Große Koalition: Frauenquote wohl zwischen SPD und CDU vereinbart

Aus den Koalitionsverhandlungen berichtet der Spiegel, dass man sich auf eine Frauenquote geeinigt habe:

Der Streit über das Thema währt schon Jahre, die letzte Koalition konnte sich lediglich auf eine zahnlose Regelung einigen – aber nun ist sie beschlossene Sache: Die gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten kommt. Darauf haben sich Union und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen verständigt. Nach dem Willen der Unterhändler in der Arbeitsgruppe Familie sollen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt werden, mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Außerdem müssen große Unternehmen ab 2015 eigene verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und den obersten Management-Ebenen definieren und veröffentlichen.

Also mindestens 30 Prozent bis 2016 in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen, immerhin also noch etwa 2 Jahre Zeit. Zudem Selbstverpflichtungen auch für andere Bereiche, welche Folgen diese haben sollen, wenn sie nicht eingehalten werden, bleibt unbekannt. Es scheint eher darum zu gehen, dass das Unternehmen mit der Selbstverpflichtung ein „Costly Signal“ setzt und droht als Unmodern zu gelten oder Frauen zu benachteiligen.

In dem gleichen Artikel heißt es zu den bisherigen Verhältnissen:

n den Führungspositionen der großen Unternehmen in Deutschland sind Frauen bislang eine Minderheit. Zwölf Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu berufen, lag ihr Anteil im September 2013 bei 11,7 Prozent.

In einem weiteren Artikel im Spiegel werden für die 30 Siptzenunternehmen folgende Zahlen genannt:

Insbesondere die stark beäugten Dax-Konzerne müssen sich mächtig ins Zeug legen, um die Vorgabe in so kurzer Zeit zu erfüllen. Bislang hat die Kapitalseite der 30 Spitzenunternehmen nur 45 Plätze in den Aufsichtsräten mit Frauen besetzt. Dafür sind 205 Plätze männlich besetzt.

Also wären dort 250 Ausichtsratplätze, davon wären 30% dann 75 Frauen, also 30 mehr. Also ca. eine Frau mehr pro Unternehmen.

Da das Thema ja schon häufiger hier war noch ein kurzer Überblick, zunächst über Artikel zu angeblichen Hindernissen von Frauen in Führungspositionen aufzusteigen:

Und zum Gender Pay Gap:

Und zur Frauenquote:

In dem Spiegelartikel klingt auch an, dass die Quote wohl nicht übererfüllt werden wird und man sie lange brauchen wird:

Die vermeintliche Erfolgsstory ist aber rasch zu Ende erzählt. Denn das eigentliche Ziel wird die Frauenquote in Aufsichtsräten nicht erreichen: nämlich die sogenannte gläserne Decke zu durchbrechen. Top-Frauen werden trotzdem selten die Vorstände, die Macherposten erreichen.

Ein kurzer Blick nach Norwegen reicht aus, um das zu belegen. Dort ist zwar schon seit rund fünf Jahren ein 40-Prozent-Anteil von Frauen in den Aufsichtsratsgremien vorgeschrieben – und wird sogar eingehalten – doch wird er keinesfalls entscheidend übertroffen. Die Unternehmen erfüllen ihre Pflicht, aber das war es dann auch.

In den Vorständen, den Machtzentralen der Unternehmen, tut sich fast gar nichts. Und wie schon in Norwegen, dürften auch in Deutschland „Goldene Röcke“ bald zum geflügelten Begriff werden. Damit sind Frauen gemeint, die diverse Aufsichtsratsposten innehaben, weil es ad hoc einfach nicht genügend Kräfte für die neuen Frauensitze gibt. Vielfalt sieht anders aus!

Es spricht aus meiner Sicht durchaus dafür, dass nicht genug qualifizierte Frauen vorhanden sind, wenn man sowohl nicht übererfüllt als auch „Goldröcke“ geschaffen werden. Man darf gespannt sein, was sich im Jahre 2016 in Deutschland tut.