Selbermach Samstag LXI

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

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Warum wollen Männer gegenüber Frauen „weiße Ritter“ sein?

In Roosh-Forum wurde gefragt, was Männer dazu bringt, sich gegenüber Frauen als „Weißer Ritter“, also jemand, der sie heldenmütig aus Gefahren rettet, ohne etwas zu wollen, aufspielen.

Ein Vorschlag war:

What would drive a man to white knight? (…)

To me, sex = female approval for most men, so I don’t see sex as the end goal, as I think white knights are chasing female approval.

Further I think white knights see women as inferior to men, and so they feel they need to protect the poor women from the consequences of their words or actions. They end of getting burned by women because they remind women how little they think of themselves, so white knights present them an opportunity to burn off their self hatred.

Also der Wunsch, von der Frau akzeptiert und gemocht zu werden und vielleicht auch die Vorstellung, dass sich die Frau nicht selbst wehren kann. Der Wunsch wäre weiterhin, dass es sich doch irgendwie lohnt, vielleicht aus dem Gedanken des Tit for tat heraus, er hat etwas für sie getan, also muss sie ja auch etwas für ihn tun. Genau diese verborgene Forderung stößt denke ich auch viele Frauen ab: Wenn sie ihn so nicht wollen, dann wollen sie ihm auch nichts schulden, schon gar nicht, wenn er Hilfe aufdrängt und meint daraus etwas herleiten zu können.

Eine andere Antwort dort:

What drives „men“ to white knight? The same thing that drives men to do everything they do: the prospect of pussy. White knighting is just the most pathetic method, because it’s hypocritical, weak, and ineffective. Girls see right through it, and despise the stench of desperation and weakness that it emits.

Das entspricht dem oben bereits dargestellten.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass „White Knighting“ dann wesentlich effektiver ist, wenn man tatsächlich noch gefahren oder schwere Lagen hat und die Hilfe tatsächlich etwas bedeutet. In prähistorischen Zeiten mag dies vielleicht wesentlich häufiger der Fall gewesen sein, weswegen eine diesbezügliche Selektion, die einen Mann dazu bringt, die Situation, Hilfe anbieten zu können, zu nutzen. Das hatte ich schon einmal in dem Artikel „Anzeichen für Angewiesenheit auf Unterstützung als Partnerwahlkriterium“ näher ausgeführt.

Was meint ihr, warum der „weiße Ritter“ verwendet wird?

Kritikfähigkeit im Feminismus

In der FAZ findet sich ein Artikel zu Alice Schwarzer und potentiellen Nachfolgerinnen, in dem der Autor auch auf die Kritikfähigkeit und die „Härte“ junger Feministinnen eingeht:

Während Alice Schwarzer also kämpft, irrlichtert – zumindest der öffentlich sichtbare – Feminismus der Nachgekommen zwischen Show und Befindlichkeit. (…)  Anprangern, das können diese Frauen gut; selbst aber halten sie wenig aus. Gerade die, die politisch mitmischen wollen, werden bei Kritik schnell larmoyant.

Yasmina Banaszczuk, Bloggerin und Feministin, stellt sich als toughe junge Frau dar: (…) Tough war Yasmina Banaszczuk auch als Erstunterzeichnerin eines offenen Briefs an den Bundespräsidenten. Darin warf sie ihm vor, die Wut der Frauen als überemotional zu deklassieren, weil er den Tugendfuror in der Sexismusdebatte kritisiert hatte.

Nun ist Yasmina Banaszczuk aus der SPD ausgetreten. Was war geschehen? Sigmar Gabriel war auf einer Podiumsdiskussion eine Freundin Banaszczuks hart angegangen, ein von ihr verfasstes wissenschaftliches Papier hatte in der Parteispitze nicht die erwartete Beachtung gefunden. Banaszczuk beschreibt es so: Seit anderthalb Jahren habe sie sich in der SPD für Partizipation engagiert, habe die Partei gelebt, nun sei sie ausgebrannt. Ausgebrannt nach anderthalb Jahren – das ist durchaus eine überemotionale Beschreibung. Für ihr Scheitern – denn nichts anderes ist ein Austritt – macht Yasmina Banaszczuk eine männerdominierte Politikwelt verantwortlich: „Ein „System von Parteivorsitzenden, die sich von jungen Frauen so bedroht fühlen, dass sie ihnen einfach pauschal unterstellen, dass sie keine Ahnung von politischen Prozessen haben“, schreibt sie.

