Beschämungen männlicher Jungfräulichkeit

Über den Blog „Lion of the Blogosphere„, der es wiederum von Reddit hatte, fand ich unter Bezug auf Elliot Rodger folgenden Text:

Male virginity shaming is a serious problem in western cultures. Admitting that you’re male virgin in a college sets you up with continuous mockery from your peers and guaranteed social isolation. If you’re a male virgin in college I highly recommend you hide this fact, it is sad that you have to do this, but it honestly is the best option.

I am no longer virgin (I got a girlfriend late in college), but while I was a virgin I was treated horribly in college.

Before I start listing examples from my life, let me say that 65% of the male virginity shaming I experienced was conducted by men, often in the presence of women, and 35% was instigated by women.

1) Men would mention my virginity to any girl I was flirting with in a party.

2) People in my dorm thought it was funny to shout that I was virgin loudly in public, I was the only one in my floor.

3) I was constantly harassed about my virginity; jokes were constantly said about getting me a hooker, because “obviously” I had no shot on my own.

4) An internet meme was shared about me focusing on my lack of sexual experience.

5) I was constantly made fun of for not wanting to sleep with a random girl. Personally, I figured if I was virgin at 20 years old I might as well wait for someone special.

6) Groups of Women, who learned from men that I was a virgin, would talk about how undesirable I am because of my virginity.

7) The jokes continued without my presence, I realized this while on facebook.

There is a whole lot more that I have chosen to forget.

Es erstaunt nicht, dass wir als Wesen sexueller Selektion und einem intrasexuellen Wettkampf um Sexualpartner Leute abwerten, die in diesem Bereich schlecht oder erfolglos sind. Letztendlich kann man nahezu unsere gesamte Kultur als Ausdruck davon sehen, dass wir unseren Partnerwert über entsprechende Signale darstellen wollen bzw. einen guten Status aufbauen wollen und den richtigen Partner finden wollen, jedenfalls aus der „Sicht des egoistischen Gens“.

All diese Faktoren sollen potentiellen Konkurrenten und potentiellen Partnern deutlich machen, dass wir einen hohen Wert haben, so dass im Umkehrschluss auch die Wahl anderer von einem Selbst als Partner deutlich macht, ob er diese Kriterien erfüllt.

Aus evolutionärer Sicht ist es insoweit gerade bei Männern nicht so verwunderlich, dass eine Jungfräulichkeit ab einem gewissen Alter für Spott genutzt wird.  Das macht es natürlich nicht richtig und auch nicht zwangsläufig zu etwas, was man machen muss oder darf (naturalistischer Fehlschluss)

Natürlich kann das sehr negative Folgen haben, einmal durch den Spott und die soziale Abstufung an sich, dann aber auch, weil es natürlich dann noch schwieriger wird, Selbstvertrauen auszustrahlen, das wiederum Attraktivität deutlich beeinflusst.

Im Text weiter:

Apart from the way people treated me, I have noticed that college campuses actually contribute to the idea that “if your not having sex your looser a who’s missing out.” For example, in the dorms in my school there were these posters (often put up by the obsessively sex positive women’s center) EVERYWHERE advertising “Sex Safety Condom Olympics” with the words, “Valentines Day ended but you’re still having sex.” How the hell is this acceptable?! If you’re a virgin or someone in a dryspell seeing these posters make you feel like shitty and frustrated. It creates the illusion that everyone around you is having constant sex while you’re alone by yourself. We need to stop treating virgins like a freak of nature.

Das ist natürlich eine schwierige Abwägung: Muss man darauf Rücksicht nehmen, dass bestimmte Leute noch keinen Sex hatten und deswegen solche Werbung unterlassen. Ich meine nein, zumal man auch ansonsten entsprechenden Botschaften wohl nicht entgehen kann.

I genuinely think that I was handed a bad hand when it came to interacting with women. I grew up in an Asian American family in which I never witnessed romantic male-female interaction. My family did not hold casual conversations, we only spoke about schoolwork. Before I had a shot with girls, I had to be properly socialized which took a couple years in college. The people shitting on me for being a virgin, grew up in normal upper-middle class white families. They never understood how much of shock college was for me. I think many socially awkward male virgins in college are also the products of similar socially inept environments.

