„Das Patriarchat hat mein Smartphone zu groß für meine Hände gemacht“

In einem bemerkenswerten Beitrag beschwert sich Zeynep Tufekci (Assistant Professor in Harvard) ,dass sie mit ihrem Smartphone, einem Nexus 4, keine klaren Photos machen kann, weil es einfach zu groß für ihre Frauenhände ist:

I cursed the gendered nature of tech design that has written out women from the group of legitimate users of phones as portable devices to be used on-the-go.

I cursed that what was taken for granted by the male designers and male users of modern phones was simply not available to me.

I cursed that I could not effectively document how large numbers of ordinary people had come to visit a park were being massively tear-gassed because I simply could not take a one-handed picture.

I especially cursed that I could not lift the camera above my head, hold it steadily *and* take a picture—something I had seen countless men with larger hands do all the time.

I’m 5 foot 2 inches on a good day and my hands are simply not big enough for effective one-handed use of the kind of phones that I want to use for my work.

Und sie ergänzt später:

There is no rule that says the screen size must get bigger with each upgrade in memory or capabilities, and yet it does. For most men, it’s just one small, added benefit. For many women, though it’s a reminder that the tech industry doesn’t always remember or count your existence.

Just so we are clear: I don’t want a pink phone, I don’t want “women’s applications” and I don’t want ruffles or hello kitty on my phone.

I merely want a design that acknowledges that women exist, and women often have smaller hands than men.

Warum sie sich dann kein kleineres Handy kauft als das Nexus, mit einr Größe von 5.27 x 2.7 x 0.35 Zoll und einem Bildschirm von 4,7 Zoll ist mir ein Rätsel.

Ein anderer Beitrag (von dem ich auch den Titel geklaut habe) geht ebenfalls darauf ein:

When she complains that she can’t operate the beast with one hand, it’s tempting to ask, “Well, instead of blaming the patriarchy, why didn’t you buy something a bit smaller?”*

The iPhone 5, for instance, is roughly 10 percent shorter and 20 percent skinnier. And you’re not sacrificing much, performance-wise: I assure you, you can grab some pretty great shots with the dainty iPhone camera. Or maybe she could’ve gotten one of those nifty new phones with the buttons on the back to ease one-handed use?

Aber auch auf dem Android-Bereich sind genug Handys mit 4.0 oder 4.3 Zoll verfügbar.

Dort heißt es weiter:

It is not annoying that she would want a phone that better fits her hands. It is annoying that she would blame society for her poor choice in mobile. (…) When one views life through the prism of gender—when one can’t help but see some sort of conspiracy, accidental or otherwise, in something as simple as the mobile phone market—it becomes easier to demand that debate be shut down.

Eigentlich ein schönes Beispiel dafür, wie innerhalb dieser Denkweise Verantwortung abgegeben wird  und damit weibliche Unterverantwortlichkeit gefördert wird. Auch interessant, wie in dem Beispiel weibliche Produktdesigner ausgeblendet werden und anscheinend davon ausgegangen wird, dass keinerlei Frauen an der Entwicklung beteiligt waren, aber einfach dennoch mit größeren Smartphones zurechtkommen.

Ich kenne einige Frauen, die ein Smartphone mit einem 4.7 Zoll Bildschirm haben und damit sehr zufrieden sind. Ich kenne andere, allerdings auch Männer, denen der Bildschirm zu groß ist und die sich daher ein kleineres Smartphone gekauft haben.

Hier wird einfach konstruiert, dass Frauen gezwungen werden, größere Smartphones zu kaufen, weil Patriarchat. Eine eigene Entscheidung und ein Überblick über den Markt wird ihnen anscheinend nicht zugetraut.

Schön auch einer der Kommentare:

This article is outrageous! What other reason could there be for phones to be big other than the Patriarchy seeking to only benefit men with the sum of human knowledge at HIS fingertips?

People, I mean people in their natural state without the Patriarchy, prefer to watch video on smaller screens, just as pre-Patriarchy people preferred living at one with Mother Gaia before the Patriarchy brought agriculture.

If science and engineering weren’t such male-dominated fields, they’d have certainly come up with a way to make a small phone have a large screen by now.