In der Tat sind viele Feministinnen kaum in der Lage mit Kritik umzugehen, richten Filterbubbles ein, teilen eifrig gegen den weißen heterosexuellen Mann und seine „Male Tears“ aus, empfinden aber Kritik an ihren Positionen als nicht hinnehmbar und ziehen sich dann noch weiter zurück, schmollend, dass man ihnen überhaupt widerspricht und sich in der Filterbubble Bestätigung holend.

Schuld am Mißerfolg ist natürlich nur das Patriarchat, dass man selbst Ideen vertritt, die dort nicht vermittelt werden konnten und dass das in einer Demokratie ein normaler Vorgang ist, bei dem man um die Akzeptanz seiner Meinungen kämpfen muss, dass kommt vielen nicht in den Sinn.

Gut herausgearbeitet finde ich hier auch, dass sie einerseits kritisieren, dass man Frauen Überemotionalität vorwirft und dann selbst eine überemotionale Reaktion kommt. Schön zu beobachten ist das auch bei der Mädchenmannschaft, die überhaupt keine Kritik mehr in den Kommentaren zulässt.

Es hängt aus meiner Sicht auch mit IDPOL zusammen, das Diskutieren über eine Meinung beeinhaltet ja schon, dass man dem anderen eine gewisse Position zugesteht, was schon fast ein Infragestellen der feministischen Idee ist, denn über die Diskutiert man nicht, man erklärt sie und wer es dann nicht akzeptiert, der ist eben ein Sexist. Und schon den Erklärbären zu spielen ist insofern ein Gnade, eine Zumutung, dass man es überhaupt machen muss. Natürlich reagiert man gereizt, wenn einen dann Leute übergehen oder man tatsächlich politische Kompromisse eingehen muss.

„Intersektionalität“ vs. „in-Group / Out-Group“

In einer Diskussion mit Leszek bei Erzählmirnix  kam ich auf das Thema Intersektionalismus und der Frage, warum man dabei Männer nicht berücksichtigen kann.

Kurz zu den Intersektionalismustheorien. 

Intersektionalität beschreibt die Überschneidung (engl. intersection = Schnittpunkt, Schnittmenge) von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und die Situation – eine Person aufgrund verschiedener zusammenwirkender Persönlichkeitsmerkmale Opfer von Diskriminierung wird.“[1] Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Handicapism oder Klassismus addieren sich nicht nur in einer Person, sondern führen zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen. So wird ein gehbehinderter Obdachloser gegebenenfalls nicht nur als Obdachloser und als Gehbehinderter diskriminiert, sondern er kann auch die Erfahrung machen, als gehbehinderter Obdachloser diskriminiert zu werden. Das neue Erkenntnisinteresse in der Intersektionalitätsforschung gilt den Verflechtungszusammenhängen, welche sich durch das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen ergeben

Der Grundgedanke ist also, dass eine Person aufgrund verschiedener Persönlichkeitsmerkmale mehrfach diskriminiert sein kann oder in einem Bereich diskriminiert, im anderen privilegiert sein kann.

Oberste Form der Privilegierung ist natürlich der weiße, heterosexuelle Mann, in der Steigerungsform des Nichtbehinderten. Nach unten hin gibt es immer neue Möglichkeiten der Diskriminierung, ich nenne hier als Gegenstück erst einmal die schwarze, homosexuelle Frau.

Eine dazu im Netz umherschwirrende Übersicht, die aber schon aufgrund der Aufnahme einer Privilegierung für den jüdischen Glauben nicht PC sein kann, ist diese hier:

Privilegien prüfen

Privilegien prüfen

Allerdings sieht die Intersektionalität fast immer ein Form der Über- und Unterordnung vor, ist quasi hierarchisch aufgebaut, in „Gut“ (diskriminiert) und Schlecht (privilegiert) unterteilt. Ein Schwarzer hat es in allen Bereichen schlechter als ein Weißer, eine Frau hat es immer schwerer als ein Mann. Geht es einer Frau besser als einem Mann, dann ist das, weil das System keine Durchlässigkeit kennt, nicht etwa eine Diskriminierung des Mannes in diesem Bereich, sondern eine Diskriminierung der Frau, weil diese dadurch noch mehr in ihre Geschlechterrollen gedrängt wird und damit der Mann seine Macht sichert, also insofern im Endeffekt privilegiert ist.  (ob es im Rassismus ein Gegenstück zum wohlwollenden Sexismus gibt würde mich interessieren: vielleicht, wenn man meint, dass ein Schwarzer besser im Basketball ist und ein Asiate sich besser wehren kann (ein Chinese kann ja bekanntlich immer eine Kampfsportart?).

