„Lebensentwürfe heute Wie junge Frauen und Männer in Deutschland leben wollen“

In der Studie „Frauen auf dem Sprung 2013“ der Zeitschrift Brigitte gibt es einige interessante Zahlen:

Zur Frage, was in der Gesellschaft wichtig sei:

Frauen geben heute außerdem wesentlich häufiger als damals an, dass anderen Frauen „viel Geld (zu) verdienen“ wichtig ist. Vor fünf Jahren sagten das 54 Prozent der Frauen, 2012 sind es 76 Prozent. Auch Männer nehmen diese Veränderungen bei Frauen wahr. Ebenso verhält es sich mit der Karriere: Damals gaben noch 46 Prozent der Frauen an, dass anderen Frauen eine Karriere wichtig ist, jetzt kletterte der Wert um 26 Prozentpunkte auf 72 Prozent. B

Die Bedeutung eines guten Berufs scheint also gestiegen zu sein, Ein Beruf wird für Frauen auch von Frauen als wichtiger angesehen.

Zur eigenen Stellung in der Gesellschaft

Schauen wir zunächst, wie die jungen Menschen ihre eigene Macht und ihren Einfluss wahrnehmen. Die Befragten haben ihre Position etwas nach oben korrigiert. Insgesamt ordnen sie sich um 0,2 Skalenpunkte höher ein als 2009. Auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 bleiben sie aber weiter im negativen Bereich: Die Männer sehen sich im Gefüge sozialer Ungleichheit bei minus 0,8, die Frauen bei minus 0,7, also leicht höher. Da die Befragten zuvor ihre 2007 und 2009 gewählten Werte sahen und sich bewusst zu diesen verhielten, ist der Anstieg kein methodisches Artefakt, sondern eine real empfundene Verbesserung. Schaut man auf diese Veränderung, ist ein deutlich positiver Saldo zu erkennen. 70 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen finden, dass sie selbst mehr Macht und Einfluss haben. Dagegen erleben 18 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen einen Rückgang an Macht und Einfluss.

Die Frauen sehen sich also ungefähr an der gleichen Position im sozialen Gefüge wie die Männer. Das patriarchale Hierarchieverhältnis, wie es der Feminismus gerne behauptet, scheinen die Frauen also nicht als solches wahrzunehmen

Zu Unterschieden zwischen Männern und Frauen:

Geteilte Geschlechterbilder. Männer und Frauen meinen gleichermaßen, dass Kinder für Frauen wichtiger sind als für Männer. Auch die Entwicklung beurteilen Männer und Frauen gleich: Die Bedeutung von Kindern für Frauen ist heute höher (62 Prozent) als 2007 (54 Prozent). Fragt man nach der Bedeutung von Kindern für Männer, erhält ebenfalls übereinstimmende Antworten. Meinten 2007 noch 40 Prozent, dass eigene Kinder für  Männer wichtig sind, so sagen dies heute nur noch 34 Prozent. Diese Einigkeit ist neu. 2007 vermuteten 40 Prozent der Männer, dass Männer Kinder haben wollen, und nur 17 Prozent der Frauen. Geteilte Geschlechterbilder sieht man auch bei der Wertigkeit von ‚heiraten’. Völlig unabhängig davon, ob man Männer oder Frauen befragt, schätzen 45 Prozent eine Heirat für Frauen als wichtig ein, aber nur 21 Prozent meinen dies für Männer. Weitere Beispiele sind das „Aussehen“, das man bei Frauen für wichtiger als bei Männern hält (95 Prozent zu 84 Prozent) sowie für „Treue“ (74 Prozent zu 58 Prozent). Dieses Muster zeigt sich auch in anderen Lebensbereichen. Die Wichtigkeit, „Karriere zu machen“, wird nach wie vor eher Männern (89 Prozent) als Frauen (70 Prozent) zugeschrieben. Allerdings hat sich nach Ansicht aller Befragten die Bedeutung von Karriere für Frauen deutlich erhöht, von 44 auf 70 Prozent. Auch für Männer wird die Bedeutung heute erheblich höher eingestuft: mit 89 Prozent, im Vergleich zu den früheren 65 Prozent. Damit bleibt der Abstand zwischen den Geschlechtern bestehen: Karriere machen zu wollen gilt heute noch eher als Männersache. Getrennte Welten. Es gibt auch Merkmale, die Frauen und Männern zugeschrieben, von diesen aber nicht geteilt werden: Nach Ansicht der befragten Männer legen Frauen in unserer Gesellschaft großen Wert auf das Heiraten. Frauen selbst sehen das jedoch anders. 45 Prozent der Männer meinen, dass eine Heirat für Frauen wichtig ist, aber nur 35 Prozent der Frauen sagen dies über ihre Geschlechtsgenossinnen. Ähnlich auch beim Geld. Die Wichtigkeit von Geld für Frauen wird von Frauen (76 Prozent) deutlich höher eingeschätzt als von Männern (65 Prozent). Überspitzt könnte man sagen, dass Männer Frauen falsch lesen und Einstellungen wahrnehmen, die diese in der eigenen Wahrnehmung gar nicht besitzen.

