„Das ist ja mal wieder typisch männliches Dominanzverhalten!“

Kritik am Feminismus an einem Ort, an dem ich sie nicht erwartet hätte, nämlich auf dem feministischen Blog „Anarchorobben“ und zwar bezüglich des Umgangs mit Männern im Feminismus:

Der erste Vorfall auf einem Vortrag zum Queerfeminismus:

Nach ca. 5 – 10 Minuten Vortrag fiel ein älterer Mann der Referentin ins Wort und meinte, er hätte bisher nichts von dem, was sie erzähle, verstanden. (Ein meiner Meinung nach berechtigter Einwand für jemanden, der wahrscheinlich noch niemals das Wort „queer“ gehört hat.)

Genau in diesem Moment brüllte auf einmal eine Frau quer durch den Raum: „Das ist ja mal wieder typisch männliches Dominanzverhalten!“

Das Publikum schwieg. Die Referentin hielt inne. Die Moderatorin sagte ebenfalls nichts. Der Vortrag ging weiter. Der Mann sagte kein weiteres Wort mehr, während der ganzen Veranstaltung – hätte ich mir wahrscheinlich auch nicht mehr getraut.

„Typisch männliches Dominanzverhalten“ ist eben als Vorwurf etwas, was man theoretisch bei fast jeder Äußerung eines Mannes einwenden kann. Es ist ein gutes Totschlagargument um jemanden den Mund zu verbieten.

Im weiteren Verlauf des Vortrags ging es wie folgt weiter:

Nun aber zu dem, was mir an dem Vortrag überhaupt nicht gepasst hat und was ich mit: „das kanns doch nicht sein!“ eigentlich meine!

Zunächst einmal die quotierte Rednerliste, die Frauen bevorzugte. Meldete sich eine Frau in der Diskussionsrunde, wurde sie sofort vorgezogen, auch wenn ein Mann sich vor ihr gemeldet hatte. Ich meine: wtf? Selbst während meiner krassen feministischen Phase – die sich inzwischen gemäßigt hat – habe ich immer darauf bestanden zu erklären, dass Feminismus nicht die Benachteiligung von Männern bedeutet … und dann so was!

Eine erstaunliche Ansicht. Die übrigen Feministinnen werden es wohl eher als normale Maßnahme gesehen haben, die verhindert, dass Männer zuviel Raum einnehmen. Wie sich Anarchorobbe im (radikalen) Feminismus bewegen konnte ohne solche Maßnahmen wahrzunehmen überrascht mich allerdings. Denn natürlich müssen Bevorzugungen von Frauen letztendlich Benachteiligungen von Männern bedeuten.

Wie wurde die Redezeit der Frauen genutzt?:

In der an den Vortrag anschließenden Diskussionsrunde meldeten sich ca 20 Frauen mit jeweils 3 Minuten Redezeit, die sich in Lobeshymnen auf den Vortrag ergözten. Langweilig! Zumindest brauche ich dafür keine 3 Minuten Redezeit!

Da scheint Anarchorobbe die eigentliche Funktion dieser Beiträge im IDPOL nicht ganz verstanden zu haben. Zustimmung zeigt Gruppensolidarität und signalisiert Einigkeit und  erzeugt damit ein Gefühl der Wichtigkeit und Gruppenzugehörigkeit. Es zeigt zudem, dass man den komplizierten Vortrag verstanden hat, also ganz im Gruppenthema aufgeht.

Die gegenseitige Selbstbeweihräucherung trifft man daher in diesem Bereich häufiger an, man vergleiche Kommentare bei der Mädchenmannschaft. Es ist insofern kein Wunder, dass es zu Bekundungen kommt, wie gut einem der Vortrag gefallen hat.

Dann versaut aber einer die gute Stimmung:

Am Rand stand die ganze Zeit ein junger Typ, der dem Vortrag gefolgt war. Ich weiß nicht, ob er Tourette hatte, aber auf jeden Fall zuckte er immer ein bisschen rum. Er hatte eben irgendwelche Ticks. Das war den meisten im Raum garantiert schon die ganze Zeit negativ aufgefallen. Als er sich dann aber auch noch meldete, war das für einige wahrscheinlich echt zu frech. Er fands nämlich gar nicht cool, dass er, obwohl er sich als erstes gemeldet hatte, die 20 Schnarchnäsinnen vor ihm quatschen lassen musste. Er wurde ungeduldig. Als er dann endlich mit Reden dran war, sagte er sofort: „Das und das fand ich an dem Vortrag scheiße!“ … und begann ausholend zu erklären. Ich war auf einmal wieder wach und interessiert. Leider habe ich mir nicht gemerkt, was er kritisiert hatte, aber – und ich glaube nicht, dass er den Vortrag wirklich scheiße fand, er wollte eben ein bisschen provozieren – was er sagte, kam mir sehr klug vor und 10x interessanter als alles andere, was bisher gesagt wurde. Doch nach drei Minuten war seine Redezeit vorbei und die Moderatorin, die schon die ganze Zeit von dem Typen genervt war, fiel ihm ins Wort und wollte ihm verbieten weiter zu sprechen, obwohl er mitten im Redefluss war. Ich meine: klar! Eine begrenzte Redezeit muss irgendwo sein, wenn 30 Menschen etwas sagen wollen. Aber wenn 29 von ihnen drei Minuten sinnlosen Mist schwallen und einer endlich mal was Kluges sagt, dann kann ich den doch auch mal fertig erzählen lassen! Das Ende vom Lied war, dass der Typ von der Moderatorin und einigen weiteren Frauen mit Sprüchen wie: „Merkst du nicht, dass du hier alle störst?!“, aus dem Raum gemobbt wurde. Leider war ich so perplex, dass ich nicht spontan richtig reagieren und mit ihm hinaus gehen konnte. Mich hätte wirklich interessiert was er zu sagen hatte.

