Anfänge der Männerbewegung

Gestern gab es in den Kommentaren zum „Selbermach Samstag“ eine interessante Debatte zu den Anfängen der Männerbewegung auch gerade in Abgrenzung zum Feminismus, die ich interessant fand und die ich gerne in einem eigenen Artikel fortgeführt sehen wollte:

Nick schrieb;

Der Andreas (unser lieber Häuptling Schwarze Feder) schreibt dazu in der Wikipedia:

Die Männerbewegung in Westdeutschland entstand Mitte der 1970er Jahre in der studentischen Sponti-Szene. In den USA und Großbritannien bestand sie schon wenige Jahre vorher. Die ersten Männergruppen entstanden dadurch, dass Feministinnen von ihren Freunden und Mitbewohnern in den Wohngemeinschaften verlangten, ihre sexistischen Strukturen gemeinsam mit anderen Männern zum Thema zu machen. So erzählte ein Mann aus den ersten drei Berliner Männergruppen beim ersten bundesweiten Treffen (Februar 1975) der Männergruppen in Deutschland:

“Anfang dieses Jahres haben wir uns getroffen, aber das ging weniger von uns Männern aus als von den Frauen, zu denen wir eine Beziehung haben oder hatten. Die Frauen kamen auf die Idee, dass es gut wäre, eine Männergruppe zu machen – Gelächter – und die haben das dann terminlich und so weiter organisiert.” (Wolfgang Müller u.a.: Männerbilder, 1982)

..

Da ist meines Wissens die “kritische Männerforschung” draus hervorgegangen, ebenso wie solche Vereine wie “Dissens eV”

Wobei die Men’s Lib in den USA der 1970er durchaus teilweise recht aufsässig war, sie beklagte Benachteiligungen aufgrund der Männerrolle. Was eine ziemliche Feindschaft seitens der Antisexistischen Anti-Porn – Fraktion einbrachte. Men’s Lib ging mitte der 1970er gemeinsam mit dem liberalen Feminismus unter.

Die Anti-porn/-sexisten holten sich feministische Aufpasserinnen in ihre Gruppe, um der Gefahr der Männerbündelei vorzubeugen (Hat der Andi aus der Wikipedia entfernt).

– Hi, Walt. Listen, we’d better change the agenda for tomorrows men’s group meeting to “how we oppress”.

– Why, Dave, I was looking forward to “how we are oppressed”

– Yeah, me to, but the feminists are sending in their rep to observe us

(Nein, das war nicht sarkastisch gemeint)

http://users.netaccess.co.nz/winston/_private/Sally%20Ruth%20on%20Mens%20Liberation%20Jul%2086.pdf S.5

Sie sahen ihre primäre Aufgabe darin, Feminismus und die Schwulenbewegung zu unterstützen.

In den 1980er gelang es ihnen, sich institutionell zu etablieren (Connell, Kimmel, etc)

Step II nahm darauf Bezug:

“Es gab mal vor so ca 25, 30 Jahren Anfänge einer Männerbewegung, die sich aus dem Mannsein ihrer Mitglieder definiert hat.”

Das fällt eher in die 70 ger Jahre, dem Jahrzehnt der neuen sozialen Bewegungen, in denen viele linksintellektuelle Männer patriarchatskritisch und profeministisch auf dem Weg zu sich selbst damit begannen, sich selbst für die 5000 jährige Geschichte der Frauenunterdrückung masochistisch zu geißeln, in der Hoffnung auf Erlösung vor dem nur weiblich besetzen jüngsten Gericht. Es ging eben um das Erkennen der eigenen Anteile, die zur Aufrechterhaltung der frauenunterdrückenden Gesellschaftsstruktur/Geschlechterstruktur beitrugen, in diesem Sinn mußte natürlich ein ständiges mea maxima culpa ausgestoßen werden, sozusagen als karthatischer Akt der Befreiung von jahrhundertelang aufgestauter Männlichkeit.
In Phasen zutiefst empfundener Kontamination half dann nur noch … der Joint

Und dann in einem weiteren Kommentar:

M.E. war die feministische Indoktrination gerade im linksintellektuellen/alternativen Umfeld relativ stark.

Hier bestand ja auch ein starker Konflikt mit der Vätergeneration, deren Männlichkeit als stark NS-sozialisiert empfunden wurde, auch als weniger offen gegenüber den neuen sozialen Bewegungen als z.B.die Müttergeneration.

Augenscheinlich war ja auch die Idealisierung

eines androgynen Typs von Mann (lange Haare nicht nur als Protestform, sondern eben auch als ästhetischer Gegensatz zum Mann als Krieger wie z.B. auf HJ-Bildern)

Richtig ist bestimmt, dass wenig Männer explizit in diesen sog. Männergruppen gesessen haben, die Infragestellung des Männlichen war jedoch ganz typisch, wurde jedoch zu diesem Zeitpunkt noch als stark avantgardistisch empfunden.

Insofern ist die Wertung ,man habe sich für dumm verkaufen lassen, eine auch durch die maskulistische Bewegung mitinitierte

kritischere Sichtweise des Jahres 2013 auf den Feminismus, die aus der Perspektive der 70ger Jahre als zumindestens reaktionär empfunden worden wäre.

Man.in.the.Middle ergänzte:

Die Auseinandersetzung mit dem Faschismus und der Bruch mit den “kulturellen Werten” der Elterngeneration (nicht nur der Vätergeneration), ferner der KuK-Herrlichkeit und nicht zuletzt der Kirchen, war sicher eine große emanzipatorische Leistung. In der Friedensbewegung wurde argumentiert, die uralte Feindschaft zwischen Deutschland und manchen seiner Nachbarvölker sei Vergangenheit, unter die ein Schlußstrich gezogen worden ist. Rassismus war verpönt.

Wenn man sich derart gründlich von der Vergangenheit emanzipiert hat, dann ist es schon kurios, sich unkritisch eine diffuse Schuld wegen Generationen zurückliegender Taten von Geschlechtsgenossen einreden zu lassen.

Außerdem hat es nur eine Minderheit mitgemacht, die große Mehrheit also nicht. Die waren jedenfalls schlauer.

“”Wertung ,man habe sich für dumm verkaufen lassen, eine auch durch die maskulistische Bewegung mitinitierte kritischere Sichtweise des Jahres 2013 …”

Mit Sicherheit, also hat der Maskulismus ja doch nachweisliche Fortschritte gebracht und die Emanzipation vorangebracht 😉

Nick ergänzte:

Außerdem hat es nur eine Minderheit mitgemacht, die große Mehrheit also nicht. Die waren jedenfalls schlauer.

