Ausgleich historischer Diskriminierung als Erbschuld heutiger Generationen

Virtual-CD hatte neulich einen Lauf und schrieb einige wunderbare Kommentare, auch diesen hier möchte ich noch einmal zum Gegenstand einer eigenen Diskussion machen. Es geht dabei um die Frage des Ausgleichs für bestimmte Gruppen in der Gegenwart, weil ihre Mitglieder in der Vergangenheit benachteiligt waren bei gleichzeitiger Benachteiligung der früher bevorzugten Gruppe.

 

Im Prinzip sagst du ja: Weil es früher (in einem unbestimmt gelassenen Zeitraum) eine bestimmte Gruppe benachteiligt war, muss diese Gruppe heute bevorzugt werden. Und im Gegenzug muss die damals bevorzugte Gruppe heute benachteiligt werden.

Das wäre gerecht. Das wäre ein gerechter Ausgleich.

Nur: Gerecht ist so ein Augleich nur individuell und in der Gegenwart.

Wenn du es kollektiv und vergangenheitsbezogen machst, setzt du nur auf einne Ungerechtigkeit ein weitere. Den Ausgleich zu leisten hätten ja Individuen, die eben vorher NICHT bevorteilt waren. Und in den Genus der Bevorteilung kämen ja Individuen, die vorher NICHT benachteiligt waren.

Wenn du einen solchen überindividuellen und transhistorischen Ausgleichsgedanken dir mal einen Moment an anderen Gruppengrenzen als den Geschlechtergrenzen vorstellst, wird sofort klar, wie absurd das ist.

So gab es z.B. in der Frühphase der DDR die Regelung, dass Kinder von Akademikern nicht studieren durften – egal wie gut ihr Abitur war und wie sehr Eignunf und Neigung für einen bestimmten akademischen Beruf sprachen. Weil: “Ihr bürgerliche Akademikerschicht hattet ja schon mal – jetzt sind erst einmal die Arbeiterkinder dran”. Du wurdest also bei der Studienplatzvergabe bevorteilt, wenn deine Eltern keine Akademiker waren und bestraft, wenn sie es waren.

Gerecht? Wohl kaum.

Ich würde ja sagen: Absurdes Sippenhaft-Denken.

Oder würdest du sagen: Es ist gerecht, bei jeglichen Einstellungsentscheidungen Menschen mit Migrationshintergrund zu bevorzugen. Das ist ein gerechter Ausgleich.
Also: Die Lehrstelle bekommt nicht Martin – Murat bekommt sie. Und erst, wenn kein Murat mehr da ist, der voersoftt werden muss, dann denken wir darüber nach, ob Martin vielleicht auch mal eine Chance bekommt. Weil der hatte ja über Jahrzehnte schon die besten Cancen, der muss sich jetzt leider hinten anstellen. (Leider ist Martin erst 16 und hat von den vergangenen Jahrzehnten nichts …)

Gerecht? Gerechter Augleich? Oder absurd?

Und weil du ja in geschichtlichen Zeiträumen argumentierst:
Wenn wir sagen, unter Karl dem Großen (Beiname “Sachsenschlächter!”) hatten die Sachsen schwer zu leiden unter den Franken. Heißt das jetzt, dass ein Mensch aus Dresden oder Leipzig jetzt – als gerechter Ausgeleich – einem aus Nürnberg oder Würzburg vorzuziehen ist? Oder das der Nürnberger reparationspflichtig ist dem Dresdener gegenüber?

Überhaupt: Warum hat noch nie jemand eine “Ossie-Quote” von 30% für Vorstands- und Aufsichtsratsposten in DAX-Unternehmen gefordert. Weil: Die durften und konnten ja 40 Jahre lang nicht, da wäre es doch ein gerechter Ausgleich, jetzt 40 Jahre lang nur noch Menschen aus den fünf neueren Bundesländern einzustellen, oder? Wäre doch gerecht, oder?

