Effektive Patriarchatsbekämpfung

In einem Kommentar zum „Anzuggate“ bei den Piraten auf der Seite Popkornpiraten fand sich ein aus meiner Sicht interessanter Kommentar:

Die “Abschaffung des Patriarchats” ist eigentlich ein sehr ernstes und diskussionswürdiges Thema. Schließlich geht es beim Patriarchat um die gesellschaftliche Güterverteilung mit Hilfe des Eigentums- und Erbrechts sowie um die gesellschaftliche Arbeitsteilung mit Hilfe der Lohnarbeit. Der Anzug ist durchaus ein Symbol des kapitalistischen Systems, weil er im Vorstellungsgespräch als Symbol der Unterwerfung getragen werden muss und deshalb durchaus kritisch hinterfragt werden kann.

Leider verschwenden Rya und ihre Gesinnungsgenoss*innen sehr viel Energie, um besitzlose und somit bedeutungslose Randfiguren zu verfolgen: alleinstehende Männer, die sexistische Witze reißen, Frauen, die um ihre Beziehung fürchten, an den Rand der Gesellschaft gedrängte (rechtsextreme) Demonstranten und anzugtragende Handyverkäufer. Aus theoretischen Gründen kämpfen sie für Bevölkerungsgruppen, die eigentlich das Patriarchat stützen und befürworten: weibliche Führungskräfte, orientalische Einwanderer*innen und weltfremde Wissenschaftler*innen.

Eine flexible Vorgehensweise – Großzügigkeit und Humor gegenüber provozierenden Randgruppen sowie Häme und Spott gegen die Eliten des Systems – würde das angestrebte Ziel (“Abschaffung des Patriarchats”) weitaus schneller voranbringen als die militante Verteidigung theoretischer Dogmen gegen eigentlich wohlmeinende Freunde.

Etwas anders formuliert wird daraus: „Wenn die feministischen Theorien stimmen und es ein Patriarchat gibt, warum ist der Feminismus dann so ineffektiv darin, dessen tatsächliche Ursachen anzugreifen?“

In der Tat scheint  sich ja der Feminismus mit allerlei Kleinigkeiten aufzuhalten, sich wegen Kleinigkeiten mit allen möglichen Leuten anzulegen und letztendlich sogar noch bestimmte stützende Gruppen wie weibliche Führungskräfte oder traditionell-konservative Einwanderergruppen zu stützen.

Ein Grund ist sicherlich, dass IDPOL eine enorme Intoleranz gegen Kleinigkeiten begünstigt, da man anhand dieser besser zeigen kann, wie sehr man gegen Dislkriminierungen ist. Zu zeigen, dass man die Kleinigkeiten erkennt ist dann wichtiger als tatsächlich etwas zu bewirken. Dau kommen die Theorien der „Raumeinnahme“, die die Sichtweise, dass man mit dem angreifen von solchen Kleinigkeiten einen grundlegenden Wandeln erreichen kann. Der Glaube, dass mehr Frauen in Führungspositonen bereits die Welt verändern scheint mir auch eine gewisse Nähe zu einem Differenzfeminismus mit Frauen als besseren Menschen zu haben, der im Genderfeminismus gerne verschwiegen wird.

Sicherlich ist die im Kommentar vorhandene Sichtweise eine andere, bei der das Patriarchat noch eher mit dem Kapitalismus gleichgesetzt wird, während andere darin einfach überkommene Regelungen sehen. Auch insoweit wäre aber eine „effektivere Bekämpfung“ möglich.

Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da auch insoweit einiges an Unstimmigkeiten vorhanden ist. Diese näher herauszuarbeiten könnte interessant sein

55 Gedanken zu “Effektive Patriarchatsbekämpfung

  1. So widersprüchlich scheint mir das gar nicht.

    Immerhin ist man sich im Ziel (Abschaffung des Kapitalismus) ja einig.

    Die Popkornpiratenposition scheint einen direkteren Angriff auf den Kapitalismus zu favorisieren, dem, wenn endlich gestürzt, das Patriarchat quasi von selbst folgen wird.

    Die Rya-Position greift die Hauptstütze des Patriarchates und damit auch des Kapitalismus an: den weißen („orientalische Einwanderer fördern“ > weiße Nochmehrheitsbevölkerung verdünnen), heterosexuellen Mann und dessen Machtpostionen an („mehr Frauen in Führungspositionen“), spielt so mehr über Bande, erst das herrschende „Patriarchat“ beseitigen, dann kippt der Kapitalismus von alleine, wird wahrscheinlich ersetzt durch eine weibliche Schenkekreiswirtschaft oder so.

    Hier wird wieder einmal deutlich, dass die linke Unterstützung des Feminismus kein Missverständnis ist, warum wir es hier mit Geschlechtersozialismus zu tun haben.

    Nachdem die Oktoberrevolution katastrophal gescheitert ist und ein bis dahin unvorstellbares Terrorregime etablierte, die Weltrevolution ausblieb, der Klassenkampf nicht recht in Gang kam, versucht man es jetzt mit Geschlechterklassenkampf und der „Koalition der Minderheiten“ als neuem revolutionären Subjekt, schließlich hat das Proletariat die Ideologen und ihre Hoffnungen schnöde enttäuscht.

    „Falsches Bewusstsein“ sorgte dafür, dass Europas Proletarier 1914 für Gott, Kaiser, Nation aufeinander schossen anstatt die Kapitalisten an die Wand zu stellen > darum der Schwenk hin zum Kulturmarxismus: Erst die tragende Struktur zerstören, die das „falsche Bewusstsein“ erzeugte, also Religion, Patriotismus, Familie.

    Natürlich könnte man fragen, ob weibliche Führungskräfte denn tatsächlich den Kapitalismus abschaffen, ob der Import orientalischer Migranten nicht erst recht ein Patriarchat importiert wie man es sich schöner nicht wünschen kann, aber, mein Gott, die Hoffnung gerade der Linken stirbt zuletzt.

    Nützliche Idioten.

    • „darum der Schwenk hin zum Kulturmarxismus: Erst die tragende Struktur zerstören, die das “falsche Bewusstsein” erzeugte, also Religion, Patriotismus, Familie.“

      Kombiniert mit Multikulti ergibt sich da
      für die Zukunft ein explosives Gemenge.
      Wenn das losgeht werden die Auseinandersetzungen
      nicht entlang grosser Linien erfolgen,
      sondern auf Gruppen und Clan Ebene.
      Also im Sinne von jeder gegen jeden und
      Gott gegen Alle.

    • @ Roslin

      Und wo sind die Belege für diese Behauptungen?

      In der realen Linken gibt es nämlich keine „Kulturmarxisten“, hat noch kein Mensch von sowas gehört (es sei denn durch die Lektüre konservativer/rechter Verschwörungstheoretiker).
      Wie kommt es, dass du eine marxistische Strömung zu kennen meinst, die innerhalb der Linken keiner kennt?
      Woher hast du solche „Insiderinformationen“? Bewegst du dich innerhalb der Linken? Liest du linke Zeitungen und Bücher? Bist du mit den verschiedenen Strömungen, Gruppierungen, Theorien, Diskursen, Debatten innerhalb der Linken vertraut?
      Wo sind die Belege für deine Behauptungen?

      „Natürlich könnte man fragen, ob weibliche Führungskräfte denn tatsächlich den Kapitalismus abschaffen, ob der Import orientalischer Migranten nicht erst recht ein Patriarchat importiert wie man es sich schöner nicht wünschen kann, aber, mein Gott, die Hoffnung gerade der Linken stirbt zuletzt.“

      Ja, sehr unrealistisch, diese von dir postulierte „Revolutionsstrategie“. Warum kritisiert das denn innerhalb der Linken niemand, Roslin?
      Die reale Linke ist ja gespalten in eine Vielzahl von verschiedenen Strömungen, Organisationen und Gruppierungen, die sich alle gegenseitig kritisieren? Und überall gibt es Individuen, die Dogmatiker sind und an der reinen Lehre ihrer jeweiligen Strömung festhalten und alles davon Abweichende kritisieren. Die „Kulturmarxisten“ müssten daher doch eigentlich überzogen werden mit Kritik von konkurrierenden linken Strömungen – bei solch bescheuerten und erkennbar völlig zum Scheitern verurteilten Strategien zur Überwindung des Kapitalismus, wie sie die „Kulturmarxisten“ angeblich vertreten.

      Überwindung des Kapitalismus durch mehr Frauen in Führungspositionen – das widerspricht doch völlig der in der antikapitalistischen Linken weithin anerkannten marxistischen Kapitalismusanalyse, nach der der Kapitalismus ein gesellschaftliches Verhältnis darstellt, dass durch Personalaustausch nicht geändert werden kann – eine der zentralsten und anerkanntesten Ideen der marxistischen Kapitalismusanalyse überhaupt, an der alle marxistischen Strömungen – zu Recht – konsequent festhalten.

      Und den „weißen, heterosexuellen Mann“ bekämpfen anstatt den Kapitalismus – das schwächt doch offensichtlich die Klassensolidarität, spaltet Widerstandspotentiale gegen den Kapitalismus. Der Ausschluss der „weißen, heterosexuellen Männer“ von der sozialen Revolution würde diese ja offenkundig unmöglich machen.

      Und da findet sich unter den zahlreichen linken Strömungen, die miteinander konkurrieren, keine, die sowas kritisiert? Wie kommt das Roslin? Es wäre doch ein Leichtes bei solch bescheuerten und unrealistischen Strategien, wie sie die „Kulturmarxisten“ angeblich vertreten, diese in die Pfanne zu hauen und dafür die eigene linke Strömung anzupreisen.

      Jeder klassische Marxist könnte doch im Nullkommanix diesen Blödsinn – der ja nunmal in völligem Widerspruch zur marxistischen Theorie steht – auseinandernehmen? Warum macht das keiner, Roslin?
      Vielleicht, weil es keine „Kulturmarxisten“ gibt? Weil niemand innerhalb der antikapitalistischen Linken vom „Kulturmarxismus“ je gehört hat? Weil es sich bei der Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie um ein Wahnsystem handelt, dass offensichtlich onhe Realitätsgehalt ist? Weil es sich um eine Diskursstrategie radikal-konservativer/rechter Kreise handelt, um die eigenen Anhänger durch ein Feindbild „Marxismus“ zu mobilisieren, auch wenn nichts in der Realität dem entspricht?