Whether anyone choses to be a virgin to wait for the right girl, or if someone can’t not get laid because of their behavior, it’s none of our business. If we are going to be in a liberal world in which sex is no big deal, then not having sex should be no big deal as well. Male virginity shaming is not acceptable. It hurts people and it makes people angry and bitter. I can speak from personal experience.

Bullying allgemein ist natürlich nicht okay. Man sollte sich bewusst machen, was man damit den Leuten antut und entsprechend rücksichtsvoll sein. Das gilt auch, wenn es gegen Männer geht.

22 Gedanken zu “Beschämungen männlicher Jungfräulichkeit

  1. If you’re a male virgin in college I highly recommend you hide this fact, it is sad that you have to do this, but it honestly is the best option.

    Kann auch schief gehen:

    (sorry, aber das gehört einfach hier hin)

    Richtig übel finde ich den immer wieder mal aufkommenden Scherz, dem Betroffenen eine Gummipuppe zum Geburtstag zu schenken. Wie originell.

    Virginity Shaming scheint mir auch unter Frauen recht üblich zu sein. Wobei der Großteil (wie unter Männern auch) sich schon solidarisch verhält. In Schulen wimmelt es eh noch von Jungfrauen, da dürfte das kein großer Mobbing-Faktor sein (es ist sowieso nur das Vehikel, nicht die Ursache)

    • ja aber das wird in der Realität wohl kaum passieren. Wenn man will, kann man sich da ja informieren und weiss wohl auch von selbst, dass Brüste sich nicht we Sandsäcke anfühlen.

      Guter Film, aber.

      Übrigens wieder einmal eine Sache, wo man nicht nicht nur auf den Feminismus gucken kann der Männer unterdrückt.
      Die Männerbewegung muss auch mal auf Beziehungen und Phänomene von Männern untereinander. So kuschelig geht es auch nicht immer zu, besonders nicht für sensible, nicht so offensiven Männern.

    • „If you’re a male virgin in college I highly recommend you hide this fact, it is sad that you have to do this, but it honestly is the best option.

      Kann auch schief gehen“

      Keine Ahnung, wie’s mit den Gepflogenheiten und ggf. peer pressure in den USA und US-Colleges im Speziellen aussieht, aber:

      Wer erzählt groß und en détail, wie er dies oder jenes Mädel gevögelt hat? Ein Gentleman schweigt und genießt. Derlei Indiskretionen dürften eher die Chance senken, dass sich eine Frau auf ein Abenteuer mit einem einlässt.

      Man ist ja seinen Mitmenschen nicht zur Auskunft verpflichtet – wenngleich gerade am Anfang der Studienzeit viele Leute noch zu naiv und gutgläubig sind.

      Neben Jungfrausein kann es auch gegen einen verwendet werden, wenn man z.B. bestimmte sexuelle Vorlieben herausposaunt. Ein Kommilitone, der zudem recht verklemmt war und auch sonst kein „Frauentyp“, hatte z.B. erzählt, dass er auf „golden shower“ Pornos steht (also mit Frauen beim Pinkeln). Das haben manche gerne mal auf Partys – gerne auch im Beisein von Frauen – thematisiert. Sooo interessant war das aber auch nicht lange.

  2. *I think many socially awkward male virgins in college are also the products of similar socially inept environments.*

    Das ist natürlich die Frage, die wiederum fast reflexhaft, ohne Überlegung, mit der heute gängigen, unüberprüften Null-Hypothese „ALLES SOZIALISATION, Natur ist VERBOTEN!“ beantwortet wird.

    Es könnte ja sein, dass die Kultur seiner asiatischen (nordostasiatischen?) Familie genau das Produkt von deren Natur war, die eine etwas andere ist als die der Weißen oder der Afroamerikaner.

    Das aber wird nicht einmal bedacht, wäre rassistisch, damit VERBOTTTTTEN!

