„Wahlprüfsteine: eine AGENS – Umfrage“

Agens e.V. hat ein paar „Wahlprüfsteine“ erstellt (vgl auch Genderama) und auch an die Piraten geschickt, die allerdings wohl nicht antworten wollen.

Ich habe sie mir mal angeschaut und finde die Fragen nicht sehr gelungen:

Wir wollen es genauer wissen und haben die Fragen, die uns zur Bundestagswahl  bewegen, an die Parteien gestellt:

1.   Staatlich verordnete Rollenbilder und die Frauenquote

Die Bundesförderung von Projekten wie „Neue Wege für Jungs“ oder „Girl’s Day“ sollen „stereotype Rollenbilder aufbrechen“. Und das, obwohl sozialwissenschaftliche Studien nach- weisen, dass Jugendliche sich bei ihren persönlichen  Entscheidungen überwiegend von persönlichen, zumeist traditionell geprägten Kriterien leiten lassen. Obige Projekte sollen u.a. das Potential für weibliche Erwerbstätige vergrößern.
Frage:
–  Mit welchen Argumenten unternimmt Ihre Partei Anstrengungen, den staatlichen Einfluss auf die Privatsphäre, insbesondere auf bewusste Veränderungen geschlechtsspezifischer Rollenbildern,  zurückfahren?
– Inwieweit stärkt die Frauenquote die Produktivität und Leistungsfähigkeit des Standorts Deutschland bspw. gegenüber den Schwellenländern, die millionenfach Experten quotenfrei mit Blickrichtung Weltmarkt ausbilden?                              

Diese Art Fragen zu stellen finde ich persönlich ja wenig geeignet für eine Parteienbefragung, weil hier Meinungen vorgegeben werden und dann Fragen in eine Richtung gestellt werden, die voraussetzt, dass man dieser Meinung zustimmt. Das ist aus meine Sicht schlechter Stil, weil eine ehrliche Frage offen gestellt sein muss. Außerdem ist es schlechter Stil „sozialwissenschaftliche Studien“ die irgendetwas nachweisen, in den Raum zu stellen, die dann noch nicht einmal zitiert werden. Es gibt in den Sozialwissenschaften oder zumindest den Gender Studies sicherlich Studien, die nahelegen, dass diese traditionell geprägten Kriterien eben gerade darauf beruhen, dass die Kinder zuwenig mit Alternativen in Kontakt kommen. Insoweit wäre es dann von diesem Standpunkt aus eine mögliche Maßnahme, Kindern einen bessere Wahlmöglichkeiten zu geben, indem man sie in andere Bereiche schauen lässt.

Ich persönlich finde es nicht schlimm, wenn man das an einem Tag versucht, auch wenn es im Ganzen nicht viel bringen wird. Daraus gleich die Forderung herzuleiten, dass „der staatliche Einfluss auf die Privatsphäre, insbesondere auf bewußte Veränderungen geschlechtsspezifische Rollenbilder zurückzufahren“ lässt in mir irgendwie das Bild sehr konservativer Eltern auftauchen, deren Kindern es vielleicht gut tut, wenn sie einmal etwas anderes sehen. Das Potential für weibliche Erwerbstätige zu vergrößern ist ja nun erst einmal nichts schlimmes, sondern sogar begrüßenswert.

Die zweite Frage wirkt auf mich eher noch überzogener: Der Sprung zur Quote kommt aus dem Nichts, dass Szenario der Wirtschaftsgefährdung wirkt auf diese Weise nicht sehr überzeugend. Es klingt eher etwas fanatisch. Was will man damit genau erzeugen? Welche Antwort erhofft man sich? Ein „Stimmt, jetzt wo ich diese Frage sehe, muss ich zugeben, dass der verdammt Feminismus uns ruiniert mit seinem Girls Day, wer ein Mädchen in einen Männerjob reinschauen läßt, der bietet der Frauenquote ein Einfallstor und wir werden alle sterben!!!“?

Die Frage scheint insofern eher darauf ausgelegt zu sein, dass man sich später auf die Schulter klopfen kann, dass man die Wahrheit erkannt hat und die feigen Politiker allesamt schlecht sind.

Eine besser formulierte Frage wäre meiner Meinung nach:

„Viele unser Mitglieder stehen Veranstaltungen wie dem „Girls Day“ oder „Neue Wege für Jungs“ sehr skeptisch gegenüber, weil sie aus deren Sicht wenig effektiv sind und aus ihnen eine Geisteshaltung deutlich wird, die die Wahl traditionelle Rollen abwertet, obwohl diese von vielen Menschen gewünscht werden. Diese Abwertung solcher Lebensvorstellungen halten viele für sehr problematisch. Zudem gehen viele davon aus, dass diese Bemühungen lediglich Geld kosten, ihr Nutzen aber sehr klein ist. Eine Frauenquote in der Wirtschaft wird als Hemmung der Wirtschaft gesehen, da hinreichend qualifizierte Frauen nicht in geeigneter Zahl zur Verfügung stehen?