Gute Frage, wieviele Männer mitgemacht haben. Da stellt sich die Frage, was “mitmachen” heißt. Ich denke, die Mehrheit wird so einiges ziemlich absurd gefunden haben, aber lieber nicht die Klappe aufgemacht haben. Wer hat schon Bock, in den Fokus von hysterisch kreischenden Frauenpauerhorden zu geraten? Außerdem langte der Arm der Frauenpauer – in Linksalternativen Kreisen – bis ins Ehebett, das Private und damit: Das Intime(!) war politisch und es war für das Image als PauerFrau unverzichtbar, bei einer Frauengruppe (=conciousness raising group) mitzumachen.

Tatsächlich aktive “Männerbewegte” gab es wohl nicht so viele, aber die haben sich eben institutionalisiert. Man trifft sie heute im Bundesforum Männer und bei Dissens e.V. – im angloamerikanischen Raum wären Connell, Kimmel usw. zu nennen.

Weil das Geschlechterthema vorher praktisch nicht existierte haben sie es auf männlicher Seite ebenso besetzt wie die kaputtesten Radikalfeministinnen auf weiblicher Seite. Andere Stimmen gab es nicht, sie wurden als “Frauenfeindlich” weggebissen.

Die große Mehrheit schwieg und schweigt bis heute, allerdings gab es und gibt es eine gewisse Affinität zum Gynozentrismus und zum Dämon Mann. Man nimmt die Dimension des Weltbildes der Aktiven nicht wahr, aber adaptiert viele ihrer Interpretations- bzw. Deutungsmuster, ohne weiter darüber nachzudenken. “Das ist doch progressiv!”

Und weil das Spielchen nun schon Jahrzehnte geht, haben sich die Interpretationsmuster als Selbstverständlichkeiten tief eingegraben. Das ist ein großer Teil des Problemes.

Man muss solchen Frauen wie Antje Schrupp eigentlich in höchstem Maße dankbar sein. Die unbekümmerte Selbstverstverständlichkeit, mit der sie solche haarsträubenden Absurditäten raushauen macht das Fundament sichtbar, auf dem viele der unhinterfragten Selbstverständlichkeiten stehen.

In ihren behäbigen und abgeschotteten, auf die Rente zusteuernden Frankfurter Kreisen der “Progressiven” fällt sowas nicht weiter auf, und damit fehlt jegliches Feedback für die fatale politische Wirkung.

Bei den Jüngeren wie Wizorek und Horst ist das weniger der Fall, da hat man schon mehr Mühe, die Kaputtheit der Geisteshaltung herauszustellen.

und Virtual-CD steuert das Folgende bei:

Das ist imho eine ganz gute Beschreibung. So habe ich das auch erlebt. Rückblickend erscheint es mir so:

Es gab eine starke assoziative Koppelung von “traditioneller Männlichkeit” und NS-Idealen. Und: Zu beidem lernten wir als junge Menschen in der politischen Linken Schuld und Scham zu empfinden. Wir empfanden, dass wir irgendwie qua Herkunft, qua Geburt in dieser Linie und Tradion stehen – und das wir uns davon abgrenzen müssten.

Wenn man im Ausland war, insbesondere in den Ländern, die von der Wehrmacht besetzt waren oder sonstwie unter dem Wüten des deutschen Faschismus zu leiden hatten, bemühten wir uns, möglichst nicht als deutsch erkennbar zu sein. Oder wenn sich das nicht vermeiden ließ, bemühten wir uns, sehr zurückhaltend (man könnte sagen leisetreterisch) aufzutreten. Um keine Assoziationen zu wecken.

Jedenfalls: Für uns als junge Männer in dieser Zeit waren zwei Dinge grundsätzlich problematisch und mussten ständig “hinterfragt” werden: Unsere Nationalität / Staatsangehörigkeit und unsere Geschlechtszugehörigkeit. Und beidem gegenüber hatten wir ein schlechtes Gewissen, das Gefühl, in einer Linie aus Schuld zu stehen. Und natürlich wolten wir es irgendwie “besser” machen als unsere Eltern, besonders unsere Väter.

So war der “Zeitgeist” damals.

Und jetzt ist natürlich die Frage: Was macht das mit der Psyche, was macht das mit der Seele. Wenn man sich von der männlichen Energie abschneidet. Von 50% seiner eigenen (genetischen und kulturellen) Herkunft abschneidet. Wie viel Kraft kann da noch darin stecken?

Abgesehen davon, dass es in sich natürlich auch schon eine Anmaßung und Überhebung war, die Eltern (nein: eigentlich nur die Väter!) beurteilen und verurteilen zu wollen. Da haben wir als Kinder uns ja über sie gestellt, moralisch zumindest.

Und solche Anmaßungen – das weiß ich heute – ziehen immer massive Folgeschäden in der eigenen Psyche nach sich. Weil: Wenn ich meinen Vater ablehne, lehne ich 50% von mir ab. Es ist eigentlich eine Selbstablehnung, die ich da betreibe. Das hat eine schädliche Wirkung in der Seele und in der Persönlichkeit.

(…)

Ich bin rückblicken auch immer ein wenig erschrocken, wie viel Duckmäusertum wir damals an den Tag gelegt haben. Wie wenig wir uns trauten, widerspruch anzumelden. Offen, meine ich.
Dieser Teil in uns kam nur ganz verschämt zum Ausdruck. Ich erinnere mich an etliche Szenen, wo man das abends beim Bier in einer Studentenkneipe ein wenig motzte über manchen Schwachsinn – aber nur, wenn keine Frau dabei war. Und nur mit leiser Stimme, und nicht ohne sich vorher umgesehen zu haben, ob nicht eine Kommilitonin in der Nähe stände, die das vielleicht hören könnte.

Weil das wäre das Schlimmste gewesen: Als Frauenfeind zu gelten. Weinn eine lila Latzhosenträgerin das aufschnappt. Dann bist du nicht nur sozial an der Uni unten durch und wirst von allen gemieden, du bekommst auch richtig Stress in deiner Beziehung.
Das war schon ein ziemliches Angslevel, was seinerzeit so üblich war. Für Männer natürlich nur, latürnich. Gruselig.

Seitenblick ergänzt:

Interessante Diskussion.

Bin mir nur nicht so ganz sicher, ob es hinhaut, die damaligen Männergruppen als ausschließlich fraueninitiiert/frauenfixiert zu betrachten.

