„Sex der Liebe wegen“

In der Welt gab es einen Artikel zu der Frage, warum Frauen mit ihren Männern schlafen und da auch gerade über das Ersterben des Sex in einer Beziehung. Da waren einige sehr deprimierende Angaben vorhanden:

Vor einer Weile habe ich mal eine Sexumfrage gelesen. Ich weiß, dass Sexumfragen heikel sind, einfach weil nirgendwo so viel gelogen wird wie beim eigenen Sex. Aber an eine Frage und an die Antworten erinnere ich mich gut, weil das, was rauskam, so schrecklich war, dass es unmöglich gelogen sein konnte. Die Frage hieß: „Warum schlafen Sie mit Ihrem Mann?“

Die häufigste Antwort war: „Weil ich meinem Mann meine Liebe zeigen möchte.“

Danach kam: „Weil mein Mann Sex will.“

Dann: „Weil mein Mann nach dem Sex großzügig ist.“

Zum Schluss: „Weil ich Lust habe.“

Am meisten beeindruckt hat mich die Topantwort: „Weil ich meinem Mann meine Liebe zeigen möchte.“ Ich stelle mir das so vor: Der Mann geht zu seiner Frau und hat Lust. Sie hat keine Lust. Sie will aber nicht sagen, „Hugo, ich hab heute keine Lust“, weil sie das gestern und vorgestern auch schon gesagt hat und weil sie ihn eigentlich liebt und weil sie ihn eigentlich nicht verletzen will und weil es ja eigentlich auch nicht schlimm ist, was er will. Also sagt sie: „Komm rauf.“ Ein bisschen wie im Bordell, nur dass es nichts kostet.

Ich hatte schon mal Beziehungen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie auch mit weitaus weniger Sex leben konnte als ich und es hat mich ehrlich gesagt an diese Szene erinnert. Sex, bei dem man das Gefühl hat, dass sie keine Lust hat und es nur einem zuliebe macht, kann etwas fürchterliches sein, gerade wenn es häufiger vorkommt. Das Gefühl ständiger Geilheit und des Hoffens auf ihre Lust kann einen durch metaphorische Reifen springen lassen und einen gleichzeitig auch wieder den eigentlich ersehnten Sex bedauern lassen, weil er seine Energie verliert. Es kann einen wütend machen auf den anderen oder den Sex für beide zu etwas unangenehmen machen. Ich glaube schon, dass es in vielen Beziehungen vorkommt, dass Frauen denken, dass er „mal wieder dran ist“ und „man schon zu häufig abgelehnt hat“. Man liebt ihn ja und will das es ihm gut geht.

Es sind, wenn die Differenz zwischen den beiden Sexualtrieben zu groß ist, irgendwie deprimierende Beziehungen.

Wahrscheinlich für beide.