Empathie und Freundschaft als evolutionäre Mechanismen

In einer interessanten Studie wurde verglichen, wie Leute darauf reagieren, wenn sie in einem Experiment entweder Freunden oder Fremden Elektroschocks drohten.

Das Ergebnis war, dass sie bei Freunden den Schmerz wie einen eigenen wahrnahmen, bei Fremden aber nicht:

The researchers found, as they expected, that regions of the brain responsible for threat response – the anterior insula, putamen and supramarginal gyrus – became active under threat of shock to the self. In the case of threat of shock to a stranger, the brain in those regions displayed little activity. However when the threat of shock was to a friend, the brain activity of the participant became essentially identical to the activity displayed under threat to the self.

Es wäre also ein interessanter Weg, um ein gewisses In-Grouping bzw. Out-Grouping zu ermöglichen und den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken. Wer Probleme der Mitglieder seiner Gruppe zu seinen eigenen Macht, der wird eben effektiver mit diesen zusammen arbeiten und auch etwas davon haben, denn Probleme der Gruppe können auch Probleme des Einzelnen werden bzw. er kann darauf vertrauen, dass andere Mitglieder seiner Gruppe ebenso bei Problemen gegen ihn denken.

Es würde aber auch bedeuten, dass diese Unterscheidung in Freunde bzw. Fremde und die Art, wie wir mit ihnen mitfühlen, angeboren ist. Andererseits wird man kulturell ausformen können, welche Gruppe man noch zum eigenen „Stamm“ rechnen kann und wer Fremder ist.

 

13 Gedanken zu “Empathie und Freundschaft als evolutionäre Mechanismen

  1. Daraus würde sich aber auch ergeben, dass Menschen immer dazu neigen Gruppen/Gesellschaften/Soziotope zu bilden und das in Abhängigikeit zu den Menschen, denen sie vertrauen. Irgendwann gerät aber jedes Soziotop an seine Grenzen, weil man schließlich nicht alle kennenlernen kann -Anonymität tritt ein. Das ist zum Einen gut, da es schließlich sehr anstrengend ist jeden Empathie entgegenzubringen und zum Anderen ist es schlecht, weil somit Konflikte niemals enden werden und die Konfliktbewältigung in jedem Soziotop an einer hohen gesellschaftlichen Stelle stehen muss.

    • @erikschueler

      „Daraus würde sich aber auch ergeben, dass Menschen immer dazu neigen Gruppen/Gesellschaften/Soziotope zu bilden und das in Abhängigikeit zu den Menschen, denen sie vertrauen.“

      Ja, kann man ja auch ganz gut beobachten

      „Irgendwann gerät aber jedes Soziotop an seine Grenzen, weil man schließlich nicht alle kennenlernen kann -Anonymität tritt ein.“

      Ja, um so weniger die Leute miteinander zu tun haben, um so weniger ordnen sie sie in die Kategorie Freund ein. Es kommt dann eher dazu, dass man sich in seine kleinere Gruppe zurückzieht und einem die große Gesellschaft egaler wird, würde ich vermuten

  2. Hallo Christian, vielen Dank für diesen Artikel!
    Wenn ein christlicher Fundamentalist nun kommen und behaupten würde, er könnte all diese Befunde genauso gut durch seine Schöpfungstheorie erklären, was würdest du persönlich ihm sagen?

    Ich selber bin ein progressiver Christ und glaube fest an die Evolution aber bin immer neugierig, wie andere Menschen mit dem Kreationismus umgehen.
    Dies wirft aber viele ethische und philosophische Fragen auf.

    Es könnte wohl sein, dass es für die frühere Menschheit lebensnotwendig war, Empathie nur für seine Freunde zu empfinden.
    Aber als Christen fühle ich mich schon an das Gebot von Jesus gebunden: 32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
    33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
    34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
    35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

    Sogar Richard Dawkins erkannte, dass eine solche Liebe in einem gewissen Sinn die blinden Kräfte der natürlichen Selektion sprengen.
    Und ich habe in meinem eigenen Leben bemerkt, dass wenn ich mich darum bemühe, Leuten, die ich nicht mag, immer wieder gut zu tun, werde ich Empathie für sie empfinden.

    Falls dieser Kommentar den Rahmen Ihres Blogs sprengt, denn bitte löschen ihn aus.

    Ich bin sehr interessiert an der Schnittstelle von Philosophie, Naturwissenschaft und Religion und darum geht es in meinem eigenen Blog

    Liebe Grüsse aus Lothringen.

    Lothars Sohn – Lothar’s son
    http://lotharlorraine.wordpress.com

    • @Lotharson

      „Wenn ein christlicher Fundamentalist nun kommen und behaupten würde, er könnte all diese Befunde genauso gut durch seine Schöpfungstheorie erklären, was würdest du persönlich ihm sagen?“

      Ich würde ihn erst einmal fragen, wie er es denn erklärt.

      Eine Erklärung a la „Gott hat uns genau so geschaffen, wie es die biologischen Theorien erklären“ würde ich entgegenhalten, dass wir dafür zu viele Zwischenschritte gefunden haben. Eine Erklärung a la „Gottes Mittel ist eben die Evolution, er steuert sie“ würde ich entgegen halten, dass es dafür keine Anhaltspunkte gibt

      • Ok, ich denke schon, dass Gott die Evolution gelenkt hat.

        würde es etwa heißen, dass die einfachste Theorie immer die wahrscheinlichste ist?

