„Wenn typische Frauenberufe schlechter bezahlt werden, muss man das durch Lohnerhöhungen dort ausgleichen“

Der Einwand dagegen, dass Frauen sich typischerweise Studienfächer und Berufe auszusuchen, in denen die Bezahlung schlecht ist, ist das dies nicht an den Frauen liege, sondern an der Diskriminierung. Der Wert dieser Arbeiten werde nicht angemessen umgesetzt.

Typische Argumente sind

  • Soziale Berufe sind wichtig für die Gesellschaft und sollten daher besser bezahlt werden
  • Auch diese Berufe verlangen eine qualifizierte Ausbildung, die demnach entsprechend zu entlohnen ist

1. Lohnbildung

In einer Marktwirtschaft bildet sich der Lohn nach verschiedenen Grundsätzen, insbesondere aber nach Angebot und Nachfrage, dann aber auch nach dem, was in der jeweiligen Branche durch qualifizierte Kräfte zu erwirtschaften ist. Die Löhne werden üblicherweise unter den Parteien ausgehandelt und nicht durch den Staat festgesetzt.

Im sozialen Bereich wird zwar auch vieles an Leistungen vom Staat angeboten, der dann das Gehalt regelt, der muss sich aber auch in gewisser Weise an den Löhnen des Marktes orientieren.

Im sozialen Sektor ist wenig Geld zu machen. Erhöhungen hier kann man schlecht über höhere Qualität oder bessere Leistungen weitergeben, weil zB Krankenkassen feste Sätze zahlen und man dann schnell Verlust macht.

Hinzu kommt der Umstand, dass Löhnerhöhungen eben ausgehandelt werden. Hier könnten sich verschiedene Faktoren auswirken:

  • Wer nicht mehr verlangt, der bekommt auch nicht mehr. Gerade Frauen sind aber prozentual weniger auf Arbeitskampf eingestellt, weniger in Gewerkschaften organisiert, lieber in flachen Hierarchien tätig, die einen direkten Arbeitskampf erschweren, in Berufen tätig, in denen kaum Gewinne weitergegeben werden können (ein Unternehmensgewinn in der Automobilbranche kann leichter von Mitarbeitern als Argument verwendet werden als ein „Gewinn“ in einem Kindergarten) und bei denen eine Arbeitsniederlegung auch schwerer durchsetzbar ist, weil man sie auf den Rücken von Hilfebedürftigen im sozialen Bereich austragen müsste.
  • Frauen sind häufig weniger auf das Gehalt angewiesen, weil es der Zuverdienst in der Beziehung ist, das Haupteinkommen erzielt der Mann.
  • Viele Frauen wählen ihren Beruf nicht nach Lohn aus, sondern nach dem Beruf an sich. Was dafür sorgt, dass immer ein relativ hohes Angebot an Arbeitskräften vorhanden ist. Ein sinkender Lohn schreckt weit weniger ab als zb in Männerbereichen
  • Frauen sind anscheinend andere Bereiche wichtiger, für die sie Lohneinbuße hinnehmen: Dazu gehören sozial anerkannte Tätigkeiten im helfenden Bereich, das Arbeiten mit Menschen, das Arbeiten im Innenbereich, die Vereinbarkeit mit Familie, die Work-Life-Balance etc.
  • Das der Lohn in einem Bereich sinkt, in dem Frauen in höherer Anzahl tätig sind, kann damit auch schlicht an diesen Frauen liegen und nicht an einer Diskriminierung.

2. Wie sollte man überhaupt den Lohn erhöhen?

Eine andere Frage wäre, wie man überhaupt den Lohn erhöhen sollte. Die Aufforderung „Frauenberufe müssen besser bezahlt werden“ hört man häufiger, aber sie wird selten wirklich konkret beschrieben,

Sicherlich könnte man einen Mindestlohn einführen, aber ansonsten wäre jeder Eingriff in die Lohngestaltung erst einmal ein starker Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Nehmen wir mal die Zahnarzthelferin in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis. Es ist eine Arbeit mit einem hohen Frauenanteil, trotz niedriger Bezahlung. Soll man jetzt plötzlich per Gesetz anordnen, dass Ärzte für die gleiche Tätigkeit mehr zu zahlen haben? Mit welchem Recht? Und warum gerade nur in diesem Beruf? Warum nicht auch in vergleichbaren Berufen? kann das Geschlecht hier maßgeblicher Faktor sein? Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Zahnärzte in diesem Bereich?

Warum sollte dies geschehen und warum sollten nicht die Frauen selbst in der Pflicht sein, die üblichen Wege des Arbeitskampfes zu bestreiten? Eine Zangsgewerkschaft für Frauen könnte ich mir da schon eher vorstellen, die dann einen Zwangsarbeitskampf führt, aber das wäre auch eine ziemliche Entmündigung.

ich bezweifele, dass „Zangslohnerhöhungsrunden“ verfassungsrechtlich zulässig wären.

3. Strohmann-Prüfung

Vielleicht habe ich das Argument auch falsch verstanden und insoweit hier schlicht einen Strohmann erlegt. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren, wer die eigentlichen Argumente oder Positionen besser darstellen kann oder hier falsch dargestellt sieht, der kann mich gerne in den Kommentaren darauf hinweisen