    Und doch,dafür spricht alle Empirie – das seltsame, sich häufig zeigende Kontinuum, an dessen einem Ende oft der Durchschnitt der Schwarzafrikaner zu finden ist, am anderen Ende der der Nordostasiaten, mit den Kaukasiern in der Mitte, nicht nur geographisch, übrigens eine Verteilung, die sich unabhängig von der Geographie zeigt, egal ob nun Schwarzafrikaner seit Generationen zu Amerikanern geworden sind oder Chinesen zu US-Bürgern chinesischer Abstammung oder Briten in Britannien/WASP in den USA, die Ähnlichkeiten zu den „Herkunfstfamilien“ und deren Verhalten sind unübersehbar, analog zu dem, was Adoptionsstudien ergeben (die getrennt aufgezogenen biologischen Geschwister sind in allen wichtigen Verhaltensparametern einander ähnlicher als sie es gegenüber den sozialen Geschwistern sind, mit denen sie zusammen aufwuchsen).

    Die Macht der Gene.

    Ansonsten glaube ich nicht, dass Mädchen/Frauen männliche Jungfrauen weniger beschämen als Jungen/Männer.

    Sie tun es, wie üblich, nur wieder mal verdeckter, verhohlener, weniger offen in’s Angesicht hinein, mehr hinten herum, über Bande spielend, plausible Verleugenbarkeit wahrend, die es erlaubt, offenen, direkten Konfrontationen auszuweichen – frauentypisch halt.

    Frauen bewachen und fördern viel zu sehr die Herausbildung männlicher Dominanzhierarchien, um sonderlich „mitleidsfähig“ gegenüber männlichen Jungfrauen zu sein, mitleidsfähiger als Männer, im Schnitt.

    (Hinweis: Männliche Dominanzhierarchiene erleichtern Frauen die Partnerwahl – man verkauft sich seltener, wenn man hoch oben in’s Regal der Partnerhierarchie langt, wo die Erfolgreichen sich platzieren).

    In diesem Sinne ist gerade Feminismus wiederum ein Befeuern der männllichen Dominanzhierarchie (die „guten“ Männer, die es sich leisten können, Frauen zu schützen, zu versorgen, zu privilegieren, die von ihrem Überfluss abgeben können = feministisch-femizentrische Männer gegenüber den Losern, die das nicht können, den „Antifeministen“ > Feminismus als soziale Distinktionsmaschine, Feminismus ist für die Eliten, die „Gebildeten“, besser: für die Bildungsverblödeten, Antifeminsimus ist für die Prolls).

  3. Aufhänger ist auch hier der Fall Elliot Rodger. Ich hatte vor einer Woche ja mehrfach darauf hingewiesen, dass ich diese Erwartungshaltung „in der Uni wird man AUTOMATISCH man Sex haben“ und dieses Fallbeil-Werturteil „Wer mit 22 noch Jungfrau ist, mit dem stimmt etwas nicht“ (vgl. auch die Kommentare von mir vom 26. Mai 2014, 12:45 Uhr sowie 1:24 Uhr). Ich bin also ein vehementer Gegner von solchen Erwartungen und Verurteilungen. Ich finde es auch spannend, was sowohl in dem zitierten Text als auch in dem Original-Artikel zu lesen ist.

    Dennoch stimme ich dieser Grundforderung, mit „male virginity shaming“ aufzuhören, nicht zu. Ich sehe da starke Parallelen zu „slut shaming“. Eine gute Grundidee, Menschen nicht mehr zu ächten, aber in der Ausführung kippt es dann schnell um zu „Wir wollen Meinungen verbieten“. Ich nehme den Artikel aber gerne noch einmal selbst auseinander. Christian zitiert zielsicher oft die interessantesten Teile, aber es lohnt sich, so etwas einmal durchzulesen.

    Es geht aus meiner Sicht schon falsch los. Das sei ein Riesenproblem in westlichen Kulturen. Ein Riesenproblem sind für mich das Phänomen „arm trotz Arbeit“ und der Wohlstandsrückgang in breiten Teilen der Bevölkerung (was eine gute Erklärung für weniger Kinder und Familien wäre).