Wie stehen sie zu diesen Befürchtungen?  Sofern sie diese ebenfalls kritisch sehen: Welche Maßnahme würden sie veranlassen um diesen Befürchtungen gerecht zu werden?

 2.                Scheidungsprävention durch Paarpolitik

Die volkswirtschaftlichen Folgekosten von Scheidungen werden mit der bereits enorm gestiegenen und wahrscheinlich weiter sich erhöhenden Scheidungsrate in ihrer Bedeutung zunehmen. Beispiel: die Versorgungssituation der Alleinerziehenden und die psychischen Belastungen der Kinder. Wohlfahrtstaatliche Einrichtungen bieten kaum Beratung in Trennungssituationen an – und wenn, dann überwiegend für Frauen. Beziehungsberatung als Prävention für Trennungen, liegt noch nicht im staatlichen Fokus.
Frage:  Welche Maßnahmen unternimmt Ihre Partei, die Trennungs-/Scheidungsfolgen, z. B. durch Information und Prävention, zu reduzieren? 

Nochmal: Ich wusste gar nicht, dass Agens so konservativ ist. Aber auch hier würde ich die Fragen für nicht sehr geeignet halten. Es wird wieder ein Szenario gemalt und dann nicht gefragt, wie derjenige dazu steht, sondern was er machen will, damit eine bestimmte vorgegebene Folge eintritt.

Und plötzlich soll ein bestimmtes relativ konservatives Bild der Ehe hochgehalten werden und eine staatliche Beziehungsberatung als Prävention angeboten werden? Wer sagt, dass das im Interesse der Männer liegt? Wenn ich mich von einer Frau trenne, dann werde ich vielleicht meine Gründe haben und ich möchte sicherlich nicht zu einer staatlichen Beziehungsberatung oder noch schlimmer einer kirchlichen (Eine Pickupbeziehungsberatung wäre eigentlich ein schönes Ding, aber das ist eine andere Sache). Natürlich kann es nichts schaden, so etwas anzubieten, aber ich persönlich wäre strikt dagegen, es zu einer Verpflichtung zu machen, die etwa vor ein Scheidungsverfahren gesetzt würde. Was gegenwärtig übrigens durchaus angeboten wird ist eine Beratung für Eltern, die nach der Trennung stattfindet, damit diese besser mit der Trennung und dem gemeinsamen Sorgerecht umgehen lernen und zumindest in dieser Hinsicht wieder ein vernünftiges Gespräch führen können. Worauf stützt Agens seine Einschätzung, dass dies gewünscht ist und angenommen werden würde?  

Eine aus meiner Sicht besser Formulierung wäre:

Aufgrund der gestiegenen Zahl von Scheidungen und Trennungen sehen viele unser Mitglieder einen erhöhten Bedarf an Familien- und Beziehungsberatungen, die Paaren dabei helfen können, ihre Probleme zu überwinden und Scheidungs- oder Trennungsfolgen zu reduzieren

Wie stehen sie dazu?

             

3.                Vätern werden ihre Rechte vorenthalten

Die Praxis der Familiengerichte, das Sorgerecht bei Scheidung/Trennung den Müttern in aller Regel zuzuerkennen,  ist zweifelsohne verfassungswidrig, menschenverachtend und für die betroffenen Kinder in hohem Maße schädlich. Die Zahlungsverpflichtungen, die  geschiedenen/getrennten Vätern von Gerichten auferlegt werden, sind eines Rechtsstaates unwürdig. Viele der – männlichen – Betroffenen verlieren dadurch ihr Urvertrauen in diese Gesellschaft. Aus ehemaligen Leistungsträgern werden in vielen Fällen Leistungsempfänger mit ständig ansteigenden  volkswirtschaftlichen Kosten.
Frage: Was gedenkt Ihre Partei zu unternehmen, um die gesellschaftlichen, die volkswirtschaftlichen und die psychosozialen Scheidungsfolgen auf die bundespolitische Agenda zu setzen?

Auch hier wieder die Vorgabe einer Meinung. Und dann noch so absolut: „zweifelsohne verfassungswidrig, menschenverachtend und schädlich“. Das sind harte Worte.

Wie sind denn die Kriterien für eine Zuweisung des Aufenthaltsbestimmungsrechts?:

Checkliste für die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts

Zu wem hatte das Kind bisher die engere Bindung?

Wer hat sich bisher hauptsächlich um das Kind gekümmert, es zur Schule gebracht und abgeholt, es bei Arztbesuchen begleitet?

Wer nahm bisher an den Elternversammlungen in der Schule oder in der Kindertagesstätte teil?

Wer hat bisher den Kontakt zur Tagesmutter gehalten?

Wird das Kind durch den Umzug zu einem Elternteil aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen (Schulwechsel)?

Ist die Integration in die neue Umgebung bereits gelungen?

Falls das Kind in Ihren Haushalt zurückkehrt: Sind Sie beruflich und familiär in der Lage, eine Betreuung des Kindes rundum sicher zu stellen?

