. Die eben in ganz groben Zügen versuchte Selbstkritik der modernen Vernunft schließt ganz und gar nicht die Auffassung ein, man müsse nun wieder hinter die Aufklärung zurückgehen und die Einsichten der Moderne verabschieden. Das Große der modernen Geistesentwicklung wird ungeschmälert anerkannt: Wir alle sind dankbar für die großen Möglichkeiten, die sie dem Menschen erschlossen hat und für die Fortschritte an Menschlichkeit, die uns geschenkt wurden. Das Ethos der Wissenschaftlichkeit – Sie haben es angedeutet Magnifizenz – ist im übrigen Wille zum Gehorsam gegenüber der Wahrheit und insofern Ausdruck einer Grundhaltung, die zu den wesentlichen Entscheiden des Christlichen gehört. Nicht Rücknahme, nicht negative Kritik ist gemeint, sondern um Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und -gebrauchs geht es. Denn bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten des Menschen sehen wir auch die Bedrohungen, die aus diesen Möglichkeiten aufsteigen, und müssen uns fragen, wie wir ihrer Herr werden können.“

        • @ Roslin

          „Das ist Deine Interpretation, für die Du vergeblich – zumindest bei mir – Allgemeingültigkeit beanspruchst.“

          Na ja, da ich sowohl die Linke als auch die Geistes- und Sozialwissenschaften weitaus besser kenne und besser beurteilen kann als du und da zudem Fragen nach Belegen für deine Behauptungen regelmäßig nichts hervorbringen, ist meine Interpretation diesbezüglich schon sehr plausibel.

          „Die Katholische Kirche ist der Hauptgegner für Kulturmarxisten und vom Konsumhedonismus profitierende Kapitalisten.“

          Das ist natürlich wieder Unsinn.

          Wenn die Katholische Kirche der „Hauptgegner“ für Vertreter und Anhänger der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule wäre, dann wäre dies ja sehr leicht durch entsprechende Schriften aus dieser Theorietradition belegbar. Es müsste dann viele Schriften aus dieser Theorietradition geben, die sich mit Kritik an der Katholischen Kirche beschäftigen.

          Nicht, dass ich dagegen irgendwas einzuwenden hätte, denn Religionskritik aus aufklärerisch-menschenrechtlicher Perspektive wird von mir grundsätzlich bejaht, es hat nur nichts mit dem zu tun, was Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule – die es heutzutage als größere und in sich geschlossene linke Strömung ohnehin nicht mehr gibt – tatsächlich in ihren Schriften schwerpunktmäßig für Themen behandeln.

          Die 1. Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule hat den Katholizismus bekanntlich tendenziell eher positiv beurteilt. (In meinen Augen stand sie dem Katholizismus eher zu unkritisch gegenüber und nicht etwa zu kritisch.)

          Einen Artikel hierzu, der sich insbesondere mit Horkheimers Sichtweise auf den Katholizismus befasst, hatte ich ja schonmal gepostet:

          Die Tressen des Paradieses – Bemerkungen zur Affinität von Katholizismus und Kritischer Theorie.

          http://jungle-world.com/artikel/2011/36/43964.html

          Und Erich Fromm sah z.B. ausgerechnet im Katholizismus (neben dem Marxismus) ein Beispiel für eine von ihm befürwortete gelungene Synthese zwischen dem “patrizentrischen Prinzip” und dem “matrizentrischen Prinzip”.

          Das begründete Erich Fromm folgendermaßen:

          „Während beide Typen – der patrizentrische wie der matrizentrische – in jeder Gesellschaft erscheinen dürften – bedingt vor allem durch die individuelle Familienkonstellation der Kindheit -, so scheint es doch, dass sie als durchschnittlicher Typ jeweils für verschiedene Gesellschaftsformen charakteristisch sind. Der patrizentrische Typ dürfte in der bürgerlich-protestantischen Gesellschaft dominierend sein, während für das katholische Mittelalter wie auch für den europäischen Süden der matrizentrische Komplex eine relativ große Rolle spielen wird.
          Wir stoßen hier auf ein Problem, dass von Max Weber in fruchtbarer Weise behandelt worden ist, nämlich des Zusammenhangs zwischen dem bürgerlichen Kapitalismus und dem Protestantismus beziehungsweise seinen Abkömmlingen, wie des Zusammenhangs zwischen dem Katholizismus und dem Wirtschaftsgeist der katholischen Länder. Bei allen Einwänden, die gegen einzelne Thesen Webers in der beträchtlichen Literatur zum Teil mit Recht erhoben worden sind, gehört doch die Feststellung dieses Zusammenhanges zum gesicherten Gut der Wissenschaft. Max Weber hat das Problem bewusstseinspsychologisch behandelt. Ein volles Verständnis des Zusammenhangs wird aber nur durch eine Analyse der Triebstruktur möglich sein, die sich als Basis des kapitalistisch-bürgerlichen Geistes ebensowohl wie des protestantischen erweist.
          In diesem Zusammenhang sei nur darauf hingewiesen, welche Rolle der patrizentrische beziehungsweise der matrizentrische Komplex in dieser Triebstruktur spielt.
          Wenn auch der Katholizismus in seinem väterlich-männlichen Gott, wie in seiner männlichen Priesterhierarchie viele patrizentrische Züge aufweist, so ist doch andererseits die bedeutende Rolle des matrizentrischen Komplexes in ihm unverkennbar. Die gnadenreiche heilige Jungfrau und die Kirche selbst bedeuten psychologisch die große Mutter, die alle ihre Kinder in ihrem Schoße birgt, ja, Gott selbst dürfen, wenn auch unbewusst, gewisse mütterliche Züge zugeschrieben werden. Der einzelne „Sohn der Kirche“ kann der Liebe der mütterlichen Kirche sicher sein, solange er ihr Kind ist oder wenn er in ihren Schoß zurückkehrt. Diese Kindschaft wird sakramental bewirkt, gewiss spielen moralische Forderungen eine große Rolle, aber durch einen komplizierten Mechanismus wird erreicht, dass sie zwar das gesellschaftlich notwendige Schwergewicht haben, dass aber der einzelne Gläubige unabhängig von der moralischen Sphäre eine Gewissheit des Geliebtwerdens haben kann. Schuldgefühle produziert der Katholizismus in nicht geringem Maße, doch liefert er gleichzeitig das Mittel, von diesen Schuldgefühlen frei zu werden; (…).“

          Erich Fromm – aus: Die sozialpsychologische Bedeutung der Mutterrechtstheorie (1934)

          Diese tendenziell eher positive Beurteilung des Katholizismus durch die „Kulturmarxisten“ dürfte auch einer der Gründe für Joseph Ratzingers positive theologische Bezugnahme auf Adorno und Horkheimer gewesen sein, die er ja ausdrücklich als „die großen Denker der Frankfurter Schule“ bezeichnet hat

          http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html

          sowie für seinen Dialog mit Jürgen Habermas, dem bekanntesten Vertreter der 2. Generation der Frankfurter Schule.

          Habermas ist dabei durchaus in seinen Standpunkten zum Wert der Religion in modernen Gesellschaften Ratzinger entgegengekommen – m.E. zu stark entgegengekommen.
          Zu Recht wurde Habermas von dem bekannten Vertreter des Kritischen Rationalismus Hans Albert – einem Kritiker sowohl der Frankfurter Schule als auch Joseph Ratzingers – für diese zu starke Annäherung an den Katholizismus kritisiert.

          Joseph Ratzinger und Jürgen Habermas haben auch ein Buch zusammen herausgegeben:

          Dialektik der Säkulaisierung: Über Vernunft und Religion

          http://www.amazon.de/Dialektik-S%C3%A4kulaisierung-%C3%9Cber-Vernunft-Religion/dp/3451324873/ref%3Dsr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1394113021&sr=1-1&keywords=ratzinger+habermas

          Die Kritik an Habermas und Ratzinger von dem kritischen Rationalisten Hans Albert findet sich in dem Buch:

          Joseph Ratzingers Rettung des Christentums: Beschränkungen des Vernunftgebrauchs im Dienste des Glaubens

          http://www.amazon.de/Joseph-Ratzingers-Rettung-Christentums-Vernunftgebrauchs/dp/3865690378/ref%3Dsr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1394113260&sr=1-1&keywords=ratzinger+albert

          Was andere zeitgenössische Vertreter der Kritischen Theorie angeht, muss man ja nur in ihre Schriften gucken, um zu überprüfen, womit sie sich schwerpunktmäßig beschäftigen und ob Kritik am Katholizismus dazu gehört.