Gab es da nicht auch eine kleine Strömung, die schon in den 80ern Wert darauf legte, dass Jungen ihre eigene akzeptierte Körperlichkeit iSv mit ihrem Bewegungsdrang, Raufen etc brauchen? Und die die – sicherlich dominierende! – pauschale Dämonisierung der Aggression nicht mitmachten, sondern ihren wichtigen, positiven Anteil betonten?

Ich muss mal schauen, ob ich dazu noch was finde.

@virtual-cd

“Für uns als junge Männer in dieser Zeit waren zwei Dinge grundsätzlich problematisch und mussten ständig “hinterfragt” werden: Unsere Nationalität / Staatsangehörigkeit und unsere Geschlechtszugehörigkeit.”

Ich erinnere mich auch an diesen Zeitgeist. Hatte wohl glücklicherweise etwas andere Gesprächspartner: Es gab im inner circle aus genug aktuellen Anlässen die Auseinandersetzung mit den Vätern.

Aber eines hatten wir dann doch bald kapiert: Dass da zwei Seiten quaken, wie Männer doch zu sein hätten – eine gewisse Männer- und eine gewisse Frauenfraktion. Und dass das, was die uns da hinstellten, eine Wahl zwischen Pest und Cholera ist. Ein autoritätes Arschloch oder ein domestiziertes weichgespültes Irgendwas zu sein, fanden wir beides nicht so anturnend.

Beide Seiten standen unter dem Verdacht, diesen Begriff manipulierend zu verwenden, um ihre eigenen Vorteile daraus zu ziehen.

Und oft genug stellte sich das als richtig heraus.

 

52 Gedanken zu “Anfänge der Männerbewegung

  1. Pingback: 5000 Jahre der Verachtung | Flussfänger

  2. Ich habe angefangen den Artikel zu lesen, und bin da hängen geblieben:

    „Das fällt eher in die 70 ger Jahre, dem Jahrzehnt der neuen sozialen Bewegungen, in denen viele linksintellektuelle Männer patriarchatskritisch und profeministisch auf dem Weg zu sich selbst damit begannen, sich selbst für die 5000 jährige Geschichte der Frauenunterdrückung masochistisch zu geißeln, in der Hoffnung auf Erlösung vor dem nur weiblich besetzen jüngsten Gericht.“

    Ich glaube, auch wenn das jüngste Gericht nur weiblich besetzt wäre, es würde diese Selbstgeißelung nicht gut heißen. Warum ich das glaube? Wenn jemand die Notwendigkeit sieht sich für etwas zu geißeln, das dem eigenen Überleben diente, trieft das vor Verachtung und Undankbarkeit gegenüber den eigenen Vorfahren. Ich habe es mal versucht zu verbloggen.

    http://flussfaenger.wordpress.com/2013/10/28/5000-jahre-der-verachtung

  3. Die Männerbewegung, verstanden als eine Bewegung in der die Rolle und Bedeutung von männlichkeit für das eigene Sein und die Gesellschaft reflektiert wird, ist in Deutschland viel älter.

    Dies beginnt bereits in der Turnbeweegung des ollen Vater Jahn, man findet dies in der Abstinenzlerbewegung. Die christlichen Kirchen haben hier eine Vorreiterrolle gespielt, so die Evangelische mit der Weißkreuz-bewegung (ebenda) und die katholische Kirche mit dem Kolping-Werk.

    Kemper ist da wie ein Kreationist, die Welt ist 6000 Jahre alt und alles davor ist nur Lug und Blendwerk, bei Kemper analog- alles vor den 70ern ist nur Täuschung zum Schaden der Frauen.

    • „ist in Deutschland viel älter.
      Dies beginnt bereits in der Turnbeweegung des ollen Vater Jahn, man findet dies in der Abstinenzlerbewegung.“

      So gesehen ist auch der Nationalsozialismus Teil der Männerbewegung, weil auch in diesem die Rolle und Bedeutung von Männlichkeit für das eigene Sein und die Gesellschaft reflektiert wurde.

      Die Jahnschen Turner haben wohl eher über die Rolle und Bedeutung des deutschen Vaterlandes und über Möglichkeiten der Befreiung vom napoleonischen Frankreich reflektiert. Dass sie sich dabei ganz doll männlich gefühlt haben ist ein häufig zu findendes Phänomen, wenn mehr als ein Mann an einer Aktivität teilnehmen, die alle verbindet.

      • „So gesehen ist auch der Nationalsozialismus Teil der Männerbewegung, weil auch in diesem die Rolle und Bedeutung von Männlichkeit für das eigene Sein und die Gesellschaft reflektiert wurde.“
        Absolut. Gern wird das ausgeblendet, dann muss man sich nicht damit auseinandersetzen. Genauso wie die FeministInnen über die Rolle in den Kolonialkriegen reflektieren als sie weiße Federn verteilten.

        „Dass sie sich dabei ganz doll männlich gefühlt haben ist ein häufig zu findendes Phänomen, wenn mehr als ein Mann an einer Aktivität teilnehmen, die alle verbindet.“
        Nun, wenn es ans Sterben geht, sollte man dem Untermensch Mann schon zugestehen, mal nachzufragen ob sich das alles lohnt.

        • Ich denke, es ist ein wenig übertrieben, jede politsche Bewegung der Vergangenheit als Männerbewegung einzustufen, nur weil sich zufälligerweise Männer daran beteiligt haben.

        • „Dass sie sich dabei ganz doll männlich gefühlt haben ist ein häufig zu findendes Phänomen, wenn mehr als ein Mann an einer Aktivität teilnehmen, die alle verbindet.“
          Hmmm:
          http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fes_Kreuz
          http://de.wikipedia.org/wiki/Kolpingwerk.

          Ich finde, diese beiden Beispiele zeigen eine Existenz einer Männerbewegung weit vor den 70er Jahren des 20 Jhds. an.
          Klar, hatten die andere Themen als eine Männerbewegung 100 Jahre später.

          Aber was wäre es für ein Unsinn eine Bewegung nach den Zielen einer bestimmten zeit zu definieren. Demnach wäre ja auch ein Beauvoire’scher Feminismus kein Feminismus, weil die Themen des Feminismus heute andere sind als in den 50er Jahren des 20.Jhds.

      • „Dass sie sich dabei ganz doll männlich gefühlt haben “
        Ich weiss nicht ob das so das trifft. Wenn ich mal Körner so lese, bewegt sich das eher in eine gewisse Schicksalsergebenheit.

        Wie es dem Bauernormalmann gibt? Wer weiss das schon.

      • „So gesehen ist auch der Nationalsozialismus Teil der Männerbewegung“

        Der Nationalsozialismus hat einen sehr starken Männerkult betrieben, der seine Vorläufer ja schon in der bündischen Jugend gehabt hat.