Erstaunlich, dass sie etwas anderes erwartet hatte. Da unterbricht er, der Privilegierte, die Gruppenharmonie und wertet den Vortrag ab, versucht Raum einzunehmen, macht das ganze schöne „Wir haben etwas wichtiges gehört und verstanden und sind alle auf der gleichen Wellenlänge“-Gefühl kaputt und hält sich danach noch nicht einmal an die Redezeit. Natürlich stört er, natürlich muss er den Raum verlassen. Immerhin der Rausschmiss wird wieder ein schönes Ereignis gewesen sein.

Ihr Fazit:

Das kann nicht der Feminismus sein, der erstrebenswert ist. Das ist nicht das, was ich unter Feminismus verstehe. Da habe ich ja lieber „typisch männliches Dominanzverhalten“ um mich, als dass Menschen rausgemobbt werden, nur weil sie ein bisschen „unnormal“, provokant und kritisch sind. (Oder weil sie männlich sind?)

Letzeres würde ich sagen. Wobei die Kritik von einer Frau auch nicht positiv aufgenommen worden wäre vermute ich. Die einzig zulässige feministische Theorie ist ja „Wir hätten noch politisch korrekter/intersektionaler sein müssen, wir müssen noch besser werden“.

Also ein Vorantreiben der Abwärtsspirale wie sie IDPOL typischerweise begründet

79 Gedanken zu “„Das ist ja mal wieder typisch männliches Dominanzverhalten!“

  1. „…dass Feminismus nicht die Benachteiligung von Männern bedeutet … “

    Ob die wirklich so naiv war?

    „Ich weiß nicht, ob er Tourette hatte, aber auf jeden Fall zuckte er immer ein bisschen rum. Er hatte eben irgendwelche Ticks. Das war den meisten im Raum garantiert schon die ganze Zeit negativ aufgefallen.“

    Merkt die wirklich nicht, dass dort Menschen mit einem „Tick“ ausgegrenzt werden. Also diskriminiert werden, weil (einige, viele) Teilnehmer dort Vorurteile gegen Menschen haben? Sieht sie den Fehler nicht?

    Immerhin hat sie nun wohl die Diskrimiminierung der Männer bemerkt.

      • „Ja, gefunden;-)“

        Wo denn? Der Widerspruch ist, die Dame interessiert sich nicht für die Meinung von Männern, zumal nervende behinderte/kranke Menschen der Dame nur negativ aufgefallen sind.

        Der Dame ist aufgefallen, dass er negativ aufgefallen ist, das hat sie sich merken können, nur nicht was er gesagt hat.

        PS „..gefunden;-)“ vs „..gefunden ;-)“ (Leerzeichen lassen)

  2. Das war wohl eine Veranstaltung des SDS, also der studentischen Nachwuchsorganisation der Linken.

    Deshalb dürfte der Anteil von Allies oder Männern* unter den Zuhörer.I.nnen sehr groß gewesen sein.

    Wenn die von ihren Dominas geprügelt werden („Maul halten! Hinten anstellen!!“), habe ich dafür ein gewisses Verständnis.

    Schließlich machen sie das ja freiwillig mit („Schlag mich, jaaaaa….oh, ooooooh, schlag mich, ich bin ein Mann!“).

  3. „Wie wurde die Redezeit der Frauen genutzt?:“

    Normal dass man Frauen längere
    Redezeiten einräumen muss.
    Bei ihnen ist das Verhältnis
    Noise to Information etwa
    2-3 mal schlechter als bei
    Männern. Im Schnitt.

  4. Wie ich mit solchen Situationen umgehe.

    Ich war mal bei einem Informationsvortrag eines Augenarztes für Hornhautoperationen mit Laser.

    Ich stellte viele Fragen, war mir nicht sicher ob ich so was wollte, hab mich auch dagegen entschieden.

    Auf einmal sagte eine ältere Frau, könnte Lehrerin im typischen Pensionierungsalter sein: „Sie stören mit zu vielen Fragen.“

    Ich: „Tut mir leid, ich hab mein Ritalin heute nicht genommen.“

    Der Augenarzt hatte einen winzigen Anflug eines Lachens, ein Arzt ist natürlich professionell, der Rest schwieg einen Moment.

    Dann sagte ein Mann: „Ich finde sehr gut dass er so viel Fragt, das sind Dinge auf die ich gar nicht von alleine kam und die wichtig sind.“

    Das hätte hier als Erwiederung des Mannes genausogut gepasst.

  5. Vielleicht ist der post ja nur ein fake, denn wer dich die anderen post aus derselben Kategorie ansieht, der wundert sich schon über den Sinneswandel. Ich habe einen sehr höflichen Kommentar hinterlassen, der aber insofern eine Spitze enthält, als ich fragte, wieso feminismuskritische Stimmen aus den feministischen Reihen so schlecht sichtbar sind. Warten wir ab, ob der Kommentar noch veröffentlicht wird.

  6. Aber Feminismus bedeutet dich eben nicht Benachteiligung und Diskriminierung von Männern! Ich glaube, ich warte im einem solchen Moment so wütend gewesen, dass ich die Veranstaltung verlassen hätte.

    Nur weil ein paar radikale den Feminismus so vereinnahmen, muss die Idee an sich dich nicht schlecht sein!

    • @Miria

      Ich denke es gibt natürlich auch gemäßigte Spielarten des Feminismus, für die es dies eben nicht bedeutet.

      Dein Beitrag:
      http://nur-miria.blogspot.de/2013/06/mein-feminismus.html

      Gibt das ja auch schön wieder.