 

Warren Farrell: Gleichzeitig (Anti-)Feminist und (Anti-)Maskulist sein, je nach Fall

Leser Leszek liefert zur gestrigen Diskussion noch ein Zitat von Warren Farrell:

Ein Original-Zitat von Warren Farrell hierzu aus “Mythos Männermacht” lautet:

„Ich bin Männerrechtler (oder Maskulist), wenn Männerrechte und Männerbefreiung mit gleichen Chancen und gleicher Verantwortung für beide Geschlechter definiert werden. Ich bin ein Frauenrechtler, wenn Feminismus gleiche Chancen und Verantwortung für beide Geschlechter propagiert. Ich stehe im Widerspruch zu beiden Bewegungen, wenn eine sagt, unser Geschlecht ist das unterdrückte Geschlecht, deswegen haben wir Anspruch auf bestimmte Vorrechte“. Das ist nicht die Befreiung, sondern die Machtergreifung eines Geschlechtes.” (Warren Farrell, Mythos Männermacht, S. 29)

Das scheint mir eine durchaus versöhnliche These zu sein, die einem humanistischen Ansatz entspringt: Ungerechtigkeiten dort anprangern, wo man sie findet. Fehler dort ansprechen, wo man sie findet. Versuchen beiden Geschlechtern gegenüber gerecht zu sein.

„Wenn du Kritik an meiner Meinung äußerst, dann gehörst du zur Gegenseite“

Eine leider im radikalen Maskulismus (und auch im radikalen Feminismus) anzutreffende Auffassung ist ein sehr starkes Freund-oder-Feind-Denken, dass oft geradezu einen gewissen Verschwörungscharakter hat.

Es scheint mir insbesondere in der Ausrichtung:

„Du kritisierst etwas an meiner maskulistischen Theorie oder meinen maskulistischen Ansichten, die dir zu weit gehen, also musst du Feminist sein“

Das ist natürlich ein altes Spiel, bei dem man ein „wer nicht für uns ist, der ist gegen uns“ benutzt, um jedem, dem es auf eine Zuordnung zur Gruppe ankommt, mit einem Ausschluss aus der Gruppe zu drohen, indem man ihm dem Feind zuordnet.

Das klappt aber natürlich auch nur, wenn man zum einen eine sehr geschlossene Gruppe hat, über deren Zusammensetzung man bestimmen kann und zum anderen sich derjenige, der damit bedacht wird, einerseits nicht aus dieser Gruppe ausgeschlossen und andererseits der anderen Gruppe nicht zugeordnet werden möchte.

Und es scheint einige radikale (und nach meiner Beobachtung häufig auch: fundamentale) Maskulisten zu überraschen:

Ich möchte gar nicht dem radikalen Maskulismus oder einem Maskulismus mit einem solchen Gruppendruck zugeordnet werden.

Ich möchte einem Maskulismus zugeordnet werden, der im Grundsatz humanistisch ist, der Kritik an sich selbst zulässt und der die recht simple Logik versteht, dass man einen Teil einer Bewegung ablehnen oder kritisieren kann, mit einem anderen Teil dieser Bewegung aber einverstanden sein kann und deswegen noch lange nicht gegenteilige Ziele vertreten kann. Das einzige, was die Frage, ob ich ein Feminist / ein feministisches U-Boot bin, wenn ich aus meiner Sicht zu radikale oder falsche Punkte kritisiere, bewirkt, ist, dass ich denjenigen für zu dumm / zu radikal/zu fanatisch halte, diesen recht einfachen Unterschied zu verstehen.

Es wird solche Menschen vielleicht auch erschrecken, dass man einen Großteil feministischer Theorie für vollkommen falsch halten kann, aber dennoch einen gemäßigten Feminismus neuer Machart für möglich und für richtig halten würde. Und das man Humanismus im Geschlechterbereich durchaus so definieren kann, dass man beide Seiten betrachten muss und einen daher die Bezeichnung als Feminist in dem Sinne, dass man natürlich auch gegen ungerechtfertigte Benachteiligungen von Frauen vorgehen würde, gar nicht ablehnen muss.

 

 

Geschlechterunterschiede im Gesicht als Anpassung an Kampf?

