Wie man zum Männerrechtler wird

Neuer Peter hat einmal in einem Kommentar beschrieben, wie man wohl häufig zum Maskulisten wird:

Der Weg aus der Höhle sieht bei den meisten (liberalen) Feminismuskritikern wohl tendenziell so aus:

1. Klar bin ich Feminist, ich befürworte schließlich die Gleichberechtigung!

2. Irgendwie scheinen Männer auch Probleme zu haben. Naja, da muss man nur die patriarchalen Rollenbilder weiter aufbrechen, dann wird das schon!

3. In Deutschland scheinen Frauen rechtlich deutlich besser gestellt zu sein als Männer und der Feminismus verstetigt diese Situation und baut sie aus.

4. Der Feminismus hatte gute, richtige, und berechtigte Anliegen, hat sich mittlerweile aber zu einer tendenziell totalitären, dogmatischen, hasserfüllten, irrationalen Heilslehre für Narzissten, Neurotiker und privilegienheischende Opportunisten entwickelt.

5. …war er das in der Tendenz vielleicht schon immer?

Ich denke, dass das durchaus ein häufiger Weg ist. Man interessiert sich für eine gerechte Lösung zwischen den Geschlechtern, ist natürlich für Gleichberechtigung und geht dabei auch davon aus, dass diese dann natürlich in beide Richtungen verlaufen muss. Damit eckt man allerdings zumindest im theoretischen poststrukturalistischen Feminismus schnell an, da dort eben Diskriminierung in der Ebene Geschlecht nur in einer Richtung verlaufen kann, nämlich in die Richtung, dass die Frau diskriminiert wird. Man merkt, dass man dort nicht auf eine offene Diskussion hoffen kann und schaut sich nach anderen Richtungen um, in denen Männerprobleme diskutiert werden dürfen. Dann stößt man auf verschiedene Bücher zu dem Thema oder entsprechende Blogs und merkt, dass dort die eigenen Gedanken wesentlich eher angesprochen werden.

Anerkennung, Bestätigung und Zuneigung von Frauen als männliches Ziel

Anchu Kögl von Intensiver, der hier auch schon Gastautor war, hat einen Auszug aus seinem Buch „Attraktive Männlichkeit“ online gestellt, aus dem ich mehrere Passagen ganz interessant finde.

Ich fange mal mit dieser hier an:

Es reicht heutzutage schon lange nicht mehr aus, als Mann einen guten Job zu haben und der Versorger der Familie zu sein. Das, was damals noch das Inbild für Männlichkeit war, hat heutzutage stark an Bedeutung verloren. Frauen verdienen heutzutage oft genauso viel wie Männer und sind finanziell größtenteils unabhängig.

Durch all diese gesellschaftlichen Veränderungen sind Frauen heutzutage, zumindest in der westlichen Kultur, so gut nicht mehr von Männern abhängig. Anstatt jedoch zwei unabhängige und freie Individuen zu haben, haben sich die Rollen vertauscht. Jetzt sind es viele Männer,
Nicht finanziell, aber EMOTIONAL und SEXUELL.

Wir sind abhängig von Frauen, weil wir etwas von ihnen brauchen. Unsere verlorene Männlichkeit hat dazu geführt, dass wir in Frauen Anerkennung, Bestätigung, Zuneigung, unsere Identität oder auch Erfüllung suchen.
Dies sind jedoch alles Dinge, die wir in uns selbst finden müssen.

Ich finde hier insbesondere den unteren Teil interessant, und zwar in Hinsicht darauf, was Männer von Frauen brauchen. Kögl spricht hier Anerkennung, Bestätigung und Zuneigung an und tatsächlich ist das etwas, was einem heterosexuellen Mann an einer Frau gut gefallen kann. Die Anerkennung, Bestätigung und Zuneigung einer Frau zu erhalten, noch besser einer schönen Frau, fühlt sich gut an.

Evolutionär ist das gut nachzuvollziehen, denn zur Fortpflanzung ist es eben sehr günstig die Anerkennung, Bestätigung und Zuneigung einer Frau zu haben. Das drückt sich in vielerlei Ausprägungen aus: Die Präsenz einer hübschen Frau fährt den Testosteronspiegel von Männern hoch und lässt sie einen Wettbewerb untereinander eher führen, es kann dazu führen, dass die Männer sich ganz besonders beweisen wollen und sich größer, stärker, schlauer darstellen wollen, als sie sind. Intrasexuelle Konkurrenz kann insoweit angestachelt werden und damit auch indirekt der Frau die Position des Schiedsrichters zugewiesen werden.

Ich würde vermuten, dass nach Anerkennung, Bestätigung und Zuneigung einer Frau zu streben ein wichtiger Motor für Männer sein kann, und einer der auch schnell ausgebeutet werden kann. Es ist sicherlich einer der Faktoren, die es erschweren, sich für Männerrechte einzusetzen, weil viele Männer damit das Gefühl haben, dass sie etwas gegen Frauen machen.

MGTOW (Men Going their own way) wäre dann ein Ansatz, der sich genau davon unabhängiger machen will. Pickup, auch wenn es darauf ausgerichtet ist, dass Frauen einen toll finden, ebenso, weil es einem eben deutlich macht, dass es zwar ein gutes Gefühl sein kann, aber einen bei Frauen nicht unbedingt weiter bringt.

Game of Thrones – Cersei, Jaime und Vergewaltigung

Eine Game of Thrones Folge, nämlich die dritte Folge der vierten Staffel, hat für Diskussionen gesorgt. Jamie hat dabei trotz Gegenwehr von Cersai und ihrer Aussage, dass er aufhören sollte, weil es nicht richtig sei, Sex mit seiner Schwester-Geliebten.

Die Szene im Buch lief wie folgt ab:

She touched his face. “I was lost without you, Jaime. I was afraid the Starks would send me your head. I could not have borne that.” She kissed him. A light kiss, the merest brush of her lips on his, but he could feel her tremble as he slid his arms around her. “I am not whole without you.”

There was no tenderness in the kiss he returned to her, only hunger. Her mouth opened for his tongue. “No,” she said weakly when his lips moved down her neck, “not here. The septons…”
“The Others can take the septons.” He kissed her again, kissed her silent, kissed her until she moaned. Then he knocked the candles aside and lifted her up onto the Mother’s altar, pushing up her skirts and the silken shift beneath. She pounded on his chest with feeble fists, murmuring about the risk, the danger, about their father, about the septons, about the wrath of gods. He never heard her. He undid his breeches and climbed up and pushed her bare white legs apart. One hand slid up her thigh and underneath her smallclothes. When he tore them away, he saw that her moon’s blood was on her, but it made no difference. “Hurry,” she was whispering now, “quickly, quickly, now, do it now, do me now. Jaime Jaime Jaime.” Her hands helped guide him. “Yes,” Cersei said as he thrust, “my brother, sweet brother, yes, like that, yes, I have you, you’re home now, you’re home now, you’re home.” She kissed his ear and stroked his short bristly hair. Jaime lost himself in her flesh. He could feel Cersei’s heart beating in time with his own, and the wetness of blood and seed where they were joined.

In der Serie sah die Szene dann so aus (NSFW):

 

Also eine gewaltige Änderung. Zwar sagt sie auch bereits in dem Original „Nein“ und „nicht hier“, und er sagt, dass ihm das vollkommen egal ist, dann allerdings wechselt sie zu „ja“. Bei ähnlichen Szenen wie im Buch war man auf Jezebel bei Wolf of Wallstreet schon mal schneller:

By the end of the movie, things are not going well for Jordan Belfort. He’s pretty unambiguously the worst. He’s greedy and mean and reckless and selfish and addicted to drugs. He’s arrogant. He has basically no sense of human decency. It’s not hard to hate this guy.

And then he rapes his wife.

He’s standing there in the bedroom talking to his wife about the ongoing criminal investigation against him, and then he decides he’d like to have sex with her. And she says no, she’d rather not. And he forces himself on her. She pretty clearly tells him to stop. She tells him no. And he keeps going.

