„Das Recht zu wählen, was man tut“ vs. „das Recht, die falsche Wahl zu treffen“

Viele Konflikte im Feminismus lassen sich denke ich auf den Unterschied zwischen den beiden Aussagen herunterbrechen:

  • Frauen haben das Recht, zu machen, was sie wollen
  • Frauen haben das Recht, auch die „falsche“ Wahl zu treffen

Ein einfaches Beispiel wäre die Wahl zwischen der Schwerpunktsetzung bei Karriere oder Familie, wobei gleichzeitig nicht hingenommen wird, wenn sich mehr Frauen für einen Schwerpunkt bei Familie entscheiden.

Der Unterschied wird meist wie folgt behandelt:

  • Eine Frau sollte sich entscheiden können, wie sie will, wenn sich aber ergibt, dass sich die Gruppe von Frauen anders entscheidet als es „Richtig“ ist, dann kann es keine freie Entscheidung gewesen sein
  • Schuld daran, dass keine freie Entscheidung getroffen werden kann ist „das Patriarchat“, die „hegemoniale Männlichkeit“ oder „die Geschlechterrollen“, jedenfalls aber kein freier Wille der Frau

Hier entsteht dann die „Unmündigkeit der Frau“, also der Vorwurf, dass der Feminismus den Frauen selbst abspricht, die aus ihrer Sicht beste Entscheidung zu treffen.

Eine andere Variante wäre:

  • Die sich für das Falsche entscheidende Frau trifft eine bewusste, mündige Entscheidung, aber nur innerhalb der bereits für sie nachteiligen Gesellschaft. Würde die Gesellschaft nicht so patriarchisch sein, dann müsste sie die falsche Entscheidung nicht treffen.

Der Nachweis, dass die Gesellschaft negativ für Frauen ist und demnach patriarchisch sein muss wird dann häufig wieder darüber geführt, dass sie sich eben falsch entscheiden. Ein ähnliche Form dieses Arguments wurde zB bei Tom174 besprochen: Die Autorin eines Artikels stellt darauf ab, dass die Männer eben nicht bereit sind innerhalb des Berufs zugunsten der Familie zurückzustecken, deswegen bleibt es eben an der Frau hängen, die deswegen die Kinder betreuen müssen. Hier geben die Väter direkt die Handlung vor, warum sich die Männer durchsetzen und nicht die Frauen und wie diese Willensentscheidung gebildet werden, wird nicht weiter hinterfragt.

In diesem Szenario kann man dann also einen Teil der Unmündigkeit wieder rausnehmen, leider wird eben meist auf den Nachweise dafür, dass Frauen

  1. die Gesellschaft anders gestalten würden, wenn sie könnten
  2. die gegenwärtige Gesellschaft ihre Entscheidung begründet

verzichtet.

Nicht-gut-genug-Aktivismus

Auf dem Blog „Elitemedium“ finden sich  zwei interessante Artikel zum Thema „Nicht gut genug -Aktivismus“

Dabei geht es darum, dass feministische Aktionen von anderen Feministinnen kritisiert werden, weil sie wie der Name sagt nicht gut genug sind.

Elitemedium schreibt:

Ich nenne es den “Nicht-gut-genug-Aktivismus”. Gemeint ist damit ein unter dem Label feministisch/antirasitisch/antisexistisch etc. betriebender Aktionismus, der sich nicht gegen den eigentlichen Gegner richtet (Sexisten, Rassisten etc.) sondern der andere Aktivisten aus dem eigenen Lager und dessen Aktionen angreift. (…) er “nicht-gut-genug-Aktivismus” ist eine sehr bequeme Sache. Statt selber aktiv zu werden und eigene Aktionen zu starten kann man bequem vom Schreibtisch aus die Konkurrenz im eigenen Lager kleinhalten. Durch den “nicht-gut-genug-Aktivismus” kann man auch gut nachweisen, dass man die NOCH BESSERE Feministin oder Antirassitin ist – auch wenn man eigene Erfolge nicht wirklich vorweisen kann.

