Kulturmarxismus

Zurecht verweist Neuer Peter darauf, dass hier immer mehr Diskussionen in einer Diskussion darüber enden, ob es einen Kulturmarxismus gibt oder nicht. Also scheint es angebracht hier einmal einen Artikel zu bieten, in dem das Thema ausdiskutiert werden kann und auf den man Leute verweisen kann, wenn dazu wieder eine Diskussion aufkommt.

Der 1. Mai bietet sich für ein solches Thema natürlich an, ebenso wie seinerzeit schon bei dem Artikel zu Kritik am Kommunismus.

Der Wikipedia-Eintrag zum Kulturmarxismus gibt das Folgende her:

Cultural Marxism ist ein politisches Schlagwort der amerikanischen Rechten, das eine angebliche Verschwörung der „Linken“ beschreibt.

Laut dem Politikwissenschaftler Thomas Grumke habe die amerikanische neue extreme Rechte eine Umdeutung des Feindbildes vorgenommen, da die klassische Red Scare nicht mehr funktioniere. Teil dieser Strategie ist es, Kampfbegriffe wie „Cultural Marxism“ in die Debatte einzuführen. Als Kampfbegriff der amerikanischen neuen Rechten beschreibt „Cultural Marxism“ einen angeblichen konspirativen Versuch der „Linken“, durch Angriffe auf den American Way of Life die Kultur und Moral der USA zu zerstören. Nach der Legende sei der Ausgangspunkt des Kulturkrieges auf die 1930er Jahre zurückzuführen, als eine kleine Gruppe jüdischer Philosophen aus dem Deutschen Reich in die Vereinigten Staaten flüchteten. Diese Vertreter der Frankfurter Schule wurden an der Columbia University tätig, wo sie eine Form des Marxismus entwickelt hätten, der sich nicht mit dem Wirtschaftssystem, sondern mit der Kultur auseinandersetze. Diese Gruppe habe sich seitdem zum Ziel gesetzt, den weißen Amerikanern den Stolz auf ihre europäische Abstammung und Ethnie auszureden, sowie „christliche“ Familienwerte als reaktionär und rückständig darzustellen. Auch werde aus diesem Grund sexuelle Befreiung gelobt. William Sturgiss Lind definiert neben den Philosophen der Frankfurter Schule auch Feministinnen, Homosexuelle, Multikulturalisten, Migranten und Umweltschützer als feindliche „Kulturkrieger“. [1]

Die Anschläge in Norwegen 2011 wurden von dem Norweger Anders Behring Breivik unter anderem damit begründet, Norwegen gegen den Islam und den „Kulturmarxismus“ verteidigen zu wollen.

Eine andere Erklärung für den Kulturmarxismus habe ich hier gefunden:

Relativ unbeachtet vom syndikalistischen und libertär-klassenkämpferischen Lager hat sich in den letzten Jahren eine von der politischen Rechten in den USA ausgehende Verschwörungstheorie entfaltet, die einen angeblichen, immer einflussreicheren, „Kulturmarxismus“ ausmacht. Dabei handelt es sich um eine Verschwörungstheorie, die, kurz gesagt, postuliert, dass mächtige neo-marxistische Kräfte unter dem Deckmantel der Politischen Korrektheit versuchen Ehe, Familie und die gesamte traditionelle westliche Kultur zu zerstören, um dadurch die Bedingungen für eine soziale Revolution zu schaffen. Als Ursprung dieser Strategie zur Zerstörung der gesamten westlichen Zivilisation gelten für die Anhänger dieser Verschwörungstheorie insbesondere die Theoretiker der Frankfurter Schule.

Nimmt man diese Definition des Kulturmarxismus, dann haben wir folgende Elemente

  1. Theoretiker, die neo-marxistischen Theorien anhängen
  2. besonders auf politische Korrektheit achten
  3. das Ziel haben, damit Ehe, Familie und die gesamte traditionelle westliche Kultur zu zerstören
  4. dies aber nicht aus Gründen der politischen Korrektheit wollen, sondern auf diesem Weg die Bedingungen für eine soziale Revolution schaffen wollen

Dafür, dass tatsächlich ein Kulturmarxismus handelt ist also maßgeblich, dass die genannten Ziele nur Mittel zum Zweck sind und eigentlich nur die Basis für eine Revolution schaffen sollen.

Und da ist aus meiner Sicht der größte Haken an der ganzen Sache, der es sehr unwahrscheinlich macht, dass dies im größeren Umfang tatsächlich passiert. Denn die meisten, die hinreichend überzeugt von diesen Ideen sind, werden sie aus meiner Sicht eben auch als solche vertreten und der Nachweis, dass sie eigentlich etwas ganz anderes wollen, erscheint mir kaum möglich.

Ich kann mit durchaus vorstellen, dass es

  1. Personen gibt, die sich stark mit marxistischer Theorie befasst haben
  2. meine, dass zu einer gleichen Gesellschaft dann eben auch eine aus ihrer Sicht möglicht diskriminierungsfreie Gesellschaft gehört und daher auch die Theorien zur politischen Korrektheit bzw. die Privilegierungsgtheorien gut und richtig finden
  3. vieles an einer konservativen Gesellschaft schlecht finden und damit auch ein Kritik an Ehe und Familie im klassischen Sinne und auch an westlicher Kultur verbinden

All dies wäre aber kein Beweis für einen Kulturmarxismus, denn dieser erfordert eben nicht, dass man an beidem interessiert ist, sondern, dass man das eine nur als Mittel zum Zweck sieht.

Wenn man also beispielsweise feministische Strömmungen als Kulturmarxismus sieht, dann fehlt es aus meiner Sicht gerade an diesem Element. Es gibt natürlich feministische Theorien, die auch eine Kapitalismuskritik enthalten und insoweit auch Marxistische Elemente haben (zu Unterschieden und Kommunismus und Feminismus an sich verweise ich auf diesen Artikel mit einem Kommentar von Leszek), aber sie verfolgen doch auf der Ebene der Theorie und der Aktivstinnen eine starke auf Frauen bezogenene Ausrichtung, die sich zwar entsprechenden kommnunistischen Theorieelementen bedienen mag oder sich sogar vorstellen könnte, dass ein sozialistisch ausgerichtete Welt frauenfreundlicher ist („Konkurrenz und Wettbewerb ist Patriarchat, Frauen kooperieren friedlich“ oder so), dass bedeutet aber nicht, dass sie den Feminismus zwangsläufig als Mittel zum Zweck sehen.

In einem Artikel zu Feminismus und Kommunismus zitierte ich aus der Wikipedia wie folgt:

Patriarchat und Kapitalismus

Ein Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus und den Geschlechterverhältnissen wurde innerhalb des Feminismus diskutiert, und zwar ob die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen ein „Nebeneffekt“ (Nebenwiderspruch) oder eine notwendige Voraussetzung des Kapitalismus seien. Sozialistische und marxistische Feministinnen betrachten die Frauenunterdrückung als immanentes Element des Kapitalismus. Sie beziehen neben der Produktions- auch die Reproduktionssphäre geschlechtliche Arbeitsteilung in ihre Analysen mit ein. Nach Frigga Haug gehe es um eine „Kritik der Produktionsweise des Kapitalismus, die auf Frauenunterdrückung in Form der Aneignung unentlohnter Arbeit basiert und des Fraueneinsatzes in geschlechtstypischer Arbeitsteilung bedarf.“ (zitiert nach Carstensen u.a.: S.3) Von feministischer Seite wurde kritisiert, dass die Unterdrückung der Frau zu einem Nebenwiderspruch der Produktion degradiert würde.

Das ist letztendlich eine Frage der eigenen Prioritäten, zeigt aber aus meiner Sicht durchaus, dass man bestimmte Theorien verbinden kann und damit beide Ziele verfolgen kann, ohne das man eines eigentlich gar nicht will, was ja letztendlich eine Theorie des Kulturmarxismus ist.

Mir erscheint insofern auch die Theorie des Kulturmarxismus eine Verschwörungstheorie zu sein, die über die in Amerika gern genutzte Angst vor dem Kommunismus einen Kampf auch Widerstand gegen andere ungeliebte Theorien errichten will.

Was es letztendlich bringen soll erschließt sich mir, abgesehen von diesem Anschlußeffekt, dem an die Wand malen des Kommunismus, nicht wirklich, denn letztendlich ist es eine sehr billige Weise, gegen bestimmte Ideologien vorzugehen. „Du willst eigentlich etwas ganz anderes, nämlich eine marxistische Gesellschaft“ ist aus meiner Sicht ein Argument, welches eine Diskussion blockiert, denn es vermeidet schlicht eine Auseinandersetzung mit dem, was der andere als sein Ziel angibt. Wenn dessen Theorien insoweit aber schlüssig sind (was sie aus meiner Sicht weder für einen Kommunismus noch einen Genderfeminismus sind) dann kommt es darauf schlicht nicht an.

Zudem ist es schlicht nervig, wenn Leute einem erzählen, dass man etwas ganz anderes will, was mit dem eigenen Thema schlicht nichts zu tun hat und noch nicht einmal die Folge davon ist

Insofern ist die These vom Kulturmarxismus aus meiner Sicht nicht sehr plausibel und wenig geeignet, tatsächlich etwas zu klären.

Wer das Gegenteil darlegen will, der muss einen Beweis dafür bringen, dass die anderen Theorien nur Mittel zum Zweck sind. Einen solchen habe ich bisher noch nicht gelesen, auch wenn ich teilweise entsprechende Kommentare nur überflogen habe.

 

 

58 Gedanken zu “Kulturmarxismus

  1. „Kulturmarxismus“ ist ein Schlagwort der US-amerikanischen Rechten, dessen eigentlicher wesentlicher Bezugspunkt gar keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness/postmoderner Multikulturalismus.

    Der Begriff „Kulturmarxismus“ hat lediglich eine diskursstrategische Funktion, indem die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke als marxistisch geframed werden soll, um leichter gegen sie in Kreisen antikommunistisch sozialisierter Konservativer agitieren und mobilisieren zu können. Marxistische Verschwörungen zu erfinden, um die eigenen Anhänger zu mobilisieren, hat in den USA unter Konservativen/Rechten Tradition und in diesem Zusammenhang ist dieser Begriff zu verstehen.

    Dazu wurde eine falsche ideengeschichtliche Herleitung des US-amerikanischen Poststrukturalismus und der Political Correctness aus dem Neo-Marxismus in der Tradition des Freudomarxismus konstruiert (Frankfurter Schule, Wilhelm Reich).
    Das ist ideengeschichtlich allerdings Unsinn, denn die US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus sind in Wahrheit aus einer einseitigen und rigiden US-amerikanischen Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen, (die sich aber vom ursprünglichen französischen Poststrukturalismus deutlich unterscheidet) und haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich nichts zu tun.

    „Wer das Gegenteil darlegen will, der muss einen Beweis dafür bringen, dass die anderen Theorien nur Mittel zum Zweck sind.“

    Er müsste überhaupt erst einmal belegen, dass Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs (die heutzutage im Sinne einer großen und geschlossenen linken Strömung ohnehin nicht mehr existieren), die behaupteten Positionen vertreten. Das ist ja in der Regel nicht der Fall, denn hier wird ja so vorgegangen, dass zwei ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende linke Traditionen zusammengeworfen werden, die sich in ihren theoretischen Grundlagen und Strategien gravierend unterscheiden.

    Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs sind in der Regel keine Poststrukturalisten. Anhänger des Poststrukturalismus sind in der Regel keine Neo-Marxisten/Freudo-Marxisten. Natürlich kann es im Einzelfall auch mal Personen geben, die sich für beides interessieren und an beides anknüpfen, aber grundsätzlich sind das verschiedene philosophische und politische Strömungen.

    Weil Anhänger der US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus nun als marxistisch geframed werden soll, kommt es zu unsinnigen Aussagen wie: „Kulturmarxisten“ haben ein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ oder „Kulturmarxisten“ sind Kulturrelativisten/Multikulturalisten und ähnliches.

    In Wahrheit vertreten Anhänger des Neo-Marxismus in der Tradition des Freudo-Marxismus kein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ und sind im Allgemeinen auch keine Multikulturalisten. Das PC-Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ wird – nicht von allen, aber von den radikaleren – Anhängern der in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus vertreten und auch der US-amerikanische kulturrelativistische Multikulturalismus ist in diesem US-amerikanischen poststrukturalistischen ideengeschichtlichen und theoretischen Kontext entstanden.

