Kritikfähigkeit im Feminismus

In der FAZ findet sich ein Artikel zu Alice Schwarzer und potentiellen Nachfolgerinnen, in dem der Autor auch auf die Kritikfähigkeit und die „Härte“ junger Feministinnen eingeht:

Während Alice Schwarzer also kämpft, irrlichtert – zumindest der öffentlich sichtbare – Feminismus der Nachgekommen zwischen Show und Befindlichkeit. (…)  Anprangern, das können diese Frauen gut; selbst aber halten sie wenig aus. Gerade die, die politisch mitmischen wollen, werden bei Kritik schnell larmoyant.

Yasmina Banaszczuk, Bloggerin und Feministin, stellt sich als toughe junge Frau dar: (…) Tough war Yasmina Banaszczuk auch als Erstunterzeichnerin eines offenen Briefs an den Bundespräsidenten. Darin warf sie ihm vor, die Wut der Frauen als überemotional zu deklassieren, weil er den Tugendfuror in der Sexismusdebatte kritisiert hatte.

Nun ist Yasmina Banaszczuk aus der SPD ausgetreten. Was war geschehen? Sigmar Gabriel war auf einer Podiumsdiskussion eine Freundin Banaszczuks hart angegangen, ein von ihr verfasstes wissenschaftliches Papier hatte in der Parteispitze nicht die erwartete Beachtung gefunden. Banaszczuk beschreibt es so: Seit anderthalb Jahren habe sie sich in der SPD für Partizipation engagiert, habe die Partei gelebt, nun sei sie ausgebrannt. Ausgebrannt nach anderthalb Jahren – das ist durchaus eine überemotionale Beschreibung. Für ihr Scheitern – denn nichts anderes ist ein Austritt – macht Yasmina Banaszczuk eine männerdominierte Politikwelt verantwortlich: „Ein „System von Parteivorsitzenden, die sich von jungen Frauen so bedroht fühlen, dass sie ihnen einfach pauschal unterstellen, dass sie keine Ahnung von politischen Prozessen haben“, schreibt sie.

In der Tat sind viele Feministinnen kaum in der Lage mit Kritik umzugehen, richten Filterbubbles ein, teilen eifrig gegen den weißen heterosexuellen Mann und seine „Male Tears“ aus, empfinden aber Kritik an ihren Positionen als nicht hinnehmbar und ziehen sich dann noch weiter zurück, schmollend, dass man ihnen überhaupt widerspricht und sich in der Filterbubble Bestätigung holend.

Schuld am Mißerfolg ist natürlich nur das Patriarchat, dass man selbst Ideen vertritt, die dort nicht vermittelt werden konnten und dass das in einer Demokratie ein normaler Vorgang ist, bei dem man um die Akzeptanz seiner Meinungen kämpfen muss, dass kommt vielen nicht in den Sinn.

Gut herausgearbeitet finde ich hier auch, dass sie einerseits kritisieren, dass man Frauen Überemotionalität vorwirft und dann selbst eine überemotionale Reaktion kommt. Schön zu beobachten ist das auch bei der Mädchenmannschaft, die überhaupt keine Kritik mehr in den Kommentaren zulässt.

Es hängt aus meiner Sicht auch mit IDPOL zusammen, das Diskutieren über eine Meinung beeinhaltet ja schon, dass man dem anderen eine gewisse Position zugesteht, was schon fast ein Infragestellen der feministischen Idee ist, denn über die Diskutiert man nicht, man erklärt sie und wer es dann nicht akzeptiert, der ist eben ein Sexist. Und schon den Erklärbären zu spielen ist insofern ein Gnade, eine Zumutung, dass man es überhaupt machen muss. Natürlich reagiert man gereizt, wenn einen dann Leute übergehen oder man tatsächlich politische Kompromisse eingehen muss.