        „Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder , flink wie die Windhunde“ war ja die Maxime, nach der ein deutscher Junge erzogen werden sollte.

        Das Ideal war eben das des Mannes als Krieger

        Vergegenwärtigt man sich den Zeitgeist der ausgehenden zwanziger Jahre, war ja auch oftmals die Rede von einer „Verweichlichung“ der Kultur.

  4. „Wenn man sich derart gründlich von der Vergangenheit emanzipiert hat, dann ist es schon kurios, sich unkritisch eine diffuse Schuld wegen Generationen zurückliegender Taten von Geschlechtsgenossen einreden zu lassen.“

    Der zentrale Gedanke der Emanzipation bezog sich auch die Überwindung des als repressiv gedeuteten Geschlechterverhältnisses, in dem der Mann, um es mal ein wenig zugespitzt zu formulieren, der Mann der Herrscher, die Frau die Beherrschte ist. Im engeren Sinn bezog sich Emanzipation natürlich auf die „Befreiung“ der Frau aus dem „Eheknast“, auf die Festlegung der Frau auf ihr „Gebärmaschinendasein“, somit auf auf ihr „Mutterdasein“.
    Ein weiterer „emanzipatorischer“ Gedanke war das postulierte Recht am „eigenen“ Körper, das sich in den 70ger Jahren einerseits an der erbittert geführten Abtreibungsdebatte zeigte, andererseits aber auch am Recht auf „promiske“ Sexualität.
    Der Blick der Männer, sofern sie sich zur emanzipatorisch Linken zählten, richtete sich somit auf die Überwindung dieser so interpretierten Verhältnisse, während die „traditionellen „ Männer“ eben versuchten, die „Unterdrückungsverhältnisse „ zu rechtfertigen, zumindestens jedoch zu beschönigen (aus der links-alternativen Perspektive der 70 ger Jahre gesprochen !). Genau diese Perspektive führte eben auch zum Gefühl eines „elitären“ Avantgarde-Bewußtseins (trotz Zugehörigkeit zur Linken)
    Die Veränderung des männlichen Rollenverhaltens zeigte sich v.a. in der Veränderung der Beziehungsformen, d.h. v.a. Wohnformen wie WGs verbunden mit der Ablehnung der „Beziehungskiste“, auch im Versuch alternativer Erwerbsformen (betrifft nur eine kleine alternative Minderheit)
    Natürlich muß man sehen, dass es sich damals vor allem um eine Jugendbewegung gehandelt hat , deren Lebensformen sich im Laufe der Jahre dann oftmals doch „etabliert „ haben, insbesondere stand vielen nach einem akademischen Abschluß die Welt , auch mit ihren pekuniären Verführungen (der schnöde Mammon lauerte überall) ja offen

    • „zentrale Gedanke der Emanzipation bezog sich auch die Überwindung des als repressiv gedeuteten Geschlechterverhältnisses“

      Diese Definition ist mir zu eng, meine eigene Definition (inwieweit diese allgemeinere Definition schon damals verbreitet war, ist mir unklar) ist allgemeiner, nämlich Überwindung beliebiger gesellschaftlicher repressiver Strukturen. Das stimmt ziemlich genau mit der folgenden indirekten Definition in der Wikipedia überein: „Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen z. B. paternalistischen Strukturen, …“.

      Deswegen behaupte ich ja immer, daß unsere heutige Gesellschaft sich vom hegemonialen Staatsfeminismus emanzipieren muß, indem man die falschen Grundannahmen und daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen dekonstruiert.

      Daß sich anno dunnemals bei uns vor allem die Frauen emanzipieren mußten (und irgendwo im Orient auch heute noch), ist unbestritten.

      • „Deswegen behaupte ich ja immer, daß unsere heutige Gesellschaft sich vom hegemonialen Staatsfeminismus emanzipieren muß, indem man die falschen Grundannahmen und daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen dekonstruiert.“

        Wie soll sich eine Gesellschaft als Ganzes von
        etwas emanzipieren?

        Bis jetzt konnte man noch eine grosse Anzahl
        gutgläubiger Männer als Leistungsträger mit
        Lügen und Beschämung bei der Stange halten.
        Wenn die sich zunehmend emanzipieren, heisst
        aufhören sich den Arsch aufzureissen um
        Transferleistungen generieren, bricht das
        System zusammen. Dekonstruiert sich quasi
        von selbst. Game over, zurück auf Feld 1.

        • @ Red Pill

          *Wenn die sich zunehmend emanzipieren, heisst
          aufhören sich den Arsch aufzureissen um
          Transferleistungen generieren, bricht das
          System zusammen. Dekonstruiert sich quasi
          von selbst. Game over, zurück auf Feld 1.*

          Deshalb finde ich ja die Bemühung bemühter, „guter“ Männerrechtler um systemimmanente Anerkennung durch Wohlverhalten – endlich auch ein bißchen Förderbrosamen für „uns“ – so komisch.

          Dieses System kann nur überleben, solange und insoweit Männer sich NICHT emanzipieren = entpflichten, denn nichts anderes ist die sogenannte Emanzipation der Frauen.

          Weshalb es grenzenlos naiv ist (oder dumm), zu erwarten, die Emanzipation der (normalen) Männer könne je staatlich gefördert werden.

          Nein, das müssen Männer schon selbst in die Hand nehmen.

          Indem sie u.a. die Machtmittel = Finanzgrundlagen dieses feministisch-femizentrischen Systems austrocknen.

          „Runde Tische“ wird es erst kurz vor dem Zusammenbruch geben.

          Keinen Tag früher.

          Vielleicht ist es dann auch für diese Spielart des Sozialismus zu spät.

          Asche zu Asche.

        • @gnito

          *Die Männer heiraten weiterhin wie die Bekloppten.*

          Und H4er vermehren sich wie blöd.

          Ich hab eher das Gefühl die Evolution wird sich von uns emanzipieren.

        • @ Gnito

          Wenn ich mir die Statistiken ansehe, nicht.

          http://www.bib-demografie.de/DE/ZahlenundFakten/04/eheschliessungen_node.html

          http://www.bib-demografie.de/DE/ZahlenundFakten/06/fertilitaet_node.html

          Eheneigung und Kinderwunsch sind sowohl bei Männern als auch Frauen über die Jahe gesunken, aber bei Männern sehr viel stärker als bei den Frauen.

          Zu beidem sind Männer mittlerweile deutlich weniger geneigt als Frauen (und deren Neigung ist schon gering genug).