    Das ständige Zusammenwerfen zweier unterschiedlicher linker Theorietraditionen, bei der man nun der einen ständig Dinge unterstellt, die diese gar nicht vertritt, macht für Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie nun natürlich jede ersthafte wissenschaftliche Diskussion unmöglich, denn die ganzen falschen Aussagen können ja nicht wissenschaftlich belegt werden.

    Das ist aber auch nicht Sinn der Sache, es handelt sich wie gesagt um konservative/rechte Propagandalügen, Selbstaufwertungs- und Gegnerdämonisierungsstrategien – was ich als Political Correctness von rechts bezeichne.

    Manche anderen Dinge, die da behauptet und unterstellt werden, sind sogar frei erfunden und werden weder von Neo-Marxisten in der Tradition des Freudo-Marxismus, noch von Anhängern des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten.

    Es ist also nicht verwunderlich, dass Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie keine überzeugenden Argumente oder wissenschaftlichen Belege für ihre Behauptungen angeben können, sondern es stets beim Behaupten bleibt.

    Der Begriff „Kulturmarxist“ erfüllt in diesem konservativen/rechten Diskurs eine ähnliche Funktion wie die Begriffe „Faschist“, „rechts“ etc. bei extremen linken PC-Fanatikern. Es wird einfach inflationär und undifferenziert alles und jeder damit bezeichnet, der von den eigenen Auffassungen zu stark abweicht.

    Die konservative/rechte Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie ist also m.E. als ein Beispiel für eine Form von Political Correctness aus dem konservativen/rechten Spektrum zu interpretieren und sollte m.E. in diesem Sinne analysiert werden: als konservative/rechte Diskursstrategie der Selbstaufwertung/Gegnerdämonisierung/Propagandalügen.

  2. Ich poste, weil es in diesem Zusammnenhang gut passt an dieser Stelle auch nochmal meinen kürzlichen längeren Beitrag, in dem ich erlärte, warum das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ seinen Ursprung im US-amerikanischen Poststrukturalismus und nicht im Marxismus/Neo-Marxismus hat:

    “Kulturmarxismus” ist ein von der US-amerikanischen Rechten erfundener Unsinnsbegriff, dessen eigentlich intendierter Bezugspunkt keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die spezifisch US-amerikanischen Strömungen der postmodernen/poststrukturalistischen Linken wie Gender Studies/Queer Studies/Critical Whiteness/Multikulturalismus.

    Diese haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich faktisch nichts zu tun, sondern sind aus einer Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

    Sie werden von der US-amerikanischen Rechten aber nicht als “Postmoderne Linke” oder “Poststrukturalistische Linke” bezeichnet, sondern als “Kulturmarxisten” und es wird kontrafaktisch ein neo-marxistischer Ursprung konstruiert, einfach weil man sich von dem Begriff “Marxismus” bei stark antikommunistisch sozialisierten Konservativen in den USA eine größere Agitations- und Mobilisierungswirkung verspricht.

    Da ein größerer Teil der konservativen Basis in den USA zudem geistes- und sozialwissenschaftlich wenig gebildet ist, kann man ihnen jeden Scheiß erzählen, also werden US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke auf einmal als Neo-Marxisten gelabelt, obwohl sie das weder objektiv, noch subjektiv sind und es wird eine marxistische Verschwörung behauptet, die nicht existiert.

    Triviale konservative/rechte Propagandalügen!

    Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” ist – wie bereits mehrfach erwähnt – aus einer US-amerikanischen einseitigen, dogmatischen und radikalisierten Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

    Es gibt keine marxistische oder neo-marxistische Strömung/Richtung/Schule, die das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” vertritt und auch mit Herbert Marcuse hat es nichts zu tun.

    Im ursprünglichen französischen Poststrukturalismus gab es das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” übrigens auch nicht, erst die extreme Identitätspolitik von in den USA entstandenen Poststrukturalismus-Varianten führte zur Herausbildung dieses PC-Feindbildes.

    Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” wird also vertreten – nicht von allen – aber von den radikaleren Vertretern der in den USA entstandenen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/postmoderner Multikulturalismus.

    Diese US-amerikanischen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus sind entstanden, als es nach dem Zusammenbruch des sogenannten real existierenden Sozialismus (von mir als Staatskapitalismus bezeichnet) zu einer Krise und einem massiven Rückgang sozialistischen, marxistischen und neo-marxistischen Einflusses in der US-amerikanischen akademischen Linken kam.

    Sie sind also keinesfalls aus dem Neo-Marxismus heraus entstanden, sondern sind ganz im Gegenteil ein Resultat des Einflussverlusts sozialistischer, marxistischer und neo-marxistischer Strömungen und Theorien in der akademischen Linken in den USA.

    Die Lücke, die der Einflussverlust des Sozialismus/Marxismus/Neo-Marxismus in der US-amerikanischen akademischen Linken hinterlassen hatte, wurde nun durch den Poststrukturalismus gefüllt und dieser wurde zum wichtigsten neuen theoretischen Paradigma der US-amerikanischen akademischen Linken.

    Die Behauptung, die US-amerikanischen Unterströmungen des Poststrukturalismus seien Anhänger von Herbert Marcuse ist ebenfalls eine konservative/rechte Propagandalüge. Im Allgemeinen ist das Werk von Herbert Marcuse für Anhänger von Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/Multikulturalismus irrelevant und sie knüpfen theoretisch nicht daran an.

    Dies sei im Folgenden mal wieder belegt.

    Zieht man bekannte Einführungswerke zu Gender/Queer/Critical Whiteness etc. heran, Werke, in denen die wirklichen theoretischen und ideengeschichtlichen Grundlagen der entsprechenden Strömungen dargestellt werden, dann lässt sich die tatsächliche Relevanz von Marcuse für die Theoriebildung in diesen Strömungen ziemlich eindeutig ermitteln.

    Ich führe daher mal wieder ein paar Einführungswerke zu Critical Whiteness, Gender, Queer etc. auf, die ich besitze und deren Literaturverzeichnis oder Personenregister ich (soweit vorhanden) nach Marcuse durchsucht habe:

    Katharina Röggla: Critical Whiteness Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Annamarie Jagose: Queer Theory – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Nina Degele: Gender/Queer Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Andreas Kraß: Queer Denken – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Gabriele Winker, Nina Degele: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten – enthält ein Literaturregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Therese Frey Steffen: Gender – enthält eine kommentierte Bibliographie, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Hadumond Bußmann & Renate Hof : Genus- Geschlecherforschung/Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Heinz-Jürgen Voss/Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    Renate Kroll (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – kein Eintrag zu Herbert Marcuse. Unter dem Eintrag “Kritische Theorie” wird lediglich erwähnt, dass es mal Feministinnen gab, die sich auf Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” bezogen haben. Da es sich hierbei um das bekannteste Werk der Frankfurter Schule handelt, wäre es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass es nie eine Feministin gegeben hätte, die sich mal irgendwie darauf bezogen hätte. Von einem nennenswerten Einfluss der Frankfurter Schule auf die Gender Studies ist in dem Eintrag natürlich nicht die Rede, von einem Einfluss von Herbert Marcuse auf die Gender Studies erst Recht nicht.

    Luca Di Blasi – Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest – enthält ein Literaturverzeichnis: Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

    In den genannten Büchern wird Herbert Marcuse also noch nicht mal am Rande erwähnt, sein Werk ist im Allgemeinen für die Theoriebildung des US-amerikanischen Poststrukturalismus irrelevant.

    Herbert Marcuses Werk ist mit dem PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” darüber hinaus auch nicht in Einklang zu bringen. Zwar war der SPÄTE Marcuse leider ein Vulgär-Feminist, aber ein Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” gab es bei ihm nicht. Im Gegenteil spielten weiße, heterosexuelle Männer in Marcuses Revolutionstheorie durchaus eine Rolle.

    Marcuse hatte gehofft, dass die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen sowie das US-amerikanische “Lumpenproletariat” die Rolle einer “revolutionären Vorhut” gegen das kapitalistische System übernehmen würden und dann die Arbeiterklasse mitreißen würden.

    Zu dieser “revolutionären Vorhut” gehörte für Marcuse auch die Studentenbewegung (an der auch viele weiße, heterosexuelle Männer teilnahmen) sowie, nicht nur das schwarze, sondern auch das weiße US-amerikanische “Lumpenproletariat” zu dem auch viele weiße, heterosexuelle Männer gehörten.

    Die ideengeschichtlichen Ursprünge des PC-Feindbildes des “weißen, heterosexuellen Mannes” liegen woandes, wie ich bereits kürzlich in einem Kommentar erklärte, den ich nun einfach nochmal zitiere.

    Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ hat ideengeschichtlich wie gesagt seinen Ursprung in einer in den USA entstandenen dogmatischen und radikalisierten Übertragung von Konzepten des französischen Poststrukturalismus auf die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen, die sich inzwischen längst akademisch institutionaliert hatten.

    Eines der Hauptthemen des französischen Poststrukturalismus ist die Analyse und Kritik der Ausschlussfunktion bestimmter Normen. Dieser analytische Ansatz wurde von US-amerikanischen Vertretern des Poststrukturalismus in radikalisierter Form auf die Antidiskriminierungs-Diskurse bzgl. Frauen, Nicht-Weiße und Homosexuelle in den USA übertragen.

    Weil Diskriminierungen im Rahmen poststrukturalistischer Theorien oft in einem „Paradigma von Norm und Abweichung“ analysiert werden, führte eine radikalisierte Version dieses Ansatzes zu einer Herausbildung von „Norm-Feindbildern“: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich.

    Hierbei spielte auch noch eine undifferenzierte Übertragung von Jacques Derridas Versuch einer „Dekonstruktion der Metaphysik“ eine Rolle.
    Der französische Poststrukturalist Jacques Derrida vertrat die Ansicht, dass die westliche Metaphysik von der Vorstellung hierarchisch gegliederter Dualismen durchzogen sei. Unter „Dekonstruktion der Metaphysik“ verstand Derrida den philosophischen Versuch die hierarchische Gliederung von Dualismen aufzulösen und sie auf eine Ebene von Gleichwertigkeit zu überführen. Dazu entwickelte er eine bestimmte Methode.

    Was auf Ebene der Philosophie ein interessantes Projekt sein kann – insbesondere da Derridas Dekonstruktion einen eher spielerischen Charakter hat, frei von dem rigiden Dogmatismus politisch korrekter Fanatiker – das kann problematisch werden, wenn es in einseitiger, undifferenzierter und radikalisierter Weise auf Anti-Diskriminierungsdiskurse übertragen wird, wie es in der US-amerikanischen Poststrukturalismus-Rezeption geschah.

    Entsprechend dem poststrukturalistischen „Paradigma von Norm und Abweichung“ als analytischem Ansatz und dem Versuch der Dekonstruktion hierarchisch gegliederter Dualismen, die von Derrida übernommen wurde, führte die Übertragung dieses Ansatzes auf Anti-Diskriminierungsdiskurse in radikalisierter Form dazu, dass eine Reihe von Dualismen zu bedeutsamen analytischen Kategorien wurden:

    Norm: weiß, Abweichung: nicht-weiß, insbesondere schwarz
    Norm: männlich, Abweichung: weiblich
    Norm: heterosexuell, Abweichung: homosexuell
    Norm: cissexuell, Abweichung: transsexuell
    Norm: westlich, Abweichung: nicht-westlich

    Das Verhältnis der beiden jeweiligen Aspekte zueinander wurde also als streng hierarchisch interpretiert. Die „Dekonstruktion“ angewandt auf diese Sichtweise meint nun die Schwächung der jeweiligen Norm-Kategorie und die Stärkung der jeweiligen Abweichungs-Kategorie, so dass eine Gleichwertigkeit der beiden Aspekte entsteht.

    Resultat dieser radikalisierten Übertragung von poststrukturalistischen Konzepten auf US-amerikanische Anti-Diskriminierungsdiskurse sind also „Norm-Feindbilder“ (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und im Zusammentreffen dieser Attribute entsteht dann das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen, cissexuellen, westlichen Mannes“, in dem sich alle diese vermeintlichen Normen treffen.

    Das ist der tatsächliche ideengeschichtliche Ursprung des PC-Feindbildes des „weißen, heterosexuellen Mannes“, welches mit marxistischen und neo-marxistischen Theorien und Strömungen nichts zu tun hat und von diesen auch nicht vertreten wird.

    Anhänger dieser Perspektive des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten NICHT die Ansicht, dass eine Schwächung des „weißen, heterosexuellen Mannes“ zu einer Überwindung des Kapitalismus führen könne. Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ ist KEINE Strategie zur Überwindung des Kapitalismus, es ist ein Resultat der extremen Identitätspolitik US-amerikanischer Anti-Diskriminierungsdiskurse auf radikalisiert poststrukturalistischer Grundlage – und nur aus diesem Kontext heraus zu verstehen.

