„Maskutrolle“ vs „Feminazis“

Das „om13gate“ um einen Vortrag zu Beschimpfungen gegen Feministinnen durch „Maskutrolle“ zeigt mal wieder, dass die Gräben tief sind.  Zu den Vorfällen an sich ist bereits viel geschrieben worden:

Dabei ist es aus meiner Sicht relativ egal, ob Ochdomino nun ein Fake war oder nicht.

Es ändert nichts daran,  mit welcher Schnelligkeit man im Radikalfeminismus mit dem Etikett „Maskutroll“ versehen wird, und das aus den klassischen Gründen, die eine solche Bezeichnung mit einem entmenschlichenden „Kosenamen“ üblicherweise hat: Feindbildaufbau

Mit Feindbild wird im Allgemeinen ein negatives Vorurteil gegenüber anderen Menschen, Menschengruppen (insbesondere Minderheiten), Völkern, Staaten oder Ideologien bezeichnet, das auf einer Schwarz-Weiß-Sicht der Welt (Dichotomie, Dualismus) beruht und mit negativen Vorstellungen, Einstellungen und Gefühlen verbunden ist.[1] Typisch für ein Feindbild ist, dass im Anderen bzw. Fremden das Böse gesehen wird und diesem negativen Bild kontrastierend ein positives Selbstbild bzw. Freundbild gegenübergestellt wird.[1] Feindbilder werden unter anderem von Politikern aufgebaut und geschürt, die den Populismus praktizieren. Sie stützen sich dabei auf ein Verschwörungsdenken, das menschliche Verhaltensmuster der Abwehr und auf Protesthaltungen

Das ist natürlich auch auf der anderen Seite so, wo der Begriff „Feminazi“ die gleiche Bedeutung hat.

In beiden Fällen wird der jeweils andere abgewertet und ein „Gut-Böse“ -Schema aufgebaut.

Dabei sollte man sich bewußt machen, dass beides eher in den radikaleren Flügeln erfolgt, wobei der feministische radikale Flügel aus meiner Sicht schon einen relativ großen Kern hat, aufgrund von IDPOL grenzt man hier gerne aus und ist wenig bereit überhaupt auf andere zuzugehen, die eine andere Meinung vertreten.

Das finde ich eigentlich das Schlimmste an der ganzen Genderdebatte: Überall ist vermintes Gebiet, an zu vielen Stellen sind die Burggräben geflutet und die Zugbrücke ist hochgezogen. Man kann allenfalls damit rechnen, etwas siedendes Öl über den Kopf zu bekommen.

Es wäre schön, wenn man statt dessen Debatten führen könnte, aber der Hass oder die Überzeugung das Richtige zu tun sind wohl auf beiden (radikalen) Seiten zu groß.

Dabei könnten Diskussionen so viel Spaß machen.

Ich würde mir tatsächlich einen feministischen Blog wünschen, der ebenso stark auf Studien abstellt, wie der meine, Bei dem die Betreiberin zumindest einmal ein paar Standardwerke zu den Gegenmeinungen gelesen hat oder versucht deren Hauptthesen nachzuvollziehen. Die eine freies Kommentieren zulässt und abweichende Meinungen erträgt.

Ich bräuchte wahrscheinlich noch nicht einmal mehr nach Themen zu suchen, ich würde sie ja quasi frei haus geliefert bekommen.

Aber die Vorstellung, dass gemäßigte Feminstinnen und Maskulisten miteinander sachlich diskutieren scheint nicht sehr zeitgemäß zu sein. Mir scheint es hier eher so als wäre der Maskulismus eher etwas zivilisierter geworden. Mit Schoppe ist ein ruhigerer Blog dazugekommen, Sciencefiles verfolgt auch eine sachliche Kritik und eher polterische Bogs wie etwa „Söhne des Perseus“ haben ihren Dienst eingestellt. Natürlich gibt es immer noch Fürchterlichkeiten wie Frauenhaus und auch das gelbe Forum ist noch aktiv, aber die Stimmen, die an einem sachlichen Diskurs interessiert sind, sind gestiegen.

Im Gegenzug scheint sich aus meiner Sicht beim Feminismus eine teilweise Radikalisierung zu zeigen. wie sich an einem der jüngeren Artikel in der Mädchenmannschaft zeigt:

Das sage ich als Einzelperson, aber auch als Einzel-Mitglied der Mädchenmannschaft. Derartige Großveranstaltungen – eben auch die Demo von heute – sind in der Regel deshalb so erfolgreich, weil sie anschlussfähig an den Mainstream sind, und Nicht-Anschlussfähigkeit mag ein Problem sein: Zum Beispiel, weil ein Format wie meines hier oder auch die Mädchenmannschaft es nicht ist.

Hier wird im Prinzip gesagt, dass man nicht zum feministischen Mainstream gehören möchte, sondern zu dessen radikaleren Rand. Das scheint mir allgemein eine Tendenz in der Mädchenmannschaft zu sein.

Die Piratenpartei ist insoweit ebenfalls `Heimat eines relativ radikalen Teil des Genderfeminismus geworden, und das in einer recht umgebremsten Form. Was bedeutet, dass man dort nicht zu Zugeständnissen bereit ist und nur die eigenen Theorien akzeptiert. Unweigerlich wird es hier noch zu einem Zusammenstoß kommen, denn radikalfeministische Theorien wollen ja eben gerade nicht anschlussfähig sein. Sie werden insofern Gate über Gate produzieren. Selbst wenn dieses hier nur ein Fake gewesen wäre, das Potential ist vorhanden und sicher. Eine Zeitlang wird man immer mehr Menschen dort als „Maskus“ oder welches Feindbild dann auch immer in ist beschimpfen.

Meiner Meinung nach unterstützt man diesen Prozess am besten, in dem man nicht zurückschlägt, sondern sachlich bleibt. Auf diese Weise machen sich die dortigen Genderfeministen Feinde und nicht man selbst. Dazu gehört auch eine entsprechende Sprache. Es bringt eben nichts, der Gegenseite zu sagen, dass sie nur mal gehörig durchgefickt werden sollten. Es kann allenfalls gegen einen verwendet werden.