Warum merkt man bei solchen Beispielen sofort, wie absurd das ist? Nur wenn es um Männer und Frauen geht, wird so etwas ERNSTHAFT vertreten. Ohne dass die Absurdität sofort auffällt.

Komisch, eigentlich? Oder?

Interessant bei der Frage, ob ein Ausgleich stattfinden soll ist dabei letztendlich, ob der einzelne noch immer aufgrund des damaligen Zustandes einen Nachteil hat. Wenn also eine Frau heute studieren kann, dann muss kein Ausgleich dafür erfolgen, dass ihre Mutter dies nicht konnte. Eine solche Maßnahme mag dann zwar mehr Mitglieder der Gruppe schneller in bestimmte Positionen bringen, dass aber eben auf Kosten des Individuum. Letztendlich wird auch hier ein gewisser Erbschuldgedanke aufgegriffen, eine moralische Schuld der einen Gruppe für die Taten früherer Generationen.

33 Gedanken zu “Ausgleich historischer Diskriminierung als Erbschuld heutiger Generationen

  1. „Nur: Gerecht ist so ein Augleich nur individuell und in der Gegenwart.“

    Nein, heftiger Widerspruch, auch nicht in der Gegenwart (was ist mit „nur individuell“ gemeint sein soll, verstehe ich nicht). Das ist wieder mal das Prinzip Blutrache bzw. Sippenhaft, bzw. abstrakter formuliert von Kollektiven als Rechtssubjekten.
    Argumente gegen das Prinzip Blutrache habe ich hier zusammengestellt:
    http://maninthmiddle.blogspot.de/p/ethik.html#blutrache

    • PS: der Begriff Erbschuld (bzw. Erbsünde) erscheint mir weniger passend, weil davon alle Menschen betroffen sind, also nicht mehrere Kollektive unterschieden werden, und nur eines der Kollektive erbschuldig ist, und es dort keinen komplementären Begriff wie „Erbguthaben“ oder „Erbprivileg“ gibt.

      Sinn und Zweck der männlichen Erbschuld ist aber gerade das weibliche Erbprivileg, das darin besteht, Empfänger und Nutznießer von männlichen Sühneleistungen bzw. Diskriminierungen zu sein.

      Dies nur als Begriffsklauberei, in der ablehnenden Bewertung von Sippenhaft, Blutrache, Erbschuld usw. besteht völliger Konsens.

    • Ich denke, du bist da auf der richtigen Fährte.

      Dieses Denken ist Audruck einer Stammesmoral, welche das Konzept vom Individuum als Träger unveräußerlicher Rechte und Freiheiten ablehnt.

      Wer dieser Denke folgt, für den hat der Mensch bestimmte Rechte nur insofern inne, als dass er einer bestimmten Gruppe angehört, die als würdig betrachtet wird.

      Anhängern dieser Denke geht es nicht darum, allen Menschen die Teilhabe am größtmöglichen Maß gleicher Rechte und Freiheiten zu ermöglichen. Ihnen ist lediglich daran gelegen, das Los bestimmter Gruppen zu verbessern. Falls nötig auch auf Kosten der Gleichberechtigung.

      Die Legitimierungsstrategien dieses Denkens können verschiedene Formen annehmen. Das geht vom platten Postulat natürlicher Suprematie über die Konstruktion besonderer Schutzwürdigkeit bestimmter Gruppen.

  2. „… Ausgleich dafür, dass ihre Mutter dies nicht konnte“
    Wir schreiben das Jahr 2013. Es müßte wenn dann die … grad nachrechnen … Ur-Ur-Großmutter gewesen sein. Die das schlimme Schicksal, nicht studiert haben zu können, mit 99% der dazugehörigen Ur-Ur-Großväter geteilt hat. Welch selbige sich dagegen, anders als besagte Ur-Ur-Großmütter, einem mehrjährigen Militärdienst unterziehen durften, dessen Zuschnitt von ihren heutigen Nachfahren (beiderlei Geschlechts) mit einem sofortigen psychischen Zusammenbruch quittiert werden würde.

