Bundestagswahl 2013

Die Bundestagswahl 2013 hatte nach ersten Hochrechnungen folgendes Ergebnis:

  • Laut ARD-Prognose holen CDU und CSU 42 Prozent, laut ZDF 42,5 Prozent. Die FDP muss zittern, ob sie die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Die Liberalen kommen der ersten ARD-Prognose zufolge auf 4,7 Prozent, laut ZDF sind es 4,5 Prozent.
  • Spannend bleibt es auch für die Alternative für Deutschland (AfD): Der ARD-Prognose zufolge erreicht sie bei ihrer ersten Bundestagswahl 4,9 Prozent (ZDF: 4,8 Prozent) und kann womöglich ins Parlament einziehen
  • Achtungserfolg für Peer Steinbrück: Seine SPD verbessert sich im Vergleich zur Wahl 2009 auf 26 Prozent (ZDF: 26,5 Prozent).
  • Grüne und Linke streiten sich darum, wer drittstärkste Partei im Bundestag wird. Die Grünen erreichen 8 Prozent nach der ersten Prognose (ZDF: 8,0 Prozent), die Linkspartei kommt auf 8,5 Prozent (ZDF: 8,5 Prozent)

Was sagt ihr dazu?

Robin Thicke, „Blurred Lines“ und die Vergewaltigungskultur

Das Lied „Blurred Lines“ von Robin Thicke ist ein sehr beliebter Sommerhit geworden, dass allseits gut aufgenommen wurde – bis auf im Feminismus. Denn dort sieht man in dem Lied eine zu deutliche Nähe zur Vergwaltigung.

Grund also sich mit dem Lied etwas näher zu beschäftigen:

If you can’t hear what I’m trying to say

If you can’t read from the same page

Maybe I’m going deaf

Maybe I’m going blind

Maybe I’m out of my mind

Der Sänger meint, dass das Folgende relativ offensichtlich ist und es eigentlich jeder merken sollte. Lediglich, wenn er verrückt wäre oder sich nicht mehr auf seine Sinne verlassen könnte, könnte es falsch sein: Er sagt es ihr daher noch einmal in aller Deutlichkeit. Dabei geht es eben darum, dass er sie will und sie ihn auch. Sie das aber nicht richtig zugeben möchte.

Ok, now he was close

Tried to domesticate you

But you’re an animal

Baby, it’s in your nature

Just let me liberate you

You don’t need no papers

That man is not your maker

And that’s why I’m gon‘ take a

Hier wird also geschildert, dass ein anderer sie zähmen wollte, vielleicht ihr Freund, ihr Mann oder wer auch immer. Ich vermute mal, dass sie also in irgendeiner Form liiert. Er formt das in eine Zähmung um, die nicht ihrem wahren Naturell entspricht und sich als ihren Befreier. Aus dem unanständigen Bruch einer Beziehung wird damit eine befreiende Handlung gemacht, die sie, weil sie in ihrer Natur liegt, unterstützen sollte. Er hält sie zahm von allem Spass weg, aber der Sänger kann das ändern. Es wird dann dargestellt, dass sie dem anderen nicht verpflichtet ist und man sie deswegen „nehmen“ wird, also eine Doppeldeutigkeit in bezug auf wegnehmen und sexuell nehmen.  Gerade das letzte ist klassisch Alphamann – ich werde dich nehmen. Eine Feststellung. Er will ihr Liebhaber sein – nicht ihr Besitzer. Bei ihm kann sie frei und wild sein. Bei ihrem bisherigen Freund nur langweilig. Er betont ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit von ihrem Mann (eigentlich ja eine klassisch feministische Forderung)

Good girl

I know you want it

I know you want it

I know you want it

You’re a good girl

Es ist letztendlich ein Appell an ihre triebhafte Seite, die mit der logischen Seite im Konflikt liegt. Er löst diesen Konflikt für sie, indem sie sowohl ihren Trieben nachgehen kann als auch ein gutes Mädchen sein kann, weil sie sich ja eigentlich befreit. Gleichzeitig ist das „gute Mädchen“ auch der Hinderungsgrund, der sie zurückhält

Can’t let it get past me

You’re far from plastic

Talk about getting blasted

I hate these blurred lines

Er kann sie nicht gehen lassen, weil er sie will, er wird dranbleiben, eben auch, weil sie eine „natürliche Schönheit“ ist, also keine künstlichen Brüste oder sonstigen „Plastikverbesserungen“. Gleichzeitig vielleicht auch die Aussage, dass sie kein Objekt ist, keine Barbie, die er einfach nur so ist. Er will mehr von ihr. Dann schlägt er wohl vor, sich zu berauschen, ich vermute, damit man die Triebe besser ausleben kann und endlich wegkommen kann, von den „verschwommenen Linien“, also endlich dazu stehen kann, dass sie sich beide wollen.