Meiner Meinung nach ist es auch eine klassische Folge von IDPOL. Da derjenige am besten darsteht, der sich am nachhaltigsten mit dem Leid der Gruppe identifiziert kann man durch Kritik an den Arbeiten der anderen Aktivistinnen am meisten verdienen. Das wird noch dadurch verschärft, dass man sich auf tatsächliche Gegner eh nur schlecht einschießen kann, weil die Gefahr droht, dass man bei einem zu konkreten Eingehen auf diese, diesen eher „Raum bietet“ und damit diese durch die Kritik stärkt. Durch das kritisieren anderer Arbeiten kann man ohne diesem Risiko ausgesetzt zu sein hingegen feministische oder anderweitig aktivistische Lorbeeren sammeln, allerdings eben auf Kosten des anderen, was mich schon mal zu der Überlegung brachte, ob sich daraus in Hinblick auf die eigentliche Sache, den eigentlich zu bekämpfenden Mißstand nicht ein Gefangenendilemma ergibt: Wenn beide nicht gegeneinander arbeiten würden, sondern akzeptieren würden, dass eine vermeintlich nicht so gute Idee in die richtige Richtung immer noch positiver sein kann als keine und dafür kein Grabenkampf, dann würden sie ihr Ziel eher umsetzen. Da aber beide sich innerhalb der Bewegung lieber profilieren wollen, schädigen sie indirekt die gemeinsame Sache.

Der Besser-Aktivismus ist damit vielleicht am besten als Konkurrenzkampf um die Position in der Gruppe und in Abgrenzung eines gemeinsamen Kampfes für ein bestimmtes Ziel zu sehen.

Ein weiterer Umstand, der das begünstigt, ist, dass die Arten, wie man etwas falsch machen kann, eh nicht zu überblicken ist. Alles kann in irgendeiner Weise diskriminierend sein. Dem Kritiktext zum Heimwegtelefon könnte man beispielsweise vorwerfen, dass es die Deutungshoheit der Frauen, die tatsächlich Angst haben, nicht hinreichend beachtet und  zudem nicht beachtet, dass gerade arme Frauen auf gefährlichen Gegenden sich oft kein Taxi leisten können und ihre Kritik daher klassistisch ist. Dieser Kritik kann man dann wieder entgegenhalten, dass das Heimwegtelefon nicht hinreichend sicherstellt, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter keine Männer  sind, die gerade auf der Suche nach Opfern sind und insoweit deren Position an andere weitergeben können. Dem könnte man dann wieder entgegenhalten, dass nach der Beschränkung auf rein weibliche Ehrenamtliche eine Transsexuellenfeindlichkeit besteht.

Der Nicht-gut-genug-Aktivismus lässt sich insofern nicht bremsen. Man kann immer noch einen drauflegen.

Zum Sexobjekt degradiert

Eine interessante Frage an Dr. Sex:

Frage von Ella (30) an Doktor Sex: Mein Freund kriegt bei jeder Umarmung von mir eine Erektion. Wir sind nun seit mehr als zwei Jahren zusammen und langsam stört mich das gewaltig. Ich fühle mich zum Sexualobjekt degradiert und auf meine körperlichen Reize reduziert. Die Geborgenheit, die ich in seinen Umarmungen suche, finde ich nicht. Was können wir tun?

Mit 30! durch einen Steifen! ihres Freundes! zum Sexobjekt degradiert.

Passt aber immerhin dazu, dass Frauen eher nichtsexuelle Zärtlichkeiten wollen.

Der Rat ist treffend:

Dass dein Partner einen Steifen kriegt, wenn du ihn umarmst, zeigt in erster Linie, dass er auch nach zwei Jahren noch auf dich steht, dass er dir emotional zugewandt und körperlich gesund ist. Manche Frauen wären froh, wenn das mit der Erektion bei ihrem Partner so einfach funktionieren würde wie bei ihm. Wenn du dich wegen des bisschens Bluteinschuss in den Penis und der Härte in der Hose gleich zum Sexobjekt degradiert und auf deine körperlichen Reize reduziert fühlst, liegt das an deiner Interpretation der Sache. Und, so vermute ich, auch etwas an deinem Selbstvertrauen. Es geht daher nicht um euch als Paar. Und auch nicht um deinen Freund, sondern um dich. Finde heraus, was dich – notabene nach zwei Jahren – plötzlich derart sensibel reagieren lässt und wieso du die Erektionen deines Freundes so negativ bewertest.