          Nehmen wir mal drei – in meinen Augen überwiegend lesenswerte – Sammelbände, in denen verschiedene zeitgenössische Vertreter der Kritischen Theorie (die keinesfalls zwangsläufig Marxisten sein müssen, manche sind auch einfach nur wie z.B. Habermas linskliberal) ein breites Spektrum an Themen behandeln.

          1. Rainer Winter & Peter V. Zima (Hrsg.) – Kritische Theorie heute, erschienen 2007.
          Das Buch enthält neben dem Vorwort 14 Artikel von verschiedenen Autoren, die sich mit verschiedenen Theorien, Modellen und Entwürfen zur Kritischen Theorie befassen und sich mit unterschiedlichen Aspekten der Analyse und Kritik der zeitgenössischen neoliberal-kapitalistischen Gesellschaft beschäftigen. Das Buch enthät KEIN Kapitel zum Thema Religionskritik oder Kritik am Katholizismus, übrigens auch kein Kapitel zum Thema Feminismus.

          2. Alex Demirovic (Hrsg.) – Modelle kritischer Gesellschaftstheorie. Traditionen und Perspektiven der Kritischen Theorie, erschienen 2003.
          Das Buch enthält neben dem Vorwort 17 Artikel von verschiedenen Autoren, die sich mit verschiedenen traditionellen Themen der Kritischen Theorie beschäftigen, wie z.B. Rationalität und Technik, Herrschaft und Demokratie, verwaltete Welt, Sozialcharaktere und Kulturindustrie.
          In diesem Buch befindet sich unter den 17 Kapiteln auch ein Kapitel von einer der Kritischen Theorie nahestehenden Feministin (denn Feminismus war zwar nie und ist auch heute kein Schwerpunktthema der Kritischen Theorie, aber es gibt Einzelpersonen, die sich damit befassen, übrigens meist auf intellektuell anspruchsvollere Weise als im Gender-Feminismus). Das Buch enthält KEIN Kapitel zum Thema Religionskritik oder gar Kritik am Katholizismus.

          3. Joachim Beerhorst, Alex Demirovic und Michael Guggemos (Hrsg.) – Kritische Theorie im gesellschaftlichen Strukturwandel, erschienen 2004.
          Das Buch enthält neben dem Vorwort 19 Artikel von verschiedenen Autoren, die sich mit einer Vielzahl von Themen rund um eine Analyse und Kritik der zeitgenössischen neoliberal-kapitalistischen Gesellschaft in ihren verschiedensten Facetten beschäftigen. Das Buch enthält unter den 19 Artikeln auch zwei die jeweils von feministischen Autorinnen geschrieben wurden, einer davon ist allerdings von Nancy Fraser, die hier u.a. ihre Kritik am zeitgenössischen Feminismus als neoliberalismuskompatibel wiederholt. Das Buch enthält KEIN Kapitel zum Thema Religionskritik oder Kritik am Katholizismus.

          Das sind nun wie gesagt drei Sammelbände zur Kritischen Theorie, die ein breites Spektrum von Themen behanden: weit überwiegend handelt es sich um soziologisch fundierte Artikel zur Analsyse und Kritik der zeitgenössischen neoliberal-kapitalistischen Gesellschaft in ihren verschiedenen Facetten, gesellschaftlichen Teilsystemen und Bereichen, aber KEIN einziger Artikel befasst sich mit Kritik an Religion, Christentum oder Katholizismus.

          Ich kenne auch sonst keine Schrift von einem zeitgenössischen Vertreter der Kritischen Theorie, in dem das Thema wäre. Selbst wenn es eine entsprechende Schrift gäbe, wäre dies wohl eine seltene Ausnahme.

          Der neo-marxistische Islam-Kritiker Hartmut Krauss ist einer der wenigen Neo-Marxisten, die mir bekannt sind, der sich mit Religionskritik beschäftigt, aber nicht mit Kritik am Katholizismus, sondern mit Kritik am orthodoxen Islam und am Islamismus aus aufklärerisch-menschenrechtlicher Perspektive.

          Dann fällt mir noch ein Buch des der antideutschen Linken naherstehenden Autors Stephan Grigat ein, der u.a. den Islamismus kritisiert:

          Feindaufklärung und Reeducation: Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus

          http://www.amazon.de/Feindaufkl%C3%A4rung-Reeducation-Kritische-Postnazismus-Islamismus/dp/3924627932/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1404232950&sr=1-3&keywords=kritische+theorie+islamismus

          Für deine Behauptung, der Katholizismus sei der Hauptgegner der „Kulturmarxisten“ fehlt also wie üblich jegliche Evidenz. Wäre dies der Fall müsste Kritik am Katholizismus ein durchgehendes Thema in Schriften von Vertretern der Kritischen Theorie sein. Das Gegenteil ist aber der Fall!
          Mir ist keine einzige Schrift zu diesem Thema bekannt. Was es aber tatsächlich gibt, sind in meinen Augen zu unkritische, tendenziell positive Bezugnahmen auf den Katholizismus bei manchen bekannten Vertetern der Kritischen Theorie.

          „Die Meldung der massenmörderischen Nonnen wurde weit verbreitet, von der Richtigstellung bekam nur der etwas mit, der sich weiter für das Thema interessierte.“

          Und inwiefern haben Vertreter oder Anhänger der Kritischen Theorie damit etwas zu tun? Bitte belegen.

        • @ Roslin

          „Oder wissen einige Linke sehr genau, dass sie sich hier mit Kapitalisten verbünden, anschlussfähig geworden durch ihren Kulturmarxismus, der die kapitalen Grundlagen der Kapitalisten (vorerst) nicht bedroht.“

          Wie bringst du diese offenkundig falsche und völlig absurde Behauptung eigentlich mit der Tatsache in Einklang, dass die Analyse und Kritik des neoliberalen Kapitalismus und dessen Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Teilsysteme und Bereiche eines der Schwerpunktthemen von Vertretern und Anhängern der Kritischen Theorie darstellt?
          Dass Kapitalismuskritik gerade für diese Theorietradition sehr zentral ist, lässt sich ja wiederum leicht durch Schriften ihrer Vertreter belegen, (siehe z.B. die von mir oben kurz genannten Schriften, aber es gibt noch viele weitere).

          Warum behauptest du über eine Theorietradition, die nachweislich einen sehr starken Schwerpunkt auf Kapitalismuskritik legt, diese hätten sich mit Kapitalisten verbündet und würden die kapitalen Grundlagen der Gesellschaft nicht bedrohen?

        • @ Roslin

          Du hast doch selbst schon MEHRFACH erklärt, dass du noch vor einigen Jahren selbst eine unkritisch pro-feministische Einstellung hattest und erst durch Arne Hoffmanns Blog Genderama dich langsam davon gelöst hast.

          Wenn ein Konservativer wie du auf den Mainstream-Feminismus hereinfällt, dann hat er sich also einfach geirrt, wenn aber ein Linker eine unkritisch pro-feministische Einstellung hat, dann hat er böse Absichten?
          Oder wie soll man das verstehen?

          Eine wesentlich fundiertere Erklärung für die unkritische Haltung größerer Teile der zeitgenössischen Linken gegenüber dem Mainstream-Feminismus als absurde konservative/rechte Verschwörungstheorien sie bieten, hatte ich ja mal in einem längeren Kommentar gegeben:

          http://genderama.blogspot.de/2014/05/warum-ist-die-linke-so-anfallig-fur-den.html

        • Falsch gelandet, noch mal

          @ Cyrano

          *Gerade der 2. Text könnte fast 1:1 von Adorno/Horkheimer stammen: … *

          Eben.

          Ich rede nicht von Adorno, ich rede nicht von Horkheimer, sondern von MARCUSE.