Eventually, she decides to take a little control of the situation and says, „Okay, you want to fuck me? Cum for me baby, fuck me like it’s the last time,“ so he does, and she tells him she wants a divorce. (And then he does a bunch of drugs, punches his wife, and nearly kills his daughter. Because, in case it wasn’t clear, this guy is a huge asshole.)

I’m not surprised that he raped his wife, honestly. Belfort has literally no respect for women whatsoever, and he’s used to getting everything he wants all the time. He isn’t above rape. It’s totally the kind of thing he would do.

What surprises me is that no one is talking about it.

Auch oben bei der Szene im Buch mit Cersei, die im übrigen aus der Sicht von Jaime geschildert ist, kann man ähnlich diskutieren: Sie wollte es nicht hier und dann nur, dass es schnell vorbei ist, weil sie merkt, dass sie ihn nicht abhalten kann. Sie wollte also keinen Sex, sondern nur, dass er, wenn sie es nicht verhindern kann, schnell vorbei ist.

Auch sehen wir weitaus weniger von der Szene und ihrer späteren Entfaltung, sie ist sehr kurz geschnitten, ob er tatsächlich schon eingedrungen ist oder nicht, Wir könnten auch gut noch bei „She  pounded on his chest with feeble fists“ sein. Wenn man die Szene im Buch bei „Made no difference“ abgebrochen hätte, dann hätte die Szene eine andere Ausrichtung. Wenn wir sie noch einmal aus der Sicht von Cersei geschildert bekommen würden, würde sie wohl auch weniger zustimmend klingen. Man sieht auch in der Szene in der Serie , dass sie beim Kuss die Hand recht locker auf seine Wange legt, ihn auch zuerst küsst etc.

In diese Richtung geht wohl auch der Kommentar des Direktors Alex Graves:

You say it “becomes consensual by the end.” I rewatched the scene this morning, and it ends with Cersei saying, “It’s not right, it’s not right,” and Jaime on top of her saying, “I don’t care. I don’t care.” It leaves some room for debate. Were you involved with cutting the scene? Was there a longer version of the scene that might have read more like they were both consenting?
It’s my cut of the scene. The consensual part of it was that she wraps her legs around him, and she’s holding on to the table, clearly not to escape but to get some grounding in what’s going on. And also, the other thing that I think is clear before they hit the ground is she starts to make out with him. The big things to us that were so important, and that hopefully were not missed, is that before he rips her undergarment, she’s way into kissing him back. She’s kissing him aplenty.

Die Darstellerin sagte folgendes zu der Szene:

“Yes, so, you know, we spent a long time rehearsing it with Alex [Graves], the director, and myself and Nik and Jack [Gleeson] and you know, of course it’s a very complicated moment for many reasons and what I will say about it is, from my stance as an actor who’s had this character for three years, four years, who knows her intimately…you know you’re standing, as a woman in absolute grief, in pain that she’s never felt before. And you know, she’s staring at the body of her dead son who’s been her sanity and her purpose and she’s joined by her brother who’s also her lover so, you know, we’ve also got bigger problems going on than the ones everyone’s talking about]. And it becomes very messy. And there’s lust and desperation and you know, a need to feel something other than this searing, empty loss. And so that’s where I came from when we were filming. There was this need and it wasn’t right and yet it felt great and yet it wasn’t right and it played out the way it did. And I was really happy with it. I thought it was um, my intention was there and I think people’s reactions are right and opinions are varying.”
I came from this place of grieving and a need to feel connected and alive and you know, this is the only other person, probably the only person she has ever trusted in the world. And she’s shunned Jaime and he’s never stopped loving her and in that moment she’s embracing and she’s rejecting of him in the same breath and you know, if I had not have said “not now, not here,” you know, if there were silence I don’t know how people would have reacted, you know what I mean? But it’s tricky, man, because we could go into this for a long time, I could get personal, we could…you know what I mean? It’s a real fucker of a situation. And I also think, you know, without being too much of a twat about it, we’re talking about a show with dragons, incest, babies taken by zombies, you know…

Das klingt schon sehr so als wollten sie die Buchszene mit erst Widerstand und dann Sex umsetzen, als wäre es sehr kurz geschnitten worden.

Und der Darsteller:

“I spoke with director Alex Graves, with the writers and of course with Lena (Headey, who plays Cersei). It’s a very complex scene, there are many who see it as a brutal rape, but that was obviously never intended. I understand that one can see it as that, but for us it was much more complex, and I think if you’ve seen the whole series and followed these characters and see that so much happens in the scene, it’s more than just a guy who is horny and wants to have sex, which is not what we are trying to show.”
Of course we think it is more than just a rape, and if you watch the rest of the season there is a payoff to this scene. Everything is about their relationship, and their relationship has been extremely complicated.”

 

Ich könnte mir schon vorstellen, dass es auch zum Teil dem Wechsel des Mediums geschuldet ist: Im Buch die Sachen aus Sicht einer Person und nach deren inneren Gedanken darstellen geht eben nicht, die Kamera beobachtet von außen. Darauf stellt auch George R.R. Martin, der Autor der Serie ab:

I think the “butterfly effect” that I have spoken of so often was at work here. In the novels, Jaime is not present at Joffrey’s death, and indeed, Cersei has been fearful that he is dead himself, that she has lost both the son and the father/ lover/ brother. And then suddenly Jaime is there before her. Maimed and changed, but Jaime nonetheless. Though the time and place is wildly inappropriate and Cersei is fearful of discovery, she is as hungry for him as he is for her.
The whole dynamic is different in the show, where Jaime has been back for weeks at the least, maybe longer, and he and Cersei have been in each other’s company on numerous occasions, often quarreling. The setting is the same, but neither character is in the same place as in the books, which may be why Dan & David played the sept out differently. But that’s just my surmise; we never discussed this scene, to the best of my recollection.
Also, I was writing the scene from Jaime’s POV, so the reader is inside his head, hearing his thoughts. On the TV show, the camera is necessarily external. You don’t know what anyone is thinking or feeling, just what they are saying and doing.
If the show had retained some of Cersei’s dialogue from the books, it might have left a somewhat different impression — but that dialogue was very much shaped by the circumstances of the books, delivered by a woman who is seeing her lover again for the first time after a long while apart during which she feared he was dead. I am not sure it would have worked with the new timeline.
That’s really all I can say on this issue. The scene was always intended to be disturbing… but I do regret if it has disturbed people for the wrong reasons.

Also zusätzlich noch der Faktor, dass die etwas geänderte Zeitlinie sich auswirken kann. In der Serie hatte Cersei Jamie schon eine Rede gehalten, dass er eben früher aus der Gefangenschaft hätte fliehen sollen. Sie hatten sich insoweit schon etwas weiter auseinandergelebt und er war vielleicht auch verzweifelter, weil sie ihn, nachdem er lange in Gefangenschaft war und seine Hand  verloren hat, abgewiesen hat. Hier muss man Bedenken, dass seine Hand für ihn als gefürchteter Schwertkämpfer, der auch deswegen immer einen Spruch riskieren konnte, weil er es mit jedem aufnehmen konnte, von noch höherer Bedeutung ist. Mit ihr zu schlafen ist insoweit der Wunsch ähnlich wie im Buch akzeptiert zu werden und vielleicht auch einfach darüber hinwegzusehen, dass sie (auch) ein schlechter Mensch ist. Vielleicht wollte man den Bruch auch etwas deutlicher machen als im Buch, weil man dort eben über innere Ansichten so etwas deutlicher und langsamer ausbreiten kann als in dem Medium Fernsehen.

