Das Erkennen von Häufungen und Mustern und die Unterscheidung der Gruppe von einem Selbst

Eine wichtige Fähigkeit aus evolutionärer Sicht ist das Erkennen von Mustern und Systemen. Zum einen erleichtert das Einordnen in ein System und das Erkennen von Mustern ein besseres Verständnis, zum anderen reduziert dies auch die Rechenleistung des Gehirns erheblich.

Es verwundert daher nicht, dass unserer Gehirn recht gut darin ist Muster zu erkennen und entsprechende Einordnungen vorzunehmen. Das Erkennen von Mustern ist dabei auch im menschlichen Verhalten wichtig. Wer wichtig wie beispielsweise bestimmte Menschengruppen, etwa ein bestimmter Stamm, sich verhält oder reagiert, der kann mit diesen besser interagieren bzw. kann sich auf deren Verhalten besser einrichten.

Dabei gilt bei Menschen die Besonderheit, dass sie üblicherweise nicht starren Regeln folgen, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Weise reagieren. Dennoch kann auch hier das Erkennen gewisser Muster und Handlungsspannen, die etwa eine bestimmte Kultur vorgibt, sehr hilfreich sein. Die Aufnahme der Regel muss also auf eine Weise erfolgen, die diese Handlungsspanne und auch die Möglichkeit, dass derjenige sich vollkommen anders verhält beeinhaltet. Insbesondere ist es auch wichtig entweder bestimmte Untergruppen zu erkennen oder zu erkennen welche für einen selbst wichtigere Mitglieder der Gruppe gruppenuntypisches Verhalten in bestimmten Bereichen zeigen.

Ein solches Muster oder eine solche Häufung kann beispielsweise über eine positive Verstärkung herausgearbeitet werden, indem man jedesmal, wenn man ein Verhalten richtig erkennt ein positives Ergebnis hat, weil man sich dadurch besser auf deren Verhalten einstellen kann.

Das man solche Stereotypen entwickelt ist auch im täglichen Leben gut zu beobachten. Wir haben jede Menge Vorstellungen davon, wie sich bestimmte Gruppen typischerweise verhalten und wie nicht. Die einen sind dabei auf einer besseren und die anderen au einer schlechtern Grundlage gebildet oder teilweise auch einfach nur aus den Erfahrungen anderer übernommen.

Das gilt natürlich auch für die Geschlechter. Auch bei diesen ist es ebenso sinnvoll wie  bei jeder anderen Gruppe sich bestimmte Muster und Häufungen bewusst zu machen und in sein Verhalten gegenüber diesen und deren Verhalten einem gegenüber einzuplanen. Diese folgen den gleichen Regeln wie die Regeln, die man für andere Gruppen erkennt: Auch sie sind nicht absolut und erlauben Abweichungen auch bezüglich bestimmten Mitgliedern der Gruppe.

Ebenso gilt dies für bestimmte Gruppen, denen man selbst zugehört. Auch hier ist es wichtig die Elemente zu erkennen, die das Zusammenleben innerhalb der Gruppe und die Erwartungen anderer an das eigene Verhalten bestimmen zu erkennen.

Daraus folgt aber nicht, dass man diese Regeln als für sich verbindlich ansehen muss. Es reicht, wenn man die Regeln kennt und weiß, wann man gegen sie verstoßen darf und wann nicht bzw. was die Konsequenzen eines solchen Verstoßes sind. Das zwangsweise befolgen solcher für die Gruppe wirksamer Regeln hingegen kann einem bestimmte Vorteile nehmen. Das ist uns auch in vielen Fällen bewusst: Wir wissen, dass bestimmte Regeln für die Gruppe wichtig und gut sind, wir wissen aber auch, dass es vorteilhafter sein kann, in bestimmten Fällen gegen sie zu verstoßen. Jeder mag zB sichere Straßen, aber schneller zu fahren als erlaubt kann dennoch aus der eigenen Sicht vorteilhafter sein. Genug Deutsche sind unpünktlich und unordentlich, um mal ein beliebiges Stereotyp zu wählen.

