Aufbrechen von Geschlechterrollen: Freiheit vs. Zwang in andere Richtung

Der Kommentator „Rotterdam“ hat einen interessanten Kommentar auf Geschlechterallerlei eingestellt, der dort inzwischen auch als eigener Artikel erschienen ist:

„Unter Feministen neuerer Schule – auch unter denen moderater Ausprägung – scheint es Konsens zu sein, dass die vornehmste Aufgabe der Bewegung derzeit darin besteht, Geschlechterklischees und Rollenstereotype aufzubrechen und somit allen Menschen zu einem freieren, weniger beengten, selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.

Das ist ein hehres Ziel. Zumindest wäre es das, beschränkten sich die Bemühungen darauf, das Angebot an validen Rollenbildern zu erweitern und dem Individuum so mehr Auswahlmöglichkeiten bereit zu stellen.“

Das ist in der Tat das Label unter dem vieles im Feminismus läuft: Wir machen die Welt besser für alle, indem wir Geschlechterrollen aufbrechen und alle freier leben können. Das erscheint auch etwas, mit dem man sich gut arrangieren kann: Weniger Zwang ist ja etwas, mit dem man sich unschwer anfreunden kann

„Nun scheint sich innerhalb feministischer Zirkel aber darüber hinaus eine Ansicht durchgesetzt zu haben, die tradierte Rollenbilder als defizitär betrachtet und die damit einhergehenden Perspektiven auf Mann und Frau als schädlich betrachtet – und zwar sowohl für die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt, als auch für die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Folgerichtig müssten diese Stereotype nun also geächtet und soweit wie möglich aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden, auf dass der neue Mensche von ihnen befreit werden möge.“

Das ist so ziemlich auch das, was ich am Feminismus kritisiere. Es wird nicht nur allgemein mehr Freiheit verlangt, sondern diese als nur erreichbar dargestellt, wenn man damit tradiertes Rollenverhalten abwertet und ächtet.

„Eine freie Entscheidung wird den Menschen dabei nicht mehr zugebilligt. Wer klassische Rollenmodelle für seinen Lebensentwurf präferiert, der ist dieser Ansicht nach entweder gehirngewaschen (das Stockholm-Syndrom des Hausmütterchens) oder Teil der Unterdrückungsstruktur (der ewiggestrige Macho, der seine Privilegien nicht aufgeben will). Eine freie Entscheidung ist nur dann eine solche, wenn für diejenige Entscheidungsmöglichkeit optiert wird, die der Feminist präferiert.“

Da sind wir dann mitten drin im sog. Unmündigkeitsfeminismus. Das Stockholmsyndrom ist da ein passender Vergleich, da ja über verinnerlichten Sexismus argumentiert wird, der einen den Feind lieben lässt. Auf wen das nicht zutrifft, der muss eben Unterdrücker sein, denn Geschlechterrollen zu leben bedeutet sie zu reproduzieren, bedeutet Frauen und andere Minderheiten zu unterdrücken.

„Damit werden alte Zwänge aber schlicht durch neue ersetzt. Den alten Geschlechterstereotypen werden neue Rollenzwänge entgegengesetzt, die mitunter aber gar nicht mit den Präferenzen vieler Menschen vereinbar sind. Denn wie es der Autor dieses Artikels so schön ausgedrückt hat, existieren viele (nicht alle!) Geschlechterstereotype, weil sie der “gegenwärtigen überwiegenden Realität [entsprechen]“.“

In einer Theorie, die auf das Standard social Science Modell abstellt ist der Gedanke, dass Geschlechterstereotype eine Grundlage haben, bereits undenkbar und kann gerade im Feminismus nur unter der Frage von Machtinteressen behandelt werden. Da dort hauptsächlich auf die Spitze geschaut wird („Apex Fallacy„) und Ausgleichsleistungen ausgeblendet werden muss ein Festhalten oder bestärken eine Unterdrückung sein.

„Damit aber ist klar, dass das moralisch fragwürdige Projekt der Umerziehung der Menschen hin zu einem genehmeren Rollenverständnis von vornherein zum Scheitern verurteiltist.