Demnach kann eine Frau natürlich auch nicht privilegiert sein, etwa im Sorgerecht oder anderen Bereichen, bei dem Merkmal „Geschlecht“ ist „Gut“ ja schon den Frauen zugewiesen.

Dieser starke Sektionalismus, in dem alles in Gut oder Schlecht eingeteilt wird, und der absolut zuweist, hat Vorteile.

Zunächst wird damit ein systembedingter Nachteil vermieden:

Da Das Geschlecht, welches privilegiert ist, seine Privilegien hinterfragen muss und diese abstellen muss, hätten Männer plötzlich eine sehr starke Position. Ich hatte das hier schon einmal dargelegt:

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt.

Bei Erzählmirnix schrieb ich:

Wenn man Männern Opferstatus auch nur in Teilen zusprechen würde, dann bricht natürlich plötzlich alles zusammen. Frauen müssten ihre Privilegien hinterfragen und Männer hätten in dem Teil Definitionsmacht. plötzlich müsste man “waht about the menz” tatsächlich durchführen, wenn man kein Sexist ist.

Des weiteren hat man so ganz einfache Regeln, wer der Feind und wer der Freund ist, wer böse ist, und wer gut ist.

Aus meiner Sicht wäre eine viel einfacherer Betrachtung eher dazu geeignet, sich die Probleme bewusst zu machen, die bei Diskriminierung auftreten:

1. Menschen bilden In-Groups und Out-Groups und weisen diesen entweder aufgrund von Erfahrung oder Vorurteilen bestimmte Werte zu

2. Jedes Unterscheidungsmerkmal kann dazu genutzt werden eine Out-Group zu diskriminieren.

Damit können Weiße Schwarze diskriminieren, aber eben auch Schwarze andere Schwarze (etwa in einer anderen Volksgruppe) oder auch Schwarze Weiße. Es können Männer diskriminiert werden, weil ihnen die Eigenschaft abgesprochen wird, Kinder zu erziehen oder weil man Frauen in bestimmten Bereichen mehr Schutz zugesteht. All dies kann sich von Gruppe zu Gruppe unterscheiden, auch wenn man bestimmte Vorurteile für größere Gruppen feststellen kann. (Das bestimmte „Sektionen“ Nachteile haben ist aus meiner Sicht übrigens nicht zu vermeiden. Natürlich muss die Gesellschaft Behinderte unterstützen und auch Hässliche können ein schweres Schicksal haben. Aber der Privilegienansatz und seine Vermischung mit Schuld geht da meiner Meinung nach an der Sache vorbei und erzeugt nur unberechtige Forderungen und erlaubt eben bestimmte Outgroups)

Natürlich wird es dann sehr schnell schwammig und das klare Feindbild verschwindet. Dafür ist man näher an der Realität.

Lustigerweise lassen sich Intersektionalismustheorien der obigen absoluten Art ebenfalls sehr gut in dieses Schema einordnen. Es werden Outgroups gebildet (der weiße heterosexuelle Mann) und diese dann zur Abwertung freigegeben. Mit ihre rigorosen Einteilung in „Gut“ und „Schlecht“ bedient diese Theorie die diesbezüglichen Bedürfnisse hervorragend. Soweit eine Einordnung in eine „schlechte Gruppe“ erfolgt, kann man sich dann als Anhänger dieser Theorien dennoch wieder gut machen, indem man eifrig bereut und Privilegien hinterfragt. So bildet man eine Gruppe innerhalb der eigentlich unteilbaren Gruppe, die dann doch wieder gut sind.

Dieses Durchbrechen der klaren Einteilung ist es auch, was das Leben als männlicher Feminist so schwierig macht: Man möchte eigentlich in die In-Group, aber sich zu sehr von Schuld freizusprechen bedeutet ja, dass man das Schema verläßt und das in dem wichtigsten Merkmal. Insofern ist es verständlich, dass man versucht, die Männer in die Ally-Position abzudrängen und sie immer wieder ermahnt, dass sie ja nicht meinen sollten, dass sie „gut“ wären.