Das kommt im Buch besser rüber, die Interpretation, dass es für Cersei etwas ist, was ein Trauma hervorrufen wird oder was ihr Leben für immer verändert ist aus meiner Sicht aber keineswegs zwingend. Vielleicht stört sie nur der Ort, die Angst entdeckt zu werden, die Leiche ihres Sohnes aber nicht per se, dass er Sex mit ihr haben will und hat. Es kann also durchaus sein, dass sie, selbst wenn sie lieber keinen Sex gehabt hätte, danach eher deckt „du Idiot, das hätte auch warten können, warum gehst du so ein Risiko ein?“

Und ich glaube auch, dass das einer der Gründe ist, warum so viele Feministinnen die Szene noch fürchterlicher finden: Es könnte eine folgenlose und nicht als das schlimmste, was einem Charakter passieren kann dargestellte Vergewaltigung sein. Eine Nebenszene, die nicht dazu führt, dass sich die Charaktere wesentlich anders verhalten. Zwar kommt es auch in den Büchern nicht mehr zu einem so großartigen Kontakt der beiden, aber eher weil Jaime nicht die Hand des Königs werden will und Cersei ihn daher wegschickt.

Zu der Beziehung der beiden habe ich diesen – auf das Buch bezogenen – Text gefunden:

The entire relationship is built on this delusion that ‘everyone who isn’t us’ doesn’t matter. Jaime and Cersei have built up this idea that all they need is each other, but to completely different points. Cersei still lusts for more; more power, more influence, more everything, while Jaime honestly believes that he has everything he needs. This is why he is so arrogant: he wants for nothing. He has Cersei and believes that she will always be there for him, and that’s how we find him at the beginning of the series, when he is willing to push a little boy out a window for love, or kill Arya Stark, or do anything and everything that she asks him to.

Jaime gives up his entire life for Cersei. He is in love with her as a little boy. When Rheagar denies her, he secretly cheers and then comforts her when she cries for days and days. When she finds out that Robert does not love her and never will, he gives up any chance at a real life, at children or a wife or being Lord of Casterly Rock when his father dies and he gives it up for her. He stays with her and thanks the gods every day that she never fell for Robert instead of her. He kisses her bruises away and he holds her hand and he sneaks around behind everything for her.

And his life is nothing but her forever. Keeping her safe, tempering her lust for power, just watching over her. And when he is far from her, he doesn’t feel whole. Because in his mind she is all he needs. Hell, she is all he has. But that’s fine, because whenever they come together again, he feels wanted and needed and that is all he wants from life.

Cersei, on the other hand, loves him, yes, but she wants more than that. She wants to be Queen. She wants other to fear her. She wants everything that Tywin wants for the family. She wants all of the men who chose Lyanna over her to crumble to dust beneath her feet. And Jaime fits in that plan. Jaime will head her Queensguard and sit by her side and the Kingdoms will be their children, in an open way that Joff and Tommen and Myrcella can never be.

Because this is what she wants, it never occurs to her that Jaime might want something different.

And then what happens is this: Jaime gets captured, and each of them realizes something that they never thought of before. Cersei realizes that she needs him far more than she ever realized. When he is gone, she is in a panic, she is screaming at Tyrion and she wants him back and she doesn’t have the power to get him back and she can’t deal. And Jaime realizes that Cersei isn’t all he needs. He needs Catelyn and Brienne and he needs to change. He needs to open up. He experiences an awakening.

But life goes on for Cersei. She wants power more than ever. She needs it, now, because Jaime’s absence has shown her just how weak she really is. So she does what she has always done: she fucks and fucks and fucks to get what she wants. Because sex to Jaime is how he stays close to her. He has never touched another woman. But to Cersei, it’s how she gets power. It’s how she convinced Jaime to give up his life for her, in that seedy inn when she dressed as a common girl and fucked the living shit out of him.

So he comes back and he isn’t in her control anymore. He still loves her and he wants her but he wants to save her. He wants to take her away and marry her and just love her and not care what people think because hell yeah it’s wrong but he is tired of all the politics. He just wants to be with her.

But no. Never and always no. That could never be enough for Cersei. And so Jaime devotes himself to rectifying corruption. To being the best goddamn Lord Commander of the Kingsguard ever, because he fucking can. Because his life was a sham before. Empty and dead and even when Tywin gives him a chance to back out, Jaime is like fuck no. He turns over a new leaf. He tries to do the right thing.

And he waits around. Poor, sweet Jaime, always waiting for his beautiful golden fool. Always there, in his itchy, uncomfortable armor, just because Cersei asked him to.

This relationship is so tragic because of how cheated Jaime is. His entire life was taken away from him, and then halfway through he came to understand how cheated he truly had been. He thought it was enough to be beautiful and strong and rich and to love a woman, even privately. He thought that saving Cersei was enough.

But he wasn’t saving her. She was damning herself even as she fucked him, even as she used him again and again and again until one day he woke up and realized that there was nothing left inside her that he could love or hold or take or want.

That at the very end of everything, just as him needing her wasn’t enough to make her his, her needing him wasn’t enough to make him waste any more of his life on her.

Auch hier wird deutlich, dass Cersei nicht unbedingt diejenige ist, die Sex nicht als Mittel ansetzt und insoweit große Vorbehalte hätte auch wenn sie nicht will mit Jaime zu schlafen (was ihn natürlich nicht dazu berechtigen würde, sie zu vergewaltigen). Sie setzt Sex und auch deren Verweigerung als Machtmittel ein. Es wäre aus meiner Sicht auch besser für die Serie gewesen, wenn man hier Jaime dieses „Gute“ gelassen hätte, wobei die Sexszene ja anscheinend durchaus näher am Buch hätte sein sollen und insofern wohl zu kurz war.

Allgemein geht allerdings George RR Martin mit seinen weiblichen Hauptcharakteren in dieser Hinsicht sehr vorsichtig um: Mir ist nicht bekannt, dass eine wichtigere weibliche Figur abseits Cersei bisher in dem Buch vergewaltigt worden ist, und das trotz vielfältiger Gelegenheiten über Gefangenschaften etc. (Daenerys Targaryens Hochzeitsnacht ist aus meiner Sicht keine Vergewaltigung, es ist eine politische Hochzeit in einem für mittelalterliche Verhältnisse normalen Alter in der die Ehe eben auch vollzogen werden muss – natürlich kann man das als Vergewaltigung sehen, weil die Hochzeit in dieser Hinsicht ein Geschäft ist und nicht auf ihrem freien Willen beruht, dann legt man allerdings heutige Maßstäbe auf eine vollkommen andere Zeit an).

Einer der Gründe, warum es im Feminismus gerade bei Jamie einen größeren Aufschrei gab als bei sagen wir Drogo, ist sicherlich auch der Umstand, dass man Drogo ruhig hassen kann, Jamie aber ein extremer Sympahtieträger der Show ist. Hier eine Stelle dazu:

Jaime Lannister, in the context of the show, is now a rapist. And that means that Broken Chains has the dubious honor of the show’s first case of male character assassination. Because Jaime Lannister, as he appears in the books, is not a rapist. And I don’t just mean “he never rapes anyone.” Jaime Lannister, as a character, is staunchly against rape. His disgust towards rape and his understanding of the horror of it is one of the driving forces of his character: one of the reasons he despised King Aerys is that he was forced to stand guard outside the door while he raped his wife and was forbidden by the other members of the Kingsguard to stop him. He loses his hand because he protects Brienne from being raped when they’re captured by the Bloody Mummers, even though he disdains Brienne and tried to kill her in a swordfight the day before. He says that, if he were a woman, he’d rather die than be raped. Most of Westeros’s knights barely give it a thought, or consider it an acceptable part of war, but Jaime is one of the few male characters who is actually empathetic and honorable in that regard. Sure, he’ll shove children out of windows, attack Ned Stark in the street and make crass comments whenever he pleases, but he is not a rapist.

Except, according to the show, he is. A remarkable change, considering the fact that, Joffrey excepted, the show has always changed male characters to make them appear more heroic. Tyrion has been transformed into a true heroic protagonist. Robb Stark became a bold crusader instead of a lost boy king. Even morally grey Theon was given a far more sympathetic treatment in the show than in the books. He betrayed the Starks, but the show gave us plenty of insight into his inner turmoil and his confused point of view.

