Partnerwahl: Männer bevorzugen bei guter Gesundheitsversorgung weiblichere Gesichter

Ein Artikel im Spiegel verweist auf interessante Aspekte der Partnerwahl in Hinblick auf die Bevorzugung männlicherer oder weiblicherer Gesichter:

Wer ist attraktiv – und wer nicht? Auf diese Frage gibt es viele individuelle Antworten. Sie haben mit der Kultur zu tun und selbstverständlich mit persönlichen Vorlieben. Und doch zeigen sich auch allgemeinere Zusammenhänge: Männer aus Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung haben eine besonders große Vorliebe für feminine Frauengesichter.  (…) In allen Nationen bevorzugten Männer im Durchschnitt jeweils die weiblicheren Gesichter. In Ländern, die einen hohen National Health Index (NHI) haben, in denen die Bevölkerung also einen sehr guten Gesundheitsstatus hat, war dieser Trend besonders stark ausgeprägt. (Umgekehrt schwärmen Frauen in Gesellschaften mit schlechter öffentlicher Gesundheit übrigens eher für männlich aussehende Partner.)

Also:

  • Männer wollen in Gesellschaften mit guter Gesundheitsversorgung Frauen mit feminineren Gesichtern, in Ländern mit weniger guter Gesundheitsvorsorge bevorzugen sie auch weibliche Gesichter, aber nicht so ausgeprägt
  • Frauen wollen in Gesellschaften mit schlechter Gesundheitsversorgung Männer, die männlicher aussehen

Meine Vermutung wäre, dass Testosteron zwar männlichere Gesichter gibt, aber dafür eben insgesamt eine höhere Robustheit, die im Überlebenskampf gegen schlechte Bedingungen hilfreich sein kann. Bei Männern kann man demnach auf besonders männlich aussehende Männer abstellen, bei Frauen eben auf weniger weibliche.

Zugrunde liegt dem Ergebnis bezüglich der Wahl der Männer diese Studie:

Both attractiveness judgements and mate preferences vary considerably cross-culturally. We investigated whether men’s preference for femininity in women’s faces varies between 28 countries with diverse health conditions by analysing responses of 1972 heterosexual participants. Although men in all countries preferred feminized over masculinized female faces, we found substantial differences between countries in the magnitude of men’s preferences. Using an average femininity preference for each country, we found men’s facial femininity preferences correlated positively with the health of the nation, which explained 50.4% of the variation among countries. The weakest preferences for femininity were found in Nepal and strongest in Japan. As high femininity in women is associated with lower success in competition for resources and lower dominance, it is possible that in harsher environments, men prefer cues to resource holding potential over high fecundity.

Quelle: Cross-cultural variation in men’s preference for sexual dimorphism in women’s faces

Die zweite Studie, die kurz angesprochen wird, ist dann wohl diese:

Recent formulations of sexual selection theory emphasize how mate choice can be affected by environmental factors, such as predation risk and resource quality. Women vary greatly in the extent to which they prefer male masculinity and this variation is hypothesized to reflect differences in how women resolve the trade-off between the costs (e.g. low investment) and benefits (e.g. healthy offspring) associated with choosing a masculine partner. A strong prediction of this trade-off theory is that women’s masculinity preferences will be stronger in cultures where poor health is particularly harmful to survival. We investigated the relationship between women’s preferences for male facial masculinity and a health index derived from World Health Organization statistics for mortality rates, life expectancies and the impact of communicable disease. Across 30 countries, masculinity preference increased as health decreased. This relationship was independent of cross-cultural differences in wealth or women’s mating strategies. These findings show non-arbitrary cross-cultural differences in facial attractiveness judgements and demonstrate the use of trade-off theory for investigating cross-cultural variation in women’s mate preferences.

Quelle: The health of a nation predicts their mate preferences: cross-cultural variation in women’s preferences for masculinized male faces

Die Studien, von denen ich leider nur den Abstract lesen konnte, klingen interessant, weil sie zwei Bereiche betreffen:

  • Sie könnten deutlich machen, wie biologische Auswahlkriterien mit der Umwelt in Verbindung stehen können und welche „Trade offs“ jeweils gemacht werden. Hier anscheinend der zwischen Fruchtbarkeit und der Widerstandsfähigkeit /Konkurrenzfähigkeit. Dadurch ergibt sich eine gewisse Vielfalt, eben beispielsweise männlichere Frauen und weiblichere Männer
  • sie könnten auch andere Bereiche betreffen: Das Gesicht ist lediglich ein Zeichen für geringes / vermehrtes postnatales Testosteron. Es wäre interessant, ob sich dieser Trend auch in anderen Bereichen, die ähnliche Indikatoren sind, finden lassen. beispielsweise beim Verhalten oder sonstigen Körperbau etc.