„Male Tears“ kann man da natürlich nicht gebrauchen. Sie sind auch nur ein Versuch das starre Schema zu durchbrechen. Kein Wunder, dass dies entsprechend abgewertet und abgewehrt wird.

„Beim Theoretisieren auf der Grundlage evolutionsbiologischen Halbwissens kann man alles “beweisen”“

Bei Achdomina gab es gestern einen längern Artikel zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Danish. Dort war auch eine kurze Abhandlung zu evolutionären Erklärungen vorhanden, die ich kurz besprechen möchte

Das Hauptproblem mit dem Theoretisieren auf der Grundlage evolutionsbiologischen Halbwissens, das im Gefolge von Richard Dawkins populär geworden ist, besteht darin, dass man damit alles “beweisen” kann. Natürlich ist es richtig, dass Organismen letztendlich einfach aufs Überleben ausgerichtet sind, weil Organismen, die das nicht sind, eben langfristig nicht überleben.

Organismen sind nicht auf das Überleben ausgerichtet, sondern auf langfristige Fortpflanzung, also Weitergabe ihrer Gene in möglichst viele Nachfolgegenerationen. Überleben ist dabei nur insoweit interessant, wie es der Umsetzung dieser Fortpflanzung dient. Diese genzentrische Betrachtung klingt nach einem kleinen Unterschied, ist aber tatsächlich sehr bedeutsam

Wenn das aber das einzige ist, was man an empirischem Wissen berücksichtigt, kann man sich damit alles zusammenspinnen.

Es gibt schon gewisse Einschränkungen, welche Adaptionen (1, 2) wie erfolgen können. Zudem kann man auch einiges spieltheoretisch ausschließen. Hier habe ich auch noch einen Text zur Kritik an evolutionärer Psychologie.

Man kann zum Beispiel sagen, Vergewaltigung ist evolutionär sinnvoll (habe mal irgendwo gelesen, dass jemand das behauptet), weil damit die Männer eine möglichst große Streuung ihrer Gene erreichen. Man kann aber auch sagen, Vergewaltigung ist evolutionär schädlich, weil sie die Frau traumatisiert, die dadurch außerdem ein gestörtes Verhältnis zum Kind entwickelt, das dadurch wiederum nicht zu voller Stärke heranwachsen kann, oder auch weil durch Vergewaltigung Feindschaften entstehen, die den Gruppenzusammenhalt bedrohen.

Hier zeigt sich auch der Vorteil bzw. die höhere Genauigkeit der genzentrierten Betrachtung: Es kann für die Weitergabe von Genen vollkommen aus Sicht der Gene, die in einem Männerkörper landen, egal sein, ob die Frau traumatisiert wird oder das Kind nicht zur vollen Stärke heranwächst. Solange ein Kind heranwächst, welches sich potentiell fortpflanzen kann und dies zumindest mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit macht (zur Not über Vergewaltigung) kann es eine erfolgreiche Strategie sein. Ein Gen kann dabei immer nur Auswirkungen auf den jeweiligen Körper haben und Vorteile müssen bei diesem oder dessen Verwandten eintreten. Ob eine nichtverwandte Frau vergewaltigt wird spielt insofern genetisch für die Frage ob sich eigene Gene, die so etwas begünstigen, durchsetzen schlicht keine Rolle. Es würde reichen, wenn eine Vergewaltigung der eigenen nahen Verwandten ausgeschlossen ist. Die Folgekosten, etwa Bestrafung durch andere oder Feindschaften sind entsprechend zu kalkulieren, wenn sie sich auf die eigenen zukünftigen Fortpflanzungseigenschaften auch in Hinblick darauf, wie man zB im Falle eines Weiterlebens Verwandte hätte unterstützen können, zu berücksichtigen und es ist eine Gesamt-Kosten-Nutzen-Rechnung bezüglich der Weitergabe eigener Gene (über einen selbst oder Verwandte) vorzunehmen. Im Gegenzug können (und das auch im gleichen Genom für den Fall, dass die Gene in einem Frauenkörper landen) Abwehrmaßnahmen entwickelt werden: Etwa verstärkte Vorsicht, Gruppenzusammenhalt, Vergewaltigungsangst, aber auch schlicht eine erhöhte Feuchtigkeitsprodkution bei irgendwie gearteten sexuellen Situationen zur Vermeidung und Reduzierung von Verletzungen. Dann kann das ganze eben noch situationsbedingt modifiziert sein, biologische Regeln müssen nicht einfach sein. Etwa kann eine Regel entstehen, nach der man, wenn man sich im feindlichen Kriegsgebiet befindet und droht in einem Kampf zu sterben, eher bereit ist zu vergewaltigen, weil es die letzte Chance sein kann und die Gefahr von Rache bei einer Frau des Feindes eh nicht wesentlich erhöht wird, wenn der einen eh schon töten will. Man kann also nicht einfach in eine oder die andere Richtung diskutieren, sondern man muss schlicht alle Richtungen betrachten und dies teilweise für die Geschlechter  und Situationen getrennt.