      Ich trete dafür ein, dass Frauen und Männer unabhängig vom Geschlecht oder sonstiger Merkmale die gleichen Rechte haben und niemand benachteiligt wird! Das finde ich wichtig und richtig und eigentlich sollte das doch das Ziel eines jeden Menschen sein.

      Leider sind alle etwas dogmatisch ausgebauteren Ansätze im Feminismus abseits des Equityfeminismus der Meinung, dass der Feminismus auf ein Element der Unterdrückungsbefreiung nicht verzichten kann und dann ist es eben nicht mehr weit bis zu Kompensationsgedanken.

      • Es ist ja ein guter Standpunkt, zu sagen:

        „Ich trete dafür ein, dass Frauen und Männer unabhängig vom Geschlecht oder sonstiger Merkmale die gleichen Rechte haben und niemand benachteiligt wird! Das finde ich wichtig und richtig und eigentlich sollte das doch das Ziel eines jeden Menschen sein.“

        Ja. Die Frage ist nur, welchen Sinn es dann hat, sich als „Feministin“ zu bezeichnen.

        Wer sich Waschbärianer nennt und dann erklärt, dass es sein Ziel ist, alle Tiere glücklich zu machen, der hat das gleiche Problem: Inhalt und Label passen nicht so ganz zusammen …

        Warum sich dann überhaupt so nennen?

        • Inhalt und Label passen sehr gut zusammen, denn das ist doch genau das, worum es im Feminismus geht!
          Ich muss doch das nicht ändern nur weil einige Menschen die Bezeichnung Feministin für ihre persönlichen Machtfantasien missbrauchen. Im Gegenteil, vielleicht ist es genau deshalb wichtig, sich als Feministin zu bezeichnen, um eben klarzustellen, worum es eigentlich geht im Feminismus.

        • Inhalt und Label passen sehr gut zusammen, denn das ist doch genau das, worum es im Feminismus geht!

          Nun ja, wenn man den Namen (also das „Label“) ernst nimmt, dann heisst das, man interessiert sich (im wesentlichen ausschliesslich!) für die Belange der Frauen. Männer kommen höchstens am Rand vor. Benachteiligungen von Männern z.B. sind ausserhalb des Blickwinkels, weil sie normalerweise Frauen überhaupt nicht betreffen.

          Deinen oben zitierten Standpunkt (den ich im übrigen auch vertrete) würde ich eher als „humanistisch“ bezeichnen.

          Ansonsten denke ich, daß ein ähnlicher Standpunkt vertreten von explizit sich als Feminist(inn)en gebenden, in den allermeisten Fällen ein bloßes Lippenbekenntnis ist, weil sie eben doch (meist nur implizit, aber als nicht-hinterfragbares „Dogma“) davon ausgehen, daß nur Frauen benachteiligt sind.

          In meinem Sprachgebrauch kurz:
          Feminismus = Bestreben eine (tatsächliche oder eingebildete) rechtliche Schieflage zuungunsten von Frauen geraderücken.
          Maskulismus = Bestreben eine (tatsächliche oder eingebildete) rechtliche Schieflage zuungunsten von Männern geraderücken.
          Humanismus = Belange von Menschen (unhabhängig von deren Geschlecht) betrachten und erkannte Benachteiligungen zu beheben.

          Nun ja, ich muss nicht verstehen, warum jemand an einem Label klebt, mit dem er „eigentlich“ nicht übereinstimmt 😉

        • @Robert: Du hast Recht. Der Name kommt doch wohl aus der Geschichte, wo es eben darum ging, die Schieflage zum Nachteil von Frauen gerade zu biegen.
          Und auch ich verstehe den Feminismus so, dass der Blick natürlich auf die Belange der Frauen konzentriert ist. Aber wir Frauen leben doch nicht allein in dieser Welt, wir können doch nicht rücksichtslos zum Nachteil der Männer fordern und fordern!
          Es geht eben schließlich darum, Gleichberechtigung zu erreichen. Und wenn du dir meinen Blog durchliest, schreibe ich in erster Linie über Themen, die mich persönlich betreffen. Da ich eben eine Frau bin, sind das in erster Linie Frauenthemen. Daher erzähl Feministin. 🙂

        • @Miria

          Die Frage wäre dann wieder, ob Du Gleichberechtigung (also Chancengleichheit) oder Gleichstellung (also Ergebnisgleichheit) möchtest. Obwohl sich ja die Ergebnisgleichheit nur auf lukrative Posten bezieht. Die Ergebnisgleichheit wird ja bei der Müllabfuhr, beim Bergbau oder Strassenbau nicht gefordert. 🙂

        • @ Chomskyy

          Darauf ist Miria in ihrem Artikel ja eingegangen.

          Hier nochmal:

          http://nur-miria.blogspot.de/2013/06/mein-feminismus.html

          Sehr guter Artikel!

          Und ob sich jemand Feministin, Maskulist oder anders nennt, ist mir egal. Mich interessieren die spezifischen Inhalte und was mit den Grundsätzen „Gleichwertigkeit der Geschlechter, nicht-normative Geschlechterbilder, gleiche Rechte UND gleiche Pflichten“ im Einklang ist, unterstütze ich.

          • @Leszek:
            „Und ob sich jemand Feministin, Maskulist oder anders nennt, ist mir egal. Mich interessieren die spezifischen Inhalte “

            Sehe ich prinzipiell genau so. ich benutze diese Ettiketten deshalb auch gar nicht.
            Ändert aber an dem von mir angesprochenen und danach von Robert fortgeführten begriffslogischen Problem nichts:

            Wenn man tatsächlich gleiche Rechte für _Menschen_ will, dann macht es keinen Sinn, sich nach einer Teilgruppe der Menschen, also „Feministin“, zu nennen.
            Wer alle Tiere befreien will und sein Ziel mit einer aussagekräftigen Selbstbenennung signalisieren will, wird sich auch nicht „Waschbärkämpfer“ nennen. Oberbegriff, differentia specifica und so.