    Wer es genauer nachlesen will, sei noch einmal verwiesen auf das Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt “Multikulturalismus und Political Correctness in den USA”, in dem die ideengeschichtlichen Grundlagen der Political Correctness bei Einhaltung von Standards wissenschaftlichen Arbeitens und mit Belegquellen dargestellt werden.

    Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

    http://www.amazon.de/Multikulturalismus-Political-Correctness-den-German/dp/3531148761/ref%3Dsr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397926968&sr=1-1&keywords=Multikulturalismus+und+political+correctness+in+den+USA

    (Die einzige neo-marxistische/sozialistische Strömung, die Hildebrandt in seinem Buch im Zusammenhang mit der Herausbildung des neuen poststrukturalistischen Paradigmas der US-amerikanischen akademischen Linken erwähnt, ist übrigens der strukturalistische Marxismus, gemeint ist offenbar der strukturalistische/poststrukturalistische Marxismus in der Tradition von Althusser, also eine Marxismus-Variante, die selbst schon stark postmodern geprägt ist. Aber selbst dieser postmodernen Marxismus-Variante wird in dem Buch kein großer Einfluss eingeräumt.)

    • @ Leszek

      „Diese US-amerikanischen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus sind entstanden, als es nach dem Zusammenbruch des sogenannten real existierenden Sozialismus (von mir als Staatskapitalismus bezeichnet) zu einer Krise und einem massiven Rückgang sozialistischen, marxistischen und neo-marxistischen Einflusses in der US-amerikanischen akademischen Linken kam.“

      Wurden nach diesem Zusammenbruch nur die Ideen in der akademischen Linken ausgetauscht, oder auch die Akademiker selbst?

      • @ Messi

        Ich würde sagen teils, teils.
        Weniger „gefestigtere“ bzw. tendenziell stärker „opportunistischere“ Anhänger der vorherigen Theorien wechseln ins andere Lager über, andere Leute, die sich von Vornherein primär mit postmodernen/poststrukturalistischen Theorien beschäftigt haben, kommen neu dazu.
        Sehr überzeugte Anhänger der vorherigen Theorien bleiben natürlich bei diesen.

        • *…Anti-Diskriminierungsdiskurse sind also „Norm-Feindbilder“ (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und im Zusammentreffen dieser Attribute entsteht dann das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen, cissexuellen, westlichen Mannes“, in dem sich alle diese vermeintlichen Normen treffen.*

          Ich sehe Parallelen zwischen den USA und Deutschland bzw. den Auswirkungen ihrer jeweiligen „Sünden“-Geschichte: Sklaverei und Nazitum. Nach wenigen Generationen ereilt diese Völker die „Strafe“: Scham, Schande, Selbsthass. Dies betrifft eigentlich den ganzen (ex-)kolonialen Westen, von dessen Kultur Roslin pauschal behauptet, sie wolle sterben.
          Es passt so gut zum alten JHWH, der sich nicht um Individuen schert, ausser sie seien Repräsentanten von Völkern, um die es ihm eigentlich geht. Konservativer Kollektivist. Das Volk sündigt. Das Volk wird mit geistiger Pestilenz überzogen.
          Ein deutungs- und wirkmächtiges Narrativ, das die Juden erschaffen haben.

        • @ messi

          „Ein deutungs- und wirkmächtiges Narrativ, das die Juden erschaffen haben.“

          Das hat mit dem klassischen Judentum nichts zu tun. Der „konservative Kollektivismus“ ist ein allgemeines Phänomen von Gesellschaften/Kulturen im mythologischen/voraufklärerischen Stadium.
          Die mythologische Bewusstseinsstruktur ist nicht oder nur in sehr begrenztem Maße dazu in der Lage kritisch über Bestehendes hinauszudenken und Alternativen ins Auge zu fassen. Das kulturelle Wertesystem wird durch religiöse Dogmen/Mythen strukturiert, die nicht bzw. nur begrenzt hinterfragt werden können.

          Daher geht diese Bewusstseinsstruktur grundsätzlich mit soziozentrischer Moral einher, hat wenig Sinn für ein allgemeines Menschheitsbewusstsein, für Menschenrechte und individuelle Freiheitsrechte.
          Menschliche Individuen und ihre Identitäten werden im Kontext dieser Bewusstseinsstruktur vor allen durch Identifikation mit soziozentrischen Kollektivsubjekten konstituiert.

          Es ist kein Zufall, dass die Durchsetzung von Menschenrechten/individuellen Freiheitsrechten mit der Aufklärung korrelliert und dass nur Gesellschaften/Kulturen, die die Phase der Aufklärung durchlaufen haben, ein an Menschenrechten und individuellen Freiheitsrechten und einem entsprechenden Demokratieverständnis ausgerichtetes kulturelles Wertesystem hervorbringen konnten.

          Voraufklärerische, mythologisch strukturierte Gesllschaften können dies nicht – nicht weil sie „böse“ wären, auch nicht, weil irgendeine Religion in einem essentialistischen Sinne schlecht wäre, sondern weil die mythologische, voraufklärerische Bewusstseinsstruktur (als natürliches und unvermeidbares kulturelles Entwicklungsstadium) bestimmten Grenzen hinsichtlich ihrer rationalen und moralischen Befähigung unterliegt, die erst im Zuge der Aufklärung überwunden werden können.

          Das klassische Judentum in seiner voraufklärerischen Phase unterscheidet sich diesbezüglich nicht von anderen Religionen/Kulturen, seien sie nun monotheistisch oder polytheistisch. Es ist überall das Gleiche.

          (Das ist übrigens auch der Grunde, warum ich – bei aller Berechtigung und Wichtigkeit von aufklärerischer Religionskritik – von essentialistischen Formen von Islam-Kritik nichts halte.)

  3. Und dann noch ein paar Buchtipps (als Belegquellen und für Interessierte):

    Wer sich damit beschäftigen möchte, was die großen Denker der Frankfurter Schule tatsächlich gedacht, geschrieben und vertreten haben (es hat in der Regel wenig bis nichts mit dem zu tun, was die konservativen/rechten Verschwörungsideologen behaupten), dem sei das wissenschaftliche Standardwerk zum Thema empfohlen:

    Rolf Wiggershaus – Die Frankfurter Schule: Geschichte. Theoretische Entwicklung. Politische Bedeutung

    Eine gute Einführung in Leben und Werk des bedeutenden Psychoanalytikers Wilhelm Reich bietet die Rowohlt-Monographie von Bernd A, Laska – Wilhelm Reich in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

    http://www.amazon.de/Wilhelm-Reich-Selbstzeugnissen-Bilddokumenten-Kusenberg/dp/3499502984/ref=sr_1_9?s=books&ie=UTF8&qid=1398924193&sr=1-9&keywords=wilhelm+reich

    Eine ausgezeichnete Einführung in den französischen Poststrukturalismus bietet das Buch von Stefan Münker – Poststrukturalismus:

    Ein weiteres sehr gutes Buch zum Themenkomplex Poststrukturalismus/Moderne/Postmoderne ist: Peter V. Zima – Moderne / Postmoderne: Gesellschaft, Philosophie, Literatur

    http://www.amazon.de/Moderne-Postmoderne-Gesellschaft-Philosophie-Uni-Taschenb%C3%BCcher/dp/3825219674/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1398924348&sr=1-1&keywords=moderne+postmoderne

    Und zur Entstehung und den ideengeschichtlichen und theoretischen Grundlagen von Multikulturalismus und Political Correctness in den USA wie gesagt:

    Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

    http://www.amazon.de/Multikulturalismus-Political-Correctness-den-German/dp/3531148761/ref=sr_1_fkmr0_1?s=books&ie=UTF8&qid=1398924472&sr=1-1-fkmr0&keywords=matthias+hildebrandt+%E2%80%93+multikulturalismus+und+political+correctness+in+den+usa

    Wer die genannten Bücher gelesen hat, wird über die angesprochenen Themen einen guten und wissenschaftlich fundierten Überblick gewinnen.

  4. @ christian

    Ganz entgegen Deines sonst von Dir so zelebrierten wissenschaftlichen Anspruchs ziehst Du bei Dir offensichtlich politisch heikel erscheinenden Angelegenheiten gerne mal das bekanntermaßen linksideologisch dominierte deutschsprachige wiki als „Beleg“ zu Rate.

    Dann folgt als Defamationsquelle noch was von „SYNDIKALISMUS.ORG“….nicht Dein Ernst oder?????

    Das ist ziemlich lächerlich, mein Lieber.

    Selbst auf der englischen wikipedia siehts schon wesentlich anders aus:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Cultural_Marxism

    http://www.libertylawsite.org/2014/04/25/herbert-marcuses-revenge/

    • Dein Kommentar enthält dennoch kein Argument dafür. Nur Angriffe auf Quellen, denen ich insoweit lediglich die Definition entnommen habe. Hältst du diese für falsch? Wenn nicht, was interessieren dann die Quellen? Wenn doch, wie wäre es richtig?

    • „ziehst Du bei Dir offensichtlich politisch heikel erscheinenden Angelegenheiten“

      Ich zitiere die wikipedia nicht will sie links ist, sondern weil sie häufig einen guten einstieg mit ersten Fakten bietet und insoweit eine gewisse Substanz schafft.
      Du hältst mich glaube ich auch für linker als ich bin. Wahrscheinlich weil es deinem Feindbild so besser entspricht. eigentlich ist es recht deutlich zB meinem Kommunismus Artikel zu entnehmen, dass ich einen Großteil linkerer Theorien schlicht nicht für praktikabel halte.

      Ich halte aber ebenso die Theorie eines Kulturmarxismus für sieht belegt. Zumal sie auch schlicht dann versagt, wenn jemand sagt „selbst wenn einige Leute damit einen kulturmarxismus bezwecken und so den Kommunismus fördern wollen, ich will es nicht, ich verfolge das als nebenziel deklarierte als Hauptziel“

  5. Mir geht es ja ähnlich, dass ich die regelmäßig und zunehmend ausufernden Debatten bezüglich “Kulturmarxismus” in den hiesigen Kommentaren eher ermüdend finde. Und ich muss auch sagen: Sie interessieren mich auch recht wenig. Ich “überhibbele” das regelmäßig.

    Es kommt mir so vor, als würden hier längst vergangene ideologische Schlachten der Vergangenheit geschlagen.

    Aber weil es heute das “offizielle” Thema hier ist, vielleicht doch zwei Anmerkungen von meiner Seite aus.

    1. Ja, es gibt ideengeschichtlich, also in den Bewegungen des Zeitgeistes und der Sphäre der Ideologie (hier neutral verstanden als mehr oder weniger stringent ausgearbeitete Ideensysteme) etwas, was man legitimerweise als “Kulturmarxismus” bezeichnen kann. Und aus meiner Sicht hat dies zwei Aspekte:

    a) Die soziale Stellung von Marxisten.
    Viele Menschen, die sich mit marxistischer Theorie befasst haben oder von ihr beeinflusst waren, sich dort irgendwie heimisch und zugehörig gefühlt haben, waren Intellektuelle. Und ihre gesellschaftliche Position war – marxistisch gesprochen – der gesellschaftliche Überbau. Sie steckten im akademischen Feld, aber auch im kulturellen Feld, insbesondere der Literatur und Publizistik.
    (Anmerkung: Ich schreibe dies in der Vergangenheitsform. Ich denke hier vor allem an die Schicht der Intellektuellen in den 20er Jahren und später in den späten 60ern und in den 70ern der Bundesrepublik. Heute gibt es in diesen Schichten kaum noch jemanden, der sich explizit mit marxistischer Theorie beschäftigt.)
    Das waren also Menschen, die man als “Kulturmarxisten” in dem Sinne bezeichnen kann, weil sie Marxisten waren und in der kulturellen Sphäre tätig waren.

    b) Weiter gab es innerhalb der marxistischen Theorie spätestens in den 70ern einen Drift, sich von der Beschäftigung mit ökonomischen Begriffen abzuwenden. Und sich eher mit der “Produktion” von Zustimmung zum kapitalistischen System zu befassen und sich daran abzuarbeiten. Also mit dem “gesellschaftlichen Bewusstsein” oder dem “notwendig falschen gesellschaftlichen Bewusstsein”, wie man das damals nannte.
    Der Hintergrund war hier, dass der Versuch, die Arbeiterschaft in Richtung antikapitalistische Revolution zu agitieren, glänzend gescheitert war. Marxistisch gesprochen: Auf der Ebene der ökonomischen Basis der Klassenverhältnisse hatten Marxisten nicht viel zu melden. Also wandte man sich bewusst dem gesellschaftlichen Überbau zu. Um hier das gesellschaftliche hegemoniale Einverständnis mit der kapitalistischen Verfassung der Gesellschaft zu beeinflussen. Ein anderes “gesellschaftliches Bewusstsein” zu schaffen.
    (Außerdem war es bequemer. Als Intellektueller ist man in dieser Sphäre eher heimisch, als vor dem Werkstor Flugblätter zu verteilen oder in Arbeiterkneipen zu agitieren, wo dir das Publikum recht deutlich macht: Du gehörst hier nicht hin, du bist nicht “einer von uns”)

    2. Ich denke aber nicht, dass der Feminismus, wie wir ihn heute kennen – der es im Gegensatz zum Marxismus geschafft hat, sich im “kulturellen Überbau” recht dauerhaft zu verankern – wesentlich von dieser Wurzel her abstammt.

