Der Wechsel der Geschlechterrolle bei albanischen Burrnesha

In Albanien gab es wohl eine Tradition, bei der bestimmte Frauen als Männer gelebt  haben:

Albanian sworn virgins (Albanian: burrnesha or virgjinesha) are women who take a vow of chastity and wear male clothing in order to live as men in the patriarchal northern Albanian society

Zu den Hintergründen dafür:

The tradition of sworn virgins developed out of the Kanuni i Lekë Dukagjinit (English: The Code of Lekë Dukagjini, or simply the Kanun),[5] a set of codes and laws developed by Lekë Dukagjini and used mostly in northern Albania and Kosovo from the 15th century until the 20th century. The Kanun is not a religious document – many groups follow it including Roman Catholic, Albanian Orthodox, and Muslims.[6] The Kanun dictates that families must be patrilineal (meaning wealth is inherited through a family’s men) and patrilocal (upon marriage, a woman moves into the household of her husband’s family).[7] Women are treated like property of the family. Under the Kanun women are stripped of many human rights. They cannot smoke, wear a watch, or vote in their local elections. They cannot buy land, and there are many jobs they are not permitted to hold. There are even establishments that they cannot enter.[4][6] The practice of sworn virginhood was first reported by missionaries, travellers, geographers and anthropologists who visited the mountains of northern Albania in the 19th and early 20th centuries

A woman becomes a sworn virgin by swearing an irrevocable oath, in front of 12 village or tribal elders, to practice celibacy. Then she is allowed to live as a man. She will then be able to dress in male clothes, use a male name, carry a gun, smoke, drink alcohol, take on male work, act as the head of a household (for example, living with a sister or mother), play music and sing, and sit and talk socially with men.[4][8][9] A woman can become a sworn virgin at any age, either to satisfy her parents or herself.

Dieser Brauch wurde mir in Diskussionen von Vertretern der Genderseite schon häufiger entgegen gehalten. Dabei ist der Aussagegehalt relativ gering. Die Praxis wurde trotz sehr schlechter Umstände für Frauen nie von vielen Frauen umgesetzt und blieb die Ausnahme. Es fehlen alle Angaben dazu, wie stark die Frauen tatsächlich in die Männerrolle gewechselt sind oder ob sie nur bestimmte Tätigkeiten übernommen haben, es fehlt an Angaben, wie sie sich dabei gefühlt haben und ob es ihnen leicht fiel. Und vor allem wird hier in keiner Weise geprüft, ob biologische Faktoren auch hier eine Rolle spielen.

Zur Motivation heißt es in der Wikipedia:

There are many reasons why a woman would have wanted to take this vow, and observers have recorded a variety of motivations. One woman said she became a sworn virgin in order to not be separated from her father, and another in order to live and work with her sister. Several were recorded as saying they always felt more male than female. Some hoped to avoid a specific unwanted marriage, and others hoped to avoid marriage in general.

Wenn ein Kind sich schon immer mehr als ein Mitglied des anderen Geschlechts fühlt, dann liegt es nahe, dass es einen gewissen Zusammenhang mit Transsexualität gibt. Und bei dieser ist ein biologischer Zusammenhang gut nachgewiesen. Oder es handelt sich bereits vorher um relativ männliche Frauen, z.B. in Richtung der Tomboys, etwa aufgrund eines sehr hohen pränatalen und auch postnatalen Testosteronspiegels.

Diana Rakipi, eine Burrnesha, führt dazu aus:

“I grew up playing with boys. Since I was a kid I was always surrounded by men, I always preferred their company to girls. My brother died before I was born. My mother would always say to me, ‘you are just like him’. So it was always expected I would kind of just take his place,”

Sie spielte schon immer mit den Jungs, sie war lieber in der Gesellschaft von Jungs, sie war genau wie ihr Bruder. Das klingt nicht nach einem Rollenwechsel, sondern eher danach, dass sie schon immer eher männlich war.

Zudem scheint sich diese Tradition nicht gehalten zu haben, obwohl das Patriarchat ja nach wie vor den Männern genug Vorteile bietet.

The tradition of sworn virgins was never that common in Albania, and the practice is slowly dying out. Today there are so many more opportunities for young women that most of them here have not even heard of the practice, let alone considered it an option.

Die Praxis scheint also nicht sehr attraktiv gewesen zu sein. Sofern nicht mehr der Druck enormer gesellschaftlicher Zustände bestand scheint dieser Weg die männlichen Vorteile zu erlangen nicht mehr attraktiv für die allermeisten Frauen gewesen zu sein.

8 Gedanken zu “Der Wechsel der Geschlechterrolle bei albanischen Burrnesha

  1. @ Christian

    *Zudem scheint sich diese Tradition nicht gehalten zu haben, obwohl das Patriarchat ja nach wie vor den Männern genug Vorteile bietet.*

    Tut es das wirklich?