Zur Arbeitsteilung aus Sicht der Frauen:

Die Aufteilung von Beruf und Familie betrachten wir zunächst aus Sicht der Frauen. Der traditionellen Rollenaufteilung „Mein Partner soll für die Existenzsicherung der Familie zuständig sein, ich für Haushalt und Kinder“ stimmen 6 Prozent der Frauen zu. Damit gehen 94 Prozent der Frauen davon aus, zur Existenzsicherung der Familie beizutragen. „Beitragen“ ist das richtige Wort, denn Frauen sehen sich selbst nicht als Alleinverdienerin. Die Aussage „Ich werde für die Existenzsicherung der Familie verantwortlich sein, mein Partner für Haushalt und Kinder“ unterstützen ein Prozent der Frauen. Die Mehrheit der Frauen (62 Prozent) wünscht ein Modell, das sich folgendermaßen umreißen lässt: „Ich strebe einen gelungenen Ausgleich zwischen Beruf und Familie an, ohne dass einer der beiden Bereiche vernachlässigt wird.“

Und aus Sicht der Männer:

Männer haben ähnliche Vorstellungen. Zwar meint immerhin noch jeder fünfte Mann, dass er für die Existenzsicherung der Familie verantwortlich ist und seine Partnerin für Haushalt und Kinder. Die Mehrheit der Männer wünscht sich allerdings auch einen gelungenen Ausgleich zwischen Beruf und Familie. Kein Bereich soll zu kurz kommen. Die Befragten konnten auch angeben, dass der Beruf bzw. die Familie klar im Vordergrund stehen. Eine solche Dominanz des Berufs geben nur wenige Befragte an (2 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer). Der Aussage „Meine Familie steht klar im Vordergrund. Ich werde meine Kinder nicht für den Beruf zurückstellen“ stimmen dagegen 17 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer zu

Hier finde ich die Frage sehr vage gestellt. Denn was ein angemessener Ausgleich zwischen Beruf und Familie ist, dass kann ja zwischen den Geschlechtern schwanken. Hier hätte man vielleicht eher mit Stunden im Verhältnis zum Kindesalter arbeiten sollen.

Interessant insofern die Frage danach, wie für die Kinderbetreuung ausgesetzt werden soll:

2012 fragten wir wieder, wie lange die jungen Menschen für ein Kind ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen würden.15 Die meisten Frauen (37 Prozent) würden zwölf Monate zu Hause bleiben, 16 Prozent 2 Jahre und 30 Prozent drei Jahre (Abbildung 7). Weniger als ein Jahr aussetzen würden 7 Prozent. Im Vergleich zu 2009 (2007 haben wir diesen Wert nicht erhoben) wollen die Frauen damit etwas früher ins Erwerbsleben zurück. Dieser Trend zeichnet sich umso stärker ab, je höher die Bildung der Frauen ist. Gut gebildete Frauen planen zu 55 Prozent eine Unterbrechung von einem Jahr. Weiterhin unterscheiden sich Frauen in West- und Ostdeutschland nach wie vor deutlich voneinander. Nach einem Jahr würden 22 Prozent der westdeutschen Frauen und 55 Prozent der ostdeutschen Frauen wieder arbeiten gehen. Wir haben auch erhoben, inwieweit ein Kitaplatz einen Unterschied im Entscheidungsverhalten machen würde.