    Der Feminismus entwickelte sich eigentlich schon seit dem ersten Tomatenwurf (oder waren es Eier? – weiß ich grad gar nicht) auf einer SDS-Veranstaltung eher als Abkehr davon. Er war eher Teil der sog. “neuen Linken”, die im scharfen Kontrast zur sog. “alten Linken”.

    * wenig mit Theorie am Hut hatten, mehr mit Aktionismus (Spontis in den 70ern, Selbstbezeichnung als “Undogmatische”)

    * nicht in ökonomischen Begriffen dachten und auch nicht denken wollten. Wichtiger waren zum Beispiel Themen wie “die Zerstörung der Natur”, woraus sich die Ökologiebewegung und später die Grünen entwickelten.

    * nicht die Veränderung der Gesellschaft im Auge hatten, sondern den höchst privaten Nahbereich des persönlichen Lebens. Nicht umsonst stammt aus dieser Strömung der Schlachtruf “das Private ist politisch”.

    * nicht einen Gegensatz von ökonomischen Klassen sehen, sondern von Menschengruppen. Nicht Proletarier vs. Kapitalisten, sondern z.B. Männer gegen Frauen als antagonistische Gegensätze.

    Allerdings gab und gibt es hier eine gewisse Ähnlichkeit ein der Rhetorik, im Gestus, im Impetus. Nur eben mit ausgetauschten Begrifflichkeiten.

    Mal ganz holzschnittartig: An die Stelle von “der Kapitalist tritt dem Proletarier in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber. Die Interessen des Kapitalisten können niemals die Interessen des Proletariers sein” hieß es dann: “Der Mann – oder auch: das Patriarchat – stehen der Frau in unversöhnlichem Interessengegensatz feindlich gegenüber. Die Interessen von Frauen können niemals die Interessen von Männern sein.” Also: Austausch von Klassenantagonismus als Begriff durch Geschlechterantagnonismus.

    Und auch im “Kampf um das Bewusstsein”, das “falsche” Bewusstsein der Massen, gibt es eine Parallele zu kulturmarxistischen Strömungen. In dem den jeweiligen Adressaten der Botschaft erklärt wird: “Ihr seit unterdrückt – egal ob ihr euch unterdrückt fühlt oder nicht”. Und weil wir es besser wissen, müssen wir eben die Gesellschaft für euch, zur Not aber auch gegen euch, verändern.

    Psychologisch betrachtet ist dies natürlich in beiden Wendungen eine unglaubliche Anmaßung. Die sich als Überkompensation auf eine empfundene Ohnmacht verstehen lässt. Eine Ohnmacht, die darin besteht, dass die Realität, dieser große Lümmel, einfach nicht bereit ist, sich meinen Gedanken anzupassen.
    Das wiederum ist eine generelle “déformation professionnelle” vieler Intellektueller. Eine seelische Berufskrankheit sozusagen dieser Kaste.

  6. @ Christian:
    Das ist ein kleiner Unfall passiert. Bitte den Kommentar mit der anderen Namensanzeige, der noch nicht freigeschaltet ist, löschen.

  7. Das lustige an der Debatte ist ja, dass der Vorwurf des Kulturmarxismus meist von denjenigen kommt, die selbst irgendeinen Komplex haben, meistens einen veritablen Gotteskomplex. In den USA ist das besonders gut zu beobachten.

    Auch Roslins Vorwurf des Kulturmarxismus speist sich letztendlich aus dem Unverständnis, dass nicht jeder in der westlichen Welt mehr am Rockzipfel des Papstes hängt, obwohl die katholische Theorie sich doch absolut rational begründen lasse, und dermaßen logisch sei, dass es doch eine Verschwörung sein muss, wenn man nicht mehr an Gott glaubt.
    Und überhaupt. Wie kann man Atheist sein, wenn Kirchengebäude doch so schön sind?

    „ratloser“ argumentiert zwar nicht mit Gott, aber mit dem üblichen kulturkonservativen Vorwurf der „Degeneration“. „Was, es gibt Menschen, die wollen Angehörige des gleichen Geschlechts heiraten? Degeneration!“ – „Aber warum, denn „ratloser“. – „Äh, keine Ahnung. Ich mag es halt nicht, also ist es Degeneration.“ Usw.

    Über Kirk verliere ich kein Wort, der labert eh nur Unsinn, hält sich dabei aber für den einzig intelligenten, normalen, nicht missbrauchten Menschen.

    Ich gestehe allerdings freimütig zu: Selbstverständlich kann einem „die Linke“ auf den Nerven gehen. Als Libertären ermüdet mich ihre beständiger Vorwurf des ausbeuterischen Kapitalismus, so als würden wir in einer Horrorgesellschaft leben, in der Menschen reihenweise verhungern und in Ketten liegen – das alles vertreten natürlich von zumeist wohlhabenden Studenten (Sozialwissenschaften, 30. Semester), die mit ihren iPads in der Kneipe, beim Genuss von Importbier und indischem Essen über die Gefahren der Globalisierung und die Freuden der künftigen Weltrevolution fabulieren.

    Als Individualist finde ich die Leszeksche, linke Schwärmerei für den Kollektivismus auch eher befremdlich. Wer ein Kollektiv will, soll halt in die Kirche eintreten oder sich mit etwas Startkapital einen Bauernhof auf dem Lnade kaufen und dort eine Kommune gründen. Aber lasst mich dich da bitte raus! Ich komme schon mit dem Leben in einer WG nicht klar, und bin völlig zufrieden, wenn ich mich vertraglich an einen Arbeitgeber binden, und derartig „ausgebeutet“ meine Arbeit verrichten kann.

    Interessanterweise nähern sich die Denkweisen von „Rechten“ und „Linken“ hierbei deutlich an. Beide sind in gewisser Weise überfordert von den Zumutungen einer individualistischen, arbeitsteiligen Moderne und sehnen sich nach dem kuscheligen Stallmief eines wie auch immer gearteten Kollektivs. Der Mensch sei verdorben und schlecht, und nur die Rettung durch Gott oder den Kommunismus könne sie in das ewige Heil führen.

    Tendenziell halte ich „die Linke“ aber dann doch für besser. „Rechte“ sind einfach zu offensichtlich autoritär, ihre Verachtung für alles was anders ist, und nicht so lebt wie sie, zu ausgeprägt. Ihr Palaver über die „westliche Degeneration“ ist peinlich, ihre Doppelmoral schwer erträglich, und ihre „Werte“ sind ein Witz. IM SCHNITT!

    • Deine leicht arrogante Haltung gegen Wertebewahrer, seien sie links oder rechts verortbar, ist natürlich polemisch gemeint. Denn sicherlich stammen diejenigen, die sich am weitesten von Traditionen erheben, aus Verhältnissen, in denen jene aufs Gründlichste gepflegt werden. Mit diesem Rüstzeug lässt es sich dann leicht gegen Werte polemisieren. 🙂

    • der Papst ist doch selbst Kulturmarxist. Also, der alte und einzig wahre: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html

      „Im 20. Jahrhundert hat Theodor W. Adorno die Problematik des Fortschrittsglaubens drastisch formuliert: Der Fortschritt sei, genau gesehen, der Fortschritt von der Steinschleuder zur Megabombe. Das ist nun in der Tat eine Seite des Fortschritts, die man nicht ausblenden darf. Anders gesagt: Die Zweigesichtigkeit des Fortschritts wird sichtbar. Der Fortschritt bietet unzweifelhaft neue Möglichkeiten zum Guten, aber er öffnet auch abgründige Möglichkeiten des Bösen, die es ehedem nicht gab. Wir alle sind Zeugen geworden, wie Fortschritt in den falschen Händen zum grausamen Fortschritt im Bösen werden kann und geworden ist. „

      • „der Papst ist doch selbst Kulturmarxist.“

        Hat sogar mit Jürgen Habermas zusammen ein Buch herausgebracht:

        Joseph (Benedikt XVI.) Ratzinger & Jürgen Habermas –

        Dialektik der Säkularisierung: Über Vernunft und Religion

        http://www.amazon.de/Dialektik-S%C3%A4kulaisierung-%C3%9Cber-Vernunft-Religion/dp/3451324873/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397928843&sr=1-1&keywords=ratzinger+habermas

        Und auch das hier ist erwähnenswert.
        Joseph Ratzinger:

        „So haben die großen Denker der Frankfurter Schule, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno Atheismus und Theismus gleichermaßen kritisiert. Horkheimer hat radikal bestritten, daß irgendein immanenter Ersatz für Gott gefunden werden könne, zugleich freilich auch das Bild des guten und gerechten Gottes abgelehnt. In einer äußersten Radikalisierung des alttestamentlichen Bilderverbotes spricht er von der “Sehnsucht nach dem ganz Anderen”, das unnahbar bleibt – ein Schrei des Verlangens in die Weltgeschichte hinein. Auch Adorno hat entschieden an dieser Bildlosigkeit festgehalten, die eben auch das “Bild” des liebenden Gottes ausschließt. Aber er hat auch und immer wieder diese “negative” Dialektik betont und gesagt, daß Gerechtigkeit, wirkliche Gerechtigkeit, eine Welt verlangen würde, “in der nicht nur bestehendes Leid abgeschafft, sondern noch das unwiderruflich Vergangene widerrufen wäre”. Das aber würde – in positiven und darum für ihn unangemessenen Symbolen ausgedrückt – heißen, daß Gerechtigkeit nicht sein kann ohne Auferweckung der Toten. Eine solche Aussicht bedingte jedoch “die Auferstehung des Fleisches; dem Idealismus, dem Reich des absoluten Geistes, ist sie ganz fremd”.
        Von der strengen Bildlosigkeit her, die zum ersten Gebot Gottes gehört (vgl. Ex 20, 4) kann und muß auch der Christ immer wieder lernen. Die Wahrheit der negativen Theologie ist vom 4. Lateran-Konzil herausgestellt worden, das ausdrücklich sagt, daß zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf keine noch so große Ähnlichkeit festzustellen ist, daß nicht zwischen ihnen eine immer noch größere Unähnlichkeit bliebe. Dennoch kann die Bildlosigkeit für den Glaubenden nicht so weit gehen, daß er – wie Horkheimer und Adorno meinten – im Nein zu beiden Behauptungen, zum Theismus und zum Atheismus stehenbleiben müßte. Gott hat sich selbst ein “Bild” gegeben: im menschgewordenen Christus. In ihm, dem Gekreuzigten, ist die Verneinung falscher Gottesbilder bis zum äußersten gesteigert. Nun zeigt Gott gerade in der Gestalt des Leidenden, der die Gottverlassenheit des Menschen mitträgt, sein eigenes Gesicht. Dieser unschuldig Leidende ist zur Hoffnungsgewißheit geworden: Gott gibt es, und Gott weiß, Gerechtigkeit zu schaffen auf eine Weise, die wir nicht erdenken können und die wir doch im Glauben ahnen dürfen. Ja, es gibt die Auferstehung des Fleisches. Es gibt Gerechtigkeit. Es gibt den “Widerruf” des vergangenen Leidens, die Gutmachung, die das Recht herstellt. Daher ist der Glaube an das Letzte Gericht zuallererst und zuallermeist Hoffnung – die Hoffnung, deren Notwendigkeit gerade im Streit der letzten Jahrhunderte deutlich geworden ist. Ich bin überzeugt, daß die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche, jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das ewige Leben ist. Das bloß individuelle Bedürfnis nach einer Erfüllung, die uns in diesem Leben versagt ist, nach der Unsterblichkeit der Liebe, auf die wir warten, ist gewiß ein wichtiger Grund zu glauben, daß der Mensch auf Ewigkeit hin angelegt ist, aber nur im Verein mit der Unmöglichkeit, daß das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei, wird die Notwendigkeit des wiederkehrenden Christus und des neuen Lebens vollends einsichtig.“

        http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html

        Diese positiven Bezugnahmen eines konservativen katholischen Theologen auf die Frankfurter Schule rühren u.a. daher, dass die großen Denker der Frankfurter Schule sich mitnichten schwerpunktmäßig mit Religionskritik beschäftigt hatten, sondern dass eine Kritik an Fehlentwicklung der Aufklärung und einer damit einhergehenden entfremdeten Form der Vernunft, der sogenannten zweckrationalen/instrumentellen Vernunft, ein Schwerpunktthema ihres Werkes war (siehe auch die Titel einiger ihrer Hauptwerke „Dialektik der Aufklärung“, „Kritik der instrumentellen Vernunft“).