Why, then, would the show completely destroy the character of one of its main, sympathetic male protagonists? Nikolaj Coster-Waldau’s name is now second in the credits. He’s been given a lot of screen time, and the entire last season focussed on transforming Jaime from a villain character into a fan favorite. Why would they ruin all that by making Jaime rape his sister/true love next to their dead son’s body, when the scene is consensual in the books? Why would they make him do something so out of character, and so unforgivable?

Jaime ist mit dieser Tat also in den Augen vieler Feministinnen nicht mehr als Held tragbar, auch und vielleicht gerade wenn er seine Tat selbst gar nicht als Vergewaltigung sehen würde, sondern nur als ignorieren ihrer Einwände gegen die Begleitumstände und nicht gegen den Sex mit ihm an sich. Es ist ein erstaunlicher Gedankengang: Er hat ein kleines Kind ermordet, aber das kann man verzeihen. Diese Szene aber soll unverzeihlich sein, weil es eine Vergewaltigung ist und es da keine Grauzonen gibt und eine Szene dieser Art daher unverzeihlich sein muss. Ich vermute ehrlich gesagt, dass die meisten Frauen, die die Serie schauen, ihm recht problemlos verzeihen werden. Was es um so schlimmer macht.

Auch eine andere Stelle sieht Jamie als Feministen:

Whatever dishonorable things he’s done, Jaime was a man who still always had his own code of honor: he protected his family and the innocent — in that order. And as far as his naturally brash nature is concerned, Jaime has calmed down significantly since his capture; his losses last season led him to a place where he seems much more sad than angry and vengeful. Because of this, the rape scene feels like the showrunners’ forced attempts to be “edgy,” rather than a culmination of Jaime’s pent up anger and frustrations.

Jaime idolizes Cersei. Even aside from his new, calm demeanor, at this point in the story we know that Jaime would never even hit Cersei, let alone rape her. Jaime would never rape anyone. While watching the show, we’ve learned that Jaime thinks rape is so abhorrent that he saves Brienne from getting raped — even though he was trying to kill her only a few days earlier. He acknowledges to Brienne in that same episode that if he were a woman, he would sooner fight his captors to his own death than let them rape him.

Jaime Lannister is a feminist. Because of his love and respect for Cersei, he doesn’t objectify or dehumanize women the way that so many other Westerosi men do, but rather he treats them as three-dimensional, perceptive, formidable human beings — even the women he doesn’t like.

Jaime has proved time and again that he is one of the few people around King’s Landing who judges others purely for who they are, without external biases. He is able to see the value in the people that others easily dismiss. He respects Tyrion’s cunning and Cersei’s strength of will as matches to his own physical strength. And while others discount Brienne because she’s a woman, Jaime always saw her for who she was: at first a boring, stubborn, powerful opponent, and later an honorable and trustworthy knight.

Die Einschätzung, dass Jaime nie Gewalt gegen Cersei einsetzen würde und insoweit auch gegen sexuelle Gewalt ist, ist aus meiner Sicht in dem Buch nicht unbedingt gedeckt (No,” she said weakly when his lips moved down her neck, “not here. The septons…” “The Others can take the septons.” He kissed her again, kissed her silent, kissed her until she moaned. Then he knocked the candles aside and lifted her up onto the Mother’s altar, pushing up her skirts and the silken shift beneath. She pounded on his chest with feeble fists, murmuring about the risk, the danger, about their father, about the septons, about the wrath of gods. He never heard her. He undid his breeches and climbed up and pushed her bare white legs apart“). Wir wissen schlicht nicht, was er gemacht hätte, wenn sie nicht von „No“ auf „yes“ umgeschwenkt wäre und es sieht nicht aus als hätte er viel auf ihre Einwände gegeben.

 

Zudem haben wir noch andere Stellen in den Büchern:

Game of Thrones:

“Stop it,” she said, “stop it, stop it. Oh, please …” But her voice was low and weak, and she did not push him away. Her hands buried themselves in his hair, his tangled golden hair, and pulled his face down to her breast.
A Storm of Swords:

He had pulled her into his lap.
„Let Robert do as he pleases. I’ll go to war with him if I must. The War for Cersei’s Cunt, the singers will call it.“
„Jaime, let go of me!“ she raged, struggling to rise.
Instead he had kissed her. For a moment she resisted, but then her mouth opened under his. He remembered the taste of wine and cloves on her tongue. She gave a shudder. His hand went to her bodice and yanked, tearing the silk so her breasts spilled free, and for a time the Stark boy had been forgotten.

Die Beiden haben also durchaus eine Vergangenheit, in der sie häufiger Nein sagt, aber anscheinend Ja meint. Auswirkungen auf ihre Beziehung scheint es nicht gehabt zu haben.

Und auch die Schilderung von Brienne ist aus meiner Sicht falsch, denn am Anfang versucht er sie zu provozieren und ist sich sehr bewußt, dass sie eine hässliche Frau ist. Ihr Verhältnis ändert sich erst allmählich, auch weil sie aufeinander angewiesen sind.

Auch interessant, wie in dem Artikel die weitere Entwicklungsmöglichkeit des Charakters dargestellt wird:

If this rape is going to be turned into a story point, it means that going forward in the show, our beloved Jaime has become either a) a terrible human being who thinks it’s okay to rape his sister when she refuses to put out, or b) a psychotic person who has finally lost his moral compass. And either of these options would be fine, logistically at least, if this became a dramatic turn in Jaime’s narrative arc — one that the characters would have to deal with within the confines of the story.

Auch hier wird wieder das eigentlich Problem deutlich: Eine solche Szene muss aus feministischer Sicht immer ein erheblicher Wendepunkt sein. Dass es danach relativ normal weiter geht und Jaime sich nicht als Vergewaltiger sieht und insoweit dennoch in anderen Fällen gegen eine Vergewaltigung oder andere unmoralische Taten sein kann ist außerhalb jeder Wertung. Das kann man zwar, wenn man zum Selbstschutz einen 10jährigen umbringt (da kommt anscheinend die Wertung „(a) a terrible human being who thinks it’s okay to murder a Child if the Child sees something it shouldn’t have, or b) a psychotic person who has finally lost his moral compass“ nicht in den Sinn).

Insoweit passt die Aufregung über diese Szene in einer Serie voller Gewalt, vielen tausend Toten, einer Frau, der schwanger in den Bauch gestochen wird, einem Mann, der brutal durch Häutungen gefoltert und dann dann später entmannt wird, in das Grunddogma des Feminismus, dass nichts schlimmer sein darf als sexuelle Gewalt und nichts sexuelle Gewalt entschuldigen darf. Nicht umsonst ist die Rape Culture eine der ganz wesentlichen Theorien in der feministischen Theorie, weil sich eben mit ihr unbewußte Ängste ansprechen lassen, die männliche Sexualität dämonisiert werden kann.

Deswegen gibt es natürlich auch Stimmen, die wie oben bereits angeführt, auch die Szene im Buch als Vergewaltigung sehen:

In this scene, Cersei asks Jaime to stop, at one point resorting to physical force in an attempt to get away. They have sex because he physically overpowers her and refuses to let her go. When she finally relents, Jaime has already „pushed her bare white legs apart“ and ripped off her underwear. Granted, the scene on television did not include Cersei eventually saying yes as she does in the novel — but that doesn’t make the preceding incidents any less sexually violent. Any reason is a good enough reason for a woman to not be forced into sex: Cersei gave five. „He never heard her.“

Why are the authors of these articles so curiously forgiving of Jaime’s forcefulness in the novel and so willing to equate Cersei’s eventual acquiescence to consent? Since when is repeated, adamant refusal to perform a sex act compatible with „clear consent“?

(…)

Is the „Breaker of Chains“ scene „more rapey“ than the novel’s? Perhaps — but that’s not a conversation I’m willing to prioritize, because it requires the use of trivializing words like „rapey.“ The conversation we should be having starts with these questions: Why are we so unwilling to expand our conversation about consent? Why does eventual acquiescence matter more than „No, not now, please don’t“?