          Die Zahl der AE-Muttis wächst, die Zahl der Ehen sinkt, immer mehr ledige Männer, die nicht einmal mehr Partnerschaft als Option erwägen (sicher auch viele, die mangels Ausbildung/Status keine Chance sehen, gegen den Staat als Ehemann zu konkurrieren – Frauen heiraten lieber den Sozialstaat als einen „Verlierer“).

          Dazu anhaltend (zu) wenig Kinder, Vermehrung in patriarchalen Parallelgesellschaften dagegen primstens.

          Der Bevölkerungsaustausch läuft, dem ein Kulturaustausch folgen wird.

          Das hält keine Gesellschaft langfristig durch, nicht mal mittelfristig.

          Hinzu tritt die Vergreisung (immer höherer Anteil von Alten), die das gesellschaftliche Klima in vielerlei Hinsicht „ermüden“ wird (60jährige erfinden nicht mehr so viel wie 30jährige, sind nicht so kreativ/geistig frisch/mobil, gründen keine neuen Unternehmen mehr, schaffen keine Arbeitsplätze usw.).

          Die Vitalität und Selbstbehauptungsfähigkeit dieser Gesellschaft sinkt.

          Sie schleicht immer müder und matter um die Ecken, enden wollend.

          Natürlich erfolgt irgendwann auch wieder ein Umschlag, auf weiß Gott wie niedrigem Niveau, weil ja vor allem jene sich noch fortpflanzen, die Kinder gegenüber alternativen Optionen priorisieren und so die Häufigkeit der Genmuster im Genpool ansteigt (Stichwort: genetisch-kulturelle Koevolution), die Hirne bauen, die auch wieder mehr Sehnsucht nach Kindern zeigen.

          Aber das dauert noch ein wenig.

      • @ Borat

        *Ich hab eher das Gefühl die Evolution wird sich von uns emanzipieren.*

        Ja, sie wird schlanken Fußes über uns hinwegschreiten.

        Evolution kennt keine Sentimentalität – die dunkle Seite Gottes (wenn es ihn denn gibt, das, was einen Gläubigen wirklich beunruhigen muss, das Problem der Theodizee).

  5. Ich mache jetzt ein paar Vorschläge, die die Welt bewegen können.
    Ein Mann sollte so selten wie möglich autosexuell (selbstbezogen sexuell) tätig sein; ohne aber autosexuelle Tätigkeit krampfhaft zu verhindern. Dies hat den Grund, dass er dann immer eine relativ große männliche Energie zur Verfügung hat.
    Zudem ist es sinnvoll, wenn ein Mann sich den Busen und das Geschlechtsorgan einer Frau nicht mehr anschaut. Auch dann nicht, wenn er in einer Beziehung lebt. Zudem sollte ein Mann den Busen oder das Geschlechtsorgan einer Frau nicht mehr mit der Hand oder dem Mund berühren. Dies hat den Grund, dass man bestimmte Dinge nicht entheiligen darf.
    Stattdessen sollte sich ein Mann für den Po einer Frau interessieren.
    Ebenso darf eine Frau sich das Geschlechtsorgan eines Mannes nicht anschauen, und nicht mit der Hand oder dem Mund berühren.
    Ferner ist jegliches Interesse an Pornographie und abartigen sexuellen Praktiken zu unterlassen.

  6. Kleiner Nachtrag zu meinem
    „Bin mir nur nicht so ganz sicher, ob es hinhaut, die damaligen Männergruppen als ausschließlich fraueninitiiert/frauenfixiert zu betrachten.“

    Zumindest ein paar Indizien habe ich gefunden, die dafür sprechen, dass die Lage etwas vielschichtiger ist.

    A. Es gibt Belege, dass zumindest einige derer, die sich in sog. Männerbüros trafen, den Feministen gar nicht genehm waren. Und zwar deshalb, weil sie Unterschiede zwischen Männern und Frauen betonten. Das schlug sich beispielsweise beim Thema Jungenarbeit in einer positiven Aufnahme von körperlichen Bedürfnissen nach Austoben, Raufen etc nieder.

    Da sie eben nicht einfach auf die Bedürfnisse von Frauen fokussierten, wurden sie natürlich kritisiert:
    „Für Männerbüros ist es nicht attraktiv, den harten Kern der gesellschaftlichen Veränderung anzusprechen, nämlich die Privilegien von Männern in Form von Macht und Geld, da eine in die Tat umgesetzte Gleichstellung von Frauen und Männern mit erheblichen Verlusten für Männer verbunden wäre.“
    und
    „Dieser Ansatz steht in Gefahr, die Differenzen der Männlichkeiten und die gesellschaftliche Konstruktion des Zweigeschlechtersystems durch eine Ontologisierung des „Mann-Seins“ zu ersetzen.“

    (Beide Zitate:
    http://www.eurowrc.org/01.eurowrc/02.eurowrc_de/germany/17ge_ewrc.htm
    Aus: Hafner, Gerhard: Die Männerpolitik der Männerbüros. In: Holger Brandes/Herrmann Bullinger (Hg.): Handbuch Männerarbeit. Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union 1996, S. 446-454 .
    Erschien anscheinend bezeichnenderweise auch in dem Buch I. Lenz (Hrg): Die neue Frauenbewegung in Deutschland. 2. Auflage 2010.)

    (Ich erinnere mich auch noch an eine etwas turbulente Diskussion, die ich Mitte der 90er mit einem vom Göttinger Männerbüro hatte. Die hatten – zumindest damals- einen relativ eigenständigen Kurs, was z.B. spezifische Jungenbedürfnisse anging. Und waren durchaus kritisch gegenüber der verbreiteten Gleichsetzung von Aggression und Gewalt.
    Ich konnte allerdings nichts mit ihren Vorstellungen von männlicher Initiation anfangen und fand ein paar andere Sachen auch einfach zu albern/zu gekünstelt, weshalb ich nicht weiter verfolgt habe, wie die sich entwickeln.)

    B. Übrigens spricht auch der Titel eines Buches von 1992, das ich allerdings nicht gelesen habe, gegen die simple Gleichsetzung von „Männerdebatte gleich getarnter Frauendiskurs“:
    Söhne wollen Väter. Wider die weibliche Umklammerung. Von einem W.Wieck.

    „Weibliche Umklammerung“ klingt zumindest nicht so, als ob hier die Vorstellung abgefeiert wird, dass am weiblichen Wesen die Welt genesen wird. Aber, wie gesagt: Weiß nicht, ob der Inhalt den Untertitel abdeckt.

    Das sind natürlich nur ein paar Fragmente. Für eine Geschichtsschreibung dieser Debatten bräuchte man wohl Statements der damaligen Teilnehmer dieser Gruppierungen.

