Gesellschaftliche Regeln und Vorstellungen und Spieltheorie

In vielen Filmen werden moderne Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit gerne auf historische Gesellschaften übertragen, der Held vertritt dann moderne Ansichten in Reden etc. wodurch er den Zuschauern gleich viel gerechter und moderner vorkommt.

Tatsächlich würde ich allerdings vermuten, dass gesellschaftliche Regelungen sich unter der Berücksichtigung bestimmter biologischer Grundlagen nach den jeweils zu der Zeit auftretenden vorteilhaften Spielstrategien richten.

In einer modernen Welt mit Ressourcenüberschuss, einer effektiven Verwaltung, hoher Sicherheit und viel geistiger Arbeit werden individuelle Rechte erst ermöglicht.

In einer Welt, in der die Versorgungslage schlecht ist entsteht auch ein anderes Verhältnis dazu, Leuten beispielsweise gute Haftbedingungen zu geben. Wenn man keine Möglichkeit hat, Täter effektiv zu verfolgen, weil diese bereits in der nächsten Stadt keiner mehr kennt, werden drastische Strafen interessanter, gerade weil man mit solchen öffentlichen Strafen eine gewisse Abschreckung erreicht.

Wenn die Ressourcen knapp sind, dann wird dieser Faktor in der Partnerwahl mehr beachtet werden.

Und auch Gleichberechtigung ist davon erfasst. Schutz wird in primitiveren, aber anonymeren Gesellschaft wichtiger, Nahrungsmittel werden wichtiger, es gibt weit weniger rein geistige Tätigkeiten wobei Ausbildung teurer ist. Hinzu kommt, dass Körperkraft einen wesentlich größeren Faktor spielen kann.

Ich glaube daher nicht, dass moderne Regeln auf zB das Mittelalter übertragbar werden oder eine Zombieapokalypse oder einen dritten Weltkrieg überleben würden (wenn letzteres überhaupt irgendjemand überlebt).

Die universelle Bedeutung der Menschenrechte ist insoweit etwas trügerisch. Es wäre aus unserer Sicht begrüßenswert, wenn es so wäre. Ich hoffe auch, wir müssen keinen Rückfall hinnehmen.

Letztendlich machen aber immer Menschen die Regeln und es muss ein gewisser Grundkonsens bestehen, was wohl nur dann auftreten würde, wenn die Theorien auch zu den jeweiligen Umständen passen.

14 Gedanken zu “Gesellschaftliche Regeln und Vorstellungen und Spieltheorie

  1. „Und auch Gleichberechtigung ist davon erfasst. Schutz wird in primitiveren, aber anonymeren Gesellschaft wichtiger, Nahrungsmittel werden wichtiger“

    Auch das Empfinden dieser Werte verändert sich mit der Zeit. Unsere moralischen Vorstellungen sind keine 50 Jahre alt (im zweiten Weltkrieg z.B. „durfte“ man Dinge tun, die heute geächtet sind). Das Empfinden dieser Werte ändert sich auch von Kultur zu Kultur, und kann sogar innerhalb der selben Kulturen zwischen verschiedenen Gemeinschaften ganz unterschiedlich sein. Ein italienischer Mafiosi kann ein herzensguter, frommer Mensch sein und trotzdem gewissenlos töten, wenn es den Regeln seiner Gemeinschaft entspricht. Ein italienischer Volksschullehrer wäre dazu nicht in der Lage.

    Gleichberechtigung, zumindest so wie wir sie heute verstehen, hat es meiner Meinung nach auch deshalb nicht gegeben, weil a) die damals andere Sorgen hatten und b) die Situation nicht als Unrecht empfunden wurde. Wäre sie das gewesen, dann wäre sie geändert worden – da dürfen wir unsere Vorfahren nicht unterschätzen.

    Dazu habe ich mal was geschrieben: 5000 Jahre der Verachtung. http://flussfaenger.wordpress.com/2013/10/28/5000-jahre-der-verachtung/

    • @ MD

      Ein Mafioso tötet in der Regel nicht gewissenlos. Er hat nur andere Loyalitäten. Der Rechtsstaat ist für ihn eine fremde Struktur, mit der ihn emotional nichts verbindet – er ist Feind.

      Ein Mafioso lebt in einer anderen Wertewelt als ein moderern Mensch.