Das klingt jetzt nicht per se menschenverachtend und es verwundert nicht, dass nach diesen Kriterien eher die Mütter die Kinder erhalten, wobei das meist noch nicht einmal der Streitpunkt ist, in den allermeisten Fällen wird gar nicht darum gestritten, wo die Kinder ihren Lebensmittelpunkt haben. Und das gerade aufgrund der oben angesprochenen traditionellen Elemente, die Agens ja wohl eigentlich nicht reduziert sehen will. Gerade wenn die Mutter die Hausfrauenrolle übernommen hat, dann spricht eben der oben in den Fragen enthaltende Kontinuitätsgedanke dafür, dass es die Mutter auch weiterhin macht.

Das die Unterhaltspflichten sehr hart sein können, da würde ich zustimmen. In dieser Weise ist es aber sehr dramatisch dargestellt.

Ich würde es eher so formulieren:

Unsere Mitglieder sehen eine starke Belastung der Männer im Familienrecht. Väter erhalten sehr selten die Kinder zugesprochen, Unterhaltszahlungen können überaus starke Belastungen darstellen und auch im Zugewinn und im Versorgungsausgleich werden erhebliche Umverteilungen geleistet.

Sind diese Regelungen aus ihrer Sicht noch zeitgemäß? Wenn nicht: Welche Änderungen strebt ihre Partei an?

4.                Psychosoziale Folgen für Trennungskinder

Trennungskinder sind ein Tabuthema unserer Gesellschaft. Ein Problembewusstsein in der Öffentlichkeit ist – wegen der über Dekaden gepflegten Glorifizierung des Alleinerziehens – Allerdings sind psychosoziale Langfristfolgen bereits hinreichend kaum vorhanden dokumentiert.
Frage: In welcher Form werden Sie Aktivitäten der Gremien des Bundestages (z. B. Kinderkommission) unterstützen, die die Situation der Trennungskinder in der Öffentlichkeit bekannt machen und so aus dem zum Teil  feministisch motivierten Schweigediktat befreit?

Hier fehlt aus meiner Sicht erst einmal ein Ansprechen des konkreten Problems. Trennungskinder sind den meisten Menschen wohl bekannt, wer hat heutzutage keine Trennungskinder im Bekanntenkreis? Welche besondere Situation soll hier bekannt gemacht werden, die die Leute nicht bereits kennen? Und: „feministisch motiviertes Schweigediktat?“ Was soll damit gemeint sein? Und was soll überhaupt bekannt gemacht werden? Das es Trennungskindern nicht gut gehen kann? Das feministische Schweigediktat ist da nicht sehr effektiv: Das Trennungskinder häufig leiden oder in der Schule zurückfallen ist eine bekannte Sorge.

Kommt hier wieder die konservative Einstellung durch und es soll eigentlich Propaganda gegen eine Trennung, „den Kindern zuliebe“ durchgeführt werden oder gegen Alleinerziehende geschimpft werden?

Auch hier ist die Formulierung an sich schon schlecht. Was genau soll da das feministisch motiverte Schweigediktat?

Da ich nicht wirklich weiß, worauf die Frage eigentlich abzielt kann ich sie auch schlecht umformulieren

5.                Männer und Gleichstellungsarbeit

Nach § 16 des Bundesgleichstellungsgesetzes können sich Männer weder mit aktivem noch mit passivem Wahlrecht bei der Wahl zur Gleichstellungsbeauftragten beteiligen. Daraus leiten Gleichstellungsbeauftragte de facto überwiegend die Frauenförderung  als Hauptaufgabe ab. Die Gleichberechtigung ist formal durch entsprechende Gesetze (vom Art 3,GG   bis   hin  zum BGB) erreicht. Gegen Gesetzeswidrigkeiten kann Klage (in diesem Falle von  Frauen) erhoben werden.
Frage:Was wird Ihre Partei künftig unternehmen, um  Gesetzeswidrigkeiten zu thematisieren,  die die jetzige Gleichstellungsarbeit, d.h. Frauenförderung,  politisch und strukturell hinterfragt?

Hier wird auch einiges durcheinander geworfen. Die Aussage scheint mir zu sein, dass bereits Gleichberechtigung erreicht ist und Gleichstellung ungerecht ist. Das ist allerdings ziemlich ungenau formuliert. Worauf die Frage eigentlich abzielt ist nicht klar: Sollen Gesetzwidrigkeiten politisch und strukturell hinterfragt werden, die Gleichstellungsarbeit betreffen?

Es ist natürlich wieder eine sehr ideologisch ausgerichtete Frage.

Ich würde es eher so formulieren:

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist heute weitgehend umgesetzt. Unsere Mitglieder sehen eine darüber hinausgehende Gleichstellung als problematisch an, weil sie Geschlechterunterschiede nicht hinreichend berücksichtigt und damit Ungerechtigkeiten produziert. Soweit bestimmte Maßnahmen eine Diskriminierungen verhindern sollen müssen diese aber nach der Sicht unserer Mitglieder bei beiden Geschlechtern ansetzen: Gleichstellungsbeauftragte müssten insoweit auch die Interessen von Männer, etwa bei Elternzeit etc vertreten und demnach auch von diesen mitgewählt bzw. Männer müßten auch für diese Positionen wählbar sein.