        Dabei handelte es sich allerdings um eine Kritik der Aufklärung vom Standpunkt der Aufklärung, um eine Kritik der instrumentellen Vernunft vom Standpunkt einer kritischen Vernunft. Z.T. ging es Ratzinger offenbar darum, die Aufklärungskritik der Frankfurter Schule für seine eigene Aufklärungskritik vom Standpunkt eines mythologischen Katholizismus zu nutzen.

        Dabei kam ihm entgegen, dass die Frankfurter Schule eine der wenigen linken Traditionen ist, die den Katholizismus tendenziell positiv beurteilten:

        http://jungle-world.com/artikel/2011/36/43964.html

        Eine gut begründete Kritik an der zu starken Annäherung von Habermas an konservativ-katholische Positionen liefert der bekannte Vertreter des Kritischen Rationalismus Hans Albert – im Gegensatz zu den „Kulturmarxisten“ tatsächlich ein ausgezeichneter Religionskritiker – in seinem Buch „Joseph Ratzingers Rettung des Christentums: Beschränkungen des Vernunftgebrauchs im Dienste des Glaubens“:

        http://www.amazon.de/Joseph-Ratzingers-Rettung-Christentums-Vernunftgebrauchs/dp/3865690378/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1399101325&sr=1-2&keywords=hans+albert+ratzinger

  8. Seitdem die ‚Linke‘ Männer durchweg ‚privilegiert‘ sowie mit patriarchaler Dividende ausgestattet und nicht etwa wie seinerzeit Marx und in dessen Folge eine SPD richtigerweise als mehrheitlich unterprivilegiert, ausgebeutet bzw. im staatlichen Interesse und großer Zahl buchstäblich verheizt betrachtet, kann von einer Linken keine Rede mehr sein. Vielmehr haben wir es mit stockkonservativen gynozentrierten Interessenvertretern zu tun, für die bereits ein Equal Age Day eine zu unterbindende Bedrohung darstellt, denn Lebenserwartung ist bekanntlich DAS Indiz für strukturelle Benachteiligung (siehe Apartheid/Sklaverei).

    Allen voran die ehemaligen Sozialdemokraten blenden nach 25 Jahren innerparteilicher Frauenquote die tatsächliche Lebenssituation von Männern einfach aus. Parteiprogrammatisch heißt das: „Überwindung der männlichen Gesellschaft“. Auch Familienministerin Schwesig als frauenbewegte Genossin handelt ganz auf Linie. Schließlich leben laut Zensus 2013 im deutschen ‚Patriarchat‘ inzwischen ca. 2 Millionen mehr Wählerinnen als Wähler. Die Überwindung schreitet also voran. Und geradezu perfekt wenn da auch keinerlei linkes Gewissen im Wege rumsteht.

    • … gute Darstellung der „linken“ Heuchelei.

      Vielleicht versucht der Begriff „Kulturmarxismus“ eigentlich genau so etwas zu fassen.

      Sollte es so sein ist alle Theoretisierei überflüssig. Der Begriff steht eher für die Scheinheiligkeit, die schon immer das Problem linksetablierter Welten war und ist. Also auch für Gesinnungskontrolle, PC, etc.

      • @ Petpanther

        „Vielleicht versucht der Begriff “Kulturmarxismus” eigentlich genau so etwas zu fassen.“

        Was der Begriff „versucht“, wurde von mir ausführlich erklärt.

        „Sollte es so sein ist alle Theoretisierei überflüssig.“

        Mitnichten. Die Zurückweisung konservativer/rechter Propagandalügen und Dämonisierungsstrategien ist richtig und angemessen – aus wissenschaftlichen Gründen, aus ethischen Gründen und aus pragmatischen Gründen.

        „Der Begriff steht eher für die Scheinheiligkeit, die schon immer das Problem linksetablierter Welten war und ist. Also auch für Gesinnungskontrolle, PC, etc.“

        Undifferenzierte antlinke Phrasen von jemandem, der sich offenkundig mit den verschiedenen Strömungen und Theorien innerhalb der Linken in Vergangenheit und Gegenwart nicht ernsthaft beschäftigt hat.

        „Also auch für Gesinnungskontrolle, PC, etc.“

        Ja, der Begriff steht für Gesinnungskontrolle und Political Correctness von rechts.

        Dein eigenes Verhältnis zur Wahrheit ist offenbar ähnlich instrumentell, wie das der linken politisch Korrekten, die du kritisierst.

        Wie wäre es einfach mal mit: Bei der Wahrheit bleiben.

        • @ Leszek

          *Wie wäre es einfach mal mit: Bei der Wahrheit bleiben.*

          Deine Wahrheit, Leszek, nicht DIE Wahrheit. Deine linke Wahrheit, nicht mehr, nicht weniger.

          Es ist nicht meine Wahrheit.

        • @ Roslin

          „Deine Wahrheit, Leszek, nicht DIE Wahrheit. Deine linke Wahrheit, nicht mehr, nicht weniger.“

          Ich kann in der Regel Belegquellen für meine Aussagen angeben.
          Bei dir beschränkt es sich darauf, auf Texte konservativer/rechter Verschwörungsideologen zu verlinken, die keine Belegquellen für die gemachten Behauptungen enthalten.
          Da gibt es also durchaus einen wesentlichen Unterschied.

          „Es ist nicht meine Wahrheit.“

          Deine gefühlte Wahrheit hat aber mit wissenschaftlichem Vorgehen und Bemühen um Objektivität nichts zu tun.
          Extreme Anschuldigungen an andere Menschen richten und dann nichts von diesen Anschuldigungen belegen können, ist keine große Kunst.

          Man kann sich leicht vorstellen, wie deine Reaktion wohl ausfallen würde, wenn jemand am Katholizismus in der gleichen unsachlichen, dämonisierenden und völlig unbelegten Art und Weise Kritik üben würde, wie du es stets bei diesem Thema tust.

        • @ Leszek

          *Ich kann in der Regel Belegquellen für meine Aussagen angeben.
          Bei dir beschränkt es sich darauf, auf Texte konservativer/rechter Verschwörungsideologen zu verlinken, die keine Belegquellen für die gemachten Behauptungen enthalten.
          Da gibt es also durchaus einen wesentlichen Unterschied.*

          Die Du und die linke Academia Verschwörungsideologen nennen, ja.

          Ich sehe einen komischen Vogel, der watschelt wie eine Ente, quakt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente.

          Das Komische an dem Vogel: Er behauptet, er ein Adler.

          Und seine Mitenten bestätigen das.

        • @ Roslin

          Enten oder Adler interessieren mich wenig.

          Die nicht vorhandenen Belege für deine ganzen Behauptungen über angebliche „Kulturmarxisten“ sind nun mal Fakt.

          Und dass du Vergleichbares im umgekehrten Fall, z.B. bei Kritik am Katholizismus niemals gelten lassen würdest ebenfalls.

        • @Leszek

          Ich denke, du nimmst den von Roslin gebrauchten Begriff „Kulturmarxismus“ einfach zu wörtlich. Roslin will „Marxismus“ hier wohl lediglich als Synonym für eine allgemeine linke Denkweise verwenden und meint damit nicht Marxismus im engeren Sinne. Entsprechend redet ihr beiden eigentlich die meiste Zeit aneinander vorbei.

          @Roslin

          Wie wäre es, wenn du die Diskussion etwas entschärfen und statt Kultur-„Marxismus“ einen weniger festgelegten Begriff verwenden würdest ? Vielleicht kämet ihr beide dann auf einen gemeinsamen Nenner. Eure Positionen scheinen sich ja sonst sehr ähnlich zu sein.

      • „… gute Darstellung der “linken” Heuchelei.“

        Ja, finde ich auch.

        „Vielleicht versucht der Begriff “Kulturmarxismus” eigentlich genau so etwas zu fassen. “

        Eigentlich müsste man dann von „Kulturfeminismus“ sprechen, denn bei derlei „linker Politik“ geht es ja nicht darum, Sozialismus unter dem Dekcmantel des Feminismus druchzusetzen, sondern im Gegenteil Feminismus unter dem Deckmantel des Sozialismus.

        • Revolte: Parteiprogrammatisch heißt das: „Überwindung der männlichen Gesellschaft“.

          ich³: Eigentlich müsste man dann von “Kulturfeminismus” sprechen

          „cultural feminism“ gibt es ja in der Tat:

          Cultural feminism developed from radical feminism. It is an ideology of a „female nature“ or „female essence“ that attempts to revalidate what cultural feminists consider undervalued female attributes.

          http://en.wikipedia.org/wiki/Cultural_feminism

          ..und es ist auch kaum zu vermuten, dass die triefend weiblichkeitsduseligen Grundschullehrerinnen vom ASF jemals auch nur einen Satz von Marx gelesen hätten. Eher waren sie, damals in den 1970ern, in einer lokalen conciousness-raising group aktiv, wo sie in Tränen blanken Entsetzens ausbrachen weil sie ein verstecktes PLAYBOY-Heftchen ihres Verlobten entdeckt hatten.

          Wo kommt nur „die männliche Gesellschaft überwinden“ her?

          Die Zukunft verlangt von uns allen, Frauen und Männern, vieles, was lange als weiblich galt; wir müssen uns in andere einfühlen, auf sie eingehen, unerwartete Schwierigkeiten mit Phantasie meistern, vor allem aber partnerschaftlich mit anderen arbeiten.
          Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.

          http://www.spd.de/linkableblob/1812/data/berliner_programm.pdf
          (S. 21)

          ->“to revalidate what cultural feminists consider undervalued female attributes.“ – deutlicher geht es kaum noch.

          Die Sündenbockideologie der angeblichen kulturmarxistischen Weltverschwörung kaschiert vor allem den Beitrag, den Konservative selbst zu dem „geleistet“ haben, was sie heute Kritisieren: Es ist weithin anerkannt, dass die Obszession des vorherrschenden Feminismus mit dem männlichen Sexdämon in den 1970ern und 1980ern nicht nur sehr massiv von Konservativen unterstützt wurde (sie kämpften gemeinsam gegen die „sexuelle Rovolution“), sondern auch zu dem führte, was man heute als „cultural feminism“ begreift.

          Kurzum: „die männliche Gesellschaft überwinden“ rekurriert vor allem insgeheim auf den männlichen Sexdämon. Das ist die unausgesprochene und zur Entmenschlichung von Männern sehr wirksame Trope. Und darin ist Konservativismus bis unterkante Oberlippe verstrickt. (selbstverständlich waren Linke nie davor gefeit)

        • @ Nick

          „..und es ist auch kaum zu vermuten, dass die triefend weiblichkeitsduseligen Grundschullehrerinnen vom ASF jemals auch nur einen Satz von Marx gelesen hätten.“

          Genau, die legendäre „undogmatische “ Linke.

          “ Es ist weithin anerkannt, dass die Obszession des vorherrschenden Feminismus mit dem männlichen Sexdämon in den 1970ern und 1980ern nicht nur sehr massiv von Konservativen unterstützt wurde (sie kämpften gemeinsam gegen die “sexuelle Rovolution”), sondern auch zu dem führte, was man heute als “cultural feminism” begreift.“

          Ja, zwar ist es unbestreitbar, dass der Feminismus massiv von links promotet wurde, aber er war schon immer eine „Querfrontstrategie“, die linkes und rechtes Gedankengut verquickt.

    • Die Idee mit dem Eqal Age Day ist interessant,
      Der müsste bei uns irgendwo um den Nikolaus herum liegen.

      Das könnte man in einer möglichst breit gefächerten Aktion kolportieren, vielleicht schafft er es auch in die Medien.

      Das wäre mal was anschauliches und greifbares!

    • Ganz egal ob Jesus oder Marx – im Neuen Testament werden die Schriftgelehrten oft zusammen mit den Pharisäern genannt.

      • Die Pharisäer kommen im Neuen Testament zu Unrecht zu schlecht weg, meinen manche jüdische Forscher. Sie seien zu der Zeit eigentlich relativ fortschrittlich gewesen und hätten den Auffassungen von Jesus durchaus nahegestanden.

