Die Möglichkeit, zuhause zu bleiben und die Kinder zu betreuen, als finanzieller Luxus

Forbes hat einen interessanten Artikel zu Frauen zwischen Beruf und Mutterschaft:

For the third year running, ForbesWoman and TheBump.com surveyed 1,000 U.S. women in our joint communities (67% were working outside the home and 33% stayed at home with their children) about their employment decisions post-motherhood, and how their family finances and the economy affected those choices. You can find survey highlights here. At a moment in history when the American conversation seems to be obsessed with bringing attention to women in the workplace (check out “The End of Men,” or Google “gender paygap” for a primer), it seems a remarkable chasm between what we’d like to see (more women in the corporate ranks) and what we’d like for ourselves (getting out of Dodge). But it’s true: according to our survey, 84% of working women told ForbesWoman and TheBump that staying home to raise children is a financial luxury they aspire to. What’s more, more than one in three resent their partner for not earning enough to make that dream a reality.* 

Umfragen auf den eigenen Seiten haben natürlich den starken Nachteil, dass sie bezüglich der Personen, die teilnehmen, bereits eine Vorauswahl treffen, nämlich Leser der Seiten und insofern die Ergebnisse nicht unbedingt auf die Gesamtbevölkerung übertragbar sind. Immerhin ist allerdings Forbes ein Wirtschaftsmagazin, so dass man annehmen kann, dass es eher von Frauen mit einem besseren Job und / oder einer gewissen Bildung gelesen wird. Ob diese Frauen dann vielleicht auch eine insgesamt konservativere Ausrichtung haben, wäre eine andere Frage.

Jedenfalls sehen 84% der Umfragreilnehmerinnen die Möglichkeit, bei den Kindern zu bleiben und diese zu erziehen, als einen finanziellen Luxus an, den sie sich gerne leisten würden. Immerhin ein Drittel nimmt es ihren Partnern übel, dass sie ihnen das nicht ermöglichen.

Da sieht man zumindest erst einmal, dass die Betrachtung im Feminismus, nach der Frauen in die Hausfrauenrolle gedrückt werden und Männer stattdessen die finanzielle Unabhängigkeit genießen, weil sie diejenigen sind, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sehr einseitig gedacht ist.

Denn genug der dortigen Frauen sehen eben genau diese Freistellung von der Arbeit nicht als Unterdrückung an, sondern als etwas erstrebenswertes, dessen Nichterfüllung man dem Partner sogar vorhalten kann.

Was eben deutlich macht, dass Frauen durchaus aktiv die entsprechenden Rollen einfordern und entsprechenden Druck ausüben können, also nicht sich passiv in eine untergeordnete Rolle gezwungen werden, sondern aktiv eine Arbeitsteilung nach ihren Vorstellungen begrüßen.

Zu den Gründen:

“I think what we’re seeing here is a backlash over the pressure we’ve seen for women to perform, perform, perform both at work and at home,” says Leslie Morgan-Steiner, the author of Mommy Wars: Stay-at-Home and Career Moms Face Off on Their Choices, Their LivesTheir Families. “Over the past three to five years we’ve seen highly educated women—who we’d imagine would be the most ambitious—who are going through med school, getting PhDs with the end-goal in mind of being at home with their kids by age 30.”

Das eine Aufteilung zwischen Haus und Büro einigen Stress verursachen kann, ist sicherlich – je nach Job – richtig. Allerdings scheint eben die Fokussierung auf die Familie den meisten Frauen in dieser Umfrage eher als Traum als der umgekehrte Fall der Fokussierung allein auf den Beruf.

Radical feminists–who’ve long put women who opt out of the work force on the defensive, espousing and that feminism is rightly about access to all opportunities, not adherence to one script–will of course take issue.

But as a choice-feminist, Morgan-Steiner sees the opportunity for women to make this choice and I agree. No feminist voice can or should make a woman feel bad for the decision to choose family over career. But from the perspective of a young woman who works to balance career and life (even without a husband and child), I feel there’s something more at play beyond a simple choice. Instead, I believe working women have been wedged between a clichéd rock and a hard place.