            Man könnte sich halt einfach mal überlegen, ob die eigene Grundkategorie _Menschenrechte_ heißt, oder ob man partikuläre Interessen vertritt. Bzw. sich davon vor den Karren spannen lässt …

            Was Mira inhaltlich vermutlich meint, scheint mir zu sein „ich bin Humanist, bin über meinen speziellen Feminismus dahin gekommen und habe aus pragmatischen Gründen bestimmte Problemlagen eher im Blick“.

        • @Miria und Leszek

          Ja, der Blog von Miria über den Feminismus finde ich auch sehr gut!
          Vielleicht noch zu den Quoten: Da sieht mein Modell wie folgt aus:

          Da ich ja auch der Schweiz komme, können wir fast jede Behörde (Exekutive, Legislative, Judikative) direkt wählen (halbdirekte Demokratie). Das heisst: Überall im staatlichen Dienst, wo demokratisch gewählt werden kann, braucht es auch keine Quoten, weil die Frauen (Mehrheit der Bevölkerung) können ja alles nur Frauen wählen und dann haben sie eine satte Mehrheit in Exekutive, Legislative und Judikative.

          Bei anderen staatlichen Stellen (Führungspositionen etc.), die nicht durch das Volk (demokratische Entscheide) abgesegnet werden, könnte ich mir vorstellen, eine 40%ige Quote pro Geschlecht einzuführen.

          Bei nichtstaatlichen Organisationen, Firmen, Betriebe etc., keine Quote, weil auch hier hätten es die Frauen in der Hand, selber Firmen oder Betriebe zu gründen und eher Frauen in die Führungspositionen zu schleusen.

        • @Miria

          Bei staatlichen Stellen, die nicht durch demokratische Entscheide besetzt werden, stellt sich immer die Frage, wurde die Stelle aufgrund von Leistungskriterien vergeben (welche/r BewerberIn hat die besten Leistungsnachweise) oder spielt nicht auch das soziale/ev. symbolische Kapital eine wesentliche Rolle bei der Stellenvergabe. Also soziale Netzwerke (ich kenne diesen und jenen oder bin in dieser oder jener Partei oder in diesem oder jenem Verband etc.) könnten doch auch ein Rolle spielen (soziales Kapital) und auch das Renommee einer Person (Bekanntheitsgrad etc.) könnte bei der Stellenvergabe eine Rolle spielen.

          Aber konkret: Mich würde es als Frau auch anscheissen (wenn ich eine wäre), wenn nur 25 % der Frauen in Führungspositionen sitzen oder nur 25% Professorin sind. 🙂

          • @chomskyy
            „Aber konkret: Mich würde es als Frau auch anscheissen (wenn ich eine wäre), wenn nur 25 % der Frauen in Führungspositionen sitzen oder nur 25% Professorin sind. :-)“

            Interessant.
            Kannst du sagen, warum eigentlich?
            Du setzt dabei ja stillschweigend voraus, dass
            a. mehr als 25% überhaupt Professorin werden wollten/ in Führungspositionen wollten
            b. mehr als 25% aufgrund ihrer Leistung dazu befähigt gewesen wären, und zwar auch im Vergleich zur Leistung der männlichen Mitbewerber.

            Woher dieses doppelte Wissen, dass ja zumindest für eine begründete Empörung nötig wäre?
            Intuition? 😉

          • @Chomskyy

            „Mich würde es als Frau auch anscheissen (wenn ich eine wäre), wenn nur 25 % der Frauen in Führungspositionen sitzen oder nur 25% Professorin sind. “

            Was aber dasnn dennoch zwei Richtungen zulässt:
            – Diskriminierungen gegen Frauen abbauen
            – Mehr Frauen dazu bewegen, diese Jobs zu wollen und die damit verbundenen Risiken/Anstrengungen einzugehen

            Dabei ist wieder das Problem, dass zwar viele Frauen über eine Erhöhung des Anteils froh wären, aber wenige selbst in den darum bestehenden Konkurrenzkampf eintreten wollen.

        • @ Chomskyy

          Für einen erklärten LinksLIBERALEN hast du bei diesem Thema einen erstaunlichen Mangel an Wertschätzung für die individuelle Wahlfreiheit.

        • @Leszek

          Du schreibst:

          Für einen erklärten LinksLIBERALEN hast du bei diesem Thema einen erstaunlichen Mangel an Wertschätzung für die individuelle Wahlfreiheit.

          Kommentar:

          Nun, das hast Du natürlich gut beobachtet. Aber ich glaube, da kommen mir meine zwei liebsten Idole in die Quere: Noam Chomsky würde wohl Quoten ablehnen (Individualismus) und PIerre Bourdieu würde wohl Quoten richtig finden (Kollektivismus). Also, manchmal mit Bourdieu gegen Chomsky und manchmal mit Chomsky gegen Bourdieu.

    • Feminismus ist deswegen prinzipiell abzulehnen, weil dieser auf Bevorzugung bz. Benachteiligung aufgrund eines angeborenen Merkmals zum Inhalt hat.

      Eine politische Strömung die für gleiche Rechte und Pflichten eintritt, und ggf. Differenzierungen vornimmt wo dies notwendig sein kann steht diesem diametral gegenüber und kann icht anders als dem Feminismus feindlich sein – im Sinne von bedrohlich in Bezug auf den Ideenkosmos die damit in Konflikt treten.

      • Aber das ist doch nur deine Definition von Feminismus! Ich bin Feministin und trete eben doch für gleiche Rechte und Pflichten ein und nicht dafür, dass irgendwer aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird (egal, ob Frau oder Mann).