Wir folgen auch in diesem Bereich eher der Spieltheorie und bewerten nicht, wie wir uns Verhalten müssten, sondern was für uns vorteilhaft ist, wobei die Gruppenzugehörigkeit insoweit schon deswegen eine Rolle spielt, weil es vorteilhaft sein kann, sich gruppenkonform zu verhalten. Ebenso können hier Gewohnheiten etc mit hineinspielen.

Die Betrachtungsweise bei Foucault oder dem Feminismus nach Butler geht hingegen davon aus, dass Regeln durch die Mächtigen vorgeben sind und die jeweiligen Machtverhältnisse wiederspiegeln. Weil sie dazu dienen, Macht durchzusetzen sind sie so konzipiert, dass man ihnen folgen will, weil sie eben die Regeln sind, nach denen man sich richten soll und die für die Gruppe vorgeben sind.

Die Zuordnung, welche Regeln verbindlich für eine Gruppe vorgeben sind, erscheint mir dabei gar nicht so einfach. Es sind aus meiner Sicht jedenfalls nicht mehr die starren Geschlechterrollen. Vielmehr wird auch eine Karrierefrau inzwischen durchaus geschätzt und entspricht einem weiblichen Rollenbild. Die emanzipierte Frau ist heute ein gängige Rollenzuweisung. Ebenso entspricht dem eine gute Ausbildung auch für Frauen und eine Berufstätigkeit. Das klassische Rollenbild der ungebildeten Hausfrau hingegen wird so ganz überwiegend nicht mehr vertreten.

Hinzu kommt der oben angesprochene Effekt, dass wir durchaus zwischen uns und der Gruppe unterscheiden können. Leute erkennen ihre individuellen Stärken und ordnen sich entsprechend ein. Eine Frau beispielsweise, die gut in Mathematik ist und dies merkt muss sich deswegen nicht für unweiblich halten oder meinen, dass sie es trotz ihrer anscheinend Fähigkeiten doch nicht kann. Sie kann vielmehr einfach zu dem Entschluß kommen, dass viele Mädchen zB Mathe nicht interessiert, sie selbst aber schon. Diese Unterscheidung kommt aus meiner Sicht im Feminismus deutlich zu kurz. Wer bestimmte Regeln nicht mag, der kann sie durchaus auf die Grupp, aber nicht auf sich selbst beziehen.

 

27 Gedanken zu “Das Erkennen von Häufungen und Mustern und die Unterscheidung der Gruppe von einem Selbst

  1. Es kommt vielleicht darauf an wie sehr man die Regel „befolge die Regeln“ oder „erfülle die Erwartungen verinnerlicht hat. Wer das nicht besonders verinnerlicht hat hat empfindet Geschlechterrollen vermutlich weniger als „Regeln“ oder verhaltensleitend. Wer dieses Grundmuster sehr verinnerlicht hat, aber mit den „Regeln“ nicht einverstanden ist wird vielleicht eher die Regel selbst bekämpfen und weniger auf die Idee kommen, diese einfach nicht zu befolgen.
    Ich denke, Klischees können weniger direkt beeinflusst werden sondern eher indirekt. Je mehr Menschen sich anders verhalten desto weniger funktioniert das Klischee und muss erneuert/erweitert werden. Jemandem zu sagen er solle gefälligst sein Klischeedenken ändern wird dagegen eher keinen Effekt haben.

    • @ erzaehlmirnix

      *Jemandem zu sagen er solle gefälligst sein Klischeedenken ändern wird dagegen eher keinen Effekt haben.*

      Wau!

      Das ist ja mal ein revolutionärer Ansatz!

      Die REALITÄT muss sich ändern, damit Klischees sich ändern können, nicht umgekehrt.

      Feminist.I.nnen satteln das Pferd ja gewöhnlich von hinten auf.

      Um es richtig zu satteln, müsste man allerdings erst einmal anerkennen, dass Klischees realitätshaltig und -abhängig sind, nicht einfach Phantasmagorien machthungriger Weltverschwörer, konstruiert zur Steuerung der Verhältnisse in ihrem Sinne.