Nochmal: Freier Wille vs. biologische Dispositionen

Leser Red Pill fasst einen der wichtigsten Punkte in der Anlage-Umwelt-Debatte bzw. im Verhältnis von Nature und Nurture kurz zusammen:

Was Heerscharen von halb intelligenten Sozial IngenieurInnen nicht begreifen können oder wollen, ist die simple Tatsache, dass der Mensch seine Flexibilität eben gerade dazu einsetzt, um seiner instinktuellen Disposition möglichst nahe zu kommen.

Man kann es auch mit Schopenhauer sagen:

Wir sind frei, zu tun, was wir wollen, aber nicht frei, zu wollen was wir wollen.“

Oder man kann es in eine „der Elefant und sein Reiter„-Metapher bringen:

Dort geht es unter anderem darum, ob unser logisches Denken oder unser unterbewußtes, emotionales, instinktives Denken unser Handeln beherrscht. Dazu wird die Metapher des Elefanten und seines Reiters bedient:

Der Elefant ist das unterbewußte, emotionale, instinktive Denken, der Reiter das logische Denken. Nun besteht die Möglichkeit, dass der Reiter nur auf dem großen und schweren Elefanten sitzt und all seine Bemühungen, den Elefanten in einer andere Richtung zu bewegen, egal sind, wenn der Elefant nicht in diese Richtung will oder aber der Elefant kann den Vorgaben seines Reiters willig folgen.

In dem Buch kommt Haidt zu dem Schluß, dass der Reiter einen geringen Einfluss hat, der Elefant gibt den Weg vor. Der Reiter muss sich bestimmte Schwankungen des Elefanten zu Nutze machen und ihn dann, wenn er gerade in eine bestimmte Richtung schwankt, in diese lenken. Häufig bleibe dem Reiter aber sogar nichts anderes übrig als hinterher eine Begründung dafür zu suchen, warum er ebenfalls genau in diese Richtung wollte (sprich: unser Gehirn rationalisiert nachträglich bestimmte emotionale Entscheidungen als vernünftig).

Wichtig ist dabei, sich bewußt zu machen, dass wir bereits dem Gehirnaufbau nach noch viele sehr alte Strukturen haben (Stammhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn und Großhirn) und unser Gehirn in seiner Grundarbeitsweise nicht so unterschiedlich von anderen Tierhirnen und insbesondere auch nicht von dem Gehirn anderer Primaten ist.

Auch sollte man sich bewußt machen, dass alle evolutionäre Entwicklung des Gehirns nicht auf eine abstrakte Verbesserung der Gehirnleistung gerichtet ist, sondern eine Selektion der Gene erfolgt, die die meisten Nachkommen bringen, die sich dauerhaft selbst fortpflanzen. Damit bietet sich die oben genannte Verteilung geradezu an:

An der Wichtigkeit der Dispositionen hat sich nichts geändert: Nach wie vor geht es darum einen guten Partner zu finden und sich mit diesem fortzupflanzen (bzw. die Handlungen auszuführen, die üblicherweise dazu führen). Selbst die Kriterien dafür sind relativ gleich geblieben: Guter Status wird zwar Kulturell anders begründet als früher, das Konzept ist allerdings gleich geblieben. Wir wollen uns immer noch Fettreserven für schlechte Zeiten zulegen, wir wollen immer noch möglichst den Raum im Überblick haben und uns den Rücken frei halten etc.

Das Gehirn erlaubt uns nun, diese  Dispositionen auf verschiedenste, teilweise sehr komplizierte Wege auszuleben. Das bedeutet aber nicht, dass wir tatsächlich einen freien Willen haben, in dem unsere biologisch vorgegebenen Dispositionen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr bestimmen diese eben, was wir gerne wollen, was uns in kulturell ausgeformter Weise wichtig ist, unser Gerechtigkeitsgefühl etc.

Lobbyarbeit für Väter / Männer

Ich würde gerne einmal einen Überblick über Organisationen, die sich mit Väterrechten oder auch Männerrechten beschäftigen und deren Ausrichtung und Aufstellung haben. Vielleicht kann da ja jemand einmal etwas zu schreiben oder Mitlesende, die in entsprechenden Gruppen aktiv sind einen gewissen Einblick geben.

Eine Organsiation scheint mir „Väteraufbruch für Kinder“ zu sein. Gibt es weitere und was wird da so gemacht?

Bei Männerrechten fallen mir Manndat und Agens ein

Eine andere Frage wäre: Wie baut man eine effektive Lobbyarbeit für Väter oder Männer auf?