  3. Sogar oder gerade die Sprache soll für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen, mittels dem generische Femininum. Gendersens glauben an Sprachzauber, merken aber nicht wie lächerlich das ist. Siehe Leipziger Einelei an der dortigen Uni.

    Daran kann man sehen was große Teile des Feminismus wirklich wollen.

  4. Man lese zum Thema:
    Thomas Apolte: Von Quotengerechtigkeit, Gender-Mainstreaming und anderen Glaubensbekenntnissen, in: Harald Schulze / Torsten Steiger / Alexander Ulfig: Qualifikation statt Quote, BoD: Norderstedt 2012, ISBN 978-38448-1743-0

  5. Zufälligerweise ist gerade heute morgen auf genderama (http://genderama.blogspot.de/2013/10/wie-der-feminismus-die-freien-wahlen-in.html) ein thematisch verwandter FAZ-Gastbeitrag besprochen worden:
    Markus Linden: „Die gendergerechte Demokratie“, http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/gastbeitrag-die-gendergerechte-demokratie-12602100.html

    Sehr lesenswert. Paßt thematisch genau zur hier relevanten Frage, ob es verfassungskonform ist, Kollektive als Rechtssubjekte (also Träger von Rechten oder Pflichten) einzuführen.

    • Verfassungskonform ist es m. E. mit Sicherheit. Das Grundgesetz gehört zu den schlechtesten Verfassungstexten neuzeitlicher Demokratien, verankert Kollektivrechte und -pflichten und steht einer „feministischen Demokratie“ demnach nicht im Weg.

      Ich zitiere:

      Artikel 3
      (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

      Artikel 6
      (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
      (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

      Artikel 12 a
      (1) Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.

      http://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/index.html

      • Der Mutterschutz ist ein gutes Beispiel dafür, daß man mit dem Begriff Kollektiv vorsichtig sein muß bzw. ihn, wenn man ihn im Kontext des Prinzips Blutrache benutzt, noch genauer eingrenzen muß.

        Schangerschaft, Geburt und Stillen sind objektive körperliche Belastungen, die alle Nicht-Mütter nicht haben. M.E. sind aber die Gruppe der Mütter bzw. die Gruppe der Nicht-Mütter keine Kollektive im Sinne dieser Diskussion: Es gibt keine Konflikte, in denen die Interessen einer Mutter und einer Nichtmutter einander individuell direkt gegenüberstehen und der Vorteil des einen der Nachteil des anderen ist. Die Mutterschutzleistungen stehen außerdem allen Müttern zu, nicht nur ein paar Müttern stellvertretend für das Kollektiv.

        Daß unterschiedliche Personen verschieden behandelt werden, ist natürlich auch bei allen Sozialleistungen oder im Steuerrecht der Fall. Dort geht es aber „nur“ darum, wer wieviel Geld in die Töpfe einzahlt bzw. herausbekommt, d.h. es gibt allenfalls einen indirekten Konfikt zwischen den Betroffenen und es kommen Argumente wie Belastbarkeit oder steuerfreies Existenzminimum ins Spiel.

        Bzgl. Wehr- oder Zivildienst nur für Männer stimme ich völlig zu, das ist eine Inkonsistenz im Grundgesetz, und eine maskulistische politische Forderung sollte sein, den Artikel 12 a auf Frauen auszudehnen.

        • Gut, der Mutterschutz ist kein gutes Beispiel für direkten Kollektivismus, aber m. E. ein schönes Beispiel für den kollektivistischen Geist des GG.

          Was soll es denn bedeuten, dass eine Mutter Anspruch auf den Schutz der Gemeinschaft hat? Dass man jeden Bürger zum Schutz von Müttern abkommandieren kann? Dass Mütter mehr wert sind als Nichtmütter?