      Dann müsste man sich noch darüber unterhalten, ob und inwieweit die Verhältnisse viabel änderbar sind, wie viel Spielraum der Mensch hat.

      • Ja, ich bin bekannt für revolutionäre Ansätze in Kommentarspalten… du solltest sehen was ich in den Kommentarspalten der Astrophysiker hinterlasse^^

        Ich würde sagen, mittlerweile gibt es keine formalen Hürden mehr für Frauen, höchstens noch Bereiche in denen es schwerer ist reinzukommen – insofern genug Spielraum um Verhältnisse aktiv zu ändern, sofern man denn möchte. Ich habe irgendwie das Gefühl früher waren die Feministinnen eher Macherinnen, die konkret was getan haben. Heute beschränkt sich viel am Feminismus darauf zu klagen und sich zu beschweren warum es so schwer ist was zu machen. Klar sind Klischees manchmal nervig – das merken meine männlichen Kollegen wenn sie erstmal beweisen müssen dass sie auch gut zuhören können und das merke ich, wenn ich meinen Handwerkern hier im Haus erstmal klarmachen muss, dass ICH die bin, die die Hausrenovierung macht und nicht mein Mann. – Aber ich kann mich auch nicht davon freisprechen gedacht zu haben „Schon wieder so ein alter Knacker dem ich erstmal beweisen muss dass ich als Frau Ahnung habe“ und zu sehen wie er zum Arbeiten dann eine Azubine mitgebracht hat. Klischees kann man nicht abstellen, wie im Artikel gesagt und auch ansonsten hinlänglich bewiesen. Schemata sind wichtig für Menschen. Ein Ziel könnte höchstens sein mehr Schubladen zu schaffen und die flexibler zu gestalten – Schubladen braucht man ohnehin nur so lange wie eine Person fremd ist.

        • Hast du schon mal daran gedacht dass Handwerker auch Männer und im Grunde jeden Kunden für dumm verkaufen, und übervorteilen, weil dass ein Gewinnmaximierungsprinzip des Handwerks ist?

          Hast du schon mal daran gedacht dass jeder der dir was verkaufen will nur sein bestes will, also maximalen Gewinn im Rahmen der Möglichkeiten?

          Du regst dich also auf wenn so ein Handwerker hier natürlich sexistisch Vorgeht und mit Klischees die ja i.d.R. besser passen als keine vorgeht?

          Deinen Hass, deinen Unmut über im Grunde normales Gebahren von hier z.B. Handwerkern schiebst du auf Männer per se, fehlende Frauenbefreiung u.s.w.

          Da ist doch die Frage wer hier die unpassenderen Klischees hat.

          • Gottchen, ganz ruhig, Brauner…. Mir scheint, dein Kommentar ist eine klitzekleine Überreaktion… hast du schonmal daran gedacht dass ich das locker nehme und Handwerker die zuerst meinen Mann anschauen wenn sie was erklären deshalb nicht „hasse“? Und was „fehlende Frauenbefreiung“ angeht… ja klar, DAS ist immer mein erster Gedanke wenn ein Mann mit mir redet^^

        • Schön.
          Manchmal frag ich mich, ob die vorhergehenden Kommentare eigentlich komplett gelesen werden, bevor man auf das kleine rote „Antwort“-Feld klickt. Und ob da irgendwo noch Text steht, den ich nicht sehen kann, der aber einen plausiblen Grund für heftige Reaktionen liefert.

          • Aber absolut… du bist der beste Kommentarspaltenanalytiker der jemals Kommentarspalten analysiert hat. Ich… will ein Kind von dir. Wir werden es dann zusammen zum besten Kommentarspaltenalytiker der Welt machen… vielleicht schreibt es sogar einen eigenen Blog ❤

        • @Alexander & Borat:
          2:0 für erzaehlmirnix!
          Sie macht zwei inhaltlich gute Kommentare – in denen ich keinen einzigen aggressiven Ton vorfinde – ihr pickt euch ein Detail raus, das auch noch falsch, und werdet ausfallend im Ton.
          Nur zur Information: in der breiten Allgemeinheit ist man nach solchen Aussetzern unten durch.
          Es hat auch nichts mit PC zu tun, sondern einfach mit Höflichkeit im Umgang mit anderen Leuten.
          So wird das nix mit dem Maskulismus.