Natürlich kann man sich dann über die evolutionär entstehenden Kosten streiten, die jeweils zu erwarten sind und vielleicht sind hier bei der Vergewaltigung zu viele ungewisse Parameter vorhanden, um eine klare Zuordnung vornehmen zu können. Das ist dann bei zB Vaterunsicherheit schon wieder etwas anderes: Die Regel, dass sich Investitionen in Kinder nur lohnen, wenn die Vatersicherheit hoch ist (sofern man damit nicht schlichte Brautwerbung betreibt) führt dazu, dass Völker mit geringer Vatersicherheit üblicherweise auch eine geringe Investition in spezielle Kinder haben, sofern dies nicht eigentlich der Bindung der Mutter dient, sondern dann eher in die Kinder der Schwester. Hier kann man mit recht simpler Genmathematik und Spieltheorie bestimmen, inwieweit sich der Einsatz lohnt.

Man kann sagen, es ist evolutionär sinnvoll, wenn Sippen erst mal alle Früchte probieren, so dass zwar einige an den giftigen Früchten sterben, dafür aber die Gruppe über alle Früchte bescheid weiß und somit ihre Ernährungsmöglichkeiten maximiert, oder, es ist evolutionär sinnvoll, wenn Sippen bei dem bleiben, was sie kennen, weil alles andere unwägbare Gefahren bedeutet.

Da regt die Gruppenselektion wieder ihr in der Laeinvorstellung zur Selektion immer wieder nachwachsendes Haupt. Die Gene der Gruppe können – abgesehen von Gruppen hoher Verwandschaft dem einzelnen Genvehikel relativ egal sein. Eine Selektion darauf, dass man innerhalb der Gruppe eher die ungefährlichen Beeren probiert oder andere probieren lässt würde solchen Gruppenprozessen schnell den Garaus machen. Wenn dann müsste ein Selektionsvorgang stattgefunden haben, der es für den Einzelnen, nicht die Gruppe, sinnvoll macht, der Vorkoster zu sein. Etwa wenn er hierfür mit Status (und damit verbesserten Fortpflanzungsmöglichkeiten) größere Anteile an den Beeren, die das Risiko aufwiegen oder anderen Vorteilen belohnt wird. Um so höher die Wahrscheinlichkeit giftiger Beeren ist, um so schneller würde eine Selektion verlaufen, zusammen mit einer Selektion darauf, nichtgiftige Beeren zu erkennen und diese heldenmutig für die Gruppe zu testen.

Man kann sagen, feste Paarbindungen sind evolutionär sinnvoll, weil sie ständige Konkurrenzkämpfe um die Weibchen vermeiden und eine kontinuierliche Versorgung des Nachwuchses sicherstellen, oder man kann sagen, feste Paarbindungen sind evolutionär schädlich, weil sie einer möglichst breiten Durchmischung der Gene entgegenstehen.

Allerdings muss man eben nicht einfach nur evolutionäre Vorteile in den Raum werfen. Man kann beispielsweise bei der Paarbindung auch darauf verweisen, dass es eine umfangreiche Bindungschemie gibt, die zwangsläufig zu einer Bindung führt. Man kann ergänzend die Besonderheiten im Paarungsverhalten der Menschen und der dabei anfallenden Kosten berücksichtigen: Außergewöhnlich unselbständige Babys, die sehr unfertig geboren werden und auf sehr viel Pflege angewiesen sind, dadurch hohe Kosten, dadurch ein Interesse an Kostenbeteiligung oder guten Genen. Dazu eine verdeckte Ovulation, die die Möglichkeiten einschränkt den Partner nur an einigen wenigen Tagen zu überwachen. Hinzu kommt, dass die Kinder auch sehr langsam aufwachsen und das üblicherweise bedeutet, dass Qualität vor Quantität geht, sich also eine Förderung besonders lohnen kann. Hinzu kommt die Möglichkeit innerhalb der Gruppe Status aufzubauen und diese an seine Kinder weitergeben zu können. Auch hier gilt aber, dass man beide Seiten durchdenken muss, eben Kurzzeitstrategie und Langzeitstrategie, diese stehen nicht gegeneinander, sondern nebeneinander. Je nach Situation und Geschlecht kann sowohl Paarbindung als auch Sex ohne Bindung eine gute Strategie sein. Welche Bedingungen das sind kann man beispielsweise in der Sexual Strategies Theory nachlesen