      • Wie oft wollt Ihr diesen Disput denn noch durchspielen? Es ist doch offensichtlich was Roslin mit „Kulturmarxismus“ meint: allgemeine, im linken Milieu weit verbreitete Thesen. Und dazu gehört nun mal, den weißen heterosexuellen Mann als das alleinige Übel hinzustellen, die „klassische Familie“ als Hort von Repression und Moslems als das neue Proletariat.

        Roslin definiert hier einen weit verbreitetes linkes Denken mit einem im konservativen Milieu weitverbreiteten Begriff. Es bringt einem nicht weiter, sich allein am Begriff abzuarbeiten.

        „Jeder klassische Marxist könnte doch im Nullkommanix diesen Blödsinn – der ja nunmal in völligem Widerspruch zur marxistischen Theorie steht – auseinandernehmen?“

        Es gibt aber nun mal kaum noch klassische Marxisten, weil sich der Marxismus als klassische Sackgasse erwiesen hat. Die Mehrheit der Linken hat das insgeheim erkannt, sich stillschweigend abgewandt und sich neue „revolutionäre Subjekte“ (Frauen, Homos, Moslems) gesucht.

        • @ Adrian

          „Wie oft wollt Ihr diesen Disput denn noch durchspielen?“

          So oft wie nötig.

          „Es ist doch offensichtlich was Roslin mit “Kulturmarxismus” meint:“

          Nein, er bezieht sich auf eine ganz spezifische konservative/rechte Ideologie.

          „Und dazu gehört nun mal, den weißen heterosexuellen Mann als das alleinige Übel hinzustellen, die “klassische Familie” als Hort von Repression und Moslems als das neue Proletariat.“

          Das Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ gibt es nur in vulgär-poststrukturalistischen Theorien und Strömungen, die klassische Familie „als Hort von Repression“ spielt in zeitgenössischen linken Theorien keine nennenswerte Rolle und Muslime als „neues Proletariat“ zu betrachten findet sich höchstens innerhalb des radikalen Flügels der antiimperialistischen Linken, die aber innerhalb der Rest-Linken als durchgeknallte Sektierer gelten und wenig Einfluss haben. (Und selbst für diese gilt diese Sichtweise nur im internationalen, aber nicht im nationalen Rahmen.)

          „Roslin definiert hier einen weit verbreitetes linkes Denken mit einem im konservativen Milieu weitverbreiteten Begriff. Es bringt einem nicht weiter, sich allein am Begriff abzuarbeiten.“

          Roslin hat von der Linken keine Ahnung. Der Begriff „Kulturmarxismus“ ist in konservativen Kreisen außerdem keineswegs „weitverbreitet“.

          „Es gibt aber nun mal kaum noch klassische Marxisten, weil sich der Marxismus als klassische Sackgasse erwiesen hat.“

          Selbstverständlich gibt es innerhalb der Linken sehr viele Anhänger klassisch-marxistischer Ideen und darüber hinaus noch zahlreiche andere Strömungen.

          „Die Mehrheit der Linken hat das insgeheim erkannt, sich stillschweigend abgewandt und sich neue “revolutionäre Subjekte” (Frauen, Homos, Moslems) gesucht.“

          Tatsächlich? Wo steht das? Wo kann ich das nachlesen?
          Wo muss ich hingehen, um solchen Linken zu begegnen?

        • @ Leszek
          „Nein, er bezieht sich auf eine ganz spezifische konservative/rechte Ideologie.“

          Na und? Und Du beziehst Dich auf eine ganz spezifische linke Ideologie. Pattsituation.

          „Das Feindbild “weißer, heterosexueller Mann” gibt es nur in vulgär-poststrukturalistischen Theorien und Strömungen“

          Das Feindbild “weißer, heterosexueller Mann” ist gesellschaftlich weit verbreitet. Vulgärer „Antirassismus“ mischt sich da mit klassischem Feminismus.

          „und Muslime als “neues Proletariat” zu betrachten findet sich höchstens innerhalb des radikalen Flügels der antiimperialistischen Linke“

          So? Ich finde das Missverhältnis zwischen dem negativen Ansichten zum Christentum und den offenen Armen für den Islam schon sehr auffällig.

          „Tatsächlich? Wo steht das? Wo kann ich das nachlesen?“

          Sprich doch mal mit Menschen, die sich als links verstehen.

          „Wo muss ich hingehen, um solchen Linken zu begegnen?“

          An die Uni. Auf die Straße. Ins öffentlich-rechtliche Fernsehen.

          • „Das Feindbild “weißer, heterosexueller Mann” ist gesellschaftlich weit verbreitet. Vulgärer “Antirassismus” mischt sich da mit klassischem Feminismus.“

            Wenn die politischen Strömungen nur „rechts“ und „links“ einfach dichtonimisch und diametral betrachetet werden. Wobei konservative und liberale , die mit einen Fuss im konservativen Lager sind schon zu rechts gehören.
            So könnte der Satz einfach negiert werden. Das sähe dann so aus: „Das Feindbild “andersfarbige, homosexuelle Frau” . Wobei es nicht nur um Frauen geht, sondern jedes Attribut allein bekämpft wird. Wobei dies tatsächlich nicht allzu großer Unsinn ist. Allerdings würde ich mich dann fragen, wo jemand steht, der eine Seite betrebt, wo schon das Wort „gay“ beeinhaltet ist.

        • @ Adrian

          „Na und? Und Du beziehst Dich auf eine ganz spezifische linke Ideologie. Pattsituation.“

          Du hattest angedeutet, hier sei etwas im übertragenen Sinne gemeint, darauf bezog sich meine Antwort. Darüber hinaus geht es hier darum, ob die von Roslin postulierte Ideologie zutreffend ist oder nicht – und das ist sie nicht.

          „Das Feindbild “weißer, heterosexueller Mann” ist gesellschaftlich weit verbreitet. Vulgärer “Antirassismus” mischt sich da mit klassischem Feminismus.“

          Über das Ausmaß der Verbreitung kann man streiten. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Feindbild „weißer,heterosexueller Mann“ nichts zu tun hat mit einer neo-marxistischen Strategie zur Überwindung des Kapitalismus, sondern aus der Identitätspolitik vulgär-poststrukturalistischer Strömungen resultiert.

          „So? Ich finde das Missverhältnis zwischen dem negativen Ansichten zum Christentum und den offenen Armen für den Islam schon sehr auffällig.“

          Auch das müsste man strömungsspezifisch erörtern.
          Innerhalb der sogenannten antideutschen Linken z.B. steht ja gerade Kritik am Islamismus im Vordergrund.
          Aber was du hier offenbar meinst, ist die Ideologie des kulturrelativistischen Multikulturalismus, die ideengeschichtlich aus einer fehlgeleiteten US-amerikanischen Poststrukturalismus-Rezeption hervorgegangen ist und keine Strategie zur Überwindung des Kapitalismus darstellt.

          „Sprich doch mal mit Menschen, die sich als links verstehen.“

          Tue ich sehr häufig. 🙂

          „An die Uni. Auf die Straße. Ins öffentlich-rechtliche Fernsehen.“

          Zwischen dem Einsatz für bestimmte Gruppen (wie immer man dies auch im einzelnen beurteilen mag) und der Betrachtung bestimmter Gruppen als „revolutionäres Subjekt“ besteht aber ein Unterschied. Gender/Queer/Critical Whiteness Studies z.B. vertreten im Allgemeinen kein Programm zur Überwindung des Kapitalismus.

        • @ Leszek
          Wenn Du meinst. Vielleicht liege ich ja falsch. Das was ich als „Linke“ wahrnehme, zeichnet sich aber durchaus durch die von Roslin und mir vorgestellten Ansichten aus.

          „Gender/Queer/Critical Whiteness Studies z.B. vertreten im Allgemeinen kein Programm zur Überwindung des Kapitalismus.“

          Was man ihnen zugute halten muss.

        • @ Adrian

          Nehmen wir mal die sogenannte antideutsche Linke.
          (Von dieser halte ich zwar genausowenig wie von ihren Kontrahenten, den Antiimps, aber darum soll es jetzt nicht gehen).

          Vertreter dieser u.a. islamismuskritischen linken Strömung kommen u.a. in einflussreichen linken Publikationen wie „Jungle World“ und „Konkret“ zu Wort.
          Und gerade innerhalb dieser u.a. islamismuskritischen linken Strömung gibt es mehrere Anhänger der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule.

          Und gerade innerhalb derjenigen beiden linken Strömungen, die tatsächlich einen irrationalen Hang zu mangelnder Kritik an problematischen Aspekten des Islam haben – innerhalb des radikalen Flügels der sogenannten antiimperialistischen Linken und innerhalb des politisch korrekten Vulgär-Poststrukturalismus gibt es in der Regel keine Bezugnahmen auf die Kritische Theorie der Frankfurter Schule.

          Und solche Dinge sind auch nicht schwer herauszufinden.
          Wer scharf kritisiert, hat sich vorher mit dem Gegenstand seiner Kritik zu beschäftigen und zwar aus verlässlichen Quellen.

        • @Adrian:
          Roslin definiert hier einen weit verbreitetes linkes Denken mit einem im konservativen Milieu weitverbreiteten Begriff.

          Nein, Roslin betreibt eine sehr krude Feindbildpflege. DieLinke als Sündenbock für alles Übel, gar für den baldigen Untergang des Abendlandes.

          Er spannt Männerrechte vor seinen Karren konservativer Kulturkritik – als ob ein solcher Konservativismus traditionell überhaupt nichts mit dem Dämon Mann zu tun hätte.

          Du müsstest es eigentlich besser wissen, kaum jemand musste in der Geschichte unter dieser Dämonisierung mehr leiden als Homosexuelle.

          Was mit solchen Nebelkerzen verschleiert wird ist der Konnex zwischen „rape culture“ und dem §175. Galt der etwa für Lesben? Warum nur nicht?

          Darin sehe ich das Hauptproblem, mir geht es nicht um die Ehrenrettung irgendwelcher Pseudolinker, die meinen der vorherrschende Feminismus sei unheimlich revolutionär.

        • @ bertrandolf
          „Allerdings würde ich mich dann fragen, wo jemand steht, der eine Seite betrebt, wo schon das Wort “gay” beeinhaltet ist.“

          Ich verstehe jetzt nicht ganz , worauf Du hinauswillst.

          „“Das Feindbild “andersfarbige, homosexuelle Frau” .“

          Das gibt es selbsverständlich auch, aber wer Feindbild A ablehnt, muss doch nicht deshalb nicht zwangsläufig Feiindbild B pflegen.

