Oxytocin und Autismus

Interessante Forschung zur Wirkung von Oxytocin:

Oxytocin is the focus of intense scrutiny for its apparent roles in establishing trust between people, and has been administered to children with autism spectrum disorders in clinical trials. The new study, to be published Sept. 12 in Nature, pinpoints a unique way in which oxytocin alters activity in a part of the brain that is crucial to experiencing the pleasant sensation neuroscientists call „reward.“ The findings not only provide validity for ongoing trials of oxytocin in autistic patients, but also suggest possible new treatments for neuropsychiatric conditions in which social activity is impaired. „People with autism-spectrum disorders may not experience the normal reward the rest of us all get from being with our friends,“ said Robert Malenka, MD, PhD, the study’s senior author. „For them, social interactions can be downright painful. So we asked, what in the brain makes you enjoy hanging out with your buddies?“ Some genetic evidence suggests the awkward social interaction that is a hallmark of autism-spectrum disorders may be at least in part oxytocin-related. Certain variations in the gene that encodes the oxytocin receptor – a cell-surface protein that senses the substance’s presence – are associated with increased autism risk.

Oxytocin wäre also dafür zuständig, soziale Interaktionen zu belohnen. Interessant auch die weiteren Ausführung zur Bindung:

In the 1970s, biologists learned that in prairie voles, which mate for life, the nucleus accumbens is replete with oxytocin receptors. Disrupting the binding of oxytocin to these receptors impaired prairie voles‘ monogamous behavior. In many other species that are not monogamous by nature, such as mountain voles and common mice, the nucleus accumbens appeared to lack those receptors. „From this observation sprang a dogma that pair bonding is a special type of social behavior tied to the presence of oxytocin receptors in the nucleus accumbens. But what’s driving the more common group behaviors that all mammals engage in – cooperation, altruism or just playing around – remained mysterious, since these oxytocin receptors were supposedly absent in the nucleus accumbens of most social animals,“ said Dölen. The new discovery shows that mice do indeed have oxytocin receptors at a key location in the nucleus accumbens and, importantly, that blocking oxytocin’s activity there significantly diminishes these animals‘ appetite for socializing. Dölen, Malenka and their Stanford colleagues also identified, for the first time, the nerve tract that secretes oxytocin in the region, and they pinpointed the effects of oxytocin release on other nerve tracts projecting to this area.

Und zu der Wirkungsweise:

As the Stanford team found, oxytocin acting at the nucleus accumbens wasn’t simply squirted into general circulation, as hormones typically are, but was secreted at this spot by another nerve tract originating in the hypothalamus, a multifunction midbrain structure. Oxytocin released by this tract binds to receptors on the dorsal Raphe projections to the nucleus accumbens, in turn liberating serotonin in this key node of the brain’s reward circuitry. The serotonin causes changes in the activity of yet other nerve tracts terminating at the nucleus accumbens, ultimately resulting in altered nucleus accumbens activity – and a happy feeling. „There are at least 14 different subtypes of serotonin receptor,“ said Dölen. „We’ve identified one in particular as being important for social reward. Drugs that selectively act on this receptor aren’t clinically available yet, but our study may encourage researchers to start looking at drugs that target it for the treatment of diseases such as autism, where social interactions are impaired.“

Demnach wäre Autismus eine Folge davon, dass man nicht hinreichend für soziale Interaktionen belohnt wird, was mal wieder zeigt, wie biochemisch unser Gehirn arbeitet:  Funktioniert eines der Systeme nicht, dann verändert es das gesamte Denken

4 Gedanken zu “Oxytocin und Autismus

  1. Ich werf mal 2 Links ein:

    http://www.gehirn-und-geist.de/alias/autismus/falsch-verbunden/1185521

    http://www.spektrum.de/alias/psychogenetik/autisten-und-ihre-geschwister-aehneln-sich-in-der-hirnaktivitaet/1055057

    ________
    Die großen Probleme von Asperger-Autisten (also leichterem Autismus) sind folgende:

    1)Theory of Mind
    2)Zentrale Kohärenz (Ordnung der Wahrnehmung)
    3)Exekutive Funktionen (Handlungssteuerung)

    siehe hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom#Neuropsychologische_Ausf.C3.A4lle

    Ich würde behaupten die Geschichte mit dem Oxytocin erklärt die Problematik mit der Theorie of Mind und zum Teil den Exekutiven Funktionen. Weil diese ja mit dem direkten Lernen in der sozialen Gemeinschaft zusammenhängen.

    Anhand der obrigen beiden Links hab ich aber eher die Vermutung, dass die Zentrale Kohärenz das eigentliche Übel ist. Denn wenn jemand unzusammenhängend Denkt, also Teile seiner Umwelt nicht in logische Sinngruppen zusammenfügen kann, dann nimmt er auch in sozialen Situationen Menschen nicht als zusammenhängende Person war.