      Seine Loyalität gehört der „Familie“, dem Clan, der Verwandtschaft. Deren Wohlergehen wird rücksichtslos durchgesetzt gegenüber anderen Familien/Clans und auch gegenüber der fremden Entität „Rechtsstaat“.

      Es lässt sich sehr gut vorhersagen, welche Gesellschaften zu „mafiösen“ vormodernen Strukturen neigen: Vor allem Inzuchtgemeinschaften, in denen Verwandtenehen Tradition sind.

      Sie scheinen ihre Mitglieder stärker auf eine „geschlossene“, nur die EIGENE Familie/Brut vor allen anderen favorisierende Loyalität hin zu disponieren (genetisch-kulturelle Coevolution: die kutlurellen Regeln beeinflussen die Zusammensetzung eines Genpooles, welche wiederum die Ausformung einer bestimmten Kultur begünstigt, angepasst an die vorherrschende Begabungs-/Persönlichkeitsstruktur der jeweiligen Population, die zurückwirkt auf den Genpool der dieser Kultur unterliegenden Population usw.).

      Zum kurzfristigen Verständnis s. diesen Eintrag Jaymans oder diesen Kommentar Cochrans zu einer Bemerkung von Dawkins:

      http://jaymans.wordpress.com/2012/04/28/an-hbd-summary-of-the-foundations-of-modern-civilization/

      Cochran, Zitat (es geht mal wieder um die hohe Durchschnittsintelligenz aschkenazischer Juden, deren Ursachen, Antwort Cochrans auf einen Kommentar in diesem Strang:

      http://westhunt.wordpress.com/2013/10/31/lost-and-found/#comments

      *European Jews look to be at least half European [nach einer vor kurzem veröffentlichten Studie kamen die Frauen der Aschkenazim vor allem aus Italien, nur die Männer aus dem Nahen Osten, offenbar ist die Ethnie der Aschkenazim im Römischen Reich entstanden und dann NACH DESSEN ZUSAMMENBRUCH dem spziellen, unfreiwilligen „Zuchtexperiment“ unterworfen worden, das ihren hohne Durchschnitts-IQ verursachte) – so now the Arabs are only their half-brothers. Moreover, the Arabs of today aren’t the same people that lived in the Middle East two thousand years ago: they have a lot more South Arab ancestry (Yemen, more nor less) and some recent African ancestry. Not counting those admixtures, both Arabs and European Jews have undergone selection (not for the same things) – another reason for them to differ from each other.

      There were two Jewish cultural traits that were necessary preconditions for their selection for high intelligence: a requirement for literacy, and a strong aversion to intermarriage, reinforced with dietary laws and other rules that discouraged social contact. Those two traits, and fairly long-term persistence of those two traits. One reason for the long persistence of those key Jewish customs was that Judaism was quite unfriendly to rationalistic speculation – in other words, Maimonides lost. In 1305, a herem was issued against “any member of the community who, being under the age of 25 years, shall study the works of the Greeks on natural science or metaphysics, whether in the original language or in translation.” If European Jews had been open to such speculation, they would have abandoned key customs that kept them endogamous, and would have gone after bacon and blondes. This would have ended the natural experiment – just as it is ending now.

      Moslems made the same philosophical choice at about the same time, which may be more than a coincidence. But they never formed an endogamous caste that specialized in white-collar jobs, so it didn’t have the same consequences as it did among the European Jews.

      I doubt if Dawkins knows this. Whether he does or not, saying that Jewish achievement is due to culture is, in my opinion, just false. Culture shaped biology over time, but you can’t undo those effects in one generation, and that’s what everyone hearing “culture” instead of “biology” thinks it means.*

      • „Ein Mafioso tötet in der Regel nicht gewissenlos. Er hat nur andere Loyalitäten. Der Rechtsstaat ist für ihn eine fremde Struktur, mit der ihn emotional nichts verbindet“

        Genau das wollte ich ausdrücken. Ein Mafioso ist Teil einer anderen Gesellschaft, deshalb gelten für ihn auch andere Gesetze – jedenfalls auf emotionaler Ebene.

        Das ist der erste Teil dessen, was ich betonen möchte: was jemand als gut (d.h. er hat ein gutes Gewissen seiner Gesellschaft gegenüber, wenn er so handelt) und schlecht (d.h. er hat ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Gesellschaft) empfindet, hängt davon ab zu welcher Gesellschaft er sich zugehörig fühlt. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Gesetze, die sich auch durchaus widersprechen können.