Zu dem Komplex „weiblichere Männer und männlichere Frauen“ hatte ich bereits einmal einen Artikel. Dort schrieb ich:

Das gilt eben auch für bestimmte Eigenschaften von Mann und Frau. Ein ultraharter Mann war vielleicht in Kriegszeiten im Vorteil, demnach haben solche Männer Kriegssituationen besser überstanden, waren aber in Friedenszeiten nicht sanft genug für ein soziales Leben. Ein zu sehr auf bestimmte Sachen bezogener Mann konnte in großen Gruppen mit hoher Spezialisierung vielleicht gute Geschäfte durch seine Spezialisierung machen und damit seine mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen. Gingen die Geschäfte aber nicht so gut oder waren Allounder mehr gefragt, dann schnitt er schlechter ab. Eine harte Frau konnte vielleicht schlechter mit Kindern umgehen und war weniger fruchtbar. Sie schnitt aber im Krieg oder anderen Krisenzeiten besser ab und konnte so ihre Gene erhalten. Eine weiche Frau war vielleicht fruchbarer und sehr auf ihre Kinder bezogen, aber sie überstand Notzeiten und Kriege vielleicht schlechter.

Die Normalverteilung innerhalb der Geschlechter würde insofern Risikoverteilungen wiedergeben und in der Mitte die Allrounder für die typischerweise Frauen treffenden Risiken und die typischerweise von Frauen benötigten Fähigkeiten in einer den Risiken entsprechenden Verteilung aufweisen, während die Enden der Normalverteilungen speziellere Anpassungen an bestimmte Situationen zu Lasten anderer darstellen.

Das passt eigentlich recht gut zu den Ergebnissen der Studie.

14 Gedanken zu “Partnerwahl: Männer bevorzugen bei guter Gesundheitsversorgung weiblichere Gesichter

  1. Interessant.

    *Across 30 countries, masculinity preference increased as health decreased. This relationship was independent of cross-cultural differences in wealth or women’s mating strategies.*

    Das bedeutet, die bei lange Zeit befriedeten, wohlhabenden Gesellschaften zu beobachtende kulturelle Feminisierung hat auch eine biologische Basis, angetrieben durch die Partnerwahl.

    Sowohl auf Männer- wie auf Frauenseite: Beide Geschlechter bevorzugen unter solchen Umständen „femininere“ Phänotypen und damit einhergehend auch Charaktere.

    Bei Frauen dürfte die Feminisierung innerhalb des Genpooles „Wohlhabende Gesellschaft“ sogar noch drastischer ausfallen, da die „männlicheren“ = weniger an Schwangerschaft/Kindern interessierten Frauen via Abtreibung/Pille sich noch rascher im Genpool marginalisieren als allein durch Verschiebung der Präferenzmuster von Seiten der Männer verursacht.

    Während sich auf Männerseite die männlicheren Männer ja auch als die triebhafteren stärker sexuell betätigen dürften als die weiblicheren.

    Wie gesagt: Das Problem der „Karrierefrau“ löst sich innert weniger Generationen in einer wohlhabenden Gesellschaft von alleine.

    Durch die „Feminisierung“ geht wohl allerdings auch die Selbstbehauptungsfähigkeit einer solchen Gesellschaft und ihre Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen, den Bach runter.

    Was dann wieder zu Bedingungen führt, die männlichere Phänotypen (immer auch psychisch zu verstehen) bei Männern und Frauen begünstigt > Remaskulinisierung.

    Das Jo-Jo-Spiel unserer Kulturgeschichte im Aufstieg und Fall von Zivilisationen.

    • Durch die “Feminisierung” geht wohl allerdings auch die Selbstbehauptungsfähigkeit einer solchen Gesellschaft und ihre Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen, den Bach runter.

      Ganz eindeutig: Nein. Das, was du „Feminisierung“ nennst geht vor allem mit einem höheren Investment in den Nachwuchs einher (Langzeitstrategie). Was du regelmäßig als „K-Selektion“ zu framen suchst. (Was keine Selektion, sondern eine insbesondere entwicklungsbiologische Plastizität sein dürfte)

      Du verhedderst dich laufend selbst in deinem abstrusem Geschwafel.