    Oder belastet es Frauen UND Männer gleichermaßen mit Lasten, die in solch traditionellen Gesellschaften getragen werden MÜSSEN.

    Auch hier fällt mir auf, dass viel die Rede ist von den Rechten, die Frauen nicht haben.

    Nichts höre ich von Privilegien, die sie haben, die Männer nicht haben.

    Wie sieht es zum Beispiel aus mit der Verspflichtung zur Blutrache?

    Gibt es die in diesem Gebiet?

    Ich vermute ja, denn es gibt in Albanien noch Blutrache, gerade in den abgeschiedensten, rückständigsten Gebieten.

    Mit dem Mannwerden einer „Schwurjungfrau“ erwirbt sie auch das Recht, das ja immer auch eine Pflicht ist, eine Waffe zu tragen, könnte damit zusammenhängen, dass sie nun als „Mann“ auch blutrachepflichtig ist, d.h. legitimes Opfer von Attacken, verpflichtet, ihrerseits zu attackieren, sich in Gefahr zu begeben, verstümmelt oder getötet zu werden.

    Sind Burneschas dazu verpflichtet oder bleibt ihnen dieser Teil der Männerrolle erspart?

    Wie sieht es mit der Versorgerverantwortung aus?

    MUSS sie ihre abhängigen Verwandten vielleicht materiell unterstützen, neben dem Schützen und Verteidigen, auch klassische Zwangsaufgabe von Männern in patriarchalen Gesellschaften.

    Kein Wort darüber in dem Artikel, zumindest nicht in dem Teil, den Du ziterit hast.

    Passte allerdings gut zum feministischen Patriarchatsmantra: Feminist.I.nnen reden ja gerne nur von den Pflichten der Frauen und den Rechten der Männer, vergessen regelmäßig die Rechte/Privilegien der Frauen und Pflichten der Männer.

    Weshalb feministisch-femizentrische Gouvernanz keine Mühe hat, die Pflichten der Frauen abzuschaffen (und ihre Privilegien nicht anzutasten) und die Privilegien der Männer abzuschaffen (und ihre Pflichten de facto bestehen zu lassen).

    Ansonsten: ja, ich denke auch, dass hier in den meisten Fällen eine biologische Dispositioin zum Mannsein vorliegt, männlich zu agieren, es sich also in den meisten Fällen um „männliche“ Frauen handeln wird, die im Einklang mit ihren instinktiven Dispositionen handeln, aggressiver, stolzer, selbstbehauptungswilliger, „störrischer“ als der Durchschnitt der („weiblicheren“) Frauen sind.

    Sieht man ihnen auch an, meine ich (wie üblich: Unterkiefer/Kieferwinkel/Kinnpartie sehr männlich ausgeformt, männliche Gesichtszüge, hohe Testosteronspiegel beeinflussen ja den Knochenbau u.a. des Gesichtes):

  2. *Zudem scheint sich diese Tradition nicht gehalten zu haben, obwohl das Patriarchat ja nach wie vor den Männern genug Vorteile bietet.*

    Also mal ganz grundsätzlich zu dem Fundament feministischer Theorie, der Ausbeutung (natürlich nur der Frau) und dem Patriarchat.

    Ein Mensch (oder Tier) ist ja vor allem auf Dauer gesehen begrenzt belastbar.
    Man kann feststellen dass es eine „Optimale“ Belastung gibt bei der ein Mensch die maximale Lebensleistung erbringt.
    Also grob vereinfacht z.B. Frau entsprechende Kinder und Mann entsprechende Versorgung dieser.
    Es wohl ist eine Optimierungsfunktion. Zu viel Last bringt weniger und geringere Last bringt weniger.

    Da die Geschlechter ungleich geschaffen sind, sonst bräuchte es sie ja nicht, ist natürlich auch die Art der Belastung eine Andere.

    Gleichbelastung bedeutet hier jedes Geschlecht optimal zu belasten.

    Eine Gesellschaft die Geschlechter (natürlich Geschlechtsspezifisch) ungleich also nicht Optimal Belastet hat zwangsläufig eine Minderleistung gegenüber einer die die Geschlechter gleich belastet.

    Evolutionär setzt sich ja mit der Zeit die (auch Reproduktiv) leistungsfähigere Gesellschaft durch.

    Evolutionär/Reproduktiv erfolgreiche Gruppen/Gesellschaften (was wir nicht sind) müssen demnach für beide Geschlechter deren Belastungen nahe deren Optimum eingestellt haben.

    Das macht Sinn, denn sind diese Belastungen ungleich verteilt dezimiert sich eine Gesellschaft stärker, was wir eindeutig seit längerer Zeit an uns sehen.

    Man könnte jetzt natürlich über die geschlechtsspezifische Art der Leistungsfähigkeiten reden.