        • @ leszek

          Fabulierende Omnipotenzgefühle…virtuelle Erektionen am Schreibtisch…die ewige Frustration der Intellektuellen über ihre reale Impotenz…die Ente bleibt trotzdem eine Ente…so ist das Leben, Leszek….binnenkompetentem Geschwätz in Hektokombenausmaß zutrotz.

          😉

        • Ja, leszek, so wie ja auch Stalin seinerzeit eigentlich relativ fortschrittlich gewesen sein soll und den Auffassungen eines Marx durchaus nahe stand. Der quasi gewaltbejaende Terminus von einer ‚Diktatur des Proletariats‘ tat sein übriges.

          „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat.“

        • @ Revolte

          „Ja, leszek, so wie ja auch Stalin seinerzeit eigentlich relativ fortschrittlich gewesen sein soll und den Auffassungen eines Marx durchaus nahe stand.“

          Inwiefern soll das der Fall sein? Marx war Internationalist, Stalin hat den „sozialismus in einem Land“ propagiert, war also Nationalist.

          „Der quasi gewaltbejaende Terminus von einer ‘Diktatur des Proletariats’ tat sein übriges.“

          Marx hat in einer Zeit geschrieben, in der das liberale Bürgertum selbst mit der Waffe gekämpft hat. Der Liberalismus ist nicht weniger „gewaltbejahend“. Der Liberale Hayek zog eine „liberale Diktatur“ einer sozialistischen Demokratie vor:

          „Like Friedman, Hayek glimpsed in Pinochet the avatar of true freedom, who would rule as a dictator only for a „transitional period,“ only as long as needed to reverse decades of state regulation. „My personal preference,“ he told a Chilean interviewer, „leans toward a liberal dictatorship rather than toward a democratic government devoid of liberalism.“ In a letter to the London Times he defended the junta, reporting that he had „not been able to find a single person even in much maligned Chile who did not agree that personal freedom was much greater under Pinochet than it had been under Allende.“ Of course, the thousands executed and tens of thousands tortured by Pinochet’s regime weren’t talking. “

          http://www.counterpunch.org/2006/11/17/the-road-from-serfdom/

          Übrigens:

          Aus dem „Manifest der kommunistischen PArtei“:

          „In Deutschland kämpft die Kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinbürgerei.“

          https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/4-stelkomm.htm

        • „Ja, auch Jesus war nicht frei von autoritären Verhaltensweisen.“

          Genau, deshalb endete er ja auch die andere Wange hinhaltend als Schmerzensmann am Kreuz. Schriftgelehrte…

          @ich…

          Wie meinen?

        • @ revolte

          „@ich…

          Wie meinen?“

          Habe ich mich undeutlich ausgedrückt? Hast du Gegenargumente oder willst du mich einfach mal blöde anpöbeln?

  9. @ Christian

    Die deutsche Wikipedia mit einem Artikel zu zitieren, als sei er von Leszek oder Kemper verfasst, ist in der Tat ein Witz.

    Auch die NY-Times, von Leszek zitiert, ist keine neutrale Quelle, die es in diesem ideologisch heiß umkämpften Feld der amerikanischen Academia ohnhin nicht gibt.

    Leszek zitiert linke Quellen, ich rechte.

    Leszek behauptet, seine Parteiquellen seien neutral und objektiv, enthielten die Wahrheit = SEINE Wahrheit.

    Ich verlasse mich auf das, was ich sehe und ich sehe Kulturmarxismus: die klassenkämpferischen Denkmuster angewandt auf das Geschlechterverhältnis, konzentriert auf die „Revolutionierung“, Dekonstruktion, Subversion der alteuropäischen zivilisatorischen Grundlagen/Fundamente, angeleitet etwa von Marcuse (ist ja süß, immer wieder auf die konservativsten Vertreter der Frankfurter abzulenken – Adorno, Horkheimer – unter Aussparung Marcuses).

    Desweiteren – man könnte zu Kulturmarxismus auch Freudomarxismus sagen:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Freudo-Marxism

    und ein Ex-Studen von Marcuse:

    http://www.vdare.com/articles/yes-virginia-there-is-a-cultural-marxism

    Weitere Gründerväter des kulturmarxistischen Kritikprogrammes (erst Zerschlagung der Kultur, die den westlichen Kapitalismus stützt – also Umlenkung der Angriffsenergie weg von den wirtschaftlichen Fundamenten, hin auf die kulturellen) sind Antonio Gramsci.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Antonio_Gramsci

    und George Lukacsz (Konzeption der kulturellen Hegemonie, des falschen Bewusstseins, das die „objektiven Interessen“ nicht erkennen lässt – ist ja auch im Feminismus sehr beliebt – Frauen, die nicht „objektiv richtig“ entscheiden, sondern „Klassenverrat“ begehen durch ihre „Unterwerfung“ unter das „Patriarchat“).

    vor allem mit seinem Werk (1923)

    http://en.wikipedia.org/wiki/History_and_Class_Consciousness

    Die 3 hier entscheidenden Werke von Herbert Marcuse habe ich bis zum Erbrechen oft verlinkt, erspare ich mir jetzt.

    Ich bleibe bei Kulturmarxismus.

    Wenn Leszek meine Gründe nicht überzeugen – seine Sache.

    Seine Gegenrede überzeugt mich nicht.

    Die von Leszek hier wohl beanspruchte Deutungshoheit mag akzeptieren, wer will, ich tue es nicht, erlaube mir eigenes Denken, unabhängig von Leszeks anarchosyndikalistischer oder sonstwie marxistischer Parteilinie.

    Aber er ist ja kein Marxist.

    Seine sozialistische Sicht der Dinge kann er vertreten, so lange er lustig ist, mich stört das nicht.

    • Zur historischen Einordnung dieses Kulturmarxismus

      Nachdem im 1. Weltkrieg die europäische Arbeiterschaft, entgegen marxistischer Erwartung, nicht ihren „objektiven“ Interessen gefolgt war und Revolution gemacht hatte, sondern, unter Führung ihrer bourgeoisen Offiziere für Vaterland, Kaiser, König, Republik etc. auf einander geschossen hatte, es nur in Russland zu einem bolschewistischen Militärputsch mit nachfolgendem revolutionierenden Bürgerkrieg gekommen war, mussten Marxisten – um ihre säkulare Erlösungshoffnung nach Widerlegung ihres Geschichtsdeterminismus durch den Verlauf der Geschichte selbst zu erhalten, einige Renovierungsarbeiten an der Ideologie vornehmen.

      Ihr Augenmerk richtete sich auf die Kultur, die es offenbar fertig gebracht hatte, den Arbeitern ein „objektiv“ falsches Bewusstsein einzuflößen.

      Die galt es nun zunächst zu attackieren und zu revolutionieren, zu dekonstruieren, zu zerstören, damit der Mensch „frei“ zu seinem richtigen, „objektiven“ Bewusstsein gelangen könne.

      Es galt, die kulturelle Hegemonie zu erobern.

      Die Umorientierung der Angriffsrichtung – weg von der ökonomischen Basis, hin auf die als tragender Pfeiler erkannte kulturelle Struktur (Familie, Religion, Nation mit Staatsvolk und Nationalbewusstsein z.B.) leistet der KULTURmarxismus.

      Ist somit kompatibel mit den Interessen eines modernen INTERNATIONALkapitalismus (Handel, Finanzindustrie = Konsumkapitalsmus), dem die Kompartimentierung und Loyalitätenaufsplitterung auch im Wege ist.

      Da dieser Kulturmarxismus vorerst zudem nicht die ökonomische Machtstellung dieser Kapitalisten bedroht, sehen sie in ihm einen nützlichen Idioten, den sie fördern können – in den Medien, in der Academia, hilft er doch bei der Beseitigung lästiger Hindernisse, die dem totalen Konsumhedonismus im Wege stehen.

      • Noch eine Anmerkung

        Siegmund Freud sollte dabei helfen, zu ergründen, wie es diese verfluchte, zutiefst gehasste (westliche, patriarchale, kapitalistische – fließt ja alles in eins) Zivilisation geschafft hatte, den Unterdrückten ein so falsches Bewusstsein einzuflößen, dass sie gegen ihre „objektiven“ Interessen (damals die der Proleten, heute die des Surrogatproletariates = vor allem DIE FRAUEN) handelten, ohne das auch nur zu bemerken.

        Nur die elitären Mandarine, die linken „Wissenden“ bermerkten und bemerken das.

        Darum die Amalgamierung von Freudianismus (psychische Prozesse, Analyse der Familie als Brutstätte des falschen Bewusstseins) mit dem Marxismus.

  10. Kulturmarxismus ist einfach eine Sammelbezeichnung für diverse zeitgenössische Ideologien, die das Erbe Marx‘ angetreten haben. Und das ganze weniger im ideengeschichtlichen Sinne, sondern eher im psychologisch/soziologischen Sinne. Die Theorien sollen bestimmte vortheoretische Moralvorstellungen und Utopien legitimieren, wie sie bei einem gewissen Menschenschlag eben vorkommen. Utopien und Moralvorstellungen, die unabhängig von einer konkreten Theorien sind, aber eben auch dem Werke Marx‘ zu Grunde lagen.

    Denn allen Unterschieden zum Trotz, gibt es zahlreiche Punkte, in denen sich klassische Marxisten und heutige Kulturmarxisten gleichen:

    – Sie sind Anhänger utopistischer Weltsichten (utopian visions im Sinne Sowells), häufig hyper-moralisch.
    – Sie sind vom Gleichheitswahn besessen (in dem Sinne, wie er besonders schön von Nietzsche herausgearbeitet wurde).
    – Sie schmarotzen (wie bereits Marx) mehr oder weniger offen an christlichen Vorstellungen, die natürlich säkularisiert werden und deren Wurzeln geleugnet werden.
    – Ein Hass auf die westliche Zivilisation oder Teile davon (die Bourgeoisie, das Bürgertum, usw. ). Sie muss zerstörtund durch etwas ersetzt werden, was sie selbst sich in ihrer unendlichen Weisheit ausgedacht haben.

    Während klassische Marxisten auf Änderungen in der ökonomischen Produktionsweise setzten, um ihr Menschheitsbeglückungsprogramm zu realisieren, setzten heutige Kulturmarxisten eher auf Indoktrination, Änderungen der kulturellen Basis, Roslin hat es ja bereits beschrieben.

    Ich halte es auch für weniger zielführend, den „Kulturmarxismus“ theoretisch oder methodisch aus Schriften von ökonomischen Marxisten abzuleiten – so wie man Motive Thomas von Aquins aus den Werken Albertus Magnus‘ ableiten kann. Zum einen kommt man damit nicht sehr weit, zum anderen würde es den Unsinn-Theorien zu viel Legitimität verleihen. ( Wer den ganzen Stuss, den unsere Universitäten in den Bereichen Literatur- oder Gesellschafts-„wissenschaften“ ausstoßen, so ernst nimmt, ist selbst Schuld. )

    Man muss sich das ganze nur biographisch anschauen.

    Was ist etwa aus den ganzen kommunistischen Parteien im Westen geworden? In den 60er Jahren waren sie vielfach noch klassisch-marxistisch. Der Arbeiter war der Held, man forderte Änderungen an der wirtschaftlichen Produktion als Basis für die Änderung der Gesellschaft, usw. Mit der Verherrlichung von Schwulen und anderen sexuellen Minderheiten und Perversitäten, mit der Idealisierung fremder Kulturen, und all den anderen Marotten moderner Kulturmarxisten hatten sie nichts am Hut.

    Aber die Parteien wandelten sich von stramm-marxistischen Organisationen hinzu kulturmarxistischen Parteien – im großen und ganzen unter personeller Kontinuität. Aus Folklore werden natürlich weiterhin die kommunistischen Massenmorde als humanistische Weltbeglückungsversuche verharmlost, die leider ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind. Nostalgisch trällert man ab und zu die Internationale und vielfach wurde sogar das Adjektiv „kommunistisch“ im Namen der Partei beibehalten. Aber marxistisch im eigentlichen Sinne sind diese Parteien doch schon sehr lange nicht mehr.

    Und was für Parteien gilt, gilt für die Individuen natürlich auch. Wer in den 60er Jahren noch streng im Sinne Marx philosophierte, tat dies zwanzig Jahre später nur noch in den seltensten Fällen. Die obigen Motiven (Gleichheitswahn, Utopismus, Hass auf die Bourgeoisie, usw.) sind jedoch die gleichen geblieben. Andere Philosophien sollen ihren Hass jetzt legitimieren, nachdem der ökonomische Marxismus offensichtlich abgewirtschaftet hat.