          Zitat Gottfried:

          *There was also a right wing of the Frankfurt School, with which I once identified myself. Those who stood within that tradition were anything but “cultural Marxists,” for example Max Horkheimer, one of the cofounders of the Frankfurt School, who later in life became a staunch anti-Communist and anti-egalitarian. Whereas the mainstream Frankfurt School critics fired away at repressive bourgeois institutions like the nuclear family, the mavericks on the right attacked Enlightenment rationalism and impersonal bureaucracies—what I have called “the managerial state.”*

          https://www.vdare.com/articles/yes-virginia-there-is-a-cultural-marxism

        • @ Leszek

          *ist meine Interpretation diesbezüglich schon sehr plausibel.*

          Für Dich, nicht für mich. Denn Deine Belege stammen aus einer heute einseitig links dominierten Sozial-und Geisteswissenschaft, die ihre eigene Geschichte schreibt.

          Für mich nicht glaubwürdig, daher nicht relevant.

          *Einen Artikel hierzu, der sich insbesondere mit Horkheimers Sichtweise auf den Katholizismus befasst, hatte ich ja schonmal gepostet:*

          Siehe meine Anmerkung gegenüber Cyrano.

          Inzwischen hat die kulturmarxistische Linke ja auch einen weiteren Radikalisierungsprozess durchgemacht, ganz im Sinne Derridas, Zitat Gottfried:

          *Ironically, the term “cultural Marxist” had served the same function of abuse much earlier. As I noted above, in the interwar period, the Communists went after the Frankfurt School mercilessly for their lifestyle radicalism and avant-garde fashions, denouncing them (not without reason) as bourgeois decadents. The Communists insisted that these “critical theorists”, whatever they were doing, were not teaching Marx’s scientific theory of socialism.

          Little did either group of critics suspect how successful the object of their attacks would soon become in taking over Western societies, through educational, social and political institutions.

          “Cultural Marxists” have “moved beyond Marxism … into a militantly antibourgeois stance that operates independently of Marxist economic assumptions”. I think they should be viewed as heretics or a breakaway sect (like Mormonism?)*

          Weil sie independently of Marxist economic assumptions operieren, sind sie ja so interessant und unterstützenswert für Konsum-/Finanzkapitalisten.

          Das macht sie anschlussfähig.

          *Warum behauptest du über eine Theorietradition, die nachweislich einen sehr starken Schwerpunkt auf Kapitalismuskritik legt, diese hätten sich mit Kapitalisten verbündet und würden die kapitalen Grundlagen der Gesellschaft nicht bedrohen?*

          Weil ihre Vertreter schwerpunktmäßig in die Medien hineinbefördert werden, die Academia beherrschen.

          Wer hat denn die heutige Journaille ausgebildet?

          Bei wem haben sie studiert?

          Doch bei den Alt- und Post-68’er Linken, die Marcuse verehrten und ihn weiter dachten.

          *Du hast doch selbst schon MEHRFACH erklärt, dass du noch vor einigen Jahren selbst eine unkritisch pro-feministische Einstellung hattest und erst durch Arne Hoffmanns Blog Genderama dich langsam davon gelöst hast.*

          Ja und?

          Ich hatte mich bis 2006 kaum mit den Grundlagen feministischer Haltungen beschäftigt.

          Dass Frauen unterdrückt und hilfsbedürftig waren, erschien mir unhinterfragbar selbst evident.

          Zudem hätte ich mich damals noch als linksliberal eingeordnet, nicht als konservativ.

          Mir war nicht klar, wie stark die angeborenen/natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern tatsächlich sind.

          *wenn aber ein Linker eine unkritisch pro-feministische Einstellung hat, dann hat er böse Absichten?
          Oder wie soll man das verstehen?*

          Was heißt schon „böse“ Absicht?

          Kann ein Mensch die Folgen seiner Absichten wirklich überblicken?

          Ich bin mir sicher, dass die Zerstörung des kapitalistischen Wirtschaftssystemes böse Folgen haben wird, denn wir haben bisher kein besseres.

          Es wurde ja immer wieder versucht, immer mit verheerendem Ergebnis.

          Kann ich deshalb z.B. Anarchosyndikalisten böse Absichten unterstellen?

          Nein, sie sind ideologisch verblendet, naiv, aufgrund eines falschen, zu positiven Menschenbildes.

          Wie böse oder wie naiv sie wirklich sind, stellte sich erst heraus, wenn sie Macht gewönnen, ihre Ideologie in die Tat umzusetzen und an den Punkt kämen, entscheiden zu müssen, die Ideologie preiszugeben oder eine Katastrophe/Machtverlust oder Machterhaltung mittels Terror riskieren zu müssen.

          Wie würden sie sich dann entscheiden?

          Das würde darüber entscheiden, ob sie böse oder naiv sind.

          Der naive Idealist würde den Rubikon zur Machterhaltung mittels Terror nicht überschreiten, sondern die reine sozialistische Lehre drangeben wie das die Sozialisten der Kibbuzbewegung taten.

        • Wie jetzt, Roslin? Statt auf die beiden Wortführer der Frankfurter Schule, den großen Stichwortgeber von Manns Doktor Faustus, und diesen Anderen, konzentrieren wir uns auf den einen „Kulturmarxisten“, den selbst seine Freunde nur noch vom Hörensagen kennen? Leider übrigens… zur inhärenten Metaphysik des Positivismus (das Thema spricht auch Benedikt in seinen beiden Texten an) steht sehr viel Erhellendes in Der eindimensionale Mensch.

          Bist du dir sicher, dass du Katholik bist? Das sehr eklektische Verhältnis zum Wort und zu Büchern scheint mir sehr protestantisch. Ist ja gerade, wie wenn man mit Hippies diskutiert (die sind eigentlich immer Protestanten, selbst wenn sie sich Atheisten nennen). Naja, die Frage ist rhetorisch, ich lese hier gerne, das Fernsehen wird ja auch immer niveauloser, hier gibt es noch einen Abklatsch klassischer Dramaturgie zu bestaunen…

          @ Leszek: die Sympathien der Frankfurter Schule für Theologie haben ihren absolut berechtigten Grund darin, dass der moderne Atheismus Gott „abschafft“ ohne den Menschen außer vagen Versprechungen eines utopischen Wunderlandes, sei es liberal-kapitalistisch, sei es sozialistisch oder anarchistisch geprägt, irgendetwas an die Hand zu geben. Die stete Existenz metaphysischer Behauptungen (vulgär bei den Positivisten: „es gibt ein allgemein gültiges Naturgesetz“, oder die Prämisse von Occhams Razor*1) verlangen geradezu nach entsprechend metaphysischer Ausdeutung. Wie sollte man sich auch ganz gottlos auf Marx beziehen? Die gesamte Systematik Hegels ist die Herausarbeitung der Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge, die die sich auf alles Aristoteles und Platon beziehende christliche Religion dem platten Positivismus voraus hatte. Bei denen, die Hegel ablehnen, findest du, Roslin, dann auch deine Kulturwasweißichnixe. Nur sind die eben keine Marxisten, sondern Anti-Hegelianer. Gegner des systematischen Denkens. Hippies halt. Ihr solltet euch gut verstehen, so von Protestant zu Protestant.

          *1: auch schön: „wir erkennen nur als wahr an was sich empirisch bewährt hat“ – ein empirisch nicht nachprüfbarer Satz, dennoch notwendig als wahr anerkannt. Hier wird er für gewöhnlich eher so geäußert: „wahr ist nur was sich empirisch beweisen lässt“. Aber „empirisch“ und „beweisen“ würden selbst die klügeren Positivisten nicht derart in einem Satz verknüpfen.

        • @ Cyrano

          *Statt auf die beiden Wortführer der Frankfurter Schule, den großen Stichwortgeber von Manns Doktor Faustus, und diesen Anderen, konzentrieren wir uns auf den einen „Kulturmarxisten“, den selbst seine Freunde nur noch vom Hörensagen kennen?*

          Das ist ja das Erstaunliche: DER HELD und Halbgott der studentenbewegten Studenten, HERBERT MARCUSE, soll gänzlich in der Bedeutungslosikgeit verschwunden sein?

          Niemand hat ihn gelesen, niemand hat er beeinflusst?

          Das macht mich erst recht misstrauisch, nährt den Verdacht, dass da einige an ihre eigene Geschichte nicht mehr erinnert werden wollen, hoffen, sie dem Vergessen anheim geben zu können.

