Die fünf Klassen der feministischen Unwahrheiten

Neuer Peter hat wiedereinmal einen interessanten Kommentar geschrieben, in denen es um die Frage geht, wie mit Unwahrheiten im Feminismus umgegangen wird:

Wie viele Feministen gibt es, die bewusst Lügen verbreiten? Ich denke, dass der Anteil relativ gering ist. Ich glaube auch, dass sich Feministen in dieser Hinsicht grob in fünf Klassen einteilen lassen:

1. Ideologisch Verblendete
2. Unwillentlich Ignorante
3. Willentlich Ignorante
4. Professionelle Lügner
5. Aufgeklärte Egalitaristen

1. Ideologisch Verblendete haben sich in den Denk- und Interpretationsmustern ihrer Verschwörungstheorien verfangen und können schlecht aus diesen ausbrechen. Erfahrungen und empirische Befunde, die ihrem Weltbild widersprechen, werden entweder ignoriert oder umgedeutet, bis sie wieder passen. Somit kommt man dann zur Interpretation weiblicher Privilegien als “wohlwollende Diskriminierung”, die Zeichen der Unterdrückung der Frau sei oder zu der Ansicht, dass die Abwesenheit von Belästigungserfahrungen Ausdruck einer frauenbelästigenden Kultur sei oder dass das Patriarchat Frauen unterdrücke, indem es Männer benachteilige.

Hier ist Hopfen und Malz verloren. Es ist aber wichtig, festzustellen, dass diese Menschen nicht bewusst lügen. Sie glauben durchaus an die Dinge, die sie verlautbaren.

Feministen dieser Art findet man unter den radikalen Netzfeministen, wohl auch an Genderlehrstühlen und gelegentlich wohl auch innerhalb der Genderbürokratie. Der Anteil scheint mir aber eher gering zu sein.

2. Unwillentlich Ignorante assoziieren den Begriff “Feminismus” schlicht mit Gleichberechtigung und gehen davon aus, dass dieser auch dafür eintrete. Vom Flurschaden, die die feministische Ideologie angerichtet hat und weiterhin anrichtet, wissen sie nichts. Sofern sie etwas von den Auswüchsen des radikalen Feminismus mitbekommen, gehen sie davon aus, dass es sich hier um eine kleine extremistische Minderheit ohne Wirkmacht handelt, die mit dem “wahren” Feminismus nichts zu tun hat. Ich denke, dass die meisten Menschen diesem Typus angehören.

3. Willentlich Ignorante hegen mehr oder weniger dieselben Überzeugungen wie unwillentlich Ignorante. Da sie aber eine persönliche Investition in die Identifikation als Feminist getätigt haben, schützen sie diese durch aktives Weghören und willentliche Ignoranz gegenüber Gegenargumenten und Tatsachen, die ihre Weltsicht gefährden könnten. Die Netzfeministen aus dem Umfeld dieses Blogs sind ein sehr gutes Beispiel dafür. Dabei ist die große Bandbreite der Verdrängungsstrategien außerordentlich interessant. Entweder interessiert man sich schlicht nicht für Widerspruch, oder man hat gerade seit Monaten keine Zeit, sich mit ihm zu beschäftigen oder man zaubert schnell einen Umstand aus dem Hut, der es erlaubt, den Autoren des Widerspruchs moralisch zu diskreditieren, damit man sich nicht mit seinen Argumenten beschäftigen muss.

4. Die Existenzgrundlage professionelle Lügner ist abhängig von der Aufrechterhaltung gewisser Unwahrheiten. In diese Kategorie gehören die Produzenten von Gefälligkeitsgutachten, diverse Moralunternehmer, manche Politiker und die Apparatschiks der Frauenförderindustrie. Bisweilen ist die Abgrenzung zum Typ 1 recht schwer. Ich würde beispielsweise Claudia Roth eher zu Typ 1 zählen, während ich Jürgen Trittin und Obama ganz sicher zu Typ 4 zählen würde.

5. Aufgeklärte Egalitaristen leiten ihre Ansichten aus grundlegenden Überzeugungen hinsichtlich der Gleichberechtigung der Geschlechter ab. Sie sperren sich nicht aktiv gegen die Wahrnehmung von Misandrie, fokussieren aber auf Frauenprobleme. Frauenpolitik, die zum Schaden des Mannes gemacht wird, lehnen sie ab. Dieser Typus ist mit der weitgehenden Durchsetzung der weiblichen Gleichberechtigung so gut wie ausgestorben. Leute wie Monika Ebeling wären hier ein gutes Beispiel.

Ich denke auch, dass der Anteil derer, die aktiv und bewusst lügen nicht so hoch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das in einigen „wissenschaftlichen Bereichen“ betrieben wird, eben etwa dann, wenn jemand selbst einfach nur bezüglich seines Abschlusses vorankommen will und weiß, dass er andere Ergebnisse nicht verkaufbar sind oder auch bei entsprechenden Gutachten.

Auch hier halte ich aber die „Theorie des puren Bösen“ für wenig überzeugend: Unser Gehirn ist erstaunlich gut darin, Rechtfertigungen für unser Verhalten zu finden. Hier bietet sich bei der Fallgruppe 1, den ideologisch verblendeten, an, dass sie die Gefahr durch das Patriarchat als zu groß wahrnehmen, dass sie davon ausgehen, dass tatsächlich alle nichtfeministische Forschung schlecht ist etc.

Interessanterweise kann man diese Gruppen sicherlich genauso auf den Maskulismus verwenden. Auch hier werden Radikalmaskulisten häufig nicht lügen, sondern tatsächlich davon ausgehen, dass AlleFrauen nur Ausbeutung der Männer wollen und ansonsten keine Gefühle haben, auch wenn sie ansonsten durchaus Paare sehen, die sich lieben und sich gegenseitig unterstützen und mit der Aufteilung beiderseits vollkommen glücklich sind.