Da geschlechterstereotypes Verhalten zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil seinen Ursprung in biologischen Dispositionen hat, wird sich dieses innerhalb unserer Lebenszeit schlicht nicht ausmerzen lassen, selbst wenn man es wollte.“

Ja, die Geschlechterunterschiede sind nicht rein zufällig, wie sie sind. Sie ergeben sich aus biologischen Dispositionen und häufig auch darauf aufbauenden spieltheoretisch erklärbaren Handlungsstrategien: Wenn zB Männer auch nur etwas lieber arbeiten gehen, statt die Betreuung der Kinderin Vollzeit zu übernehmen und dies bei Frauen andersherum ist, dann ergeben sich in den meisten Familien fast zwangsläufig „klassische Reproduktionen der Geschlechterrollen“.

„Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Gendertheoretiker insofern recht haben, als dass der Unterschied zwischen Mann und Frau nicht essentialistisch gelesen werden darf und die Unterschiede in vielerlei Hinsicht fließend sind. Die Verschiedenheit von Mann und Frau äußert sich oft lediglich in statistischen Häufungen, die Rückschlüsse auf das jeweilige Individuum in vielen Fällen unzulässig machen. Dass es mehr Mädchen gibt als Jungen, die gern mit Puppen spielen, bedeutet nicht, dass es keine Mädchen gäbe, die ungern mit Puppen spielen oder dass es keine Jungen mit Vorliebe für Puppen gäbe. Menschen, deren Verhalten derart vom Gängigen und Üblichen abweicht, sind deswegen keineswegs defizitär, unnatürlich oder weniger werthaft als Menschen, deren Verhalten eher der Norm entspricht. Das klar zu machen ist durchaus wichtig.“

Auch insoweit volle Zustimmung. Wobei auch der Genderfeminismus seine essentialistischen Zuweisungen hat: Männer haben eben per „gelesenen Geschlecht“ Privilegien, die sie auch nicht loswerden, eine Erbschuld die essentialistisch an ihnen als Teil einer Gruppe festgemacht wird.

„In einer freien Gesellschaft sollte ein Rollenmodell stets nur ein Angebot sein und Konformitätszwang weitgehend ausbleiben. Umso schlimmer ist es, wenn nun vorgeblich tolerante Menschen ein Verhalten gegenüber Menschen mit klassischen Rollenpräferenzen an den Tag legen, wie sie es gegenüber Menschen mit unüblichen Präferenzen kritisieren.“

Ja, und das mit teilweise absurden Forderungen wie einem Kussverbot oder einem Abwerten von Allys zu geradezu minderwärtigen sklavenhaften Zuarbeitern ohne Recht auf eigene Meinung.

„Bleiben die Geschlechterstereotype. Wenn sich also das Wesen des Menschen nicht ohne weiteres ändern lässt, und sich eine Mehrheit der Menschen stets eher “rollentypisch” verhalten wird, sollten wir dann nicht wenigstens versuchen, den Leidensdruck der Menschen zu mindern, die dieser Norm nicht entsprechen?

Meiner Meinung nach lautet die Antwort: Ja, aber. Denn Menschen, die in irgendeiner Hinsicht aus der Norm fallen, werden sich auch in der tolerantesten aller Gesellschaften immer zu Anpassungsleistungen gezwungen sehen. Und zwar deshalb, weil Menschen mit vergleichsweise seltenen Eigenschaften stets aus dem Erwartungsrahmen fallen werden, den ein jeder Mensch benutzt um seine Umwelt möglichst effizient zu ordnen.“

Eine wichtige Einschätzung, die ich hier auch so schon einmal in ähnlicher Weise getroffen habe: Es ist die Denkweise unseres Gehirns erst einmal von dem Häufigen auszugehen, wenn es sehr häufig ist. So ordnen wir in vielen Punkten unser Verhalten und vereinfachen uns Entscheidungen. Sich davon frei zu machen, erscheint mir unglaublich schwierig und gelingt auch Feministinnen nicht.

„Reiche ich einem Menschen ein Messer, werde ich ihm den Griff auf eine solche Art hinhalten, dass er mit der Rechten leicht zugreifen kann – und dass, obwohl er unter Umständen Linkshänder ist.