    Wie haben denn weite Teile der Studentenschaft ihre Uni-Jahre überlebt, wenn „male virginity shaming“ ein Problem wäre? Richtig, es wird niemand gezwungen, über sein Sexleben zu reden! Überraschung, Intimlieben heißt Intimleben, weil man es intim halten kann! Das ist nicht traurig, das ist eine ganz vernünftige Einstellung. Mir will auch kein Kontext einfallen, in dem es vernünftig wäre, über sein (fehlendes!) Sexleben mit Mitstudenten zu reden. Es ist sicherlich schwieriger, wenn man in einem Studentenwohnheim wohnt, wo man sich ständig auf die Pelle rückt und die Leute leichter Klatsch und Tratsch austauschen können. Dennoch bleibt die Frage: Wo steht denn geschrieben, dass jeder bereitwillig über sein Intimleben reden darf und gleichzeitig niemand dazu eine bestimmte Meinung haben darf?

    Das eigentliche Problem, das in diesem Artikel beleuchtet wird, nennt sich Mobbing. Man greift jemanden heraus, der irgendwie anders ist, und macht ihn systematisch und regelmäßig fertig. Da hätte aber auch kein Verbot von „male virginity shaming“ geholfen.

    Ein Punkt, der mir in der Aufzählung fehlt: Wie haben denn die Männer reagiert, wenn er sie direkt damit konfrontiert hat, dass ihm das sehr unangenehm sei und dies kein gutes Motiv für Scherze darstelle? Und dass es natürlich nicht helfe, ihm Flirts auf einer Party zu versauen mit solchen Hinweisen? Das wäre der Lackmustest gewesen, um zu sehen, ob die das nur als Spaß ansehen oder wirklich einfach nur blöd sind. Angeblich bemerken viele Mobber gar nicht, was sie bei ihrem Opfer anrichten. Genau dann kann ein klärendes Wort helfen.

    Frauen, die sich über Männer lustig machen, weil sie noch Jungfrau sind: Die kann man eh vergessen! Ist doch super, wenn man so einen Charaktertest hat, bevor man irgendwie Gefühle für sie entwickelt.

    Internetmemes und Sachen bei Facebook sind natürlich starker Tobak. Ich weiß nicht, wie ich da reagiert hätte. Aber auch hier: Cybermobbing schafft man nicht durch Meinungsverbote ab, sondern am ehesten, indem man mit den Leuten ein ernstes Wörtchen redet. Angeblich sollen in den USA ja junge Männer von der Uni fliegen, wenn sie der Vergewaltigung beschuldigt (!) werden oder in angetrunkenem Zustand mit einer ebenfalls angetrunkenen Frau Sex hatten. Warum können dann solche Fälle von Mobbing nicht verfolgt werden? Da gäbe es als ultima ratio noch androhbare Konsequenzen. (Es wird die Leute nicht freundlicher machen, sondern erst richtig böse, aber es ist zumindest ein Machtmittel, das man in den Raum stellen kann, um mal ein ernsthaftes Gespräch zu führen, falls die Mobber keinen Bock darauf haben.)

    Zu der Werbung: Man kann nicht oft genug auf Safer Sex hinweisen! Als Jungfrau oder jemand mit einer sexuellen Durststrecke sollte man nicht daraus ablesen, dass jeder sex haben MUSS. Sonst wertet man sich selbst ab.

    Vorher wurde hingegen die Einstellung geäußert, auf jemand Besonderes zu warten: Passt nicht zur klassischen Männlichkeit, ist aber eine gute Idee! Dann ist man vielleicht weniger nervös und kann die Sache langsam angehen lassen. Soll ja angeblich zu besserem Sex verhelfen.

    Danach kommt noch der Irrtum, in einer offenen Welt spiele Sex keine Rolle. Nur die Spielarten des Flirtens und des Partnerschaftsverhaltens werden breiter gefächert. Ansonsten ist das nach wie vor eine der wichtigsten Sachen überhaupt!