So kann sich jeder seine Lieblingstheorie zusammenschnitzen. Aber das ist alles fiktiv, solange man nicht irgendwie Informationen darüber heranschafft, wie es denn nun wirklich war, statt sich mit den eigenen Fantasien darüber zu begnügen, wie es gewesen sein könnte.

ich bleibe dabei, dass es schwieriger ist, als man denkt, sich eine stimmige evolutionäre Theorie – also Benennung des Selektionsdrucks und dessen Folge – auszudenken. „Frauen tragen Handtaschen, weil Evolution“ ist keine evolutionäre Theorie, sondern schlicht eine Behauptung. Man müsste schon einen Selektionsdruck genannt haben, der zu einer bestimmten Entwicklung führt, die heutige Frauen dazu veranlasst, dass sie heute eher Handtaschen tragen als Männer.

„Nicht einmal ein Viertel der Frauen findet einen Hausmann erstrebenswert“

Ein Spiegelartikel beleuchtet die Beliebtheit des Hausmannmodells:

In den Familien stößt das Rollenkarussell allerdings auf weniger Gegenliebe, als man vermuten könnte. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Familienstudie des Hausgeräteherstellers Vorwerk. Demnach können sich nur 48 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer vorstellen, dass der Mann im Beruf einen Gang zurückschaltet, um seiner Frau eine bessere Karriere zu ermöglichen. Irritierend: Nicht einmal die Hälfte der Frauen wünscht sich eine andere Rollenverteilung.

Eigentlich wenig irritierend. Es ist ein Trend, der sich durch diverse Umfragen zieht. Viele Frauen sind durchaus zufrieden mit der Rollenverteilung, ebenso wie viele Männer. 

Im Jahr 1993 erschien das mehr Befragten als gute Idee, nämlich 54 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer. Damit ist der Rückgang bei Frauen fast ebenso stark wie bei Männern.

Auch die Bereitschaft der Männer, halbtags zu arbeiten, damit ihre Partnerinnen überhaupt einem Beruf nachgehen können, ist leicht gesunken. Ein völliger Rollentausch erscheint knapp der Hälfte der Männer sogar ganz ausgeschlossen. Allerdings findet auch nicht einmal ein Viertel der Frauen einen Hausmann erstrebenswert.

Da wird der Feminismus sicherlich schließen, dass diese Frauen eben zu sehr in ihrer Rolle aufgegangen sind und sich wegen dieser patriarchischen Gehirnwäsche nichts anderes vorstellen können. Dass Frauen immer wieder entsprechende Wünsche bzw. Ablehnungen äußern und der Hausmann eben wenig Status hat, erscheint dort wohl wenig einsichtig.

Auch hier muss man die Wechselwirkung beachten, die im Feminismus stets ausgeblendet wird: Wenn Frauen keine Hausmänner wollen, dann lohnt es sich für Männer nicht Hausmann zu sein. Wenn weniger als ein Viertel der Frauen einen Hausmann interessant finden, dann schließt ein Mann mit der Bereitschaft für diese Rolle und deren Übernahme einen großen Teil potentieller Kandidatinnen für sich aus. Geht seine Ehe schief, sind seine neuen Chancen eine Frau zu finden, die wieder einen Hausmann will deutlich geringer als wenn er seinen Job behält. Eine in Hinsicht auf eine Scheidung freiere Gesellschaft kann insofern auch Geschlechterrollen stabilisieren, wenn sie dazu führt, dass Menschen sich eine Entscheidung besonders gut überlegen, die für sie wenig interessant ist. Das gilt natürlich auch für die Frauen, die befürchten müssen, dass sie dann zu Unterhaltszahlungen herangezogen werden und ihre Kinder nur für Umgang am Wochenende sehen, wenn es nicht klappt. 