        • @Miria
          „Ich bin Feministin und trete eben doch für gleiche Rechte und Pflichten ein und nicht dafür, dass irgendwer aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird (egal, ob Frau oder Mann).“

          Und warum nennst du dich dann „Feministin“? Und nicht z.B. „Humanistin?“
          Wenn doch in deinem Denken über Rechte und Pflichten von Menschen das Geschlecht keine Rolle spielen soll? Warum kommt dann in der Benennung des Dinges nur die weibliche Seite vor?

    • „Aber Feminismus bedeutet dich eben nicht Benachteiligung und Diskriminierung von Männern!“

      Es kommt darauf an, was man unter Diskriminierung versteht. Etwas unter der Annahme eines Patriachats zu erklären, bedeutet Männern eine Unterdrückerrolle zuzuweisen und das ist selbstverständlich Diskriminierung.

      Dem kann man nur entgehen, wenn man das Patriachat empirisch nachweißt. Weiß jemand, ob das schon mal versucht worden ist?

      • *Die übliche Beweisführung ist ja leider
        “Frauen verdienen 23% Prozent mehr,
        deswegen muss es ein Patriarchat
        geben!!1″*

        Er meint natürlich dass Frauen
        23% Prozent mehr verdienen als
        Männer, im Bezug auf ihre
        Minder-Leistung.
        😀

      • Ich glaube nicht, dass es schon mal versucht worden ist, das Patriarchat nachzuweisen, sonst hätte ich das mitbekommen.

        Ich hatte diesbezüglich nämlich schon einige Diskussionen mit Feministinnen, die mir das mal erklären sollten, denn ich glaube nicht daran und verstehe die Theorie mit dem Patriarchat nicht…
        Da kommen dann so Argumente wie, dass das überall zu sehen ist, beispielsweise wenn man sich in der Fußgängerzone entgegenkommt, dass dann immer die Frauen ausweichen und so ein Quatsch…

        Also ich bin ebenfalls sehr gespannt auf einen Nachweis des Patriachats!

        • Mein Fehler – sorry: Es geht mir natürlich darum, zu zeigen, daß 1. wenn ein solcher Nachweis möglich ist, der die-und-die Gestalt haben muß und 2. daß, wenn er die-und-die Gestalt haben muß, er dann fehltschlägt.

          Eine mögliche Erklärung, aus der Feministen den Hinweis „kann man doch überall sehen“ für ausreichend halten, könnte darin liegen, daß einen Effekt vorherzusagen, nicht bedeutet, daß die Theorie mit der man ihn vorhersagt, auch bestätigt wird. Man kann ein beobachtbares Phänomen auch mit etwas Absurdem richtig vorhersagen.

          Beispiel Geozentrisches Weltbild: Ob die Sonne sich um die Erde dreht (=geozentrisches Weltbild), sieht genauso aus, als wenn sich die Erde um die Sonne dreht (heliozentrisches Weltbild). Die Epizykeltheorie (-> Wikipedia) des geozentrischen Weltbild konnte die Planetenbewegungen super vorhersagen, aber falsch war sie dennoch.

          Folgerung: Daß etwas ein Beispiel für eine These ist, bestätigt noch nicht diese These.

          Kann man auch hier nachlesen:

          http://jungsundmaedchen.wordpress.com/2013/06/08/quote-vadis/

      • Dem kann man nur entgehen, wenn man das Patriachat empirisch nachweißt. Weiß jemand, ob das schon mal versucht worden ist?

        @ Elmar Diederichs

        Um das patriarchale Gesellschaftssystem vom nicht patriarchalen zu unterscheiden müsste vorab eine Definition gesetzt werden, um sinnvoll Abgrenzungen vorzunehmen.
        In der Soziologie bedeutet Patriarchat in etwa „eine vorwiegend von Männern gestaltete Gesellschaft“. Das hilft aber vorerst nicht wirklich weiter, denn man müsste den Einfluss von Frauen und Männern anhand sinnvoll ausgewählter Kriterien auch messen können.

        Wird, um mal zwei Beispiel anzuführen;

        Wird bloss der Anteil von Frauen und Männern in den Spitzenpositionen von Politik und Wirtschaft verglichen, dann leben wir in einem Patriarchat.

        Im griechischen und insbesondere im römischen Recht galt der pater familias („Patriarch“, „Herrschaft des Vaters über den Haushalt und alle seine Mitglieder“) als der Herr des Hauses, dem die Macht über alle Mitglieder des Haushalts verliehen wurde (patria potestas). Dies beinhaltete insbesondere auch das Recht, ein Neugeborenes als rechtmässiges Mitglied des Haushaltes anzuerkennen oder es abzulehnen und es, wie damals nicht unüblich, auf einem Dunghaufen auszusetzen, wo es starb oder von jemandem „adoptiert“ wurde. Die Macht über den Haushalt, die Annahme oder Ablehnung (=Abtreibung) eines Kindes hat heute de facto allein die Mutter. In diesem Sinne leben wir in einem Matriarchat.

        Dein Unterfangen ist sehr interessant, aber es umfasst ein riesiges Feld, das es zu beackern gälte. Meine zwei kurzen Erläuterungen sollten eben dies verdeutlichen.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Patria_Potestas

        http://de.wikipedia.org/wiki/Pater_familias

        • @Peter

          Deine Beispiele zeigen auch sehr gut, dass „Patriachat“ in vielen Fällen schlicht eine wenig sagende Verallgemeinerung ist.

          Auch schon deswegen, weil solche Bezeichnungen zu einem Zero-Sum-Game passen (ein Geschlecht gewinnt), während Geschlechterbeziehungen ganz überwiegend als Non-Zero-Sum-Game gespielt werden.