    Am Ende wird im Artikel noch eine Statistik erwähnt (aus den späten 1980er Jahren, würde ich also nicht auf heutige Verhältnisse anwenden). Danach waren angeblich 16% in höheren Semestern noch Jungfrau. Na also, es ist also nicht völlig ungewöhnlich, mit 22 noch Jungfrau zu sein, man ist damit einfach nur ein Spätzünder.

    Den Teufelskreis, dass ein Mann mit wenig Erfahrung unattraktiv ist und daher noch schlechtere Chancen hat, Erfahrung zu sammeln, sehe ich durchaus. Aber wie will man das bekämpfen? Indem man Meinungen verbietet? Dann lieber tatsächlich ein wenig Training in sozialer Interaktion. Und ein breiterer Bekanntenkreis. Und ein interessantes Hobby, in dem man richtig gut wird.

    Wenn „male virginity shaming“ aus „normalen Leuten“ einen Elliot Rodgers machen würde, dann müsste es viel mehr solcher Verbrecher geben. In der Realität gibt es jedoch meilenweite Unterschiede zwischen ihm und den anderen Menschen ohne Beziehungserfahrungen, und es ist unverantwortlich, das in einen Zusammenhang zu bringen (vgl. Arne Hoffmann, der berichtet, wie besorgt „Absolute Beginner“ auf solche Fälle reagieren). Nein, die Entscheidung zum Bösen trifft jeder selbst, und die Tatsache, dass es so wenige tun, sollte uns beruhigen.

    • „Angeblich bemerken viele Mobber gar nicht, was sie bei ihrem Opfer anrichten.“
      Und genau das halte ich für eine verlogene Schutzbehauptung von Leuten, die sehr genau wissen, was sie tun und welchen Schaden sie damit anrichten.

      Die, die das wirklich gar nicht so mitbekommen, sind i.d.R. eh nur die bedeutungslosen Mitläufer, die mitmachen, weil das halt von der Gruppendynamik so vorgegeben wird.

      Die wirklich treibenden Kräfte wissen ganz genau, was sie ihrem Opfer antun, weil es ihnen genau darum geht.
      Um die Machtdemonstration. „Sieh her, wir können mit dir machen, was wir wollen, dich quälen, demütigen, systematisch erniedrigen, und du kannst nichts dagegen tun.“

      Nicht umsonst führt bei Mobbing jede Beschwerde bei Lehrern / Eltern / Vorgesetzten (je nach Rahmen) nicht dazu, dass es besser wird.
      Eher im Gegenteil.

      Und über erlernte Hilflosigkeit führt das durchaus mal in die Depression und zur Suizidalität.
      Und hinterher ist dann das geheuchelte Bedauern groß, „das haben wir ja nicht gewollt“.

      • Ja, das Feld der Mobber teilt sich in Wortführer und Mitläufer. Die Mitläufer sind es, die man in ein Gespräch unter vier Augen bringen sollte. Ab dann können sie sich nicht mehr herausreden mit sie hätten ja nichts gewusst. Ab dann treffen sie eine bewusste Entscheidung. Als Mitläufer haben sie von dem Mobben relativ wenig und eine Sanktionierung könnte sie voll treffen. Nicht jeder wird darauf vernünftig, aber jeder hat ab dann die Verantwortung (erst recht).

        Die Anführer bekommt man nicht so leicht zu packen. Aber wenn sie erst einmal ihren unterstützenden und bejubelnden Club losgeworden sind, ist es schon weniger angenehm.

        In diesem Fall reden wir über erwachsene Menschen, die meistens nicht mehr bei den Eltern zu Hause wohnen und eventuell nur durch das Studium in die Stadt gekommen sind. Ein Rausschmiss von der Uni könnte sogar das Wegziehen der Person bewirken (und damit deren Machtverlust). Das ist keine Gemeinschaft, die noch auf viele Jahre hin bestehen wird.