        • @ Roslin

          „Für mich nicht glaubwürdig, daher nicht relevant.“

          Das Motto „Ich glaube, was mir gefällt“ ist aber nicht sehr wissenschaftlich.
          Immerhin kann ich ja Belege vorweisen, die nun – eine wissenschaftliche Haltung vorausgesetzt – erstmal geprüft werden müssten, während du bislang keine Belege vorweisen kannst.

          „Inzwischen hat die kulturmarxistische Linke ja auch einen weiteren Radikalisierungsprozess durchgemacht, ganz im Sinne Derridas, Zitat Gottfried“

          Nun sind die belegfreien Behauptungen von Gottfried ja auch nur wieder belegfreie Behauptungen. Denn faktisch gibt es heutzutage ja nur noch sehr wenige „Kulturmarxisten“, wenn damit Anhänger der Kritischen Theorie gemeint sein sollen und die, die es gibt, vertreten nicht die von dir behaupteten Positionen, sondern befassen sich u.a. schwerpunktmäßig mit Kapitalismuskritik.

          Glücklicherweise ist es ja sehr einfach: Wer wissen will, was zeitgenössische Anhänger der Kritischen Theorie vertreten, der lese ihrer Schriften – und diese sind mir persönlich oft eher zu wenig radikal.

          (Und auch Derrida war keineswegs besonders radikal und hatte zudem mit der Kritischen Theorie nichts zu tun.)

          Aber es wird dich sicherlich freuen zu hören, dass Paul Gottfrieds Buch „The strange Death of Marxism“ heute bei mir angekommen ist. Ich habe es mir über die Fernleihe bestellt und dann kopiert (damit Autor und Verlag kein Geld von mir kriegen).
          Dann bin ich ja mal gespannt, was für Belege für seine und deine Behauptungen er zu bieten hat, vermutlich wie immer keine, aber ich werde es jedenfalls nachprüfen.

          „Das macht sie anschlussfähig.“

          Ihre Schriften belegen das Gegenteil. Kapitalismuskritik ist ein zentrales Thema in Schriften von Vertretern der Kritischen Theorie. Gottfrieds Behauptung ist schlicht eine Lüge.

          „Weil ihre Vertreter schwerpunktmäßig in die Medien hineinbefördert werden, die Academia beherrschen.
          Wer hat denn die heutige Journaille ausgebildet?
          Bei wem haben sie studiert?
          Doch bei den Alt- und Post-68′er Linken, die Marcuse verehrten und ihn weiter dachten.“

          Die 68er-Bewegung war nur sehr kurze Zeit von der Kritischen Theorie dominiert. Sie hatte sich bereits Anfang der 70er Jahre in zahlreiche unterschiedliche Strömungen aufgespalten, Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie waren zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Minderheit. Zudem haben sie überwiegend völlig andere Positionen vertreten als du behauptest, weder hatten sie etwas mit einem Feindbild “weißer, heterosexueller Mann”, noch mit Multikulturalismus zu tun – das gab es damals beides nicht, sondern ist erst mit der US-amerikanischen Variante des Poststrukturalismus entstanden.

          Historisch war es so, dass sich die 68er-Bewegung in Deutschland Anfang der 70er Jahre in u.a. folgende Strömungen aufspaltete:

          – die marxistisch-leninistisch-maoistischen K-Gruppen – diese lehnten den antiautoritären Neo-Marxismus radikal ab, sprachen davon die antiautoritäre (neo-marxistische) Phase zu eliminieren.

          – die aktionistische Sponti-Bewegung – eine weniger theorielastige linksalternative Subkultur, aus der sich später u.a. die autonome Szene entwickelt hat.

          – die orthodox-kommunistischen DKP – diese lehnte den antiautoritären Neo-Marxismus ab, war an Moskau orientiert.

          – Anhänger anderer klassischer Strömungen der radikalen Linken, wie Trotzkismus oder klassischer Anarchismus

          – die neue Frauenbewegung, die sich dann wiederum in zahlreiche Unterströmungen aufspaltete

          – Linksliberale

          – Anhängern östlicher Religionen, esoterischer Vereinigungen und Psychosekten

          – und dann der Rest an Neo-Marxisten/Freudo-Marxisten, die zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Minderheit waren – nur eine Strömung von vielen, die aus der 68er Protestbewegung hervorgegangen sind.

          Zudem ändern viele Menschen im Laufe ihrer Entwicklung ihre Meinung. Wenn jemand in seiner Jugend oder im frühen Erwachsenenalter Neo-Marxist war, dann muss er das doch Jahrzehnte später nicht mehr sein. Obwohl es m.E. gut wäre, wenn möglichst viele Neo-Marxisten geblieben wären, denn dabei handelt es sich um eine freiheitliche und antiautoritäre linke Tradition. Aber tatsächlich gibt es heutzutage nur noch wenige Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie und die wenigen, die es gibt, vertreten nicht die von dir behaupteten Positionen.

          Im universitären Kontext galten und gelten übrigens Adorno und Horkheimer – und nicht Marcuse – als die beiden großen Denker der Frankfurter Schule. Dies kann problemlos solchen Einführungswerken zu soziologischen Theorien entnommen werden, in welchen auf die Kritische Theorie eingegangen wird. Marcuse wird höchstens am Rande erwähnt. Als Klassiker der Soziologie gelten – zu Recht – Adorno, Horkheimer und Habermas, aber nicht Marcuse.

          Nehmen wir drei Beispiele:

          1. Dirk Kaesler – Klassiker der Soziologie Band 2. Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens

          http://www.amazon.de/Klassiker-Soziologie-Bd-Talcott-Parsons/dp/3406420893/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1404244319&sr=1-1&keywords=klassiker+der+soziologie

          Das Buch enthält ein Kapitel zu Adorno und ein Kapitel zu Habermas, aber KEIN Kapitel zu Marcuse

          2. Rudolf Richter – Soziologische Paradigmen

          http://www.amazon.de/Soziologische-Paradigmen-Einf%C3%BChrung-klassische-Uni-Taschenb%C3%BCcher/dp/3825222233/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1404244493&sr=1-1&keywords=Rudolf+Richter+-+Soziologische+Paradigmen

          Das Buch enthält Darstellungen mehrerer bekannter soziologischen Theorieschulen, u.a. auch die Kritische Theorie der Frankfurter Schule.
          Die Theorien von Adorno und Horkheimer (S. 80 – 98) und von Habermas ( S.98 – 110) werden dargestellt, Marcuse wird nur am Rande erwähnt.

          3. Jetzt mal ein politikwissenschaftliches Buch:

          Walter Reese-Schäfer – Politische Theorie der Gegenwart in achtzehn Modellen

          (Das Inhaltsverzeichnis ist einsehbar.)

          Das Buch enthält Kapitel zu verschiedenen bedeutenden politischen Denkern der Gegenwart, u.a. auch ein Kapitel zur Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers und ein weiteres Kapitel zu der politischen Theorie von Habermas – KEIN Kapitel zu Marcuse.

          So ist es m.W. immer, wenn die Kritische Theorie in einem sozialwissenschaftlichen Lehrbuch überhaupt erwähnt wird. Ich kenne keine Ausnahme, bei der auf Marcuse ausführlich eingegangen würde.

          Warum ist das so?
          Ich denke, das ist deshalb der Fall, weil die meisten von Marcuses Schriften wenig überzeitlichen Wert haben. Die meisten waren sehr zeitbezogen, beinhalten auch keine größere in sich schlüssige Theorie und sind heutzutage nicht mehr relevant.

          Ein Buch wie „Triebstruktur und Gesellschaft“ war einflussreich zur Zeit der sexuellen Revolution, aber das Buch interessiert heute keine Sau mehr.
          Was soll die zeitgenössische Soziologie oder Politikwissenschaft denn groß mit einem solchen Buch anfangen?

          Und wen sollen denn heutzutage noch Marcuses extrem zeitgebundene Schriften zur Zeit der 68er Protestbewegung interessieren. Bereits einige Jahre später waren diese schon nicht mehr aktuell.

          Übrig bleibt von Marcuse meines Erachtens nur „Der eindimensionale Mensch“. Dieses Buch von ihm halte ich auch für die heutige Zeit noch für aktuell und lesenswert. Aber noch nicht mal „Der eindimensionale Mensch“ ist ja derzeit im Buchhandel erhältlich, geschweige denn dass es in sozialwissenschaftlichen Einführungs- oder Lehhrbüchern besprochen würde.