Letztendlich müsste man hier irgendwie genug Geld für eine Werbekampagne zusammen bekommen, die dann mehr Bewußtsein erzeugt und damit auch wiederum Zuwachs beschert.

Wenn man hier den Gedanken entwickeln könnte, dass entsprechende Organisationen die Gewerkschaften des Mannes sind könnte ich mir vorstellen, dass man da eine gewisse Bereitschaft erzeugen könnte, diesen beizutreten.

Selbermach Samstag LXVII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Aktionsplan „Für Akzeptanz und gleiche Rechte Baden-Württemberg“

In Baden-Württemberg gibt es einen „Aktionsplan für Akzeptanz und gleiche Rechte„, der Teil des Koalitionsvertrages ist. Dort heißt es:

Der Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung gibt vor, dass in einem landesweiten Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ Konzepte entwickelt werden, um Vorurteile gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen abzubauen und Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für Offenheit und Vielfalt zu machen.

Grundsätzlich aus meiner Sicht ein unterstützenswertes Anliegen. Wenn früh an der Akzeptanz und dem Abbau von Vorurteilen gearbeitet wird entzieht man Feindseligkeiten den Boden. Wenn das dazu führt, dass auch Jugendliche, die von dem Schnitt abweichen, sich allgemein wohler fühlen, vielleicht eher ein offenes Verhältnis zu ihrer Sexualität oder ihrem „Anderssein“ entwickeln, dann würde ich das begrüßen.

Ich würde es beispielsweise sehr begrüßen, wenn in den Schulen eine Aufklärung darüber erfolgt, welche Phasen der Geschlechterentwicklung es gibt, wie pränatales Testosteron da mit hinein spielt und welch geringe Abweichungen teilweise mit Homosexualität verbunden sind. Ich glaube ja, dass in diesem Bereichen insbesondere ein Verstehen der Vorgänge dem ganzen eine wesentlich breitere Akzeptanz geben würde. Und natürlich kann man dann – wenn wohl eher auch mit älteren Schülern – über Geschlechterrollen reden und die sozialen Anteile daran behandeln oder sich Gedanken dazu machen.

Dort heißt es weiter:

Um die Akzeptanz sexueller Vielfalt und geschlechtlicher Identität zu erhöhen, bedarf es einer kritischen Analyse der bestehenden strukturellen Nachteile und vorurteilsmotivierten Ausgrenzungen.

Die Erwähnung von queeren Menschen oben und hier die Erwähnung struktureller Nachteile lassen mich allerdings eher befürchten, dass hier poststrukturalistische Theorien gefördert werden sollen.

Kindern bereits etwas über männliche Erbschuld und den Hass auf den weißen, heterosexuellen Mann (WHM) zu vermitteln wäre aus  meiner Sicht allerdings schädlich und kontraproduktiv. Wer hier die Extremisten an die Macht läßt (was ja keineswegs der Fall sein muss, ich hoffe es wird da auch sehr vernünftige Interessenverbände geben, hier in dieser Übersicht sagt man einiges zu Zielen), der wird schlicht eher die Abneigung vergrößern, weil sich denke ich viele Leute von diesen Theorien abwenden werden.

Insofern wäre eine starke Verbreitung zwar auch vorteilhaft: Nichts ist für den Genderfeminismus und die entsprechenden Theorien gefährlicher als wenn sie offen dargelegt werden und ihre Beachtung erfolgt wird. Solange sie niemanden etwas angehen blenden die Leute es aus,  wenn sie sich aber damit beschäftigen, dann fallen die großen Lücken in diesem Bereich auf. Insofern würde ich einen „Gender Studies Unterricht“ an Schulen ja sogar etwas positives abgewinnen können: Meinen Zugriffszahlen würde es wohl ähnlich gut tun wie seinerzeit der #Aufschrei (der eine deutliche Erhöhnung gebracht hat) und es würde der Kritik eine breite Öffentlichkeit bescheren, die für die Männerbewegung auch vorteilhaft sein dürfte.

Homo- und Transphobie muss in allen Lebensphasen von der Kindheit über die Jugend bis zum Alter und sowohl in der vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bildung als auch in Ausbildung und Studium, Arbeitswelt, Kultur und Sport entgegengewirkt werden.