    • Kenne die Dt. Geschichte nicht so.

      In dem Text steht:

      In der Regel gehen Männerbüros von einem liberalen Ansatz aus: Die Befreiung des Mannes von den als Rollenzwängen erlebten Erwartungen komme auch den Frauen zugute.

      D.h. sie werden ähnlich wie „Men’s Lib“ und „-therapy“ in den USA getickt haben. Natürlich schlugen da die „Antisexisten“ Alarm.

      Ich konnte allerdings nichts mit ihren Vorstellungen von männlicher Initiation anfangen..

      Offenbar waren sie auch von Robert Bly und seinen Mythopoeten beeinflußt. (Die Jungs, die zum Trommeln in die Wälder gingen 😉 )

      Die sind hier bisher völlig untergegangen. Das, obwohl sie es waren, die den Begriff „Männerbewegung“ erst ins Bewußstsein einer breiteren Masse brachten.

      Auch die waren für die „Antisexisten“ aka Profeministen natürlich ein rotes Tuch.

      Das Bild der völligen Unterordnung unter Fraueninteressen ist wohl tatsächlich nicht ganz richtig. Das traf vor allem für die „Antisexisten“ zu.

    • Söhne wollen Väter.

      Nur um das mal anzumerken: Auch Töchter wollen und brauchen Väter (und das gerade auch als Kontrast zur Mutter!).
      Merke ich grad intensiv an meiner Tochter …

  7. „B. Übrigens spricht auch der Titel eines Buches von 1992, das ich allerdings nicht gelesen habe, gegen die simple Gleichsetzung von “Männerdebatte gleich getarnter Frauendiskurs”:
    Söhne wollen Väter. Wider die weibliche Umklammerung. Von einem W.Wieck.“

    Wieck wurde um 1990 bekannt mit seinem Buch “ Männer lassen lieben“, einer fundamentalkritik an bisheriger Männlichkeit, am auch noch 1990 „real existierenden Patriarchat.
    Ihm ging also selbst der „neue“ Mann noch nicht weit genug, weil immer noch nicht ausreichend empathie- und liebesfähig, sprich. immer noch nicht ausreichend feminisiert.
    Zitat von 1989 (Spiegel):
    Der neue Mann wurde erfunden, damit die Frau weiter ausgebeutet, abgewertet, lächerlich gemacht, geschlagen und vergewaltigt werden kann, damit der Mann nicht an sich zu arbeiten braucht und weiterhin als Arbeitskraft und Soldat zur Verfügung steht.

    • @step II
      „Wieck wurde um 1990 bekannt mit seinem Buch ” Männer lassen lieben”, “

      Ah ja, danke für den Hinweis. Hab den nie gelesen, aber den Titel mal gehört.

      Kommt mir etwas unausgegoren vor.
      Nehmen wir mal dein Spiegel-Zitat:
      Die Formulierung, der neue Mann wurde erfunden, damit er
      „weiterhin als Arbeitskraft und Soldat zur Verfügung steht“
      könnte man ja auch kritisch gegen weibliche Forderungen eines neuen Manns lesen.
      Was zur polemischen Formulierung von einer „weiblichen Umklammerung“ passen würde.

      Aber vermutlich ist das ein inkonsistenter Wust. Mal sehen, ob mir dieses andere Buch mal in die Hände fällt.

      • @seitenblick

        „Die Formulierung, der neue Mann wurde erfunden, damit er
        “weiterhin als Arbeitskraft und Soldat zur Verfügung steht”
        könnte man ja auch kritisch gegen weibliche Forderungen eines neuen Manns lesen“

        Das könnte man natürlich aus der Perspektive des Jahres 2013 so lesen, wenn man davon ausgeht, dass die Frau ihr „Rollenkorsett“ hat abstreifen können, der Mann hingegen nicht, insbesondere was die Ernährer/Versorgerrolle angeht.

        Dieses war für ihn m.E. jedoch eher marginal. Er war ja in Berlin in den 80 gern mit ein Begründer der patriarchatskritischen Männerarbeit (mit eigener psychoanalytischer Praxis), der aus tiefenpsychologischer Perspektive den Männern „vorwarf“, wichtige emotionale Arbeit, wichtige Beziehungsarbeit an Frauen zu delegieren, eben im Sinne eines „Männer lassen lieben“., hiermit eben auch verbunden die Unfähigkeit, eigene Verletzungen zu thematisieren und zu bearbeiten, was eine adäquate Entwicklung verhindere. Resultat sei letztendlich der emotionale Rückzug/ein allg. Beschweigen von Konflikten, so dass Frauen deren „Gefühlsarbeit“ immer mehr übernehmen müßten.

  8. Ich finde im Artikel die Schuldgefühle bzgl. „der NS-Zeit“ bei den Jungen und dass die Frauen sowas scheinbar gar nicht haben ziemlich interessant.

    Angriffskrieg um Territorium und Entfernung der inneren Opposition ist ja auch unbestritten männlich und dominantes Verhalten.

    Aber die quasi Verbesserung des genetischen Umfelds durch die Elimination der jüdischen Bevölkerung ist doch eigentlich eine sehr weibliche Massnahme.

    Mir ist der Gedanke damals gekommen als mir bei „Der Untergang“ die Darstellung der weiblichen Unschuld der Protagonistin so richtig übel aufgestossen war.

    • @emildetekitv

      „Aber die quasi Verbesserung des genetischen Umfelds durch die Elimination der jüdischen Bevölkerung ist doch eigentlich eine sehr weibliche Massnahme.“

      Inwiefern ist das eine weibliche Maßnahme?
      Und: Konkurrenz ausschalten könnte man genauso gut als männlich ansehen
      Oder man bewertet „einen Sündenbock finden und alle schuld auf ihn verlagern, während man sich gleichzeitig überhöht zur Stärkung des Gruppengefüges“ schlicht als menschliche Maßnahme (natürlich nicht im Sinne von humanistisch, sondern als etwas, was beide geschlechter anspricht)

    • @emildetektiv

      „Ich finde im Artikel die Schuldgefühle bzgl. “der NS-Zeit” bei den Jungen und dass die Frauen sowas scheinbar gar nicht haben ziemlich interessant2

      Je länger die NS- Zeit her ist, erfährt sie eine feministische Umdeutung (wie übrigens die gesamte Historie) im Sinne eines weiblichen Suprematiegedankens.