          Was die Möglichkeiten einer Herrschaft eines Geschlechts meist schon ziemlich einschränkt.

        • @ Elmar

          Eine kurze Ergänzung noch:

          Wenn Du meinem Ansatz folgen würdest, d.h „Kriterien bestimmen und messen“, dann wäre es vielleicht ganz interessant, Gleichstellungsbeauftragte die Kriterien bestimmen zu lassen. Wenn diese Kriterien auch erwartungsgemäss ein Patriarchat nachweisen würden, so wäre der Begriff doch abgegrenzt und damit die Deutung nicht mehr beliebig. Das allein wäre schon ein gewaltiger Fortschritt und der Verweis auf die Gleichstellungsbeauftragten würde pauschale Kritik an der Auswahl der Kriterien unterbinden.

        • Ja, das ist wirklich eine Möglichkeit. Leider fahre ich nächste Woche wieder nach Moskau für ein paar Wochen ….

          @ Elmar

          Voooorsicht!!! Russische Frauen sind schlau!

          Ich wünsche Dir eine gute Reise und eine schöne Zeit. Halte uns doch bitte auf dem Laufenden.

    • „Nur weil ein paar radikale den Feminismus so vereinnahmen, muss die Idee an sich dich nicht schlecht sein!“
      ——-
      Christian hat ja auch schon öfter, in diesen oder ähnlichen Zusammenhängen von Radikalfeministinnen geschrieben. Was ich mich da frage: Kann man Menschen, die zu über, ich schätze mal 70% im Staatsdienst arbeiten, teilweise in vollkommen sinnlosen und künstlich geschaffenen Berufsfeldern, wirklich als radikal bezeichnen?

      Ich würde es eher verneinen. Sie bekämpfen den Staat nicht, sie nutzen ihn perfekt aus! Erst ein vollkommen sinnloses Sozialwissenschafts- oder ideologisiertes Pädogogik-Studium, um dann hinterher in eine der großen Stiftungen zu kommen und Studien zu verfälschen oder seine Verblödung direkt an der Uni weiterzugeben oder in einen sozialen Beruf zu gehen, zu dem man vollkommen ungeeignet ist, weil man nichts Pädagogisches gelernt hat, sondern nur wie böse die Welt zu Frauen ist.

      Und solche staatlich-subventionierten Nulpen sollen dann rrrriot-girls, sollen radikal sein?

      P.S.: Ich studier Sonderpädogik im Nebenfach, da habe ich so einigen Schwachsinn erlebt und als ich an einer Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung gearbeitet habe, waren alle studierten Lehrer vollkommen unfähig- während die Lehrer mit Fachausbildung nen guten Job gemacht haben.

      Man sollte persönliche Erfahrungen ja nicht zu hoch hängen, aber ich habe heute meinen undifferenzierten Tag.

      • „radikal“ bezieht sich ja eher auf Einstellungen statt auf Handlungen.

        Und bei dem Rest stimme ich dir zu. Ich selbst gebe neben meinem Studium Nachhilfeunterricht (hauptsächlich im Fach Mathematik) und meist verbessern sich die Schüler innerhalb kürzester Zeit umd zwei, teilweise drei Noten. Da kann mir keiner sagen, dass die schlechten Noten an dne Schülern liegen.
        Wer was drauf hat, wird eben meistens kein Lehrer…

        • Es ist aber auch etwas anderes, ob man sich mit einem einzelnen oder einer sehr kleinen Gruppe an Schülern zusammensetzt und für die Probleme eines jeden Einzelnen Zeit hat, oder ob man eine ganze Klasse unterrichten muss. Es ist nun mal so, dass ein Lehrer/Professor seinen Stoff in einer gewissen Zeit durchbringen muss, und sich nicht so sehr auf die Schwächen und Stärken des Einzelnen konzentrieren kann. Abgesehen davon würden allzu viele Schüler von selbst gar nichts anschauen, was natürlich auch nicht gerade förderlich für gute Noten ist – ich weiß das ja von mir selbst und sämtlichen Neffen, Nichten und kleinen Schwagern. Deswegen gleich die Lehrer zu verteufeln finde ich übertrieben.

      • Was ich mich da frage: Kann man Menschen, die zu über, ich schätze mal 70% im Staatsdienst arbeiten, teilweise in vollkommen sinnlosen und künstlich geschaffenen Berufsfeldern, wirklich als radikal bezeichnen?

        Die Frage ist berechtigt. Wenn wir radikal mit Subversion assoziieren – was in der Regel eine naheliegende Assoziation ist – dann ist die Antwort ein klares Nein. Der Staatsbedienstete, der am Erhalt seiner materiellen Partizipation interessiert ist, der ist nicht subversiv, denn er ist als Teil des Etablishements kein Umstürzler, sondern Gestalter der bestehenden Ordnung

        Trotzdem werden sogenannte Radikalfeministen im ÖD als subversiv wahrgenommen. Dies ist i.m.h.o aber lediglich dem tradierten und Habitus des progressiven Veränderers geschuldet, dem Habitus, dessen Wurzeln in der 68-er Zeit des vorigen Jahrhunderts liegen. In nostalgischer und völlig relaitätsverweigernder Verklärung der heutigen Machtverhältnisse sieht sich die „subversive Staatsschranze“ nach wie vor als Teil der ausserparlamentarischen Opposition, die in den staatlichen Institutionen nicht repräsentiert ist.

        Der ganze „Staatsschranzenrevoluzzerschmus“ ist nichts als biedere Folklore.

      • Was ich mich da frage: Kann man Menschen, die zu über, ich schätze mal 70% im Staatsdienst arbeiten, teilweise in vollkommen sinnlosen und künstlich geschaffenen Berufsfeldern, wirklich als radikal bezeichnen?