Berichtet mir ein Mann von seiner Beziehung, werde ich zunächst einmal davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Frau handelt.

Bekomme ich Besuch, werde ich diesem Alkohol anbieten – obwohl ich es mit einem Abstinenzler zu tun haben könnte.

Das tue ich nicht, weil ich Linkshändern, Homosexuellen oder Abstinenzlern Böses will. Und es bedeutet nicht, dass ich diese Eigenschaften abwerte oder Normalität (im Sinne von Häufigkeit) mit Werthaftigkeit verwechsle. Ich tue es, weil ich in der Mehrzahl der Fälle damit richtig liege.“

Normalitäten sind eben nicht per se darauf ausgerichtet, dass man den anderen Raum wegnimmt. Es ist schlicht eine Strukturierung der Realität, ohne die wir immer eine unüberschaubare Menge von Handlungsoptionen bedenken müssten. Unser Gehirn ist aus meiner Sicht gerade dazu geschaffen, solche Normalitäten zu nutzen und dadurch die Realität besser erfassen zu können.

Gehe ich mit einer solchen Annahme einmal fehl, entschuldige ich mich natürlich und korrigiere meinen Fehler. Von dieser Erwartung aber ganz abzulassen, würde mir ein sehr wirkungsvolles Instrument der Alltagsbewältigung rauben, von dem ich ungern ablassen würde.

Auch das ist etwas, was im Feminismus zu kurz kommt: Man kann, wenn man erkennt, dass der andere nicht der Normalität entspricht sein Verhalten eben entsprechend umstellen und dem anderen dadurch „Raum geben“. Natürlich kann es dabei unangenehm sein, wenn zB der Homosexuelle sich nicht traut zu seiner Homosexualität zu stehen, weil er nicht weiß, wie der andere reagiert. Aber angesichts der sehr geringen Anzahl an Homosexuellen lässt es sich kaum vermeiden, dass dieser Weg der effektivste ist. Im Gegenteil: Der Versuch immer neutral zu bleiben und alle Möglichkeiten offen zu halten wird wohl eher als anstrengend bemüht wahrgenommen werden. Ich hatte ja auch schon darauf hingewiesen, dass sich diese Vermutung eben auch anders herum auswirken kann: Bei einem Mann mit einem sehr weiblichen Auftreten (also einem „Klischeeschwulen“) wird die Vermutung aus den gleichen Gründen dahingehen, dass er Homosexuell ist, obwohl dies keineswegs der Fall sein muss.

Menschen, so denke ich, werden sich nur unter extremen Bedingungen dazu bringen lassen, von der Benutzung dieser höchst sinnvollen Heuristiken abzusehen.

Warum also versuchen, sie dazu zu bringen? Hier könnte man sich nun der alten Binsenweisheit bedienen, dass obsolet gewordene soziale Bewegungen stets nach neuen Betätigungsfeldern suchen, um sich ihrer Existenzberechtigung zu versichern. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Bewegungen bereits soweit geronnen sind, dass sie sich in der bürokratischen Infrastruktur eines Gemeinwesens festgesetzt haben.

Ein Problem, das sich schlicht nich lösen lässt, ist dabei der Hauptgewinn eines jeden Kämpfers für die vermeintliche Gerechtigkeit, dessen Ansehen oder dessen Existenz auf dem fortwährenden Kampf gegen das Böse beruht.

Denn wenn der Patient partout nicht genesen will, dann braucht es eben immer mehr von der immer gleichen Medizin. Und das bedeutet vor allem eines: Mehr Geld, mehr Posten, mehr Aufmerksamkeit, mehr Prestige.

Es gibt in dieser ganzen Geschichte also durchaus jemanden, der nicht von seinen Privilegien lassen will. Es sind nicht die Anhänger des klassischen Rollenbildes

Das ist ein interessanter Hinweis: Der Kampf gegen Normativitäten, die sich aus Häufungen ergeben, ist in der Tat nicht zu gewinnen und damit ewig während. Es kann dem Leben einen Sinn geben, der nie endet. Und in dem man immer, wenn auch nur vermeintlich, gebraucht wird.

Mutterschaft und Kindererziehung als Kostenfaktor im Arbeitsmarkt

In einem Spiegelartikel heißt es

Bei Beförderungen kommen immer noch eher junge Männer zum Zuge als Frauen, insbesondere Mütter werden ungern eingestellt. „Das ist das große Feld der Ungleichbehandlung, das es noch gibt“, sagt Marcus Bodem, Arbeitsrechtler bei Ecovis in Berlin. „Mütter und ältere Mitarbeiter sind nach wie vor im Nachteil.“

Eine erste Einsicht, die man meiner Meinung nach haben müsste, um sich dem Problem zu nähren, ist, dass Frauen, die nach der Wahrscheinlichkeit bald schwanger werden und Mütter in der Tat mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich einen Nachteil in der Wahl als Angestellter oder für eine Beförderung darstellen.

Ein Umstand verschwindet nicht aus einer Entscheidungsmatrix, wenn man ihn verbietet. Denn die Kosten bestehen nach wie vor fort. Die dann zu treffende logische Entscheidung muss dann einfach bestimmte weitergehende Faktoren berücksichtigen:

Auf der einen Seite stehen

  • Kosten der Entscheidung für eine Angestellte durch Erziehungszeiten etc x die Wahrscheinlichkeit mit der diese Kosten sich verwirklichen: Also etwa die potentiell kürzeren Arbeitszeiten, die geringere Flexibilität bei Überstunden und die Wahrscheinlichkeit eines längeren Aussetzens oder des Wunsches in Teilzeit zu arbeiten x die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen diese Kosten verursachen

Auf der anderen Seite stehen

  • Schadensersatzforderungen
  • schlechter Ruf als unmodern
  • Entgehen potentieller Talente

Eine Umgehung lohnt sich wenn:

  • Wenn „Kosten der Entscheidung für einen Angestellten durch Erziehungszeiten etc x die Wahrscheinlichkeit mit der diese Kosten sich verwirklichen“ geringer sind als die Kosten einer Angestellten, dies ist dann der Fall, wenn diese Kosten dort mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit (auch innerhalb der Höhe) anfallen
  • die Schadensersatzforderungen x die Wahrscheinlichkeit, dass diese verwirklicht werden nicht höher sind als dieser Ausfall + die Kosten in Bezug auf den Ruf gering sind + genug männliche Talente vorhanden sind

Die Wahrscheinlichkeit, dass Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden können, kann man beispielsweise erhöhen, wenn man die Entscheidung entsprechend begründet und Eigenschaften selektiv gewichtet. Also beispielsweise in dem man bei einem Merkmal, dass eine Person, die man will, besonders gut abschneiden lässt, höher ansetzt.

Faktoren, mit denen man die Rechnung beeinflussen kann, sind daher:

  • Höhere Schadensersatzforderungen
  • Erhöhung der Klagebereitschaft durch Vereinfachungen bei der Durchsetzung
  • Verringerung der Kosten: Beispielsweise indem man Erziehungszeiten herabsetzt oder einer vertraglichen Regelung zugänglich macht (was gegebenenfalls dann wieder Frauen zusätzlich abschreckt)
  • gesellschaftliche Umlegung bestimmter Kosten (wird ab einer gewissen Managementstufe uninteressant)

Eine genaue Berechnung, welche Kosten durch Aussetzen entstehen, wäre interessant, aber politisch wohl höchst inkorrekt. Sie würde aber helfen, die Lage tatsächlich einzuordnen.

Kooperation bei Männern und Frauen hier anhand von Zusammenarbeit bei Publikationen

Eine interessante Studie, die auch schon in verschiedenen anderen Blogs besprochen wurde, beschäftigt sich mit der Kooperation bei Männern und Frauen und deren Zusammenhang mit dem Status:

Unrelated human males regularly interact in groups [1], which can include higher and lower ranked individuals. In contrast, from early childhood through adulthood, females often reduce group size in order to interact with only one individual of equal rank [1,2,3,4,5]. In many species, when either sex maintains a group structure, unrelated individuals must cooperate with those differing in rank [6]. Given that human males interact more than females in groups, we hypothesized that dyadic cooperation between individuals of differing rank should occur more frequently between human males than females. We examined this hypothesis in academic psychology. Numbers of co-authored peer-reviewed publications were used as an objective measure of cooperation, and professorial status as a measure of rank. We compiled all publications co-authored by full professors with same-sex departmental colleagues over four years in 50 North American universities, and calculated the likelihood of co-authorship in relation to the number of available professors in the same department (Supplemental information). Among those of equal status (full professors) there was no gender difference for likelihood of co-authorship: women and men were equally likely to co-author publications with another full professor of the same gender. In contrast, male full professors were more likely than female full professors to co-author publications with a same-gender assistant professor. This is consistent with a tendency for men to cooperate more than women with same-sex individuals of differing rank.

Quelle: Rank influences human sex differences in dyadic cooperation

Ich habe leider keinen Volltext gefunden, insofern muss ich auf Besprechungen der Studie auf anderen Seiten zurückgreifen.

Es erscheint mir aber ein interessantes Ergebnis zu sein: Männer arbeiten eher auch mit anderen Männern zusammen, die einen niedrigeren Rang als sie haben. Das könnte interessante Rückschlüsse darauf zulassen, wie Männer und Frauen Netzwerke aufbauen.

Zur Fragestellung, die untersucht werden sollte:

“The question we wanted to examine was: Do men or women cooperate differently with members of their own sex?” Wrangham said. “The conventional wisdom is that women cooperate more easily, but when you look at how armies or sports teams function, there is evidence that men are better at cooperating in some ways.”

Das sind ja durchaus interessante Fragen, da das Klischee in der Tat vorgibt, dass Frauen kooperationsbereiter sind, auch wenn es ansonsten viele Beispiele für eine sehr gute männliche Kooperation gibt, wie etwa das Militär und Sportteams.

Benenson and Wrangham settled on co-authored academic papers as an objective measure of cooperation, and began by identifying 50 institutions from across the United States and Canada with at least two male and female full professors and two male and female assistant professors in their psychology departments. Researchers then identified all articles written by senior faculty from 2008 to 2012, and recorded how often within the same department senior faculty worked with other senior faculty of the same sex, and how often senior faculty worked with junior faculty of the same sex.

Es geht also lediglich darum, inwieweit die Professoren (m/w) jeweils mit „rangniedrigeren“ Mitarbeitern des gleichen Geschlechts zusammen gearbeitet haben. Das könnte für die Frage interessant sein, inwieweit Frauen Frauen fördern bzw. inwieweit sie dies in einem geringeren Umfang taten als Männer Männer förderten.

“When I studied young children, I noticed that boys were typically interacting in groups, and girls tended to focus on one-on-one relationships,” said Benenson, who discusses these findings in her new book, “Warriors and Worriers.”

“There is even evidence that these differences exist in 6-month-olds — but you can see it with the naked eye by about 5 or 6 years old, where boys form these large, loose groups, and girls tend to pair off into more intense, close friendships.

Zu den Gruppendynamiken aus evolutionärer Sicht bei Männern hatte ich hier auch schon mal unter Bezugnahme auf David Geary etwas geschrieben. Zu den verschiedenen Arten bei Jungs und Mädchen Hierarchien und Rangausbildungen zu betreiben hatte ich hier etwas. Das Männer eher als Frauen relativ lose Gruppen bilden würde ich auch so sehen, wobei es auch nicht so direkt ist, auch Frauen haben ja ihre Freundinnengruppen. Sie haben aber vielleicht andere Gliederungen in dieser.

in fact, Benenson said, women are often thought of as being more egalitarian than men. “But there’s a flip side no one thinks about, which is: What happens when they’re with someone who isn’t the same rank?”

While the study offers evidence that women, in some situations, may not collaborate as often as men, Wrangham made it a point to emphasize the host of unanswered questions behind those differences.

Ein großer Schwachpunkt der Studie (es sei denn das liegt daran, dass ich die Vollversion nicht kenne) erscheint mir, dass Frauen ja immer noch kooperativer sein könnten, sich aber eben häufiger Männer suchen als Frauen.