Folgt man der Umfrage, stehen im Vergleich mit den neunziger Jahren generell viele Zeichen weiblicher Eigenständigkeit weniger hoch im Kurs. So etwa, dass sich voll berufstätige Paare die Hausarbeit teilen, dass Männer auch mal weniger verdienen als ihre Partnerinnen, oder Paare bei der Heirat den Geburtsnamen der Frau annehmen.

Das Männer weniger verdienen als ihre Partnerin steht also nicht hoch im Kurs, ebenso wenig, dass man den Namen der Frau annimmt. Beides evolutionär durchaus erklärbar: Einmal über schlechte Versorgereigenschaften und geringeren Status, das andere Mal wie in dem Artikel bereits ausgeführt. 

Nach wie vor ticken Männer und Frauen sehr unterschiedlich, wenn es um das Verhältnis von Partnerschaft und Beruf geht. So würde die Hälfte der Frauen in eine andere Stadt ziehen, damit ihr Mann dort eine neue Stelle annehmen kann. Umgekehrt käme das aber nur für ein Viertel der Männer in Frage.

Da der Mann üblicherweise der Hauptverdiener ist, ist es verständlich, dass man sich eher nach seinem Job richtet. Vielleicht auch noch eine Nachwirkung der Patrilokalität.

Hausarbeit ist immer noch Frauensache – das ist angesichts der anderen Ergebnisse fast schon folgerichtig. 80 Prozent der Mütter sehen die Hauptlast der Familienarbeit bei sich, die meisten Männer würdigten das aber auch ausreichend.

Da scheint also eine gewisse Einigkeit zu bestehen. 

Immerhin ist die Elternzeit beliebt, immer mehr Befragte können sich eine Elternzeit des Mannes vorstellen. Binnen zwanzig Jahren ist der Anteil unter den männlichen Befragten um elf Prozentpunkte gestiegen, auf jetzt 44 Prozent. Außerdem scheint es nicht viele Männer zu geben, die nach der Geburt eines Kindes vor dem Babygeschrei ins Büro flüchten. Nur acht Prozent der Mütter berichten, dass ihre Partner dann ihr Arbeitspensum erhöht hätten.

Im ganzen also anscheinend durchaus eine gestiegene Familienbezogenheit der Männer.

Der Spiegelartikel wertet noch wie folgt:

Wie die Ergebnisse politisch zu werten sind, ist freilich Ansichtssache: Man kann sie als Rückkehr zu einer probaten Verteilung der Aufgaben in den Familien werten. Oder als Resignation in einem gesellschaftlichen Kampf, in dem Frauen es leid sind, immer wieder gegen gläserne Decken zu stoßen.

Sicherlich beides im Prinzip möglich: Warum allerdings die Frauen es eher leid sein sollten bei sich verbessernden Verhältnissen und allseits geführten Quotendiskussionen wird nicht gesagt. 

 

Die Reaktion von Frauen zu sexuellen Reizen hängt vom Marktfaktor ab

Eine interessante Studie zum Thema „sexuelle Werbung“

Two experiments tested when and why women’s typically negative, spontaneous reactions to sexual imagery would soften. Sexual economics theory predicts that women want sex to be seen as rare and special. We reasoned that this outlook would translate to women tolerating sexual images more when those images are linked to high worth as opposed to low worth. We manipulated whether an ad promoted an expensive or a cheap product using a sexually charged or a neutral scene. As predicted, women found sexual imagery distasteful when it was used to promote a cheap product, but this reaction to sexual imagery was mitigated if the product promoted was expensive. This pattern was not observed among men. Furthermore, we predicted and found that sexual ads promoting cheap products heightened feelings of being upset and angry among women. These findings suggest that women’s reactions to sexual images can reveal deep-seated preferences about how sex should be used and understood.

Quelle:  The Price Had Better Be Right Women’s Reactions to Sexual Stimuli Vary With Market Factors (Volltext)

Aus der Studie:

Sexual Economics Theory proposes that for a woman, sex should take place when it is worth the risk, meaning that there ought to be something that she gets out of it (more than the sex itself). This preference that sex should be accompanied by gains to the woman — such as money, time, affection, commitment, children, or respect — affects women’s reactions to sexual portrayals. Women more readily accept sexual scripts, stories, and images when they are linked with relationship, pecuniary, or other resource transfers from men to women than when lacking such accompaniments (Dahl, Sengupta, & Vohs, 2009).