Hier ist die feministische Perspektive eben nicht einfach. Zum einen wollen viele die Wahl der Frau akzeptieren, zum anderen hat das dann zwangsläufig zur Folge, dass es dadurch weniger Frauen in Spitzenpositionen gibt, weniger Frauen erwerbstätig sind, viele andere feministische Vorstellungen von einer gleichen Gesellschaft begraben werden müssen. Zumindest wenn man nicht die übersteigerte These vertritt, dass sich das eine dennoch nicht auf das andere auswirken darf, also aus dem geringeren Pool der Frauen, die sich voll auf Karriere konzentrieren dann die gleiche Anzahl aufsteigt wie aus dem größeren Pool der Männer, die sich voll auf die Karriere konzentrieren (mit ggfs zusätzlich einer Frau im Nacken, bei der er weiß, dass sie gerne für die Kindererziehung freigestellt werden würde, wenn er denn die finanziellen Mittel dafür heranbringen würde).

Ann Marie Slaughter worded the demands placed on working women beautifully this year in her Atlantic essay “Why Women Still Can’t Have It All.” The myths of the happy, “have-it-all” working woman are not necessarily lies, she writes, “but at best partial truths.” No matter how hard we try or who we marry, having kids while simultaneously to achieve career success sucks.  (Unless you’re Sheryl Sandberg, but I’m not even buying that one).

Den Artikel von Slaughter hatte ich hier besprochen: „“Frauen können immer noch nicht alles haben”. Die Einschätzung ist gerade für sehr arbeitsintensive Jobs richtig: Wenn beide Bereiche sehr viel Zeit kosten, dann muss man wenn man beide gleichzeitig übernehmen will, eben zwangsläufig Kompromisse machen.

Carley Roney, the editor-in-chief of TheBump.com (and my partner-in-crime on this survey) says she isn’t surprised that women are opting out, given the pressure they face to achieve perfection in all things. “I think it’s all tied up in this Super Woman complex that we have,” she says, “When you’re at work, you’re not giving enough time to the kids, when you’re at home, you’re not giving 100% to the office. Something’s got to give.” It’s no wonder then that the dream of many women is to leave work to raise children while maintaining their standard of living.

Hier scheint mir das Abstellen auf „Perfektion“ auch wieder ein Euphemismus zu sein. Selbst wenn man keinen Super Woman Complex hat und nicht  immer Perfektion erreichen will, kann einem die Aufteilung zu viel sein und das Leben außerhalb des Bereiches, in dem man ggfs Vorgesetzte hat, Fristen, Erfolge erreichen muss, in dem Moment als der Teil erscheinen, der einen mehr stresst und man kann schlicht das Kind vermissen oder mehr von ihm sehen wollen (Oxytocin sei dank).

Und das es schön sein kann, die finanzielle Verantwortung komplett an den Partner abzugeben, bei gleichem Lebensstandard, und dann mehr Zeit mit dem Kindern verbringen zu können, dass leuchtet ohne weiteres ein. Gerade wenn dann die Kinder etwas älter sind und „aus dem gröbsten raus“ wird das dann gleich noch attraktiver.

But while our survey suggests that working women believe staying at home would be a luxury, Roney points out that the economy could be keeping their dreams from taking off. “It’s especially crippling to see women’s sense that, if it weren’t for the economy,” they might be able to realize these dreams.”

Es ist wirklich lähmend, wenn man sieht, dass Frauen merken, dass sie in der gegenwärtigen Wirtschaftslage ihren Traum nicht mehr zu arbeiten und den Unterhalt der Familie allein ihren Männern zu überlassen, nicht umsetzen können.

Eigentlich ein faszinierender Satz.

Was wäre eigentlich ein vergleichbarer Satz für Männer?

Es ist lähmend, wenn man sieht, dass Männer merken, dass sie in der gegenwärtigen Wirtschaftslage ihren Traum, nicht zu arbeiten und ihr Leben mit Sex mit jungen Frauen zu verbringen, nicht umsetzen können.