Eine Studie wirft die These auf, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf eine verstärkte Anpassung der Männer an Kämpfe beruhen könnte:

When humans fight hand-to-hand the face is usually the primary target and the bones that suffer the highest rates of fracture are the parts of the skull that exhibit the greatest increase in robusticity during the evolution of basal hominins. These bones are also the most sexually dimorphic parts of the skull in both australopiths and humans. In this review, we suggest that many of the facial features that characterize early hominins evolved to protect the face from injury during fighting with fists. Specifically, the trend towards a more orthognathic face; the bunodont form and expansion of the postcanine teeth; the increased robusticity of the orbit; the increased robusticity of the masticatory system, including the mandibular corpus and condyle, zygoma, and anterior pillars of the maxilla; and the enlarged jaw adductor musculature are traits that may represent protective buttressing of the face. If the protective buttressing hypothesis is correct, the primary differences in the face of robust versus gracile australopiths may be more a function of differences in mating system than differences in diet as is generally assumed. In this scenario, the evolution of reduced facial robusticity in Homo is associated with the evolution of reduced strength of the upper body and, therefore, with reduced striking power. The protective buttressing hypothesis provides a functional explanation for the puzzling observation that although humans do not fight by biting our species exhibits pronounced sexual dimorphism in the strength and power of the jaw and neck musculature. The protective buttressing hypothesis is also consistent with observations that modern humans can accurately assess a male’s strength and fighting ability from facial shape and voice quality.

Quelle: Protective buttressing of the hominin face

Protective Buttressing ist sozusagen das Einziehen besonderer Stützpfeiler in der Architektur, also ein Verstärken von besonders belasteten Bereichen. Die Studie führt einige interessante Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf:

Although humans are generally viewed as exhibiting low to moderate levels of sexual dimorphism (McHenry, 1994; Plavcan, 2001, 2012; Reno et al., 2003), the relatively low body mass dimorphism of humans is largely a consequence of human females having substantial fat stores (Pond & Mattacks, 1987). When fat-free masses are compared, men are 41% more massive (Mayhew & Salm, 1990; Lassek & Gaulin, 2009) and have 48–65% more muscle mass than women (Illner et al., 2000; Abe, Kearns & Fukunaga, 2003; Kim et al., 2004; Shen et al., 2004). As in gorillas (Zihlman & McFarland, 2000) and australopiths (McHenry, 1986, 1991, 1996), the upper body of humans exhibits more sexual dimorphism in size and strength than do the legs (Abe et al., 2003; Raadsheer et al., 2004; Lassek & Gaulin, 2009; Price et al., 2012). Among young adults, the muscles of the arm are 69–109% stronger in males than in females, whereas strength dimorphism of leg muscles range from only 23 to 66% (Bohannon, 1997). The most sexual dimorphic part of the human body, in terms of muscular strength, may be the neck. Maximum moments produced by the muscles of the neck are 100–150% greater in men than in women (Vasavada, Li & Delp, 2001). Pronounced sexual dimorphism in cervical muscles is surprising given that humans do not fight by biting with the jaws. However, as discussed above, energy absorption by the muscles of the neck can protect against concussion when the head is struck. Thus, humans do show very high levels of sexual dimorphism in the parts of the postcranial musculoskeletal system that appear to be most important in fighting (Lassek & Gaulin, 2009; Puts, 2010; Carrier, 2011; Sell, Hone & Pound, 2012; Morgan & Carrier, 2013).

Because sexual dimorphism is often greatest in those characters that enhance a male’s capacity to dominate other males (Clutton-Brock & Harvey, 1977; Parker, 1983; Andersson, 1994), the observation that the face is the primary target when males fight leads to the expectation of sexual dimorphism in buttressing of the human face (Puts, 2010). The protective buttressing hypothesis predicts that the most dimorphic parts of the hominin skull will be those that are most frequently injured during fighting, namely the mandible, nasal region, zygomatic arch, orbit and maxilla.

Also erheblich mehr Muskeln bei Männern, aber auch an Stellen, an denen sie eigentlich nur zum Auffangen von Energie Sinn machen.

As predicted, the parts of the human facial skeleton that exhibit marked sexual dimorphism are also the parts of the skull that most frequently fracture when people fight (Table 1). First, as described above, the face of humans exhibits much more sexual dimorphism than the neurocranium and fractures of the face as a result of fighting are much more common than fractures of the neurocranium (Shepherd et al., 1990; Boström, 1997). Second, although relative frequency of fracture type varies among the studies included in Table 1, the sites of facial fracture are the same in each study. Of the mandibular fractures in the Bristol study, 25.4% were to the condyle or coronoid, 35.6% were to the ramus, 35.6% to the angle, and 3.4% to the symphysis. Additionally, the nasal region, zygoma and orbit are also sites of frequent injury and exhibit relatively high sexual dimorphism. Thus, a dramatic correspondence exists between the parts of the skull that are most sexually dimorphic and the parts that most frequently fracture during fighting.

Es zeigen sich also gerade dort mehr Unterschiede, wo zur Vermeidung eines Kampfes Verstärkungen notwendig waren.