        Einem Erwachsenen klarzumachen, dass er von der Uni fliegt, wenn er seine „Späße“ nicht lassen kann, ist auch ein faires Angebot an die eigene Entscheidungsfreudigkeit. Ein Universalrezept habe ich auch nicht (sonst würde ich ein Buch darüber schreiben), aber es gibt deutlich mehr Möglichkeiten als „gar nichts“.

        • am besten ist, seine Kinder in der Erziehung dafür zu sensibilisieren und auch so unmännliche Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und soziales Verhalten zu fördern.
          Das fängt ja schon im Kindergarten bzw. Vorschule an.

          Das hier haut mich schon wieder um. Da kann mir doch keiner sagen, dass es bis zu so einem Punkt nicht auch entsprechend beschissene Erziehung/Sozialisation abgelaufen sein müssen. http://www.liveleak.com/view?i=e96_1399627015

          Bestrafen und ächten ist ok, aber letztendlich nur Symptombekämpfung. Der Präventionsgedanke sollte nicht ausser Acht gelassen werden.

        • „am besten ist, seine Kinder in der Erziehung dafür zu sensibilisieren und auch so unmännliche Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und soziales Verhalten zu fördern.“

          Ich hoffe, die Zuschreibung dieser Eigenschaften als unmännlich war ironisch gemeint. Ansonsten wären wir wieder auf dem Niveau „ein echter Mann hat eben kein Einfühlungsvermögen und verhält sich nun einmal asozial“ – was diejenigen Männern mit Einfühlungsvermögen und Sozialverhalten noch motiviert, ihre Qualitäten zu verstecken. Und am Ende fragen sich alle, warum sich Männer nicht anständig verhalten (wollen)…

        • ja war sarkastisch gemeint.
          Wenn man „weiche“ Kompetenzen vermitteln will, kommt halt schnell der Vorwurf, man wolle „genderisieren“ und Jungen „demaskulinisieren“ oder so.

        • Das hier haut mich schon wieder um.

          Wobei der Junge, im Gegensatz zu dem Mädchen, noch eine deutlich wahrnehmbare Hemmung zeigt. Insbesondere versucht er, ihren Kopf _nicht_ zu treffen. Auch tritt er nicht „voll zu“. Es ist ein deutlicher Wille sichtbar, dem Mädchen keine ernsthaften körperliche Verletzungen zuzufügen.

          Sie hingegen tritt sehr gezielt gegen den Kopf, und ist obendrein sichtbar bemüht, möglichst viel Schwung hineinzulegen. Strafrechtlich begeht er wohl eher eine einfache Körperverletzung, während sie eine gefährliche Körperverletzung begeht – wenn nicht gar ein versuchtes Tötungsdelikt (Der Aspekt der Gemeinschaftlichkeit wäre natürlich auch zu überprüfen)

          Ich denke nicht, dass es hier am Einfühlungsvermögen scheitert. Alle Beteiligten wissen wohl ganz genau, was das Opfer fühlt. Die Frage, was da schiefläuft ist wohl nicht ganz so einfach. Und hat offenkundig sehr wenig mit Gendergedöns oder gar „hegemoniale Männlichkeit“ zu tun (abgesehen davon, dass der Junge einem anderen Jungen gegenüber vermutlich viel brutaler gewesen wäre)

          Bestrafen und ächten ist ok, aber letztendlich nur Symptombekämpfung. Der Präventionsgedanke sollte nicht ausser Acht gelassen werden.

          Jugend ist aber andererseits auch eine nicht ganz unproblematische Phase: Jugendliche _müssen_ die von der Erwaschsenenwelt vermittelten Werte in Frage stellen und ein eigenes Verhältnis dazu entwickeln. Da kommt es oft zu einem Rückfall zu so recht primitiver Moral wie dem „Recht der (sozialen) Stärke“

          Da ist es sehr wichtig, dass die Gesellschaft deutlich wahrnehmbare Grenzen zeigt. Nicht mit drakonischen Strafen, aber mit deutlich spürbaren Strafen, die vor allem Tatnah erfolgen müssen. Das ist auch Prävention.