    Ich stell mir das so vor, dassjemand dann wirklich im Gesicht eines Menschen zwar die Augen, Nase, Mund, Haut, Wimpern, Augenbrauen ähne, Falten, Sosntige Merkmale wahrnimmt, aber nicht als „zusammenhängendes Gesicht“, sondern als Ansammlung von Details.
    Da ist es klar, dass Autisten zum Beispiel komplexe/ambivalente Gefühlsregungen in Gesichtern schwieriger erkennen können, wenn sie eher nur auf einzelne Merkmale achten.
    (Ein zorniges Gesicht lässt sich an einer Bestimmten Mundform oder Augebnbrauenform erkennen. Ein lächelndes an den Augen und am Mund. Ein falsches Lächeln ist meist ein schiefes lächeln und/oder ein Lächeln an dem die Augen nicht beteiligt sind. Wenn ich da nur auf Einzelmerkmale achte brauche ich zum einen länger, um das sinnvoll zusammenzusetzen und zum anderen muss ich bewusst darüber nachdenken und kann das nicht intuitiv).

    Wenn man das jetzt auf andere Merkmale überträgt (Stimmlage, Umwelt usw) dann ist es kein Wunder, wenn Autisten ihre Welt als unheimlich kompliziert erleben und zu Reizüberflutung neigen. Die sie durch das Ordnen von Dingen versuchen in den Griff zu kriegen.

    Übertzrägt man das auf die zwischenmenschlichkeit ist klar, dass das soziale verkümmert, weil es meist eher intuitiv gesteert wird.
    Dann wird in sozialen interaktionen auch weniger oxytocin ausgeschüttet, weil es in dieser komplexen wahrnehmung garnicht erst soweit kommt, dass jemand sich intuitiv wohl fühlt.

    as erzuegt dann sicherlich zusätzlich frust, denn Menschen die als „asozial“ gelten werden intuitiv ausgegrenzt: teufelskreis
    Was schon verkümmert ist, wird nicht weiter aufgebaut, es bleibt verkümmert.

    Zur Kompensation entwickeln Autisten dann Fähigkeiten in anderen Bereichen, um mit dieser latenten Unsicherheit und dem Chaos klar zu kommen.

    Das ist meine Schlussfolgerung anhand dessen was ich dazu gelesen hab

    • Ergänzung:

      Das Hirn kennt zwei Formen der Aufmerksamkeit:
      zum einen die zielgerichtete Aufmerksamkeit auf einen Punkt
      und zum anderen die „gestreute Wahrnehmung“ die eher auf Schemen aufbaut.

      Bildlich lässt sich das gut erklären damit, wie wenn ein Urzeitmensch in der Prärie saß und meinetwegen Feuer machen musste:
      Die konzenttration auf den Feuerstein etc ist zielgerichtet, man kann aber gleichzeitig noch seine große wahrnehmung auf de prärie lenken, schließlich kann da jederzeit ein tiger aus dem Busch springen.
      Diese Wahrnehmung orientert sich dann wohl eher an formen und flächen, weniger an genauen Details.

      Ich denke ähnliche hirnbereiche werden wohl beim Gesichterlesen benutzt: Man betrachtet ein gesicht auch anhand seiner flächen, wenn man quasi „ganzheitlich“ Mimik erkennen will, guckt man unbewusst halt auf alles andere als nur die details.
      Und vielleicht hapert es auch genau an diesem Teil: Das Flächenwahrnehmen ist gestört, deswegen können Autisten die details, die sie wahrnehmen dann vermutlich nicht auf den Flächen anordnen.

      (Okay, das ist jetzt mehr interpretation, hab da keine studie zu)

      Aber als diaramm hab ich noch folgendes gefunden:

      aus diesem Blog: asperger.blogspot.de/

      die rote Markierung entspricht dem üblichen Aufmerksamkeitsaspekt von Aspergern

      (auch der restliche Blog ist lesenswert wenn man daran interesse hat)

      • @unkraut

        Danke für die Kommentare, sehr interessant.

        Ich finde es auch faszinierend, wie es sich auswirkt, wenn einzelne Systeme nicht funktionieren. Sei es bei Asexuellen, die in einer Ausprägung schlicht nicht begreifen können, warum ein anderer Mensch sexy sein soll oder bei Autismus, die vielleicht, wie du es hier ausführst, schlicht nicht die einheitlichen Gesichtspunkte erkennen können und daher die Welt als unglaublich komplex und verwirrend erleben.

        Wie ich im Artikel schrieb: aus meiner Sicht ein gutes Beispiel dafür, dass wir nicht alles erlernen können

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