        Aber – und das ist der zweite Teil – diese Regeln, dieses Gesellschafts-Gewissen, ist nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt. Regeln ändern sich mit der Zeit, und passen sich mit der Zeit an neue Situationen und Bedürfnisse der Gesellschaft an. Das führt dazu, dass innerhalb der selben Gesellschaft in der Vergangenheit andere Gesetze geherrscht haben, andere Dinge als „gut“ (dem Gewissen entsprechend) empfunden wurden als heute.

        Zum Problem wird das dann, wenn wir mit unseren heutigen Wertvorstellungen die Vergangenheit beurteilen. Wenn man vergisst, dass die Zeiten sich ändern, kommt es dabei zwangsweise zu ungerechtfertigten Verurteilungen – womit ich wieder beim Thema „5000 Jahre der Unterdrückung der Frau“ bin. Aber es gibt da auch andere Beispiele.

        Die „HBD Summary of the Foundations of Modern Civilization“ ist übrigens ein höchst interessanter Text, vielen Dank dafür!

    • @ Adrian

      Ja, Religionen formen mit ihren Regeln die kulturellen Selektionsbedingungen, unter denen sich die Zusammensetzung eines Genpooles einer innerhalb einer Kultur lebenden Bevölkerung ausformt.

      Wobei wir natürlich fragen können, ob und was es bedeutet, dass es bisher noch keine Zivilisation gegeben hat, die ohne dieses Formungsinstrument auskam und Bestand hatte.

      Zufall oder Notwendikgeit?

      Wir werden sehen.

      • Du wiederum überschätzt m. E. die Rolle von Religionen und weist ihr den Status eines Wertes an sich zu. Es ist doch völlig klar, dass Religionen in Gesellschaften an Stellung und Einfluss verlieren, wenn ihre Ansichten im Lichte neueren Wissens immer kruder werden und ihr Autoritätsargument („Gott hat gesagt, also ist es gut so“) immer weniger überzeugt.

        Ich halte es für einen großen Fortschriftt, wenn Menschen sich weniger von einer metaphysischen Autoritätspersonen Vorschriften diktieren lassen, sondern statt dessen unter sich Bedingungen aushandeln, wie man als Gesellschaft zusammenleben will. Denn letzlich besteht eine Gesellschaft aus realen, lebenden, atmenden Menschen. Die Ansichten einer nicht fassbaren, metaphysischen Entität sind da doch eher nachrangig zu behandeln.

  2. @ Adrian

    *Die Ansichten einer nicht fassbaren, metaphysischen Entität sind da doch eher nachrangig zu behandeln.*

    Für die, die nicht glauben, sicher.

    Aber die, die nicht glauben, werden sich immer damit abfinden müssen, dass sie zusammenleben werden mit Glaubenden.

    Deren Anteil an der Population wachsen wird, denn sie vermehren sich besser als die Agnostiker/Atheisten – nur eine Frage der Zeit.

    Gerade Pille/Abtreibung helfen da ja enorm beim Verschieben der Zusammensetzung des Genpools.

    Weil die nicht gleichmäßig-zufällig über alle Bevölkerungsgruppen genutzt werden, sondern sehr selektiv (unter Agnostikern/Atheisten sehr viel häufiger als unter Frommen).

    Im Übrigen muss nicht alles, was wünschenswert wäre, auch langfristig funktionieren.

    Wär‘ ja schön, wenn’s so wäre.

    Dann lebten wir in einer Wünsch-Dir-was-Welt.

    • Fotos, die ich mag

      Das letzte bekannte Foto der „Titanic“

      Wenn die Menschen wüssten.

      Deshalb: Abwarten und Tee trinken, Fassung bewahren, in guter Haltung untergehen.

    • „Deren Anteil an der Population wachsen wird, denn sie vermehren sich besser als die Agnostiker/Atheisten – nur eine Frage der Zeit.“

      Erstens ist das eine absurde Schlussfolgerung, denn ausgehend von dieser Logik, hätte es niemals Atheisten, Aufklärung und Säkularisierung geben können.