Auch Cathy Young schlägt in die gleiche Kerbe:

Apparently, this is what many feminists including Slate.com’s Amanda Marcotte—who not long ago argued that any man who cannot prove his partner’s clear, explicit consent can be considered a rapist—regard as consensual rough sex:

The woman, Cersei, kisses her brother/lover Jaime; when he begins to take things further, she “weakly” protests—“No, not here”—and starts to say that they could be discovered by septons, the priests of Martin’s world. Jaime dismisses this and silences her with more kisses, then lifts Cersei up on the altar and pushes up her skirts: “She pounded on his chest with feeble fists, murmuring about the risk, the danger, about their father, about the septons, about the wrath of gods. He never heard her.”

After a few moments, when Jaime has already undone his clothing and pushed her legs apart, Cersei starts to encourage him with both words (“Hurry, quickly, do it now”) and actions, and once the sex begins she repeatedly says “yes.” But if “no always means no,” hasn’t he already committed sexual assault and attempted rape? If this was a real-life case involving, say, two college students—hopefully in less freakish circumstances—Marcotte and plenty of others would be certain to argue that the woman’s expressed consent was meaningless: the man had clearly refused to respect her “no,” and she may have been going along and faking eagerness out of self-preservation.

In the TV version, Cersei’s protests are somewhat more vehement, and she never switches from “no” to “yes” but keeps saying “this isn’t right.” The episode’s director, Alex Graves, has nonetheless said that he sees the scene as one in which the sex “becomes consensual by the end,” which has people up in arms about rape-condoning atittudes. (By the way, Cersei’s body language in the TV scene is still somewhat ambiguous: after saying “no” and “stop,” she kisses Jaime twice, presses her hands to his face, and at least once seems to pull him closer instead of pushing him away.) Time reporter Eliana Dockterman expresses dismay at the notion that a sexual encounter can become consensual if it’s forced at the start—but she, too, thinks it was consensual in the book. (…)

So much for their claims that there is no such thing as token resistance, no gray areas or “blurred lines” (as it were), and that the slightest expression of ambivalence or reluctance should immediately halt all sexual advances. “Rape culture” dogma allows for no context or nuance: nonviolent physical advances after an uncertain “We shouldn’t be doing this” are no different from forcibly overpowering someone who shouts, “Stop!” But context matters; nuance matters; whether a person is in physical danger matters. In a different context, Jaime’s actions in the book would also cross the line into assault—not just from a radical feminist but from any non-Neanderthal point of view.

 

Hier wären also einige Feminstinnen in eine klassische Falle getappt: Weil es so verführerisch ist, die Serie der Rape Culture zu beschuldigen haben sie in gewisser Weise eine Grauzone der Vergewaltigung akzeptiert, die sie sonst niemals akzeptiert hätten, sie haben etwas als Zustimmung hingenommen, was sonst niemals Zustimmung gewesen wäre.

 

 

 

 

„Thin Privilege“ – Welchen Unterschied Schönheit macht

Eine Anhängerin der Privilegientheorie hat plötzlich Privilegien, und zwar „Dünnen-Privilegien“. Sie hat stark abgenommen und die Umwelt nimmt sie anders wahr.
Hier einmal ihre körperliche Veränderung:

Frau von Dick zu dünn

Frau von Dick zu dünn

Sie sieht auf meiner Sicht wesentlich besser aus. Das obere rechte Bild dürfte ihren dicksten Zustand wiedergeben, das untere rechte ihren dünnsten Zutstand.

Was daraus folgte beschreibt sie hier:

At the age of 29 I had already traveled the world, successfully pursued several degrees in Women’s Studies, was in the process of developing a meaningful career, married the love of my life, and had three beautiful daughters. Yes, I was obese –morbidly obese according to the doctors’ charts – but I had never let my weight stop me from pursuing my dreams. In fact, my weight was part of who I was and had been part of my journey up until that point. I have always believed that beauty can be found in all sizes and spent many enjoyable hours styling my plus-sized self.

My weight eventually settled at 125 pounds – a size 2 – with what one of my doctors unprofessionally referred to as a “Barbie body.” But it wasn’t just my appearance that changed. My entire life began to change as well.

Around the time the weight settled, we moved several states away and I began a new life as a thin person. My speaking and teaching career began to take off with flying colors. Suddenly I was much “better” at a career that I had already been in for over 15 years. I began to notice an acceptance and approval in people’s eyes that hadn’t been there before. And wouldn’t you know? My trip leader reviews on the next trip I led to Israel – only 18 months post-op – showed drastic and remarkable improvement.

After having spent the first 30 years of my life working on my own self-esteem to try to be the most fabulous plus sized lady I could be, now as a thin person I began to discover the cold truth of obesity discrimination. I’d been good, but I’d never been “the best” because I was fat. The more I succeeded in my new body the more I wondered how often I had not succeeded in my old one. How many opportunities had I missed because of my weight? How often had my weight really held me back? As an adult, the only life I’d known had been as an obese person, so I had no idea how badly I was being treated and judged until I was given the chance to “pass over” to the other side. Now strangers smile at me more on the street, grocery clerks call me “sweetie” and “honey,” even my student reviews and classroom registration numbers have drastically changed. Just this past spring semester my “Biblical Hebrew 2” class held the highest registration on record at my university for a second semester of this very niche subject.

I am no longer invisible or ignorable. When I step on stage or in front of a microphone and smile at the audience as my Speech 101 teacher taught me to do so many years ago, I can feel a difference: I’ve already won over the crowd before I begin to speak. It wasn’t so long ago that I had to work hard to win over my audiences and it was a challenge that I loved; slowly drawing in the audience with my wit, personal stories, and knowledge of complex subject matter. I still work hard to engage my audiences and students as I always have. It’s the only “me” that I know how to be. But I’m still consistently amazed by the instant approval that I feel from my audience as I watch them give me the once over. Thin is instantly acceptable, fat needs to prove itself. I’ve always been a woman with a lot to say, but now everyone appears to be more interested in listening.

Another drastic change was in the way I was treated by healthcare professionals. As a morbidly obese woman, any sort of doctor’s appointment created several weeks’ worth of anxiety, mostly at the thought of being weighed and the resulting fat shaming and insulting conversation that was sure to follow. Oh really? At 5”4 I’m not supposed to be 265 pounds? I had no idea! I have had doctors sneer at me, call me lazy, roll their eyes at my explanations for my obesity, and more. Worst of all, I have had some doctors use my vulnerability and desperation to lose weight to try to convince me to shell out hundreds of dollars for their special weight loss “supplements.” Since the gastric bypass, doctors have given me nothing but warm congratulatory smiles at my continued weight loss success. You are such an inspiration! Good for you!

I’m intrigued, but as a professor of Women’s Studies I am also disgusted and bear tremendous guilt at what opportunities “thin privilege” has opened up for me. Worst of all, I’m not even sure that our society is conscious of the discrimination that is inflicted on obese individuals every single day. It’s no coincidence that so many people become involved in the “size acceptance” movement after successful weight loss surgeries. The only way to change what is commonly referred to as “the last acceptable form of discrimination” is through exposure, education, and self- love. Weight loss surgery may not for everyone, but size acceptance is.