 

I know you want it

I know you want it

I know you want it

But you’re a good girl

Sie will ihn, aber sie kann es noch nicht zugeben. Weil sie eben innerhalb der anderen Beziehung treu ist, so etwas nicht macht, ein gutes Mädchen ist. Aber gleichzeitig deutliche Botschaften sendet:

The way you grab me

Must wanna get nasty

Go ahead, get at me

Hier macht er deutlich, dass sie ihn anmacht und er das gut findet. Sie fasst ihn an, er ist sich sicher, dass man das nur so interpretieren kann, dass sie Sex will. Es sind eben die Frauen, die einerseits Sex wollen, aber andererseits ihr Image als gutes Mädchen nicht verlieren wollen. Die „Wild“ sein wollen, aber auch „gut“.

What do they make dreams for

When you got them jeans on

What do we need steam for

You the hottest bitch in this place

Er schiebt ein paar Komplimente nach, sie sieht heiß aus in Jeans, sie ist die heißeste Frau vor Ort. Das macht auch noch einmal deutlich, dass es ein Lied ist, dass auf eine weibliche Hörerschaft ausgerichtet ist. Es beschreibt eine ideale Frau, die heißeste des ganzen Ladens, von der der Alphamann hin und weg ist und besingt eine Entschuldigung sich mal so richtig gehen zu lassen, sich von einem anderen, den man wirklich will und der einen auch will, begehren zu lassen und mit ihm Sex zu haben und das dann als Befreiung zu sehen.

I feel so lucky, you wanna hug me

What rhymes with hug me?

Natürlich wird der Alphamann dann auch schnell sexuell, es ist ja die wilde auf sie gerichtete Begierde, die auf viele Frauen sehr ansprechend wirkt. Die Lösung ist unschwer zu erraten „Fuck me“ und ist die Aufforderung, doch endlich das zu sagen, was sie eigentlich will.

Es folgt der Rap-Zwischenpart:

Hustle Gang Homie

One thing I ask of you

Lemme be the one you back that ass up to

From Malibu to Paris boo

Had a bitch, but she ain’t bad as you

So, hit me up when you pass through

I’ll give you something big enough to tear your ass in two

Swag on ‚em even when you dress casual

I mean, it’s almost unbearable

In a hundred years not dare would I

Pull a Pharcyde, let you pass me by

Nothin‘ like your last guy, he too square for you

He don’t smack that ass and pull your hair like that

So I’m just watching and waitin‘

For you to salute the true big pimpin‘

Not many women can refuse this pimping

I’m a nice guy, but don’t get confused, this pimpin‘

Rap-Zwischenteile sind meist mit „ich bin heiß und du auch, lass uns dreckige Sachen machen“ recht gut zusammenzufassen. Hier wird noch einmal ihr gegenwärtiger Partner gedisst und harter Sex angekündigt. Auch das wird vielen Feministinnen nicht gefallen – ein Schwanz so groß, dass er ihren Arsch zerreißt, Schläge auf den hintern und Haare ziehen, das alles auch noch „Zuhälter-Style“ wird da vielleicht einigen etwas weit gehen, zumindest wenn in dem Lied nicht vorher ausdrücklich Zustimmung angesprochen wird. Was aber nichts daran ändert, dass viele Frauen für harten Sex sehr gut zu haben sind und die Ankündigung von Schlägen auf den Arsch und Haare ziehen durchaus mit der Vorstellung von guten Sex verbinden können. Hier werden die üblichen Attraction Switches bedient – er hatte viele Frauen, er kann sie überall auf der Welt mithinnehmen, er ist der Wahnsinn im Bed und besser als die anderen Männer. Rap eben

Shake your rump

Get down, get up-a

Do it like it hurt, like it hurt

What you don’t like work

Hey!

Hier wird ihr gesagt, dass sie sich sexuell Bewegen soll, „do it like it hurt“ würde ich so interepretieren, dass es auf ein Stöhnen und ein schweres Atmen hinausläuft. Es wird also weiter ein sexuelles Bild gemalt

Baby, can you breathe

I got this from Jamaica

It always works for me

Dakota to Decatur

Er raucht mir ihr einen guten Joint, der Stoff kommt direkt aus Jamaica. Es wird also der oben genannte Plan verfolgt, zusammen High zu werden um dann die Hindernisse, die dem Sex entgegenstehen besser abbauen zu können

No more pretending

Cause now you’re winning

Here’s our beginning

I always wanted a

[Hook: Robin Thicke]

Sie sind beide High, sie können aufhören zu lügen. Sie will ihn und er will sie und sie soll das auch als Gewinn für sich sehen.