Passt nicht so richtig.

Immerhin folgt eine realistischere Betrachtung nach:

As one (working) mom of two told me, she may dream of leaving work to take care of her kids, but the (financial) reality of it is not so ideal. “Sure, if my husband made so much money that I could spend time with the kids, still afford great vacations and maybe the occasional baby sitter to take a class or go out with friends, I’d be the first to sign up,” she said. “So maybe while it’s a luxury I do think about, it’s not one I would want unless it was actually luxurious. I don’t want to be a stay at home mom who clips coupons or plans her weekly menu to make ends meet… If that’s the case, I’d gladly go on working to avoid that fate.

Also immerhin ein schönes Bekenntnis zum Kapitalismus. Wenn Hausfrau, dann muss auch das Geld stimmen. Durchaus eine verständliche Ansicht. Welche dann wahrscheinlich dazu führt, dass man einen Teilzeitjob annimmt, wenn er nicht sehr gut verdient.

Andererseits erscheint der Wechsel aus dem Job ins Haus auch insbesondere dann attraktiver, wenn man arbeitet:

Interestingly enough, most stay at home moms polled were not so quick to describe their “at-home” status as a dream. Of that group only 66% say the ability to stop working to raise children is a financial luxury for their families, and it shows: nearly 80% told us they spend less than $100 on themselves each month. A more concerning stat than the fact that eight out of 10 women barely spend enough to cover a trip to the salon every month? That money’s still an issue: 44% of stay at home mothers say their partners make them feel as if they are not pulling their financial weight. Would they be better off in the workforce? It’s possible; roughly 20% feel they’d be happier if they worked outside the home.

Da wäre es natürlich interessant, was man als „für sich selbst ausgeben“ definiert. Gehört da bereits Kleidung dazu, der Kaffee mit Freunden, der Familienurlaub, sonstige Ausgaben, die man mit der Familie zusammen auch für sich ausgibt? Ist ein Friseurbesuch etwas „für sich“ oder sind es schlicht Kosten des täglichen Lebens, während eine Ausgabe für sich etwas ist, was man als „luxuriös“ wahrnimmt und sich außerhalb der Reihe und nur für sich gönnt?

Auch interessant, dass viele Frauen, immerhin 44% das Gefühl haben, dass ihr Mann es gerne hätte, wenn sie mehr zum Familieneinkommen beitragen würden (anscheinend bleiben sie aber trotzdem „Stay at home moms“?).

Nur 20%, also jede 5, meint, dass es besser wäre, wenn sie wieder außerhalb des Hauses arbeitet.

What seems like a “grass is greener” mentality between working and at-home moms is what Morgan-Steiner and Roney agree is the very basis of the Mommy Wars. “What every mom wants is time with her kids, financial security and a sense of identity,” says Morgan Steiner. “When you feel like you don’t have enough of any of those things and you see a woman who has made different choices than you, it’s easy to point fingers. We’re all looking for “having it all” in our own lives and not finding it… And that’s the moment when we start thinking it’s better on the other side of the fence.”

„Was jede Mutter will ist Zeit mit ihren Kindern, finanzielle Sicherheit und eine eigene Identität“ Das ist ja auch nicht wenig. Zeit mit den Kindern und finanzielle Sicherheit lassen sich beide durchaus über eine passende Ehe ermöglichen, die eigene Identität kann dann entweder liebevolle Hausfrau sein, aber eben auch über Ausbildung und Beruf erfolgen. Man ist dann um insofern den Anforderungen gerecht zu werden, nicht nur eine Mutter, sondern eine Frau mit einem Abschluss, die aber ihre eigene Karriere zurückgestellt hat, um sich um die Kinder zu kümmern. Diese Identität ist für viele deutlich hochwertiger als die reine Mutterrolle.

Es ist ein interessanter Artikel, der mehr beleuchtet, wie Frauen ihr Leben zwischen Beruf und Karriere aufteilen wollen. Andere Artikel zu dem Thema: