Pickup und Ich: Reproduzierbarkeit (Teil 4)

Langsam klappte es ganz gut und ich fühlte mich sicherer in der Auswahl des Materials, welches zu mir passte und der Vereinbarung diverser Techniken mit meiner Selbst. Ich gewann an Selbstvertrauen und Routine.

Mir fielen die Handlungsschemata, von denen ich beim Pickup las auch bei mir bekannten Naturals auf, die genauso abliefen, wie es die Theorie vorsah:

Das Auftreten, die Ergebnisunbekümmertheit, die Art zu necken, Cocky Comedy, dass alles verwendeten sie recht intuitiv. Einer erzählte mir einmal, dass er Frauen immer Fragen würde, welches Buch sie gerade lesen würden. Die meisten Frauen würden gerade keins lesen, sie würden aber annehmen, dass er eins liest, wenn er so fragt, und das würde helfen. Er selbst lese gar nicht so gerne, aber er habe ein passendes Buch parat, mit dem er glänzen könne. Ein klassische Routine, bei der es um das Qualifizieren der Frau ihm gegenüber geht.

Ein anderer tanzte erst einmal eine Frau auf der Tanzfläche an und lies sie dann stehen, nachdem sie eine Weile mit ihm getanzt hatte und interessiert schien. Er meinte, dass sie hübsch sei, aber nicht so sein Ding, er würde schauen, ob noch was besseres da ist, sonst würde er eben sie mitnehmen. Ich beobachtete wie die zuerst angetanzte Frau es nicht recht verstehen konnte, dass er sie einfach so stehen ließ, sich immer wieder um ihn bemühte und ihn so recht problemlos ein „Preapproved by other women“ bescherte, dass man durchaus an der Reaktion der anderen Frauen wahrnahm (er sah allerdings auch recht gut aus).

Ich bemerkte es auch in Filmen und Büchern, wie entsprechende Elemente geschickt eingesetzt worden sind.

Ich bemerkte, was Männer falsch machten und es waren teilweise Sachen, bei denen ich früher auch dachte, dass sie unproblematisch wären, jetzt rollten sich mir die Fussnägel hoch.

Auch viele meiner alten Beziehungen verstand ich wesentlich besser. Das Mädchen zB, dass ich im Zug kennengelernt hatte, als ich mit einem Freund einen anderen Freund besuchen fuhr.  Ich erzählte ihm, da ich ihn lange nicht gesehen hatte, da er in einer anderen Stadt studierte, meine inzwischen schon erprobten,  gesammelten und durch wiederholtes erzählen verbesserten Geschichten der letzten Monate (canned material würde man im Pickup sagen). Die Pointen saßen und die neben uns sitzende spätere Freundin musste einfach mitlachen, wodurch wir ins Gespräch kamen. Ich fand sie damals schon nett und hübsch, war aber bereits anderweitig vergeben  und versuchte daher, sie mit besagten Freund zu verkuppeln.  Bei einem gemeinsamen Umsteigen ließ ich sie am Bahnsteig stehen ließ, obwohl sie recht stark angedeutet hatte, dass sie meine Nummer gerne hätte. „Ich will den Jungen aus dem Zug“ soll sie damals wiederholt gesagt haben und hat ihn dann später auch bekommen.

Genauso verstand ich auch, was nicht geklappt hatte und – ein sehr schmerzhafter Erkenntnisprozess – wie viele Frauen ich übersehen hatte, die mir deutliche „Indikators of Interest“ gesendet hatten.

Es gab viele Ereignisse, die plötzlich Sinn machten. Demnach wurde ich auch langsam besser.