Auch hier wäre die Frage, was dies konkret bedeutet: Ein paar gelungene Aufklärungskampagnen etc können durchaus etwas bewirken, Genderkram an allen Orten hingegen wird aus meiner Sicht hingegen schlicht ein Overkill sein. Ich vermute aber, dass es größer klingt als es letztendlich wird. Vielleicht werden noch ein paar „geschlechterneutrale Toiletten“ eingeführt (was ja wohl die große Leistung der Berliner Piraten auf dem Gebiet war).

An dieser Querschnittsaufgabe werden alle Landesressorts, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich mitarbeiten. Gemäß des Leitsatzes „Gute Politik wächst von unten“ werden die Nichtregierungsorganisationen, Verbände und Vereine aktiv in die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ eingebunden. Ein breiter Beteiligungsprozess u.a. durch die Einrichtung eines Beirates soll sicherstellen, dass berechtigte Erwartungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, intersexuellen und transgender Menschen auch Gehör finden.

Hier hängt letztendlich alles von der Zusammensetzung ab. Eine breite Einbindung wirkt hoffentlich einem Genderextremismus entgegen.

Die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ wird von Anfang an begleitet durch einen Beirat, bestehend aus Vertretungen der Ministerien, aller vier im Landtag vertretenen Fraktionen und 12 Vertretungen des landesweiten Netzwerks LSBTTIQ (Link siehe rechtes), den Kommunalen Landesverbänden, der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg, der Aidshilfe Baden-Württemberg und dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Was genau unter den 12 Vertretungen des LSBTTIQ zu verstehen ist wäre interessant. Hier ist eine Liste der Mitglieder dieses Netzwerkes. „Queerraten der Piratenpartei Karlsruhe“ weckt ungute Gefühle, in der Piratenpartei sind ja einige sehr extreme Personen, ich weiß aber nicht, ob hier vielleicht weit weniger extreme Personen anständige Arbeit machen.

Ziel des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg ist es, die Öffentlichkeit für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung zu sensibilisieren und Maßnahmen zu entwickeln, um Ausgrenzung und Benachteiligung aktiv entgegenzuwirken.

Ich meine, dass man da nicht gleich in Panik verfallen sollte. Vielleicht kommt sogar etwas vernünftiges, was Transsexuellen, Homosexuellen etc tatsächlich hilft, dabei heraus, ohne das es in Abwertung der häufigeren/überwiegend vorhandenen Ausrichtungen (also der „CIS-Gender-Menschen„) umschlägt. Das wäre begrüßenswert. Sonst rückt es Theorien in den Vordergrund, die man dann ebenso aktiv angehen kann.

Es hätte jedenfalls etwas, wenn sich daraus beispielsweise genau das Gegenteil dessen entwickelt, was Gendertheoretiker sich vorstellen, etwa indem sich ein Biologielehrer des Themas annimmt oder Eltern entsprechende Aufnahme von der Forschung entsprechenden Theorien fordern.

Familienrecht in Norwegen

Leser Revolte schreibt etwas zum Familienrecht in Norwegen:

Abgesehen von der soweit bekannt in Frankreich praktizierten juristischen Abtreibung hat überdies Norwegen Bedingungen, von denen deutsche Väter nur träumen können:

1) Null Betreuungsunterhalt für nichteheliche Mütter. Die deutschen Regelungen rufen völligen Unglauben bei Norwegern hervor

Das wäre ja in der Tat eine interessante Sache. Allerdings würde mich interessieren, wie es dort konkret abgewickelt wird. Gibt es bei kleineren Kindern staatliche Gelder oder Arbeiten die Mütter sofort wieder?

2) Das “gewöhnliche” Umgangsrecht ist per Gesetz (!) ganz konkret geregelt: Jede Woche einen Nachmittag plus alle 2 Wochen ein ganzes Wochenende, 2 Wochen im Sommer, Weihnachten oder Ostern, eine Vorschrift bei Änderungen rechtzeitig Bescheid zu geben.

Das finde ich auch überfällig: Eine klare Regelung, die per Gesetz eintritt. Ich hatte etwas ähnliches ebenfalls vorgeschlagen. Allerdings würde mich auch hier die Abwicklung interessieren. Was passiert, wenn das Kind nicht herausgegeben wird? Was, wenn jemand meint, dass das Kind bei dem anderen nicht gut betreut wird? (dazu kommt ja unten was) Was bei Beeinflussungen durch einen der Elternteile?