    (Aus der personellen Identität folgt natürlich auch eine gewisse ideengeschichtliche Kontinuität. Wer Jahre seines Lebens damit verbracht hat, Marx, Lenin, Adorno und Co. zu studieren, wird auch später immer wieder auf Motive derartiger Werke zurückgreifen – bewusst wie unbewusst.)

    An die Kritiker des Begriffes „Kulturmarxismus“. Wie erklärt ihr diese bemerkenswerte Kontinuität bei Individueen und innerhalb von Organisationen und Subkulturen?

    Es gibt offensichtlich etwas, das die einstigen Marxisten und ihre Nachfolger gemeinsam haben. Dafür bedarf es eines Begriffes. Kulturmarxismus ist natürlich sehr pejorativ, aber die Begriffe der Kulturmarxisten sind das nicht weniger.

    Die ganzen Brüche, die Leszek herausarbeitet will ich gar nicht im Detail abstreiten. Aber man könnte derartige Brüche genauso gut auch auf Seiten der Rechten herausarbeiten. Verzichten die Kulturmarxisten aber deshalb auf ihr pejoratives Vokabular? Sie werden doch trotzdem als „faschistisch“ geframed, wie Leszek selbst feststellt. Wer ihre utopistischen Weltbeglücksprojekte und Gleichheitswahn ablehnt, ist ein böser Faschist, Rechtspopulist, usw…

    Auch die Unkenntnis der Gegenseite ist weder etwas besonderes noch verwunderlich. Wie viele „Kritiker“ des Neo-Liberalismus haben denn ernsthaft die Werke Milton Friedmans studiert, welche „Kritiker“ des Neo-Konservatismus die Werke von Leo Strauss? Die Liste ließe sich endlos über alle politische Lager hinweg ausdehnen. Auch ein Adorno hatte keine Ahnung, was gerade der Diskussionsstand der „Positivisten“ war. Den Nichteingeweihten erscheinen die Gedankengebäude einer kleinen Sekte von Intellektuellen meistens schon vom Fundament her derartig verfehlt, das eine nähere Beschäftigung mit ihnen alles andere als lohnend erscheint.

    • „vortheoretische Moralvorstellungen und Utopien legitimieren, wie sie bei einem gewissen Menschenschlag eben vorkommen.“

      „hyper-moralisch“, „vom Gleichheitswahn besessen“, „schmarotzen“, “ Hass“, „sich in ihrer unendlichen Weisheit ausgedacht haben“

      „Andere Philosophien sollen ihren Hass jetzt legitimieren, nachdem der ökonomische Marxismus offensichtlich abgewirtschaftet hat.“

      „Verzichten die Kulturmarxisten aber deshalb auf ihr pejoratives Vokabular? Sie werden doch trotzdem als “faschistisch” geframed, wie Leszek selbst feststellt.“

      Also, wer solche Feindbilder wie oben skizziert, sollte sich über das Prädikat „faschistisch“ nicht beschweren.

      • @ ichichich

        Ich finde es auch regelmäßig amüsant, wenn die Politisch Korrekten von rechts mit der größten Selbstverständlichkeit exakt das tun, was sie den „Gutmenschen“, „Kulturmarxisten“ etc. immer so vollmundig vorwerfen.

    • An die Kritiker des Begriffes “Kulturmarxismus”. Wie erklärt ihr diese bemerkenswerte Kontinuität bei Individueen und innerhalb von Organisationen und Subkulturen?

      Mit einem himmelschreiend offensichtlichem confirmation bias.

    • Einhorn

      „Auch die Unkenntnis der Gegenseite ist weder etwas besonderes noch verwunderlich. Wie viele “Kritiker” des Neo-Liberalismus haben denn ernsthaft die Werke Milton Friedmans studiert, welche “Kritiker” des Neo-Konservatismus die Werke von Leo Strauss?“

      Die Unkenntnis der Neoliberalen und Neokonservativen bezüglich Marx und Adorno ist hingegen nicht zu beanstanden.

      Wozu die Texte lesen, wenn man die Motive kennt, die zum Schreiben solcher Texte veranlassen könnten: Hass, Wahn, Schmarotzertum usw.

      😉

    • „Kulturmarxismus ist einfach eine Sammelbezeichnung für diverse zeitgenössische Ideologien, die das Erbe Marx’ angetreten haben. Und das ganze weniger im ideengeschichtlichen Sinne, sondern eher im psychologisch/soziologischen Sinne.“

      Klar, es kann ja auch absolut keine Gründe geben um Objektivität bemüht zu sein und bei der Wahrheit zu bleiben.

      Ist ja egal, ob man mit einem idiotischen Unsinnsbegriff wie „Kulturmarxismus“

      – seine Mitmenschen verarscht und belügt.
      – eine widerliche US-amerikanische Verschwörungstheorie unterstützt, an der ein ganzer Rattenschwanz von Propagandalügen dran hängt.
      – eine antisemitisch grundierte Verschwörungstheorie – in manchen Versionen ist es auch offener Antisemitismus – unterstützt.
      – die ernsthafte wissenschaftliche Behandlung wichtiger ideengeschichtlicher und sozialgeschichtlicher Themen gezielt behindert.
      – Lüge, Hetze und Dämonisierung gegen Andersdenkende betreibt.
      – ganz selbstverständlich Falschbeschuldigungen begeht.

      Für einen politisch Korrekten von rechts ist das alles ganz selbstverständlich völlig in Ordnung.
      „Wir dürfen das.“
      „WIR SIND DIE GUTEN!“

      • @ Leszek

        „- die ernsthafte wissenschaftliche Behandlung wichtiger ideengeschichtlicher und sozialgeschichtlicher Themen gezielt behindert.“

        Es ist ja schon so, dass man sich als Linker zu einer unreflektierten Parteilichkeit genötigt fühlt, die man eigentlich gar nicht einnehmen möchte.

        Wenn du als Linker in einem Gedankengang bestimmte Aspekte in linken (A) und rechten (B)Theorien kritisierst, wird von den „Kulturmarxismus“-Fans die Krtik von A wie ein EIngeständnis (seht her, ein Linker sagt selbst, die linke Theorie A ist unlogisch/totalitär/etc.) behandelt und B abgestritten (ist ja klar, dass ein Linker die rechte Theorie B unlogisch/totalitär/etc. nennt, er will halt nur SEINE (linke) Wahrheit gelten lassen) .

        Dadurch sinkt insgesamt das Niveau der Debatte, weil den Diskussionsgegnern die kritische Distanz zu ihren eigenen Ansichten verlorengeht, die Anerkenntnis der Möglichkeit, dass man vielleicht unrecht hat.

      • @Leszek

        „Ist ja egal, ob man mit einem idiotischen Unsinnsbegriff wie “Kulturmarxismus”“

        Ich frage mich, warum der Begriff Kulturmarxismus eigentlich überhaupt etwas Negatives bedeuten soll und ob du nicht besser beraten wärst, die positiven Aspekte dieses Begriffes hervorzuheben. „Kultur“ ist eindeutig positiv besetzt und das Gleiche dürfte doch auch für „Marxismus“ gelten, zumindest aus deiner Sicht, nicht wahr ?! Was ist gegen einen kulturell ausgerichteten Marxismus überhaupt einzuwenden ? „Kulturmarxismus“ löst doch eigentlich nur einen solchen Schrecken aus, wenn man Marxismus als etwas Aggressives, Bösartiges betrachtet. Leistest du einer solchen Dämonisierung des Marxismus nicht sogar Vorschub, indem du so reflexhaft gegen den Begriff „Kulturmarxismus“ protestierst ? Im Grunde gehst du Roslin damit in die Falle, denn deine wütenden Reaktionen suggerieren, dass auch du selber „Marxismus“ intuitiv als etwas Verwerfliches empfindest.

        Versuche, den Begriff „Kulturmarxismus“ positiv zu deuten !

        • @ Gemuesequark

          „Versuche, den Begriff “Kulturmarxismus” positiv zu deuten !“

          Das kannst du ja mal den Angehörigen der Opfer von Breivik erzählen.

  11. Bemühen um „Objektivität“, eine „rationale“ Sicht…ein Evidenz gesteuerter Zugang zur Realität…wenn all dies selektiv über Bord geworfen wird, wenn es um Dinge geht, die das eigene Weltbildchen unangenehm zu berühren scheinen, ist erstgenanntes nichts anderes als Travestie….akademische Travestie.

    Akademische Travestie mag derzeit allgemein augenzwinkernd akzeptiert zu werden, solange sie der Selbstvergewisserung des akademischen Milieus dient.

    Aber die Fallhöhe ist natürlich eine andere, ob Leszek oder aber Du, Christian, Dich in Travestie übst, um mit Verweis auf unseriöse Quellen das guten Gewissens leugnen zu können, was zuzulassen Dich aus irgendeinem Grund ängstigt.

    Leszek hob das Stöckchen und sprangst…wer soll Dich jetzt noch Ernst nehmen?

    Eine Beschäftigung mit dem Feminismus unter Ausblendung der linken Strömung, der linken Strategie, die als „Kulturmarxismus“ bezeichnet wird, ist wie der Versuch, eine Krankheit zu erklären, ohne sich dem ekelhaften Milieu stellen zu wollen, die zu ihr disponiert.

    Man kann nicht alles haben. Wenn man das versucht, wird`s unglaubwürdig und im im schlimmsten Fall einfach lächerlich.

    • @ Ratloser

      „Eine Beschäftigung mit dem Feminismus unter Ausblendung der linken Strömung, der linken Strategie, die als “Kulturmarxismus” bezeichnet wird, ist — wie der Versuch, eine Krankheit zu erklären, ohne sich dem ekelhaften Milieu stellen zu wollen, die zu ihr disponiert. —“

      Und wie soll man deiner Meinung nach vorgehen? Im ekelhaften linken Milieu Rattengift auslegen? Kammerjäger rufen?

  12. Ich finde den Begriff „Kulturmarxismus“ insofern gerechtfertigt, als es augenfällig ist, daß linke Ideologien meist als Paket übernommen werden.

    Gibt es Gender-Feministen und Polit-Korrekte, die nicht den Kapitalismus abschaffen wollen? Kaum.
    Ein alter Kommilitone von mir, super links, bsplwse. erkannte zwar die bolschewistischen Massenmorde an, aber meinte, daß Lenin et al. sich „halt verteidigen mußten, weil sie von allen Seiten angegriffen wurden“.

    Eine Bekannte, Soziologin, bestätigte mir, daß die SozWis und PoWis in Potsdam und Berlin für ihre marxistische Gesinnung bekannt sein.

    Mit anderen Worten, linke Ideologen treten in der Mehrheit für eine Revolution auf allen Ebenen des Menschseins ein, politisch, wirtschaftlich, sozial, und, tja, gewissermaßen auch biologisch (58 Geschlechter…).

    Von daher: da sie das Wirtschaftssystem nicht geändert kriegen, verlegen sie sich auf die „Kultur“ im weitesten Sinne. Könnte man als „Kulturmarxismus“ bezeichnen.

    • „Gibt es Gender-Feministen und Polit-Korrekte, die nicht den Kapitalismus abschaffen wollen? Kaum.“

      Wie will man denn Vorstände und Aufsichtsräte mit Quotenfrauen besetzen, wenn der Kapitalismus abgeschafft ist?

  13. @ ratloser

    Das Problem ist ja nicht alleine die Linke. Das wahrhaft Perfide am Feminismus (letzten Endes seine maßgenaue Zuschneidung auf unser aller Instinktdisposition, die jeder ideologischen Orientierung vorangeht) ist seine Links-Rechts-Kompatibilität.

    Er ist als ideologischer Feminismus einerseits Teil der kulturmarxistischen Angriffsformation auf die Grundlagen der westlichen Zivilisation (zusammen mit dem „Minderheitenförderprogramm“, dass das Surrogatproletariat an die Macht hieven soll, die alten Strukturen zerschlagen helfen soll).

    Anderseits dient er aber auch konsumkapitalistischen Interessen, wird darum auch von dieser Seite gefördert.

    Die Linke wäre nie alleine stark genug – schon gar nicht demokratisch, sie hatte und hat keine Mehrheit, GERADE unter „einfachen“ Menschen nicht, um etwa die Geisteswissenschaften so flächendeckend zu dominieren, wie sie es tut, um Hunderte Lehrstühle für eine Pseudowissenschaft (Gender Studies) einzurichten, um alle Mainstreammedien – abhängig vom Geld DER WERBEWIRTSCHAFT, in einen linken Müllstrom zu verwandeln.