Es könnten auch viele andere Faktoren hineinspielen: Vielleicht werden die Juniorprofessorinnen  lieber von den männlichen Professoren gefördert oder erhoffen sich da eine bessere Betreuung oder die Juniorprofessoren (m) überzeugen die Professorinnen mehr. Für einen umfassenden Vergleich müsste man die gesamte Kooperationshistorie auswerten, auch die, in der Partner des anderen Geschlechts zusammenarbeiten. Dann müsste man die verfügbaren Personen wohl auch noch nach Leistung bewerten um zu schauen, ob nicht einfach unabhängig vom Geschlecht Zusammenarbeiten nach Geschlecht erfolgen. Dann wäre auch noch die Frage interessant, wie viele Juniorprofessoren (m/w) des jeweiligen Geschlechts vorhanden waren. (auch interessant wäre eine Bewertung des „Partnerwerts“ der Juniorprofessoren und Professoren (jeweils m/w) und die Frage inwieweit diese bei gemischtgeschlechtlichen Projekten eine Rolle spielt). Es ist allerdings interessant, dass sich diese Lücke gerade bei der Frage zeigt, ob man mit niederrangigeren zusammenarbeitet. Hier wäre in der Tat aktive Frauenförderung für die Professorinnen möglich. Dieser Aspekt scheint für diese aber nicht im Vordergrund zu stehen

“There is cross-cultural evidence for this phenomenon, you see it in early development, and in one of our closest relatives,” said Wrangham. “That pushes us into thinking that there is a strong biological influence here, but we would never suggest this is impervious to environmental and cultural influences as well.

“Nevertheless these are the kinds of fascinating questions about fundamental sex differences in social relationships that would be tremendously important to recognize if you want to change the way in which women’s access to higher ranks happens,” he added. “What we need to know, now that we have recognized these patterns, is what can we do to ameliorate them?”

Insgesamt finde ich es eine interessante Frage und ich könnte mir gut vorstellen, dass es da Prinzipien gibt, die man sehr gut biologischen Einflüssen zuordnen kann, allerdings ist dafür wohl noch einiges an Forschung notwendig, die auch die anderen möglichen Einflüsse berücksichtigt.

„Männer sind Akteure und Täter, Frauen beschützenswerte Opfer“

Neuer Peter benennt noch einmal Grundsätze die aus meiner Sicht immer wieder in stärkerer oder schwächerer Form in der Geschlechterdebatte vorkommen und diese prägen und die zwar schon oft formuliert worden sind, hier aber nocheinmal in einer schönen Klarheit:

Womit wir wieder bei der These wären, dass der Feminismus im Grunde nur uralte Geschlechterrollen zementiert.

  • Männer sind Akteure und Täter
  • Frauen beschützenswerte Opfer.
  • Männer sind das tätige, Frauen das wertvollere Geschlecht.
  • Ein Mann, der beschützt werden muss, ist eine verachtenswerte gesellschaftliche Bürde.

Diese Ansicht zieht sich durch die europäische Kulturgeeschichte wie ein roter Faden. Der Feminismus ist hier nur Brandbeschleuniger, nicht Ursache der Misandrie des Westens.

Biologisch kann man das für den Menschen (und die meisten Säugetiere) auf eine einfache Regel zurückführen:

Eggs are expensive, sperm is cheap

Es ist letztendlich eine Ausprägung des Bateman-Prinzips: (dazu auch)

Als Bateman-Prinzip wird in der Fortpflanzungsbiologie die von A. J. Bateman 1948 aufgestellte Theorie bezeichnet, nach der Männchen um die Gunst der Weibchen konkurrieren und versuchen, so viele Weibchen zu befruchten wie möglich. Als Ursache hierfür sieht er vor allem, dass die Gameten des Männchen – die Spermien – im Vergleich zu den weiblichen Gameten kleiner und zahlreicher sind. Damit erklärt er seinen experimentell ermittelten Befund, dass die Varianz des Paarungs- und Fortpflanzungserfolgs bei Männchen größer als bei Weibchen ist, also die Bandbreite des Fortpflanzungserfolgs innerhalb der Männchen größer ist als bei Weibchen. Somit seien Männchen einem stärkeren Selektionsdruck ausgesetzt.

Einem größeren Selektionsdruck sowohl durch sexuelle Selektion als auch durch intrasexuelle Konkurrenz passt sehr gut zu den oben genannten Grundsätzen, die damit aber nicht „moralisch richtig“ sind, was ein naturalistischer Fehlschluss wäre.