Given that humans have relatively small canine teeth, exhibit low canine sexual dimorphism (Frayer & Wolpoff, 1985; Wood et al., 1991; Plavcan & van Schaik, 1997) and rarely bite during fighting (Shepherd et al., 1990; Boström, 1997), it is puzzling that humans exhibit significant sexual dimorphism in the strength of their jaw adductor muscles. Five studies that measured maximum bite force in men and women indicate that, on average, men produce 34.3 ± 10.5% (mean ± S.D.) greater forces than women (Klatsky, 1942; Waltimo & Könönen, 1993; Braun et al., 1995; Raadsheer et al., 2004; van der Bilt et al., 2008). This level of sexual dimorphism is only 7–20% below estimated sexual dimorphism in bite force of gorillas and orangutans (Demes & Creel, 1988; Eng et al., 2013); species in which biting is an important male fighting behaviour. The human masseter muscle also exhibits substantial gender differences in the proportion of fast-twitch (type II) muscle fibres. The average cross-sectional area of type II fibres in the masseter muscle averages 66.9% in males and only 8.3% in females (Tuxen, Bakke & Kenrad, 1992; Tuxen, Bakke & Pinholt, 1999). Type II muscle fibres shorten faster and generate force more quickly when stimulated than type I fibres (Close, 1967). Although human sexual dimorphism in adductor muscle strength and fibre type cannot be explained by aggressive biting behaviour during fighting or by mastication, because diets of human males and females are largely similar, the observed human dimorphism is consistent with the hypothesis of protective buttressing of the face. If the jaw adductor muscles do function to protect against mandibular dislocation and fracture, as suggested above, greater muscle strength and shorter force activation times in males would be expected because of their higher incidence of fighting and facial injury.

Des weiteren wurde auch untersucht, ob aus dem Gesicht Rückschlüsse auf die Eigenschaften als Kämpfer hergeleitet werden können:

The facial features that allow observers to assess a male’s strength, fighting ability and propensity to behave aggressively include the ratio of facial width to height (Carré et al., 2009, 2010), face width, chin breadth, eyebrow prominence and nose size (Windhager et al., 2011; Třebický et al., 2013). These metrics represent aspects of the skull that experience high rates of fracture due to interpersonal violence and are features that increased in robusticity coincident with the evolution of hand proportions that allow the formation of a fist (discussed above). Generally, facial masculinity is viewed as an honest signal conveying information about formidability (Sell et al., 2009; Puts et al., 2012b; Třebický et al., 2013). Puts (2010) proposed that, in addition to acting as a signal, the greater facial robusticity of males may have evolved to protect the face from injury when males fight, as we are suggesting here. It is also likely that masculine features of the face convey direct information about the degree to which the face, the primary target during interpersonal violence, is vulnerable to injury. Male contest competition involves both offence and defence and a robust facial skeleton may make an individual more formidable simply because he is less susceptible to serious injury.

Das wäre für Männer durchaus eine wichtige Information.

Es ist aber auch unter dem Gesichtspunkt der Partnerwahl interessant: Viele Aspekte, die innerhalb des intrasexuellen Konkurrenzkampfes einen Vorteil bieten, werden auch in der intersexuellen Selektion wichtig, denn entsprechende genetische Informationen werden dann auch an einen Sohn weitergegeben. Das könnte erklären, warumfür Frauen ein markantes, kräftiges Kinn attraktiv sein kann: Es spricht eben für ein robusteres Gesicht.

George Clooney

George Clooney

Wenn es eine sexuelle Selektion auf diesen Umstand gegeben hätte, dann hätte das diesen Zugang noch zusätzlich verstärkt.

„Fuckzone“: Einfach nur Sex, aber keine Beziehung/Freundschaft (Gegenstück zur Friendzone)

Zur Friendzone, also dem Umstand, dass eine von einem begehrte Person einen nur als Freund sieht, aber nicht mehr will, habe ich bereits Artikel:

Dem könnte man die „Fuckzone“ gegenüberstellen: Personen wollen nur mit einem schlafen, aber keine Beziehung mit einem (und einen auch nicht unbedingt als Freund).

1. Fuckzone als Zone

Ein Besonderheit des Friendzone-Konzepts ist ja, dass zumindest teilweise davon ausgegangen wird, dass man, wenn man einmal in dieser Zone drin ist, sie einen also in die Schublade „Freund“ eingeordnet hat, dort nicht mehr rauskommt.