          Am meisten kotzt mich an, daß man Leute wie erzaehlmirnix, die 1. ziemlich vorurteilsfrei sind und die 2. sinnvolle Diskussionsbeiträge liefern, mit diesen Ungehobeltheiten dermaßen vor den Kopf stößt.
          Muß das wirklich sein???

        • Nun, ich bin halt ein Mann.

          Die verstehen öfter Dinge einfach nicht.

          Hier nur ein paar Beispiele:

          Der Mensch kann nicht fliegen. Die Brüder Wright verstanden das nicht und deswegen mussten hunderttausende Menschen mit ihren Erfindungen abstürzen.

          Der Mensch stirbt wenn er sich schneller als ein Pferd laufen kann bewegt. Karl Benz verstand das nicht und wegen seinen Erfindungen mussten bis heute millionen von Menschen sterben. Und geschätzt 1e15 Insekten.

          Genauso ich hier. Picke mir ein falsches Detail heraus, erkenne aber wegen meiner emotionalen Inkompetenz nicht wie falsch und beleidigend das für den Autor ist.

          Deswegen bekommen viele junge Männer auch Medikamente, weil sie vieles einfach nicht verstehen und immer rumzappeln, rumhampeln und die Richtigkeit, oft die weibliche Personifizierung der Richtigkeit, stören.

      • *Feminist.I.nnen satteln das Pferd ja gewöhnlich von hinten auf.*

        Feminist.I.nnen sind surreal, so sehen sie oft auch aus.

        *Um es richtig zu satteln, müsste man allerdings erst einmal anerkennen, dass Klischees realitätshaltig und -abhängig sind, nicht einfach Phantasmagorien machthungriger Weltverschwörer, konstruiert zur Steuerung der Verhältnisse in ihrem Sinne.*

        Feminist.I.nnen müssten erkennen dass sie selbst die machthungrigen Weltverschwörer sind (sein wollen), davon ablenken und das projizieren.

        Das wär doch wie wenn Honecker vor das Volk getreten wäre: „Tüt mür Leid, üsch höb sie beloschen.“

    • @erzählmirnix
      „Es kommt vielleicht darauf an wie sehr man die Regel “befolge die Regeln” oder “erfülle die Erwartungen verinnerlicht hat. Wer das nicht besonders verinnerlicht hat hat empfindet Geschlechterrollen vermutlich weniger als “Regeln” oder verhaltensleitend. Wer dieses Grundmuster sehr verinnerlicht hat, aber mit den “Regeln” nicht einverstanden ist wird vielleicht eher die Regel selbst bekämpfen und weniger auf die Idee kommen, diese einfach nicht zu befolgen.“

      Exakt so.

      Deswegen verweist auch das ganze Gegreine über „die Gesellschaft“ oder „die heteronormative Matrix“ oder was auch immer, das einen hindere oder behindere lediglich auf einen inneren Konflikt.

      Ich habe die Regeln verinnerlicht. Und gleichzeitig gefallen sie mir nicht. Das macht ein Problem. Aber das Problem ist eindeutig innen, nicht außen. Es ist ein innerpsychischer Konflikt. Ein Konflikt zwischen zwei Verhaltenstendenzen oder zwei Persönlichkeitsanteilen, die in MIR sind. Nicht da draußen.

      Den Konflikt dann „da draußen“ zu lokalisieren und zu bekämpfen ist klassische Projektion. (Nicht mehr – nicht weniger).