Wie stehen sie dazu? Sehen sie männliche Benachteiligungen, die gegebenenfalls abgebaut werden müssen?

6.                Jungs:  als Versager stigmatisiert

Seit Jahren geht die Schere zwischen dem Lernerfolg von Mädchen und Jungen immer weiter auseinander. Das heutige Schulsystem verweigert sich einer Pädagogik, die Lernbedürfnisse der Jungs auch nur im Ansatz berücksichtigt. Jungs werden für gleiche Leistungen zu dem deutlich schlechter benotet, vor allem beim Übergang zum Gymnasium. Die Genderpädagogik versucht nachzuweisen, dass der höhere Lernerfolg der Mädchen naturgegeben sei. Das ist die Umkehrung der Verhältnisse, die von der ersten Frauenbewegung bereits vor über einhundert Jahren angeprangert wurden.
Frage: Welche Maßnahmen gedenkt Ihre Partei zu ergreifen, um diesem Missstand entgegenzuwirken?

Auch hier wieder eine sehr subjektive Schilderung ohne Nachweise und dann nicht die Frage, ob man es so sieht, sondern ob wie man „diesem Mißstand entgegenwirkt“. Also wieder eine Frage, die Zustimmung in diesem Bereich bereits voraussetzt. Und dabei voller Unterstellungen, die man auch anders sehen kann, jedenfalls ohne Angabe von Studien. Und das mit sehr pauschalen Aussagen „Das Schulsystem“ „verweigert“ „auch nur im Ansatz“. Und auch, dass die Genderpädagogik nachweisen möchte, dass der Lernerfolg der Mädchen naturgegeben ist scheint mir wenig überzeugend, da die Genderpädagogik eigentlich alles biologische ablehnt.

Unsere Mitglieder sehen in der schulischen Ausbildung Defizite zu Lasten von Jungen. Es fehlen aus unserer Sicht besondere Konzepte, die die Eigenarten von Jungen berücksichtigen. Auch wird befürchtet, dass Jungs schlechter benotet werden als Mädchen und daher beispielsweise auch seltener eine Gymnasiumsempfehlung erhalten. Insgesamt wird das Schulsystem als nachteilig für Jungs angesehen.

Wie steht ihre Partei dazu? Sind sie bereit hier mögliche Benachteiligungen von Jungs zu untersuchen und für den Fall, dass diese bestehen, entsprechenden Maßnahmen einzuleiten und diese abzubauen? Welche Maßnahmen würden sie dann für geeignet halten?

7.          Strafbarkeit kollektiv herabsetzender und Männer bedrohender öffentlicher Rede

In der feministischen Literatur – und keineswegs nur dort – ist es üblich, das männliche Geschlecht in rüdester Manier zu entmenschlichen. Eine öffentliche Debatte über diese Art der Geschlechterdiffamierung blieb bisher aus. Im Gegenteil: Sie ist inzwischen ein gewöhnlicher Teil der Kommunikation auf allen Ebenen. Kennzeichnend dafür ist folgende Aussage:  „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ (SPD-Parteiprogramm, Hamburger Beschlüsse, 10.2007)
Frage: Welche Maßnahmen gedenkt Ihre Partei zu ergreifen, die Männer herabsetzenden und  Männer verachtenden Propaganda als eine Verletzung der Menschenwürde  mit möglichen juristischen Folgen auf zu fassen?

Eine Einschränkung der Meinungsfreiheit? Für „die feministische Literatur“? Welche ist damit überhaupt gemeint? Dorkins? Daly? Butler? Die ersten beiden schreiben sicherlich einiges an Männerhass, Butler aber durchaus nicht.

Gerade das gewählte Zitat „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ zu verbieten halte ich beispielsweise nicht mit der Verfassung vereinbar. Denn damit wird eben zum Ausdruck gebracht, dass eine Gesellschaft nicht männlich gerprägt sein sollte, sondern menschlich, dass also nicht ein Geschlecht das sagen haben soll, sondern beide. Was keine strafbare Aussage ist, auch wenn sie von falschen Faktoren ausgeht. Es ist auch ein seltsamer Sprung: Von einer Debatte über die Diffamierung hin zu möglichen juristischen Folgen. Wie sollen diese überhaupt aussehen, welchen Gesetztestext stellt sich Agens vor? Und inwiefern ist das nicht durch Beleidigungen etc. bereits abgedeckt?

Ich finde es eine sehr gefährliche Forderung.

Insgesamt würde ich viele Fragen gänzlich anders formulieren, so machen sie gegenwärtig einen eher unprofessionellen Eindruck. Ich wüsste auch gern, wie diese Fragen als die wesentlichen ermittelt worden sind. Es ist eine gute Idee die Parteien zu bestimmten Positionen zu befragen, aber ich denke man kann die Art noch deutlich verbessern.