This line of reasoning suggests that women’s negative attitudes towards sexual imagery should improve if sex is depicted in a manner consistent with their values — that sex is rare, precious, and exclusive. Using sex to promote an expensive product does just that, by associating sex with high value. In contrast, sexual images promoting an inexpensive product fosters undesirable associations between sex and cheapness, commonness, or low value, which is antithetical to women’s preferences about how sex should be understood.

Therefore we predicted that women would find sexual imagery used to promote a cheap product distasteful, a reaction that would soften if the product being promoted was expensive.

Das wäre also die Theorie, dass Frauen aufgrund der höheren Kosten des Sex bei Sex einfach so eher noch etwas „dazu“ haben wollen, seien es Ressourcen, Verbundenheit, Bewunderung, gute Gene, Respekt etc. Dass bedeutet nicht, dass Frauen keinen Spaß am Sex haben, sondern nur, dass sie ihn meist nicht so abstrakt wollen, wie Männer, die eben teilweise auch 15 Minuten mit einer ihnen unbekannten Frau reichen (siehe Prostitution). Man sieht den Unterschied auch an den Arrangements, die es in der Schwulenszene gibt, mit Darkrooms und unkomplizierten Sex, da hier eben männliche Vorstellungen über Sex auf eben solche stoßen. Vergleichbare Praktiken findet man in der Heteroszene nicht, und soweit sie etwa im Swingerbereich angeboten werden besteht eine starke Frauenknappheit. Etwas mehr dazu sind dann eben, wie oben über die Gene dargestellt, auch besonders gut aussehende Männer oder Männer, die sie anderweitig sexuell stark ansprechen.

Das wird in Kulturen, die einer freien Sexualität kritischer gegenüberstehen stärker der Fall sein, ebenso bei einzelnen Personen, die das dann als billig empfinden. Es passt insofern gut dazu, dass sexnegative Feministinnen alles sexuelle und insbesondere die Darstellung von Frauen in sexueller Art und Weise als billig empfinden, und dies um so mehr, um so mehr Verfügbarkeit und Willen zum Sex betont wird oder eine sexuelle Konkurrenzsituation dargestellt wird, die sich auf den Preis auswirkt, den sie selbst auf dem sexuellen Markt zu zahlen hätten. 

Aus der Diskussion:

Two experiments found that associating sex with high value softens women’s otherwise negative attitudes towards sexual images. As predicted by Sexual Economics Theory (Baumeister & Vohs, 2004), women reacted more favorably to sexual images when they were used to promote an expensive versus a cheap product. The use of nonsexual comparison scenes confirmed that the effect was specific to sexual contexts. Emotion reports supported the proposition that pairing sex with cheapness elicited negative emotions among women, which in turn produced unfavorable attitudes. This meditational hypothesis was supported in both experiments. Men’s reactions, as expected, were unaffected by whether sex was associated with a high- or low-priced product.

These data suggest several implications. One is that women can be swayed to tolerate sexual imagery, as long as it comports with their preferred associations of when and why sex is used. A second, more profound implication is that women’s reactions to sexual images reveal their preferences about how sex should be understood.

Das wäre dann also der Unterschied zwischen „hochwertigen Fotos“, die dann von Promis im Playboy erscheinen und deren Hochwertigkeit die Nacktheit wieder okay macht und „billigen Fotos“ auf Pornoseiten oder gar entsprechenden Filmen.  Es passt auch gut dazu, dass Frauen es nicht mögen, wenn andere Frauen Sex zu billig abgeben. Sexnegativer Feminismus und auch der Kampf gegen die Prostitution, bei denen dann eben „Frauen ihre Würde verkaufen“ ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Auch hier wird gerade gegen das billige angegangen, ich vermute mal mit Highend-Prostitution würde es trotz ansonsten gleicher Dienstleistungen weit weniger Gegenwehr geben.

Aus den gleichen Gründen hat wohl auch die Angst, für eine Schlampe oder billig gehalten zu werden, eine so hohe Bedeutung für Frauen und man tut als Mann gut daran, Frauen deutlich zu machen, dass man sie nicht als billig einschätzt und nur Sex will, sondern darüber hinaus eben auch sie selbst schätzt etc. (wobei das eben auch von der jeweiligen Frau abhängig ist).