      Und wie jede Projektion: Ein Beitrag zur Aufrechterhaltung des inneren Konflikts. Der wird so nicht gelöst, sondern verstärkt.
      Nebenbei: Man gerät dann oft auch in einen äußeren Konflikt. Nämlich mit Leuten, die einen komplementären inneren Konflikt haben und ähnlich projezieren.

      Aber: So ist halt das Leben. Oder besser: Die menschliche Psyche.
      Man kann nicht NICHT projezieren. Man kann es nur mehr oder weniger tun. Aber es gibt NIEMANDEN, der es gar nicht tut.

      Feministinnen sind allerdings die stärksten Projektoren, die ich in der derzeitigen kulturell-politischen Landschaft kenne.
      Und sie reden eigentlich immer nur über sich selbst.

    • @erzählmirnix

      „Ich denke, Klischees können weniger direkt beeinflusst werden sondern eher indirekt. Je mehr Menschen sich anders verhalten desto weniger funktioniert das Klischee und muss erneuert/erweitert werden.

      Ja, wenn eine Veränderung möglich ist und eintritt, dann wird auch das Klischee angepasst. Sicherlich mit einer gewissen Verzögerung, aber es geschieht.

      „Jemandem zu sagen er solle gefälligst sein Klischeedenken ändern wird dagegen eher keinen Effekt haben.““

      Ja, solange das Klischee durch die Beobachtung gestützt wird besteht wenig Anlass und auch wenig Einsicht zu einer Änderung. Es gilt eben immer den aktuellen Wahrheitsgehalt des Klischees zu hinterfragen.

      Beruht das Klischee auf (inzwischen) fehlerhaften Grundlagen, dann wird Aufklärung über die (vermeintlich) richtigen Fakten der effektive Weg sein.

      So gesehen versucht der Feminismus dem Klischee „Frauen wollen/können nicht in Führungspositionen“ die Aufklärung „Frauen wollen und können, werden aber durch Diskriminierung daran gehindert“ entgegenzusetzen, welches wiederum das Klischee der „diskriminierten Frau“ erschafft, welches je nach Einblick in die Fakten geglaubt wird oder nicht, aber auch selbst das Klischee produziert, dass Frauen es gar nicht versuchen müssen, weil sie es wegen der Diskriminierung eh nicht schaffen.

  2. Die Mustererkennung unterliegt aber häufig der kognitiven Verzerrung und ist deshalb sehr fehleranfällig. Insbesondere den Bestätigungsfehler sowie die Tendenz, Muster zu erkennen, wo gar keine sind, halte ich in diesem Zusammenhang für wichtig.

    Attributionsfehler, auch correspondence bias: Die Tendenz, die Ursache für ein beobachtetes Verhalten zu oft in der handelnden Person und zu selten in den äußeren Bedingungen zu suchen.

    Bestätigungsfehler, auch confirmation bias: Die Tendenz, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen.

    Kontrollillusion, auch illusion of control: Die falsche Annahme, zufällige Ereignisse durch eigenes Verhalten kontrollieren zu können.

    Rückschaufehler, auch hindsight bias: Die Verfälschung von Erinnerungen nach einem Ereignis.

    Illusorische Korrelation, die fälschliche Wahrnehmung eines Kausalzusammenhangs zweier Ereignisse.

    Impact Bias: Die psychischen Auswirkungen eines vorgestellten negativen Ereignisses wie Verlust des Arbeitsplatzes oder Trennung vom Partner werden in Dauer und Tiefe systematisch zu stark erwartet.[1]

    Illusion einer gerechten Welt: Die Illusion, dass die Welt gerecht und jeder Mensch daher für seine Lebensumstände mehr oder weniger verantwortlich sei. Dadurch wird dem Opfer eines Verbrechens oft eine Mitschuld zugeschrieben, siehe Opfer-Abwertung.[2]

    Der Aufrechterhaltung eines positiven, konsistenten Selbstbildes dienen die Selbstwertdienliche Verzerrung und der Lake-Wobegon-Effekt.

    Die Tendenz, situative Hinweisreize zur Kausalattribution von Emotionen heranzuziehen, siehe Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion.

