„Gleiche Rechte für alle reicht aus“

In der Geschlechterdebatte wird mitunter die These vertreten, dass es reicht, wenn einfach alle Rechte haben, insbesondere in Abgrenzung zu ergebnisorientierten Vorstellungen wie Frauenquote etc. Dagegen läßt sich eben vorbringen, dass auch bei gleichen Rechten ein Geschlecht mehr belastet sein kann als das andere, wenn etwas neutral formuliert wird, weil es zB eine Gruppe auf Grund bestimmter biologischer oder anderer Gründe häufiger betrifft.

Bei sehr offensichtlichen biologischen Unterschieden werden das die meisten einsehen, eine Regelung, die das Merkmal „Schwangerschaft“ betrifft ist beispielsweise per se nicht geschlechtsneutral, weil es (von exotischen Ausnahmen abgesehen) nur Frauen schwanger sein können. Eine Regelung „Wenn Männer oder Frauen schwanger sind, dann X“ muss also unabhängig von ihrer neutralen Formulierung hin auf Gerechtigkeit überprüfbar sein.

Daneben gibt es noch viele weitere Regelungen, bei denen zumindest Häufungen bei einem Geschlecht vorliegen, die auch mit gewissen biologischen Dispositionen in Verbindung stehen.

  • beim Sorgerecht und Umgangsrecht wird bei der Betrachtung des Kindeswohls eine Rolle spielen, dass Paare eine Arbeitsteilung meist so vornehmen, dass eher die Frau aussetzt. Damit werden Kontinuitätsgrundsätze eher für den Mann sprechen
  • Gleichzeitig werden damit auch mehr Männer Unterhalt zahlen müssen, weil die Kinder eher bei der Mutter bleiben und die Männer eher mehr verdienen. Auch von Zugewinn und Versorgungsausgleich sind damit überproportional Männer betroffen. Dies wird auch durch Partnerwahlkriterien, etwa die Wahl älterer, statushoher Männer bzw. die Wahl jüngerer Frauen und durch Berufswahlpräferenzen unterstützt.
  • auch zB das Gewaltschutzgesetz ist geschlechtsneutral formuliert. Gleichzeitig kann die darin enthaltene Ermessensabwägung dazu führen, dass in den Fällen, wo beide Gewalt angewendet haben oder einer von beiden sich nur gewehrt hat , dass sich Vorurteile zu Lasten des Mannes auswirken
  • eine Regelung, die zB den Unterhalt ganz wegkürzen würde, würde damit mehr Frauen als Männer negativ betreffen, eine Regelung, die ihn übermässig hoch ansetzt, mehr Männer als Frauen.

Eine Regelung, die eigentlich beiden Geschlechtern gleiche Rechte gibt, kann natürlich trotzdem gerecht sein, auch wenn gewisse Unterschiede bestehen, wenn es keine absoluten Unterschiede ausblendet und das jeweilige Geschlecht sich entsprechend einrichten kann.

Die Frage ist dann eben noch, was Bevorzugung eines Geschlechtes über die Gruppe ist und was eine gerechte Regelung ist. Grundsätzlich sollte man sicherlich die Frage stellen, ob man die Regelung auch so für gerecht halten würde, wenn sie

  • die eigene Gruppe überproportional häufiger treffen würde
  • sie einen selbst in der Lage, die das andere Geschlecht häufiger hat, selbst treffen würde.

Wie man solche Gesetze gestalten sollte und welche Unterschiede zu Berücksichtigen sind und welche nicht, finde ich insgesamt eine spannende Frage. Mich würde interessieren, welche Kriterien ihr dafür für ratsam haltet