        Warum nicht? Die Tugendwächter, die die Mädchen zurück in die Brennende Schule geprügelt haben, sind auch im Staatsdienst, und haben einen komplett Sinnfreien und Künstlich geschaffenen Job, und sie werden zurecht „Radikal“ genannt.

        „Radikal“ ist jemand, der ein (fiktives oder reales) Problem „an der Wurzel“ angehen will.

        Und für die radikalen Feministen ist die Wurzel des Problems oft schon, dass man kein Orwellsches Neusprech hat, und daher immer noch Sätze bilden kann, in denen die Existenz von Geschlechtern angenommen wird.

    • Ich habe den Eindruck, „Feminismus“ ist inzwischen ein ähnlich unscharfer Begriff wie „Spiel“ bei Wittgenstein (http://de.wikipedia.org/wiki/Familienähnlichkeit).

      Während ein Alltagsbegriff aber ohne Definition überleben kann, halte ich das bei einem Gesinnungsnamen für kritisch. Wenn aus „Ich bin Feminist“ absolut nichts mehr folgt, man dadurch keinen Deut schlauer über den Sprechenden ist, hat der Begriff keine Bedeutung mehr.

      Das wird noch weniger sinnvoll, wenn man sagt „Ich bin Feminist, aber all die öffentlichen Sprachrohre und als solche bekannten Feministen, die sind gar keine echten Feministen, also nicht wie ich es verstehe.“.
      Das ist Unsinn.
      Das ist mehr oder weniger, als würde man sagen „Ich bin Katholik, aber ich glaube nicht, was der Papst sagt und an Gott glaube ich auch nicht.“ oder „Ich bin Engländer. Ich bin zwar in Berlin geboren, war niemals jenseits des Ärmelkanals und bin auch mit niemand verwandt, der irgendeine Verbindung zum UK hätte, aber ich bin Engländer.“

      Das ist der Versuch einer Privatsprache.

      Da Sprache aber interaktiv ist und „Verständigung“ als wesentliches Merkmal hat, würde ich so weit gehen zu sagen, dass die Begriffe in diesen Fällen ‚falsch‘ verwendet werden.
      So wie in „Tu noch etwas Paprika an die Vanillesauce, du weißt schon, das fein-körnige, weiße, süße Zeug: Paprika.“

      Aber angenommen, „Feminismus“ ist (inzwischen) ein Wort wie „Spiel“, so heißt das nicht, dass damit beliebige Dinge gemeint sein können.
      Zum Beispiel würde ich argumentieren, dass ein Spiel nicht Ernst sein kann. Dass eine Tätigkeit insofern als und in dem Maße dass sie Ernst ist, aufhört, Spiel zu sein.
      Ein Schachspiel, das über Leben und Tod entscheidet, ist noch in dem Sinne ein Spiel als es den Regeln eines etablierten Spieles folgt, aber nicht mehr in dem Geiste, in dem das Schachspiel entwickelt wurde.

      Wenn eine Bulldogge mir grade ein Bein abbeißt und sein Frauchen sagt: „Der will nur spielen“, habe ich guten Anlass zu sagen: „Die Frau redet Unsinn. Das ist kein Spiel.“

      Abgrenzung ist also u.U. bei Familienähnlichkeiten ein valides Mittel.

      Das Vorhaben von Peter zu ‚definieren‘, was „Feminismus“, wird so nicht funktionieren. Was aber möglich sein müsste, wäre das Zusammentragen von Kriterien und Abgrenzungen. Einige Beispiele:

      — Feminismus ist eine politische Bewegung oder zumindest Ausdruck einer politischen Überzeugung. Das kann qua „Das Private ist politisch“ weit gefasst sein.
      Dieser Punkt scheint mir historisch gegeben zu sein. Der Begriff „Feminismus“ wäre nicht im Gebrauch, wenn er nicht ursprünglich politisch gewesen wäre.

      — Im Fokus des Feminismus ist die Frau, als Person oder als Gesamtheit. Nicht-Frauen werden nur in ihrer Relation zu Frau(en) betrachtet.
      Dieser Punkt ist historisch begründet („War immer so“), aber vor allem auch etymologisch. Wer behauptet, sich zu wesentlichen Teilen um Männer oder Kinder oder Tiere zu kümmern, hat Erklärungsbedarf, weshalb er sich das Etikett „Frauenbewegung“ gibt. Und nicht Humanismus oder Kinderschutzbund oder Peta oder Aktion-Bessere-Welt. Das ergäbe so viel Sinn wie die Formel 1 in „Barbie-Fan-Club“ umzubenennen.

      — Feminismus als Bewegung hat einen Anlass, es gibt etwas zu ändern, nämlich die Unterdrücktheit der Frau. Daraus folgt: Wenn bei der Befreiung der Frau auch anderen Menschen geholfen wird, nehmen Feministen das vielleicht billigend in Kauf, aber die Motivation ist der Fokus auf die Frau. Siehe Punkt 2. Sonst hieße es nicht „Feminismus“.

      Schon diese drei habe ich bereits von selbst-sich-so-nennenden-Feministinnen verleugnet gesehen. „Nein, ich bin nicht politisch, ich bin nur so stolz (oder froh), eine Frau zu sein.“ oder „Nein, ich bin Feministin, weil ich mich um streunende Katzen kümmere.“ oder „Feminismus will Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung und Freiheit für alle Menschen.“

      Gerade Letzteres erlaubt vielleicht wieder einen Vergleich mit dem Christentum. „Christentum predigt Nächstenliebe“ ist ein ganz anderer Satz als „Alle Christen lieben ihren Nächsten“.

      Darf man eine Bewegung für das Handeln seiner Anhänger verurteilen?