Steigerung der körperlichen Attraktivität durch nichtkörperliche Merkmale

Eine interessante Studie dazu, wie sich nichtkörperliche Merkmale auf die wahrgenommene körperliche Attraktivität auswirkt:

From an evolutionary perspective, beauty is regarded as an assessment of fitness value. The fitness value of a social partner can be influenced by both physical and nonphysical traits. It follows that the perceived beauty of a social partner can be influenced by nonphysical traits such as liking, respect, familiarity, and contribution to shared goals in addition to physical traits such as youth, waist-to-hip ratio, and bilateral symmetry. We present three studies involving the evaluation of known social partners showing that judgments of physical attractiveness are strongly influenced by nonphysical factors. Females are more strongly influenced by nonphysical factors than males and there are large individual differences within each sex. In general, research on physical attractiveness based on the evaluation of purely physical traits of strangers might miss some of the most important factors influencing the perception of physical attractiveness among known associates

Quelle: The effect of nonphysical traits on the perception of physical attractiveness Three naturalistic studies

Aus der Besprechung innerhalb der Studie:

Our studies were designed to address two shortcomings in the literature on physical attractiveness: (1) a relative paucity of studies that examine the effects of both nonphysical and physical factors on the assessment of physical attractiveness and (2) a relative paucity of studies that involve people who actually know each other. All three studies demonstrate that nonphysical factors have a very potent effect on the perception of physical attractiveness, which can persist for decades in the case of the middle-aged participants of our yearbook study. It is important to stress that physical attractiveness can be important outside the context of sexual relationships. Just as we regard fitness-enhancing features of landscapes as beautiful and are drawn to them for nonsexual reasons, we can regard people as beautiful and be drawn to them when they enhance our fitness for nonsexual reasons. Physical traits per se are especially important in sexual relationships because they will be partially inherited by one’s offspring. Thus, it makes sense that males are more influenced by physical features when evaluating females than when evaluating males, although the comparable asymmetry did not exist for females. Our studies also reveal individual differences within each sex that rival between-sex differences and that merit further study. In particular, individual differences are increasingly being studied in game theoretic terms as alternative social strategies, such as cooperation versus exploitation (Wilson, Near, & Miller, 1996, 1998) or high-investment versus lowinvestment mating strategies (Gangestad & Simpson, 2000). In future research it will be interesting to see if people who differ in these respects also differ in the factors that influence their perceptions of physical attractiveness. For example, are women from father-absent homes, who appear to adopt a reproductive strategy based on low male investment (Draper & Harpending, 1982, Ellis, McFadyen-Ketchum, Dodge, Pettit & Bates, 1999), more influenced by purely physical traits in males than those from father-present homes? In conclusion, thinking of beauty as an assessment of fitness value leads to the prediction that nonphysical factors should have a strong effect on the perception of physical attractiveness. In addition, naturalistic studies are needed to fully understand how physical and nonphysical factors are integrated in the perception of physical attractiveness. If we were to state our results in the form of a beauty tip, it would be, ‘‘If you want to enhance your physical attractiveness, become a valuable social partner.

Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass die Wahrnehmung eines Menschen als attraktiv auch durch sein Verhalten und seine gesellschaftliche Stellung bestimmt werden kann. Attraktivität ist nur ein Gefühl, dass den Sinn hat einen interessanten Partner anzuzeigen, mit dem man Sex haben sollte. Eine Verknüpfung aller vorhandenen Signale und deren Zusammenfassung in dem etwas unbestimmten Begriff Attraktivität ist insofern ein einfacher Weg genau dies umzusetzen. Evolution arbeitet häufig so, dass bereits vorhandenes genutzt wird und anderweitig ausgebaut wird. Beispielsweise ist wohl das Ekelgefühl, dass uns davor bewahrte verdorbene Speisen zu essen oder schmutziges zu meiden auch auf unmoralisches Verhalten bezogen worden, weswegen wir auch dreckigere Menschen eher für unmoralisch halten.

Gerade bei Frauen würde die Verwertung von Signalen für hohen sozialen Status und eine hohe Position in der Gruppe sich anbieten, da sie das Endergebnis eines Konkurrenzkampfes unter den Männern darstellen und damit das Endergebnis intrasexueller Selektion aber eben auch intersexueller Selektion darauf, dass die Männer einen hohen Status diese Art erreichen.

Welche Vorhersagen lassen sich aus den Gendertheorien herleiten und treffen sie zu?

Ich hatte seinerzeit Joachim gefragt, ob er bezüglich seiner (genderfeministischen) Theorien auch Vorhersagen machen würde:

Wärst du eigentlich bereit, auf Basis deiner Nullhypothese testbare Vorhersagen abzugeben?

So etwas wie

„Mit mehr Gleichberechtigung sinken die Geschlechterunterschiede“

oder

„Hormone steigern Geschlechterunterschiede nicht“

oder andre?