Der Text enthält einiges interessantes:

  • Die hohe Bedeutung eines guten Partnerwerts auf die Bewertung eines Menschen: Hübsche Menschen schneiden in allen Bereichen besser ab, werden besser bewertet, erscheinen sympathischer und selbst in einem sehr Umfeld wie „Biblisches Hebräisch“ kann man damit Punkte machen. Diese Wertung ist relativ unlogisch, ihr biblisches Hebräisch wird nicht besser geworden sein, aber sie passt gut zu unseren evolvierten Kriterien, die eben gerade in diesem Bereich bei Frauen auf Schönheit abstellen. (Zu Schlankheit als Schönheitsideal und deren mögliche biologische Hintergründe: 1, 2, 3, 4, 5)
  • Das macht deutlich, welche unterbewußten Prozesse hier ablaufen: Wir bewerten Leute gerade nach solchen Kriterien wie etwa Schönheit und übertragen das auch auf andere Bereiche, ohne das dies in der heutigen Gesellschaft wirklich Sinn machen muss. In den für unsere Evolution interessanten Zeiten hingegen kann das anders gewesen sein: Gerade schöne Frauen locken mächtige Männer an und stehen üblicherweise auch hoch in der weiblichen Hierarchie. Das alles sind gute Gründe dafür, sich mit ihnen gut zu stellen.
  • Sie ist „Angeekelt“ und fühlt „eine enorme Schuld“, weil sie ihre Privilegien nutzt und die Gelegenheiten annimmt. Ich sehe erst einmal wenig Bemühungen ihrerseits, ihre Privilegien wirklich zu hinterfragen. Sie geht nicht etwa zur Universitätsleitung und lässt sich dort einen „Dünnheitsbonus“ abziehen, damit dickere Konkurrenten im Verhältnis fairer bewertet werden. Statt dessen scheint sie – wobei wir da ja nur ein Photo haben – eher figurbetonte Kleidung zu tragen
  • Dennoch zieht sie aus meiner Sicht die falschen Schlüsse: Ihre Meinung muss richtig sein, alle anderen sind ignorante Fat-Diskriminierer.
  • Es wäre interessant, ob sie selbst dünne Leute nun auch anders einschätzt.
  • Trotz all ihrer Mühen und trotz des Umstandes, dass sie als Woman Studies Professorin auf viele Leute getroffen sein sollte, die ebenfalls die Grundprinzipien der Fat-Akzeptanz kennen, hat sie diese gewaltigen Unterschiede erfahren.

 

Bringt die maskulistische / feminismuskritische Blogszene etwas?

Bei LoMi gab es eine Diskussion angesichts der Streitigkeiten um Wortschrank, Pelzblog und das ganze Drumherum. Dabei wurde auch in den Kommentaren etwas interessantes zur „maskulistischen Blogszene“ geschrieben, bei dem mich interessieren würde, wie ihr das seht:

Man in the Middle schrieb dort:

Die Masku-Blogger-Szene halte ich aber aus einem anderen Grund für sehr wichtig: ich sehe sie als eine wesentliche Ursache dafür, daß in den letzten 3 – 5 Jahren die feministische Diskurshohheit in den Medien faktisch gebrochen wurde. Zumindest mir scheint dem so, daß vor ca. 10 Jahren die großen Medien ohne relevanten Widerspruch die dicksten feministischen Lügen verbreiten konnten (mit denen man wie das gute alte Ministerium für Wahrheit die politische Meinung der Leute fernsteuerte), während das heute praktisch nicht mehr möglich ist. Man kennt die anonymen Kommentatoren in der ZEIT, SPON usw. nicht, aber die argumentieren oft richtig gut und kenntnisreich. Der wirklich relevante Machtfaktor sind einige 1000 Aufgeklärte, die auch den Mund aufmachen und die alten Lügen qualifiziert widerlegen können.

Wo haben die das gelernt? Am ehesten in der Masku-Blogger-Szene, bei mir war es auch so. Deswegen halte ich die Aufklärung über die Fakten und Einführung in die Hintergründe und Zusammenhänge für den wichtigsten Effekt der Masku-Blogger-Szene, und deshalb ist es das wichtigste Ziel, aus einigen 1000 Aufgeklärten einige 10.000 Aufgeklärte zu machen. Für diese Funktion ist die aktuelle Zankerei einiger Beteiligter irrelevant, wichtiger wäre eine Qualitätskontrolle dessen, was auf den wichtigen Blogs verbreitet wird. Insofern volle Zustimmung zu

Graublau ergänzte dazu:

Die Beobachtung teile ich. Soviel zu dem Thema “Was können eine Handvoll Leute überhaupt ausrichten, wenn die anderen dicke subventioniert sind?” bzw. “Was können ein paar Blogger überhaupt erreichen, was in der auf extreme Aktionen fokussierten Medienwelt nicht untergeht?” Ich halte das für einen ganz wichtigen Punkt, mit dem sich die stetige, ruhige Arbeit eines Arne Hoffmann etwa begründen läßt.

Früher habe ich vieles als falsch empfunden, konnte es aber nicht gut auf den Punkt bringen, es war alles so vage. Jetzt lese ich zum Teil sehr gut geschriebene Texte und Blogartikel. Für mich persönlich ist das ein Riesenfortschritt.

Ein anderes wichtiges psychologisches Moment: Solange man denkt, man sei der einzige, der zwischen verkündeter Wahrheit und Realität einen Widerspruch sieht, kann man das noch als “eigenen Fehler” oder “irrelevant” verbuchen. Sobald man sieht, dass offenbar vernunftbegabte Leute das stichhaltig begründen und gut ausformuliert darstellen können, weiß man, dass da etwas dran ist und man nicht der einzige ist.

Ich denke hier sind einige wichtige Punkte angesprochen:

  • Das Bereitstellen von Gegenargumenten
  • Der „ich bin nicht allein mit meiner Kritik“ Gedanke

Beide halte ich für wichtig, wenn die oben angesprochene Diskurshegemonie durchbrochen werden soll. Gerade weil im Genderfeminismus gerne mit Immunisierung von Kritik gearbeitet wird und häufig recht undifferenziert auf zB bestimmte Bücher von Butler oder anderen verwiesen wird und gefordert wird, sich erst mal über das Thema zu informieren, bevor man mitreden will, ist es sehr wichtig, dass dieser gefühlte Wissensvorsprung überwunden wird und man recht einfach auch Kritik an diesen Theorien finden kann oder Texte findet, die zeigen, dass andere das auch nicht logisch finden.

Deswegen halte ich es auch für so wichtig, möglichst auf Studien zu verweisen oder in sachlicher Art Kritik zu üben, so dass der Leser das Gefühl entwickelt, dass vernünftige Menschen (und nicht nur Extreme) ebenfalls Kritik äußern und insoweit auch seine Kritik berechtigt ist.

Dabei können Blogs gewisse Keimzellen bilden, auf denen Leute sich Informationen besorgen können und dann ihre eigenen Gedanken beispielsweise in Leserbriefen oder Kommentaren unter Artikeln ausdrücken können.

Wenn immer mehr Leute rufen, dass der Kaiser nackt ist, dann bekommen es eben auch immer mehr Leute mit. Und um so vernünftiger die Leute erscheinen, die dies rufen und um so besser sie es belegen, um so eher ist man bereit, auch selbst etwas in diese Richtung zu sagen.

Ich weiß nicht, ob es die „Masku-Blogszene“ war oder einfach die ansonsten immer weitere Berichterstattung in den Medien oder tolle Beiträge von Harald Eia von denen ich mir wünschen würde, sie würden an guter Stelle einmal im deutschen Fernsehn laufen. oder auch die inzwischen durchaus vorhanden Literatur zu dem Thema. Aber auch mir kommt es so vor als wäre heute schon deutlich mehr Kritik in den Medien vorhanden.

Gleichzeitig scheint der Feminismus auch radikaler zu werden (vgl. zB die Mädchenmannschaft), was ein gutes Zeichen sein kann, weil vielleicht gemäßigtere eher die Fehler sehen und insofern mehr radikale übrig bleiben.