      Es ist mittlerweile kontrafaktisch vergessen, das v.a. Frauen Hitler zugejubelt haben, Frauen den NS-Kult z.B im BDM fast fanatisch mitgetragen haben

      In den letzten 15 Jahren, auch unter der massiven Infiltration des GM in den Geschichtswissenschaften, kommt es jedoch immer stärker zu einer historischen Umdeutung .
      Männer haben eben immer das Böse hervorgebracht, sind somit schuldig, während die unterdrückten Frauen mitlaufen mußten, wobei sie versucht haben, zumindestens das Schlimmste zu verhindern

      Das heilige Wesen der KZ-Aufseherin grüßt aus fernen Zeiten

      • PS:
        Und Magda Goebbels hat ja auch nur ihre 6 Kinder umgebracht, weil die Welt, welche nach dem Nationalsozialismus zu kommen drohte, keinem fühlenden Menschen mehr zumutbar gewesen sein könnte

      • @Step II
        „Es ist mittlerweile kontrafaktisch vergessen, das v.a. Frauen Hitler zugejubelt haben, Frauen den NS-Kult z.B im BDM fast fanatisch mitgetragen haben“

        Ist das wirklich „vergessen“?

        Die Dokus „Hitler und die Frauen“ und „Lieber Onkel Hitler – Briefe an den Führer“ liefen 2011 und 2012 bei den ÖR.

        Ich habe den Eindruck, es gibt hier zwei gegenläufige Bewegungen. Die eine sucht natürlich nach den Widerständlerinnen und faselt entschuldigend von Frauen in Gewaltstrukturen. Das ist die von dir beschriebene Geschichtsklitterung.

        Daneben sehe ich aber eine Strömung, die erst in den letzten Jahren angefangen hat, den aktiven Part von Frauen im NS zu beleuchten.
        War vor 10 oder 15 Jahren ein Buch mit diesem Titel zu finden? :

        Kathrin Kompisch, Täterinnen: Frauen im Nationalsozialismus. 2008.
        Aus dem Amazon-Text:
        Lange Zeit wurde die Rolle von Frauen im »Dritten Reich« meist auf die von Opfern reduziert. Die Täterinnen-Ebene blendeten Forschung und Öffentlichkeitgerne aus. Allzu schnell war vergessen: Frauen waren Angehörige der SS gewesen, hatten Konzentrationslager bewacht und weibliche Häftlinge brutal misshandelt, als Ärztinnen und Krankenschwestern bei Menschenversuchen und »Euthanasie«-Aktionen assistiert oder als Fürsorgerinnen die nach NS-Ideologie »Minderwertigen« zur Zwangssterilisation vorgeschlagen.Den wenigen Frauen, die wegen ihrer Beteiligung an den menschenverachtenden Taten des NS-Regimes verfolgt und verurteilt wurden, wurde eine besonders grausame und eher unweibliche Natur nachgesagt. Mit dieser Dämonisierung machte man nicht nur die Auseinandersetzung mit ihren Taten und Motiven überflüssig, sondern schuf zudem eine Distanz zur Mehrheit der »normalen« Frauen. Daher ist noch heute das populäre Bild des »Dritten Reiches« durch die männlichen Nazi-Größen und -Mitläufer geprägt.Einen Eindruck des breiten Spektrums weiblicher Täterschaft vermittelt nun das neue Buch von Kathrin Kompisch. Angefangen von den KZ-Aufseherinnen über Frauen in Polizei und Justiz, im Kriegseinsatz, im Sozial- und Gesundheitswesen bis zu den am Holocaust beteiligten Schreibtischtäterinnen beschreibt und analysiert die Autorin, welche Rolle das »schwache Geschlecht« während des »Dritten Reiches« spielte.

        Selbst, wenn man mit den üblichen simplen Entschuldigungsstrategien arbeitet, bleibt dabei die Materialsammlung erhalten. Da ist Schluss mit „wir waren brav zu Hause, also können wir damit doch gar nichts zu tun gehabt haben.“

        Und um es noch unübersichtlicher zu machen: Bei einem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig findet man zu dem Thema einen Vortrag und folgende Sätze:

        „Frauen waren genauso wie Männer von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugt und erachteten Menschen, die nicht ihren Kriterien eines normalen arischen Menschen entsprachen, als wertlos. …
        Frauen wird einfach nicht zugetraut unmenschlich zu handeln. Ihre Verbrechen werden ignoriert, damit das Bild der guten und fürsorglichen Frau und Mutter und der Mythos der aus den Trümmern durch unschuldige Frauenhände wiederaufgebauten Republik nicht zusammenfällt. “
        (leider ohne Datum und Autorenangabe)

        http://www.left-action.de/afb/vortrag_zu_frauen_im_ns.html

        • Ihre Verbrechen werden ignoriert, damit das Bild der guten und fürsorglichen Frau und Mutter und der Mythos der aus den Trümmern durch unschuldige Frauenhände wiederaufgebauten Republik nicht zusammenfällt.

          ..womit das Ignorieren von weiblichen Verbrechen zum Unterdrückungsakt gegen Frauen umgedeutet wird.

          Nur unter dieser Prämisse ist man offenbar in der Lage, sich mit Täterinnen zu beschäftigen.

          Werden etwa die zwangsrekrutierten Männer, die den NS gar nicht guthießen und beförderten – aber unter Rekurs auf die Geschlechternorm und unter Todesdrohung dazu gezwungen wurden, die Politik auch dieser Frauen gewaltsam durchzusetzen – als Opfer auch dieser Frauen gelesen? Ich lese nur die unhinterfragte Prämisse, dass dabei nur die Männer und Frauen der „wertlosen Rassen“ als Opfer gelten.

          Das muss natürlich so sein, denn anders hätten sich ja auch Frauen das traditionelle Geschlechterarrangement für ihre Machtansprüche zunutze gemacht.

          So hätten ja auch Frauen eine „patriarchale Dividende“, und das darf nicht sein.

          Man kann nicht glaubwürdig gleichzeitig die feministische Standpunkttheorie und weibliche Täterschaft vertreten.

          • @Nick:
            „..womit das Ignorieren von weiblichen Verbrechen zum Unterdrückungsakt gegen Frauen umgedeutet wird.“

            Kann man so lesen. Ändert aber nichts daran, dass die These, Frauen seien aufgrund ihres natürlichen Gutseins zu derart inhumanen Handlungen gar nicht in der Lage, hier faktisch mit der Abrissbirne der Zahlen und Organisationsnennungen wie der SS zerbröselt wird. Selbst, wenn das ein eventuell unerwünschter Kollateralschaden ist.