Das halte ich nach wie vor für einen interessanten Ansatz: Zur Überprüfung einer Theorie aus ihr folgende Vorhersagen für andere Bereiche treffen und anhand des Nachvollziehens dieser Aussagen die Thesen überprüfen. Mich würde interessieren, ob man da gute Vorhersagen machen kann bzw. ob ein Durchdenken auf diese Art neue Argumente dafür liefern kann, dass diese Theorien nicht zutreffen

Ich fange mal an zu Brainstormen

  • Wenn Geschlechterunterschiede sozial durch Geschlechterrollen konstruiert, dann müsste es relativ wenig Überlappungen zwischen den Geschlechtern geben, gibt es große Überlappungen, dann sind die Geschlechterrollen zumindest recht schwach.
  • Frauen müssten, wenn die Theorien zutreffen, tatsächlich schlechtere Chefs sein, da sie gegen ihre Geschlechterrolle ankämpfen müssten.
  • Frauen müssten bei strengen Geschlechterrollen tatsächlich schlechter in Männerberufen sein
  • Kinder, die von Homosexuellen aufgezogen werden, müssten selbst eher homosexuell werden
  • Homosexuelle müssten ihre Vorlieben aufgeben oder ändern können

Ich würde mich über weitere Vorschläge oder Kritik an den obigen Schlußfolgerungen freuen

Selbermach Samstag XLII

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Übersicht: Kritik am Feminismus

1. Verschiedene Arten des Feminismus

2. Besprechung feministischer Bücher/Theorien

3. Feministische Theorie in der Diskussion

4. Allgemeine Kritik

5. Das Patriarchat

6. Die Privilegientheorie

7. Geschlechterrollen

8. Transsexualität

9. Heteronormativität

10. Hass

11. Identitätspolitik

12. Ex-Feministen und ihre Kritik/Erfahrungen

13. Kritik von Frauen

14. Gender Studies

 

15. Intersektionalität

16. Verschiedene Theorien

17. der Gender Gap

 

18. Berufswahl von Frauen und andere Prioritäten als Beruf

 

19. Männliche Feministen

20. Männer im Feminismus

21. Unwissenschaftlichkeit des Feminismus/Feminismus als Ideologie

22. Besprechung feministischer Studien/Literatur

23. Rape Culture / Vergewaltigungskultur

24. Machtmittel im Diskurs

25. Frauen als Opfer

26. Frauenquote

27. Strategien

Das ist erst einmal der Anfang einer Sammlung, wem ein Artikel einfällt, der ihm gefallen hat und der hier fehlt, der kann dazu ja was in den Kommentaren sagen

Homosexuelle Paare und das Kindeswohl adoptierter Kinder

In der Süddeutschen ist ein interessanter Bericht über eine Studie, die untersucht, wie es um das Kindeswohl bei Homosexuellen Paaren bestimmt ist:

Egal, ob schwul, lesbisch oder heterosexuell: Die sexuelle Orientierung von Adoptiveltern ist für das Wohl des Kindes offenbar unwichtig.

Hintergrund ist diese Studie:

Coparenting is associated with child behavior in families with heterosexual parents, but less is known about coparenting among lesbian- and gay-parent families. Associations were studied among self-reported divisions of labor, coparenting observations, and child adjustment (Mage = 3 years) among 104 adoptive families headed by lesbian, gay, or heterosexual couples. Lesbian and gay couples reported sharing child care, whereas heterosexual couples reported specialization (i.e., mothers did more child care than fathers). Observations confirmed this pattern—lesbian and gay parents participated more equally than heterosexual parents during family interaction. Lesbian couples showed the most supportive and least undermining behavior, whereas gay couples showed the least supportive behavior, and heterosexual couples the most undermining behavior. Overall, supportive coparenting was associated with better child adjustment.

Quelle: Coparenting Among Lesbian, Gay, and Heterosexual Couples: Associations With Adopted Children’s Outcomes

Den Volltext der Studie habe ich leider nicht gefunden. In dem Artikel in der Süddeutschen heißt es weiter:

Die beiden Psychologinnen stellten zwar fest, dass die homosexuellen Paare sich die Aufgaben der Kinderbetreuung wie Füttern, Anziehen und Spielen eher gleichmäßig aufteilten, während Männer und Frauen in gemischtgeschlechtlichen Paaren sich eher spezialisierten.

Doch das war den Kindern egal. Wichtig war vielmehr, wie die Partner mit der jeweiligen Aufgabenverteilung zurechtkamen: „Diejenigen Eltern, die mit dem Arrangement zufriedenen waren, hatten auch die Kinder mit weniger Verhaltensproblemen“, sagt Farr. „Es ist mit Sicherheit wichtig, wie harmonisch die Eltern miteinander umgehen.“

Ein Effekt der sexuellen Orientierung konnte nicht beobachtet werden.

Es scheint also hier keine großen Unterschiede zu geben. Wichtig ist, wie die Eltern zusammen halten.

„Karriereknick: Frauen, hört auf zu jammern“

Im Spiegel ist ein Bericht über den alten Konflikt zwischen Familie und Karriere:

Frauen unserer Generation, die heute zwischen 30 und 40 sind, hatten einen grandiosen Start: Wir sind so gut ausgebildet wie nie zuvor, sind mit Top-Einstiegsgehältern in Kanzleien und Unternehmensberatungen eingestiegen, haben scheinbar mühelos die ersten Sprossen der Karriereleiter gewuppt und Lebensläufe fabriziert, von denen unsere Mütter nicht zu träumen wagten. Doch wir enden mit Mann, zwei Kindern und Babypausen hoffnungslos überqualifiziert in der Teilzeitfalle.