          Marcuse ist tot innnerhalb der zeitgenössischen Linken und tot innerhalb der zeitgenössischen Geistes- und Sozialwissenschaften.

          Dass dies so ist, ist LEICHT überprüfbar. Man muss ja nur in Einführungs- und Lehrbücher zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern gucken um zu sehen, dass Marcuse dort keine Rolle spielt – genausowenig wie in linken und linksradikalen Zeitungen oder in der zeitgenössisdchen linken Theoriebildung.

        • @ Roslin

          So, ich habe Paul Gottfrieds Buch „The strange Death of Marxism“ jetzt schon mal ein bißchen quergelesen.

          Entgegen deiner Behauptungen kommt Herbert Marcuse in dem Buch kaum vor. Da das Buch ein Personen- und Sachregister enthält, sind die inhaltlichen Passagen zu Marcuse schnell zu finden. Würde man sie alle zusammenfassen, wären sie auf einer Seite des Buches unterzubringen.

          Belege für irgendeinen nennenswerten Einfluss von Herbert Marcuse auf die zeitgenössische Linke oder die zeitgenössischen Geistes- und Sozialwissenschaften enthält das Buch keine. (Wie auch? Einen solchen Einfluss gibt es faktisch nicht.)

          Der demagogische Unsinnbegriff „Cultural Marxism“ spielt nur in einigen (stark pseudowissenschaftlichen) Passagen am Anfang des Buches eine Rolle, im den späteren Kapiteln spricht Gottfried meistens von „Post-Marxist-Left“, womit er offensichtlich im Wesentlichen die poststrukturalistische und multikulturalistische Linke meint.

          Mit den ideengeschichtlichen Grundlagen des Poststrukturalismus scheint Gottfried sich nicht beschäftigt zu haben. Im Vorwort des Buches bringt Gottfried gar sein Unverständnis über den konservativen PC-Kritiker Allan Bloom zum Ausdruck, der in Nietzsche und Heidegger zwei wesentliche ideengeschichtliche Einflüsse für die Political Correctness gesehen hat.
          Hätte Gottfried sich die Mühe gemacht sich mit den ideengeschichtlichen Quellen der US-amerikanischen postmodernen Linken ernsthaft zu beschäftigen, wüsste er natürlich, warum Allan Bloom – völlig korrekt – auf Heidegger und Nietzsche verwiesen hat.

          Die Political Correctness hat sich im Wesentlichen aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus entwickelt (wofür die französischen Poststrukturalisten selbst, welche keineswegs politisch korrekt waren, aber nichts können.)
          Der französische Poststrukturalismus beruht wiederum in seinen philosophischen Grundlagen wesentlich auf Nietzsche und Heidegger. In diesem Sinne ist Blooms Anmerkung zu verstehen, er verweist einfach auf die ideengeschichtliche Linie, die von Nietzsche und Heidegger zum französischen Poststrukturalismus führt und von dort aus zum US-amerikanischen Poststrukturalismus, aus welchem wiederum Political Correctness und postmoderner Multikulturalismus hervorgegangen sind.

          Die Ignoranz von Gottfrieds Buch gegenüber dem Poststrukturalismus und dessen ideengeschichtlichen Quellen sowie der US-amerikanischen Rezeption des Poststrukturalismus macht denn auch EINE der großen wissenschaftlichen Schwächen von Gottfrieds Buch aus.

          Postmoderner Multikulturalismus, Political Correctness und postmoderne Identitätspolitik lassen sich ohne ausreichende Kenntnisse ihrer ideengeschichtlichen Quellen , die wesentlich in einer missgeleiteten US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus liegen, nun einmal nicht adäquat verstehen.

          Wie gesagt, befasst Gottfried sich in dem Buch kaum mit Marcuse.
          Allerdings scheint Gottfried eine irrationalen Hass ausgerechnet auf den kreuzbraven, linksliberalen Jürgen Habermas zu haben. Diesem widmet er viele Seiten und lässt kein gutes Haar an ihm. Bedenkt man, dass gerade Habermas ja ein scharfer Kritiker des Poststrukturalismus ist, ist das schon etwas merkwürdig, fast macht es den Eindruck Gottfried neide Habermas dessen akademischen Erfolg.

          Gottfried gibt in seinem Buch zur Abwechslung tatsächlich mal Belegquellen, freilich aber keine, die den „Kulturmarxismus“ beweisen würden.

          Die absurde und falsche Auffassung, die US-amerikanische postmoderne Linke – von Gottfried in dem Buch wie gesagt meist als „Post-Marxist-Left“ bezeichnet – wäre ideengeschichtlich aus der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule hervorgegangen (anstatt aus dem Poststrukturalismus) wird von ihm zwar an ein paar Stellen des Buches nahegelegt – vermutlich aus propagandistischen Gründen – belegt wird dies aber natürlich nicht.

          Dass Gender Studies oder Critical Whiteness Studies oder der postmoderne Multikulturalismus Unterströmungen NICHT der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule sind, sondern Unterströmungen des Poststrukturalismus, ist ja nun auch nicht ernsthaft akademisch zu bestreiten.

          Diese postmodernen Strömungen meint Gottfried nun natürlich auch, wenn er in demagogischer Formulierung darauf verweist, die „Cultural Marxists“ würden sich kaum mit Kapitalismuskritik befassen.

          „Cultural Marxists” have “moved beyond Marxism … into a militantly antibourgeois stance that operates independently of Marxist economic assumptions”.“

          In Bezug auf die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke stimmt es natürlich, dass sie wenig mit Kapitalismuskritik am Hut haben. (Eben dies kritisiert ja auch die – tatsächlich in der Tradition der Kritischen Theorie stehende – sozialistische Feministin Nancy Fraser am Gender-Feminismus.)

          Es trifft zu, dass Anhänger der in den USA entstandenen Strömungen des Poststrukturalismus sich meist wenig für Kapitalismuskritik interessieren – nur sind das eben keine Anhänger der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule.

          Tatsächliche zeitgenössische Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule befassen sich hingegen sehr wohl mit Kapitalismuskritik – siehe z.B. die von mir oben genannten Bücher zum Thema, weitere könnten genannt werden. Es ist leicht nachweisbar, dass Kapitalismuskritik für Vertreter der Kritischen Theorie – im Gegensatz zu Vertretern der US-amerikanischen Variante des Poststrukturalismus – sehr wohl ein zentrales Thema ihrer Schriften ist.

          Wie schon häufig gesagt: Der Begriff „Kulturmarxismus“ ist ein von US-amerikanischen Konservativen erfundener Unsinnsbegriff, dessen eigentlicher Bezugspunkt offensichtlich die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke ist. Von „Kulturmarxismus“ wird dabei gesprochen um eine akademisch wenig gebildete, aber antikommunistisch sozialisierte konservative Basis leichter gegen die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke zu mobilisieren – eine billige und durchschaubare Propagandalüge.

          Gottfrieds Buch widerlegt meine Analyse nicht etwa, sondern bestätigt sie voll und ganz.

        • „Dass dies so ist, ist LEICHT überprüfbar. Man muss ja nur in Einführungs- und Lehrbücher zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern gucken um zu sehen, dass Marcuse dort keine Rolle spielt“

          Ich begreife ohnehin nicht, wie sich jemand so dermaßen an Marcuse klammert als vermeintliches Problem.

        • @Leszek: im Großen und Ganzen sehr treffend dargelegt. Nur warum du immer von einer fehlgeleiteten amerikanischen Rezeption der Franzosen sprichst kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man sich anschaut welche menschenfeindlichen Projekte einige der Franzosen aufgrund ihrer „Philosophie“ schon gutgeheißen haben sind die Amerikaner vergleichsweise moderat (Foucault & Iran zum Beispiel. Seine Argumentation damals und auch seine spätere Kehre sind beinahe spiegelbildlich zu Heidegger und dem NS). Überhaupt, von Nietzsche und Heidegger führt ein ziemlich gerader Weg zur Welt als diffuse Struktur und zur Wahrheit als Ergebnis machtpolitischer Kämpfe. Entsprechend sollte ein traditioneller Nietzscheaner gGegen den Poststrukturalismus und PC auch wenig einzuwenden haben. Aber in einem ähnlich gelagerten Fall war schon Nietzsche ein ziemlicher Jammerlappen: Moral und Gesellschaftsordnung (@Roslin: die christliche!) die sein schönes griechisches Ideal niederrangen heißen dann eben „Sklavenmoral“. Schon Nietzsche hätte gegen Idpol und PC wenig einzuwenden gehabt, es sei denn er ist gerade am verlieren. Und so stellt sich auch die hiesige Antikulturmarxistische Propaganda dar.