Weil aber dieses Prinzip wirkt, treffen wir entsprechende Regelungen und Vorstellungen immer wieder an. Neuer Peter weißt zurecht darauf hin, dass sie nicht im Feminismus entstanden sind, sondern bereits weit vorher. Sie werden eben auch in konservativen Kreisen sozial ausgebaut, sind insoweit nicht ideologisch gebunden.

Selbermach Samstag LXXVII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Körpergröße als Beispiel für Geschlechterunterschiede und ihre Verteilung

Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie sich bestimmte Eigenschaften bei Männern und Frauen im Schnitt zeigen und das dies nicht bedeutet, dass Männer und Frauen absolute Unterschiede aufweisen zeigt dieses Bild zur Körpergröße:

Koerpergroesse Maenner Frauen

Koerpergroesse Maenner Frauen

Man sieht hier gut, dass die Eigenschaft Körpergröße eine gewisse Spanne aufweist, dass es aber natürlich auch kleine Männer und große Frauen gibt. Zudem sieht man, dass bei den kleinsten Menschen Frauen ganz deutlich überwiegen und bei den größten Menschen die Männer, auch wenn es auch bei 5,4 Männer gibt und bei 6.0 Frauen. Bei einer noch größeren Gruppe ließe sich sicherlich auch noch ein kleinerer Mann und eine größere Frau finden, aber dennoch würde das nichts daran ändern, dass die Anzahl der Männer über 6,0 erheblich höher wäre und die Anzahl der Frauen unter 5,3 ebenfalls.

Hier das Bild noch einmal als Daten.

Koerpergroesse Maenner Frauen 2

Koerpergroesse Maenner Frauen 2

 

Eine weitere Grafik:

Körpergröße Männer Frauen

Körpergröße Männer Frauen

Die Körpergröße folgt übrigens üblicherweise, also ohne besondere Wachstumsstörungen oder sonstige besondere Umstände einer Formel und hat einen hohen genetischen Anteil:

  • Mädchen = ( Größe Vater + Größe Mutter – 13 ) / 2
  • Jungen = ( Größe Vater + Größe Mutter + 13 ) / 2

Natürlich kann sich auch hier das Soziale auswirken, etwa wenn ein Kind nicht richtig ernährt wird oder andere Umstände hinzukommen. Allerdings hindert einen dies nicht in diesem Bereich einen klaren biologischen Anteil zu erkennen.

Unterschiedliche Größen zeigen sich dabei auch überall auf der Erde. Ein Schwede wird üblicherweise größer sein als ein Buschmann, vielleicht wird eine Schwedin auch größer sein als ein Buschmann. Dies zeigt aber nicht, dass es keinen biologischen Anteil gibt und auch nicht das die Biologie hier einen geringen Anteil hat. Es zeigt lediglich, dass es biologische Unterschiede zwischen den Völkern gibt, wobei sich innerhalb der Völker die Geschlechtsunterschiede üblicherweise dennoch zeigen. Dies macht deutlich, dass auch bei einer gewissen Varianz über die verschiedenen Völker ein biologischer Unterschied bestehen kann.

Trotz dieser biologischen Komponente kann eine Vielfalt entstehen, da wir eben gleichzeitig einen Genpool haben und verschiedene Größe auch verschiedene Vorteile bringen kann.

Die evolutionären Theorien, mit denen begründet wird, dass Männer üblicherweise größer sind als Frauen, führen üblicherweise an, dass bei den Tieren, die eine starke auch körperlich ausgetragene intrasexuelle Konkurrenz haben, das Geschlecht größer ist, bei dem diese Konkurrenz stärker ist. Deswegen ist ein Gorillamännchen auch erheblich größer und kräftiger als ein Gorillaweibchen ( Während Weibchen 70 bis 90 Kilogramm schwer werden, erreichen Männchen bis zu 200 Kilogramm). Denn Größe bedeutet in einer körperlichen Auseinandersetzung üblicherweise einen erheblichen Vorteil. Ähnliche Vorteile dürfte dies auch bei der Jagd, gerade mit einem Stoßspeer.