        • @ Nick
          „Nein, Roslin betreibt eine sehr krude Feindbildpflege. DieLinke als Sündenbock für alles Übel, gar für den baldigen Untergang des Abendlandes.“

          Natürlich tut er das. Habe ich auch gar nicht bestritten. Das heißt aber nicht, dass große Teile der Linken nicht Positionen wie Abschaffung der klassischen Familie, des Patriotismus und der Religion betrieben haben, alles natürlich mit dem Endziel Abschaffung des Kapitalismus.

          „Er spannt Männerrechte vor seinen Karren konservativer Kulturkritik“

          Natürlich tut er das, wie nicht wenige der hier versammelten Männer.

          „Du müsstest es eigentlich besser wissen, kaum jemand musste in der Geschichte unter dieser Dämonisierung mehr leiden als Homosexuelle.“

          Jetzt stelle mich doch nicht so hin, als würde ich Roslin zustimmen. Ich halte Kulturkonservatismus für Murks und die Anbetung von Institutionen wie Familie, Religion und Vaterland für albern. Das sollte man aus meinen sonsteigen Kommentaren eigentlich herauslesen können.

          „Was mit solchen Nebelkerzen verschleiert wird ist der Konnex zwischen “rape culture” und dem §175.“

          Was meinst Du damit?

          „Galt der etwa für Lesben? Warum nur nicht?“

          Weiß ich nicht. Ich habe eine Vermutung, kann diese aber nicht genau begründen. Was würdest Du denn als Grund sehen?

        • @Leszek

          und Muslime als “neues Proletariat” zu betrachten findet sich höchstens innerhalb des radikalen Flügels der antiimperialistischen Linken, die aber innerhalb der Rest-Linken als durchgeknallte Sektierer gelten und wenig Einfluss haben.
          ————–
          Sehe ich anders- in den auflagenstärksten linken Zeitschriften sind die Journalisten, die Islamismus verharmlosen, Muslime als die neuen Juden sehen und Verständnis für Leute zeigen, die sich auf Marktplätzen in die Luft sprengen, recht dominant, im Spiegel (bspw. Jakob Augstein), in der Sueddeutschen und Frankfurter Rundschau(bspw. Schwester Augstein, Heribert Prantl), in der TAZ (Daniel Bax) usw..

          Die Studie bzw. die Studien, die Menschen, die den Islam als rückständig ansehen, als rassistisch und islamophob diffarmieren und Muslime als neue Juden darstellen stammen von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

          http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-der-friedrich-ebert-stiftung-die-juden-von-heute-sind-muslime.af88bb43-9367-43cb-85ee-4e701a94ede2.html

          Die SPD lädt Fatah-Vertreter ins Willy-Brandt-Haus ein und sieht sie als Partnerorganisation- Sigmar Gabriel war ein paar Wochen vorher in Hebron, wo die israelische Armee unter großem Aufwand die Araber davon abhält die paar hundert Israelis in Hebron zu lynchen- Gabriel findet das aber nicht schlimm, sondern wirft den Israelis Apartheit vor, aber nicht den Palis und anderen Arabern, die sich damit rühmen, was Hitler nicht geschafft hat- ihre Länder vollkommen judenrein zu machen.

          In NRW haben SPD und Grüne den Islamunterricht eingeführt- Inhalte werden dabei abgestimmt unter anderem mit DITIB (also Erdogans AKP) und Milli Görus, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden und bspw. solche lustigen Aktionen bringen-

          (also sich vor eine Wohnung mit Israel-Flagge stellen und „Tod den Juden“ rufen)

          Die Linkspartei setzt sich gegen Sanktionen gegen den Iran ein ud für das Recht des Irans auf Nutzung von Atomenergie (obwohl sie ja eigentlich gegen Atomkraft sind, aber bei Holocaustleugnern, die Judenn ins Meer treiben wollen macht sie gern mal eine Ausnahmen).

          Oder guck dir an, wie viele deutsch-jüdische Schriftsteller/Autoren, sich angewidert von der Linken abgewendet haben, wegen deren Antisemitismus und Appeasement ggüber dem radikalen Islam- Henryk Broder, Ralph Giordano und Alan Posener, um nur mal ein paar zu nennen.

          Die Muslime als neues Proletariat findet sich überall in der Linken- ihnen wird jedes noch so menschenverachtende Verhalten verziehen und stillschweigend geduldet oder sogar noch unterstützt (wie Judith Butler, die die Hamas eine linke Organisation nennt) und die Programmatik der meisten linken Organisationen und Parteien zielt darauf ab Leute, die den Islam kritisieren, als Rassisten zu stigmatisieren, geschehen auch bei Menschenrechtlern wie Hamed Abdel-Samad, Seyran Ates oder Necla Kelek.

          Die Mohammed-Karikaturen wurden von den meisten Linken verurteilt und NRW`s Innenminister Ralf Jäger hat das Zeigen dieser Karikaturen auf Demos untersagt, wofür er eigtl aus dem Amt gejagt gehört. Währenddessen wird in Köln fast täglich auf der Domplatte eine Karikatur gezeigt auf der ein Jude ein Pali-Kind verspeist (von Walther Herrmann).

          Es ist leider so, dass ein Großteil der Linken Islamkuschler sind und ein nicht unwesentlicher Teil Antisemiten- von Ströbele stammt bspw. der Satz, „Wenn ich eine Eskalation des Krieges damit verhindern könnte, daß eine Million Juden sterben müßten, würde ich das in Kauf nehmen“, und der wird trotzdem noch als Direktkandidat aufgestellt, Günther Grass wurde nach seinem Gedicht größtenteils innerhalb der Linken verteidigt und das Gedicht selbst ja auch in einer linken Zeitschrift, der Sueddeutschen, veröffentlicht, ich könnte die Beispielliste von linken Antisemitismus und Islamismusappeasement ewig fortsetzen, man stößt jeden Tag, in fast jeder linken Publikation, Partei oder NGO darauf.

          Vlt. das noch als Anregung:

          http://www.taz.de/!93788/

        • @Adrian:
          Das heißt aber nicht, dass große Teile der Linken nicht Positionen wie Abschaffung der klassischen Familie, des Patriotismus und der Religion betrieben haben, alles natürlich mit dem Endziel Abschaffung des Kapitalismus.

          Es gibt solche Tendenzen zweifelsohne. Allerdings würde ich behaupten, dass die Mehrzahl der sich als „links“ Bezeichnenden nach einer Familie strebt.

          Es ist die Frage was das Schlagwort „Abschaffung der klassischen Familie“ bedeuten soll. Heißt es, wie von manchen Kommunarden angestrebt, die Abschaffung der Zweierbeziehungen und die Kollektivierung der Kinder? Solche Ideen kann man wohl ebenso getrost unter „gescheitert“ verbuchen wie die proletarische Revolution. Diese Idee fand schlicht keinen fruchtbaren Boden, geschweige denn gesellschaftliche Verbreitung.

          Wenn dieses Schlagwort allerdings z.B. für die hohen Scheidungszahlen oder die kleineren Geburtszahlen herhalten muss – und dahin tendieren konservative Kulturkritiker – dann ist das wohl eher eine Verschwörungstheorie: Das ist wohl ganz klar eine Folge von Verhütung und einer größeren Freiheit, sich scheiden lassen zu können. „Free Sex“ hat vielfältige historische Wurzeln, unter Anderem bei den Eugenetikern. Seine politische Durchschlagskraft bezog es aber vor allem aus dem „Rotz der Aufklärung“ – und eben nicht von den paar obengenannten Spinnern. Folgerichtig beklagt auch Gabriele Kuby den „Rotz der Aufklärung“ ebenso vehement wie Nadine Latnzsch.

          Koninzidenz != Kausation.

          Was meinst Du damit?

          Die große Welle der Schwulenverfolgung in den 1950ern war gleichzeitig eine Welle der Skandalisierung von Pädophilie. Weil man beides Gleichsetzte.

          Männliche Sexualität gilt als inhärent sozialschädlich und höchst gefährlich, sie müsse streng eingegrenzt werden. Jede „Abweichung“ unterminiert angeblich das „Fundament der Zivilisation“ und birgt höchste und unmittelbare Gefahr für FrauenUndKinder.

          Homosexuelle und Pädophile sind für solche Weltbilder das Gleiche: Männer, die „Pervers“ sind und ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben.

          Da zieht die Dworkin am gleichen Strang wie die Kuby, für Dworkin haben pöse Männer ihren „Machttrieb“ nicht unter Kontrolle.

          „rape culture“ ist ein schönes Frame, mit dem man solches Gedankengut als „progressiv“ verbrämen kann. Es geht gleichermaßen gegen den „Rotz der Aufklärung“

        • @ Zara

          Ich denke, hier muss man klar unterscheiden zwischen einer von kulturrelativistischem Multikulturalismus geprägten Haltung einerseits und einer Sichtweise von Muslimen als „revolutionärem Subjekt“ andererseits.

          In der Mehrheit aller Fälle steckt hinter einer Tendenz zur Verharmlosung problematischer Aspekte des Islam innerhalb der Linken ja keine Ideologie, nach der Muslime ein „revolutionäres Subjekt“ zur Überwindung des Kapitalismus darstellen, sondern eine als Antirassismus mißverstandene oberflächliche Toleranz.
          Das ist der eigentliche postmoderne Multikulturalismus, der seine Wurzeln nicht in neo-marxistischen Theorien hat, sondern in einer US-amerikanischen einseitigen und dogmatischen Poststrukturalismus-Rezeption in Verbindung mit einigen originären US-amerikanischen Quellen.

          Davon abgesehen gibt es auch noch den antiimperialistischen Flügel innerhalb der Linken, der zumindest in seinen radikalen Formen auch mit nationalistischen und religiös-fundamentalistischen Gruppierungen sympathisiert und diese als „revolutionäres Subjekt“ im Weltmaßstab betrachtet. Diese linke Strömung scheinst du als einflussreicher einzuschätzen als ich das tue.
          Aber auch hier speist sich diese Ideologie nicht aus neo-marxistischen Theorien, sondern aus dem klassischen linken Antiimperialismus.

          Und Anhänger der Kritischen Theorie finden sich stattdessen nicht gerade selten bei den islamismuskritischen und antiimperialismuskritischen Antideutschen.

        • @ Leszek

          *Weiß ich nicht. Ich habe eine Vermutung, kann diese aber nicht genau begründen. Was würdest Du denn als Grund sehen?*

          Ich würde den Hauptgrund darin sehen, dass Lesben Frauen sind = Kindmenschen – muss man nicht so ernst nehmen.

          Eine Haltung, die bei vielen mächtigen Männern anzutreffen ist („Gedöns!“) und zu der fatalen Unterschätzung der Gefährlichkeit einer Frauenideologie wie dem Feminismus beiträgt.