Das ist aus meiner Sicht falsch, wenn es sicherlich auch schwieriger ist, ein neues sexuelles Interesse zu entflammen, wenn sich die Freundschaft schon als reine Freundschaft etabliert hat.

Bei der Fuckzone wird allerdings meist eine ähnliche Wertung vorhanden sein, derjenige hat sich entschieden, dass er die jeweilige Frau oder den jeweiligen Mann nicht über Sex hinaus interessant findet. Es gibt sicherlich auch hier Vorfälle, wo derjenige seine Meinung auch nicht wieder ändern wird, etwa weil der Partnerwert zu gering ist.

Ich vermute allerdings, da beim Sex ja auch einiges an Bindungshormonen ausgeschüttet wird, dass es durchaus auch hier zu einem mehr kommen kann. Aber auch das bedeutet wenig, wenn der andere einen ansonsten nicht für die oder den richtigen hält.

 

2. Wie kommt man aus der Fuckzone?

Wenn die Friendzone fehlende Attraktion, also sexuelle Anziehung bei gleichzeitig durchaus vorhandendem Komfort, also eine gefühlsmäßige Bindung und Vertrauen ist, man also nicht die passende sexuelle Spannung aufbaut, dann würde vieles dafür sprechen, dass die Fuckzone die Umkehrung davon ist, also Attraktion, aber nicht genug Komfort vorhanden ist.

Das kann auch durchaus der Fall sein, gerade bei Frauen, die mit einem toll aussehenden Mann schlafen, aber davon ausgehen, dass er nicht der richtige für eine Beziehung ist, entweder weil er nicht hinreichend präsentabel ist (zB kein Student, sondern einfacher Arbeiter oder zu wenig intellektuell), nicht zu ihrem Umfeld passt (der Rocker zu der Punkterin) oder sonstige Kriterien für eine Beziehung nicht erfüllt.

Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.

Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.

Wer als Mann nur in der Fuckzone landet, der stellt aus meiner Sicht eher einen selteneren Fall dar, er sollte dann vielleicht mehr auf Gemeinsamkeiten im sozialen Umfeld etc achten.

3. Übertragung feministischer Friendzonekritik auf die Fuckzone

In dem Friendzone-Artikel hatte ich einige feministische Kritik zur Friendzone zitiert, die dort unter dem großen Stichwort Entitlement läuft: Der Mann hat zu akzeptieren, dass sie ihn nicht will, so zu tun als habe man Ansprüche über Freundschaft hinaus sei geradezu Rape Culture.

Ich zitiere mal einen Absatz:

Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der patriarchalen Anspruchshaltung, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen – wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach wenig mit Typen anfangen können, sie nicht begehren, sexuell attraktiv finden oder sonst wie mit ihnen sozial interagieren wollen (…) Stattdessen liegt der Fokus auf dem armen Mann, der keine Frau abbekommt. (…) Es ist traurig, dass sowas überhaupt nicht zur Debatte steht, wenn Typen ihre Anspruchshaltung so völlig ungeniert formulieren wie beim Nice-Guy-Phänomen. Als ob eine Freundschaft zu einer Frau irgendetwas minderwertiges darstellt als Liebe oder Beziehung oder Sex. Als ob Freundschaft nicht auch Zärtlichkeiten beinhalten könnte, nicht auch eine Form der Liebe oder der Beziehung ist.

Umformuliert könnte das so lauten:

Was mich an Fuckzone, Männer sind Schweine und Männer wollen nur Sex so nervt ist die die Anspruchshaltung, ein Mann habe die emotionalen Bedürfnisse einer Tussi zu befriedigen, wie immer sich diese Bedürfnisse auch artikulieren. Offenbar kommt es vielen Tussen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach über das sexuelle hinaus wenig mit Tussen anfangen können, sie sonst nicht interessant finden oder mit ihnen sonst sozial agieren wollen. (…) Statt dessen liegt der Fokus auf der armen Frau, die einfach so Sex hatte.

Es ist traurig, dass sowas überhaupt nicht zur Debatte steht, wenn Tussen ihre Anspruchshaltung so völlig ungeniert formulieren wie beim Fuckzone-Phänomen. Als ob Sex mit einem Mann irgendetwas minderwertiges darstellt. Als ob Sex nicht auch Zärtlichkeiten beinhalten könnte, nicht auch eine Form der Liebe oder der Beziehung ist.

Passt aus meiner Sicht durchaus. „Du hast mich nur benutzt“ wäre dann also ein ungerechtfertiger Vorwurf.

