„Niemand streitet ab, dass das Geschlecht eine biologische Komponente hat“

Rexi führt bei Maren auf meinen Vorhalt, dass der Poststrukturalismus mit seiner sozialen Konstruktion der Geschlechter eine sehr schwache Position hat, an:

Niemand streitet ab, dass das Geschlecht eine biologische Komponente hat. Ich weiß nicht, wie oft man das dir schon von gesagt hat, von feministischer Seite. Ich glaube, ich mache eine Strichliste. Du scheinst das nur einfach zu ignorieren, denn immer wieder kommst du damit, als wäre es eine Offenbarung.

Tatsächlich kommt das Argument häufiger. Und es überrascht mich immer wieder. Denn die These, dass Geschlecht eine soziale Kategorie ist, ist die Kernthese des (Gender-)Feminismus.

Da irrtst du. Ich denke ich fordere dich auch jedesmal auf mir mal eine Stelle aus dem (Gender-)feminismus zu nennen, in der diese biologische Komponente dargelegt wird, da habe ich aber bisher nichts gehört.
Ich zitiere mal ein paar Sachen:

Hier:

“Die Annahme, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, kann in weiten Teilen der Frauen- und Geschlechterforschung als eine Art Minimalkonsens gelten.”

Feminismus101:

Geschlecht (Gender) ist sozial konstruiert (spiegelt sich in Stereotypen) und entspricht nicht zwangsläufig dem biologischen Geschlecht (Sex).

Judith Butler:

Butlers erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt ist die dekonstruktivistische Geschlechterforschung, nach der angeblich natürliche Sachverhalte diskursiv durch kulturelle Denksysteme und Sprachregeln bestimmt sind, ebenso wie durch wissenschaftliche Diskurse und politische Interessen. Sie stellt die biologische, binäre Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit radikal in Frage und sprengt jede kausallogische Fundierung von körperlichen Geschlechtsmerkmalen und sozialer Geschlechtsidentität. Damit wendet sie sich konsequent von der feministischen Idee einer Unterscheidung von sozialem (Gender) und biologischem Geschlecht (Sex) ab

Gleichheitsfeminismus (Wikipedia)

Gleichheitsfeminismus
Simone de Beauvoir (rechts) und Jean-Paul Sartre, 1920
Gleichheit und Differenz sind zentrale Kategorien im feministischen Diskurs. Gleichheitsfeministische Theorien sind in erster Linie herrschaftskritisch. Sie analysieren die gesellschaftliche Wirklichkeit der Geschlechter und untersuchen die gesellschaftlichen Konstruktionsweisen von Gleichheit und Ungleichheit. Im Gleichheitsfeminismus (auch Egalitätsfeminismus oder Sozialer Feminismus) gehen die Vertreterinnen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus und begründen die zwischen den Geschlechtern existierenden Unterschiede hauptsächlich mit gesellschaftlichen Machtstrukturen und Sozialisation der Menschen. Diese Idee war erstmals von Simone de Beauvoir in das Das andere Geschlecht (1949) aufgeworfen worden, demnach die Frau als „das Andere“ und soziales Konstrukt der Männer betrachtet wird.

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“

– Simone de Beauvoir
Nach dieser Theorie gibt es kein „typisch männlich“ und „typisch weiblich“, sondern nur durch geschlechtsspezifische Sozialisation und Aufgabenteilung begründete Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Ziel dieses feministischen Emanzipationskampfes ist die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten und Unterschiede, um so den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Bekannte Vertreterinnen des Gleichheitsfeminismus sind unter anderen Elisabeth Badinter und im deutschsprachigen Raum Alice Schwarzer.
Radikalisiert wurde dieser Gedanke durch einen Teil der um die französische Zeitschrift Nouvelles Questions Féministes (NQF)[46] gruppierten Feministinnen. Während für de Beauvoir Anatomie letztlich als gegeben und Teil der Situation galt, interpretierten sie das biologische Geschlecht selbst als Konstrukt mit dem Zweck, die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu markieren.

Es verwundert mich immer wieder, wie wenig sich Feministinnen mit den Ansichten des Feminismus beschäftigen. „Das vertritt doch niemand“ lässt sich mit etwas Kenntnis sehr häufig durch einige Zitate klarstellen. Meist kommt darauf schweigen und nicht etwa die Aussage „dann ist das falsch und diese Art von Feminismus hat unrecht“. Mitunter kommt dann etwas später der gleiche Vorhalt noch einmal.

Aber ich frage sicherheitshalber hier noch einmal nach:

  • Gibt es wesentliche feministische Theorien, die Geschlechterunterschiede über bloße offensichtliche körperliche Unterschiede wie Penis und Vagina hinaus zugestehen?
  • Gibt es feministische Theorien, die Unterschiede im Verhalten oder Denken etwa auf der Basis von Hormonen oder biologischen Unterschieden zugestehen?
  • Welche Theorien sind das und wer vertritt sie? Gibt es Literaturstellen, die konkreter werden und insoweit konkrete Aussagen machen, welche biologischen Unterschiede da akzeptiert werden sollen?