        • Zu dem Video von Atacama: Das hat mich ziemlich umgehauen. Einem Menschen gegen den Kopf zu treten, dazu von einem Täter die Morddrohung, falls das Opfer etwas erzählt, und schließlich das weinende Opfer, das sichtlich fertig und erschüttert ist. Dazu kommt noch, dass das Mädchen ein wenig wie eine Bekannte von mir aussieht…

          Immerhin wurden die mutmaßlichen Täter inzwischen identifiziert und festgenommen.Gegen die tretende Frau wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.

    • Angenehm und klug zusammengefasst. Eine Jungfräulichkeit (für mich noch mit 30) mag emotional belastend sein und natürlich depressionsfördernd, aber es gibt sicher drängender Probeme auf der Welt. Man sollte sich trotz der persönlichen Last, die zweifellos an einem nagt und sicher in einer Form, die sich „normale“, Sex habende Menschen nicht vorstellen können, nicht zum Nabel der Welt machen.

      Ich bin ganz froh, dass ich eigentlich nur Umgang mit intelligenten Menschen pflege (das sollte jeder aus Selbstschutz tun 😉 ). Diejenigen, die von meiner Situation wissen, wissen auch entsprechend sensibel damit umzugehen (d.h.: ich bestimme, wann darüber geredet wird, ich werde nicht darauf angesprochen – weil es mir logischerweise unangenehm ist und auch nicht sonderlich viel Freude bereitet). Und diejenigen, die das zwar nicht wissen, es aber sicher vermuten könnten (einfach anhand dessen, wie ich lebe und was ich erzähle oder eben nicht), haben die entsprechende Höflichkeit, diese Themen auszusparen. Aber ich habe wohl auch Glück mit meinem Umfeld.

      Die im zitierten Blog-Eintrag beschriebenen Auswüchse des Mobbings (und ja, „male virginity shaming“ ist nix anderes als Mobbing) sind für mich unvorstellbar und ich habe sowas zum Glück noch nie erlebt. Es wurde mir nicht angetan und würde sowas in meinem Umfeld passieren, dann würde ich äußerst ungemütlich werden gegenüber den Tätern. Und anders geht das auch nicht bei einem Thema wie Mobbing. Hart durchgreifen.

  4. Also ich war bis 25 Jungfrau. Das habe ich allerdings niemand erzählt und ich weiß auch nicht, ob sich da irgendjemand Gedanken darüber gemacht hat. Mobbing oder Bullying habe ich nicht erlebt.

    Mein größter Feind deswegen war dann eigentlich ich selber. Circa ab 19 habe ich dann angefangen mich selbstmitleidig zurückzuziehen und bin in eine Art von passiver Schockstarre verfallen aus der ich dann relativ lang nicht mehr herausgefunden habe. Das ist im Nachhinein ziemlich schade, da mir auf diese Art ziemlich viele Sachen (unabhängig von Sex) entgangen sind die Andere in diesem Alter machen.

    Ich kann allen die dieses Problem haben nur empfehlen, nicht all zu lang zu warten. Die übers Internet einfach zugänglichen Pickup-Tipps wirken auf mich ziemlich erfrischend und hätten mir damals evtl. auch schon helfen können.

  5. Krass. So habe ich das bisher nie wahrgenommen. Aber es stimmt, wenn mal darauf achtet.

    Ich habe eine gute Freundin Mitte 20, die ebenfalls Jungfrau ist, hauptsächlich aus religiösen Gründen. (Sie möchte bis zur Hochzeit warten.)
    Natürlich akzeptiert das jeder. Allerdings fragen viele hinter ihrem Rücken (völlig verstört): „Warum macht die das? Voll unnötig!“ Ich selbst finde es auch etwas gefährlich. Sich ohne jegliche Beziehungs- und Sexerfahrung in eine lebenslange Bindung zu stürzen, wird irgendwann Enttäuschungen hervorrufen. Früher war das vielleicht allgemein akzeptiert. Man hat eben die Zähne zusammen gebissen und nicht darüber geredet. Heutzutage hat man Gott sei Dank die Chance, Erfahrungen zu sammeln.
    Für sie wird es immer schwieriger, einen passenden Partner zu finden. Bis 20 mag es einen größeren Pool an Männern gegeben haben, die sich (zunächst) auf eine Beziehung ohne Sex einlassen. Mit 25 sieht das schon wieder ganz anders aus. Da ist weibliche Jungfräulichkeit ziemlich creepy. Jede Beziehung beginnt mit der Hoffnung zu heiraten. Das schreckt viele ab.
    Worauf ich hinaus wollte: Sie wird auch als weltfremd und unentspannt bezeichnet. Keinen Sex zu haben ist heute schlimmer als Promiskuität.