          Außerdem wird von rechten wie linken Etatisten (auch Stalinisten/Maoisten/Marxisten-Leninisten verfolgten Schwule, nicht nur Faschisten – die noch am wenigsten – und Nazis) die Lesbe als Frau natürlich nicht als Gefährdung des Leitbildes „Kämpferischer heterosexueller Mann“ wahrgenommen, der von zentraler Wichtigkeit für die Formierung des Grundbausteines starker Staaten (als Oberhaupt von Familien, als Soldat in Uniform und Arbeitssoldat im Blaumann) ist.

          So haben Frauen/Lesben hier mehr „Freiheit“, weil sie als unwichtiger/unverantwortlicher eingeschätzt werden.

        • Ich würde den Hauptgrund darin sehen, dass Lesben Frauen sind = Kindmenschen – muss man nicht so ernst nehmen.

          Das ist das Standardargument der FeministInnen: Weil man DieFrau sowieso nicht ernst genommen habe. (Womit auch brutal Verfolgten ein „Privileg“ angedichtet wird)

          Tatsache ist, dass man promiske Frauen durchaus stark verfolgt hat. Da scheint man sie also durchaus ernst genommen zu haben.

          ..der von zentraler Wichtigkeit für die Formierung des Grundbausteines starker Staaten (als Oberhaupt von Familien, als Soldat in Uniform und Arbeitssoldat im Blaumann) ist.

          Das ist ja letzlich das „Fundament der Gesellschaft“ – „Argument“.

          Solche Kalküle bedürfen aber eines tiefen Ressentimentes, damit sie politisch durchsetzbar sind. Und das Ressentiment speist sich wohl ganz klar aus dem Dämon „männliche Sexualität“, die ungezüglelt sehr gefährlich sei.

          Einen vergleichbaren Dämon „weibliche Sexualität“ gab es in der frühen Neuzeit, allerdins verschwand dieser offenbar vollständig im 18. Jahrhundert.

          Vermutlich, war da Marcuse im Spiel 😀

        • @Nick
          Und das Ressentiment speist sich wohl ganz klar aus dem Dämon “männliche Sexualität”, die ungezügelt sehr gefährlich sei.

          Was aber nicht verhindert, dass auch sehr promiske („ungezügelte“) Männer ziemliche Schwulenhasser sein können.

        • Was aber nicht verhindert, dass auch sehr promiske (“ungezügelte”) Männer ziemliche Schwulenhasser sein können.

          Kann schon sein, dann wird dieser Mann wohl behaupten, dass seine Sexualität „natürlich“ – und nicht „pervers“ – sei. Deshalb keiner Kontrolle bedürfe. Letztlich ist es aber eine Kontrolle, wenn Sex nicht nach Gusto praktiziert werden darf. Eigentlich sollte ja eine solche Kontrolle nur statthaft sein, um die Freiheit anderer zu schützen.

          Da unterscheiden sich offenbar die „free sex“-Eugenetiker (die auch den NS beeinflußten) von den Konservativen: Der Konservative sieht den männlichen Trieb nur im Hafen der Ehe als nicht sozialschädlich, der Eugenetiker nur dann, wenn er das Erbgut des Volkes aufbessere.

          Interessant in dem Zusammenhang ist, dass neben männlichen Homosexuellen kindervernachlässigende und sexuell promiske Frauen als „asozial“ und damit volksschädlich galten, Lesben aber offenbar nicht. Die einzig mögliche „Perversion“, die man bei Frauen sah war offenbar Promiskuität. Dann war die Frau eben keine richtige Frau. Gute Frage, ob der homosexuelle Mann kein richtiger Mann war: Als Aktiver Part scheint er mir diesen Status nicht verloren zu haben.

          Er war eben ein pöser Mann..

        • @Nick
          Ich glaube eher nicht, dass die feindliche Haltung gegenüber männlicher Homosexualität hauptsächlich durch eine konservative Sexualmoral motiviert ist. Ich habe irgendwie den Eindruck, dass da tiefverwurzelte Ekelgefühle im Spiel sind. Selbst in gesellschaftlichen Kreisen, die nicht im Verdacht stehen, prüde zu sein, sieht man es doch extem selten, dass Männer sich küssen oder Händchen halten. (Bei Frauen überhaupt kein Problem.) Und ich habe den Eindruck, dass sich das kaum ändert, dass wir uns hier regelrecht im Stillstand befinden. Obwohl wir doch Schwulen weitgehend gleiche Rechte zugestehen, es gut finden, wenn Politiker sich als schwul outen usw.

        • @Stefan:

          Ich glaube eher nicht, dass die feindliche Haltung gegenüber männlicher Homosexualität hauptsächlich durch eine konservative Sexualmoral motiviert ist.

          Meine eigentliche These war ja auch, dass die krasse Verfolgung männlicher Homosexualität viel mit der Dämonisierung der männlichen Sexualität zu tun hat.

          Das muss ja nicht auf konservative Kreise beschränkt sein.

        • @Nick
          Eine gewisse Tabuisierung homosexualler Handlungen scheint mir absolut universell zu sein.

          Ich hätte Zweifel, dass eine „krasse Verfolgung“ von männlicher Homosexualität auch außerhalb von konservativer Kreisen stattfinden kann. Wobei ich mich sicher nicht so gut auskenne wie du. Du meinst so etwas wie Strafverfolgung?

          • @Stephan

            „Eine gewisse Tabuisierung homosexualler Handlungen scheint mir absolut universell zu sein.“

            Ja, das scheint mir auch sehr verbreitet zu sein.Ich wollte auch schon länger mal was dazu schreiben.
            Evolutionär ist es verständlich, dass gerade Männer ungern für schwul gehalten werden wollen, weil das die Weitergabe von Genen nicht erleichtern würde. (was natürlich nicht zu einem naturalistischen Fehlschluß berechtigt, dass deswegen Homosexualität falsch ist)

        • „Evolutionär ist es verständlich, dass gerade Männer ungern für schwul gehalten werden wollen, weil das die Weitergabe von Genen nicht erleichtern würde.“

          Ich kenne allerdings auch heterosexuelle Männer, die Hs. weder ekelig finden und denen es schnurzegal ist, wenn man sie für schwul hält. Ich würde schon sagen, dass da ein großer kultureller Anteil mit reinspielt.

        • Thema Lesben in der NS-Zeit:

          „Im Unterschied zu männlichen Homosexuellen, die durch den § 175 StGB kriminalisiert und verfolgt waren, fand dieser Paragraf auf lesbische Frauen keine Anwendung (mit Ausnahme des annektierten Österreichs, wo ein entsprechender Paragraf seit 1804 existierte). Im Zusammenhang mit Verschärfungen des §175 gab es 1935 starke Tendenzen, ihn auf Lesben anzuwenden. Die „amtliche Strafrechtskommission“ kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass „ein wichtiger Grund für die Strafbarkeit des gleichgeschlechtlichen Verkehrs die Verfälschung des öffentlichen Lebens“ ist, dies „kommt aber bei Frauen, bei der verhältnismäßig geringen Rolle der Frau im öffentlichen Leben, kaum in Betracht“. Zu ähnlichen Schlüssen gelangt Dr. Schäfer, Reichsminister der Justiz, in einem Schreiben von 1942. Unter dem Betreff „Widernatürliche Unzucht zwischen Frauen“ schreibt er: „Die gleichgeschlechtliche Betätigung zwischen Frauen ist – abgesehen von Dirnenkreisen – nicht so verbreitet wie bei Männern und entzieht sich angesichts der innigeren Umgangsformen des gesellschaftlichen Verkehrs zwischen Frauen mehr der Beobachtung der Öffentlichkeit. … Der wichtige Grund für die Strafbarkeit der Unzucht zwischen Männern, der in der Verfälschung des öffentlichen Lebens durch die Schaffung von persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen liegt, trifft bei Frauen wegen ihrer weniger maßgebenden Stellung in staatlichen und öffentlichen Ämtern nicht zu. Endlich sind auch Frauen, die sich einem widernatürlichen Verkehr hingeben, nicht in dem Maße wie homosexuelle Männer für immer als Zeugungsfaktoren verloren. Da sie sich erfahrungsgemäß oft später wieder einem normalen Verkehr zuwenden.“[…]

          Bedeutsamer war, dass Lesben der Bestimmung der „arischen“ und „erbgesunden“ Frau zu Mutterschaft und Ehe nicht gerecht werden konnten. Sie waren von der Propaganda gegen ledige und kinderlose Frauen besonders stark betroffen.

          Rassenhygieniker und die SS sprachen von Homosexuellen als dem „Prototyp“ der „Asozialen“. Lesbische Frauen wurden daher oft als Prostituierte diffamiert.[…]

          Über die Situation von Lesben im Gefängnis oder Konzentrationslager gibt es von der Verfolgerseite kaum Quellenmaterial: Unter anderem, wie schon erwähnt, da es keine spezielle Kennzeichnung von lesbischen Frauen gab. War kein weiteres Stigma vorhanden (z.B. rassistische Verfolgung oder die Zugehörigkeit zur KPD), wurden sie zumeist als „Asoziale“ deklariert und mussten den schwarzen Winkel tragen. In Einzelfällen tauchte in den Zugangslisten im Konzentrationslager Ravensbrück neben dem Haftgrund (z.B. „asozial“) die zusätzliche Bemerkung „lesbisch“ auf.Unbekannt bleibt, welche zusätzlichen Schwierigkeiten Gefangene durch diese Zuschreibung bekamen. An einzelnen Beispielen läßt sich nachvollziehen, dass Nazischergen ihre sexistischen Gewaltphantasien an gefangenen lesbischen Frauen besonders brutal auslebten.[…]

          Neben den vorher dargestellten lesbischen Frauen gab es Frauen, die im Konzentrationslager vorübergehende sexuelle Kontakte mit Frauen hatten. Dieser Aspekt wird in der vorhandenen Literatur als „Lagerhomosexualität“ bezeichnet.