Ja, Frauen sind so qualifiziert wie nie. Aber sie kommen dennoch nicht nach oben. Die Autorinnen dazu weiter:

Nichts, rein gar nichts spricht dagegen, die ersten Jahre seinen Kindern Zeit zu schenken, das Karriere-Hamsterrad für diese intensive, großartige und wichtige Zeit etwas langsamer drehen zu lassen – oder auch für ein, zwei Jahre eine Pause einzulegen. Prioritäten verschieben sich, mit Kind denkt man anders als ohne.

Das sind glaube ich Sätze, die viele Frauen unterschreiben würden, aber dennoch im Genderfeminismus auf viel Widerstand stoßen würden. Auch hier wäre ja alles nur angelernt – gleichzeitig wäre aber wohl das Leistungsstreben auch wieder etwas patriarchales.

Doch das Zeitfenster, in denen die Kinder ein Händchen zum Laufen, Fahrdienste zum Hockey, Seepferdchen- oder Einradkurs brauchen, ist verhältnismäßig klein. Theoretisch könnten wir nach fünf, sechs Jahren Familienzeit den Fokus wieder verstärkt auf den Job legen und im besten Fall mit Anfang, Mitte 40 noch ein zweites Mal durchstarten. Auf die nächsten 20 Jahre! Der Haken ist nur: Die wenigsten wollen es. Weil das heißluftblasende Marketing, die trockene Jurawelt oder die moralisch schwer vertretbare Bankkundenberatung ihre Anziehungskraft verloren haben. Weil man feststellt: Eigentlich habe ich da noch nie richtig hingepasst.

Ich habe hier schon ein paar Artikel, in denen die Leute, die mit den Frauen zu tun haben, immer wieder anführen, dass Frauen gar nicht so umbedingt auf Karriere aus sind, wenn diese mit Überstunden und Stress verbunden ist. Es passt auch zu Susan Pinkers Buch „Das Geschlechterparadox“. Es ist schade, dass dazu im Feminismus keine wirkliche Diskussion stattfindet oder wenn dann eben nur unter dem Gesichtspunkt „Die Arbeitswelt muss weiblichen Bedürfnissen angepasst werden“ aber nie, wenn es um die Frage geht, warum sich Frauen in einem Wettbwerb um Führungspositionen seltener durchsetzen.

Die große deutsche Soziologin Jutta Allmendinger forderte einmal: Denkt Euer Leben von hinten her! Wo will ich mit 50, 60 Jahren stehen? Und wie komme ich dahin – Familienpausen mit eingeplant? Was für Männer selbstverständlich scheint („Mit 40 will ich im Vorstand sein, mit 50 eine eigene Kanzlei, mit 60 mindestens fünf Partner haben“) ist für Frauen anscheinend irrelevant. Sie ergreifen einen Beruf meist nach naheliegenden Motiven:

Weil Papi Jurist ist und man es deshalb eben auch mit Jura versucht, weil man in der zehnten Klasse ein Praktikum in der Bank absolviert und darum eine Banklehre begonnen hat. Weil man mit BWL nichts falsch machen kann. Weil Apotheken krisensicher sind.

Also Berufsauswahl weniger unter dem Gesichtspunkt von Karriere, sondern eher Verbundenheit und Sicherheit. Auch ein wesentlicher Punkt, der selten angesprochen wird.

Die Autorinnen fordern dann eine Umstellung auf eine 30 Stunden Woche. Das es kaum Führungspositionen gibt, bei denen man das bisher umsetzen kann interessiert ebenso wenig wie die Frage ob man das überhaupt kann und warum man es nicht bereits macht.

 

„ich möchte nicht gefragt werden, ich möchte, dass jemand einfach macht“

Miria gibt in einem Artikel zum Zustimmungsprinzip aus meiner Sicht die ganz typische Einstellung  von Frauen zu diesem Thema wieder:

 Ich möchte nicht gefragt werden, ich möchte, dass jemand einfach macht. Und jeder Mann, der nur ein bisschen die Stimmung einschätzen kann, wird mich wohl nicht einfach küssen, wenn ich total abgeneigt bin. Und wenn doch, kann ich ihm das dann auch immer noch klar machen. Wäre jetzt auch kein Weltuntergang.

Genau das denken aus meiner Sicht die meisten Frauen zu dem Thema. Der handelnde Mann ist begehrt, der zuviel fragende versaut eher die Stimmung. Weil sexuelles eine Gefühlssache ist und man dort keine bewußten logischen Entscheidungen treffen will, sondern sich einer Sache hingegen möchte. Und weil ein Fehler in dem Bereich für die meisten Frauen auch nichts ist, was sie aus der Bahn wirft, es mag vielleicht unangenehm sein, aber man ärgert sich dann eben, aber die Welt geht nicht unter. Das Zustimmungskonzept mag dann das richtige sein für Menschen, die eben besondere Vorsicht walten lassen wollen, vielleicht weil für sie selbst ein Fehlgriff besonders bedeutsam ist. Das muss jedoch keineswegs so sein und die meisten Frauen haben eben auch die Erfahrung gemacht, dass man etwas sagen kann und Männer es dann lassen.