        Ich habe meine Einwänge gegen dieses Prinzipien hier zusammengefasst, falls Sie vielleicht an Erkenntnisphilosophie Interesse haben
        http://lotharlorraine.wordpress.com/category/parsimony-sparsamkeit/

        Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass gerade jetzt in einer entfernten Galaxie (oder paralellen Universum) ein bärähnliches intelligentes Wesen gerade mit seinem Rechner spielt.
        Bedeutet es, dass es ihn nicht gibt?

        In einer solchen Situation scheint mir der Agnostismus die vernünftigste Position zu sein.

        Liebe Grüsse aus Lothringen.

        Lothars Sohn – Lothar’s son
        http://lotharlorraine.wordpress.com

        • @lotharson

          „Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass gerade jetzt in einer entfernten Galaxie (oder paralellen Universum) ein bärähnliches intelligentes Wesen gerade mit seinem Rechner spielt.
          Bedeutet es, dass es ihn nicht gibt?“

          Nein, aber wenn man einen Bestandteil nicht braucht und ansonsten nichts für ihn spricht, warum sollte man ihn dann aufnehmen?

          Gegen die Schöpfungstheorie der Bibel selbst spricht zudem einiges.

          Aber mal Probehalber:

          Danach müssten ja alle Schöpfungsgeschichten aller Religionen, einschließlich des Fliegenden Spaghettimonsters aus deiner Sicht plausibel sein, es spricht nicht mehr oder weniger für sie als für die biblische Schöpfungsgeschichte.

          Oder?

          • In meinem letzten Link gehe ich auf diese Einwände und Vergleiche ein.

            Der FSM ist absurd weil es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die zufällige Bewegung von menschlichen Nudeln ein Lebewesen hervorbringen kann.

            ABER in einem Multiversum wird es viele FSM geben, weil alles dann möglich ist.
            http://lotharlorraine.wordpress.com/category/intelligent-design/

            Und da ich für die Möglichkeit offen bin, dass wir in einer Computersimulation leben, kann ich mir auch vorstellen, dass manche simulierenden Wesen Atheisten einen Witz machen und Ihnen als einen FSM erscheinen 😉

            Die literale Interpretationen von Schöpfungsmythen sind alle falsch und zwar bei jeder Religion.
            Aber es schliesst die Möglichkeit keineswegs aus, dass es einen realen Gott gibt, der die Evolution irgendwie natürlich gelenkt hat, sodass am Ende Menschen und andere wunderbare Tiere entstanden sind.
            Und die Schöpfungsmythen sind kulturbedingte Erfahrungen und Gedanken über Gott.

            Liebe Grüsse aus Lothringen.

            Lothars Sohn – Lothar’s son
            http://lotharlorraine.wordpress.com

  3. Sensationell finde ich den Artikel nicht, die Thematik wurde auch schon mit Spiegelneuronen abgehandelt, aber das die Vorgänge so tief im Gehirn stattfinden ist intressant. Dass das Merkmal angeboren ist, davon gehe ich auch aus, scheint ganz tief verwurzelt zu sein, weil man auch mit Tieren Freundschaften aufbauen kann. Tiere sind auch sehr intressant, gerade Riesenheraden und Schwärme, die sich wie ein Organismus verhalten, aber können sich koordinieren, weil sie die Augen an der Seite angebracht sind.

    Was ich beim Artikel nicht rausgelesen habe, ob die eine Versuchspersonen Blickkontakt zum anderen hatte. Ich gehe aber davon mal aus, alles andere wäre definitiv eine Sensation. Mein Gedanke ist, wenn ich als Anführer mit 3 Freunden eine 4er Gruppe bilde, dann bin ich im Mittelpunkt und alle synchronisieren sich mit mir und wir bilden eine Einheit, die schnell reagieren kann.

    Eine logische Folge wären auch Rangkämpfe, damit stets der Beste der Synchronisator ist. Auch das Anführer den Kopf nach oben streckt ist schlüssig, damit die anderen die Mimik gut erkennen können, die anderen Kopf nach unten, damit sich keiner ausversehen mit diesen spiegelt und Verwirrung in die Gruppe kommt. Das fremde nicht gespiegelt werden ist auch klar, wenn doch selektiert die Evolution die Naiven weg.

    Ich könnte mit zumindestens den Anfang der Hierachien vorstellen, zumindestens bei Männern und ob das von Anfang der Menscheit so war oder es sich durch Jagdgesellschaften, Kriege und so entwickelt hat, sei mal dahin gestellt.

    Ob es bei Frauen genau so war, weiss ich nicht, spekuliere aber mal. Neben Femminismus und Maskulismus als Ideologie gibt es auch die Kulturdimensionen maskulin und feminin, die aber auch die Wettbewerbsmentalität und der gegensatz der Harmonie oder Gleichheit aussagen. Vielleicht schauen sich Frauen öfter alle gegenseitig an, synchronisieren ihre Gefühle im Kollektiv, was zu mitgefühl führt und vielleicht sind die Wurzeln Kinder bekommen und Kinder kriegen.

    Oweih, was sich für ein langer Text, aus so paar Gedanken entwickelt hat…

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