    Das kann nur gelingen durch die Stützung von Seiten der Herren des Geldes.

    Das macht diesen Angriff so giftig.

    Wer früher die Linke bekämpfen wollte, konnte sich der Unterstützung der REchten, durch die Geldmacht, sicher sein.

    Heute stützt die Geldmacht die kulturmarxistische Linke, zu der auch der Feminismus gehört.

    Deshalb halte ich den Widerstand dagegen für wenig erfolgversprechend (außer durch Verweigerung der Dienstbarkeit – Füße hochlegen).

    Deshalb erwarte ich, dass das Zerstörungswerk erfolgreich abgeschlossen werden kann – es ist ja auch schon sehr, sehr weit vorangekommen.

    Natürlich werden am Ende des Tages beide Seiten zu den Düpierten gehören, denn was nachdem Zusammenbruch folgt, wird wahrscheinlich weder die Herrschaft des totalen Konsumhedonismus sein noch das kommunistische Paradies der von allem falschen Bewusstsein befreiten Menschen, sondern die Hobbesche Wolfsgesellschaft des Krieges aller gegen alle (oder zumindest sehr vieler Clans gegen sehr viele andere Clans, bis aus diesem blutigen Chaos wieder neue Strukturen der Zivilisation aufgebaut werden können – ein Prozess, der vielleicht Jahrhunderte dauern wird – s. Zusammenbruch Westroms).

    Die Linke ist total verblendet und verblödet, was den Feminismus und den Kulturmarxismus angeht.

    Die Rechte aber auch.

    Sie will weithin nicht sehen, wie tief Kapitalisten in Kulturmarxismus/Feminismus investiert sind.

    Ein diabolische Zange, ein Schach matt.

    • „Heute stützt die Geldmacht die kulturmarxistische Linke, zu der auch der Feminismus gehört. Deshalb halte ich den Widerstand dagegen für wenig erfolgversprechend“

      Richtig ! Früher war es die Religion, die die Instinktdispositionen der Menschen und ihre Ängste bediente und den größten Profit abwarf, heute gilt „Sex sells“, und das haben die Geldmächtigen natürlich auch mitbekommen. Ganz folgerichtig also diese Umschichtungen angesichts einer nach wie vor riesigen Masse naiver und leicht manipulierbarer Menschen. Wenn man die Dummheit schon nicht beseitigen kann, kann man sie wenigstens zu beherrschen und Profit daraus zu schlagen versuchen.

  14. Übertragung von hier
    https://allesevolution.wordpress.com/2014/07/31/liebe-feministinnen-hier-die-grunde-warum-ihr-solche-schwierigkeiten-habt/

    Wie kommt der Autor nur auf die Idee? Zitat:

    *You may see feminism as responsible for great strides in American and World history, and I can’t deny that. So was Marxism, the ideological model feminism chose to co-opt – the one that equated men with the oppressing class and validated some feminists’ need to hate men as a class. A lot of us take that personally. Feminism’s unequal treatment of gender issues across the board has grown so egregious that protecting the virtue of 200 little African girls results in a global awareness campaign, while the brutal deaths of hundreds of boys in the same conflict earned no attention by feminism.*

    Marxism, the ideological model, feminism chose to co-opt?

    Männer als Geschlechterbourgeois, denen mit Klassenhass begegnet werden muss?

    Klarer Fall: der Autor ist einer von der äußersten US-amerikanischen Rechten, ein Verschwörungstheoretiker der übelsten Sorte.

    Hast Du deshalb diesen Teil nicht zitiert?

    Kommentar bearbeiten
    By: Alexander Roslin on 31. Juli 2014
    at 9:23 vormittags

    Antwort

    @roslin

    “Hast Du deshalb diesen Teil nicht zitiert?”

    Ich habe ihn deswegen nicht zitiert, weil ich nicht auch noch unter diesem Artikel die gleiche endlose Debatte zum Kulturmarxismus wollte.
    Die bitte hier führen:
    https://allesevolution.wordpress.com/2014/05/01/kulturmarxismus/

    Aus meiner Sicht schreibt er da aber auch nicht Kulturmarxismus, sondern schlicht etwas von Übertragungen von einer Theorie in die Andere. Das würde ich auch sehen. Das macht aber noch keinen Kulturmarxismus. Das aber wie gesagt gerne in dem anderen Artikel ausdiskutieren

    Kommentar bearbeiten
    By: Christian – Alles Evolution on 31. Juli 2014
    at 9:55 vormittags

    Antwort

    @ Roslin

    “Klarer Fall: der Autor ist einer von der äußersten US-amerikanischen Rechten, ein Verschwörungstheoretiker der übelsten Sorte.”

    Zumindest hat der Autor offenbar keine Ahnung von den theoretischen Grundlagen des Marxismus, sonst würde er wohl hinzufügen, dass einfach nur abstrakt irgendwelche Menschengruppen als verfeindete Klassen gegenüberzustellen noch lange keine Vereinbarkeit mit dem Marxismus bedeutet und im Falle von Geschlechtern schon gar nicht.

    Marxismus und radikaler Feminismus sind auf der theoretischen Ebene miteinander unvereinbar. Wie bereits ausführlich von mir erörtert:

    https://allesevolution.wordpress.com/2013/03/17/feminismus-und-kommunismus/

    Kommentar bearbeiten
    By: Leszek on 31. Juli 2014
    at 9:45 vormittags

    Antwort

    @ Leszek

    *Zumindest hat der Autor offenbar keine Ahnung von den theoretischen Grundlagen des Marxismus, sonst würde er wohl hinzufügen, dass einfach nur abstrakt irgendwelche Menschengruppen als verfeindete Klassen gegenüberzustellen noch lange keine Vereinbarkeit mit dem Marxismus bedeutet und im Falle von Geschlechtern schon gar nicht.*

    Für klassische Marxisten ist das in der Tat schwierig, für Kulturmarxisten dagegen nicht.

    Kommentar bearbeiten
    By: Alexander Roslin on 31. Juli 2014
    at 9:51 vormittags

    Antwort

    @ Roslin

    “Für klassische Marxisten ist das in der Tat schwierig, für Kulturmarxisten dagegen nicht.”

    Belege?

    Kommentar bearbeiten
    By: Leszek on 31. Juli 2014
    at 9:53 vormittags

    Antwort

    @ Leszek

    Grüße in das Schuhkartönchen… 😉

    Kommentar bearbeiten
    By: ratloser on 31. Juli 2014
    at 9:58 vormittags

    @ Leszek

    Belege oder Belegquellen, oder wie oder was?

    Belege siehe unten …

    Kommentar bearbeiten
    By: derdiebuchstabenzaehlt on 31. Juli 2014
    at 10:00 vormittags

    @ Leszek

    Red nicht! Marxisten lieben Feminismus. Sie arbeiten in der “Frauenfrage” mit exakt den Lügen wie die FeministInnen und rechnen sich sogar noch feministische Verdienste auf ihr Konto …

    “Entstehung der Frauenunterdrückung

    Der Verdienst von Marxisten war es dabei zu erklären, dass die Grundlage für die Frauenunterdrückung eine ökonomische ist. In „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ erklärte Engels schon 1884 dass die Unterdrückung der Frau mit der Entstehung des Privateigentums und der ersten Klassengesellschaft zusammenfällt. ”

    http://www.sozialismus.info/2010/03/13580/

    Kommentar bearbeiten
    By: derdiebuchstabenzaehlt on 31. Juli 2014
    at 9:58 vormittags

    Antwort

    @ddbz

    Für solche Diskussionen bitte hierhin umziehen:
    https://allesevolution.wordpress.com/2013/03/17/feminismus-und-kommunismus/

    Kommentar bearbeiten
    By: Christian – Alles Evolution on 31. Juli 2014
    at 10:00 vormittags

    Antwort

    @ C

    Sag das @Leszek …

    Kommentar bearbeiten
    By: derdiebuchstabenzaehlt on 31. Juli 2014
    at 10:02 vormittags

    @ddbz

    ich sage es euch beiden. Ich behalte mir vor entsprechende Beiträge beider Seiten zu löschen, das ist nicht das Thema dieses Beitrags und es ist auch vollkommen durch.Wer meint was neues zu haben kann es unter den beiden genannten Artikeln gerne in den dortigen Kommentaren schreiben

    Kommentar bearbeiten
    By: Christian – Alles Evolution on 31. Juli 2014
    at 10:03 vormittags

    @ ddbz

    Friedlich Engels vertrat niemals einen Radikalfeminismus.
    Die klassische marxistische Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung war auch nicht radikalfeministisch, beruhte vielmehr auf der Idee der Klassensolidarität von Männern und Frauen der Arbeiterklasse und lehnte Männerfeindlichkeit genauso wie Frauenfeindlichkeit als spalterisch ab – insofern ist dein Einwurf für das hier diskutierte Thema komplett irrelevant.

    Kommentar bearbeiten
    By: Leszek on 31. Juli 2014
    at 10:03 vormittags

    Antwort

    @Leszek

    Kommunismus, Kulturmarxismus und Feminismusdebatten bitte unter diesem Artikel:
    https://allesevolution.wordpress.com/2013/03/17/feminismus-und-kommunismus/
    https://allesevolution.wordpress.com/2014/05/01/kulturmarxismus/

    Kommentar bearbeiten
    By: Christian – Alles Evolution on 31. Juli 2014
    at 10:05 vormittags

    @ Christian

    Sag das Leuten wie Roslin und Ratloser.
    Ich reagiere nur auf deren Propagandalügen und zwar notwendigerweise dort, wo sie diese zu verbreiten versuchen.

    Kommentar bearbeiten
    By: Leszek on 31. Juli 2014
    at 10:07 vormittags

    @Leszek

    Lies es dir durch, ich habe es beiden gesagt.

    Kommentar bearbeiten
    By: Christian – Alles Evolution on 31. Juli 2014
    at 10:08 vormittags

    Mein Einwurf ist nicht mein Einwurf, sondern einer von Marxisten, siehe angegebene Linkadresse. Wichtig ist doch was heute die Verbindung von Linken und FeministInnen ausmacht. Den FeministInnen ist es herzlich wurst was Engels oder Marx wirklich sagten und meinten, den meisten Marxisten allerdings auch.

    Wichtig ist es gibt heute eine innige, fast nicht mehr trennbare Verbindung von Linken und Feminismus. Wenn die Grundlagen sowenig zusammenpassen, wie Du behauptest, warum ist das so?

    Kommentar bearbeiten
    By: derdiebuchstabenzaehlt on 31. Juli 2014
    at 10:11 vormittags

    @ ddbz

    Auf die Ursachen der unkritischen Haltung größerer Teile der Linken bezüglich des radikalen Feminismus bin ich bereits ausführlich eingegangen, nachzulesen hier:

    http://genderama.blogspot.de/2014/05/warum-ist-die-linke-so-anfallig-fur-den.html

    Und um Roslin in Bezug auf seine eigene vergangene unkritisch pro-feministische Phase zu zitieren:

    “Ich hatte mich bis 2006 kaum mit den Grundlagen feministischer Haltungen beschäftigt.
    Dass Frauen unterdrückt und hilfsbedürftig waren, erschien mir unhinterfragbar selbst evident.
    Zudem hätte ich mich damals noch als linksliberal eingeordnet, nicht als konservativ.
    Mir war nicht klar, wie stark die angeborenen/natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern tatsächlich sind.”

    Nachzulesen in diesem Strang:

    https://allesevolution.wordpress.com/2014/07/01/steven-sailers-erste-regel-zum-verstandnis-feministischer-vernebelungstaktiken/

    Kommentar bearbeiten
    By: Leszek on 31. Juli 2014
    at 10:22 vormittags

    @ DDBZ

    *In „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ erklärte Engels schon 1884 dass die Unterdrückung der Frau mit der Entstehung des Privateigentums und der ersten Klassengesellschaft zusammenfällt. ”*

    Weshalb für mich ja “linker Maskulismus” immer klingt wie “Malzkaffee”, “Sojaschnitzel”, “alkoholfreies Bier” oder “Lesbensex”.

    Aber Gott, warum nicht.

    Kommentar bearbeiten
    By: Alexander Roslin on 31. Juli 2014
    at 10:04 vormittags

    Antwort

    @Roslin

    Kommunismus, Kulturmarxismus und Feminismusdebatten bitte unter diesem Artikel:
    https://allesevolution.wordpress.com/2013/03/17/feminismus-und-kommunismus/
    https://allesevolution.wordpress.com/2014/05/01/kulturmarxismus/

  15. Pingback: Gastartikel: Leszek über Kulturmarxismus | Geschlechterallerlei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.