„Wolle Rose kaufen?“

Rosenverkäufer haben aus meiner Sicht eine Wandlung durchgemacht und werden von den meisten Leuten nur noch als nervig angesehen. Sie verkörpern den Umbruch zwischen dem alten Flirtverhalten und dem modernen Geschlechterverhältnis.

wolle Rose kaufen?

wolle Rose kaufen?

In einem Spiegelartikel über einen Rosenverkäufer ist die Reaktion auf ihn gut wiedergegeben:

auf sein „Guten Abend“ erntet er allerorts böse Blicke und schüttelnde Köpfe. Junge Männer seien keine Rosenkavaliere, weil sie bei den Frauen damit nicht punkten könnten. „Die Frauen wollen das Geld heute lieber in Bier investieren“, ist Khan fest überzeugt. Anders kann er sich nicht erklären, warum eine Dame seine Rosen verschmäht.

Was früher noch eine nette Geste war, wirkt heute häufig eher etwas needy, weil man meint ihr mit einer Rose imponieren zu können oder damit ihre Gunst zu erlangen. Sie muss dann aber den Abend über die Rose mit sich rumschleppen und hat in einer Datesituation zudem ein Geschenk angenommen, was sie vielleicht irgendwie verpflichten könnte.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter führt zudem dazu, dass ein Mann ein solches Geschenk nicht mehr machen muss, es gehört nicht mehr so klar zum guten Ton, er kann sich das Geld sparen.

Wenn er es macht, dann muss es entweder die große Geste sein, die man möglichst beiläufig macht (das costly Signal läßt grüßen):

Nette Kunden, findet er. Aber es gebe noch viel nettere. „Meine Stammkunden kaufen jedes Mal, wenn sie mich sehen und dann gleich für alle Frauen im Lokal.“ Khan spricht bewundernd über diese großzügigen Männer. Geschäftsleute oder Anwälte, mit viel Geld, großem Geltungsdrang und glücklicherweise mit Sympathien für den unermüdlichen Rosenkavalier. „Ich bin ein guter Mensch und das wissen die“, sagt Khan.

Kann natürlich auch schnell angeberisch oder großkotzig wirken.

Oder es muss eben eher ein spontanes Gefühl sein aus dem heraus man ihr eine Freunde machen will ohne sich damit anzubiedern oder eben weil man den Rosenverkäufer kennt und ihn ein paar Rosen abkauft, weil man ihn mag:

„Huhu, Herr Khan“, zwei Tische entfernt winkt eine lärmende Gruppe Mittfünfziger ihm zu, Khans Mund formt ein breites Grinsen. Es folgen die immer gleichen Gespräche, wie es denn so gehe: „Nix los“, klagt Khan. Dann das Geschäftliche: „Ganz frisch vom Hamburger Großmarkt“, wirbt Khan und wirbelt mit den Rosen gefährlich nah vor der Nase einer Dame herum. Belustigt blickt sie auf ein schlappes Blütenblatt. „Wenn Herr Khan lügt, sieht man nicht mal, dass er rot wird“, grölt ihr Sitznachbar. Eine einträgliche Erheiterung für Herrn Khan, zehn Rosen bleiben am Tisch.

Ich selbst mag Rosenverkäufer nicht. Sie nutzen sozialen Druck auf Männer aus um Blumen zu verkaufen.

Peinlicherweise habe ich das allerdings selbst mal einen Abend gemacht

Ich war mit einer gemischten Gruppe unterwegs und wir waren schon relativ betrunken. Da eine der Mädels zufälligerweise an dem Tag Geburtstag hatte und wir beim verlassen der Kneipe auf einen Rosenverkäufer stießen kaufte einer aus der Gruppe dem Geburtstagskind fünf Rosen, die wir notgedrungen mit in die Disko nahmen (erstaunlicherweise war das auch kein Problem). Irgendwie fanden wir es lustig sie dann dort selbst zu verkaufen, weil wir sie ja gerade selbst gekauft waren und sie keine Lust mehr hatte, sie herumzuschleppen, wir wollten ja tanzen. Nachdem wir mit „wolle Rose kaufen?“ nicht so sehr weit kamen, kamen wir auf den ultimativen Verkaufstrick: Man schaute, welcher Mann sich für eines der Mädchen interessierte, mit denen wir unterwegs waren und fragte dann direkt „Hey, willst du ihr ne Rose kaufen?“ Wollten so direkt angesprochen und von ihr angelächelt die meisten Männer. Sie unterhielt sich kurz mit ihm und wenn sie nicht interessiert war, dann hatten wir eine neue Rose zum (erneut) verkaufen.

Wir hätten glaube ich mit einem hübschen Gewinn weggehen können, aber auch betrunken macht so etwas nur kurz Spaß. Wir beendeten unsere Rosenverkäuferkarriere nach ca. 4 „verkauften“ Rosen, allerdings noch mit 5 Rosen im Warenbestand und schwangen lieber das Tanzbein.

Die Rosen fanden wir beim Rausgehen vertrampelt vor der Theke auf die wir sie gelegt hatten.