        • „Was soll es denn bedeuten, dass eine Mutter Anspruch auf den Schutz der Gemeinschaft hat?“

          Z.B. die 6+8 Wochen „Sonderurlaub“ wegen Dienstunfähigkeit vor und nach der Geburt, Kündigungsschutz etc.
          s. http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterschutzgesetz

          „Dass man jeden Bürger zum Schutz von Müttern abkommandieren kann? Dass Mütter mehr wert sind als Nichtmütter?“
          Unsinn. Sieh das mal ein bißchen praktischer. Die nächste Generation aufziehen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, daher herrscht Konsens, daß Kosten, die Kinder verursachen, teilweise gesellschaftlich übernommen werden und die Mütter vor zusätzlichen Nachteilen durch Schwangerschaften wie Jobverlust geschützt werden. Über Details kann man immer diskutieren, das Grundgesetz stellt nur das Prinzip fest.

        • Adrian hat recht, wer bestimmt das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe? Ich sehe das nicht als meine Aufgabe, gehöre ich nicht zur Gesellschaft? Es ist nicht meine Aufgabe die Blagen fremder Leut aufzuziehen.

          Der Mutterschutz wird soweit übertrieben, daß man daraus eine Benachteiligung ALLER Frauen ableitet und dann zum Ausgleich nach Frauenförderung und Frauenquoten schreit. So wird der Mutterschutz zum Eigennutz missbraucht.

          BTW Was ist eigentlich mit Väterschutz?

        • @Adrian „“Die nächste Generation aufziehen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe,”
          Sagt wer?“

          Ich (auch wenn ich nichts zu sagen habe), alle Eltern, alle Parteien usw.
          War die Frage wirklich ernst gemeint?

          Der gesamte Familienlastenausgleich, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Familienleistungsausgleich, beruht auf dieser Prämisse. Wobei der Familienlastenausgleich nur die Geldflüsse an die Eltern sind, die die Ausgaben für die Kinder teilweise erstatten.
          Obendrauf kommen weitere erhebliche Sachleistungen wie subventionierte Kindergärten, kostenlose Kinderspielplätze, Schulen und Universitäten, kostenlose Mitversicherung der Kinder in der Krankenkasse usw.usw.usw., bei denen kein Geld an die Eltern fließt, die aber viel Geld kosten. Ich würde grob schätzen, daß die Allgemeinheit rund die Hälfte der Gesamtkosten trägt, die die Aufzucht (schreckliches Wort) eines Kindes bis zum Alter von ca. 18-20 Jahren kostet.

        • „War die Frage wirklich ernst gemeint?“

          Ja

          Deine Beispiele zeigen allerdings, dass das Aufziehen von Kindern eine gesamtgesellschaftliche Aufgbe ist, weil es zu einer solchen gemacht wird.

        • @ddbz: „Es ist nicht meine Aufgabe die Blagen fremder Leut aufzuziehen“

          Haben das damals immer die Nachbarn aus dem Fenster gebrüllt, als Du als 8-Jähriger auf dem Spielplatz, der von den Steuern der Nachbarn bezahlt worden war, 1. Radau und 2. die Turngeräte kaputt gemacht hast?

          „Der Mutterschutz wird soweit übertrieben, daß man daraus eine Benachteiligung ALLER Frauen ableitet…“

          Diese Ableitung ist grober Unfug, und in solchen Fällen kann man auch dementsprechend klar dagegenhalten. Das spricht aber nicht gegen den Mutterschutz.