      Das Jo-Jo-Spiel unserer Kulturgeschichte im Aufstieg und Fall von Zivilisationen.

      Biomarxismus 😀

      • @ Nick

        *Du verhedderst dich laufend selbst in deinem abstrusem Geschwafel.

        Wer deinem abstrusen Geschwafel über angeblich kulturdeterminierende Verschiebungen im Genpool nicht folgen mag, _muss_ eben irgendeine Art von “Marxist” sein..

        Man erkennt sie meistens an solchen stark reduktionistischen falschen Dichotomien, wie du sie ständig aufmachst.

        Der Vollideologe bist hier du.*

        Sei doch nicht so nervös, Nick.

        Dein rhetorischer Over-Kill legt den Verdacht nahe, dass Du Deiner eigenen Überzeugung nicht traust.

        Geschwafel richtet sich selbst.

        Da muss man einfach nur abwarten, u.U. Jahrzehnte.

        Das kann man aber relativ gelassen tun.

        Das Geschwafel der Kulturmarxisten z.B. geht schweren Zeiten entgegen.

        • Da muss man einfach nur abwarten, u.U. Jahrzehnte.

          In Jahrzehnten wächst das Wissen, Roslin. Es schrumpft nie mahr auf das der „guten alten Zeit“.

          Das Geschwafel der Kulturmarxisten z.B. geht schweren Zeiten entgegen.

          Überall Gespenster zu sehen ist nicht mein Begriff von Gelassenheit.

        • @ Nick

          *“In Jahrzehnten wächst das Wissen, Roslin. Es schrumpft nie mehr auf das der “guten alten Zeit”.*

          Die zivilisatorische Entwicklung der Menschheit
          erfolgt in Zyklen. Es gibt nicht nur Zuwachs
          an Wissen sondern auch Wissensverlust.
          Mann kann schon davon ausgehen, dass auch
          in einer Absturzphase nur Teile des Wissens
          verloren gehen, so dass zumindest über
          eine Folge von zivilisatorischen Zyklen
          insgesamt ein Fortschritt erkennbar ist.
          Unsere momentane Situation mit der
          “guten alten Zeit” zu vergleichen und
          uns diese entweder zurückzuwünschen oder
          zu glauben, wir hätten gewisse Dinge
          definitiv hinter uns gelassen ist
          beides naiv.
          Wichtiger ist zu analysieren, in welcher
          Phase des aktuellen Zykluses wir uns
          befinden.

        • Ich glaube, Red Pill sollte auch anfangen, Padawane, ach, Entschuldigung, Sith-Schüler auszubilden, bevor die Apokalypse kommt.

  2. Noch ’ne Studie (zur biologischen „Objektivität“ von Schönheitsnormen):

    http://www.ehbonline.org/article/S1090-5138(09)00088-9/abstract

    * Results show that in each culture participants selected women with low WHR [die hippe Waste-Hip-Ratio] as attractive, regardless of increases or decreases in BMI. This cross-cultural consensus suggests that the link between WHR and female attractiveness is due to adaptation shaped by the selection process.*

    Wird unsere Feminist.I.nnen nicht daran hindern, weiter für Fat Acceptance zu streiten, um den Landwal und die Heringstonne populär zu machen.

    Kampf gegen Windmühlen ist ja auch einfacher als gegen Schwabbelblubber in walzenförmiger Distribution, Marke Engerling.

    Und viel erfolgversprechender.

      • @ Nick

        Die Mühle mahlt allerdings wirklich Korn und es sind wohl eher Kulturmarxisten, die sie attackieren, die Erkenntnis der biologisch-kulturellen Interaktion bzw. der genetisch-kulturellen Koevolution.

        Passt nicht so ganz zum sozioökonomischen Diamat (DAS SEIN der Produktionsweise BESTIMMT DAS BEWUSSTSEIN, vermaledeite Heritabilität).

        Für Dich habe ich auch etwas.

        http://drjamesthompson.blogspot.de/2014/05/lci-proceedings-science-and-its.html

        http://drjamesthompson.blogspot.de/2014/05/lci14-bashful-researcher-writes.html

        • @Roslin:

          Among fundamental psychological needs, the need to believe in a just world is identified as a major reason for resistance to scientific research whose results are, or are expected to be, incompatible with this belief.