      Zweitens machst Du den bezeichnenden Fehler, alle Glaubenden über einen Kamm zu scheren. Was zeichnet denn einen Gläubigen aus? Ist das moralische Empfinden aller Gläubigen das Gleiche? Sind die Ansichten von Gläubigen und Nichtgläubigen in jedem Fall konträr?

      Kaum vorstellbar, dass Du Deine moralischen Ansichten alleine aus der Lehren der Katholischen Kirche ziehst.

      „Aber die, die nicht glauben, werden sich immer damit abfinden müssen, dass sie zusammenleben werden mit Glaubenden.“

      Da habe ich auch kein Problem mit. Die entscheidende Frage ist, woran glaubt der Gläubige? Und woran glaubt sein Gott?

      Mir ist es relativ egal, ob Gott existiert. Wichtiger ist für mich die Frage, was er für einen Charakter er hat. Was seine Moral ist. Und wie er diese begründet.

      • @ Adrian

        *Erstens ist das eine absurde Schlussfolgerung, denn ausgehend von dieser Logik, hätte es niemals Atheisten, Aufklärung und Säkularisierung geben können.*

        Aber natürlich.

        Der Anteil der zum Skeptizismus Neigenden ist ja in jedem Falle > 0, besonders in Gesellschaften, wo Vögeln unweigerlich zu Nachwuchs führt.

        Außerdem ist die Erblichkeit von Grundeinstellungen nicht 100 %, es verschieben sich also nur die anteiligen Gewichte innerhalb einer Population, besonders deutlich und relativ kurzfristig allerdings, wenn eine starke Selektion/Selbstselektion stattfindet.

        Der Einfluss von Kultur/Sozialisation auf solche Grundorientierungen ist ja viel geringer, als Soziokulturalisten das wahrhaben wollen.

        • Die genetisch-kulturelle Coevolution betrifft ja auch Homosexuelle ganz direkt.

          Egal, wie groß der Einfluss von Erblichkeit auf Homosexualität nun ist (jenseits aller Spekulationen über mögliche Erreger, die ja auch nicht unabhängig von Erbfaktoren einwirken, wenn es sie denn gibt), auch Folgen für deren Häufigkeit hat:

          Eine Gesellschaft, in der Homosexuelle zur Tarnung gezwungen sind, dürfte mehr Homosexuelle haben (anteilig) als eine, in der sie offen ihre Homosexualität ausleben können.

          Denn zur Tarnung gehörten früher auch sehr viel häufiger Ehen und damit eigene, leibliche Kinder als heute.

          http://jaymans.wordpress.com/2012/07/10/special-post-the-decline-of-male-homosexuality/

          Womit à la longue der Anteil der Homosexuellen an der Population sinken dürfte.

          Freiheit hat ihren Preis.

          Noch mal zu den Basics:

          http://jaymans.wordpress.com/2012/12/31/all-human-behavioral-traits-are-heritable/

        • @ Roslin
          „Der Anteil der zum Skeptizismus Neigenden ist ja in jedem Falle > 0, besonders in Gesellschaften, wo Vögeln unweigerlich zu Nachwuchs führt.“

          Ich kann Dir nicht folgen. Was willst Du mir sagen?

          „Womit à la longue der Anteil der Homosexuellen an der Population sinken dürfte.“

          Erstens: Hat sich „jaymans“ mit dieser Erkenntnis schon für den Nobelpreis beworben? Wo hat überhaupt diese Zahlen her? Und inwifern sidn diese verlässlich?

          Zweitens: Selbst wenn Homosexualität abnehmen würde: Wen interessiert das und was hat mit dem Thema zu tun?

        • „Womit à la longue der Anteil der Homosexuellen an der Population sinken dürfte.“

          Inzwischen scheint es die ersten GWAS-Studien zur Homosexualität zu geben:

          http://www.ashg.org/2012meeting/abstracts/fulltext/f120123120.htm

          Ein nennenswerter genetischer Einfluss ist bislang offenbar noch nicht festgestellt worden, aber die Studie befindet sich ja noch im Anfangsstadium:

          „We carried out GWAS stratified by sex in a cohort of 7887 unrelated men and 5570 unrelated women of European ancestry collected in the two months since the initial survey release. No clear genome-wide significant associations have been found thus far, and the current data do not show any direct association for markers within chromosome band Xq28. However, data collection is still ongoing, and increased sample size may help to clarify the roles for currently suggestive associations.“

  3. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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