 

Selbermach Samstag LXXXIII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Partnerwahl: Männer bevorzugen bei guter Gesundheitsversorgung weiblichere Gesichter

Ein Artikel im Spiegel verweist auf interessante Aspekte der Partnerwahl in Hinblick auf die Bevorzugung männlicherer oder weiblicherer Gesichter:

Wer ist attraktiv – und wer nicht? Auf diese Frage gibt es viele individuelle Antworten. Sie haben mit der Kultur zu tun und selbstverständlich mit persönlichen Vorlieben. Und doch zeigen sich auch allgemeinere Zusammenhänge: Männer aus Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung haben eine besonders große Vorliebe für feminine Frauengesichter.  (…) In allen Nationen bevorzugten Männer im Durchschnitt jeweils die weiblicheren Gesichter. In Ländern, die einen hohen National Health Index (NHI) haben, in denen die Bevölkerung also einen sehr guten Gesundheitsstatus hat, war dieser Trend besonders stark ausgeprägt. (Umgekehrt schwärmen Frauen in Gesellschaften mit schlechter öffentlicher Gesundheit übrigens eher für männlich aussehende Partner.)

Also:

  • Männer wollen in Gesellschaften mit guter Gesundheitsversorgung Frauen mit feminineren Gesichtern, in Ländern mit weniger guter Gesundheitsvorsorge bevorzugen sie auch weibliche Gesichter, aber nicht so ausgeprägt
  • Frauen wollen in Gesellschaften mit schlechter Gesundheitsversorgung Männer, die männlicher aussehen

Meine Vermutung wäre, dass Testosteron zwar männlichere Gesichter gibt, aber dafür eben insgesamt eine höhere Robustheit, die im Überlebenskampf gegen schlechte Bedingungen hilfreich sein kann. Bei Männern kann man demnach auf besonders männlich aussehende Männer abstellen, bei Frauen eben auf weniger weibliche.

Zugrunde liegt dem Ergebnis bezüglich der Wahl der Männer diese Studie:

Both attractiveness judgements and mate preferences vary considerably cross-culturally. We investigated whether men’s preference for femininity in women’s faces varies between 28 countries with diverse health conditions by analysing responses of 1972 heterosexual participants. Although men in all countries preferred feminized over masculinized female faces, we found substantial differences between countries in the magnitude of men’s preferences. Using an average femininity preference for each country, we found men’s facial femininity preferences correlated positively with the health of the nation, which explained 50.4% of the variation among countries. The weakest preferences for femininity were found in Nepal and strongest in Japan. As high femininity in women is associated with lower success in competition for resources and lower dominance, it is possible that in harsher environments, men prefer cues to resource holding potential over high fecundity.

Quelle: Cross-cultural variation in men’s preference for sexual dimorphism in women’s faces

Die zweite Studie, die kurz angesprochen wird, ist dann wohl diese:

Recent formulations of sexual selection theory emphasize how mate choice can be affected by environmental factors, such as predation risk and resource quality. Women vary greatly in the extent to which they prefer male masculinity and this variation is hypothesized to reflect differences in how women resolve the trade-off between the costs (e.g. low investment) and benefits (e.g. healthy offspring) associated with choosing a masculine partner. A strong prediction of this trade-off theory is that women’s masculinity preferences will be stronger in cultures where poor health is particularly harmful to survival. We investigated the relationship between women’s preferences for male facial masculinity and a health index derived from World Health Organization statistics for mortality rates, life expectancies and the impact of communicable disease. Across 30 countries, masculinity preference increased as health decreased. This relationship was independent of cross-cultural differences in wealth or women’s mating strategies. These findings show non-arbitrary cross-cultural differences in facial attractiveness judgements and demonstrate the use of trade-off theory for investigating cross-cultural variation in women’s mate preferences.

Quelle: The health of a nation predicts their mate preferences: cross-cultural variation in women’s preferences for masculinized male faces

Die Studien, von denen ich leider nur den Abstract lesen konnte, klingen interessant, weil sie zwei Bereiche betreffen:

  • Sie könnten deutlich machen, wie biologische Auswahlkriterien mit der Umwelt in Verbindung stehen können und welche „Trade offs“ jeweils gemacht werden. Hier anscheinend der zwischen Fruchtbarkeit und der Widerstandsfähigkeit /Konkurrenzfähigkeit. Dadurch ergibt sich eine gewisse Vielfalt, eben beispielsweise männlichere Frauen und weiblichere Männer
  • sie könnten auch andere Bereiche betreffen: Das Gesicht ist lediglich ein Zeichen für geringes / vermehrtes postnatales Testosteron. Es wäre interessant, ob sich dieser Trend auch in anderen Bereichen, die ähnliche Indikatoren sind, finden lassen. beispielsweise beim Verhalten oder sonstigen Körperbau etc.

Zu dem Komplex „weiblichere Männer und männlichere Frauen“ hatte ich bereits einmal einen Artikel. Dort schrieb ich:

Das gilt eben auch für bestimmte Eigenschaften von Mann und Frau. Ein ultraharter Mann war vielleicht in Kriegszeiten im Vorteil, demnach haben solche Männer Kriegssituationen besser überstanden, waren aber in Friedenszeiten nicht sanft genug für ein soziales Leben. Ein zu sehr auf bestimmte Sachen bezogener Mann konnte in großen Gruppen mit hoher Spezialisierung vielleicht gute Geschäfte durch seine Spezialisierung machen und damit seine mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen. Gingen die Geschäfte aber nicht so gut oder waren Allounder mehr gefragt, dann schnitt er schlechter ab. Eine harte Frau konnte vielleicht schlechter mit Kindern umgehen und war weniger fruchtbar. Sie schnitt aber im Krieg oder anderen Krisenzeiten besser ab und konnte so ihre Gene erhalten. Eine weiche Frau war vielleicht fruchbarer und sehr auf ihre Kinder bezogen, aber sie überstand Notzeiten und Kriege vielleicht schlechter.

Die Normalverteilung innerhalb der Geschlechter würde insofern Risikoverteilungen wiedergeben und in der Mitte die Allrounder für die typischerweise Frauen treffenden Risiken und die typischerweise von Frauen benötigten Fähigkeiten in einer den Risiken entsprechenden Verteilung aufweisen, während die Enden der Normalverteilungen speziellere Anpassungen an bestimmte Situationen zu Lasten anderer darstellen.

Das passt eigentlich recht gut zu den Ergebnissen der Studie.

Feminismus-Varianten

Bombe 20 schreibt in einem Kommentar:

Da die Analyse verschiedener Feminismus-Varianten gerade so in Mode ist, hätte ich gern mal ein paar Meinungen zu einer Differenzierung, die mir schon eine Weile im Kopf rumspukt, von der ich aber unsicher bin, ob sie sinnvoll und wenn ja, abschließend ist. (“Feministin” ist im Weiteren ein generisches Femininum.)

Die Aufteilung:

1. Politischer Feminismus
2. Theoretischer Feminismus
3. “Rebellische Mädchen”-Feminismus
4. “Coffee Shop”-Feminismus
5. kritischer Feminismus

Im Detail:

1. Der politische Feminismus ist im Wesentlichen das Ergebnis der Tatsache, daß Politiker und Parteien Alleinstellungsmerkmale brauchen, und diese sinnvollerweise so wählen, daß sie -ihrer Meinung nach- von möglichst vielen Wählern als stimmentscheidend beurteilt werden. Außerdem müssen Politiker für die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus der Politik planen. Die eigentlichen Inhalte oder gar die Theorien dahinter sind dabei überhaupt nicht so wichtig, wichtig ist, daß den Wählern leicht deutlich gemacht werden kann, daß man sich für “die Frauen” einsetzt.

2. Der theoretische Feminismus produziert (oder klaut) Theorien (im weitesten Sinne) und Konzepte wie “Patriarchat”, “Rape Culture”, “hegemoniale/toxische Männlichkeit” etc. Motivation kann (ursprünglich) eigene Betroffenheit sein, Männerhaß, oder schlicht die Erkenntnis, daß hier sichere Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst -mit Glück sogar eine verbeamtete Professur- oder zumindest ein brauchbarer Lebensunterhalt aus Buchverkäufen, Vorträgen oder Schulungen winken können.