3) Alle Fahrtkosten werden zwischen den Eltern geteilt.

Auch keine schlechte Regelung, wobei  auch da der Teufel im Detail steckt: Was, wenn einer der beiden die Kosten schlicht nicht tragen kann?

4) Die Kinder haben das Recht, grundsätzlich mitzuwirken. Ab 7 Jahren Kindesalter ist das Vorschrift. Ab 12 Jahren hat der Kindeswille ausdrücklich grosses Gewicht.

Das ist im Prinzip ja auch in Deutschland so. Nur eben weniger ausdrücklich geregelt, das Familienrecht in Deutschland ist erstaunlich viel richterliche Ausformung und Ausgestaltung. Auch hier würde sich die Frage stellen, wie mit beeinflussten Kindern umgegangen wird

4) Eltern mit Kindern unter 16 Jahren müssen vor einer Eheaufhebung und jedem Verfahren zum Sorge- oder Umgangsrecht eine Schlichtung machen und haben darüber ein Attest vorzulegen. Persönliche Anwesenheit ist vorgeschrieben, man kann keinen Anwalt hinschicken. Mindestdauer Schlichtung: Drei Stunden.

Das ist ein interessanter Ansatz, kann aber, wie man an den Kritiken zum Jugendamt sieht auch eine ziemliche Tortur für die Eltern sein. Im Nachbarschaftsrecht hatte man ähnliches eingeführt, aber meines Wissens nach sind die Schlichtungstermine nicht so ergiebig. Natürlich versucht auch der Richter zu schlichten und eine Vereinbarung zu treffen und auch Rechtsanwälte im Vorfeld. Wenn die Gespräche vernünftig und fair geführt werden, dann kann ich mir allerdings schon vorstellen, dass das was bringt.

5) Weitere Schlichtungen, wenn das ein Richter für nötig hält.

Hier würde man sie in einem Vergleich verpflichten, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.

6) Das Gericht kann ein Zwangsgeld festsetzen, das jedesmal verwirkt ist, wenn das Umgangsrecht nicht eingehalten wurde – ohne weitere Entscheidung.

Kann das Gericht neuerdings in Deutschland auch, wird aber von den Gerichten sehr, sehr zurückhaltend gemacht.

7) Ehen können vom Fylkesmann oder dem Gericht aufgehoben werden. Es ist eine Aufhebung, keine Scheidung. Danach sind beide “ledig”, nicht “geschieden”. Kein Anwaltszwang, keine Gebühren beim Fylkesmann.

Auch eine gute Idee. Gerade bei Ehen kurzer Dauer muss man eh nicht viel Regeln. In Deutschland allerdings etwas komplizierter, da ja bei Ehen über drei Jahren noch die Rentenanwartschaften geteilt werden. Könnte natürlich auch jemand anders, zB der Notar regeln oder eben ein anderer Staatsdiener. In Deutschland gibt es theoretisch auch eine Aufhebung, aber sie kommt so gut wie nie vor.

8) Unterhalt für Kinder grundsätzlich nur bis zur Volljährigkeit.

Das muss man dann mit einem Bafög-System oder einer staatlichen Förderung in der Ausbildung verknüpfen, scheint mir aber kein schlechter Ansatz zu sein.

9) Kindesunterhalt wird dort versteuert, wo er landet – beim Berechtigten, nicht beim Pflichtigen.

Im Deutschland also beim Kind? Das würde natürlich hübsche Freibeträge eröffnen. Ich vermute aber mal, dass es in Norwegen derjenige ist, der das Kind betreut. Hätte auch etwas.

10) Berücksichtigung beider Elterneinkommen beim Kindesunterhalt.

Halte ich, wie hier bereits gesagt, auch für dringend erforderlich. Dass das Einkommen des Erziehenden bis zum 18. Lebensjahr quasi keine Rolle spielt ist eine sehr starke Einschränkung.

11) Natürlich gemeinsames Sorgerecht, egal ob die Eltern verheiratet waren oder nicht. Recht auf Erziehungsurlaub auch für nichtverheiratete Väter.

Ja, warum sich die Leute das so querstellen verstehe ich auch nicht. Zur Not kann immer noch eine Zuweisung des alleinigen Sorgerechts beantragt werden, wenn es nicht klappt.

12) Für Unterhalt an den Ehepartner gilt teilweise das Schuldprinzip. Kein Unterhalt an Ehebrecher.