          Und:

          „Es ist leicht nachweisbar, dass Kapitalismuskritik für Vertreter der Kritischen Theorie – im Gegensatz zu Vertretern der US-amerikanischen Variante des Poststrukturalismus – sehr wohl ein zentrales Thema ihrer Schriften ist. “

          Mehr als das, große Teile dessen was hier verwässert und versatzstückweise als Kritik des Poststrukturalismus daherkommt wurde rund um Bahamas und isf vor mittlerweile zwei Jahrzehnten schon entwickelt.

        • @ Cyrano

          „die Sympathien der Frankfurter Schule für Theologie haben ihren absolut berechtigten Grund darin, dass der moderne Atheismus Gott “abschafft” ohne den Menschen außer vagen Versprechungen eines utopischen Wunderlandes, sei es liberal-kapitalistisch, sei es sozialistisch oder anarchistisch geprägt, irgendetwas an die Hand zu geben.“

          Ich habe gegen Religion als Privatsache auch nichts einzuwenden, auch gegen Theologie oder Religionsphilosophie habe ich grundsätzlich nichts (es sei denn, sie geraten mit Menschenrechten, Demokratie und individuellen Freiheitsrechten in Konflikt). In meinen Bücherregalen stehen religiöse genauso wie atheistische oder agnostische Autoren.

          Aber wenn es über die Privatsache hinausgeht, halte ich den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft für potentiell schädlich.

          Der Forschungsstand zum Einfluss von Religion auf Gesellschaften zeigt, dass zu viel Religion sich potentiell negativ auf die soziale Gleichheit und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft auswirkt:

          http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=33229964

          Gesellschaften, die die Phase der Aufklärung noch nicht durchlaufen haben, sind zudem stets, was Menschenrechte, individuelle Freiheitsrechte und ein an den Menschenrechten ausgerichtetes Demokratieverständnis angeht, in keinem besonders wünschenswerten Zustand, weil die Strukturierung des kulturellen Wertesystems einer Gesellschaft durch religiöse Dogmen eine Bewusstseinsstruktur hervorbringt, die nur begrenzt kritisch über bestehende Verhältnisse hinausdenken und Alternativen ins Augen fassen kann.

          Kulturelle Modernisierungsprozesse setzen Säkularisierung notwendig voraus:

          http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522341.html

          http://www.amazon.de/Die-unaufhaltsame-Revolution-islamische-ver%C3%A4ndern/dp/3492051316/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1404569425&sr=1-2&keywords=emmanuel+todd

          Da ich weder das Leben in einer „traditionellen christlichen Kultur“ der christlichen Rechten noch im islamistischen Gottesstaat für besonders wünschenswert halte, halte ich daher Religionskritik als Korrektiv gegen solche Bestrebungen für wichtig.

          Gegen das Recht auf Religion als Privatsache richte ich mich dabei wie gesagt nicht. Über die Weltsicht eines menschlichen Individuums hinsichtlich metaphysischer Fragen hat m.E. kein anderer zu bestimmen. Aus genau diesem Grund lehne ich allerdings auch religiöse Erziehung grundsätzlich ab, (jede andere Form von ideologischer Indoktrination von Kindern allerdings auch.)

          „im Großen und Ganzen sehr treffend dargelegt. Nur warum du immer von einer fehlgeleiteten amerikanischen Rezeption der Franzosen sprichst kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man sich anschaut welche menschenfeindlichen Projekte einige der Franzosen aufgrund ihrer “Philosophie” schon gutgeheißen haben sind die Amerikaner vergleichsweise moderat“(Foucault & Iran zum Beispiel. Seine Argumentation damals und auch seine spätere Kehre sind beinahe spiegelbildlich zu Heidegger und dem NS).“

          An diesem extremen intellektuellen und moralischen Aussetzer von Foucault gibt es sicher nichts zu verteidigen. Trotzdem erscheint mir seine Kehre glaubwürdiger als die von Heidegger.

          Das Hauptproblem des französischen Poststrukturalismus in seiner frühen Phase war m.E. Relativismus in drei Ausprägungen: Wahrheitsrelativismus, moralischer und anthropologischer Relativismus. Dass Relativismus genauso autoritäre Implikationen haben kann wie Dogmatismus mussten die französischen Poststrukturalisten dann im Laufe ihrer geistigen Entwicklung lernen. Mehrere (nicht alle) ihrer relativistischen Fehlgriffe und sonstigen Einseitigkeiten und Übertreibungen in ihrer Anfangsphase wurden ja später wieder von ihnen verworfen. Insofern kann man m.E. einen unreiferen und einen reiferen französischen Poststrukturalismus unterscheiden.

          Aber trotz seiner Fehler bewahrt der französische Poststrukturalismus m.E. zumindest in seinen reiferen Formen im Wesentlichen die antiautoritäre Tradition der Neuen Linken. Ich rezipiere Philosophien ja stets unter der Perspektive – Was sind die Teilwahrheiten, was sind die Einseitigkeiten und Fehler? – und ich möchte z.B. auf die machtanalytischen Beiträge der französischen Poststrukturalisten, auf ihre Erkenntnisse zum Eingebundensein des Subjekts in kulturelle Diskurse (die ja nur in ihrer biologieblinden Einseitigkeit und Übertreibung kritikwürdig sind, aber nicht an sich falsch), so wie auf Diskursanalyse und Dekonstruktion als methodische Werkzeuge nicht verzichten.

          Der französische Poststrukturalismus kann durchaus auch auf Elemente hin befragt werden, die potentiell pc-kritisch sind, z.B. Foucaults Pastoralmachttheorie oder Derridas Postulat der Undekonstruierbarkeit zentraler moralischer Werte, welches die Dekonstruktion wieder stärker an ein universalistisches Moralverständnis anbindet. Und man kann die Teilwahrheiten des französischen Poststrukturalismus z.B. hinsichtlich Machttheorien und Subjektkonstitution potentiell zu den Erkenntnissen anderer geistiger Traditionen fruchtbar in Beziehung zu setzen, so dass sie genutzt werden können ohne in die typischen poststrukturalistischen Einseitigkeiten zu verfallen.

          Im den dogmatischeren Varianten des US-amerikanischen Poststrukturalismus scheint mir jener antiautoritäre Impuls, der im französischen Poststrukturalismus trotz seiner Fehler m.E. dominiert hat, weitgehend erloschen. Daher spreche ich hierbei ja oft auch von Vulgär-Poststrukturalismus.
          Die französischen Poststrukturalisten haben interessante Wege genau wie Irrwege beschritten und haben sich dabei aber weiter entwickelt.
          Die dogmatischen und politisch korrekten Formen des US-amerikanischen Poststrukturalismus (mit Definitionsmacht, extremer Identitätspolitik, den Norm-Feindbildern: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich, PC-Sprachumerziehungsmaßnahmen etc.) sind hingegen m.E. im Wesentlichen autoritäre Ideologien, die lediglich im emanzipatorischen Gewand daherkommen.

          In den dogmatischen und politisch korrekten Versionen des US-amerikanischen Poststrukturalismus bleibt vom Poststrukturalismus wenig anderes übrig als die Transformation des Wahrheitsrelativismus in einem neuen Dogmatismus, des moralischen Anti-Universalismus in extreme Identitätspolitik und des anthropologischen Relativismus in einen neuen impliziten und uneingestandenen Essentialismus.

          Man könnte hier vom dialektischen Umschlag ins Gegenteil sprechen, womit wir wieder bei Hegel wären. 🙂

          Daher ist mir persönlich die Unterscheidung zwischen französischem Poststrukturalismus und US-amerikanischem Poststrukturalismus wichtig. In diesem Punkt stimme ich Julia Kristeva (als poststrukturalistischer PC-Kritikerin) zu:

          „Mehr als das, große Teile dessen was hier verwässert und versatzstückweise als Kritik des Poststrukturalismus daherkommt wurde rund um Bahamas und isf vor mittlerweile zwei Jahrzehnten schon entwickelt.“

          Hättest du da Links oder Literaturtipps zu?