3. Rebellische Mädchen sind im Wesentlichen genau das. Irgendwann in ihrer (möglicherweise grotesk verlängerten) Pubertät haben sie einen Weg gesucht, sich möglichst laut von der Mehrheitsgesellschaft abzusetzen. Bei einem Teil werden eigene Betroffenheit und Männerhaß eine Rolle spielen, aber im Prinzip hätten sie je nach sozialem Umfeld in dieser Phase auch Punks, Linksalternative (wobei es da natürlich deutliche Einflüsse und Überschneidungen gibt), Goths, Antifas, Mode-Nerds oder Mitglieder der Jungen Alternative werden können.
Sofern ein rebellisches Mädchen keinen Anschluß an den politischen oder theoretischen Feminismus findet, dürfte diese Phase mit dem Eintritt ins Berufsleben meist beendet sein.

4. Coffee-Shop-Feministinnen definieren Feminismus als den Einsatz für Gleichberechtigung, oder auch nur als die Ansicht, daß Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollten. Ihr Bild vom Feminismus haben sie aus den Medien, oft dürfte auch die Sozialisation einen wichtigen Einfluß gehabt haben. Über den radikalen oder männerfeindlichen Feminismus wissen sie nichts, über Benachteiligungen von Männern haben sie sich nie Gedanken gemacht oder sie als Einzelfälle abgetan.
Das Engagement von Coffee-Shop-Feministinnen kann sich auf die Selbstbezeichnung als Feministin beschränken, aber auch im Betreiben eines Blogs oder der aktiven Mitarbeit in einer für Frauenprobleme relevanten Organisation bestehen.

5. Kritische Feministinnen würden vermutlich von niemandem als sich selbst als Feministinnen bezeichnet. Sie waren mal Coffee-Shop-Feministinnen, aber die Konfrontation mit den radikalen und misandrischen Auswüchsen der anderen Feminismus-Varianten hat sie zu einer Einstellung kommen lassen, die Vertreterinnen dieser nur als antifeministisch erscheinen kann.

Überschneidungen und Wanderungen zwischen diesen Kategorien sind selbstverständlich möglich.

Wechselwirkungen:

1. Politische Feministinnen müssen wie erwähnt darauf achten, im gesellschaftlichen Mainstream anschlußfähig zu bleiben. Konzepte des theoretischen Feminismus können sie also nur aufgreifen, wenn sie von den Wählern auch verstanden werden. In Deutschland wären das z.B. das gut eingeführte “Patriarchat” oder die “gläserne Decke”, aber (noch) nicht etwa “Rape Culture”. Die rebellischen Mädchen und kritischen Feministinnen ignorieren sie sicherheitshalber, während die Coffee-Shop-Feministinnen ein wertvolles Wählerpotential darstellen, das aber allein mit feministischen Themen meist nicht zu heben ist.

2. Der theoretische Feminismus existiert weitgehend im Elfenbeinturm. Anknüpfungspunkte an den politischen Feminismus sind ihm allerdings wertvoll, weil hier zum einen gesellschaftlicher Einfluß zu erlangen ist, aber auch weitere Arbeitsplätze winken, etwa als “Berater”, “Gender-Coaches” oder in den Stiftungen der Parteien. Kritische Feministinnen können eine Bedrohung darstellen, wenn sie selbst einen akademischen Hintergrund haben, werden aber nur dann bekämpft, wenn sie absolut nicht mehr totgeschwiegen werden können, was wegen der guten Verbindungen zum politischen Feminismus eher selten der Fall ist.

3. Die Rebellen sind prinzipbedingt für alles offen, das ihnen erlaubt, sich noch lauter und radikaler zu gebärden. Dies betrifft insbesondere natürlich Konzepte aus dem theoretischen Feminismus, die Männer als Unterdrücker und Frauen als unschuldige, (bisher) hilflose Opfer zeichnen.

4. Da Coffee-Shop-Feministinnen den Feminismus widerspruchsfrei als “das Gute” einsortiert haben, sind sie oft anfällig für Einflüsse aus dem politischen und theoretischen Feminismus. Wenn sie etwa erfahren, daß die “Rape Culture” ein Konzept aus der feministischen “Wissenschaft” ist, werden sie es oft selbst dann als wahr übernehmen, wenn seine Inhalte ihrer Lebenswirklichkeit vollkommen widersprechen. (Hier wird dann im Zweifel der Confirmation Bias wirksam.)
Die misandrischen Anteile der Theorien (iwS, natürlich) nehmen sie anfangs nicht wahr, bei Konfrontation werden sie entweder geleugnet (“Es geht doch nicht um alle Männer.”) oder schlimmstenfalls übernommen (“Naja, mein Peter ist natürlich nicht so, aber Männer im Allgemeinen…”). Gelegentlich kann es aber auch zur kritischen Hinterfragung der eigenen Position kommen.

Werden sie mit den radikaleren Auswüchsen des Feminismus konfrontiert, ist dies erst einmal ein Fall für den Rationalisation Hamster (“Das ist bestimmt nicht so gemeint/aus dem Zusammenhang gerissen/Ergebnis einer schlimmen Kindheit/nur Satire.”), schlimmere Beispiele führen zur Entdeckung des “Mein-Feminismus-Feminimus”. (“Das ist nicht mein Feminismus” wird man nur -dafür aber häufig- von dieser Gruppe hören. Für 1-3 wäre eine solche Unterscheidung nicht zweckdienlich oder gar gefährlich, und für kritische Feministinnen ist die Ablehnung männerfeindlicher und Frauen infantilisierender Feminismusströmungen sowieso Programm.)

Coffee-Shop-Feministinnen, für die der Feminismus (noch) nicht identitätsstiftend geworden ist, dürften im Allgemeinen empfänglich für Feminismuskritik sein, sofern sie nicht pauschalisierend und brachial daherkommt, was durchaus auch zur Ablehnung des Labels “Feministin” führen kann. Radikaler Antifeminismus könnte dagegen eher auch umgekehrt zu einer Radikalisierung führen (“Das ist der Beweis, daß der Feminismus auch heute noch wichtig ist.”).

Ich bin der Überzeugung, daß ein erheblicher Anteil der Maskulisten und Antifeministen ursprünglich aus dieser Gruppe stammt.

5. Die radikalen Auswüchse des politischen und theoretischen Feminismus stellen ja gerade den Existenzgrund für kritische Feministinnen dar, entsprechend auch ihre Hauptmotivation.

Soweit meine Überlegungen, zu denen ich gern Meinungen und Ergänzungen gehört hätte. Findet Ihr sie richtig, falsch, zielführend, zeitverschwendend, vollständig, unvollständig?

Ich überlege zum Beispiel, ob journalistischer Feminismus (vom unreflektieren Übernehmen der Pressemeldungen feministischer Organisationen über die taz bis zum #Aufschrei-Astroturfing gewisser “Medienberaterinnen”) eine eigene Kategorie darstellt oder je nach Opportunismus oder Überzeugung Teil (einer Schnittmenge) von 1, 2 und 4 ist. Ebenso für feministische NGOs, insbesondere solche mit signifikanter Öffentlichkeitswirkung.
“Lebensunterhalt-Feminismus” als Hauptmotivation gibt es klar in 1 und 2 (und wenn man den Femen-Hintermann mitzählt, auch in 3), ist da die Motivation nicht vielleicht wichtiger als die Ausdrucksform?

Finde ich eine gelungene Einteilung, Die „Coffeshop-Feministinnen“ haben denke ich einige mit dem, was hier unter „Mein Feminismus-Feminismus“ aufgeführt wurde gemein.

4. Bloggeburtstag von „Alles Evolution“

Gerade fällt mir auf, dass heute vor 4 Jahren, also am 1.Mai 2010 der erste Artikel auf „Alles Evolution“ erschien.

Ich weise noch mal auf ein paar Möglichkeiten hin dem Blog oder mir zu folgen:

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Lobhymnen auf mich oder den Blog (oder wenn es denn sein muss auch gerne Kritik) bitte wie immer in den Kommentaren.

Statt Geschenke freue ich mich über jede Verlinkung 😉

Wie immer danke ich allen Kommentatoren ohne die das Bloggen nur halb so viel Spass machen würde!