          „BTW Was ist eigentlich mit Väterschutz?“

          Kein Thema, kannst Du gerne haben, ähm, nach einigen kleineren Vorbereitungen wie hier:
          http://www.amazon.de/Junior-VHS-Arnold-Schwarzenegger/dp/B00004R6PH

          Sollte es zu Wassereinlagerungen oder Krampfadern kommen, legen wir hier alle zusammen und spendieren Dir einen Satz schöne Schwangerschaftsstrumpfhosen, Farbe nach Wahl, und mit Autogramm von Evochris 😉

  6. Die Quote ist aus zwei Gründen pervers:

    Erstens ist sie ein kollektivistisches Gruppenrecht, dass Menschen auf Grund des Geschlechtes bevorzugt bzw, benachteiligt. Sie ist somit das Gegenteil von individueller Freiheit und individuellen Rechten, dem Kerngedanken eines moderne liberalen Rechtsstaates.

    Zweitens ist die Quote in sich selektiv und elitär: Quotiert werden sollen nur Berufszweige, die hochdotiert und finanziell lukrativ sind. Kein Quotenbefürworter plant die Einführung einer Quote für Bergarbeiter oder Soldaten. Die Gründe sind m. E. offensichtlich.

  7. Reden wir doch mal von der Schuld der Frauen in der Gegenwart.

    Dass früher Frauen kein kostenloses, staatlich finanziertes Studium bekamen war eine Frage des geringeren Wohlstandes.

    Es lohnte sich einfach weniger diese Hochschulbildung für Frauen zu finanzieren, das ist heute nicht viel besser obwohl es gemacht wird.

    Das ergibt sich alleine durch die Lebenswirtschaftsleistung, würde man noch die dadurch kompromitierte Reproduktion der hochgebildeten Wohlstandsfrau miteinbeziehen, was nur unscharf möglich ist, wäre das Ergebnis mehr oder weniger erschreckend.

    Die Gemeinschaft finanziert es. Also vornehmlich Männer.

    Wir haben einen übermäßigen Wohlstand, würde man die Wohlstandsfrau nicht in der Hochschulbildung zulassen und die Hochschulbildung nicht auch auf ihre Bedürfnisse anpassen wäre diese unmittelbar mit ihrer Obsoleszenz für Familie und als Mutter konfrontiert.

    Das könnte niemand rechtfertigen, wir haben Frauenwahlrecht.

    Und außerdem?

    Fur wen halten sich Feminist.I.nnen oder ähnliche über das Geschlechterverhältnis vergangender Zeiten zu urteilen?

    Es war reproduktiv wesentlich erfolgreicher, das entscheidende Kriterium der Evolution.

    Nicht nur Frauen lebten damals in einer anderen Gesellschaft, wie krass sich die Überheblichkeit unserer Zeit und unserer (alltags-) Feminst.I.nnen im wunschdenkenden Urteil über Vergangenes zeigt, denn es kann nicht widersprechen.

    • Das Grundgesetz stand der „Wehr“pflicht, aka zwangsarbeit auch nie im Weg (und nein, die war da nicht von Anfang an drin).

      Man sollte sich immer wieder vor Augen halten: Gesetze verhindern nie was. Gesetze sind Texte. Personen verhindern was.

        • Sie wurde aber reingeschrieben, dazu ist erst einmal nur eine 2/3 Mehrheit erforderlich

          Exakt mein Punkt. Der Paragraph, der Diskriminierung verbietet, verhindert sie nicht. Hätte man sich hier nicht in die Tasche gelogen, hätten auch die 2/3 nicht gereicht.

          Um mal etwas zu verdeutlichen, was ich meine:

          Wir haben mit gg. §102 das Statement „Die Todesstrafe ist abgeschafft“.

          Kann ich nun – ohne 102 abzuschaffen – mit 2/3 darunterschreiben „auf samstags stöcker heben steht die Todesstrafe“?

          Wenn ja ist das GG effektiv wertlos, weil es offensichtlich nicht falsifizierbar ist.