Dazu hatte ich in dem Artikel „Zerrüttungsprinzip und Schuldprinzip“  schon einmal was geschrieben. Auch in Deutschland gibt es ja noch Reste des Schuldprinzips und bei Ehebrechern kann man, wenn diese aus intakter Ehe ausbrechen, den Unterhalt kürzen oder er kann ganz wegfallen (siehe Artikel)

Quellen
– Bergmann/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Teil XIII, Stand: 30.9.2004, S. 72 ff.
– Deutsche Botschaft Oslo http://www.oslo.diplo.de

Ich habe die Quellen nicht überprüft, wer sich im norwegischen Recht auskennt, kann dazu gerne etwas sagen. Interessante Regelungen sind jedenfalls dabei

 

„Doing Victimhood“

Auf dem Blog von Claire Lehmann finden sich in Anlehnung an „Doing Gender“ interessante Ausführungen dazu, wie Feministin „ihre Opferrolle machen“, also konstruieren:

Victimhood can be a performance. Many of today’s feminists “do” victimhood like an actor “does” emotion up on a stage. And the performance-of-victimhood becomes a self-fulfilling cycle – it encourages dissent and then that dissent is used as proof of one’s victim status.

Also das Erzeugen von Widerstand durch die Darstellung als Opfer, der dann wieder als Beleg dafür genommen wird, dass man tatsächlich Opfer ist. Das ist in der Tat ein gängiges Schema, bei dem bei Kritik darauf verwiesen wird, dass man mundtot gemacht wird oder einem „Raum genommen“ werden soll. Oder es wird bei Aktionen wie der „Blockempfehlung“ die Empörung darüber genutzt um darzustellen, dass man einem nicht zusteht, sich dagegen zu wehren, dass man mit „sexistischer Kackscheiße“ konfrontiert wird.

Highly visible feminists (especially on Twitter) like to stigmatise themselves. They align with any political agenda that would be viewed as deviant by mainstream audiences, as a deliberate tactic to position themselves as marginalised. By inciting disapproval and ultimately stigma, it makes the performance of victimhood very easy. All one has to do is trigger disgust and then when any disapproval is uttered, it is then proof (!) of sexism/misogyny/oppression/whatever.

Auch schön zu sehen bei der #Aufschrei-Kampagne, bei der überzogene Beispiele und darauf aufbauende Vorwürfe und der dadurch bedingte  Widerstand als Beleg für die Opferstellung genommen wurden.

Irritants and shock-jocks should be called out for their offensive comments. But we are afraid of calling out female shock-jocks lest we are accused of sexism. Twitter feminists take any and all criticism as evidence that “women are being silenced”. No. Some of us women are just embarrassed that they speak on our behalf. Some of us cringe at the repeated failures in logic which unfairly malign whole groups of people.

Das wäre eine schöne Kritik und in der Tat gibt es ja auch viele weibliche Stimmen, die sich dagegen aussprechen, dass der radikale Feminismus ihr Sprachrohr ist.

Dann weist sie auf die Problematik der Opferstellung hin, die eben – und das gerade nach den Theorien des radikalen Genderfeminismus – dafür sorgen müsste, dass Frauen Opfer bleiben:

The idea of “woman as victim” is a stereotype like any other, and it needs to be put to rest.  It is just as toxic than other stereotypes of women that people dislike and have fought against (like the docile housewife or trophy-wife ornament). And there’s nothing that undermines agency than a fatalistic, paranoid feeling that the world is out to get you.

So ist es durchaus. Um so stärker die Unterdrückung und das Patriarchat, um so stabiler die Glasdecke und um so sexistischer die Gesellschaft, um so weniger lohnen sich auch Karriere etc. Die ständige Überbetonung im radikalen Feminismus verstärkt damit genau den Zustand, vor dem sie warnen will.

If I were a feminist in a position of high visibility I would tell girls that the world is not out to get you. Boys and men are not out to get you. What happens in your life is mostly up to you – the choices you make, the people you associate with, and the vision you have for yourself is your responsibility. Life can be unfair, but it is more unfair if you don’t make good decisions.

Das würde ich für eine schöne neue Perspektive halten. Allerdings erfordert sie eben die Aufgabe der Opferstellung. Dafür sollten sich Frauen im eigenen Interesse einsetzen.