    Die Tendenz, generische als spezifische Maskulina zu lesen bzw. Rollenklischees entsprechende Vermutungen anzustellen (Baggerführer = Mann), siehe Gender Bias.

    Die Tendenz, in Datenströmen Muster zu sehen, selbst wenn gar keine da sind, siehe Apophänie, Clustering-Illusion, Pareidolie.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Verzerrung

    siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Prospect_Theory
    Kahnemann / Tversky

    • @Peter

      „Die Mustererkennung unterliegt aber häufig der kognitiven Verzerrung und ist deshalb sehr fehleranfällig. Insbesondere den Bestätigungsfehler sowie die Tendenz, Muster zu erkennen, wo gar keine sind, halte ich in diesem Zusammenhang für wichtig.“

      Gute Aufstellung, danke.
      (ich finde ja, dass diese Fehler auch ein Indiz dafür sind, dass unsere Mustererkennung nach bestimmten biologischen Regeln abläuft, die eben eine Anfälligkeit für diese Fehler begründen, evolutionär gibt es für die Fehler meine ich auch Begründung derart, dass es besser ist, sich in diese jeweilige Richtung zu irren, also lieber ein Muster zuviel als eins zu wenig zu sehen, lieber eine versteckte Person mehr als eine zu wenig etc.)

  3. Die Betrachtungsweise bei Foucault oder dem Feminismus nach Butler geht hingegen davon aus, dass Regeln durch die Mächtigen vorgeben sind und die jeweiligen Machtverhältnisse wiederspiegeln. Weil sie dazu dienen, Macht durchzusetzen sind sie so konzipiert, dass man ihnen folgen will, weil sie eben die Regeln sind, nach denen man sich richten soll und die für die Gruppe vorgeben sind

    Interesssant finde ich ja, die „Machtverhältnisse“ mal Quantitativ und nicht Qualitativ zu betrachten.

    Mal am Beispiel der 80er und der Nerds.

    Für’s gesellschaftliche Bild schaue man sich einen beliebigen Film aus der Zeit an: Nerds waren das letzte vom letzten. Typischerweise will nichtmal der „underdog“, der gerade durch karate-kid-montagen zum Held wird, was mit ihm zu tun haben. Die Rolle, die erwartet wird ist klar.

    Was Priviligierung angeht, kann man zwar argumentieren, dass man, um in den 80ern an Computer zu kommen, schon typischerweise Student oder sowas war. Allerdings sind die Früchte dieser Privilegien etwas, was heute jedes Kind im Telefon hat.

    Also: damals hat die Nichtverfügbarkeit von Computern und die permanente gesellschaftliche Diskreditierung nicht gereicht um zu verhindern, dass sich die Nerdkultur bildet, der heute vorgeworfen wird, ach-so-priviligiert zu sein.

    Für die Mädchen, die einen eigenen Rechner, ein komplettes Internet voller Tutorials und freier Software, Girls‘ Days auf Unis und doch schon recht coolen Vorbildern wie Penelope Garcia, Lisbet Salander in den Mainstreammedien haben, reichen Rosa Überraschungseier als Unterdrückungsmechanismus?

  4. Die Zwillingsstudien von Dr. Tom Bouchard (University of Minnesota, USA) aus dem Jahre 1990 ergaben, dass getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge ebenso viele Übereinstimmungen aufweisen wie jene, die gemeinsam groß wurden.

    Ich selbst konnte an meinen eineiigen Zwillingen folgendes Verhalten beobachten: Beide Jungs sollten im Alter von etwa 3-4 Jahren die Farbe für eine jeweils zu kaufende Shorts selbst auswählen. Zur Wahl stand rot, grün und blau. Der Erste sprach: rot. Der Zweite ebenso: rot, besann sich jedoch plötzlich eines besseren und wählte blau, was mich erstaunte, da er für gewöhnlich rot bevorzugte. Befragt, warum er blau wähle liess er wissen, dass er nicht die gleiche Hose tragen wolle, wie sein Bruder.
    Die Mutter und ich haben nie Partnerlook praktiziert, dem aber auch nicht entgegen gewirkt. Die Jungs hatten zumeist die Wahl. Und es stellte sich immer wieder heraus, dass die persönliche Besonderheit, die Einzigartigkeit der Person so wichtig war, dass die Abgrenzung mehr Stellenwert hatte, als die persönliche Vorliebe.