  8. „Gerecht ist so ein Augleich nur individuell und in der Gegenwart.“

    Die bisher-gültigen Quoten (für eine detailierte Liste wäre ich übrigens dankbar) funktionieren m.W.n. größtenteils so, dass die Frau „bei gleicher Qualifikation“ bevorzugt eingestellt wird. Dies erfüllt in meinen Augen diese Bedingungen.

    „Und in den Genus der Bevorteilung kämen ja Individuen, die vorher NICHT benachteiligt waren.“

    Würde die Frau trotz „gleicher Qualifikation“ nicht bevorzugt eingestellt, würde nun wieder der Mann in den Genuss der Bevorteilung kommen. Und dann ist die Welt in Ordnung, nich?

    „Warum hat noch nie jemand eine “Ossie-Quote” von 30% für Vorstands- und Aufsichtsratsposten in DAX-Unternehmen gefordert.“

    Weil sich ein Ossi-Sein besser verstecken bzw. „überwinden“ lässt als z. B. Brüste.

    Abteilung „far from reality“:

    „Also: Die Lehrstelle bekommt nicht Martin – Murat bekommt sie. Und erst, wenn kein Murat mehr da ist, der voersoftt werden muss, dann denken wir darüber nach, ob Martin vielleicht auch mal eine Chance bekommt.“

    Ich mag ja Gedankenspiele…

    http://www.dailymotion.com/video/xi8ex8_jessie-j-nobody-s-perfect-official-music-video_music

    • „Würde die Frau trotz “gleicher Qualifikation” nicht bevorzugt eingestellt, würde nun wieder der Mann in den Genuss der Bevorteilung kommen. Und dann ist die Welt in Ordnung, nich?“

      Das ist eine Behauptung ohne Beleg oder einen Nachweis. Frauen sollen doch angeblich billiger sein und den Gewinn der Firmen steigern. Also müssten doch eher Frauen bessere Chancen haben.

    • @ muttersheera

      „Dies erfüllt in meinen Augen diese Bedingungen.“

      Seit wann das? Ist das Dein heiliger Ernst?

      Wenn eine Frau bei gleicher Qualifikation bevorzugt wird, lässt man doch einen Mann von heute dafür büßen, was Männer früher angeblich oder tatsächlich für Privilegien hatten. Was ist daran gerecht?

      „“Und in den Genus der Bevorteilung kämen ja Individuen, die vorher NICHT benachteiligt waren.”

      Würde die Frau trotz “gleicher Qualifikation” nicht bevorzugt eingestellt, würde nun wieder der Mann in den Genuss der Bevorteilung kommen. Und dann ist die Welt in Ordnung, nich?“

      Nein, ein Mann kommt nicht in den Genuss der Bevorteiligung. Sondern kriegt den Job, wenn er offensichtlich der bessere von beiden Bewerbern ist.

      Das ist doch gar keine Bevorteiligung. Und wenn ein Mann und eine Frau exakt gleich gut sind, kann man beide einstellen (Ich bin für die Schaffung von Arbeitsplätzen.) oder eine Münze werfen, wen man nimmt.

      Aber nicht aus Prinzip die Frau wegen ihrem Geschlecht.

      Außerdem, mal so nebenbei bemerkt: Die Frau spielt auch ohne Job und Einkommen auf dem Partnermarkt eine Rolle, und was für eine.

      Der Mann nicht.

      Außerdem: Chefs fürchten bei der Frau zu recht, dass sie schwanger werden und dadurch ausfallen könnte. Ein Mann, der Vater wird, arbeitet dagegen mehr, den kann die Firma viel besser ausbeuten als einen Single-Mann.

      Es kann sein, dass deshalb wirklich einige Chefs lieber einen Mann einstellen.

      Nur: Ist das für Männer ein Vorteil?

      Der Geschlechtsunterschied in der Lebenserwartung ist AUCH maßgeblich dadurch bedingt, dass Männer den größeren Anteil der Erwerbsarbeit leisten.