          Sie stand unter Strafe wie jedes andere, noch so geringe Vergehen auch. In Ravensbrück war 1941 bereits „Hände geben“ als „lesbisch“ verboten. Es gab Prügelstrafen bis hin zur Einweisung in den Strafblock. In jedem Fall sollten Paare getrennt werden. Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, schrieb 1947, dass auch im Frauenlager „die Seuche der lesbischen Liebe grassierte,“ der durch die stärksten Strafen kein Einhalt geboten werden konnte.[…]

          Wir konnten das Ergebnis von Ilse Kokula und Claudia Schoppmann nachvollziehen, dass es keine systematische Verfolgung von lesbischen Frauen – vergleichbar der von Schwulen – im Nationalsozialismus gegeben hat. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema stießen wir aber auf immer mehr Hinweise, wie Lesben diskriminiert und verfolgt wurden. Zu Anfang schien es, es gäbe fast kein Material, und dann lohnte es sich doch, in bereits einmal gelesenen Büchern nachzuschauen oder Bekannte etc. zu fragen. Solange niemand etwas wissen will, gibt es dieses Wissen auch nicht.“

          http://www.widerstand-1933-1945.de/content/article/127/

          Was man hingegen inzwischen weiß/wissen könnte:

          „Ausgerechnet der Pedant Himmler war, gemessen an der Zahl ‚seiner’ Zwangsprostituierten, der wohl größte Zuhälter der deutschen Kriminalgeschichte. Lagerbordelle wurden zwischen 1942 und 1945 in den meisten großen Konzentrationslagern eingerichtet und sollten männlichen Häftlingen als Anreiz zur Mehrarbeit dienen. Die Idee der Einrichtung von Lagerbordellen geht zurück auf einen Besuch Heinrich Himmlers im Konzentrationslager Mauthausen und der umliegenden Steinbrüche. Nach seinen Vorstellungen sollte die totale Ausbeutung der Arbeitskraft von männlichen Häftlingen durch die Einführung von Gratifikationen forciert werden. Privilegierten männlichen Häftlingen sollte der Besuch des ‚Sonderbaus’, so der Euphemismus der SS für diese Bordellbaracken, erlaubt werden. Himmler dazu 1942: „Für notwendig halte ich allerdings, dass in der freiesten Form den fleißig arbeitenden Gefangenen Weiber in Bordellen zugeführt werden.“ Außerdem müsse ein „gewisser kleiner Akkordlohn“ gezahlt werden, wies Himmler den Chef des neu gegründeten ‚Wirtschafts-Verwaltungs-Hauptamtes’ Oswald Pohl an, dem die Zuständigkeit für alle Konzentrationslager übertragen worden war. Als Grund gab Himmler an: „Wenn diese beiden Bedingungen gegeben sind, wird die Arbeitsleistung enorm steigen.“ Rund zwei Monate später ging versuchsweise das erste Lagerbordell in Betrieb, in Mauthausen, Oberösterreich.[…]

          Als jedoch immer mehr Häftlingsbordelle errichtet werden, zwölf insgesamt, reicht der Nachschub aus dem ‚Hurenblock’ nicht mehr aus. Jetzt werden auch Frauen, die sich anderer ‚asozialer’ Vergehen ‚schuldig gemacht’ haben, für die verordneten Vergewaltigungen ausgesucht: Zum Beispiel Lesben oder solche, die mit einem Juden, Franzosen oder Polen ‚Rassenschande’ begangen hatten. Letztlich müssen auch die ‚Politischen’ ihren eigenen Genossen zu Diensten sein. Bei der Rückkehr ins Lager werden sie dann zu ‚Asozialen’ heruntergestuft. Wenn sie zurückkehrten. Denn wer schwanger oder geschlechtskrank geworden war, wird ‚liquidiert’.[…]

          Mindestens 35.000 Frauen wurden bis zum Ende der braunen Ära in Bordelle verschleppt. Die meisten von ihnen rekrutierten die SS Schergen im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück.[…]

          Während also die Existenz der Lagerbordelle nach 1945 nie geheim war, wurde an die Leiden der Insassinnen dennoch eher verdrängt. Nur in Mauthausen und Gusen sind die Baracken erhalten, in denen die Frauen sich Konzentrationslagerprostituieren mussten. In der Gedenkstättenarbeit spielte das Thema jahrzehntelang eine höchstens untergeordnete Rolle, wurde oft sogar ganz verschwiegen. Fast alle Frauen verschwiegen nach dem Krieg, zur Arbeit in einem Lagerbordell gezwungen worden zu sein. Die Frauen wurden von der SS meist als ‚Asoziale’ bezeichnet, diese Bezeichnung blieb auch nach dem Krieg in den Köpfen der Behörden bestehen. Möglicherweise auf Grund dieses Rufes verweigerten ihnen nach dem Krieg beide deutschen Staaten die Anerkennung ihres Opferstatus. Sie waren der Öffentlichkeit zumeist unbekannt und wurden erst seit den 1990er Jahren von Wissenschaftlern thematisiert. Bis in die 1990er Jahre galten die Betroffenen nicht als Opfer der Naziherrschaft und erhielten keine Entschädigung.“

          http://www.wider-des-vergessens.org/index.php?option=com_content&view=article&id=62%3Ader-auschwitz-erlass&catid=7&Itemid=36&limitstart=8

          M.W.n. die jüngste Meldung aus der Richtung:

          „Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten habe nach intensiven Diskussionen eine besondere Erinnerungstafel abgelehnt, da bislang keine Fälle nachgewiesen seien, in denen Frauen wegen ihrer sexuellen Identität in das Konzentrationslager verschleppt wurden, sagte Stiftungsdirektor Günter Morsch dem epd am Freitag in Oranienburg.

          Auch Vermutungen, dass Lesben unter dem Vorwand asozialen Verhaltens in Ravensbrück inhaftiert wurden, seien nicht überzeugend nachgewiesen, sagte Morsch. Die Anbringung einer Gedenktafel sei jedoch möglich, wenn die besondere Verfolgung lesbischer Frauen durch neue Forschungsergebnisse belegt werden könne. Der Vorstoß zu der Gedenktafel kam von unterschiedlichen Homosexuellen-Verbänden.

          Ravensbrück bei Fürstenberg an der Havel war das größte NS-Frauen-Konzentrationslager. Zwischen 1939 und 1945 waren dort rund 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.000 weibliche Jugendliche inhaftiert. Zehntausende wurden ermordet, starben an Hunger und Krankheiten oder durch medizinische Experimente.“

          http://aktuell.evangelisch.de/artikel/76155/kz-gedenkstaette-ravensbrueck-bekommt-keine-gedenktafel-fuer-lesben

        • @ Leszek

          *Gender/Queer/Critical Whiteness Studies z.B. vertreten im Allgemeinen kein Programm zur Überwindung des Kapitalismus.*

          Bist Du da sicher ?

          Ich glaube es nicht.

          Denn viele scheinen das anders zu sehen (wie ja auch Ex-Linke wie David Horowitz oder Peter Hitchens in ihren linken Zusammenhängen andere Erfahrungen gemacht haben als Du).

          Z.B. diese Queeren hier:

          http://www.ecn.org/agaybologna/index.php?option=com_content&view=article&id=1:queer-anti-capitalism&catid=2:movimento-lgbtq-internazionale&Itemid=14

          *- Finally, and that is why there can be no lgbt freedom under capitalism, lgbt issues are also political because sexual discrimination has political origins and political purposes. The tigth control of women’s sexuality cannot be separated from the economical and productive system, because in capitalist societies, as before, women are still supposed to reproduce the labour force, wich explains why more restritive laws on women’s rigths are put forward especially in times of economical crisis. The same thing happens with the lgbt issue, even if its connection to the productive system is more undirect. Still, if the patriarchal family and its limitating gender roles are the instruments of women’s oppression, then, lgbt people are, for what they represent, the main defiers of these roles. We simply do not comply to the imposed models of masculinity and feminility, and for political and economical reasons, the capitalist system – as others before – cannot accept that. Wich gives homosexuality and transgenderism an enourmous subversive potential, even if not by itself but trough the political councioussness we must work for. If we want to change the heterosexist society, what must change, us or society? Why speaking of integration, then, and not of a wide social transformation? And why this fear of being political? [Vielleicht weil es die Geldgeber verärgern könnte und es daher taktisch klug ist, sie nicht frontal anzugreifen?]

          Oder diese Doktorarbeit aus dem Bereich der Critical-Whiteness-Pädagogik

          http://conservancy.umn.edu/handle/152668

          *This dissertation focuses on a pedagogical analysis of the intersections of white racial identity, nationalism, and neoliberalism as they manifest and impact teachers and teacher education. After first detailing how my own family became white, I discuss my method in this work in two ways: first, as a form of Freirean Critical Study (an elaboration of Freire, 2006); and secondly, through an overview of Marxism, Marx’s importance for working against neoliberalism, and the anti-capitalist foundations of the work. Next, I provide a conceptual history of white racial identity in the United States focusing on the ways in which whiteness is invented and imagined out of blackness and how this „inventing“ functions to secure the material interests of the (white) owners of the means of production. I work to show how whiteness and white supremacy work to normalize and maintain capitalism through a logic of racial hierarchy and exclusion.*

          Oder die einflussreiche feministische Philosophin Nancy Fraser (gerade im Gender-Studies-Bereich hochgeschätzt und breit rezipiert):

          *Nancy Fraser’s major new book traces the feminist movement’s evolution since the 1970s and anticipates a new—radical and egalitarian—phase of feminist thought and action.

          During the ferment of the New Left, Second Wave feminism emerged as a struggle for women’s liberation and took its place alongside other radical movements that were questioning core features of capitalist society. But feminism’s subsequent immersion in identity politics coincided with a decline in its utopian energies and the rise of neoliberalism. Now, foreseeing a revival in the movement, Fraser argues for a reinvigorated feminist radicalism able to address the global economic crisis. Feminism can be a force working in concert with other egalitarian movements in the struggle to bring the economy under democratic control, while building on the visionary potential of the earlier waves of women’s liberation. This powerful new account is set to become a landmark of feminist thought.*

          Dazu passend Michael Kleins aktuelle Auseinandersetzung mit dem, was er „Berliner Görenaufstand“ nennt:

          http://sciencefiles.org/2013/10/19/berliner-gorenaufstand-wie-feministen-wissenschaft-missbrauchen/

          *Und es zeigt einmal mehr, dass Feminismus in Deutschland und Staatsfeminismus im Besondern ein zutiefst sozialistisches Unterfangen ist, das bei den Berliner Gören auf der Vorstellung aufbaut, man lebe im Paradies und die gebratenen Maiskolben kämen zu allen, die sie bestellten.*

        • “ Wich gives homosexuality and transgenderism an enourmous subversive potential, even if not by itself but trough the political councioussness we must work for.“

          Na, das klingt doch genau wie das, was ich meine, in der Linken beobachten zu können: „Die Mehrheit der Linken hat das insgeheim erkannt, sich stillschweigend abgewandt und sich neue “revolutionäre Subjekte” (Frauen, Homos, Moslems) gesucht.“

          Vielleicht kann diesen Linken ja mal jemand sagen, dass Homos Menschen sind und keine revolutionären Subjekte und deren Sexualität kein Politikum ist!