Und bei den Männern:

Und was wollen die Männer selbst? Hier ist zu beachten, dass das Elterngeld 14 Monate lang gezahlt wird, wenn mindestens zwei Monate vom Vater beansprucht werden. Auf die Frage: „Wie lange würden Sie selbst Elternzeit nehmen?“, schließen 33 Prozent der westdeutschen Männer (2009: 32 Prozent) und 29 Prozent der ostdeutschen Männer (2009: 12 Prozent) jede eigene Inanspruchnahme einer Elternzeit für sich komplett aus. In Ostdeutschland steigt also die Ablehnung deutlich. Allerdings sind 23 Prozent der Männer im Westen und 6 Prozent der Männer im Osten unentschieden und antworten mit „weiß nicht“. Insbesondere westdeutsche Männer zeigen eine zunehmende Unsicherheit. 2007 hatten nur 16 Prozent mit „weiß nicht“ geantwortet. Hier könnte auf Seiten von Politik und Betrieben noch um Akzeptanz von Männern in Elternzeit geworben werden. Zwei Monate Elternzeit würden 19 Prozent der Männer im Westen und 21 Prozent der Männer im Osten nehmen. Zu sechs Monaten tendieren 12 Prozent der westdeutschen Väter und 26 Prozent der ostdeutschen Väter. Ein Jahr möchten nur wenige Väter unterbrechen: 8 Prozent im Westen und 13 Prozent im Osten (2009 waren es noch 36 Prozent). Bereits hier ist zu fragen, wie das mehrheitlich gewünschte Rollenmodell „Ich strebe einen gelungenen Ausgleich zwischen Beruf und Familie an, ohne dass einer der beiden Bereich vernachlässigt wird“ denn umgesetzt werden kann. Die persönliche Kinderbetreuung im ersten Lebensjahr unterstützen Männer viel weniger als Frauen.

Männer wollen also zu einem weitaus größeren Teil als Frauen nicht aussetzen. Interessant auch dazu, wie die Frauen die Männer einschätzen:

Fragen wir dazu die Frauen, wie lange ihr Partner wohl Elternzeit nehmen würde. Die Antworten der westdeutschen Frauen stimmen weitgehend mit den Willensbekundungen der westdeutschen Männer überein. Frauen unterbrechen im Westen also so lange, wie Männer es von ihnen erwarten, und Männer unterbrechen so lange, wie Frauen das von ihnen annehmen. Im Osten dagegen stoßen wir auf eine unerwartete Konstellation. Die Frauen unterschätzen, wie viele Männer Elternzeit nehmen würden, ebenso die Dauer der geplanten Elternzeit: 37 Prozent der Frauen gehen davon aus, dass Männer keine Elternzeit nehmen, bei den Männern selbst waren es 26 Prozent. 17 Prozent der Frauen rechnen mit vier Monaten, aber 26 Prozent der Männer.

Man hat also anscheinend zumindest im Westen eine gewisse Abstimmung miteinander gefunden.

Zur Verwaltung des Geldes innerhalb der Familie:

Untersuchungen zur Geldverteilung in Paarhaushalten zeigen immer wieder, dass die meisten Paare ihr Geld zusammenlegen und gemeinsam verwalten. Dies ist auch bei den befragten jungen Frauen und Männern so. Der Anteil jener, die getrennt verwalten, liegt aber konstant über 30 Prozent und ist damit recht hoch. Die getrennte Verwaltung wird dabei viel häufiger von Männern (46 Prozent) als von Frauen (27 Prozent) genannt, ebenfalls häufiger von gut Gebildeten als von niedrig Gebildeten. Zudem ist in den ostdeutschen Bundesländern die gemeinsame Geldverteilung wesentlich seltener als die getrennte

70% der Paare legen ihr Geld zusammen und verwalten es gemeinsam. Auch interessant in Bezug darauf, inwiefern Frauen über Geld verfügen können-

Zu den geleisteten Arbeitsstunden:

