„Eine Firma baut Produkte weiter aus“ vs. „die Gesellschaft baut mittels eines Produkts Geschlechterrollen aus“

Eine Idee, die immer wieder bei der Kritik an „rollengerechten Produkten“ auftaucht, ist, dass „die Gesellschaft“ damit falsch Rollenvorgaben macht.

Das verkennt meiner Meinung nach auf ganz grundlegende Weise, wie Produkte in einer freien Gesellschaft entstehen und was die Folgen wären, wenn man dies reguliert.

  • Ein Produkt wird nämlich ganz überwiegend nicht von der Gesellschaft hergestellt, sondern von einem Unternehmen. Das hat eine Produktidee, sagen wir mal parfümierte Slipeinlagen und muss dann entscheiden, ob diese auf den Markt unterzubringen sind. Dabei müssen Faktoren wie Produktionskosten und potenzieller Absatz geprüft werden und dabei auch überlegt werden, ob man gegebenenfalls einen Absatzmarkt bzw. ein Bedürfnis für diese Produkte schaffen kann.
  • In diesem Unternehmen könnte natürlich jemand sitzen, der sich Gedanken über die Rollenauswirkungen macht, es könnte aber genauso gut sein, dass da eine Person sitzt, die meint dort ein ernsthaftes Bedürfnis von Kunden (in diesem Fall dann Kundinnen) ermittelt zu haben und die das Produkt (vielleicht sogar für sich selbst) gut finden soll.
  • Eingriffsmöglichkeiten des Staates bestehen dann, wenn die Firma sich entscheidet, dass sie dieses Produkt herstellen will, nur dann, wenn dadurch berechtigte Interessen geschützt werden. Das dürfte zB bei parfümierten Slipeinlagen sofern diese aus medizinischer Sicht nicht zu beanstanden sind, schlicht nicht der Fall sein. Ein Verbot, dass darauf beruht, dass damit das falsche Körperbewußtsein von jugendlichen Mädchen hervorgerufen wird hätte juristisch schlicht keine Chance (und wäre aus meiner Sicht auch tatsächlich ein schlechter Grund, ein jede Frau hat in der Hinsicht das Recht, ein solches Produkt zu nutzen oder nicht).
  • Auch die Werbetreibenden könnten natürlich Werbung für ein solches Produkt ablehnen, aber warum sollten sie das umfassend machen? Jedenfalls kann sie der Staat dazu nicht anhalten, solange das Produkt nicht per se jugendgefährdend ist.
  • Und auch der Supermarkt oder die Drogeriekette wird das Produkt nur dann in die Regale nehmen, wenn es sich verkauft. Auch darauf, was die Drogeriemärkte oder Supermärkte verkaufen hat der Staat nur einen geringen Einfluss.

Aus meiner Sicht zeigt die Berufung auf „die Gesellschaft“ eher, wie wenig ausgereift feministische Theorien oder Vorhalte aus diesem Bereich sind. Es wird einfach pauschal eine Konstruktion wie die „patriachale Gesellschaft“ in den Raum gestellt und ihr Verantwortung zugewiesen, ohne dass die eigentliche Verantwortung und die Folgen eines Eingreifens des Staates überprüft werden.

Die Möglichkeit, dass der Staat beliebige Produkte verbieten lässt, weil sie aus seiner Sicht „Rollenbilder verstärken“ oder negativ beeinflussen, scheint insofern für Feministen wenig erschreckend zu sein, vermutlich, weil sie sie abstrakt für eine „perfekte (und deswegen wohl feministische) Gesellschaft“ vorhalten, die demzufolge gar keinen Mißbrauch betreiben kann (Mißbrauch von Macht ist patriarchisch). Es ist quasi ein „No true scotsman“-Argument: In einer guten, geläuterten Gesellschaft gibt es eben keine negativen Seiten mehr, deswegen muss man sich darüber keine Gedanken machen.