          „the capitalist system – as others before –cannot accept that.“

          Komischerweise ist das westliche kapitalistische System jenes, in dem Homos am meisten akzeptiert werden. Aber das bekommt man in Queer-Theorie-Seminaren vmtl. nicht mit.

        • @ Roslin

          „Bist Du da sicher ?“

          Ja, da bin ich mir sicher. Ich besitze mehrere Bücher zu diesen Themen und kenne auch Leute aus diesen Kreisen.
          Natürlich verstehen sich viele als kritisch gegenüber dem neoliberalen Kapitalismus (das tut wohl fast jeder innerhalb der Linken), aber eine im eigentlichen Sinne antikapitalistische, auf Überwindung des Kapitalismus und Erreichen einer Form von Sozialismus ausgerichtete Einstellung und Strategie ist im Allgemeinen kein Teil der theoretischen Grundlagen und des Programms dieser Strömungen.
          Da nützt das Herausgreifen von Einzelfällen, die man immer finden wird, auch nichts! Diese bestätigen nur die Regel.

          „Oder die einflussreiche feministische Philosophin Nancy Fraser (gerade im Gender-Studies-Bereich hochgeschätzt und breit rezipiert):“

          Nancy Fraser ist eine bedeutende politische Philosophin (mit dem speziell feministischen Teil ihrer Ansichten habe ich mich noch wenig beschäftigt und kann diesen daher nicht ausreichend beurteilen).
          Sie vertritt allerdings gerade eine seltene Gegenposition zu den gewöhnlichen vulgär-poststrukturalistischen, politisch korrekten Strömungen, indem sie für eine stärkere Berücksichtigung ökonomischer Faktoren plädiert – weg von der reinen „Politics of Difference“ und „Politics of Identity“, die nur dem neoliberalen Kapitalismus nützt, hin zu einer Politik der sozialen Gerechtigkeit. In dieser Hinsicht ist Nancy Fraser eine KRITIKERIN des Mainstreams in den Gender/Queer Studies. Was nicht verwundert, denn Nancy Fraser steht tatsächlich in der Tradition der Kritischen Theorie – im Gegensatz zum Mainstream in den Gender Studies, der damit nichts am Hut hat (was man jedem Einführungswerk der Gender Studies problemlos entnehmen kann).
          Aus diesem Grund werde ich mich mit Nany Frasers Kritik an den vulgär-poststrukturalistischen Strömungen in den USA auch noch genauer beschäftigen, denn ihr Werk enthält sicherlich Elemente, die sich für eine Kritik an der Political Correctness (aus linker Perspektive) nutzbar machen lassen.

        • Nancy Fraser:

          „War es bloßer Zufall, dass Neue Frauenbewegung und Neoliberalismus gleichzeitig, sozusagen als Tandem, in Erscheinung traten und gediehen? Oder gab es zwischen ihnen so etwas wie eine unappetitliche, untergründige Wahlverwandtschaft? Diese zweite Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen, ist Ketzerei, gewiss, aber wir schaden uns nur selbst, wenn wir versäumen, ihr nachzugehen. Fest steht, dass der Aufstieg des Neoliberalismus das Terrain, auf dem die Neue Frauenbewegung operierte, dramatisch veränderte. Das Ergebnis war, so meine These, eine Umdeutung feministischer Ideale. Bestrebungen, die im Kontext des staatlich organisierten Kapitalismus eine eindeutig emanzipatorische Stoßrichtung besaßen, gewannen in der neoliberalen Ära einen weitaus zwiespältigeren Sinngehalt. Verschaffen wir uns also ein klareres Bild von dieser Umdeutungsdynamik, indem wir die vier oben skizzierten Brennpunkte erneut ins Auge fassen.
          Der Bedeutungswandel des feministischen Anti-Ökonomismus: Der Aufstieg des Neoliberalismus fiel zeitlich mit einem Wandel in der politischen Kultur der kapitalistischen Gesellschaften zusammen. Gerechtigkeitsforderungen kamen in dieser Periode immer häufiger als Forderungen nach Anerkennung von Identität und kultureller Differenz daher. Mit dieser Akzentverschiebung „von der Umverteilung zur Anerkennung“ geriet die Neue Frauenbewegung unter massiven Druck, sich in eine „Identitätsbewegung“ zu verwandeln. In der Praxis führte das zu einer Tendenz, sozialökonomische Kämpfe solchen um Anerkennung unterzuordnen, während im Wissenschaftsbetrieb feministische Kulturforschung die feministische Sozialforschung zu verdrängen begann. Was als notwendiges Korrektiv gegen einseitigen Ökonomismus begonnen hatte, verkam auf diese Weise mit der Zeit zu einem ebenso einseitigen Kulturalismus.
          Zudem hätte das Timing gar nicht ungünstiger ausfallen können. Denn die Hinwendung zum Thema Anerkennung kam dem aufsteigenden Neoliberalismus nur zu gelegen, war dieser doch vor allem auf die Unterdrückung jeglicher Erinnerung an Zeiten des sozialen Egalitarismus aus. So kam es ausgerechnet in dem Augenblick, in dem die Umstände eine energische Rückwendung zur Kritik der politischen Ökonomie verlangt hätten, unter Feministinnen zu einer Verabsolutierung der Kulturkritik. Von der Kapitalismuskritik abgekoppelt und für gegensätzliche Auslegungen verfügbar geworden, ließ sich der kulturelle Strang der Bewegung in „eine gefährliche Liebschaft“ mit dem Neoliberalismus verwickeln, wie Hester Eisenstein formulierte.
          (…)
          So strömten rund um den Globus Frauen auf die Arbeitsmärkte, wodurch dem Familienlohn-Ideal des staatlich organisierten Kapitalismus ein für allemal der Boden entzogen wurde. Im „desorganisierten“ neoliberalen Kapitalismus trat an die Stelle dieses Ideals die Norm der Doppelverdiener-Familie. Was macht es schon, dass die hinter dem neuen Leitbild verborgene Realität in abgesenkten Entlohnungsniveaus besteht, in verminderter Arbeitsplatzsicherheit, sinkenden Lebensstandards, einem steilen Anstieg der pro Haushalt geleisteten Lohnarbeitsstunden, verschärften Doppelschichten – jetzt oft schon dritte und vierte Schichten – und einer Zunahme der Zahl weiblicher Haushaltsvorstände? Der desorganisierte Kapitalismus macht aus Scheiße Gold, indem er über die neue Geschlechtergerechtigkeit fabuliert und darüber, wie herrlich weit die Frauen es doch gebracht hätten.
          Ich behaupte also, so irritierend es klingen mag, dass die Neue Frauenbewegung, unwissentlich und unwillentlich, dem neuen Geist des Neoliberalismus eine ganz wesentliche Zutat lieferte.“

          (aus: Nancy Fraser – Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte)

          Da hat Nancy Fraser in diesen Passagen m.E. durchaus einiges Zutreffende gesagt.

        • @ Adrian

          „Na, das klingt doch genau wie das, was ich meine, in der Linken beobachten zu können: “Die Mehrheit der Linken hat das insgeheim erkannt, sich stillschweigend abgewandt und sich neue “revolutionäre Subjekte” (Frauen, Homos, Moslems) gesucht.”

          Wird durch Wiederholung nicht wahrer.
          Und der Artikel enthält übrigens sogar mehrere Passagen, in denen genau dies in Bezug auf sexuelle Minderheiten bestritten wird, (siehe Ende dieses Kommentars).

          „Vielleicht kann diesen Linken ja mal jemand sagen, dass Homos Menschen sind und keine revolutionären Subjekte und deren Sexualität kein Politikum ist!“

          Dass Homosexualität kein Politikum ist, ist normalerweise sogar eine der Grundaussagen der Queer-Theorie.
          Davon abgesehen, hat aber jedes homosexuelle Individuum (genau wie jedes heterosexuelle Individuum) selbstverständlich auch das Recht, eine kapitalismuskritische oder antikapitalistische Einstellung zu vertreten. Das ist Teil der Meinungsfreiheit

          „Komischerweise ist das westliche kapitalistische System jenes, in dem Homos am meisten akzeptiert werden. Aber das bekommt man in Queer-Theorie-Seminaren vmtl. nicht mit.“

          Sie begründen ihre Auffassung in der ersten Hälfte des von Roslin verlinkten Textes, der neben einigem Gender/Queer-Quatsch auch einige interessante Passagen enthält.

          Aus dem von Roslin verlinkten Artikel geht darüber hinaus aus mehreren Stellen klar hervor, dass der Mainstream der Queer-Theorie kein antikapitalistisches Programm vertritt und hier eine Minderheitenposition zu Wort kommt und dass die Linke Homosexuelle im Allgemeinen nicht als revolutionäre Subjekte betrachtet.

          Zitate aus dem Artikel hierzu:

          „Second, these are urgent political issues because they are tied to – and cannot be separated from – every other actual political issue, and this is often not recognized wether by lgbt movements, wether, even more often, by many of the social movements, unions or political organizations with whom the lgbt movement wants and has to relate with.“

          „So, the accelerating neoliberal and right-wing offensive in Europe is clearly a threat to our lives as LGBT people. But resistance movements against neoliberal globalization hardly take us into account, as well as lgbt organizations are rarely present in broader coalitions against neoliberalism and the right-wing attacks.“

          „But today, even among the progressive forces, we still face a dangerous unanimity around the idea of the supposed “secondary” caracther of lgbt struggles. Unhapilly, we can hear this from rigth-wing or left-wing organizations: we are told that lgbt issues are intimate or individual issues; that LGBT issues are not prioritary when compared with other social issues; that LGBT issues will be solved after other issues are solved and because of it. These ideas are particularly dangerous in the left-wing field, because its frequent indiference torwards our theme demonstrates that if in the rigth-wing there is and ideological homophoby, usually in the left-wing there is a cultural homophoby, not only expressed in colective political positions but also in personal relations.“

        • @ Leszek
          „Davon abgesehen, hat aber jedes homosexuelle Individuum (genau wie jedes heterosexuelle Individuum) selbstverständlich auch das Recht, eine kapitalismuskritische oder antikapitalistische Einstellung zu vertreten.“

          Ich wüsste jetzt nicht, wo ich das bestritten haben sollte.