          Passt doch, zu deiner beharrlichen Realitätsleugnung bzgl .. etwas elaborierter Erkenntnisse bzgl. Vererbung, Life-History Theorie und Entwicklungsbiologie. (Die Heratibiltäten übrigens nicht in Abrede stellen)

          „just world“ bezieht sich eben keineswegs alleine auf „egalitarismus“. Die protestantische Prädestinationslehre beispielsweise ist ja auch eine Vorstellung einer „gerechten Welt“. Oder Sozialdarwinismus etc

          Man erkennt sie meistens an solchen stark reduktionistischen falschen Dichotomien, wie du sie ständig aufmachst.

          Wer deinem abstrusen Geschwafel über angeblich kulturdeterminierende Verschiebungen im Genpool nicht folgen mag, _muss_ eben irgendeine Art von „Marxist“ sein..

          Gut/Bösedenk + Verschwörung als Sündenbock.

          Der Vollideologe bist hier du.

  3. Das auch noch

    *Upper-body fat has negative effects and lower-body fat has positive effects on the supply of long-chain polyunsaturated fatty acids that are essential for neurodevelopment. Thus, waist-hip ratio (WHR), a useful proxy for the ratio of upper-body fat to lower-body fat, should predict cognitive ability in women and their offspring. Moreover, because teenage mothers and their children compete for these resources, their cognitive development should be compromised, but less so for mothers with lower WHRs. These predictions are supported by data from the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Controlling for other correlates of cognitive ability, women with lower WHRs and their children have significantly higher cognitive test scores, and teenage mothers with lower WHRs and their children are protected from cognitive decrements associated with teen births. These findings support the idea that WHR reflects the availability of neurodevelopmental resources and thus offer a new explanation for men’s preference for low WHR.*

    Schlankere Frauen (und deren Kinder) sind im Schnitt klüger.

    http://www.ehbonline.org/article/S1090-5138(07)00073-6/abstract

    • An evolutionary perspective on the trans-generational basis of obesity

      Until recently, obesity was considered the product of interactions between genotype and lifestyle. However, recent work suggests that the genetic heritability of adiposity has been over-estimated, whilst epidemiological studies show that although many genes are associated with nutritional status, the effect of each is very small. A polygenic basis of obesity risk may arise through bet-hedging of numerous traits to accommodate diverse unpredictable environments, rather than through systematic local adaptation. Such ‚fragmentation‘ of the genetic component of metabolism across multiple alleles may be a necessary pre-requisite for complementary enhancement of phenotypic plasticity. The inter-generational component of obesity refers to phenotypic effects transmitted across generations, arising from exposure to maternal, familial and environmental niches during development. Inter-generational transfers of somatic capital (height, lean mass) may respond to ecological conditions through a slow-response damping system, through the influence of maternal phenotype on offspring growth and body composition. The primary traits subject to inter-generational effects may be physique and life history strategy, with adiposity both aiding and responding as a flexible risk management strategy. The biological processes that underpin the offspring’s developmental plasticity appear sensitive to the obesogenic niche. Through this sensitivity, diverse environmental factors can induce excess weight gain from childhood onwards.

      http://discovery.ucl.ac.uk/1318632/

  4. Dazu auch:

    National income inequality predicts women’s preferences for masculinized faces better than health does

    An alternative to the immunocompetence/investment trade-off perspective is the hypothesis that variation in preferences is explicable primarily (or exclusively) in terms of intrasexual competition. As well as aggression and low investment, facial masculinity may signal dominance [6], which, in certain environments, predicts competitive success in male hierarchies [7]. Women might therefore be more attracted to masculinity in environments in which the benefits of dominance are increased and/or the costs of aggression decreased. DeBruine et al. [1] acknowledge this possibility, and because they published their data as supplementary material, we were able to explore it further.
    [..]
    DeBruine and co-workers have provided important data that have exposed interesting patterns of worldwide variation in preferences. They suggested one possible route by which this variation arises: that mating with highly masculinized males may deliver a benefit in countries with health challenges. We show that income inequality, an important determinant of both national health status and male–male competition and violence is a better predictor of national preferences for masculine faces, and that, in comparison to national health status, homicide rate predicts more variation in masculinity preferences.

    http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/278/1707/810.full

  5. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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