      Geschlechterrollen gibt es eben, sie sind nicht vollständig überwindbar und für Männer beileibe nicht das Zuckerschlecken, wie Feministinnen typischerweise glauben.

    • Wenn eine Frau bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt wird, hat die Frau bessere Chancen auf die Stelle als der Mann.

      Sie muss lediglich besser sein als alle anderen weiblichen Bewerber und in etwa so gut wie der beste männliche Bewerber.

      Er muss nicht nur besser sein als jeder Mann, er muss auch noch so viel besser sein als die Frau, dass kein Zweifel an seiner besseren Qualifikation besteht und sich die Frau weder hineinklagen kann noch die Gleichstellungsbeauftragte Alarm schlägt.

      Bei diesem Druck, der auf dem Arbeitgeber lastet, überlegt der es sich natürlich zwei Mal, ob er auf den Stress nicht verzichten will und lieber gleich eine Frau einstellt, auch wenn es einen besser geeigneten männlichen Bewerber gibt.

      • „Sie muss lediglich besser sein als alle anderen weiblichen Bewerber und in etwa so gut wie der beste männliche Bewerber.“

        Muss sie de facto noch nicht mal, meiner Einschätzung nach.

        Die sind teils derart wild darauf, eine oder mehrere Frauen zu nehmen, und so schnell eine Quote zu erfüllen, dass sich in manchem Bereich kein Mann mehr bewerben braucht.

        Aber was soll’s: Roslin sagt ja oft und nicht zu Unrecht: Einfach zurücklehnen und warten, bis der Saftladen in sich zusammenfällt!

    • @muttersheera, wieso heisst es eigentlich „bei gleicher qualifikation bevorzugt“? müsste es nicht „bei gleicher leistung bevorzugt“ heissen? vielleicht weil es frauen leichter fällt gute noten zu erzielen?

      • Ich denke, der Grund ist recht simpel der, dass man hier bei der Einstellung ist, wo noch keine Leistung erbracht wurde. Es geht darum, wer in der Probezeit Leistung demonstrieren kann.

        Ich habe zwar auch den Eindruck, dass Feministen gerne so tun, als wäre nominelle Qualifikation gleich Leistung, hier gibt es aber Sachgründe für diese Terminologie

    • „bei gleicher Qualifikation“ hat zwei ganz entscheidende Probleme.

      Zum einen wird hier heimlich die Definition der Qualifikation dem einstellenden entrissen wird.

      Wenn der einstellende weiterhin entscheiden kann, was er als Qualifikation definiert, ist das Gesetz wertlos, da nicht einforderbar.

      Wenn es einforderbar ist, heist es letztlich: nicht mehr du entscheidest, wen du für geeignet hälst, sondern der Staat, und der ist sich dann auch noch zu schade, das mal zu kodifizieren.

      Zum anderen impliziert „Gleich“, dass man die Qualifikation auf einer Skala eindeutig beziffern kann. Das mag die Staatsbürokratie so machen, indem sie unbesehen des eigentlichen Bewerbers stur nach Checkliste der Zeugnisse und Noten vorgeht, und das mag bei einigen Unternehmen, die ihr Personalmanagement effektiv aufgegeben haben so sein.

      Beim Rest der Arbeitswelt ist aber eine Menge fuzzyness drin. Was ist mehr Erfahrung: 1 Jahr Programmierer bei Google ohne anerkannte Ausbildung, oder 3 Jahre Ausbildung in einer deutschen Klitsche? Was zählt mehr, die 0,1 bessere Note oder das Auslandssemester? Das man Schonmal im Job gearbeitet hat, oder dass man Studiert hat?

      Ich kann von meinem aktuellen Auftrag sagen, dass wenn ich mal angestellte brauchen würde, ich den Azubi vielen der „Erfahrenen Mitarbeiter“ vorziehen würde. Und ich bin nicht der Meinung, dass es mein Problem sein muss, dass der Azubi zufällig einen Penis hat.

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