Also kurz zusammengefasst:

Sie ist ein heißes Mädchen, auf das er steht und von dem er meint, dass sie auch auf ihn steht. Er sagt ihr, dass sie nicht mehr so um den heißen Brei herumreden soll, so wie sie ihn anmachen, anfassen und antanzen wolle sei es offensichtlich, sie sei ihrem bisherigen Partner zu nichts verpflichtet. Sie sollten einen Joint zusammen rauchen und Sex haben, was dann wohl so auch umgesetzt wird.

Ich finde es schon erstaunlich, dass dieses Lied so massiv aus dem Feminismus angegriffen wird. Es wird wohl auch mit dem Video zusammenhängen, indem die Frauen quasi nackt sind, die Männer aber angezogen und die Frauen eher als Objekte herumlaufen. Dazu noch die Unterstellung „i know you want it“, die in dem Zusammenhang dann wohl feministisch nicht mehr anders interpretiert werden kann als „ich weiss es, also ist es richtig, also kann ich dich auch belästigen und vergewaltigen“. Dabei liegt ein Vorhalten ihrer widersprüchlichen Aktionen – sie will, aber sie will nicht, eigentlich sehr nahe.

Eine feministische Wertung zu dem Lied:

As a woman sympathetic to all victims of sexual abuse, I felt a tremendous amount of pain watching the „Blurred Lines“ music video. Although the models are hot and the goat is cute, the undeniable popularity of this negative message has shot up some serious red flags.

Sexual abuse often leaves the victim feeling powerless. The “I know you want it” lyrics seem to perpetuate these victim-blaming reactions that leave many of us feeling powerless long after the abusive incident.

Unfortunately, there’s a “douchebag” percentage of the population that listens to music like this and takes it at face value. Certain members of our society may listen to this song and watch this video and think, “Hey, I deserve to have the hottest girl in the bar. She’s here for my amusement.” One in six American women have experienced a rape or attempted rape. The vast majority of rape is committed by someone the victim already knew. This assumption that women’s purpose is to serve a man’s fantasies, reinforced by violent male dominance, has been termed “rape culture.“

Was für eine Panikmache: Victimblaming weil man einer Frau, die einen Anfasst und verführerisch mit einem tanzt vorhält, dass sie einen will. Aus dem blößen Vorhalt „ich weiß, dass du es willst“ wird  „ich werde dich deswegen nehmen“ obwohl er recht deutlich sinkt, dass er eigentlich von ihr hören will, dass sie ihn will.

Hier noch eine interessante Passage zu der Diskussion:

To be fair, there are drugs and alcohol in this song.Which brings up the other contention of the phrase “blurred lines”; some think that concept paints a scenario of Robin Thicke snatching up some boozed-out model, taking her back to his place, and having his way with her. Also, they’re smoking pot together: “Baby, can you breathe / I got this in Jamaica.” As we know, drugs are present in many a sexual assault. But to me, the drugs and alcohol are a conduit for cheating, not assault. “Blurred lines” clearly refers to a horny guy and girl who want to go at it, but the “good girl” is “domesticated” by some lad we can only assume is her boyfriend. The moral lines of them pursuing each other are fuzzy, or shall we say … blurred.

Essentially, the debate over this song comes down to context. Yes, if some creep came up to me out of the shadows of a street corner and said, “I know you want it,” to me, I would be a sketched out. But these are lyrics in an upbeat pop song that’s meant to be played in clubs while people are boozed up and flirting — not in a didactic manifesto of how to coerce a woman to have sex with you or a long-form essay in The New Yorker.

Because I know this will come up in the comments: yes, the music video does open up a whole other can of worms (which we’ve already covered). So please just listen, dance a little, and just enjoy this irresistibly catchy summer anthem. I know you want to.

Eben. Es ist ein Lied über einen Flirt, über eine Frau, die sexuelle Signale sendet, aber die etwas zurückhält. Das nur unter dem Aspekt Vergewaltigung zu sehen, zeigt eher wie selektiv die Wahrnehmung in diesen Teilen des Feminismus geworden ist. Dort kann man sich anscheinend noch nicht einmal mehr vorstellen, dass eine Frau doppeldeutige Zeichen sendet und ein Mann sie wahrnimmt und sie darauf anspricht.

Was ein trauriges Bild ist. Es geht so viel zwischenmenschliches verloren, wenn man die Sexualität nur in Schwarz und Weiß, ausdrückliche Zustimmung oder Vergewaltigung sieht.