Im Schnitt beträgt die vertragliche Arbeitszeit bei Männern 37 Stunden und bei Frauen 32 Stunden in der Woche. Die gewünschte Arbeitszeit geben die Männer mit 36 Stunden an und Frauen mit 32 Stunden. Bei den Frauen entspricht somit durchschnittlich die gewünschte Arbeitszeit auch der vertraglich fixierten. Daraus zu schließen, dass alle Frauen ihrer Wunscharbeitszeit nachgehen, wäre jedoch falsch. Werfen wir einen Blick auf die individuellen Wünsche: 46 Prozent der Frauen wollen weniger arbeiten, als es ihrer vertraglich geregelten Arbeitszeit entspricht. 29 Prozent streben mehr Arbeitsstunden an, und 25 Prozent möchten bei ihrer Arbeitszeit bleiben. Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren möchten, sind überwiegend Vollzeit tätig (68 Prozent). Sie sind gut gebildet und haben keine Kinder. Frauen, die mehr arbeiten wollen, sind meist in Teilzeit beschäftigt. Viele haben Kinder und streben eine niedrige Vollzeitstelle an, also eine Wochenarbeitszeit zwischen 30 und 34 Stunden. Einige von ihnen haben eine geringe Bildung und bräuchten eine längere Arbeitszeit, um ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Über die Hälfte (55 Prozent) der Männer wollen weniger Stunden arbeiten. Dies gilt insbesondere für Väter. Von ihnen wünschen sich 73 Prozent eine Arbeitszeit, die unter ihrer vertraglich geregelten Arbeitszeit liegt. Die aktuelle Erwerbssituation der jungen Frauen und Männer zeigt somit die bekannten Schieflagen. Das Arbeitsvolumen von Frauen und Männern unterscheidet sich erheblich voneinander. Es entspricht häufig nicht ihren Bedürfnissen. Insbesondere die familiäre Situation spielt hier eine Rolle: Mütter würden gern etwas mehr, Väter etwas weniger lange arbeiten

Hier zeigt sich, dass viele Frauen die Verteilung von Arbeitszeit und Familie eher bei einer 3/4 bis Halbtagsstelle sehen, Männer bei einer Vollzeitstelle.

Auch interessant, wie sich Männer und Frauen in der Familie positionieren:

Anschließend baten wir die Befragten, sich anhand des Bildes auch im familiären Kreis einzuordnen. 2009 sahen sich je 47 Prozent der Männer und Frauen vorne. 2012 sind es noch immer 47 Prozent der Männer, aber 57 Prozent der Frauen. Von diesen verorten sich 16 Prozent ganz an der Spitze, bei den Männern sind es 8 Prozent. In der Mitte positionieren sich 29 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer, hinten 2 Prozent der Frauen und 4 Prozent der Männer

Hier findet sich auch keine Unterordnung der Frau, im Gegenteil, viele sehen sich an der Spitze der Familie.

Zur Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt:

Ich bin wütend, dass Frauen diskriminiert werden“, sagen 71 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer (Abbildung 15). „Ich bin besorgt, da die deutsche Wirtschaft die Produktivität von Frauen nicht nutzt“, erklären 80 Prozent der Frauen und 64 Prozent der Männer. Radikal anders antworten 40 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen: „Ich bin heilfroh, da sich Frauen in erster Linie um Haushalt und Familie kümmern sollen.“ Ernüchterung macht sich breit. Zwar werden Ungerechtigkeiten auf dem Arbeitsmarkt rein rational festgestellt, doch zu einer Auflehnung dagegen führt dies noch lange nicht. Wütend sind nur wenige Männer, beinahe die Hälfte von ihnen ist aber froh, dass Frauen in ihrem traditionellen Aufgabenbereich bleiben müssen. Es überrascht daher auch nicht, dass eine „verbindliche Frauenquote“ nur von 36 Prozent der Männer unterstützt wird. Die Mehrheit der Frauen (62 Prozent) ist da ganz anderer Meinung. (…) Der Aussage „Frauen und Männer haben dieselben Chancen. Ich weiß gar nicht, worüber man sich eigentlich aufregt“  stimmen 43 Prozent der Männer zu, bei Frauen sind es 24 Prozent.

Es sind allerdings merkwürdig formulierte Fragen. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede. Frauen meinen weitaus eher, dass sie diskriminiert werden als Männer