        • Hallo Leszek,

          eine Weile her, dass du geantwortet hast und eine noch größere Weile, dass ich diese Antwort entdeckt habe. Drum versuche ich, ehe es sowieso nur untergeht in aller Kürze (wieder) zu antworten:

          „Aber wenn es über die Privatsache hinausgeht, halte ich den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft für potentiell schädlich.“

          mir ging es weniger um den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft, als um das was du Teilwahrheiten nennst. Im Falle der Religion unterschlägt die moderne Religionskritik sehr gerne eine Teilwahrheit, die durchaus für das Ganze stehen darf. Den implizit immer vorausgesetzten Zusammenhang aller Erscheinungen. Was die erkenntnistheoretischen Grundlagen eines Nachdenkens über empirisches betrifft war zum Beispiel das Christentum bei Aquinas noch sehr viel weiter als viele Denker heute. Letztendlich geht es mir in der Kritik des Neuen Atheismus um das folgende:

          „Frühere Atheisten, angetreten mit dem Anspruch die Fesseln, die die Religion den Menschen anlegt, zu zerschlagen, konnten sich den gefesselten Menschen ohne Gott nicht vorstellen. Die neuen Atheisten wollen den Menschen sich nicht mehr vorstellen. Solcherart Atheismus ist Aufklärungsverrat, selbst in einer Welt, die von der Religion noch immer durchdrungen ist, ist er regressiv. So entblödet man sich etwa nicht, einen Zusammenhang zwischen Armut und (organisierter) Religiosität festzustellen, nur um die These aufzustellen, dass Religionskritik den Armen die Mittel in die Hand geben werde, aus der Armut auszubrechen. Armut wird so zum individuellen Problem, die systemischen Bedingungen, unter denen sich Armut reproduziert werden geleugnet. Den Kantschen Imperativ zur „Befreiung des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ variierend wird so eine gesellschaftlich bedingte Unmündigkeit in eine Selbstverschuldete, ja, in eine natürliche, umgelogen. “

          vgl. http://sonntagsgesellschaft.wordpress.com/2013/11/24/nachtrag-zum-thema-kometen/ und
          http://sonntagsgesellschaft.wordpress.com/2013/11/17/keinen-gott-brauchen-wir-nicht/

          Weiter:

          „Gesellschaften, die die Phase der Aufklärung noch nicht durchlaufen haben, sind zudem stets, was Menschenrechte, individuelle Freiheitsrechte und ein an den Menschenrechten ausgerichtetes Demokratieverständnis angeht, in keinem besonders wünschenswerten Zustand, weil die Strukturierung des kulturellen Wertesystems einer Gesellschaft durch religiöse Dogmen eine Bewusstseinsstruktur hervorbringt, die nur begrenzt kritisch über bestehende Verhältnisse hinausdenken und Alternativen ins Augen fassen kann.“

          sehe ich im Großen und Ganzen genauso, ob wohl ich nach der Shoa recht vorsichtig mit einem Geschichtsmodell wäre, dass die Aufklärung als Phase ansieht. Auch moderne islamische und islamistische Gesellschaften sind ja nicht einfach unaufgeklärt, sondern reagieren ganz spezifisch und oft mit den Mitteln der Moderne auf die Moderne (Iran und Atombombe)

          „An diesem extremen intellektuellen und moralischen Aussetzer von Foucault gibt es sicher nichts zu verteidigen. Trotzdem erscheint mir seine Kehre glaubwürdiger als die von Heidegger.“

          glaubwürdiger von mir aus, inhaltlich überzeugender nicht. Ich habe im Moment keinen Zugriff auf die Quelle, aber letztendlich war es die gleiche Argumentation: die islamische Revolution im Iran war nicht a-politisch genug, dagegen feierte Foucault noch das Blutvergießen abseitiger islamischer Gruppen. Bei Heidegger war es genauso, die Nazis waren nicht eigentlich genug. Der entscheidende Unterschied für mich ist, dass in Wahnsinn und Gesellschaft und die Ordnung der Dinge durchaus Befunde drin stehen, die eigentlich kein denkender Mensch ignorieren kann.

          Was mich bei der Unterscheidung zwischen amerikanischen und französischen Poststrukturalismus wundert ist, wer sind denn die bedeutenden Amerikaner abseits agressiverr Studenten? Denn dass Studenten meist radikaler auftreten als ihre Professoren sollte bekannt sein, meist sind sie dann jenseits der 30 ziemlich genau auf der Linie des hiesigen Blogbetreibers. Aber Theoretiker die in ihrer Bedeutung an Derrida und Foucault heranreichen, Chomsky womöglich, aber der scheint mir im Bereich Gender unwichtig, fallen mir keine ein.

          „„Mehr als das, große Teile dessen was hier verwässert und versatzstückweise als Kritik des Poststrukturalismus daherkommt wurde rund um Bahamas und isf vor mittlerweile zwei Jahrzehnten schon entwickelt.“
          Hättest du da Links oder Literaturtipps zu?“

          Es gab damals in der Bahamas die Serie „Infantile Inquisition“, die sehr stark auf Freud zurückgreift, und abseits davon eine sehr heftige Auseinandersetzung im Umfeld der Zeitschrift Phase 2, die früher auf nadir dokumentiert war. Es gibt einen frühen Text zur Kritik des gesamten Definitionsmacht – Konzepts aus dem deutschen Umfeld der Situationistischen Internationalen, aber das Teil wiederzufinden dürfte aufwändig sein.

    • @ Alexander

      „um Hindernisse für den globalisierten Kapitalismus aus dem Weg zu räumen (Familie, Nationalstaat, religiöse Solidaritäten etc. – alles, was dem allein Sinn stiftenden Konsumhedonismus noch im Wege steht, meist “konservative” Werte/Orientierungen übrigens).“

      Paradoxerweise führen diese Vorgänge
      gerade dazu, dass die Voraussetzungen
      für den Konsumhedonismus, nämlich
      breit gestreuten Wohlstand, mittelfristig
      durch Demotivation der aktuellen und
      vor allem der zukünftigen Erzeuger
      von Überschüssen, zerstört wird.

      Bei Dalrock findet man gutes Material
      zum Zusammengehen von Linken/Feministen
      und Kosevativen.

      http://dalrock.wordpress.com/2014/01/03/more-ominous-than-a-strike/

      Er kommt auch zum Schluss, dass es falsch
      ist das Verhalten vieler Männer als
      Heiratsstreik zu bezeichnen. Ein Streik
      könnte durch Verhandlungen mit den
      Streikführern gelöst werden. Die gibt
      es aber nicht. Es ist die logische
      Reaktion der Männer als Individuen
      auf das falsche Anreizsystem. Der
      Vorgang unterliegt einer gewissen
      Trägheit, aber das Endresultat ist
      schon jetzt absehbar.

      http://dalrock.wordpress.com/2014/01/03/more-ominous-than-a-strike/

      There was an old joke in the Soviet Union to the effect of:

      We pretend to work. They pretend to pay us.

      • @ Red Pill

        *Paradoxerweise führen diese Vorgänge
        gerade dazu, dass die Voraussetzungen
        für den Konsumhedonismus, nämlich
        breit gestreuten Wohlstand, mittelfristig
        durch Demotivation der aktuellen und
        vor allem der zukünftigen Erzeuger
        von Überschüssen, zerstört wird.*

        Sicher, aber wer denkt denn heute noch langfristig?

        Gewinnmaximierung auf kurze Sicht, das erwartet der Anleger, der Politiker denkt von Wahlkampf zu Wahlkampf und Wahlkampf ist eigentlich immer irgendwo.

        Also: Wer denkt denn noch in Generationen, wenn wir am Ende doch alle bloß tot sind?

        • @ roslin

          Letztendlich sind das allzu viel Gedanken um ein tot gerittenes Pferd…

          Der „letzte Mensch“ wird bald abgepflückt…die nächsten warten schon….