    Die Wahl der blauen Shorts kann insofern durchaus als kulturell bedingt klassifiziert werden. Nämlich als Folge einer Kultur des Individualismus. Die sich hier anschließende Frage: in wie weit verhindert Kultur das Ausleben genetisch bedingter Neigungen? wird auf diese Weise recht anschaulich beantwortet.

    ‚Gender‘ leistet aktuell seinen diesbzgl. kulturellen Beitrag. Wohin dieser wohl führen mag? Vermutlich in den Ameisenstaat. 😉

  5. @Christian

    Du schreibst:

    Eine wichtige Fähigkeit aus evolutionärer Sicht ist das Erkennen von Mustern und Systemen. Zum einen erleichtert das Einordnen in ein System und das Erkennen von Mustern ein besseres Verständnis, zum anderen reduziert dies auch die Rechenleistung des Gehirns erheblich.

    Kommentar:

    Hat Dir das die Evolution gesagt oder haben das Menschen in die Evolution hineininterpretiert?

    Aber Dine evolutionäre Sichtweise laaaaaaaaaaaaaaaaaangweilt laaaaaaaaaaaaangsam gewaltig!

    Wie wärs, wenn Du mal ein bisschen komplexer denken würdest: Wie gesagt: Wäre mit Interdiszipiinarität zu haben. M.E. bist Du noch viel einäugiger als die schlimmsten Macht-Wissen-Diskurs-Genderisten.

    • @Chomskyy

      „Aber Dine evolutionäre Sichtweise laaaaaaaaaaaaaaaaaangweilt laaaaaaaaaaaaangsam gewaltig! Wie wärs, wenn Du mal ein bisschen komplexer denken würdest:“

      Die Entstehung unseres Gehirns durch Mutation und Selektion ist schon reichlich kompliziert 😉

      Du kannst aber gerne die aus deiner Sicht einschlägigen Theorien ergänzen. Dann aber bitte nicht einfach den Satz, dass man immer interdisziplinär denken muss. Der ist absolut nichtssagend: Welche konkreten Punkte möchtest du gerne mitgedacht haben und was ergibt sich daraus? Wer sagt was dazu, was du noch für eine wichtige Ergänzung hältst (bitte auch nicht: „Du musst mal ein Lehrbuch X lesen, da wird es schon stehen“).

      Wenn wir dann insgesamt ein vollständigeres Bild haben, dann gewinnen wir alle

      Und konkret zu dem oben geschriebenen:

      Eine wichtige Fähigkeit aus evolutionärer Sicht ist das Erkennen von Mustern und Systemen. Zum einen erleichtert das Einordnen in ein System und das Erkennen von Mustern ein besseres Verständnis, zum anderen reduziert dies auch die Rechenleistung des Gehirns erheblich.

      Würdest du diese Faktoren auch so sehen? Wenn nicht, was spricht aus deiner Sicht dagegen?

      Dafür spricht aus meiner Sicht, dass es gut zu den von Peter genannten Fehler passt, dass es weltweit auftritt und dass es Krankheitsbilder gibt, bei denen Leute übersystematisieren oder gar nicht die Zusammenhänge erkennen können (wenn ich mich richtig erinnere)

    • Hat Dir das die Evolution gesagt oder haben das Menschen in die Evolution hineininterpretiert?

      Ist deiner Meinung nach der Überbringer der Nachricht das ausschlaggebende Kriterium für ihre Wahrheit oder der Inhalt?

      Oder anders: widersprichst du der Aussage? Dann zeige die Fehler. Stimmst du ihr zu? Warum sie dann diskutieren?