      Ich meine ja. Bei politischen Bewegungen noch wesentlich mehr als bei Religionen. Was im Namen des Feminismus getan wird, von Menschen, die quasi unwidersprochen als Feministen gelten, definiert in meinen Augen, was Feminismus _ist_.

      Feministen, wenn sie sich denn so nennen, müssen sich zu Schwarzer und Solanas ebenso bekennen, wie Männer realisieren müssen, dass Stalin und Dschingis Khan Männer waren.

      Als Mann kann man noch sagen: „Ja, aber da Vinci, Albert Schweitzer und Gandhi waren auch Männer.“ Beispiele definieren nicht den Begriff, solange es Gegenbeispiele gibt.

      Auf welche feministischen Errungenschaften kann eine Feministin mit Stolz verweisen?
      Die Frage meine ich Ernst.
      Nicht weil mir nichts einfiele, sondern weil mich ein echtes Beispiel interessieren würde, welche Leistungen des Feminismus eine Feministin stolz sein lassen, Feministin zu sein.

      Vielleicht kann man so den Feminismus definieren? Worauf sind Feministinnen stolz?

        • @Christian,

          wirklich?
          Hmmmm, dann wird da wohl was in meiner Argumentation nicht deutlich.

          Ich will darauf hinaus, dass eine Gruppe über die Handlungen ihrer Mitglieder definiert werden kann, solange es keine klare begriffliche Definition gibt.

          Das ist ein Ansatz, der von so manchen Feministinnen gern mit der Gruppe „Mann“ verfolgt wird. Da werden einem mit Beispielen von Ivan dem Schrecklichen über Wilhelm II oder Bomber Harris zu Ackermann Beispiele zweifelhafter Männlichkeit vorgehalten, mit der Schlussfolgerung „So sind Männer.“

          Alle in diesem Blog Mitlesenden wissen, wie überzeugend diese Argumentation ist. Männer brauchten ziemlich lange, bis sie aufwachten und dachten: „Ja, das waren alles Männer, das stimmt, aber Sokrates, der sprichwörtliche Samariter, Beethoven und die Leute, die sich grad an der Elbe abschuften, das sind auch alles Männer.“

          Das sagt überhaupt nichts über Frauen aus (daher ist die Assoziation mit deinem Link falsch), aber es sagt eine Menge über „Mann“ aus.

          Zu jedem Machiavelli gibt es einen Kant. Oder, falls die Beispiele nicht genehm sind: zu jedem Böser Mann gibt es einen Guter Mann.

          Die Ich-bringe-Beispiele Technik funktioniert also nicht, um die von vielen Feministen geglaubte Aussage Mann = Böse zu stützen.

          Die Argumentation wird in dem Maße ausgehebelt, in dem es Gegenbeispiele gibt.

          Viele Maskulisten verwenden die gleiche Technik gegen den Feminismus. Ein paar Beispiele:

          —-

          „Zugunsten der Interessen von Frauen versucht Feminismus, Rechtsstaatliche Prinzipien abzubauen.“
          Siehe Title IX an amerikanischen Unis oder A. Schwarzer im Kachelmannprozess.

          „Wenn es den Interessen von Frauen dient, würden viele Feministen Genozid gerechtfertigt finden.“ Siehe Solanas SCUM und #killallmen

          „Demokratie ist überbewertet, Frauen sind wichtiger“ Siehe die Grünen.

          „Meinungsfreiheit ist weniger wichtig als Feminismus.“ Siehe überall (z.B. Antifeminismus = Hatespeech Bewegung in Skandinavien).

          „Chancengleichheit ist weniger wichtig als Frauen in hohen Positionen“ Siehe Quotenfrauen.

          —-

          Das sind alles Beispiele für das, was „Feminismus“ tut und damit bedeutet.

          Der Begriff muss sich daran messen lassen.
          Und wenn es keine gleich lauten, positiven Gegenbeispiele gibt, sagen Antifeministen zu Recht: „Das ist Feminismus. Das ist, was Feminismus _tut_. Wenn du dich ‚Feministin‘ nennst, bist du die Powerbase für diese Einstellungen und Handlungen.“

          Daher meine Frage oben: Was sind die Gegenbeispiele? Welche feministischen Lichtgestalten gibt es, die nicht rücksichtslos Fraueninteressen über alles andere stellen, sondern im Interesse von Gleichberechtigung einige Rechte von Frauen aufgeben oder neue Pflichten für Frauen fordern?

          Und damit, nach Möglichkeit, auch noch Erfolg haben?

  7. V.a. kleinen Unternehmen rate ich, auch die Mitarbeiter auf der Website mit einem Foto und ein paar Informationen vorzustellen. Zum einen wird der Besucher der Website vielleicht mit dem einen oder anderen Mitarbeiter Kontakt haben, sollte er das Produkt bzw. die Dienstleistung kaufen, zum anderen signalisieren Sie damit, dass Sie Ihre Mitarbeiter schätzen. Informieren Sie die Besucher Ihrer Website also ruhig, wer wofür in Ihrem Unternehmen zuständig ist. Natürlich ist es gut, wenn Sie sich dann auch bei der Vorstellung Ihrer Mitarbeiter Mühe geben. Beispiel: Statt „Sabine Müller, Sekretariat“ schreiben Sie besser „Sabine Müller betreut unser Sekretariat und nimmt Ihren Anruf entgegen“ oder „Sabine Müller betreut unser Sekretariat und nimmt zwischen 9:00 und 17:00 gerne Ihren Anruf entgegen“. Wenn Sie, wie ich, ein Einpersonenunternehmen haben und mit anderen Unternehmen oder Freiberuflern zusammenarbeiten, stellen Sie Ihr „Netzwerk“ oder „Team“ auf der Website vor.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.