Auf einer Party entwickelte sich ein anfänglicher Neg und ein paar freche Scherze in einer Gruppe von Frauen dazu, dass ich plötzlich der Mittelpunkt einer Gruppe von fünf Frauen war, die ich vorher nicht kannte und die sich alle gute amüsierten und bei denen alles sehr gut ankam und von denen zwei Interesse zeigten, ein Abend bei dem ich das Gefühl hatte, dass es super lief, alles genau nach Schema aber trotzdem mit einer gewissen Freiheit. Ich erkannte die Grundstrukturen, die über dem Flirt lagen, aber die Sprüche und Themen waren entsprechend frei, es fühlte sich gut an, der Mittelpunkt der Runde zu sein und zu merken, dass sie einen als Mann interessant fanden. Es war ein Flow-Gefühl, bei dem irgendwie alles richtig lief, man erkannte, dass es richtig lief, man wusste, wie sie reagieren würden und man jeden Ball problemlos zurückspielte.

Auf einer anderen Party war der Gastgeber recht beschäftigt und ich kannte eigentlich nur ihn. Die dortigen Frauen waren alle nicht so unbedingt mein Ding, aber eine, die an sich hübsch, aber eben nicht so ganz mein Geschmack war, stand recht alleine dort. Ich dachte, dass es ja eine gute Gelegenheit zu üben war und habe einfach mal das Schema durchgezogen. Sie hatte wie sich mit seiner Ankunft eine Stunde später herausstellte einen Freund, hatte aber davon nichts erwähnt. Es machte mir auch nichts aus, wir amüsierten uns auch mit ihm gut. Am nächsten Tag rief mich der Gastgeber an und fragte mich, was ich denn mit ihr gemacht habe. Sie hätte seiner Freundin gesagt, dass sie mich ja richtig toll gefunden habe. Also so _richtig_.

Ein anderes Mal hatte sich eine Freundin einer Freundin kurz zu unser Gruppe dazugesellt, schließlich aber weiter gemußt. Eine weitere Freundin aus der Gruppe meinte „Scheint ja nett gewesen zu sein deine Freundin, ich hätte sie mich ja auch gern mit ihr unterhalten, aber Christian hat ja wieder sein Ding gemacht und sie hatte nur Augen für ihn“.

Eine weitere Freundin einer Freundin beschwerte sich einmal, dass die Männer an ihrer Fakultät (Mathematik) so schlecht flirten würden, ob ich denen nicht mal Nachhilfe geben könnte.

Kurzum ich habe es langsam rausbekommen. Nicht so, dass ich mich als PUA bezeichnen würde oder man mich auf jede Frau ansetzen könnte und sie will mich. Aber so, dass ich einen wesentlich besseren Eindruck auf Frauen mache und sie üblicherweise wesentlich positiver reagieren.

Es tat mir – auch wenn das vielleicht nichts Gutes über mich aussagt und etwas billig ist – gut, als ich bei einer Feier auf eine Frau stieß, mit der es am Anfang meiner Lernphase etwas Flirterei gab, was dann aber nicht klappte  und deren Gesicht zu sehen als ich ihr meine zwischenzeitige damalige Freundin vorstellte, die objektiv wesentlich hübscher war als sie. Ihr Gesicht verriet, dass sie nicht verstand, was da passiert war.

Pickup hat mir insofern einiges an Erfolgserlebnissen beschert und zudem eine gewisse Reproduzierbarkeit dieser Erfolgserlebnisse ohne das es zu sehr ein Abarbeiten eines bloßen Schemas ist. Das gibt einem eine gewisse Sicherheit. Ich habe auch ansonsten das Gefühl, dass ich Situationen besser verstehe und einschätzen kann.

Für mich hat sich Pickup also gelohnt. Es wird schwer sein, mich davon zu überzeugen, dass es nur Geldmacherei oder Betrug ist, weil es mir persönlich Einsichten gegeben hat, die ich nicht missen möchte und die ich für jeden Mann sehr nützlich halte. Ich will nicht sagen, dass nicht auch einiges dabei ist, was ich nicht gut finde oder niemals für mich verwenden würde, wobei das aber auch damit zusammenhängt, dass es eben zu mir nicht passen würde.