„Wolle Rose kaufen?“

Rosenverkäufer haben aus meiner Sicht eine Wandlung durchgemacht und werden von den meisten Leuten nur noch als nervig angesehen. Sie verkörpern den Umbruch zwischen dem alten Flirtverhalten und dem modernen Geschlechterverhältnis.

wolle Rose kaufen?

wolle Rose kaufen?

In einem Spiegelartikel über einen Rosenverkäufer ist die Reaktion auf ihn gut wiedergegeben:

auf sein „Guten Abend“ erntet er allerorts böse Blicke und schüttelnde Köpfe. Junge Männer seien keine Rosenkavaliere, weil sie bei den Frauen damit nicht punkten könnten. „Die Frauen wollen das Geld heute lieber in Bier investieren“, ist Khan fest überzeugt. Anders kann er sich nicht erklären, warum eine Dame seine Rosen verschmäht.

Was früher noch eine nette Geste war, wirkt heute häufig eher etwas needy, weil man meint ihr mit einer Rose imponieren zu können oder damit ihre Gunst zu erlangen. Sie muss dann aber den Abend über die Rose mit sich rumschleppen und hat in einer Datesituation zudem ein Geschenk angenommen, was sie vielleicht irgendwie verpflichten könnte.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter führt zudem dazu, dass ein Mann ein solches Geschenk nicht mehr machen muss, es gehört nicht mehr so klar zum guten Ton, er kann sich das Geld sparen.

Wenn er es macht, dann muss es entweder die große Geste sein, die man möglichst beiläufig macht (das costly Signal läßt grüßen):

Nette Kunden, findet er. Aber es gebe noch viel nettere. „Meine Stammkunden kaufen jedes Mal, wenn sie mich sehen und dann gleich für alle Frauen im Lokal.“ Khan spricht bewundernd über diese großzügigen Männer. Geschäftsleute oder Anwälte, mit viel Geld, großem Geltungsdrang und glücklicherweise mit Sympathien für den unermüdlichen Rosenkavalier. „Ich bin ein guter Mensch und das wissen die“, sagt Khan.

Kann natürlich auch schnell angeberisch oder großkotzig wirken.

Oder es muss eben eher ein spontanes Gefühl sein aus dem heraus man ihr eine Freunde machen will ohne sich damit anzubiedern oder eben weil man den Rosenverkäufer kennt und ihn ein paar Rosen abkauft, weil man ihn mag:

„Huhu, Herr Khan“, zwei Tische entfernt winkt eine lärmende Gruppe Mittfünfziger ihm zu, Khans Mund formt ein breites Grinsen. Es folgen die immer gleichen Gespräche, wie es denn so gehe: „Nix los“, klagt Khan. Dann das Geschäftliche: „Ganz frisch vom Hamburger Großmarkt“, wirbt Khan und wirbelt mit den Rosen gefährlich nah vor der Nase einer Dame herum. Belustigt blickt sie auf ein schlappes Blütenblatt. „Wenn Herr Khan lügt, sieht man nicht mal, dass er rot wird“, grölt ihr Sitznachbar. Eine einträgliche Erheiterung für Herrn Khan, zehn Rosen bleiben am Tisch.

Ich selbst mag Rosenverkäufer nicht. Sie nutzen sozialen Druck auf Männer aus um Blumen zu verkaufen.

Peinlicherweise habe ich das allerdings selbst mal einen Abend gemacht

Ich war mit einer gemischten Gruppe unterwegs und wir waren schon relativ betrunken. Da eine der Mädels zufälligerweise an dem Tag Geburtstag hatte und wir beim verlassen der Kneipe auf einen Rosenverkäufer stießen kaufte einer aus der Gruppe dem Geburtstagskind fünf Rosen, die wir notgedrungen mit in die Disko nahmen (erstaunlicherweise war das auch kein Problem). Irgendwie fanden wir es lustig sie dann dort selbst zu verkaufen, weil wir sie ja gerade selbst gekauft waren und sie keine Lust mehr hatte, sie herumzuschleppen, wir wollten ja tanzen. Nachdem wir mit „wolle Rose kaufen?“ nicht so sehr weit kamen, kamen wir auf den ultimativen Verkaufstrick: Man schaute, welcher Mann sich für eines der Mädchen interessierte, mit denen wir unterwegs waren und fragte dann direkt „Hey, willst du ihr ne Rose kaufen?“ Wollten so direkt angesprochen und von ihr angelächelt die meisten Männer. Sie unterhielt sich kurz mit ihm und wenn sie nicht interessiert war, dann hatten wir eine neue Rose zum (erneut) verkaufen.

Wir hätten glaube ich mit einem hübschen Gewinn weggehen können, aber auch betrunken macht so etwas nur kurz Spaß. Wir beendeten unsere Rosenverkäuferkarriere nach ca. 4 „verkauften“ Rosen, allerdings noch mit 5 Rosen im Warenbestand und schwangen lieber das Tanzbein.

Die Rosen fanden wir beim Rausgehen vertrampelt vor der Theke auf die wir sie gelegt hatten.