            Nebenbei: Man könnte die Äußerungen auch deskriptiver nehmen. Das Ideal der zur Inhumanität qua Geschlecht unfähigen Frau ist ja auch ein zentraler Topos bestimmter feministischer Strömungen. Das genannte
            „Bild der guten und fürsorglichen Frau und Mutter … unschuldige Frauenhände“
            – setz statt „Republik“ „Reproduktionsarbeit“, und wessen Idealbild und Stilisierung ist dann attakiert worden? ;-).

            Ich finde halt einen anderen Aspekt wichtiger: Solange die Daten nicht erhoben waren, konnte manche Kreise die Identität von ihrem Idealbild der Frau als Verkörperung der Humanität und der Realität munter behaupten.
            Wenn dann aber umfangreiche Daten kommen, die zeigen, dass nicht drei Verirrte, sondern zig Tausende aktive Unterstützer waren, dann ist die naive Gleichsetzung futsch. Und gegen die dann eintretenden kognitiven Dissonanzen müssen immer höhere und anstrengendere Klimmzüge veranstaltet werden, um den Gap zu überbrücken. Diese extremen kognitiven Dissonanzen halten am Ende nur noch kleine Sektierergruppen durch.
            Warum meinen die denn, was für ihr Image tun zu müssen mit „Wer braucht Feminismus“?
            Warum lacht die ganze Republik nur über eine Gejammere, dass zu wenig Frauen angeln?

            Als ernsthaftes Problem bleiben die institutionalisierten Formen und die politischen Rahmenbedingungen, weil die sich von diesen Korrekturprozessen gut abkoppeln können.

            Bis es allerdings so weit ist, dass auch über die zwangsrekrutierten Männer als Opfer dieser Frauen gesprochen werden kann, ist es wohl noch ein langer Weg.
            Gibt es zu denen überhaupt schon eine Forschung?
            (Das ist nicht mein Spezialgebiet, ich nehme da gerne Hinweise entgegen.)

            Worauf ich oben eigentlich hinauswollte war, dass mir die These, der weibliche Part gerät in Vergessenheit, etwas vereinfacht erscheint.
            Ich habe jedenfalls in den letzten Jahren deutlich mehr Fakten darüber präsentiert bekommen als vor 15 Jahren.

        • @seitenblick
          „Daher ist noch heute das populäre Bild des »Dritten Reiches« durch die männlichen Nazi-Größen und -Mitläufer geprägt.Einen Eindruck des breiten Spektrums weiblicher Täterschaft vermittelt nun das neue Buch von Kathrin Kompisch. Angefangen von den KZ-Aufseherinnen über Frauen in Polizei und Justiz, im Kriegseinsatz, im Sozial- und Gesundheitswesen bis zu den am Holocaust beteiligten Schreibtischtäterinnen “

          Bestimmt gibt es eben auch diese andere Sichtweise, gibt es diesen Versuch, in die dunklen Ecken zu leuchten.

          M.E. sind das jedoch marginale Phänomene, die kaum das öffentliche Bewußtsein erreichen.

          Medial wird fast immer einer weiblichen Suprematie-Darstellung gefolgt

        • @ Seitenblick

          „Allzu schnell war vergessen: Frauen waren Angehörige der SS gewesen, hatten Konzentrationslager bewacht und weibliche Häftlinge brutal misshandelt“

          In diesem Zusammenhang würd ich gern verweisen auf:
          http://de.wikipedia.org/wiki/Irma_Grese

          „Ihre Brutalität, die ihr den Namen „Hyäne von Auschwitz“ einbrachte, wurde nicht nur durch Zeugenaussagen, sondern auch durch sie selbst bestätigt:

          „Ich habe noch einmal nachgedacht und möchte hinzufügen, dass ich in der Tat Häftlinge nicht nur mit der Hand geschlagen habe. In Auschwitz hatten einige Aufseherinnen für etwa eine Woche Peitschen, die in den Lagerwerkstätten hergestellt wurden. Mit einer solchen habe ich einige Male Häftlinge geschlagen, bis die Benutzung der Peitschen verboten wurde. Gewehre wurden nie von einer Aufseherin getragen oder benutzt.“[2]

          Grese, die auf „nicht schuldig“ plädiert hatte, wurde im Prozess wegen sowohl in Auschwitz als auch in Bergen-Belsen begangener Verbrechen am 17. November 1945 zum Tod durch den Strang verurteilt. Es ergingen zehn weitere Todesurteile, darunter zwei weitere Frauen (Johanna Bormann und Elisabeth Volkenrath). Eine Berufung wurde abgelehnt. Grese wurde am 13. Dezember 1945 im Alter von 22 Jahren im Zuchthaus Hameln durch den englischen Henker Albert Pierrepoint gehängt. Sie war die jüngste Frau, die im 20. Jahrhundert unter britischer Gerichtsbarkeit hingerichtet wurde.“

  9. Nur um mal einen Kontrapunkt, natürlich aus rein populistischer Sicht ( also für die bildungsfernen u.s.w. ) zu setzen:
    Von einer Männerbewegung hat „Heinz Müller“ noch nichts mitbekommen. Ich weiß von zwei Kongressen und ein paar kleineren Spezialaktivitäten, die aber erstens eher symbolischen Charakter hatten und zweitens öffentlich kaum wahrgenommen wurden. Irgendwelche Insiderclubs für Pudel haben mit Männerinteressen nix zu tun, wie oben ja schon satt ausgeführt wurde.
    Und doch war ich mit bewegten Männern, die sogar basisdemokratisch und brüderlich agieren, jahrzehntelang eng verbunden. Sie wertschätzten sich selbst als Männer, die Frauen als solche und begegnen sich i.d.R. mit Respekt und angstfrei.
    Unglaublich? Nö!
    Man sieht sie zwar selten, aber es gibt sie und sie lachen über den ganzen Femiquark:
    die sogenannten Dorf-MCs!
    Sie haben eigene Medien, sind gut und dezentral vernetzt, sind als Lobby durchaus von Gewicht ziehen bei Bedarf auch mal an einem Strang.
    Da können die gleichberechtigtseinwollenden vorerst nur von träumen.

  10. OT.
    @christian

    Themenvorschlag

    Da wir hier ja eher über die Anfänge der (v.a. profeministischen) Männerbewegung gesprochen haben, wäre ja eine Bestandsaufnahme des aktuellen Maskulismus interessant (sozusagen als Tagesthema)

    Diese v.a. unter dem Gesichtspunkt der politischen Wirksamkeit/Einflußnahme

    Wenn ich mir die mediale Berichterstattung anschaue, habe ich manchmak das Gefühl, dass wir hier in einer Blase leben (bin mir jedoch eher unsicher, kann es nur schwer beurteilen !!)

  11. Pingback: Maskulismus, Männerrechte und Familienrecht | Alles Evolution

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