      • @ Nick, Leszek

        @ Nick

        *Nein, Roslin betreibt eine sehr krude Feindbildpflege. DieLinke als Sündenbock für alles Übel, gar für den baldigen Untergang des Abendlandes.*

        Du vergisst bei meinem kruden Feindbild, dass mir ganz und gar nicht krude erscheint, noch nicht einmal als Feindbild, denn ich halte eine Linke ja für nötig, krude deshalb nicht, weil es das, was ich beobachte (und nicht nur ich, s. Adrian), mit einem „guten“ Sinn unterlegt, den Femizentrismus der Konservativen (samt ihrer Anbindung an den herrschenden Finanz-/Handels- und Konsumkapitalismus) und eben diesen von Radikalliberalen propagierten Finanz-/Handels-/Konsumkapitalismus.

        Ohne dieses „krude Feindbild“ müsste ich linke Politik für völlig enthirnt halten, enthirnt bis zu Bewusstlosigkeit.

        Auch wenn ihnen nicht bewusst zu sein scheint, wie sehr sie nützliche Idioten des Finanz-/Handels-/Konsumkapitalismus sind („Alle Wege von 68 führen letzten Endes in den Supermarkt!“)

        @ Leszek

        Ich hatte Dich bereits mehrfach auf 3 wichtige Werke von Herbert Marcuse hingewiesen, aus denen sich die Leitlinien gegenwärtiger Post-68’er-neu-linker Politik herleiten lassen:

        Eros and Civilization, The One Dimensional Man, Repressive Tolerance.

        Dein Hinweis, er spiele in der aktuellen linken Theoriedebatte keine Rolle, niemand verweise auf ihn, überzeugt mich nicht.

        Er könnte den Humus bereitet haben, auf dem heute Linkes aufwächst, so dass jede Pflanze den Geschmack dieser Erde annimmt.

        Er bestimmt das Klima, in dem sich Linke bewegen, dank seines enorm starken Einflusses auf die Studentenbewegung, deren Protagonisten (ob selbst aktiv oder stark durch sie beeinflusst) die heutigen Eliten zu einem großen Teil stellen.

        • Er könnte den Humus bereitet haben, auf dem heute Linkes aufwächst, so dass jede Pflanze den Geschmack dieser Erde annimmt.

          Ich könnte, mit der gleichen Beliebigkeit, behaupten dass der Feminzentrismus der Konservativen den Humus bereitet habe für die Idee, dass die Schlechtigkeit männlichen Machtstrebens für das Weltenleid verantwortlich sei.

          Wahrscheinlich kann ich dafür mehr Belege bringen als ein paar Konizidenzen in 2-3 Essays.

        • @Alexander
          Mich würde deine „linke Seite“ mal interessieren. Inwieweit würdest du soziale Absicherung und Verteilungsgerechtigkeit höher werten als wirtschaftliche Leistungsfähigkeit? Du hast doch gleichzeitig Angst davor, dass unser dekadentes Europa von aufstrebenden, leistungsfähigeren Staaten „geschluckt“ wird. Dass du linke Politik wichtig findest, erwähnst du eher selten und immer nur in Nebensätzen.

        • @ Roslin

          „Dein Hinweis, er spiele in der aktuellen linken Theoriedebatte keine Rolle, niemand verweise auf ihn, überzeugt mich nicht.“

          Ich befinde mich hier nicht in der Nachweispflicht.
          Es ist belegbar, dass Marcuse in den vulgär-poststrukturalistischen, politisch korrekten linken Strömungen keine nennenswerte Rolle spielt.

          Marcuses Schriften zur Zeit von 68 waren stark zeit- und kontextgebunden und gerade deshalb verschwand ihre Dominanz aus linken Debatten auch relativ schnell.

          „Er könnte den Humus bereitet haben, auf dem heute Linkes aufwächst, so dass jede Pflanze den Geschmack dieser Erde annimmt.“

          Marcuse hoffte, dass die neuen sozialen Bewegungen eine wichtige Rolle bei der Überwindung des Kapitalismus spielen. Politisch korrekte vulgär-poststrukturalistische Strömungen hingegen interessieren sich im Allgemeinen nicht für den Kampf gegen den Kapitalismus, sondern betreiben eine kontraproduktive Identitätspolitik. Das kann nicht von Marcuse her erklärt werden, sondern ist ein spezifisches Phänomen dogmatischer und fehlgeleiteter US-amerikanischer Poststrukturalismusrezeption.

          „Er bestimmt das Klima, in dem sich Linke bewegen, dank seines enorm starken Einflusses auf die Studentenbewegung, deren Protagonisten (ob selbst aktiv oder stark durch sie beeinflusst) die heutigen Eliten zu einem großen Teil stellen.“

          Die linken „Kulturkonservativen“ Adorno und Horkheimer gelten innerhalb der Linken als die beiden großen Denker der Frankfurter Schule, (als die sie auch dein letzter Papst zu Recht bezeichnet hat).

          Marcuses Einfluss auf die Linke erlosch weitgehend in den 70er Jahren, wie auch der konservative Marxismuskritiker und Marcuse-Hasser Kolakowski erwähnte.
          Der Nachweis irgendeiner einflussreichen, theoretisch an Marcuse angelehnten zeitgenössischen linken Strömung wird dir nicht gelingen – eine solche gibt es nicht.
          Politisch korrekte vulgär-poststrukturalistische Theorien unterscheiden sich außerdem, wie gesagt, erheblich von Marcuses Theorien.

          Außer „gefühlten konservativen Wahrheiten“ bleibt hier also nicht viel.

        • @ Stephan Fleischhauer

          *Mich würde deine “linke Seite” mal interessieren. Inwieweit würdest du soziale Absicherung und Verteilungsgerechtigkeit höher werten als wirtschaftliche Leistungsfähigkeit? *

          Kernpunkt meiner Überlegungen ist mein Mantra „Die Dosis macht das Gift“.

          Weniges nur ist per se schlecht/böse, weniges nur per se gut/förderlich, weniges, das nicht durch Überdosierung zum Gift, durch richtige Dosierung zum Heilmittel werden könnte.

          Meine „linke“ Seite wurde sehr gut vertreten durch die klassische, „konservative“ Sozialdemokratie (rechte SPD oder alternativ linkes Zentrum – Weimar bzw. Sozialflügel der CDU- BRD).

          Mehr als ein Sozialstaat, der den Absturz in’s Elend verhindert/große Lebensrisiken abpuffert (schwere Krankheit/Behinderung), aber gleichzeitig genügend Einkommensstaffelung zulässt, um Leistungsanreize (Arbeiten/Leisten ist mühsam und anstrengend, trägt seine Belohnung nur höchst selten – Stichwort: SELBSTverwirklichung – in sich selbst) ist wohl nicht erreichbar an „Gerechtigkeit“.

          Ein Sozialstaat, der sich auch bemühen muss, eine zu große Vermögenskonzentration zu verhindern, denn großer Reichtum geht IMMER einher mit großer Macht (egal ob in linken oder rechten Händen – schädlich für die Demokratie).

          Gleichzeitig muss ein gewisses Maß an Vermögensakkumalation zugelassen werden – als Leistungsanreiz, als Anreiz für die Erben (eigene Familie) zu arbeiten usw.

          Auch hier: Die Dosis macht das Gift – ein Zuviel vermeiden, aber auch ein Zuwenig.

          Ein solcher Sozialstaat muss also Leistungsgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit richtig dosieren (wohl nur durch Versuch und Irrtum möglich, nicht restlos planbar am grünen Tisch – permanentes Nachjustieren nötig > bedingt flexible, fluide, schmiegsame = demokratische Strukturen).

          Um einen solchen Sozialstaat erfolgreich betreiben zu können (langfristig), ist eine marktwirtschaftliche Ordnung unabdingbar, denn nur sie ist erwiesenermaßen in der Lage, genug Sürplus zu erwirtschaften, das dann z.T. verteilungsgerecht verteilt, zum anderen Teil leistungsgerecht verteilt werden kann.

          Um die Leistungsfähigen zur Höchstleistung zu motiviieren und die weniger Leistungsfähigen menschenwürdig zu versorgen.

          Um eine Marktwirtschaft konkurrenzfähig im internationalen Wettbewerb zu betreiben, sind meiner Ansicht nach weitere Voraussetzungen zu erfüllen: eine genügend große Anzahl genügend stabiler Familien z.B., die genügend erfolgreich sozialisierbare, also genügend kluge Kinder produzieren und ausbilden.

          Denn eine moderne Marktwirtschaft stellt hohe Anforderungen an die intellektuelle Leistungsfähigkeit der wirklich PRODUKTIV (und nicht nur therapeutisch) Beschäftigten.

          Viele im ÖD sind z.B. therapeutisch beschäftigt – scheinbeschäftigt, eigentlich überflüssig, darunter überproportional viele Frauen.

          Eine genügend große Bereitschaft zur Solidarität, die ja nicht einfach vom Himmel fällt, die gefördert, emotional bestärkt/belohnt werden muss, z.B. durch das Gefühl, einer extendierten Familie anzugehören (religiös formiert/ethnisch formiert durch weitgehende ethnische Homogenität oder kulturell formiert – Nationalgefühl/Patriotismus).

          Am stabilsten erscheinen mir dabei Entitäten, in denen alle diese Faktoren einheitlich in eine Richtung wirken, d.h. ein ethnisch homogener Nationalstaat mit einer dominierenden (Staats-)Religion.

          Der natürlich wiederum anderen Gefahren ausgesetzt ist (Intoleranz gegenüber Minderheiten z.B.).

          Auch hier macht die Dosis das Gift.

          Ich muss navigieren zwischen einem Zuviel an Homogenität und einem Zuviel an Diversität, das die Bereitschaft zur gruppenübergreifenden Solidarität mindert, die Organisation von Ausgleich innerhalb eines Staates erschwert, Gruppenegoismen (geformt entlang ethnisch-religiöser Grenzen) Vorschub leistet, letzten Endes in den Bürgerkrieg führt, wenn die Gruppen kulturell-ethnisch zu weit voneinander entfernt und daher nur schwer unter einen Hut zu bringen sind.

          Im Übrigen bin ich ein Anhänger dynamischer Gleichgewichte, Kräfte müssen durch Gegenkräfte in Schach gehalten und balanciert werden, es darf keine totalitäre Einseitigkeit geben, keinen Endsieg der Linken oder der Rechten oder der Kapitalisten oder der Sozialisten usw.

        • @Alexander
          Nur um es ein bisschen zu konkretisieren: Die Gefahr von zu starker Vermögenskonzentration siehst du in der teilweise neoliberalen Politik der SPD nicht gegeben?

