Vorurteile gegen Väter

In der Süddeutschen findet sich ein Artikel, der die Vorurteile und Probleme eines Vaters in der Elternzeit beschreibt.

Da heißt es dann:

Nicht mal, dass sie die richtigen Windeln kaufen, trauen Frauen Männern zu: Die Kassiererin schaute mein Kind an, dann meinen Einkauf, und sagte in einem Tonfall zwischen Seufzer und Belehrung: »Meinen Sie wirklich, dass das die richtige Windelgröße ist? Sie sollten Ihre Frau anrufen und nachfragen.« Während ich um Fassung rang, wurde sie noch dreister: »Ich würde meinen Mann nicht zum Windelkaufen schicken, der bringt garantiert das Falsche mit.« Ich sah mich um: Die Frauen hinter mir nickten der Kassiererin zu und schauten mich an wie ein Ausstellungsstück aus dem Macho-Museum. Wäre meine eigene Frau beim Kauf von Metallspreizdübeln im Baumarkt von einem Mann ähnlich angemacht worden wie ich in der Drogerie, wäre auf Twitter wohl ein Shitstorm über uns Männer hereingebrochen.

Natürlich, wird man im Feminismus sagen, da sieht man mal wie das Patriarchat auch die Männer belastet, würden sie endlich die Geschlechterrollen auflösen, die das Patriarchat aufrechterhält, dann hätten auch die Männer keine Probleme mehr.

Das erscheint mir aber eine sehr einfache Sicht der Dinge zu sein. Denn man sieht hier, dass sich die Frauen schlicht mehr Kompetenz in einer Angelegenheit zusprechen, die üblicherweise von ihrer Gruppe häufiger ausgeführt wird und daher dies als eine Kompetenz ansehen, in der alle Gruppenmitglieder mehr zugetraut wird als Mitgliedern einer Gruppe, die dies nicht so häufig macht.

Die zusätzliche Begründung über ein Patriarchat ist insoweit schlicht entbehrlich, die normalen Gruppendynamiken erklären die Vorurteile bereits hinreichend.

Weiter heißt es dort:

Warum behandelt man Männer, kaum zeigen wir uns als Väter, wie Dorfdeppen mit IQ kaum über Raumtemperatur? Warum sind Väter in Elternzeit für viele Frauen immer noch was Besonderes? Mehr als 180 000 waren wir im letzten Jahr. Und die meisten schreiben nicht mal mehr Bücher darüber – so wie früher! Väter mit umgeschnallten Babys gehören zum Stadtbild. Und fragt man die, erzählen sie fast alle dieselben Geschichten. Ich fasse zusammen. Väter beschweren sich über:

– Mütter, die schimpfen, wenn Väter mit Kind auf dem ohnehin schon fragwürdig beschilderten »Mutter-Kind-Parkplatz« parken.

– Frauen, die sich aufregen, wenn man sein Kind auf der Damentoilette wickelt, obwohl es nur dort Wickeltische gibt.

– Plakate für einen »Mutter-Kind-Flohmarkt« im »Mütterzentrum«, auf dem man als Vater offenbar nichts verloren hat.

– Eine Apothekerin, die mit den Augen rollt und sagt, man möge bitte noch mal seine Frau fragen, ob das Kind wirklich einen Saft gegen Fieber brauche – ein Hausmittel tue es doch auch.

Und natürlich über all die Sätze auf dem Spielplatz: »Was, Ihr Kind darf schon Kekse essen?« – »Warum ziehen Sie Ihrem Kleinen nicht die Schlammhose an? Ihre Frau hat sie doch sicher rausgelegt«, oder, der Gipfel der Dreistigkeit: »Sind Sie eigentlich der leibliche Vater?«

Also letztendlich „Womansplaining„. Die Beispiele zeigen gut, wohin einen eine essentialistische Sicht der Dinge bringt. Es erlaubt einen zwar eine mitunter sicherlich die Sache sehr erleichternde Vereinfachung, aber liegt eben gerade in solchen Fällen, in denen Leute sich nicht nach den Häufungen verhalten, neben der Sache. Ein besonderes Besitzdenken ist es natürlich, wenn Mutter-Kind-Parkplätze ausgeschrieben werden und dann dieser Sexismus in dem Fall eines Mannes mit einem Kind nicht als solcher erkannt wird. Es werden dann in gewisser Weise Privilegien bzw. ein Anspruch auf Sonderbehandlungen angenommen, die dann auch Sonderrechte oder gesonderte Verhaltensweisen den Gruppenmitgliedern gegenüber voraussetzen

Seit einigen Jahren betreibt die Regierung eine Antidiskriminierungsstelle, man kann dort anrufen, wenn man sich wegen seines Geschlechts ungerecht behandelt fühlt. Ich zögere ein bisschen, weil es natürlich schlimmere Formen der Diskriminierung gibt als herablassendes Getue von Frauen gegenüber jungen Vätern. »Wir würden nicht direkt von Diskriminierung sprechen, eher von ungeschicktem Verhalten«, sagt Sebastian Bickerich von der Behörde. Bisher sei keine einzige Beschwerde von einem Vater eingegangen, »aber vielleicht trauen die sich auch nicht, hier anzurufen«.

Hier schlägt denke ich die Rolle auch wieder zu: Männer klagen halt in dieser Hinsicht nicht gerne. Gerade wenn sie die Rollen bereits gewechselt haben wollen sie sich vielleicht nicht noch zusätzliche Aufmerksamkeit darauf lenken, sondern klären es eher in der Situation und selbst. Interessant aber, dass es hier dann auf „ungeschicktes Verhalten“ reduziert wird. Es wäre interessant wie bei vergleichbaren Schilderungen von Frauen, etwa im Baumarkt reagiert wird. Grundsätzlich halte ich auch nichts davon, Kleinigkeiten an die große Glocke zu hängen und tatsächlich wird man in solchen Bereichen auch wenig machen können, andererseits sollte eine solche Stelle eben zumindest grundsätzlich davon ausgehen, dass es auch eine Diskriminierung von Männern geben kann (was mit dem obigen Satz je nach dem, welche Vorfälle dort geschildert worden sind, auch nicht der Fall sein muss).