Ich hatte  schon mal in einem anderen Zusammenhang einen ähnlichen Versuch gemacht, diese Anspruchshaltung zu übertragen:

Man stelle sich folgende Situation vor:

Ein Mann schläft mit einer Frau, kommt, steht direkt auf und zieht sich die Hose an und geht, weil es das war, was er wollte. Sie wirft ihm vor, dass sie sich jetzt etwas billig fühlt und er sie nicht wie ein Objekt behandeln solle, er könne auch gerade noch etwas liegen bleiben, schauen wie es ihr geht, etwas Smalltalk machen und dann sagen, dass er früh raus muss, aber es schön war.

Und dann sagt der Mann. “Ich dachte bisher, dass ich solche Aktionen jederzeit einseitig abbrechen konnte, wenn ich nicht mehr wollte. Aber sie hatte ein Anspruchdenken, mein Entgegenkommen mit ihr zu schlafen, führte nun dazu, dass sie es als ein Versprechen auf “Mehr” interpretierte. Als Verpflichtung nun mehr noch zu bleiben. Als Verpflichtung ihr mehr Gefühle zu geben als ich zu geben Lust hatte. Dass Frauen auf eine mir damals noch unverständliche Art die Idee entwickeln können, sie hätten irgendwelche “Ansprüche” mir gegenüber”. Man würde ihn wohl schlicht ein Arschloch nennen, weil er ihre Gefühle und Bedürfnisse ignoriert. Aber dennoch würde man ihn wohl nicht davon ausgehen, dass sie, wenn er es nicht wil,l verlangen kann noch eine Viertelstunde mit ihr zu löffeln.

Wenn ein Aufreißer sagen würden, das er durch dieses Ansprüche unfreundlicher zu Frauen geworden ist, ihnen nicht mehr traut, sie abwertend behandelt, man würde ihm wohl vorhalten, dass er sich Gründe sucht, seine eigenen Probleme mit Frauen auszublenden.

Nimmt man dieses Reframing in dieser Weise vor, dann könnte man den Frauen genauso Entitlement vorwerfen: Sie verlangen eine über den Sex hinausgehende Beziehung, zu der sie sich aufgrund des Sex berechtigt sehen. Dabei sollten sie glücklich sein, dass sie Sex bekommen haben und nicht die Schuld den Männern zuweisen, wenn diese nicht mehr wollen. Ein alter Spruch ist ja:

Wenn Männer von dir nur Sex wollen, dann liegt es vielleicht daran, dass du ihnen nicht mehr zu bieten hast

Das dann den Männern anzulasten wäre demnach genau die bei der Friendzone kritisierte Haltung. Allenfalls muss sie dann eben an sich selbst arbeiten und nicht ihm vorwerfen, dass er nicht interessiert sei. Sprüche wie „Alle Männer sind Schweine“ wären dann Ausdruck eines Entitlements und der Vorwurf, dass sie aufgrund seines Verhaltens dachte, dass er auch mehr wollte, wäre ihr Problem, denn er kann natürlich jederzeit Nein sagen und ist ihr gegenüber zu nichts verpflichtet.

Ich vermute, dass diese Argumentation gerade in Bezug auf Frauen als diejenigen, die mehr wollen, eher abgelehnt wird, während sie in Bezug auf Männer, die mehr wollen, durchaus Erfolg haben könnte.

Dem liegt dann ein (essentialistisches) Verständnis der Unterschiede zwischen Männern und Frauen zugrunde, nach dem Männer eben sexuell nicht ausgebeutet werden können, sondern im Gegenteil zufrieden sein sollen.

Es zeigt auch, dass keineswegs immer der „männliche Blick“ auf etwas maßgeblich ist und insofern Frauen nicht einfach das „andere Geschlecht“ sind. Sie geben ebenso gesellschaftliche Normen vor und Männer können diejenigen sein, die abweichen.

 

vgl. auch:

 

 

WM 2014: Deutschland vs Ghana

Um 21: 00 geht es los, Deutschland könnte nach einem grandiosen Auftakt gegen Portugal bereits die das Weiterkommen in der Vorrunde sicher machen.

Nachdem Ghana gegen die USA bereits verloren hat braucht sie nun hier einen Sieg, um überhaupt noch Chancen zu haben. Allerdings ist sicherlich Deutschland der eindeutige Favorit in diesem Zusammentreffen.

Ich gehe diesmal etwas optimistischer ran und tippe ein 3:0 für Deutschland.

Selbermach Samstag XC

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?