        • @DDBZ

          *“Verteilungsgerechtigkeit” ist keine Gerechtigkeit. Sonst könnte ich mit Arbeiten aufhören und verlangen soviel zu bekommen wie ein Vollzeit arbeitender Ingenieur oder so.*

          Innerhalb einer Familie wohl, oder verlangst Du von Deinen Kindern, dass sie erarbeiten, was sie verbrauchen?

          Auch innerhalb einer Gesellschaft ist sie immerhin nützlich = Befriedungsfaktor, sorgt für ein entspannteres, angstfreieres, unaggressiveres gesellschaftliches Klima.

          Muss aber organisiert werden – am besten wohl über den evolutionär-instinktiv gebahnten „Familientrick“, d.h. Erweckung/Verstärkung des Gefühls, Angehöriger einer extendierten Familie zu sein.

          Was durch genetische Ähnlichkeit der „Familienangehörigen“ erleichtert wird.

        • @ Stephan

          * Die Gefahr von zu starker Vermögenskonzentration siehst du in der teilweise neoliberalen Politik der SPD nicht gegeben?*

          Natürlich ist die Gefahr gegeben, egal ob von der SPD oder der CDU/CSU oder der FDP befördert.

          Wir sind längst dieser Gefahr erlegen.

          Das Problem ist nur, wie man davon wieder runterkommt im Zeitalter globalisierter (Finanz-)Märkte und elektronischen Zahlungsverkehrs, ohne die Realwirtschaft durch Kapitalflucht/Steuervermeidungsstrategien (durch konzerninterne Verrechnungsspielchen etc.) zu schädigen.

          Die „neoliberale“ Wende der SPD erfolgte ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern in Reaktion auf die weltweit die Kapitalisten begünstigenden, veränderten Machtverhältnisse nach Zusammenbruch des Ostblocks.

          Solange 200 sowjetische Panzerdivisionen als Missionare des Kommunismus bereit standen, waren westliche Kapitalisten zu größerer Kompromissbereitschaft gezwungen.

          Sie brauchten den Burgfrieden des Sozialstaates, brauchten Massenheere mit Wehrpflicht, um diese 200 Panzerdivisionen fern zu halten.

          Wenn ich ein Volksheer brauche, muss ich das Volk auch bei Laune halten, ihm das Kämpfen für eine Ordnung schmackhaft machen.

          Niemand kämpft für eine Ordnung, von der er nicht profitiert/zu profitieren hofft.

          Das glauben nur Feminist.I.nnen.

          Sie werden sich täuschen.

        • @Alexander
          Allein die Zunahme der Leiharbeit ist mit deiner Forderung nach stabilen Familien kaum vereinbar.

          Der hart am Sozialdarwinismus vorbeischrammende Kapitalismus, den du propagierst, führt letzten Endes genauso in den Abgrund wie irgendwelche linken Spinnereien. Dir müsste doch eigentlich klar sein, dass wir globale Regulierungen brauchen. Stattdessen heizt du sehr oft ein internationales Konkurrenzdenken an.

  2. Stellen wir doch mal folgende grundsätzliche Fragen:
    Wieso ist die Abschaffung des Patriarchats und des Kapitalismus notwendig?
    Wie sieht eine Gesellschaft jenseits von Patriarchat und Kapitalismus aus?

    • „Wieso ist die Abschaffung des Patriarchats und des Kapitalismus notwendig?“

      Weil von beidem behauptet wird es sei schlecht.

      „Wie sieht eine Gesellschaft jenseits von Patriarchat und Kapitalismus aus?“

      Paredies auf Erden, so sieht’s aus.

  3. Dem Kommentar von „Kreisverkehr“ über die hochbezahlte Piraten-Abgeordnete Rydlewski und ihre Sorgen kann ich mich zu 100% anschließen:
    http://popcornpiraten.de/was-so-an-einem-sonntag-diskutiert-wird-das-anzuggate/#comment-50327

    Das eigentlich Relevante an dem Vorfall ist die Frage, welche Flurschäden Radikalfeministinnen wie Rydlewski, für die der Kampf gegen das Patriarchat scheinbar zentraler Lebensinhalt ist, als Abgeordnete anrichten. Ein Blick auf die Liste der Ausschüsse, in der sie missioniert, läßt Böses erwarten: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster/GB_I/I.1/Abgeordnete/abgeordnetendetail.jsp?k=01668

  4. Gut, dieses „Anzug-Gate“ scheint ja nun wirklich nur in einer sehr speziellen Subkultur sich abzuspielen. Anders als die Aufschreihals-Kampagne, welche die Müllstrommedien so in Wallung brachte, das eine Woche lang auf allen Sendern Talkschows dazu inszeniert wurden, an einem Tag sogar gleich zwei davon …

    Wie auch immer: Mein Eindruck bei solchen Absonderungen ist immer mehr:

    Wenn es noch eines Beleges dafür bedürfte, dass es keine wirklichen Probleme mehr hinsichtlich einer Benachteilung von Frauen als Kollektiv mehr gibt, dann wäre die Läppischkeit der inszenierten Empörungsanlässe nun der definitive empirische Hinweis.

    Überhaupt scheint mir diese agitierte (im psychopathologischen Sinn) Empörungsbereitschaft das eigentlich bemerkenswerte. Man empört sich nicht, weil es empörungswürdige Tatbestände gibt. Sondern, weil man sich empören WILL – und dann beliebige Anlässe dafür sucht, egal wie lächerlich sie bei Licht betrachtet sein mögen.

    Die Empörung als Gestus – das ist der eigentliche Inhalt solcher Inszenierungen.

    • @ virtual-cd

      *Überhaupt scheint mir diese agitierte (im psychopathologischen Sinn) Empörungsbereitschaft das eigentlich bemerkenswerte. Man empört sich nicht, weil es empörungswürdige Tatbestände gibt. Sondern, weil man sich empören WILL – und dann beliebige Anlässe dafür sucht, egal wie lächerlich sie bei Licht betrachtet sein mögen.*

      Es gibt ja jede Menge Empörungsanlässe.

      Frauen verhalten sich immer noch deutlich anders als Männer.

      Das muss ja Gründe haben.

      Da für diese Ideologen inhärente Gründe ausscheiden („Biologismus!“ – Pfui Deibel) bleibt nur Unterdrückung.

      Wie wird die appliziert?

      Nun, durch sexuelle Belästigung und Rape Culture, die verhindert, dass die Mannwerdung der Frau gelingt.

  5. Kennt hier eigentlich jemand das Pinguin Gleichnis von justsmith? (http://just-smith.tumblr.com/post/14633735036/an-illustration-involving-children)

    „Okay. So you’re a child. It’s your birthday. Your parents decide that they are going to take you and nine of your friends out to the zoo for the day.

    Now, ten young excitable children are pretty hard to manage, so they decide to split you up into two groups. One group get given blue stickers and they’re told to go with your dad, and one group get given red stickers and they’re told to go with your mum. Unfortunately there is also a time limit, so you can’t go and see everything. Your parents decide that they will take different routes, and so some of your friends will see some exhibits and others will see others.

    Let’s say that only the red group are going to get to see the lions, and only the blue group are going to get to see the penguins. You’re in the red group. This creates problems for you, because you wanted to see the penguins pretty badly. So you observe the following:

    • I want to see the penguins
    • The system doesn’t allow me to see the penguins
    • Therefore the system is oppressing me

    Yeah, that makes sense. It’s your birthday, so why shouldn’t you be allowed to do what you want to do? Welcome to first-wave feminism. You’ve found your first injustice in the system, and now you want to sort it out. You complain to your mum, and she lets you move to the blue group.

    But they’ve already had some time together now, and you feel sort of left out. They don’t really like the way you’ve forced your way into their group, and so your penguin-seeing experience is being tainted by their bias. You complain to your dad, and he tells them to treat you just as they would one another. Welcome to second-wave feminism. In theory first-wave feminism sorted out your problems, but in practice the people in the system carry half of the bias, and so they need to be changed as well as the system itself.

    Now, other people in the red group have seen you leave to have fun, and some of them might also have wanted to see the penguins, but they can’t really appeal to your parents like you can so they can’t follow. They think that it’s pretty unfair that you’ve excluded them from your new justice, and that you’ve only thought about how it affects you. You observe the following:

    • More members of the red group also wanted to see the penguins
    • The system doesn’t allow them to see the penguins
    • Therefore the system is oppressing the red group

    and

    • Members of the red group aren’t allowed to see the penguins
    • Members of the blue group are allowed to see the penguins
    • Therefore the system privileges the blue group

    So you complain to your mum again and she says that all of the red group can see the penguins if they want. Welcome to third-wave feminism. You’re now much more inclusive, but you’re still being quiet selfish and narrow-minded. You don’t even stop to consider that members of the blue group might have wanted to see the lions. You’ve given the choice to yourself and other members of your group, but the others are still as restricted and oppressed by the system as ever. You haven’t stopped to consider that, in their eyes, you are just as privileged by the system in being able to see the lions when they cannot.“

    Es geht weiter damit, dass 4th wave feminism dafür sorgt, dass jeder aus beiden Gruppen jederzeit die Gruppe wechseln kann und damit endlich eine glückliche, faire Welt schafft.

    Der Anfangssatz „Now, ten young excitable children are pretty hard to manage, so they decide to split you up into two groups.“ ist vollkommen vergessen. Sachzwänge gibt es nicht.

    Das Organisatorische ist nicht relevant, nur das Ungleiche.

    Ein Kind will mitten am Tag von den Blauen zu den Roten? Dann müssen wir halt 10 Betreuer anstellen, die das Kind von hier nach da bringen.
    Die Betreuer müssen bezahlt werden? Na, die Eltern haben doch genug Geld.
    Das dauert viel zu lange, wenn die meisten Kinder x-Mal von einer Gruppe zur anderen wechseln, weil der Zoo ganz schön groß ist? Komm mir nicht mit Details.
    Du Unterdrückerfreund und Sachzwang-Apologet.

    • „Pinguin“ Liest sich wie die deutsche Krankenversicherung und der Streit um die PKV vs. GKV.
      Die PKVler wollen in die GKV und umgekehrt – und am Ende doch wieder nicht.
      Die neueste und witzigste Blüte: Bürgerversicherung und dafür unterschiedliche Tarifw – wie dumm muss man sein um das Beides zu wollen?

  6. „soziale Absicherung “
    Zur Erinnerung: die deutschen Sozialsysteme wurden durchgängig von konservativen Regierungen eingeführt.
    Die Sozialdemokratie hat in aller Regel die Landwirtschaft und das Kleinbürgertum ignoriert.

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