    Der Feminismus setzt hier an, bei der geschlechtsspezifischen Art der Leistungsfähigkeit, setzt eine nicht Zutreffende Gleichheit der Geschlechter voraus, implizit angedeutet oder offensiv behauptet und nimmt Unterschiede in deren Behandlung in einer Gesellschaft her eine Unterdrückung der Frau zu konstruieren.

    Feminismus ist nichts anderes als eine Dummheit, eine zwanghaft einseitige Darstellung mit dem Zwecke der Ausbeutung, der Schaffung und Rechtfertigung der erwähnten Ungleichbelastung.

  3. Was ich so interessant daran fand, dass es ein scheinbar extremes Patriarchat ist, welches aber unter der Decke auf die sozialen Aufgaben abziehlt, die einem Geschlecht zugeordnet sind.
    Roslin hat ja einige aufgezählt – Verteidigung, Blutrache usw.

    Der Kanun ist ja ein Gesetz, welches dort gilt, wo es sonst kein Gesetz gab in einer sehr lebensfeindlichen Umwelt.

    Letztlich hängen die Pflichten an der sozialen Rolle – und die soziale Rolle des Mannes scheint für Frauen – obwohl sie diese auch annehmen können – nicht sehr attraktiv zu sein.

    • > die soziale Rolle des Mannes scheint für Frauen – obwohl sie diese auch annehmen können – nicht sehr attraktiv zu sein.

      Naja, sie müsste halt auf Sex komplett verzichten.
      Das hat vermutlich nur den Hintergrund, dass eine Schwangere die Pflichten eines Mannes in dem Land nicht übernehmen kann und Verhütung historisch keine Option darstellte.

      Bleibt aber, dass frau neben einer neuen Rechte/Pflichten Verteilung auf etwas ganz Elementares verzichten muss.

      Dass das nicht viele Frauen tun, könnte also auch bedeuten, dass sie mit ihrem Sexleben gar nicht soooo unzufrieden sind, wie es unsere Schwarzers immer behaupten… Sein Verlust wird durch die „Vorteile“ des Mannseins nicht aufgewogen.

    • @ Dummerjan

      Blutrache ist überall dort NOTwendig, wo es keinen Staat, kein staatliches Gewaltmononopol gibt.

      Die Durchsetzung der Rechte einer Familie hängt dort davon ab, dass Familienmitglieder dies als Pflicht übernehmen.

      Das können nach Lage der biologischen Dinge nur die Männer der Familie sein, IN DER REGEL (Ausnahmen wie diese Schwurjungfrauen = meist sehr „männliche“ Frauen außen vor), weil im Schnitt nur Männer mit Aussicht auf Erfolg gegen andere Männer antreten können.

      Hat eine Familie keine Männer mehr, muss sie sich den Schutz einer anderen Familie = anderer Männer einkaufen, oder sie geht unter.

      Das muss natürlich bezahlt werden.

      Zu glauben, man habe ein Anecht auf gegenleistungsloses Leisten der Männer ist das Vorrecht der feministisch-femizentrisch indoktrinierten und so verblendeten westlichen Frau, jedenfalls sehr vieler dieser emannzipierten Frauen, die nicht wissen, wie sehr sie von der Leistungswilligkeit und -fähigkeit der Männer ihrer Gesellschaften abhängen.

      Sie sollten Gelegenheit erhalten, das zu erfahren.

      Nur dann lernt man.

      In der Regel.

  4. @ Borat

    Einverstanden.

    Nur das hier:

    *Feminismus ist nichts anderes als eine Dummheit, eine zwanghaft einseitige Darstellung mit dem Zwecke der Ausbeutung, der Schaffung und Rechtfertigung der erwähnten Ungleichbelastung.*

    ist eine maßlose Unterschätzung der feministischen Protagonist.I.nnen.

    Sie sind nicht dumm, eher schon perfide schlau.

    Das System funktioniert prächtig für parasitäre, gegenleistunglose Ausbeuter.I.nnen.

    Mag sein, dass ihre Gier ihre Langfristdenke und Vorausschau blendet („Nach uns die Sintflut“ – oder das islamische Familienmodell, wie man’s nimmt, es produziert den Nachwuchs, den die „Modernen“ nicht mehr haben), aber gegenwärtig läuft es prächtig für sie.

    Die ausgestellten Wechsel werden ihre (meist nicht vorhandenen) Enkel.I.nnen begleichen müssen.

    • OK, oberflächlich gesehen dumm ist hier natürlich nicht die feminstische Führungselite, sondern vor allem die Masse der Frauen und auch Männer die sich von dieser instrumentalisieren lässt.

      Der Abzocker gilt ja als clever, erstrebenswert, Geiz ist geil und wir sind doch nicht blöd.

      Doch wenn man hier vermutet welches System, welche Führungselite mehr bestand hat, trifft „Dummheit“ wieder recht gut.

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