    • *Früher war das vielleicht allgemein akzeptiert. Man hat eben die Zähne zusammen gebissen und nicht darüber geredet.*

      Die Zeiten früher müssen schlimm gewesen sein, sagt der Feminismus ja auch.

    • „Ich habe eine gute Freundin Mitte 20, die ebenfalls Jungfrau ist, hauptsächlich aus religiösen Gründen. (Sie möchte bis zur Hochzeit warten.)
      (…)
      Für sie wird es immer schwieriger, einen passenden Partner zu finden.“

      Warum eigentlich? Es müsste doch in ihrer Religonsgemeinschaft Männer geben, die ähnlich ticken. Und wenn nicht in ihrer Heimatgemeinde, dann woanders. Gerade eine gut funktionierende Religionsgemeinschaft ist doch darauf ausgerichtet, dauerhafte Beziehungen zu stiften.

      „Jede Beziehung beginnt mit der Hoffnung zu heiraten. Das schreckt viele ab.“

      Das mag mit 25 noch zu früh sein, aber ab Ende 20 ist sie damit gut unterwegs. Dann ist bei den meisten die reine Spaß- und Experimentierphase vorbei und man konzentriert sich auf Partner, die für eine dauerhafte Bindung taugen.

      Es wäre sicherlich falsch, beim ersten gemeinsamen Ausgehen gleich „Könntest Du Dir vorstellen, mich irgendwann zu heiraten?“ zu fragen. Aber eine Beziehung ohne den theoretischen Horizont zu heiraten (gerade bei religiöser Ausrichtung!) ist wäre doch sehr seltsam – und nebenbei auch Zeitverschwendung für Deine Freundin.

  6. Zum dem Thema hatte ich versucht etwas auf O*** ihrem Blog zu schreiben und wurde sogleich als Troll diffamiert.

    Ich hatte nur gesagt das Frauen erwachsene Männer die noch Jungfrau sind „komisch“ finden.

    Aber kann mir doch keiner sagen das es nicht so ist.

    Ja auch bei Frauen aber da kann Mann immerhin noch Erster sein 😉

  7. Das Thema ist tatsächlich äußerst wichtig!
    Und ja, vieles hier betrifft Mobbing allgemein, weshalb man es nicht zu spezifisch für diesen Fall betrachten sollte, aber durchaus im Hinterkopf behalten (auch vieles, was als frauenfeindlicher Sexismus gegeißelt wird, scheint mir ja eher allgemeines Mobbing zu sein, nur dann eben im speziellen Zuschnitt darauf).

    Direkte Lösungen weiß ich also auch keine (die Safer-Sex-Werbung mag betrüben, aber das ist allgemeines Lebensrisiko, das muss der Betroffene hinnehmen), aber man sollte sich eben das Problem vergegenwärtigen. Und da wage ich zu behaupten, dass männliche Jungfrauen tatsächlich härter betroffen sind, als weibliche. Beweisstück A: Allein die Bezeichnung.
    Die Kombination „männlich“ und „hatte nie Sex“ wird als so absurd betrachtet, dass es dafür nicht einmal einen richtigen, landläufigen Namen gibt. Stattdessen wird den Betroffenen die Männlichkeit quasi abgesprochen, indem er zur Frau erklärt wird. Allein dieses kleine Detail ist schon hart und dürfte nicht gerade dem Selbstbild helfen. Daher kann man nur hoffen, dass die AB-Bewegung mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt.

  8. Pingback: Mate Choice Copying | Der lange Weg zum ersten Mal

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