  6. @ ratloser

    *Letztendlich sind das allzu viel Gedanken um ein tot gerittenes Pferd…

    Der “letzte Mensch” wird bald abgepflückt…die nächsten warten schon….*

    Auch das ist richtig.

    Aber wie Du an den aufgeregten Reaktionen siehst: Die letzten Menschen zappeln noch.

    Und wer weiß, wie sehr sie noch um sich schlagen werden, wenn auch sie erkennen, dass ihre Zeit gekommen ist.

    Das Urteil ist gesprochen, es wird gerade vollstreckt, langsam. Noch beißt die Garotte nicht allzu heftig.

    Aber das wird sich ändern in ganz wenigen Jahrzehnten.

    Es geht ja Schlag auf Schlag.

    Man braucht sich nur die Zusammensetzung der Kindergartenbevölkerung in deutschen Großstädten anzusehen.

    • @ roslin

      Rechtsfreie Räume sind der Beginn…und die gibt es ja bereits.

      Am Ende zappeln die meisten Menschen, außer sie sind sediert oder geben sich hin.

      Die dekonstruktivistische Autosedierung nimmt bizarre Formen an.

      Zwei GermanistINNEN (ich bleibe dabei, es gibt eine geschlechtliche Polarisierung von bullshit) entdecken das „Kiez-Deutsch“ als Anzunehmendes..

      http://www.welt.de/vermischtes/article129589372/Gehst-du-Bus-Kiezdeutsch-gibts-bald-ohne-Kiez.html

      Das hat ja auch was von sich dem Strom hingeben…auf historischen Photographien eines Lingchi sieht man oft einen agonal transzendierten Ausdruck auf dem Gesicht der Delinquenten…

      Häuten ist ja auch eine beliebte Tötungsart ideologisch besonders Verachtenswerter durch die Boko Haram.

      Nichtsdestotrotz, das Abpflücken wird für die meisten kein schönes werden….nichts, dem Genuß folgt…die meisten transzendieren nicht…die zappeln…

      • @ Ratloser

        Schlichtere Sprache verhilft zu schlichterem Denken.

        Schlichteres Denken beruhigt, hilft beim Sedieren.

        Gerade in unserer gegenwärtigen Situation.

        Sedierte Menschen erleichtern das Geschäft der Geschäftigen.

        Je länger die Menschen nicht erkennen, dass das Licht am Ende des Tunnels das eines entgegenkommenden Zuges ist, umso leichter und tiefer kann man sie in den Tunnel hineinführen.

        • @ roslin

          Man muss sie nur dazu bringen, sich über den Mossbewuchs an der Tunnelwand aufzuregen oder aber glucksend blinde Kuh zu spielen….

  7. Pingback: Warum ich Antifeminist bin | emannzer

  8. Ich finde es immer wieder interessant, was sich hier aktuell und teilweise für Disussionen aus diesen simplen – und nachvollziehbaren Regeln von Steven Sailer – entwickelt haben.

    Wäre es nicht sinnvoller über diese 2 Sätze zu sprechen, als ellenlang theoretische Abhandlungen über dies und das zu verfassen oder zumindest „Schlichtere Sprache verhilft zu schlichterem Denken“ etwas anzunehmen?

    kiss: keep it simple and stupid:

    „- When feminists can blame men, they blame “men.”

    – When feminists would have to blame women, they blame “society” or “our culture“

    Recht hat der Mann, denn genau so läuft es aktuell und funktionierte es in der Vergangenheit:

    -> Schuldgefühle einimpfen und immer wieder darauf herumreiten. Zurnot geht auch *mimimi* oder persönlich werden (ad personam Rabulistik). Ganz wichtig dabei: vom Thema ablenken und Rechtfertigungszwänge konstruieren (oder diese zumindest zu erhoffen …)

    -> Wenn das nicht funktioniert, dann wird eben die unterstellt ‚böse‘ Vergangenheit auf die Gegenwart und Zukunft portieren und alles, nur nicht sich selbst als Täter hinstgestellt. Zurnot muss die gesamte Gesellschaft, Kultur etc. haften.

    Wenn man diese Mechanismen einer Scheinrhetorik dahinter einmal erkannt hat – und eigene Emotionen ausblenden kann, dann erkennt man imho auch die real existierenden Blicke durch die Fensterscheibe. *ups* das ist jetzt wohl eine „Gläserne Frontale“ …

    Shame on me 😉

  9. „Weibliche Veranwortung kommt aber in
    feministischen Theorien nicht vor. Sie ist
    allenfalls die Anpassung an die Lage, wie sie
    nun einmal für eine Frau innerhalb einer
    patriarchischen Gesellschaft leider notwendig ist.“

    Was natürlich nicht stimmt.
    Besonders in der Diskussion um weibliche Mittäterschaft im 3.ten Reich gab es diesbezüglich einige Diskussionen unter Feministinnen. Es wurde weitgehendst anerkannt, das Frauen nicht nur passive Opfer waren, die man zum mitmachen gezwungen hatte.
    Eigentlich eine banale Einsicht.
    Siehe dazu: Andrea Trumann – Feministische Theorie.

    • @Basementboi

      „Besonders in der Diskussion um weibliche Mittäterschaft im 3.ten Reich gab es diesbezüglich einige Diskussionen unter Feministinnen. Es wurde weitgehendst anerkannt, das Frauen nicht nur passive Opfer waren, die man zum mitmachen gezwungen hatte.“

      Vielleicht meinst du diese Diskussion hier nach Thürmer-Rohrs

      https://allesevolution.wordpress.com/2010/10/01/das-recht-mit-taterin-zu-sein/

      Auch da wird es von vielen Feministinnen- wenn ich das richtig verstehe – aber nur als „Leben unter dem Patriarchat“ gesehen, also als Folge davon, dass man sich in irgendeiner Form mit dem Patriarchat abfinden muss und es deswegen stützt.
      Thürmer Rohrs selbst scheint es ja durchaus als eigenständiges Handeln im eigenen Interesse zu sehen
      http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-91972-0_11#page-1

      Damit steht sie aber aus meiner Sicht ziemlich alleine. Ein wirkliches konsequentes Durchdenken dieser Richtung im Feminismus oder ein einbeziehen in die feministische Theorie sehe ich nicht

    • @Basementboi

      „Besonders in der Diskussion um weibliche Mittäterschaft im 3.ten Reich gab es diesbezüglich einige Diskussionen unter Feministinnen. Es wurde weitgehendst anerkannt, das Frauen nicht nur passive Opfer waren, die man zum mitmachen gezwungen hatte.“

      Vielleicht meinst du diese Diskussion hier nach Thürmer-Rohrs

      https://allesevolution.wordpress.com/2010/10/01/das-recht-mit-taterin-zu-sein/

      Auch da wird es von vielen Feministinnen- wenn ich das richtig verstehe – aber nur als „Leben unter dem Patriarchat“ gesehen, also als Folge davon, dass man sich in irgendeiner Form mit dem Patriarchat abfinden muss und es deswegen stützt.
      Thürmer Rohrs selbst scheint es ja durchaus als eigenständiges Handeln im eigenen Interesse zu sehen
      http://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-91972-0_11#page-1

      Damit steht sie aber aus meiner Sicht ziemlich alleine. Ein wirkliches konsequentes Durchdenken dieser Richtung im Feminismus oder ein einbeziehen in die feministische Theorie sehe ich nicht

    • „Frauen die Einsicht zu vermitteln, das sie nicht zwangsläufig in Passivität verharren müssen, sondern handelnde Subjekte sind.“

      In einer vernünftigen Sozialtheorie sind Menschen generell handelnde Subjekte. Insofern braucht es da kein Konzept Mittäterschaft. Dass solch eines notwendig war, kann nur an der schwachen Sozialtheorie des Feminismus liegen.

      • Das es bis 1994 gedauert hat, bis diese banale Einsicht sich durchgesetzt hat, ist das eigentliche erstaunliche. Es wird sich damit erklärt, das Verdrängung und Schuldabwehr deutsche Feministinnen davon abgehalten haben soll, die Verantwortung von Frauen im 3ten Reich (und letztendlich im Patriarchat) genauer zu analysieren.
        Tatsächlich herrschte vorher ein binäres gut & böse denken, bei denen Frauen immer Opfer und Männer im Täter waren.

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