      Aber Dine evolutionäre Sichtweise laaaaaaaaaaaaaaaaaangweilt laaaaaaaaaaaaangsam gewaltig!

      „ich bin gelangweilt“ ist kein Argument, auch wenn es, wie man in „Brainwash“ schön sehen konnte, von einigen Menschen gerne verwendet wird, wenn man eigentlich meint „halt’s maul, ich will mich mit der Frage nicht auseinandersetzen“.

      Wenn’s dich langweilt, dann beschäftige dich einfach nicht damit.

      Wie wärs, wenn Du mal ein bisschen komplexer denken würdest

      Komplexer um der komplexion Willen ist kein sonderlich fruchtbarer Ansatz, weil ich jede Theorie durch eine beliebig komplexere mit gleichen Aussagen ersetzen kann. Nur: wozu?

      • @Chomskyy

        Ich würde mich über Ergänzungen tatsächlich freuen.
        Gerade die Grundmustererkennung ist für mich aber ein sehr wahrscheinlicher Kandidat für ein biologisches Programm.

        Ich hatte im übrigen auch „soziale Einflüsse“ dargelegt, mit denen diese Mustererkennung zusammenfällt. Eben ein Lernen über Erfahrungen und positive Bestärkungen. Da kann man also durchaus über dieses Grundprogramm kulturelle Muster bis zu einem gewissen Grad schaffen, wenn sie nicht mit biologischen Programmen in Konflikt stehen

      • Naaa, wenigstens habe ich Dich ein bisschen aus dem Busch geklopft!

        Auf die gleiche Art, wie du leute per Klingel dazu bringst, die Tür aufzumachen. Dass der öffnende vermutete, es wäre der Paketbote bedeutet nicht, dass du irgendwas von Wert lieferst.

        • Nöööö, das habe ich auch nicht behauptet, dass ich in diesem Posting etwas von Wert geliefert habe. Wäre reinste Interpretation von Dir, wenn dem so wäre. Obwohl ich doch der Meinung, bin, dass dieser Blog doch ein bisschen einen Bias hat (Verzerrung) und zwar hinsichtlich den Sozialwissenschaften. Also, meine bescheidene Meinung.

          Aber, ich finde, dieses, mein Posting :-), ist nicht so leicht von der Hand zu weisen. Also da werden die Genderisten Mühe haben, sich aus diesem Sumpf, in den sie sich hineingeritten haben, zu befreien.
          https://allesevolution.wordpress.com/2013/07/02/alles-evolution-als-wissenschaftlichkeitswachter/#comment-83646

          Ist nämlich der grosse Knatsch zwischen Modernisten (es gibt eine Wahrheit und es gibt nicht einfach nur Perspektiven, die vor allem durch Machteffekte konstituiert werden) und den Postmodernisten.
          Ich hänge natürlich den Modernisten an, weil sollte es keine Wahrheit geben, dann ist schlussendlich alles Nonsens oder alles nur eine Perspektive unter vielen.
          Aber, es könnte auch so verstanden werden, dass Wahrheit und Ideologie (politische Motivation) nicht immer ein Widersdpruch sein muss.

  6. „Diese Unterscheidung kommt aus meiner Sicht im Feminismus deutlich zu kurz. Wer bestimmte Regeln nicht mag, der kann sie durchaus auf die Grupp, aber nicht auf sich selbst beziehen.“
    Absolut richtig. Damit das aber passieren kann, benötigt dieser Mensch ein gewisses maß an Selbstbewusstsein, was aber gerade bei Frauen nicht der Fall ist, Männer haben da wesentlich weniger Probleme, aus der Rolle zu fallen.

    Insbesondere im Feminismus bzw. im linken spektrum tummeln sich unheimliche viele, denen dieses Selbstbewusstsein fehlt. so sehe ich bei Veganen Veranstaltungen sehr viele, die in Fötus stellung auf einem Stuhl sitzen, oder auch die typische Feministische Frauenförderung entspricht diesem Bild, es nämlich möglichst einfach zu haben, anstatt sich mal durchzukämpfen.

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